• Eigentlich dachte ich, ich hätte mit dem Thema abgeschlossen - aber ich denke, wenn man einmal damit konfrontiert ist, holt es einem immer wieder ein!

    Seit vielen vielen Jahren wohne ich hier in meinem Viertel und genauso lange hatte ich einen Nachbarn.

    Jeder wusste das er trinkt, aber er ist nie negativ aufgefallen und keiner hat sich wirklich dafür interessiert.

    Nun ist er tot! Gestorben am Alkohol!

    Aber von vorne:

    Er war ein Mann, den man eigentlich immer mit einer Bierflasche in der Hand sah, aber nie hatte man den Eindruck, er ist richtig betrunken (aber das kennt man ja).

    Vor ca. 3 Monaten ist er vor einem Lebensmittel-Discounter in unserer Nachbarschaft mit 3,5 Promille zusammengebrochen und kam sofort ins Krankenhaus.

    Dort eröffnete man ihm, dass seine sämtlichen inneren Organe schon so geschädigt seien, dass jeder weitere Schluck Alkohol unweigerlich zum Tod führen würde.

    8 Wochen blieb er in der Klinik und man legte ihm nahe, eine LZT von mindestens einem Jahr zu machen, was er aber ablehnte (aus Angst vor Wohnungsverlust, wie er sagte).

    Also kam er wieder nach Hause und hat noch am selben Tag wieder getrunken.

    Ab und zu habe ich ihn auf dem Balkon gesehen. Früher hat er mich schon mal gegrüsst, aber er erkannte mich nicht mehr.

    Vor 2 Wochen bekam er nachts einen Schlaganfall, kam wieder in die Klinik . Es gab kein Organ in seinem Körper, was noch funktionsfähig war!
    Nach 2 Tagen war er tot!

    Er wurde gerade mal 52 Jahre alt!


    Lieben Gruss
    Speedy

    lieben Gruß

    Speedy

    Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

  • Hallo Speedy53,

    schön das du mal wieder hier hereinschaust auch wenn der Grund traurig ist. Aber genau solche Berichte gehören in ein Alkoholiker Forum und deswegen danke ich dir für deine schonungslose Offenheit

    Leider endet es bei jedem so ,der es nicht schafft ,die Krankheit zu stoppen. Es ist nur ein Frage der Zeit. Wenn ich da des öfteren wieder die doch soviel individuelle Ansichten von Wegen lese , bin ich froh das ich mich nach den Grundbausteine richten darf.

    ich wünsche dir alles Gute und drücke dich mal.

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ja... er hatte es in der Hand!

    Keiner ist Schuld an seinem Tod, ausser er selber!

    Trotzdem war ich sehr betroffen... er hatte keinen, der ihm zur Seite stand.

    Nein, da war nur eine Frau, die mit gesoffen hat. Sie war auch in der Wohnung, als er aus der Klinik kam.

    Wenn er gekommen wäre und keiner wäre da gewesen oder jemand, der nicht trinkt.... wäre alles anders gekommen? Hätte er jemand gehabt, der sagt: " bis hier und nicht weiter" würde er noch leben? Ja... reine Spekulation!

    Mein Mann hat mir mal gesagt: "ohne Dich hätte ich nie aufgehört - warum auch!"

    Und gibt es hier nicht viele, mittlerweile trockene Alkoholiker, wo die Partner noch da sind?

    Klar... ist von Fall zu Fall verschieden, aber lohnt es sich machmal nicht doch es zu versuchen?

    Ich lese viel zu selten von den trockenen Alkoholikern: "meine Frau/mein Mann ist bei mir geblieben und wir haben es so und so geschafft!"

    Mich hat das Schicksal dieses Mannes so betroffen gemacht... ich weiss so viel über dieses Thema (hab' ich alles hier gelernt) und weiss jetzt, dass ich eigentlich gar nichts weiss.

    Lieben Gruss
    eine sehr nachdenkliche Speedy

    lieben Gruß

    Speedy

    Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

  • Hallo Speedy,

    hat das Leben ohne Partner denn so überhaupt keinen Sinn, dass es sich nicht auch ohne Partner lohnt, es zu erhalten?

