Mein Freund trinkt...

  • Hallo zusammen,

    meine Geschichte ist im Vorstellungsforum nachzulesen, deshalb möchte ich hier gleich auf die dort von Speedy und Karsten gestellten Fragen antworten:

    Ich trinke an 2 oder 3 Abenden in der Woche vielleicht mal ein oder zwei Gläser Wein zum Essen. Am Wochenende vielleicht auch eins mehr oder wenn ich weggehe mal ein Bier. Hochprozentigere Sachen so gut wie gar nicht, höchstens mal auf einer Feier, aber nie zuhause.

  • Hallo Pipilotta,

    willkommen hier im Forum,

    da der Vorstellungsbereich geschützt ist können diesen nicht alle lesen. Eine nochmalige kurze Vorstellung hier wäre von Vorteil .

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo, ich brauche mal eure Hilfe.

    Ich habe seit einem Vierteljahr einen Freund, von dem ich weiß, dass er alkoholabhängig ist. Wir sind uns sehr nahe und fühlen eine tiefe Liebe zueinander.

    Ich habe ihn schon kurz nach unserem Kennenlernen darauf angesprochen, weil er eben nie nüchtern war und ständig eine Fahne hat. Er hat es auch eingeräumt und sagte mir, dass er es ohne Entgiftung nicht wird lassen können.
    Ich habe ihm daraufhin gesagt, dass ich ihm die Zeit gebe, dass ich mich aber nicht damit abfinden werde und damit leben will.

    Er hat mit mir sehr offen und ehrlich darüber gesprochen und mir erläutert, dass es sich dabei um eine Suchtverlagerung handelt, von Drogen auf Alkohol. Er hat schon Entgiftungen hinter sich, weiß also, wie es um ihn steht.

    Wenn wir zusammen sind, trinken wir gemeinsam abends eine halbe bis eine Flasche Wein zum Essen. Wenn wir zusammen weggehen auch mal ein oder zwei Bier.

    Ich weiß aber, dass er in seiner Wohnung bzw., wenn er bei mir ist in seiner Reisetasche, immer eine Literflasche xxx deponiert hat.
    Ich hatte sie schon am ersten Abend entdeckt, als ich ihm ein Geschenk in die Tasche stecken wollte. Er weiß aber nicht, dass ich davon weiß. Ich weiß auch nicht, welche Menge er am Tag davon konsumiert.

    Nun ist er vor einer Woche beim Arzt gewesen, weil er eine ambulante Entgiftung machen will. Er hat mir erzählt, was beim Arzt besprochen wurde, dass er im Moment keine stationäre Entgiftung machen möchte obwohl es besser wäre, weil er arbeitssuchend ist und er Angst hat, dass ihm durch seine Abwesenheit dann Chancen auf Arbeit entgehen.

    Nun denn, der Arzt hat ihm bestätigt, dass er ein "Wirkungstrinker" sei, der Alkohol trinkt, um lockerer zu werden und Kummer zu vergessen.
    Er hat Tabletten verschrieben bekommen, von denen er morgens und abends eine einnehmen muss, die aber lt. Beipackzettel sehr sehr müde machen sollen und einen vielleicht "benebeln".
    Bis jetzt hat er noch nicht mit der Einnahme begonnen...

    Soviel dazu.
    Ich weiß nicht, was ich machen soll. Manchmal kotzt mich seine Dauerfahne dermaßen an, dass ich weglaufen könnte, andererseits haben wir uns sehr ineinander verliebt und ich will natürlich versuchen, das alles mit ihm durchzustehen.
    Sicherlich wäre es für ihn einfacher, wenn wir zusammen keinen Alkohol mehr trinken würde, aber das fällt selbst mir manchmal schwer.
    Verlegen

    Tja, und nun weiß ich nicht so recht weiter und frage hier nach Rat.
    Vielen Dank fürs lesen...

  • Hallo Pipilotta!

    Wenn dich seine Fahne jetzt schon ankotzt!, dann kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen, dass du sie gar bald NICHT mehr aushalten kannst.
    Dann ist keine Liebe mehr da, nur noch Ekel.
    Mein Mann ist jetzt zwei Jahre trocken, aber ich weiss noch genau, was ich damals gefühlt habe. Wie es mir ging, z.B. in das Schlafzimmer zu gehen, in dem er im Dunst lag.
    Deinen Freund wird es genausowenig stören wie meinem Mann damals.
    Ihm war ich damals auch total egal. Ganz egal wieviel große Liebe er mir auch damals schwörte! Und wie schön unsere Ehe war - zuletzt in wenigen Minuten!

