Was heißt es, gefestigt zu sein?

  • Hallo Ihr Lieben,

    in dem Thread Hilfe beginnt bei MIR und nicht bei den Anderen.Warum? hat Kinuli die Frage gestellt:

    Zitat

    Was verstehst Du, versteht ihr hier eigentlich unter "gefestigt"? Bezogen auf Alkoholiker, kann man das sicher nicht zeitabhängig machen; ich bin 1,5 J. trocken & empfinde mich manchmal als grandios stabil, und manchmal als furchtbar wackelig.

    Ich stelle dies mal hier separart als Thema zur Grundlage des Austausches ein.

    Wünsche Euch auch dazu einen regen Austausch.

    Lieben Gruß

    S.Käferchen

  • Hallo,
    das ist eine supergute Frage!....... Was heißt gefestigt?!
    Da ich gerade erst am Anfang bin meiner langen Co-Karriere ein Ende zu machen und mich diverse Rückfälle heimsuchen, ist das eine Frage, die ich so deutlich mir noch gar nicht in meinem Prozeß gestellt habe.
    Also, ich stelle für mich fest,ich möchte meine Abhänigkeiten zu Menschen, bei denen ich Co funktioniere, verlieren und mich selbst erst mal erleben. Sodaß ich irgandwann für mich frei entscheiden kann wann und wie ich mich einem anderen Menschen öffne. Dann eine Beziehung freiwillig eingehe, somit natürlich auch eine gewisse Abhänigkeit, aber aus freien Stücken, so zusagen aus MIR rauß. Nicht aus dem Zwang meiner Suchterkrankung der Co`s heraus, sonder als gesunder Mensch. Eine freie Entscheidung treffen zu können, ohne meine Zwänge es anderen Menschen recht zu machen. Das beziehe ich nicht nur auf Alkoholkranke Menschen, sondern auf jeden Menschen, den es ist meine Erkrankung, meine Gier nach Bestätigung und Liebe. Erst wenn ich diese Gier nicht mehr spühre und will, dann liebe ich mich selbst auf näurliche weise, also die "gesunde Selbstliebe". Und keine ungesunde Selbstaufgabe mher zu brauchen. Klingt konfus, ist für mich aber schwer zu artikulieren. Es hilft mir aber in dem ich jetzt das schreibe und damit klärt sich auch mein Ziel.
    Wünsch euch allen einen schönen Tag

  • Hallo S. Käferchen,


    darüber habe ich mir auch meine Gedanken gemacht und komme zu dem Ergebnis, dass gefestigt sein ein Zustand ist, in dem man nicht nur clean ist, sondern frei von seiner Sucht. Erst in diesem Zustand werden die kranken Verhaltensweisen überflüssig, da sie keinen Gewinn mehr bringen. Womöglich müssen sie bis dahin ausgelebt werden. Schonungslose Bestandsaufnahme der eigenen Situation ist ein Lernprozess. Vorerst mag es leichter sein, Anderen zu antworten, helfen zu wollen, weil der eigene Schmerz noch zu mächtig erscheint, um sich ihm stellen zu können. Verdrängen und schönreden sind Bestandteile von uns Abhängigen bis zu dem Punkt, an dem man mit seinen eigenen Gefühlen so massiv konfrontiert wird, dass ein inneres Bedürfnis danach schreit, sich ungeschminkt zu stellen. Das bedarf Mut und Vertrauen, dass nichts schlimmes passieren kann. Wenn man dort ankommt, stellt man fest, wie befreiend es sich auswirkt, sich nicht mehr verstellen zu müssen, beliebt sein wollen und gut anzukommen. Die Wege dorthin sind sicher individuell verschieden, es lässt sich nicht forcieren. Genesung braucht ihre Zeit.

    Wenn das Gefestigtsein sich eingestellt hat, wird wohl der Bedarf sich hier zu beteiligen, mehr in den Hintergrund treten.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht, hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung.