    Gibt es denn nicht auch noch andere Menschen, die sich kümmern könnten oder die er sich hätte suchen können?

    Muss dafür erst eine Partnerin ihr Leben aufs Spiel setzen, indem sie es in die Hände eines so hochgradig rückfallgefährdeten Menschen legt, der es noch nicht mal einen Tag alleine schafft?
    Nein, es ist gut, dass da niemand dranhing!

    Schöne Grüße
    Doro

  • Hallo, liebe Spedy,
    ja, ein trauriger Anlass, der Dich wieder herführt.

    Leider aber werden wir alle, die nun ein wacheres Auge haben, die einzelnen Phasen der Sucht bei anderen Menschen sehen müssen. Eventuell sogar einen Einstieg verfolgen "müssen" auf den wir keinerlei Einfluss haben.

    Weißt Du Speedy "er hatte keinen, der ihm zur Seite stand" ich denke, oftmals wirkt das wohl so, ist aber in der Realität dann doch anders. Wie oft wird versucht einzugehen auf "kranke" Menschen um ihnen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben? Wie oft aber können sie eben in dieser Situation nicht mehr ja zu sich und zum Leben sagen?

    Lohnt es sich nicht doch es zu versuchen? Nun, wenn jemand trocken werden will, dann wohl ja, aber genau das wissen wir bei Deinem Nachbarn nicht und spüre ich bei einigen Menschen nicht, von denen ich sagen würde sie beginnen auf ihrer Bahn zu rutschen und sehen noch nicht einmal dass sie im fliegenden Fall sind.

    Leider, und es sind Menschen dabei, die ich hoch achte und schätze, kann ich ihre Fahrt nicht bremsen - und wohl auch niemand anderer. Nur sie selber könnten stop(p)en wollen und rechtzeitig abspringen - wobei rechtzeitig für sie in ferner Zeit liegen dürfe und in meinen Augen schon 5 nach 12 ist.

    Ja Speedy, es tut weh, auch ich nehme gerade innerlich von einem Menschen Abschied, der in diesen Gang geraten könnte. Ich will dabei aber nicht zusehen müssen, zumindest emotional nicht beteilgt sein. Diese Automatismen kann ich nicht stop(p)en auch wenn ich bemerken kann, dass ein Nachdenken einsetzt. Das alleine bringt denjenigen aber nicht weiter.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Entschuldige Doro,

    ich verstehe nicht, was Du mir damit sagen möchtest.

    Zitat

    Muss dafür erst eine Partnerin ihr Leben aufs Spiel setzen, indem sie es in die Hände eines so hochgradig rückfallgefährdeten Menschen legt

    Sie hat, in dem sie vor ihm getrunken hat, sein Leben aufs Spiel gesetzt.

    Oder verstehe ich da was falsch?

    Lieben Gruss
    Speedy

    lieben Gruß

    Speedy

    Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

  • Wie aber, liebe Speedy, können wir beurteilen, wie krank sie war? Wie aber sollen diese beiden ertrinkenden (die vielleicht beide ein Suchtproblem hatten) sich aus dem Sumpf ziehen oder helfen?

    Ist für mich schwer nachvollziehbar.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Du hast recht, Dagmar

    ich möchte mir da auch kein Urteil erlauben.

    Schuld hat er ganz alleine, das ist Fakt und das sie genauso krank ist, wie er es war, ist auch Fakt.

    Ich hatte ja auch geschrieben, es ist reine Spekulation, was gewesen wäre wenn.

    Wahrscheinlich bin ich jetzt auch nicht ganz objektiv.

    Es hat mich einfach umgehauen, weil ich wirklich dachte, nach der ersten Diagnose des Arztes würde er aufhören (hatte er sich auch vorgenommen) aber er konnte halt nicht!

    lieben Gruß

    Speedy

    Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

  • Hallo Speedy!

    Ich freue mich von Dir zu lesen,dass Du wieder da bist.

    Aber die Geschichte ist traurig.

    Es sieht fast so aus als ob der Mann nicht weiter leben wollte.

    Wenn er so weit unten war und so klare Ansagen bekam hat er sich für seinen Weg entschieden.

    Das ist sicher traurig.Ich würde aber sagen: Jetzt leidet er nicht mehr.