    Leider kann ich dir hier keinen Mut machen für eure Beziehung. Wenn dein Freund es nicht schafft, mit dem Arzt zusammenzuarbeiten, an sich etwas zu ändern, kannst du nichts machen.
    NUR DIR helfen. Für dich einen besseren Weg zu finden.

    Ich wünsche dir noch viel Austausch hier im Forum! Das ist für dich eine erste gute Hilfe!
    LG Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Ich hab nochmal eine Frage:

    Soll ich ihn damit konfrontieren, dass ich weiß, dass er in seiner Wohnung (Kleiderschrank, Küchenschrank, Reisetasche) Alkohol versteckt?

    Am liebsten wäre mir, er würde die Flasche auf den Tisch stellen.
    Dann müsste er wenigstens in meinem Beisein an der Flasche nippen und nicht, wenn ich gerade mal aufs Klo gehe...

  • Hallo pipilotta!

    Ich bin ein trockener alki und kann dir nur raten,nehme deine beine in die hand und laufe so schnell du kannst, vergesse aber nicht leb wohl zu ihm zu sagen.
    Du kennst ihn gerade 3monate und schon soll es die liebe des lebens sein.
    Ich bin der meinung, das etwas mehr dazu gehört.
    Du kannst auch nicht sagen, du hättest es nicht gewusst wie es um ihn steht, denn er hat es dir deutlich zu verstehen gegeben und auch keine andeutungen gemacht etwas dagegen zu unternehmen.
    Meine frau wollte mich auch trockenlegen und hat es nicht geschafft.
    Ich musste selbst entscheiden ob ich weitersaufen will oder ob ich leben wollte.
    Würde ich heute wieder zur flasche greifen, so würde meine frau den koffer packen und lebe wohl sagen, denn das was sie mit mir durchgemacht hatte will sie nicht wieder erleben, obwohl wir schon lange verheiratet sind. Es wird sich vielleicht blöd anhören aber ich würde es verstehen, weil ich auch weiss was co-abhängigkeit heisst.
    Solange du auch noch mit ihm regelmässig alk trinkst, wenn auch für dich normal, so wäre er doch blöd sich für ein leben ohne drogen zu entscheiden.
    Als ich noch gesoffen hatte, hat meine frau keinen alkohol getrunken und auch als ich trocken war nicht. Heute trinkt sie mal zu geburtstagen oder anderen feierlichkeiten alkohol aber nicht immer.
    Heute bin ich derjenige der dann die fahne riecht und ich muss sagen es stinkt erbärmlich.
    Ich brauch es aber nicht jeden tag zu riechen.
    Dir wird mein schreiben hart vorkommen aber ich spiele lieber mit offenen karten, als alles schön zu reden.
    Du bist eine reife erwachsene frau und solltest dich nicht auf glatteis begeben ausrutschen und nicht wissen wo du ankommst.
    Nach 3monaten kann man von verliebtheit reden, aber man sollte doch prüfen ob es das wert ist in was du da hinein gerätst.
    Am meisten fühlt man sich von der Wahrheit getroffen, die man sich selbst verheimlichen will
    Ein mensch muss sich verändern wollen,
    wenn nicht ist jedes wort zuviel und jede
    bemühung vergebens.

    Es grüsst dich recht herzlich heinrich

    Der Mensch muss sich verändern wollen.
    Sonst ist jedes Bemühen sinnlos, jedes Wort zuviel und jede Anstrengung vergebens.

  • Hallo Pipilotta,
    wahrscheinlich wird es dir nichts nützen wenn ich dir rate,die Beziehung aufzugeben, oder noch drastischer, renne weg solange du kannst.

    Bei mir war es genauso wie bei dir, ursprünglich trank mein Freund nur
    an seinen freien Tagen. Ich war noch so dämlich, Alk in kleine Flaschen abzufüllen die ursprünglich Medizin enthielten weil ich dachte er würde dann kontrolliert trinken.

    Ihr seid ein Vierteljahr zusammen, dann fällt die Trennung noch leichter als nach 11 Jahren. Du wirst mir wahrscheinlich nicht glauben, dass eine
    Trennung notwendig ist, ich habe damals auch nicht auf die Warnungen anderer gehört.

    Im Grunde besteht die Beziehung aus einer Seifenblase, Worte die im
    alkoholisiertem Zustand gesprochen werden haben keinerlei Wert, sind nicht stimmig. Und dass du ihn vom Trinken abhalten kannst, kannst du vergessen.

