Welche Auslöser?

  • Hallo,

    ab und an les ich hier.....ich gehe wenn der richtige Auslöser da ist.

    Das bedeutet doch das ich wieder nicht selbst entscheide sondern warte bis der andere etwas tut.

    Wie seht ihr das?

    Oder geht es gar nicht anders, weil viel zu schwer zu dem Zeitpunkt?

    Lieben Gruß
    Nicole

  • Hallo,

    Das liegt in unserem Charakter. Deswegen ist es auch für andere so schwer nachzuvollziehen, wieso wir das Martyrium so lange mitmachen.
    Wir sind entscheidungsschwach, genau wie unsere Partner.
    Genaugenommen sind wir genauso suchtkrank.
    Erst wenn kein anderer Ausweg mehr bleibt, sind wir bereit den dunkelen Tunnel der Ungewissheit zu beschteiten.

    LG

    vergissmeinnicht :wink:

  • Hallo Nicole,

    das ist ja eine klasse Frage. Ich muss noch den Wohnwagen verkaufen, das Haus, das Grundstück, die Kinder, die Großeltern, mir nen neuen Kerl oder ne Braut suchen, ein Postsparbuch, die Liebe muss erst kaputtgehen, er muss so lange auf mich eindreschen bis er bis an sein Lebensende zahlt. Im Gründe suchen, jammern, rechtfertigen und warten bis das der Kopf platzt sind wir unschlagbar.
    Oh, sorry, ich meinte natürlich mich.

    Vielleicht brauchte ich nur einen Selbstauslöser.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Ist eine sehr richtige Beobachtung, das mit dem externen Auslöser.

    Bei meiner ersten Trennung liefs so ab:
    Lange Zeit habe ich gehofft, das Problem würde sich irgendwie von selbst lösen. Z.B. stand für mich ein berufsbedingter Städtewechsel im Raum und ich dachte, das wäre ja ein prima Anlass um mich zu trennen.
    Oder ich hoffte insgeheim, dass er sich trennen würde oder dass ihm was zustoßen wärde :oops:
    Dann, als ich begriff, dass ich so ewig warten konnte, versuchte ich immer noch, durch Ankündigungen und Ultimaten die Entscheidung auf ihn abzuwälten. Wenn du nicht..., dann trenne ich mich.
    So war im Grunde ER derjenige, der die Trennung auslöste.

    Überhaupt diese Ultimaten...
    Wieso reicht es uns nicht zu sagen: Ich will so nicht mehr und jetzt geh ich.
    Umgekehrt fühlte ich mich dann, als er trocken wurde, natürlich auch sofort verpflichtet. Nun erfüllte er ja mit einem Mal meine Forderungen von einst.
    Liebe als Vertrag mit Bedingungen und Kündigungsfristen. Komisch, das alles.

    Es ist ein Abwälzen von Verantwortung und ein NIcht-ernst-Nehmen der eigenen Bedürfnisse.

    Auf der anderen Seite, bei meiner zweiten Trennung wars wieder anders: Es stand für mich innerlich so viel auf dem Spiel. Einfach so trennen - da musste erstmal das Maß voll sein, der Leidensdruck stimmen. Aber ich glaube, das ist bestimmt auch in normalen Beziehungen so, sonst würde man sich ja alle Nase lang trennen. Das ist an sich kein schlechter Mechanismus. Bloß die Leidensfeder ist bei mir arg ausgeleiert, scheint mir.

    Liebe Grüße
    Doro

  • Hm, bei mir lief das irgendwie anders: wohl fand ich Gründe nicht zu gehen, aber ich habe nie auf einen Auslöser gewartet (weil ich ja nicht gehen wollte :(

    Plötzlich brach auf einen Schlag "Familie Auslöser" in mein Leben ein: Herr Alkohol und Frau Agression nebst ihrer Kinderschar namens "Fahren unter Alk" "Besuche von Polizei und Gerichtsvollzieher" und deren Enkel namens "Sorgen ums Übeben von mir und meinen Tieren" war mit einem Schlag auf der Matte und es ging nun ganz schnell.....

    Wie eben beim Alkoholiker: der Leidensdruck muss so unerträglich werden, dass ein gehen mit weniger Leid verbunden erscheint als das Bleiben.

    Geht es ? Geht es nicht ? Wie oder wo steht der Mut zu sich selber "Ja" zu sagen und zu einer Beziehung "Nein". Ich denke nämlich, da beginnt und endet diese Frage.

    Was bin ich mir wert?
    Wo ist meine Selbstliebe?
    Wie offen bin ich bereit gegenüber Kritik und Offenheit meines Umfeldes, welches wohl schon länger erkannt hat was läuft?

    Punkte also, die der Selbstbeobachtung, Reflexion und Kritikfähigkeit, zugehörig sind. Die Anfangsbereitschaft in sich zu gehen und den anderen "gedanklich" zu verlassen, nunmehr nur sich selber zu sehen, also einen Teil der symiotischen, krankhaften, Verbindung schon gekappt zu haben, der Anfang vom möglichen Ausstieg aus der Sucht.

    Ich bin dankbar wenn ich Berichte von Neulingen lese, die mich immer wieder daran erinnern, dass ich ähnlich dachte wie viele von Ihnen. Jeden Tag bin ich dankbar, dass Familie "Auslöser" über mich hergefallen ist und mir ermöglicht hat wieder in meine Selbständigkeit zurück zu kehren.

    Ich danke immer wieder für das Leben, welches ich nun führen kann - begleitet von finanziellen Existenzängsten - aber das in einer Existenz, die nunmehr meine ist :) Keine Ängste mehr von einem anderen, keine Ängste mehr vor Fremdbestimmung, vor ständig ändernden Situationen (von denen jede als sich schon hätte ein Auslöser sein müssen, wäre ich damals gesund gewesen).