    Dir wünsche ich ein ganz gutes Wochenende.

    Liebe Grüsse
    Yvonne

    ichbinda123

  • Hallo Speedy,

    entschuldige, wenn meine Worte zu hart waren.
    Du trauerst um deinen Nachbarn, das tut mir auch leid für dich.

    Ich reagiere im Augenblick halt sehr allergisch auf diese Vorstellung, eine Partnerin könnte einem Alkoholiker - trocken oder nass - als Stütze dienen und ihn vor dem Untergang zu bewahren.

    Ich habe das 16 Jahre lang so betrieben. Erst hab ich meinem Mann als nassen Alkoholiker zur Seite gestanden. Nicht, um ihn trocken zu bekommen, aber einfach, weil ich ihn lieb hatte und vielleicht auch, weil es mir leid tat, wie einsam er zu sein schien (!). (Denn jetzt sehe ich, dass er sehr wohl Kontakte hat, die er aber im Suff systematisch ruiniert.)
    Später hab ich in seiner trockenen Zeit alles getan, dass er ein neues Leben, das lebenswert ist, aufbauen kann. Hab geholfen, Schulden abzutragen und alle möglichen anderen Probleme aus der Welt zu schaffen. Ich dachte: Je besser sein Leben wird, desto ferner rückt ein Rückfall. PUstekuchen.
    Jetzt ist er wieder ganz unten. Und er ist auch einsam, aber nicht, weil niemand ihm helfen oder zu ihm stehen möchte, sondern weil er es unmöglich macht.
    Und ich muss mich mühsam selbst vorm Untergang retten. Ich hab zu ihm gestanden all die Jahre, zum "Dank" muss ich jetzt Angst vor ihm haben.

    Das ist mein Hintergrund.
    Deshalb urteile ich so.

    Wenn dein Nachbar es nach so einer klaren Ansage der Ärzte noch nicht mal einen einzigen erbärmlichen Tag geschafft hat, dann hätte eine Partnerin auch nichts ausrichten können.
    Aber den Schmerz, den du jetzt empfindest, hätte diese Partnerin die ganze Zeit erleiden müssen, solange er trinkt.


    Liebe Grüße
    Doro

  • Hallo Doro,

    ich versteh sehr wohl, was Du schreibst.

    Ich bin selber die Frau eines Alkoholikers und habe das ganze Elend über 20 Jahre mitgemacht. Du kennst mich und meine Geschichte wahrscheinlich nicht, aber auch ich habe erst durch dieses Forum dahin gefunden, wo ich jetzt stehe.

    Zitat von Doro

    Ich reagiere im Augenblick halt sehr allergisch auf diese Vorstellung, eine Partnerin könnte einem Alkoholiker - trocken oder nass - als Stütze dienen und ihn vor dem Untergang zu bewahren.

    ...ich denke, ich habe meinen Partner vor dem Untergang bewahrt.

    Deine Geschichte kenne ich nicht, aber ich werde sie lesen... versprochen!

    Aber ich denke, Deine "Geschichte" ist nicht sehr viel anders als meine und die vieler anderer hier.

    Ich kenne sie alle zur Genüge... denke also bitte nicht, ich schreibe hier blauäugig drauf los!

    Jetzt war ich aber eine lange Zeit nicht hier, habe nicht mehr gelesen, dachte... für mich ist alles gut. War es auch... bis jetzt!

    Mein Nachbar hätte wahrscheinlich sowieso keine Chance mehr gehabt, weil einfach viel zu viel kaput war... wäre er aber in eine alkoholfreie Wohnung gekommen... wer weiss, vielleicht hätte er eine kleine Überlebenschance gehabt. War nicht so... und natürlich, er hätte es in der Hand gehabt!

    Lieben Gruss
    Speedy

    lieben Gruß

    Speedy

    Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

  • Hallo Speedy,

    ich hab vorhin kurz versucht, deine Story zu finden, habs aber nicht geschafft und deshalb einfach so geantwortet, ohne deinen Hintergrund zu kennen.

    Ich schreibe hauptsächlich im geschlossenen Bereich, hier findest du nur die ersten Einträge.