  • Hallo S.Käferchen,

    für mich bedeutet gefestigt, wenn ich nicht mehr sage bzw. denke, aber ich kann doch nicht…. oder ich muss doch…. bei Dingen die ich nicht will, die mir gegen den Strich gehen. Ich bin nur mir selbst und niemandem anderen verpflichtet, wenn ich das ohne wenn und aber sehe, dass bedeutet für mich gefestigt. Ob das mit der Umsetzung dann immer so klappt ist für mein Empfinden erstmal zweitrangig. Das kommt mit der Zeit und mit der Übung, jahrelange Verhaltensweisen kann man nicht von heute auf morgen ändern, auch wenn man es manchmal gerne würde. Für mich findet die Änderung erst im Kopf statt und später bei den Taten.

    Das bedeutet es für mich, aber die Frage wurde auch Dir gestellt und Du hast anderen Thread, der Auslöser dafür war, auch ins Leben gerufen. Es ist eine Sache sie hier allgemein zur Disskussion zu stellen, aber ich sehe keine Antwort von Dir auf diese Frage. Also fände ich es mehr als in Ordnung, wenn Du diese Frage auch beantworten würdest.

    Gruß
    Skye

  • Hallo Skye,

    also ich möchte gern darauf antworten. :wink:

    Ich werde Dir die kurze und prägnante Antwort aus dem anderen Thema hier reinkopieren:

    Zitat

    Ich konnte mein Leben grundsätzlich ändern, weil ich hier gelernt habe, für mich etwas zu tun und den Kreislauf oder die Verhaltensmuster, mich mit anderen abzulenken, ablegen konnte, bzw, erkennen kann, wann ich beginne, mich wieder aus den Augen zu verlieren


    Dies ist ein großer Bestandteil meiner Definition für gefestigt, nämlich sich seiner Stärken und Schwächen, der Co-Knöpfe bewußt zu sein, diese erkennen zu können und auch, mit manchmal großen wie auch kleineren Rückschritten, leben zu lernen, mir eingestehen zu können, daß ich mein Leben lang auf mich achten muß, nicht wieder in altgewohnte, anerzogene oder angelernte Verhaltensmuster zu rutschen. Und wenn ich in diese zurückgerutscht bin, mich an meine *neu erlernten* Muster zu erinnern, mir Hilfe zu holen, bereit zu sein, diese dann anzunehmen.

    Gefestigt zu sein als Co-Abhängige bedeutet nicht für mich, meine Sucht zu verlieren, denn ich werde immer die Erkrankung haben, aber mir immer dessen bewußt zu sein, daß ich mich aus den Augen verlieren kann, daß ich weiterhin achtsam sein muß, das heißt für mich, ein Schritt in Richtung *gefestigt* zu sein.

    Ich behaupte jetzt einfach mal für mich, niemals *fest* zu stehen, sondern nur gefestigt, mit der Realität, an einer Suchterkrankung erkrankt zu sein. Und ich immer meine Beweggründe überprüfen muß, warum ich etwas tue, um *nur* anderen zu helfen, oder aber, um von den *kleinen* Erfolgen und Mißerfolgen, die ich auf meinem Weg gemacht habe, anderen eine Richtung aufzeigen zu können. Ob diese diese Richtung einschlagen, liegt dabei dann nicht an mir.
    Auf jeden Fall ich mich dadurch auch immer wieder erinnere, warum ich hier bin. Nämlich, weil ich krank bin! Ich schreibe hier nur für mich!!!!


    Lieben Gruß

    S.Käferchen

  • Zitat

    erkennen zu können und auch, mit manchmal großen wie auch kleineren Rückschritten, leben zu lernen, mir eingestehen zu können, daß ich mein Leben lang auf mich achten muß, nicht wieder in altgewohnte, anerzogene oder angelernte Verhaltensmuster zu rutschen. Und wenn ich in diese zurückgerutscht bin, mich an meine *neu erlernten* Muster zu erinnern, mir Hilfe zu holen, bereit zu sein, diese dann anzunehmen.

