Co-abhängig - wieviel schuld trage ich

  • Hallo Ihr Lieben,

    ich habe mich jetzt ein paar Tage nicht gemeldet, nehme aber allen Mut zusammen und tue es heute. Wenn irgendjemand mich verstehen kann, dann nur einer von euch.

    Am 24. habe ich mich mit meinem "Ex"Freund getroffen, eigentlich nur um ihm mein Geschenk zu geben und einen Kaffee zu trinken. Zuerst haben wir versucht, normal miteinander umzugehen, aber das hat natürlich nicht funktioniert. Er hat nicht verstehen können, warum ich mich trennen wollte und war wütend bzw. verletzt. Er sagte, er hätte es die ganze Zeit über verstanden, wenn ich mich getrennt hätte - aber nicht jetzt. Dieser Glühwein - bei dem hätte er sich nichts gedacht und ihm war aber auch während des Trinkens bewußt, dass es gefährlich wäre, einen zweiten zu trinken. Er würde nicht noch einmal so tief stürzen. Mit der Trennung würde ich alles aufgeben - das könne er nicht verstehen. Schlußendlich kam heraus, das es nicht nur der Glühwein gewesen ist, der mich bewegt hat, so zu reagieren. Ich habe ihm auch von meinen anderen Befürchtungen und auch meinen Wünschen erzählt. Ich glaube, zu der Angst betreffend den Alkohol hat sich auch viel Frust bei mir aufgebaut, dass ich nicht mehr alles alleine machen möchte und einen starken Partner an der Seite haben will. Ich habe noch nicht aufgegeben daran zu glauben, dass er dieser Partner sein kann. Ich habe vielleicht einfach zu viel auf einmal verlangt. Dass nach der Einsicht gleich alles besser wird und er in der Beziehung gleich voll da sein kann. Aber da gibt es ja noch das Problem der Arbeitslosigkeit und andere Sachen, die gelöst werden wollen.

    Vielleicht mach ich mir nur was vor, aber ich versuche trotzdem mich mit meinen Ängsten zurück zu halten und ihm wieder zu vertrauen. Ich hoffe wir können beide an der Beziehung arbeiten und dass es doch noch funktioniert.

    Ich weiß, ihr haltet mich für verrückt, dass ich es wieder mit ihm versuche. Aber irgendetwas hält mich und ich kann ihn nicht aufgeben. Ich habe natürlich immer noch Angst. Gestern abend war er alleine bei einer Freundin, heute will er lieber bei sich bleiben und nicht vorbei kommen. Da vermutet mein krankes Gehirn gleich wieder, dass er was zu verbergen hat. Aber solange ich es nicht beweisen kann, gilt der "unschuldsgedanke", oder?

    Bitte verzeiht mir, dass ich mal so und mal so schreibe. Ich fühle mich einfach sehr verunsichert und weiß nie was richtig und was falsch ist.

    Ich wünsche Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr und hoffe, dass es ein wunderbares wird!

    Euer Blaubärchen

  • Liebe Blaubärchen
    das, was du schreibst, könnte mir ebenso passieren.
    Gerade noch fest entschlossen, sich zu trennen und in der nächsten Minute möchte man es doch noch versuchen.
    Hoffnungen werden durch ein paar Worte, durch eine Gestik oder durch eine Zärtlichkeit wieder neu belebt- reanimiert.
    Und das macht uns doch aus! Wir hatten doch immer Hoffnung, gaben alles und verziehen vieles. Wir können uns nicht über Nacht ändern. Aber ein Beigeschmack bleibt: Das Misstrauen, die Enttäuschungen und der Schmerz darüber.
    Ich habe nicht nur 13 Jahre lang einen Partner gehabt, der alkoholahängig war. Ich hatte davor eine siebenjährige Beziehung mit einem gewalttätigen Partner.
    Beide Male musste ich leider feststellen, dass ich sehr leidensfähig war und erst dann, wenn ich absolut keine Kraft mehr hatte, in der Lage war, eine Veränderung zu akzeptieren. Solange hatte ich immer wieder versucht, meine Kraft in die Beziehung zu stecken.
    Leider verschwenden wir unsere Kräfte in die falsche Richtung und nutzen diese nicht, um ganz schnell das Weite zu suchen. Es ist aber so, wie es ist und niemand hier kann sagen, dass er es nicht noch 4, 5, 6, tausendmal noch mal versucht hat.
    Deshalb sind wir ja alle hier und deshalb versuchen wir uns ja gegenseitig zu unterstützen.
    Weil wir wissen, was unser Problem ist.