    Ich glaub dir das gerne, dass es bei euch so war. Und das ist auch sehr schön. Es ist gut zu wissen, dass es auch klappen kann. Bei mir wars leider nicht so.

    So schön wollte ich es bei uns auch haben. Es war wie ein Märchen: Er war trocken, wir bauten uns eine stabile Zukunft. Mir war zwar bewusst, dass es ein Risiko ist, einen (trockenen) Alkoholiker zu heiraten, aber ich hab einfach vertraut, dass das Schicksal es gut mit uns meint. Ich konnte mir diese Grausamkeit nicht vorstellen. Ein Rückfall von solcher Wucht und das zu einem Zeitpunkt, als sein Leben äußerlich perfekt war. Und zu einem Zeitpunkt, als ich mich völlig auf ihn eingelassen hatte: zwei kleine Kinder, Haus auf Kredit, Heimat verlassen für seinen Job.
    Da ist was in mir gestorben.
    Ich hab meine Gefühle in dieser Richtung - meine Gefühle für ihn - in einen inneren EIsschrank in meinem Herzen eingefroren.
    Das letzte Mal, als jemand hier vor meiner Tür stand mir von seiner EInlieferung ins Krankenhaus berichtete, bin ich noch in Tränen ausgebrochen (obwohl wir getrennt waren), bin hinterher gefahren. Er hat mich im Krankenhaus ignoriert und den Ärzten Schweigen verordnet. LIeß sich wieder entlassen, machte wieder keine Therapie, versuchte es wieder alleine, ich freute mich für ihn, dass er abstinent war, und einige Wochen später fing er wieder an.
    Das nächste Mal will ich meine Gefühle im Eisschrank lassen. Wozu all die Tränen?
    Wenn er sein Leben nicht will, wieso soll ich um ihn trauern?
    Ich hab noch ein Leben zu leben.

    Liebe Grüße
    Doro

  • Hallo Doro,

    meine Geschichte findest Du hier: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…topic14126.html

    aber ich denke, wir driften jetzt auch zu weit ab.

    Ich kann Deine Verbitterung sehr gut verstehen und natürlich... Du hast nur dieses eine Leben und das solltest Du nicht verschwenden an einen Menschen, der es nicht zu würdigen weiss.

    Aber auch wenn sich alle (oder viele) Geschichten hier ähneln... es gibt halt doch Unterschiede und das ist auch gut so!

    Ich werde Dich in Deinem Thread im Co-Bereich besuchen, werde mir alles durchlesen... und auch ich werde nicht den ultimativen Rat haben, aber ich werde Dich verstehen!

    Lieben Gruss
    Speedy

    lieben Gruß

    Speedy

    Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

  • Liebe Speedy,
    ich bin wohl raus aus meiner Alk-Beziehung und lebe wohl keine co-Abhängigkeit mehr aus, versuche mehr zu lernen und auf mich und meine Ecken, Kanten und Automatismen zu achten.

    Ich glaube aber, das Thema Alk, Sucht oder einfach Menschen, die "hingerafft" werden wird mich immer begleiten. Unsere Augen sind geschärfter geworden. Vielleicht fühlen wir durch den eigenen Schmerz ein bischen den des anderen, der sich betäuben möchte, ich weiss es nicht - ich weiss nur ich würde gerne darauf verzichten das zu spüren und zu sehen.

    Ich weiss auch nicht, ob ich jemals wieder eine Partnerschaft eingehen möchte da es sehr schwer ist, einen Menschen zu finden der in sich zufrieden ist. Auch ich beginne das erst zu lernen. Ich sehe Menschen, die den "Kick" suchen um aus einer inneren SChwere herauszukommen - mal durch Extremsport, mal eben "nur" durch Alkohol, weil der eben gesellschaftsfähig ist, die Kombination von beidem ist natürlich genial. Austauschbare Sucht - Gehen an die eigenen Grenzen - sie eventuell überschreiten und immer noch einen Kick mehr durch die Gefahr von Tod/Wagnis. Ich musste da heute ein paar Kombinationen zusammenstellen weil mir einiges unklar war am Leben einer mir bekannten Person. Das Puzzle, welches sich für mich ergeben hat war beängstigend.