    Der Freund Alkohol ist stärker und mächtiger als jede andere Geliebte.
    Wenn du Schluß machst, wird es ihm wehtun und er wird noch einen Grund haben zu trinken.
    Lieben Gruß Auge

  • Vielen Dank für die Antworten.

    Das ist nicht so einfach für mich.
    Er ist endlich mal jemand, bei dem ich das Gefühl habe, wir sprechen die gleiche Sprache, haben die gleichen Gedankengänge und es harmoniert auch sonst alles einwandfrei.
    Er hat Schulden ohne Ende und keine Arbeit.
    Er sagt, ich gebe ihm Halt.

    Ich habe jetzt rausbekommen, dass er etwa eine halbe Flasche Kräuterschnaps am Tag trinkt. Jedenfalls, wenn wir zusammen sind. Wenn er allein ist, wahrscheinlich mehr.
    Er ist überhaupt nicht auffällig, lallt nicht, ist nicht träge sondern eher aufgekratzt und Herr seiner Sinne.

    Schlagt mich nicht, aber ich frage mich, warum er es eigentlich lassen sollte.
    Er ruiniert seine Gesundheit. Was noch?
    Ich weiß, dass schon der Gedanke dumm und naiv ist.

    Schöne Woche wünsche ich euch.

  • hallo lotta
    ich kann dir aus eigener erfahrung sagen, ihr sprecht nicht die selbe sprache.
    du denkst das so wie ich, aber die realität sieht anders aus.
    beende es jetzt wo es noch frisch ist, du wirst ihn da nicht raus holen können.
    mein freund hat auch schulden ohne ende und keine arbeit, ich kann deine situation nachfühlen.
    wenn du ihn auf seine verstecke ansprichst werden lügen kommen.
    er selber muss es wollen eine therapie zu machen.
    er sucht jetzt schon ausreden warum er es nicht tut und grade jetzt wo er arbeitssuchend ist hat er die chance es zu tun. wenn er arbeit hat kommt die ausrede, ich hab grade einen job und den will ich nicht verlieren.
    das wird er aber früher oder später eh, durch den als.

  • Hallo Pipilotta,

    klar sagt er, dass Du ihm Halt gibst... Du unterstützt ihn ja dadurch, dass Du co-abhängig bist, also warum sollte er aufhören zu trinken?

    Ich habe meinen Ex auch damit konfrontiert, dass ich Bierdosen im Kleiderschrank gefunden habe; außer einem handfesten Krach (wie ich mich anstelle, was ich nu wieder habe....) hat es nichts gebracht. Er hat die Dosen dann eben woanders versteckt.

    Ich kann mich den anderen hier nur anschließen: das ist keine Liebe. Hol Dir Hilfe für Dich und nimm die Beine in die Hand und lauf los. Ohne ihn.

    Alles Gute für Dich... Pedi

  • Vielen Dank erstmal für eure Antworten.

    Ich kann ihn im Moment noch nicht verlassen, vielleicht "leide" ich noch nicht genug.

    Ich weiß, dass es dumm ist, aber jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen. Ich jedenfalls gehöre zu der Kategorie, die erstmal selber auf die Schnauze fallen müssen.

    Hört sich blöd an - is aber so.

    ...ich seh euch schon mit dem Kopf schütteln...

  • Hallo Pipilotta,

    ich kann Dich gut verstehen.. auch wenn der Verstand eigentlich sagt "Geh", kommt das Gefühl erstmal nicht hinterher. Ich habe auch lange für diesen Entschluss gebraucht.

    Fühl Dich hier stets willkommen mit Deinen Gedanken, wie auch immer Du entscheidest.

    Alles Liebe.. Pedi

  • Erstmal allen ein frohes neues Jahr.


    Also, nachdem ich jetzt die letzten 4 Tage mit meinem Freund zusammen verbracht habe, ist er jetzt allein nachhause gefahren.

    Er hat mich heute Morgen gefragt, ob ich mit ihm glücklich bin und ich habe mich endlich überwunden und ihm gesagt, dass er zu viel trinkt und ich das nicht ertrage.
    Dass er eine unglaubliche Alkoholfahne hat, 24 Stunden am Tag, und dass mich Freunde und Verwandte schon darauf angesprochen haben, ob er ein Alkoholproblem hat.
    Ich wüsste nicht, wie ich darauf antworten soll und er hat gesagt, es würde ihn nicht wundern, dass die Leute fragen, denn man sieht es ihm ja an, dass er eins hat.

    Ich habe ihn gefragt, wie es weitergehen soll und er sagte, er könne sich schon seit Wochen nicht mehr ausstehen, bräuchte Hilfe bei der Entgiftung, weil er es allein nicht schaffe.
    Er hätte aber Angst davor, weil er das alles schon einmal mitgemacht hat. Die körperlichen Strapazen, halt die ganzen Nebenerscheinungen.

