Was weiß unser alkoholabhängiger Partner über uns COs?

  • Ich kopiere meine Frage aus wikis Thread einfach mal hier rein, weil sie mich sehr beschäftigt und ich gern Eure Meinung hören würde, möglicherweise bekomme ich ja auch direktes feedback von den Alkoholabhängigen:

    Zitat von dagmar007


    Nennen wir das Kind beim Namen:
    Bleiben wir bei den Partnern, die für uns ungesund sind (was diese sehr genau wissen!)....

    Meinst Du, Dagmar, sie wissen wirklich, dass sie für uns ungesund sind?
    Ich habe da meine Zweifel.
    Ich denke so oft darüber nach.

    Freue mich über einen erkenntnisreichen Austausch.
    (Muss aber jetzt zur Arbeit und bin erst heute Abend wieder da).

    LG

    maddison

  • Hallo maddison,

    wozu ist es denn wichtig zu wissen was der Partner weiß und denkt oder wie er tickt?

    Wenn Du anfängst Dich tiefer mit Dir selbst zu beschäftigen, wird sich die Frage von ganz alleine lösen.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo maddison,

    nein mir ist nicht bewusst das ich ungesund war - ich habe lange Zeit für mich nicht einmal realisiert, wahrhaben wollen, dass ich süchtig bin und wie ich auf meine Umwelt wirke, oder was ich ihr antat.

    So wie nur für mich was tun konnte, weil ich so wollte, nur so hast Du auch die Möglichkeit für Dich etwas zutun.

    So lange wie ich die Ursache für meine Unzufriedenheit, bei Anderen suche - solange habe ich nicht die Kraft etwas zu ändern, also kann es nur an mir liegen, meinen Weg zu gehen.

    die kawi

  • Hallo maddison,

    was nützt es dir, zu wissen, inwieweit dein Partner sich für ungesund für dich hält? Ändert es etwas an DEINEM Verhalten? Was weißt du selbst über DEIN Verhalten, DEINE Strukturen? Wirst du gesund, wenn sich jemand dir gegenüber nicht mehr "ungesund" verhält? Und - bist DU gesund für deinen trinkenden Partner?

    Sorry, aber solange wir darüber diskutieren, was am Anderen uns nicht guttut, geben wir die Verantwortung für unser Befinden an ihn ab. Und das ist auf JEDEN Fall ungesund.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Ihr Lieben,
    ich denke auch, dass es für mich uninteressant sein muss, was der andere denkt oder tut oder warum. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß eine Anpassung sehr wohl möglich ist - einlenken beim Riesenkrach - die schönsten Worte und Versprechungen und und und

    Du kannst auch sagen, statt sie wissen - sie probieren Handlungsweisen - um wieder zu besänftigen oder wie auch immer. Ich zumindest habe jahrelang fremden Worten aber nicht meinem eigenen Schmerzgefühl vertraut. Also ungesund!

    Ich weiß nun nicht, wie oder ob ein Alkoholiker sich eine gesunde Beziehung vorstellt. Aber ich persönlich denke sehr wohl, auch ein Abhängiger spürt, dass irgendwas anders läuft als er es gerne hätte.

    Ich denke, ebenso wie ich fühlte dass meine Beziehung ungesund und krank ist spürte das mein Gegenstück. Ob es nun in Worte gepackt werden kann oder in Handlungen ist die eine Sache - aber zu spüren, dass es nicht harmonisch läuft, ich denke, dass ist nicht so schwer. Auch denke ich trotz der Sucht darf ein Alkoholiker nicht unerschätzt werden. Mal gibt es eine Art von Denken (schätze ich) aber im Regelfall keine Umsetzung. Ich kann mir vorstellen, dass oftmals der Wille zu gewissen Dingen da ist, aber die Sucht es verhindert.