    Aber Speedy, welche Chance hätte ich einem solchen Menschen klar zu machen dass er und sein Leben sinnvoll und wertvoll sind auch ohne Extremsport, bis an die Grenzen gehen, Provokationen oder Alkohol"Genuß". Hier kann doch eines durch das andere ersetzt werden, einfach durch den Wunsch des Kicks, der Zufriedenheit die bisher nicht gefunden wurde. Und wohl auch weiterhin so nicht gefunden werden kann....

    Es wäre sehr schön, so etwas abfangen zu können und zu sagen "Junge, wach auf und lebe Dich" aber genau das tut dieser Mensch auf seine Art ja - wagemutig und lebensmüde.... aber wer soll so etwas wie verhindern?

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Dagmar,

    zu später Stunde sehr schwere Kost...

    Zitat von Dagmar

    Aber Speedy, welche Chance hätte ich einem solchen Menschen klar zu machen dass er und sein Leben sinnvoll und wertvoll sind auch ohne Extremsport, bis an die Grenzen gehen, Provokationen oder Alkohol"Genuß". Hier kann doch eines durch das andere ersetzt werden, einfach durch den Wunsch des Kicks, der Zufriedenheit die bisher nicht gefunden wurde. Und wohl auch weiterhin so nicht gefunden werden kann....

    Nein Dagmar, Du hättest wohl keine Chance und es ist auch nicht Deine Aufgabe, irgend jemandem klar zu machen, dass es so oder so nicht richtig ist (egal, ob Extremsport oder Alkohol).

    Du musst für Dich wissen, inwieweit Du damit umgehen kannst. Ich möchte auch nicht immer Angst haben, weil mein Partner z.B. Fallschirmspringer ist. Aber wenn er den Kick braucht, werde ich nicht versuchen, ihn davon abzubringen. Entweder ich komme damit klar oder eben nicht und dann muss ich die Konsequenzen ziehen (genau wie beim Alkohol)

    Als mein Mann noch getrunken hat dachte ich, wenn er nur aufhört, dann wird alles gut.

    Ja genau... Pfeiffendeckel - erstmal hat er sich in ein Schneckenhaus zurückgezogen, hat nicht mit mir geredet und ich verstand gar nix mehr.

    Ich musste erst mal lernen, dass es für ihn auch ein Abnabelungsprozess ist. Und... ich mussste erstmal wieder lernen auf mich selbst zu hören.

    Das hatte ich in den ganzen Jahren total verlernt. Mein ganzer Fokus ging auf andere (nicht nur auf meinen Mann). Ich musste lernen loszulassen, Nein zu sagen, nicht mehr blind zu vertrauen.

    Es war ein langer und schwerer Prozess, aber ich habe gelernt.

    Es hat mich viele Tränen und schlaflose Nächte gekostet, aber heute (jetzt) kann ich sagen, ich bin ich und jeder ist selber für sein Leben verantwortlich. In erster Linie ich für mein Leben!

    Ich habe es in der Hand, ob ich zufrieden oder unglücklich bin. Ich muss keinen mehr missionieren.

    Heute bin ich sehr viel entspannter im Alltag, als ich es in fast 30 Jahren war und das wirkt sich auch auf mein Umfeld aus.

    Co-Abhängig.... bin ich es immer noch? Ich weiss nicht wo die Grenze ist.

    Ich kümmere mich gerne um andere Menschen, aber ich lasse mich nicht mehr vereinahmen von ihnen.

    Ich helfe, wenn ich helfen kann - wenn das Co ist, dann bin gerne Co.

    So... nun bin ich aber sehr weit abgekommen vom Thema (oder auch nicht)

    In den letzten 3 Jahren habe ich ganz viele Glücksmomente und auch Enttäuschungen erlebt... das reicht für ein ganzes Leben.

    Aber heute kann ich sagen.... ich bin zufrieden und glücklich!

    Wer kann das schon sagen?

    Lieben Gruss
    Speedy

    lieben Gruß

    Speedy

    Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

  • Guten Morgen, liebe Speedy,
    ich gebe Dir in allen Punkten recht. Dieses Kick-benötigen ist eine Sache, die der Mensch eben braucht und will, was seine Entscheidung und sein Grundbedürfnis zu sein scheint. Soweit - so schlecht für das Umfeld - so gut für ihn. Denn es ist ja sein Leben, welches er zu seiner Zufriedenheit leben muss.