    Gefestigt zu sein als Co-Abhängige bedeutet nicht für mich, meine Sucht zu verlieren, denn ich werde immer die Erkrankung haben, aber mir immer dessen bewußt zu sein, daß ich mich aus den Augen verlieren kann, daß ich weiterhin achtsam sein muß, das heißt für mich, ein Schritt in Richtung *gefestigt* zu sein.

    Hallo Käferchen,

    oben genanntes kann ich für mich unterschreiben, sehe ich auch so. Würde noch hinzufügen, dass nicht nur meine neue Denkweise mich weiterbrachte, sondern auch das Fühlen können, für mich, das noch entscheidendere gewesen ist. Ich konnte über mich bei meinem Therapeuten Erlebnisse von meinem Kopf her berichten, oft leider nicht fühlen. Erst das Fühlen können, liess mich, mich selbst besser verstehen zu lernen und somit Kontakt zu meinen Gefühlen aufzubauen, von denen ich mich aus Angst, in meiner Kindheit, getrennt habe.

    Noch eine FRage habe ich: Wer sind hier die alten Hasen, von denen öfters die Rede ist, ich bekomme wenig Rückmeldungen, wenn es tiefergehende Fragen sind, die besonders uns als EKA`s betreffen. z.B. was und wie Folgeschäden durch die Alkoholkrankheit unserer Elternteile, aufgearbeitet werden können.

    Sind sicherlich eine andere Herangehensweise und Lösungsansätze, als bei trockenen Alkoholikern oder bei Co-Abhängigen, vonnöten. Die Sucht ist es, die uns verbindet, unser aller Leben beeinflusst. Die Wege sind unterschiedliche, oder wie seht ihr das?

    Alles Liebe Weitsicht

  • Ich bin die Tochter eines Alkoholikers/Spielers.

    Die oben angeführten Ausführungen kommen mir sehr nahe. Mit einer Einschränkung, dass ich mir nicht ständig sagen möchte, krank zu sein, sondern eher, dass ich liebenswert und auf dem Weg der Genesung bin. Die Kraft der eigenen Gedanken und der Glaube an Genesung tun mir gut.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht, hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung.

  • Das ist definitiv ein Thema, von dem ich frage - ob das überhaupt jemand über sich selber oder über andere "entscheiden" kann.

    Es ist auch ein Thema, welches mir - sorry - egal ist. Denn egal, wie labil oder gefestigt ich bin - in der Realität hilft es mir nicht weiter mich als so oder so zu bezeichnen.

    Mir erscheint wichtig zu sein, dass eine Person für sich sagen kann was sie möchte und was nicht - dass ein Mensch dabei auf die üblichen "aber" verzichtet und sich Schritt für Schritt an diese Träume oder Ziele wagt.

    Ist jetzt eine Person gefestigt, die sich sofort ohne Hass vom Lover trennt und ihren Weg alleine geht oder die Person, die seit Jahren nicht mehr so mit dem Partner leben will aber dennoch nichts verändert? Sind nicht beide "gefestigt"?? Der eine weil er eine Entscheidung getroffen hat und vorwärts geht und der/die andere weil er/sie die Entscheidung getroffen hat auf ein Wunder zu warten und deshalb stagniert? Was ist überhaupt das Wort "gefestigt".

    Mir sind das viel zu viele Beurteilungen, Einteilungen nach Zwei-Klassen- Alkoholikern oder Mehr-Klassen-Co's - für mich ist das Thema schon schlimm genug, dass Menschen leiden müssen (Alkoholiker und Co) da ist es mir zu extrem diese Personen oder mich in ein Raster zu legen.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo an alle,
    ich stimme Dagmar zu. Inwiefern ist es denn relevant, wie "gefestigt" jemand ist.
    Kein Co-Abhängiger gleicht dem anderen.
    Da es sich hier um Beziehungs-Abhängigkeien in den unterschiedlichsten Facetten geht, kann ich doch nicht pauschal beurteilen, ob dieser oder jener "gefestigt" ist.