    Auch denke ich dass bei allen Paaren, die länger zusammen sind, einer den anderen kennen lernt, auch seine Schwachpunkte und Angriffspunkte. Das nämlich ist menschlich .... somit ist es auch nur menschlich das in Streitsituationen auszuspielen, unahängig davon dass ich es nicht gut finde.

    lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Maddison!
    Du hast mich heute das erste Mal zum Schmunzeln gebracht... in meinem Thread....
    Vielleicht kann ich ja auch mal einen Beitrag abgeben. Lenkt mich von meinen momentanen Sorgen ab.
    Ich denke auch, unsere Partner merken, daß was Anders läuft. Ich habe meinem Mann oft gesagt, wie unglücklich ich bin und daß alle Verantwortung auf mir lastet. Aber damit bin ich nur auf Granit gestoßen.
    Sie wollen garnicht hören, wie es uns geht. Sie sind so sehr mit sich Selbst und ihrer Sucht beschäftigt, daß sie die Opfer sind. Sie schieben Alles auf ihre Krankheit und wir müssen immer Verständnis zeigen.
    Wenn ich mit dem Streß und der vielen Arbeit nicht mehr klar kam und es ihm sagte....oder wieder extrem an Gewicht verlor....nichts....Er sah es nicht einmal.
    Sie sind durch ihre Krankheit egoistisch....auch wenn es hart klingt.
    Nur wer zuhört und auch mal miteinander reden kann, kann Probleme bewältigen.
    In einer Trinkphase verstehen sie uns nicht und auch wir können sie nicht verstehen.

  • Wie, liebe Wiki, soll ein Kranker auf andere eingehen können. Er hat es verlernt auf sich selber zu achten und die eigenen Bedürfnisse zu spüren (wie oft werden Hunger, Hygiene oder anderes vernachlässigt?) Das ist für sie "normal" denke ich, also ist es auch "normal" wenn sie unsere Gefühle nicht nachvollziehen können.

    Haben doch wohl viele Suchtkranken, egal ob Co oder Alk oder Droge, selber Probleme gehabt sich selber zu spüren, erfahren und äußern, wie kann es im Rauschzustand denn gehen? Wie sollte es danach gegehen falls Schande empfunden wird? Wie sollte es danach gehen, falls Filmrisse da sind?

    Ja, sie sind egoistisch - aber ist das ein Angehöriger nicht auch, der partout dem Partner die Verantwortung für das eigene Leben nicht zurück geben will? Ist es nicht auch egoistisch zu meinen das richtige für den anderen zu "wissen" und ihm die eigene Meinung aufzudrängen? Ich tat es, bzw. ich dachte zu wissen wie er denkt! Mit welchem Recht wollte ich in seiner Seele bohren? Wenn er sie mir nicht anvertraut, dann soll es eben nicht sein!

    ER - ER - ER soll nämlich für sich sorgen - verantwortlich sein und seine Konsequenzen auch selbst tragen.
    ICH - ICH - ICH habe das Recht, die Möglichkeit und die Verpflichtung (auch gegenüber meinen Eltern, die mich mit SChmerzen geboren und unter Entbehrungen groß gezogen haben) ein menschenwürdiges Leben zu leben. Ein Leben, in welchem die Menschen Hilfe zur Selbsthilfe bekommen können, die selber die ersten Schritte tun. Wenn diese Menschen auf ihrem Weg sind, so kann ich sie gerne mit Abstand begleiten, aber führen auf den Weg, das kann ich nicht.

    Will ich übrigens auch nicht mehr - jeder ist selber schuld, wenn der eigene Weg nicht gradlinig oder mit Umleitungen gegangen wird.

    Eine Umleitung meines Lebens passiert zukünftig hoffentlich nur durch eigene Irrungen und niemals durch die einer anderen Person. Denn die Konsequenzen muss nur ich tragen, also kann ich auch selber (Fehl-)Entscheidungen treffen.

    Du sagst es: sie verstehen uns nicht und wir sie nicht - wo also bitte bleiben da Kommunikation und Lösungswege? Bei mir gab es keine....