    Ja, es ist bequem zu sagen "irgendwann".... Und wenn sie nicht gestorben sind.....

    Und manche tun es, weil eben dieser Auslöser nie kommt und sie innerlich so vereinsamen dass das Leben wirklich nicht mehr lebenswert erscheint.... und dass dann unter dem Deckmäntelchen von "ich liebe ihn/sie doch so sehr...."

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hi,

    "Auslöser" gab es nicht für mich. Bei mir ging das alles laaangsam und schleichend von statten.

    Erst einmal musste mir bewusst werden, dass seine Probleme nicht meine sind und ich somit für ihn nicht mehr in Aktion treten musste. Der Satz "es ist seine Baustelle" hat mir dabei unheimlich geholfen, da ich über eine Menge Fantasie verfüge. Ich konnte das gedanklich sehr gut ausbauen und dann auch tatsächlich anwenden. Da er "seine Baustelle" von da an hatte, musste ich mich "meiner Baustelle" zuwenden :shock:

    Mir hat es sehr geholfen, dass plötzlich räumliche Trennungen durch seine Laaaangzeittherapien anstanden. Das hat mich "entwöhnt". Eigentlich war ich es ja schon immer gewohnt alles selber zu regeln, aber immer mit dem Gefühl - jemanden "im Rücken" zu haben auf den ich zurückgreifen könnte, wenn es nötig wäre. Dann habe ich festgestellt, dass ich durchaus in der Lage bin allein zu handeln. Das Selbstbewusstsein wuchs dadurch enorm. Mir ist dann irgendwann klar geworden, dass ich ja schon immer allein auf mich gestellt war :shock:

    Dann kamen ja erst wochenlange, dann monatelange Pausen mit absoluter Funkstille. Auch dies hat mich weiter "entwöhnt". Ich lernte mit mir allein zu recht zu kommen. Habe es genossen z. B. Herrin der Fernbedienung :wink: zu sein, obwohl ich gar nicht so viel fern sehe. Ich habe mich mit Freunden oder Bekannten verabredet - schöne Abende verbracht ohne schlechtes Gewissen oder Ängste, was mich zu Hause erwartet, wenn ich zurückkomme. Das war wieder ein großer Pluspunkt der mir gefiel.

    Irgendwann vergaß ich ihn zeitweise sogar - da fehlt nichts und ich kam mit meinem Mädels bestens zurecht.

    Seit dem 8. Januar 09 haben wir nichts mehr von ihm gehört. Er fehlt uns auch nicht und wir schwelgen auch in keinen Erinnerungen mehr. Ich fühle mich frei, zufrieden und neugierig auf das, was da hoffentlich noch so alles kommen wird. Aufgeschlossen und empfänglich für Neues.

    Ohne Skrupel gibt es neue Handy-Nummern und auch der Festnetzanschluss wird eine neue Nummer tragen :) Bei uns gibt es keine Hintertürchen mehr die geöffnet oder angelehnt sind.

    Mir hat diese Art der "Trennung" so im nachhinein gut getan - trotz allem Ärgernis, trotz aller Ängste, trotz der ganzen "Ungewissheiten". Ich konnte mich so langsam aber sicher abnabeln.

    Keine Depressionen, kein Bedauern und zurückerinnern, keine Fragen mehr wieso weshalb warum.

    Es ist wie es ist und ich kann damit prima leben. Es geht ja weiter - nur für mich. Alles was jetzt kommt liegt einzig in meiner Hand und kann von mir gehändelt werden wie immer ICH es will. Gutes Gefühl :D

    LG
    Diandra

    Mögen alle meine Fehler sich auf ihre Plätze begeben und möglichst wenig Lärm dabei machen.

    Überwältigend was geschehen kann,
    wenn sich die Fingerspitzen zweier Menschen
    ganz leicht berühren,
    am richtigen Ort
    und zur rechten Zeit!

  • Hallo zusammen
    Zitat Karl:

    Zitat

    Im Gründe suchen, jammern, rechtfertigen und warten bis das der Kopf platzt sind wir unschlagbar.

    So lange aushalten, bei anderen suchen bis der Zeitpunkt gekommen ist, wo wir es nicht mehr aushalten. Leidensfähigkeit und der Mensch hält undenkbar viel aus! Beim einen kommt er früher, beim anderen später. Bei manchen nie. Das ist etwas menschliches, sehr ausgeprägt bei unserem Hintergrund.

    Meine Eltern haben mir vor gelebt, wie man aushält, wie man Deckel drauf hält. Wen wundert es dann wenn ich erst aus mir raus komme, wenn das Wasser kocht und der Deckel vom Druck vom Top fällt????

    Ich weiß aber auch inzwischen die waren zu zweit, wenn der eine kochte, hielt der andere den Deckel fest und umgekehrt. So haben die sich bedingt.

    Mir hält zum Glück keiner den Deckel mehr, obwohl meine Eltern das immer wieder versuchen so verweigere ich mich.Es ist schwer die davon abzuhalten und im Moment kostet das extrem viel Kraft und Mühe.Meine Eltern wollen die Wahrheit nicht hören, ich will es ihnen aber auch nicht mehr sagen. Doch rennt meine Mutter mir hinterher, weil sie mich braucht. Doch ich will sie nicht mehr brauchen.

    Meinen Deckel halt ich selbst fest , so wie ich es brauche. Vielleicht lerne ich es ja auch noch den Deckel frühzeitig runter zu tun. Daran wird gearbeitet.

    Gruß Melanie

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