    Mir klingt das alles auch zu sehr nach Beurteilung.
    Person A ist gefestigt und darf Tipps weitergeben, person B hingegen wankt noch in Bereich x und y, soll sich also bitte zurückhalten.
    Manchmal sind es einfache, so dahingeschriebene Sätze, auch von "Neulingen (zu denen ich mich ja auch noch zähle) die ein AHA-Erlebnis in mir auslösen und mich weiterbringen.
    Es gibt "Bereiche", in denen fühle ich mich sehr gefestigt und solche, in denen ich gewaltig rumeiere.
    Und trotzdem erlaube ich mir die eine oder andere Antwort, weil ich z.B. in dem Moment genauso empfinde, genauso rumschwimme wie der, dem ich antworte.
    Manchmal kann ein Austausch unter sog. "Nichtgefestigten" äußerst fruchtbar sein.
    Genauso freue ich mich über die Statements und Anregungen von erfahrenen Mitgliedern.

    Ich verstehe irgendwie den Sinn der Frage nicht.
    Hmm.
    LG Thelma

  • Zitat


    entwicklung ist ja auch nichts lineares - da gibt es umwege, stillstand, sprünge, rückschritte usw

    Danke Graffiti für diese Aussage, darinnen steckt soviel wahres und tröstliches.

    Hinfallen werden wir, aufstehen können, Neues ausprobieren, Sinn für eigenes Leben finden, das ist was Stärke und liebevolles Miteinander ausmachen. Menschlichkeit spüren und leben. Denken und Fühlen übereinstimmend wahrnehmen können, ist für mich mein Weg zur inneren Freiheit und Unabhängigkeit gewesen. Und doch gibt es Tage, die mich wie in einem Labyrinth, von meiner Mitte wieder wegführen, hinfallen lassen. Ich weiss, dass ich wieder aufstehen werde.

    Alles Liebe Weitsicht

    Alles Liebe Weitsicht

  • Hallo,

    in erster Linie sind wir sicher hier, damit wir, jeder von uns, sein Leben irgendwann besser auf die Reihe bekommt, der eine schneller der andere langsamer...
    Deshalb ist es richtig, dass man vor lauter Tipps und Ratschläge für andere, sich nicht selber aus den Augen verliert.

    Was aber die Ratschläge selber angeht, würde ich sagen, dass es egal ist ob die von jemandem kommen der schon gefestigt ist (das "gefestigte" dieser Person könnte ich ja nicht mal beurteilen) oder jemandem der noch nicht so lange da ist.

    Wir sind alle keine Psychologen und nur weil sich jemand gefestigt fühlt, heißt das noch lamge nicht, dass seine Ratschläge für denjenigen, der die Frage gestellt hat, richtig sind. Der gefestigte kann nur von sich aus gehen, er hat die Erfahrung wie er es gefühlt, erlebt, gemeistert hat...sein persönlicher Weg...der muß aber nicht zwingend für eine andere Person richtig sein.

    Ich denke wir selber sind gefragt, uns aus allen gutgemeinten Ratschlägen, das rauszusuchen wo wir was mit anzufangen wissen was uns einleuchtet, denn wie soll ich einen Weg gehen, der für jemand anders so richtig war...ich ihn aber zu diesem Zeitpunkt nicht exakt genauso gehen kann (weil ich den Sinn vielleicht noch nicht verstehe)...dann mach ich eben einen Umweg.

    Jeder muß hier SEINEN Weg finden können..nicht den Weg eines andern....