    Ich habe mittlerweile gelernt für mich die Zeit zuzulassen solche Dinge an Menschen zu begreifen bevor ich mich zu tief auf sie einlasse. Somit bin ich (derzeit) in der Lage zu sagen, als Freund ist der Mensch für mich wertvoll, als Partner wäre es für uns beide eine Belastung unsere beiden Persönlichkeiten auf ein wir einlassen zu können oder zu wollen.

    Gerne helfen ... ja, aber bei mir bedeutet das seit vielen Jahren (wenn ich es erkenne ;) Hilfe zur Selbsthilfe. Also nicht mehr wie früher, wo die Freundinnen Rat wollten, diesen ihren Weg aufzuzeigen, wo sie später sagen könn(t)en "Du hast mir geraten und es war falsch".

    Allerdings bin ich erst heute in der Lage solche Dinge zu erkennen und erst heute kann ich beginnen Kopf und Gefühle so einzusetzen um mich zu fragen was will ich, was kann ich ertragen und wo muss einfach etwas Abstand her. Früher gab es für mich nur ent- oder -weder. Es gab kein grau zwischen schwarz oder weiss. Nunmehr beginne ich diese Zwischentöne anzunehmen und zu leben.

    Ich denke, das ist einfach der Punkt: es gibt Menschen um uns herum, über die wir uns Gedanken machen, deren Schicksal, deren Traurigkeit oder deren Leben uns traurig macht. Wir dürfen mitfühlen, mittrauern aber nicht uns mitreißen lassen. Vor allen Dingen nicht meinen (wie Du so schön sagst) wenn ein Problempunkt wegfallen sollte zu meinen es wird alles gut. Ein Mensch ist ein Konstrukt aus ganz vielen Erwartungen/Hoffnungen/Wünschen und Bedürfnissen. Bis da ein jeder Topf den passenden Deckel finden kann könnte es dauern, oder gar niemals passieren. Wie auch immer, das ist eben das was Leben ist ;)

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Dagmar,

    ja... sich nicht mehr vereinnahmen zu lassen ist nicht immer einfach.

    Ich war oft der Müllabladeplatz für viele und ganz oft hatte ich das Gefühl, meine Sorgen wollte keiner hören.

    Wahrscheinlich habe ich auch genau das ausgestrahlt...!

    Wie gesagt, ich helfe immer noch gerne, aber ich kann mittlerweile auch Hilfe einfordern.

    Das Leben ist ein Geben und Nehmen, nur hatte ich verlernt zu nehmen... anzunehmen!

    Hier waren viele Hände, die sich mir entgegengestreckt haben. Ich musste sie nur auch annehmen und das war nicht immer einfach.

    Gott sei Dank hatte ich damals einige Begleiter hier, die nicht nachgelassen haben, mir mal mit netten oder auch mit weniger netten Worten gesagt haben, wo ich stehe!

    Es war ein Prozess, der nicht immer leicht war - aber es hat sich gelohnt.

    Natürlich müssen wir auch heute noch an unserer Beziehung arbeiten, aber muss man das nicht immer?

    Diese ganzen Facetten... Trauer, Wut, Verzweiflung und Hoffnung, ich verstehe alles, denn ich habe alles selber durch!

    Heute kann ich aber traurig sein über den Tod eines Menschen, der es leider nicht geschafft hat, dem Alkohol zu entrinnen. Aber ich verliere mich nicht mehr darin.

    Lieben Gruss
    Speedy

    lieben Gruß

    Speedy

    Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

  • Hallo Speedy,

    wenn es den Alkohol nicht gäbe, gäbe es etwas anderes. Gibt es ja schon. Es liegt im Menschen selber wie weit er sich auf das Leben einlässt oder auch einlassen kann.