    Aber meinen Lösungsweg....

    Dir wünsche ich Deinen
    lieben Gruß von Dagmar

  • grüss dich maddison,

    ich finde die fragestellung guut,
    was mich interessieren würde sind DEINE gedankengänge bisher...ich "warte" aber noch hast nichts schreiben wollen...hmmm...schade...

    da ich nicht wissen kann, wie das gedächtnis / die gefühlswelt eines nassen alkoholikers "tickt", da ich mich nicht in seine haut versetzen kann, wage ich bisher zu denken:

    ein nasser mensch in TRINKPAUSEN (!), je nachdem wie weit / wie lange selbiger seine trinkerkarriere bereits "vollzieht / vollstreckt", kann schon genau wissen, dass er mit einem bein im eigenen grab steht bzw. sein nahes umfeld / familie mit sich in dem sumpf reissen kann...ich denke dass sie es spüren, welcher mensch dafür prädisziniert ist, zu helfen / helfen zu wollen / helfend an ihrer seite gewesen zu sein...
    (ich persönlich finde das "allerallerschlimmste, wenn eltern ihrem eigenen kind zu sehen "müssen", dass es evtl. vor ihnen gehen kann / wird, alles ist schlimm...ich weiss..., ist nur meine persönliche meinung)
    einige nass lebende / denkende menschen verstecken sich hinter ihrer familie / ihrem partner um sich "das letzte stück leben" in gewisser weise schön zu reden, damit sie nicht vollends den respekt vor sich selbst verlieren...sie stecken zwar im sumpfkreis der sucht fest, sind aber menschen aus fleisch und blut die leben...
    jeder (!) mensch hat ein herz, eine seele, sprich gefühle inne wohnen...
    bei jedem menschen ist alles anders ausgeprägt, die gefühle äußern sich anders, zum teil sind die ganzen gefühle in ihrer welt "verschoben" und "unkontrollierbar"...
    heftige / starke gefühle werden hinuntergespült, da sie weh tun...
    gute / geniale gefühle werden hinuntergepült, da sie zu gut sind...
    jeglicher "konfrontation" ob gut ob schlecht wird damit aus dem weg gegangen...
    krass...dennoch sind alle gefühle vorhanden, da selbige im körper hochkommen, wenn auch verschoben etc...
    wenn ich davon aus gehe, dass die gefühle in ihrer eigenen welt verschoben sind, sind selbige dennoch zu spüren, wenn auch nicht in der form wie sie ein gesunder mensch annehmen und spüren kann...aber sie sind da...in zeiten einer trinkruhe...ich denke, dass es alles sehr intilligente menschen sind....
    es wird gesagt, dass sich die persönlichkeitsstruktur eines trinkenden menschen im laufe der zeit verändert, wobei ich wage zu denken, dass es hierbei auf jeden fall auf die bisherige trinkmenge, den grad der abhängigkeit ankommt...sprich was alles konsumiert worden ist...was sich eben bisher an der persönlichkeit eines jeden menschen "geändert" hat...
    ein gesunder mensch weiss auch, dass mit jedem glas alkohol eine gewisse anzahl gehirnzellen zerstört wird, sich aber einige davon wieder regenerieren können...also geh ich hierbei von der trinkmenge aus...
    einige schaffen es den schalter im kopf "früher" umzulegen als andere...andere schaffen es später, einige auch nie...dies is bitter dennoch real...hmmm...;-(

    ich weiss es nicht wieso es jemand "braucht/e", jegliche gefühle wegzubeamen...bis zum rien ne va plus...jenseits von gut und böse vor sich hin zu vegetieren...