    Ratschläge von nicht gefestigten Teilnehmern hier, müssen nicht falsch sein....es gibt doch sogar einige auch bekannte Psychologen, die vielen Menschen helfen konnten nur sich seber nicht...Es gibt viele Ärzte, die super in ihrem Fach sind und andere heilen, nur für sich selber kriegen sie es nicht hin....
    Unter Heilpraktikern (Homöopathie) sagt man sogar, dass man nie sich selber und seine Familie behandeln soll, weil man es nicht könnte....aber bei anderen dafür umso besser....sie selber gehen zu einem anderen Homöopathen...

    Ich persönlich mag am liebsten die Ratschläge von Leuten, die mir etwas vorraus sind aber nicht um Meilen. Da ich schon öfter das Gefühl hatte unter Druck gesetzt zu sein...so nach dem Motto "hast du es immer noch nicht gerafft" und dann schaue ich und sehe wie langer dieser jemand da ist und denke, naja...

    Unter Druck gesetzte Menschen blockieren auch leicht....macht das Sinn?

    Liebe Grüße Merlina

  • Hallo
    @merlina

    Zitat

    Was aber die Ratschläge selber angeht, würde ich sagen, dass es egal ist ob die von jemandem kommen der schon gefestigt ist (das "gefestigte" dieser Person könnte ich ja nicht mal beurteilen) oder jemandem der noch nicht so lange da ist.

    ich habe noch nicht erlebt das ein Ertrinkender einen anderen Ertrinkenden retten kann. Da geht einer immer unter.

    Wo sollen denn am Anfang die Erfahrungen her kommen ?

    ich habe mich immer an diejenigen gehalten die mich in meiner Trockenheit weitergebracht haben und nicht die auf gleicher Augenhöhe meine Ansichten bestätigt hatten. Sonst hätte ich auch am Stammtisch sitzen bleiben können.

    das sind mal meine erfahrungen dazu.

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • hallo an alle,

    also ich kann für mich sagen das ich am lernen bin und das wohl auch noch auf lange sicht.
    trotz allem fühle ich in mir veränderung.
    genau das versuche ich hier weiterzugeben.ich möchte niemanden einen weg aufzwingen,deshalb kann ich auch nur berichten wie ich meinen weg gehe und was mir geholfen hat. wenn ich damit einem anderen einen aha effekt verschaffe dann hat es sich schon für 2 gelohnt.
    jeder braucht seine zeit und seinen rythmus,dafür sind wir hier.
    glg kathrin

  • Hallo Hartmut,

    Zitat

    ich habe noch nicht erlebt das ein Ertrinkender einen anderen Ertrinkenden retten kann. Da geht einer immer unter.

    ich denke in dem Fall gehen beide unter....


    aber nochmal, ich kann hier im Forum nicht beurteilen ob jemand gefestigt ist oder nicht...das macht nicht automatisch die länge der Zeit hier im Forum aus....

    Deshalb suche ich mir gerne die Beiträge raus, die mir plausibel sind....wie soll ich das denn sonst machen...wieder jemandem einfach deswegen hinter laufen weil er es sagt, das ich es kann oder sogar soll?

    Ich habe mal mit Mö über unser Bauchgefühl philosophiert....würde diesem gerne ab jetzt vertrauen und vor allem danach handeln .....heisst, hab ich ein gutes Gefühl ists gut wenn nich dann nich.....

    LG Merlina

  • Zitat von Hartmut


    ich habe noch nicht erlebt das ein Ertrinkender einen anderen Ertrinkenden retten kann. Da geht einer immer unter.

    Ich sehe das ähnlich wie Hartmut und muss aber hier des öfteren feststellen, dass wild rudernde Forenteilnehmer, die sich selbst nur mit schönen Worten vorm Ertrinken retten, für andere Ertrinkende genau die richtigen Schwimmzüge zu kennen scheinen.