    Es ist schön, dass Dein Mann anerkennt, was Du für Dich und damit indirekt auch für ihn getan hast. Es freut mich, dass ihr es zusammen geschafft habt. Aber ob er es ohne Dich nicht geschafft hätte ist hypothetisch. Er glaubt es und das ist sicherlich auch ein schönes Gefühl, aber wissen kann es keiner. Ohne Dich wäre sein Leben ein ganz anderes gewesen. Es ist so, wie es ist. Sein Leben ist wie es ist, Euer Leben ist wie es ist. Das Leben Deines Nachbarn war, wie es war. Traurig das er es weggeworfen hat, aber für ihn schien es nichts wert. Ob er es unter anderen Umständen als mehr wert angesehen hätte, kann man nicht wissen. Wer weiß, vielleicht hätte er es ohne seine trinkende Partnerin noch schneller beendet. Das weiß keiner. Traurig ist und bleibt, dass er es als sinn- und wertlos angesehen hat.

    Ich kann Deine Wut, Trauer und Fassungslosigkeit verstehen. Mir geht es in solchen oder ähnlichen Situationen nicht viel anders. Was dann in mir hochkommt, ist die Erinnerung an mein Leben, meinen Verlust und damit meine ich nicht nur, dass meine Mutter tot ist. Ich habe dadurch dass sie getrunken hat auch andere Dinge verloren und das Stück für Stück über einen langen Zeitraum. Es ist aber auch die Erinnerung an ihr Elend, ich habe auch gesehen wie sie selbst gelitten hat. Dieser mangelnde Respekt vor sich selbst, dieses selbst zerstörerische Verhalten, dieses sich selbst wie Dreck behandeln. Dieses Verhalten ist bei allen nassen Alkoholikern auf die eine oder andere Art und Weise gleich. Diagnosen haben meine Mutter übrigens nicht vom trinken abgehalten und sie hatte trotz allem noch Menschen an ihrer Seite.

    Das sich selbst jemand so schlecht, so abwertend, so wertlos behandelt tut mir manchmal einfach weh, weil es Erinnerungen weckt. Wenn ich sehe oder höre, dass sich wieder mal einer unter die Erde gesoffen hat, kommt ab und an einiges bei mir hoch, so wie bei Dir jetzt. Manchmal ist es mir näher und manchmal weniger. Je nach dem wie nah mir diese Situation kommt so reagiere ich dann mit Wut, Unverständnis, Fassungslosigkeit, Trauer oder auch mit Gleichgültigkeit. Ich habe das bei mir akzeptiert und lasse diese Gefühle dann raus, denn geht es mir danach meistens besser.

    Letztendlich ist meine Reaktion auf diese Situationen nur ein Vehikel, im Grunde geht es nur um mich mein Leben, meine Gefühle, meine Geschichte. Wenn es „nur“ um den anderen ging, könnten diese Situationen mich nicht wirklich berühren. Ich wäre betroffen, aber nicht berührt. Sie rühren aber an Erinnerungen und Ängsten, es ist Kopfkino, es ist das was war und das was hätte sein können, es ist was wäre wenn. Das ist das, was mich reagieren lässt.

    Gruß
    Skye

  • Hallo Skye,

    vieles von dem was Du schreibst kann ich nachvollziehen, manches nicht.

    Ich bin nicht wütend, warum auch... es war sein Leben und er wusste, was passiert, wenn er weiter trinkt. Traurig bin ich schon, weil er tot ist.

    Mein Mann hat zu mir gesagt, er hätte wohl nie zu trinken aufgehört, wäre er alleine gewesen,

    Zitat

    Aber ob er es ohne Dich nicht geschafft hätte ist hypothetisch.

    Klar ist das hypotetisch, aber wenn er sagt, ich hätte keinen Grund gehabt aufzuhören, so ist das für mich ein Argument!

    Zitat

    Ohne Dich wäre sein Leben ein ganz anderes gewesen.

    Natürlich... auch mein Leben wäre ohne ihn anders verlaufen, das ist sicher.

    Aber spielt es eine Rolle was gewesen wäre wenn?

    Zitat

    Im Grunde geht es nur um mich mein Leben, meine Gefühle, meine Geschichte.

    Siehst Du... genau das sehe ich anders, in meinem Fall geht es um "unser" Leben. In Deinem Fall mag das anders sein, aber ich bin froh, dass ich mich damals für "unser" Leben entschieden habe.

    Lieben Gruss
    Speedy

    lieben Gruß

    Speedy

    Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

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