    ich finde, das leben mit all seinen facetten, mit allen feelings die es nun mal gibt, erst lebenswert...
    wir spüren dass wir leben, machen dies die gefühle eines jeden einzelnen nicht erst aus, dass das leben lebenswert sein kann / ist ?! dieses SPÜREN...
    in einem (voll)rausch ist alles leicht(er), die probleme scheinen klein bis hin zu "weg", aber dies ist doch nicht das LEBEN...dies ist für mich eine scheinwelt, in der in zuflucht suche...

    das ganze leben ist ein "kampf", den es jeden tag zu leben gilt...
    man hat mehr feinde als freunde (meistens) im leben, neid und mißgunst sind an der tagesordnung, aber wachsen wir nicht mit jedem neuen tag an der herausforderung an und in uns selbst...
    das leben ist schön, wenn es auch nicht immer nur von "glück" geprägt ist...
    liebe maddison, mache dir nicht zuviel einen kopf darum weiterhin, es sei denn du bist schon "so stark" dies selbst ertragen zu können, es kann einem zurückwerfen, diese spekulationen...
    denkst du, es bringt dir etwas, wenn du es definitiv wüsstest wie es in einem nassdenkenden menschen aussieht ?

    kurzum:
    ich denke dass sie schon wissen, was sache ist, es aber "tolerieren" bis an DEM tag, an welchem sie wach werden, an welchem sie ihre eigene toleranzgrenze erreicht haben...

    ich wünsche es jedem menschen, dass er sein leben zu sehen vermag, welches vor ihm (noch) liegt...
    es kann schneller "zu spät" sein als einem bewusst ist !

    lg
    fuego

  • Das war mir aus dem Herz geschrieben, Fuego, mit Worten, die ich so toll nicht als Erklärung finden konnte.

    Und genau hier sehe ich nämlich den Punkt, denn ich innerhalb meiner Suchtbeziehung nicht sehen konnte: den Respekt durch bzw. wegen Beständigkeit. Zu sagen was angedroht wird, sich so zu verhalten wie es vom anderen eingefordert wird ect. pp...

    Mit welchem Recht kann ich von einem Alkoholiker das Einstellen des Trinkens verlangen, um durch diese Forderung evtl. meine Kontrollmechanismen auszuleben?

    Ich persönlich denke sehr wohl zwei Partner lernen sich und ihre Schwachstellen kennen und setzen diese auch ein! Nicht nur in ungesunden Beziehungen!! Wie weit das geht und wie berechnend das ist, das ist dann eine andere Sache.

    Mir persönlich ist extrem aufgefallen, wenn das Umfeld reagiert hat, bspw. Arbeitsplatz, wurde sehr wohl versucht mittels meiner Hilfe das Bild wieder zurecht zu rücken. Wenn ich Dummerchen mitspiele, dann ist es meine Sache dass ich mich manipulieren lasse - der Versuch dazu ist legitim :) So, wenn nun urplötzlich alle diese Mechanismen, die über Jahre funktionierten nicht mehr funken, dann gibt es vielleicht zuweilen einen "Kurzschluss" welcher sich in Wutanfällen ect. auswirkt. Das jedoch dürfte je nach Person anders sein.

    Auch wenn ein Alkoholiker krank ist und nicht immer Herr seiner Handlungen ist, so denke ich doch sehr wohl, dass er/sie zuweilen vollste Kontrolle (wenn vielleicht auch selten) über eben sein eigenes Verhalten hat. Nicht über den Konsum - aber über andere Dinge.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Guten Abend Dagmar,

    Zitat


    Ich persönlich denke sehr wohl zwei Partner lernen sich und ihre Schwachstellen kennen und setzen diese auch ein! Nicht nur in ungesunden Beziehungen!! Wie weit das geht und wie berechnend das ist, das ist dann eine andere Sache.

    Also in meinen Augen kann es keine gesunde Beziehung sein, wenn ich Schwachstellen meins Partners ausnutzen würde - das ist in meinen Augen schon ungesund.

    In meiner Beziehung ist es so dass wir uns gegenseitig unterstützen und hinter dem Partner stehen.

    LG die kawi

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