    Ich lese Ratschläge mit sehr gemischten Gefühlen. Erfahrungen hingegen sind etwas, mit denen ich umgehen kann. Zumal Ratschläge genau das unterstützen, wo es bei Co´s eh krankt. Der Fähigkeit, eigene Entscheidungen für sich selbst zu treffen. Diese Fähigkeit zu entwickeln und zu leben ist meines Erachtens einer der Kernpunkte, um aus der Co-Abhänigkeit zu kommen.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hm, Hartmut,
    Dein Vergleich mit dem Ertrinkenden, den habe ich für mich in Anspruch genommen innerhalb der Beziehung mit einem alkoholisierten Partner. Wir waren uns so nah, dass wir uns gegenseitig anfassen und in die Tiefe ziehen konnten.

    Ich kann mir - und das gilt nur für mich - keinesfalls vorstellen, mich "nur" durch geschriebenes Wort in den Abgrund ziehen zu lassen. Auf der anderen Seite sehe auch ich wie sich Hoffnung ausbreiten kann. Kaum wird ein Hoffnungsschimmer mitgeteilt, so kommt Hoffnung auf Hoffnung und es wird auf ein Wunder gewartet.

    Mir, meine Lieben, haben gerade diejenigen geholfen, die nicht gefestigt waren! Ich habe deren Geschichten gelesen und durfte an deren Gefühlen teilhaben. Als Außenstehender konnte ich dennoch spüren wieviel Wut, Trauer, Enttäuschung und seelischer Schmerz zu finden ist. Genau dadurch habe ich für mich erkennen können das selber nicht mehr zu wollen.

    Ich lese über andere Menschen, reflektiere ob es mir ebenso geht oder nicht und frage mich dann was würde mir Neutralität als Handlungsweise gebieten. Komme ich selber in diese Situation bin ich zwar nicht mehr neutral, kenne aber sehr wohl noch meine neutralen Gedanken und versuche mir das zu verinnerlichen.

    Ich persönlich bin der Meinung, jedes Posting hilft mir - da jedes Posting Gedanken sind - bei manchen Dingen muss ich sagen: "Kein Bezug zu mir" bei anderen heisst es dann: "Hinterfrage Dich mal".

    Es ist ebenfalls die Frage aufgekommen, in einem anderen Beitrag, ob das hier eine Unterhaltungsplattform wird. Beispiel war das Gespräch mit Nachbarn oder über Nachbarn. Wenn das zu extrem wird finde ich es auch bedenklich. Aber: vielleicht ist genau dieser nachbarschaftliche Kontakt, der sich einstellte im Lernprozess, wichtig? Vielleicht ist genau dieses tüdelditüdelda (wenn es nicht nur und grundsätzlich) geschrieben wird genau der Weg zu sich selber und dieses "bleib bei Dir" Wenn sich hier nämlich ein Co lernt einem Menschen zu öffnen, wird ihn das vielleicht bewegen und es wird ein halber Roman - der Konsenz muss dann nicht der Roman sein sondern könnte darauf hinauslaufen "Der Weg ist das Ziel".

    Ich finde alle Gedankenansätze im Sinne von Hinterfragen richtig. Aber gerade auf dem Weg der Gesundung ist doch eine Rückkehr ins normale Leben "zu Nachbarn" ect wichtig, oder? Niemals darf dabei der eigene Suchtcharakter vergessen werden - keine Frage - denn auch ich bin der Meinung jedes Sucht endet tödlich, sei es durch körperliche oder seelische Aufgabe der Person oder des Körpers, aber ich persönlich denke dass die Co-Abhängigkeit ein Teil des Lebens ist, der Small-Talk ein anderer. Beide gemeinsam ergeben eine Person.