    Er wüsste sehr wohl, dass es so nicht weitergehen kann, weil er so keine Perspektive für seine Zukunft hat und er könne mich verstehen.

    Ich habe ihm gesagt, dass ich da bin und ihn nicht verlieren will, dass ich aber Angst davor habe, dass ich ihn irgendwann nicht mehr ertragen kann, wenn er so weitermacht.

    Er hat geweint und gesagt, dass er das alles wisse und er allein nachhause fahren möchte. Er wird sich heute Abend noch einmal bei mir melden.

    Ich bin sehr traurig.
    Ich weiß, wie schwer es für ihn sein muss, sich seinem Problem zu stellen statt immer nur davor davonzulaufen.

    Ich weiß aber jetzt, dass er es selbst schon erkannt hat und weiß, dass es so nicht weitergehen kann.

  • Zitat von Pipilotta


    Ich weiß, dass es dumm ist, aber jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen. Ich jedenfalls gehöre zu der Kategorie, die erstmal selber auf die Schnauze fallen müssen.

    Hört sich blöd an - is aber so.

    ...ich seh euch schon mit dem Kopf schütteln...

    Hallo Pipilotta,
    nein du hast Recht.
    Wir alle sind tüchtig auf die Schnauze gefallen.
    Wir haben unsere eigenen Erfahrungen gemacht. Gerade deshalb ist es uns ja wichtig, jemand "vorzeitig" zu warnen.
    Ich habe 13 Jahre gebraucht und diese 13 Jahre waren voller Verletzungen, Ängsten und Schmerzen. Deshalb wäre es schön, wenn es gelingen könnte, jemanden davor zu bewahren.

    Du möchtest ihm helfen oder unterstützen, aber es ist wichtig zu erkennen, dass dieser Wunsch alleine nicht ausreicht.

    Lies dich mal in einigen Geschichten durch und betrachte dabei dein Leben.
    Vielleicht findest du dich irgendwo wieder und gelangst dann für dich zu einer wichtigen Erkenntnis, wie du dein Leben weiterhin gestalten möchtest.

    Alles Liebe
    Elke

  • Danke für deine Antwort, Elke.

    Ich werde ihm erstmal die Chance geben, etwas zu tun.
    Er weiß, dass ich gehe, wenn er nichts ändert.
    Er hat mehr Angst, mich zu verlieren, als dass ich Angst habe, ihn zu verlieren.

  • So, er hat sich bei mir gemeldet und sich bei mir für sein Verhalten entschuldigt. Er wisse, dass ich damit nicht leben will. Und er will auch nicht, dass ich damit leben muss.

    Er wird in der kommenden Woche mit seinem Arzt sprechen und nach Lösungen suchen.

    Soweit ich weiß, dauert es oft Wochen, bis man einen Platz in einer entsprechenden Klinik bekommt.
    Ist das so?

  • Hallo Pipilotta,

    Hut ab vor Deiner Kraft und Deiner Ehrlichkeit, vor allem Dir selbst gegenüber!

    Keine Ahnung, ob das mit dem Klinikplatz so lange dauert, aber ehrlich gesagt sollte er sich seinen Kopf darüber zerbrechen, nicht Du. Er muss seinen Weg aushalten und hindurchgehen, aber Du mußt es auch!
    Wenn Du wieder "umkippst", wirst Du unglaubwürdig ihm und auch Dir selbst gegenüber.

    Du schaffst das schon und bist, wie ich finde, auf einem sehr guten Weg. Geh ihn weiter, verliere Dich nicht...

    LG.. Pedi

  • Guten Morgen Pedi,

    wie schon geschrieben, geht er am 14. Januar für 14 Tage in den Entzug.
    Ich werde ihn in die Klinik hinbringen.

    Er sagt, er will das durchziehen, damit er auch in 4 Wochen noch in den Spiegel sehen kann.

    Wir wissen beide nicht, was und wie es danach sein wird. Er ist ein potentiell suchtgefährdeter Mensch. Aber er sagte gestern, seine ganzen Lebensumstände haben sich durch mich zum Positiven umgekehrt und das gebe ihm Zuversicht.

  • Hallo Pipilotta,

    schön, dass es so schnell klappt mit dem Entzugstermin.

    Bin gespannt auf Deine weiteren Berichte, wie es Dir ergeht.

    Wünsche Dir viel Kraft und Erkenntnis und alles Liebe!

    Pedi

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!