    Wer vermag zu beurteilen, welche Alltagslapalie für einen "Hallo-Wach-Moment" sorgen?
    Bei mir war es beispielsweise ein Streit zwischen Sohn und Vater an meinem Arbeitsplatz. Ich habe zum ersten Mal live erlebt, wie ein Sohn integer, selbstbewußt und fair reagiert. Etwas, dass ich nicht kannte oder ich beiwohnen konnte/musste! Ich sah die letzten Jahre nur extremes und verletzendes, jenseits von gut und böse. Für mich war das eine Riesen-Lernlektion, basierend auf einer Bagatelle, die mich nichts angeht.

    Vielleicht sehe ich das alles in einem viel zu großen Zusammenhang mit dem Rest des Lebens. Ich für meinen Teil lerne dadurch mich zu hinterfragen und Gesundung zu lernen. Es hilft mir dabei gesundes Verhalten beobachten zu können.

    Gesund heisst für mich ebenfalls die Akzeptanz des anderen - egal, wie er / sie gestrickt ist. Mit vielen Themen kann ich nichts anfangen, weil ich anders denke. Dennoch es ist ja nicht mein Leben und ich bin nicht verantwortlich für diejenigen die "nur"?!? Small-Talk betreiben.

    Ich habe hier viel gelernt und viele, die sich in meinem Thread zu Wort gemeldet haben, die haben mir sehr geholfen. Wie oft waren Spedis Worte überdeutlich und haben mich nicht immer "erfreut", aber sie haben weiter geholfen. Ebenfalls helfen mir aber auch Menschen, die sich im Kreis drehen weil mir für mich ein anderer Weg vorschwebt. Und ich finde es gut sich zu unterhalten über Dinge wie Alpträume oder Persönlichkeitsveränderungen, denn genau das dürfte das sein was uns allen widerfährt wenn wir unser Leben umstellen.

    Niemand ist unnütz, oder?

    Lieben Gruß von Dagmar

  • ein ertrinkender kann einen ertrinkenden nicht retten.
    ich hatte vor kurzem einen traum.
    mein partner/ex und ich hingen hände haltend an einer klippe.ich weiss nicht wer oben und wer unten war,wer wen retten wollte.
    ist das nicht komisch?
    glg kathrin

  • Ehrlich gesagt, mich haben bisher Postings ebenso von alten Hasen wie auch von Neulingen geschockt oder aber auf den richtigen Weg gebracht.

    Ich will weder werden wie mancher genesene Co, noch wird jeder trockene Alkoholiker werden wollen wie x y z oder wer auch immer.

    Aber ich will auf meinem Weg mit meiner Problematik fertig werden. Ich freue mich über jedes Posting und befinde für mich - im alleinigen Gedankengang - ob der Gedanke / Vorschlag oder was auch immer gehbar ist.

    Natürlich ist es zu betrachten ob die Co-Abhängigkeit nicht in guten Ratschlägen ausgelebt wird ;) das ist bei mir schon angekommen. Ein Forum sollte ja über User verfügen, die wissen um was es geht und um "Neulinge", wie mich, die noch unerfahren sind. Aber macht es nicht genau die Mischung aus ? Für mich hat sie es ausgemacht - genau diese Mischung.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Dagmar

    du hast dich hier am 4.5 2008 angemeldet und da würde ich nicht mehr von einem "Neuling "sprechen. Nur wenn sich das eigene Denken sich bis heute noch nicht verändert hat und ich immer noch keine Forschritte erreicht habe dann werde ich immer Neuling bleiben. Diese Gefahr sehe ich besonderes wenn ich gerade am Anfang meines Weges denjenigen an die Ferse hefte, die selbst noch keine Erfahrung bisher gesammelt haben.

    Hier im Forum treffe ich immer Menschen, die auf gleicher Augehöhe(Stand der Krankheit) sind , mit denen ich mich abgleiche und hinterfrage wie weit ich denn schon bin.

    Erfahrungen hole ich mir bei längeren zufrieden lebende Trockene ab. Da bin ich auf einer gefahrloseren Seite und muss nicht unnötig mit meiner Krankheit herum experimentieren.

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

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