    Liebe Grüße
    Elke

  • Liebe Elke,

    ich danke Dir für Dein Verständnis. Ich weiß, es ist wieder ein Schritt in die Co-abhängigkeit und dass das die letzten drei Jahre meines Lebens ausgemacht hat. Aber ich kann einfach nicht glauben, dass ich diese drei Jahre umsonst gekämpft habe! Wenn ich jetzt gehen würde, habe ich Angst, die Früchte dieses Kampfes nicht ernten zu können. Dass er es vielleicht doch schafft und ich bin zu früh gegangen. Habe ungerechtfertigt aufgegeben.
    Vielleicht habe ich aber auch das Bedürfnis, dass er mir wieder etwas zurück gibt...

    Ich hoffe und baue darauf, dass das neue Jahr ein glückliches wird und werde alles dafür tun.

    Rutscht gut rein und ich drück euch alle ganz doll!

    Eure Blaubärchen

  • Jetzt sind die ersten Tage des neuen Jahres vorbei. Was kann ich darüber berichten? Nun, ich versuche meine Angst vor dem Alkohol einzuschränken, ihm wieder zu vertrauen und an seinen eigenen Willen gegenüber dem Alkohol zu glauben. Ob das richtig ist, wird sich zeigen. Ich weiß auf jeden Fall von keinem exzessiven Trinken seinerseits und glaube, ich hätte es auch gemerkt. Ist natürlich schwierig, wenn man nicht zusammen wohnt und der andere einfach sagen kann, er kommt heute mal nicht vorbei. Natürlich glimmt dann der Span des Verdachtes ein wenig auf, aber ich versuche ihn im Keim zu ersticken.

    Was ich mir selbst für mich vorgenommen habe ist, wieder das Lebe zu genießen. Möchte ich etwas alleine machen, dann mach ich das. Zum Beispiel habe ich meinen Skiurlaub mit meinen Eltern geplant. Etwas was ich seit fünf Jahren nicht meh gemacht habe und worauf ich mich sehr freue.
    Es ist schwierig etwas zu finden, für das ich ihn begeistern kann gerade. Aber ich werd ihn mir einfach schnappen und es tun, wenn ich auf etwas Lust habe. Und ich werde versuchen, nicht mehr so viel zu "schlucken".

    Im Moment bleibt er lieber zuhause wie er sagt, aber ich kann seine Unzufriedenheit und Langeweile in der schlechten Laune oder Depression widergespiegelt sehen. Das kann nicht lange gut gehen und er braucht ein Ventil, wenn ich es nicht abbekommen möchte. Vielleicht kann ich ihn zu einem Sport animieren. Mit viel Glück hat er aber auch bald wieder einen Job. In der Gastronomie und evtl auch mit seinem besten Freund zusammen, aber wenn er wirklich will kann er auch das schaffen.

    Ich möchte dieses Jahr mehr an mich denken und etwas für meine Zukunft tun. Wenn er Teil dieser Zukunft sein möchte, dann soll er irgendwann, wenn er kann, dazu stoßen. Ich würde mich freuen!

    VLG Euer Blaubärchen

  • Liebes Blaubaerchen,

    ..........mmmh.
    Natürlich ist der Ansatz, mehr für sich zu tun und an sich zu denken, hervorragend. Aber ob er irgendwann dazu stoßen will, ist für mich fraglich. Wichtig ist auf jeden Fall erst einmal, dass du deinen Weg gehst.

    Jetzt kommt meine Erfahrung dazu: Auch ich hatte eine Phase, in der ich meine Wege gegangen bin, nicht mehr soviel geschluckt habe und versucht habe, zu genießen. Leider zeigte mein Partner an allem, was ich ihm anbot, ein absolutes Desinteresse.
    Ich weiß heute, dass es immer seine Ängste war, bei bestimmten Aktivitäten nicht uneingeschränkt über Alkohol zu verfügen. (z.B. Wandern mit den Hunden)
    So lebten wir immer mehr nebeneinander statt miteinander und es passierte tatsächlich etwas: Er trank immer mehr. Wohl in dem Irrglauben, ich hätte mich mit seinem Alkoholentzug einverstanden erklärt.
    Ich genoss meine Aktivitäten, aber vermisste es doch, meinen Partner neben mir zu haben.
    Es war eigendlich keine Partnerschaft mehr, weil wir nichts mehr miteinander teilten. Ich lebte für mich alleine und hätte mich genauso gut trennen können.
    Diesen Zeitpunkt hatte ich aber verpasst, es wäre die Gelegenheit gewesen. Und als er dann eine Affäre begann, ließ ich mich aus Verlustängsten wieder in den Sumpf der Co-Abhängigkeit ziehen.

    Ich freue mich dennoch, dass du deinen Weg gehst und hoffe, dass du so schlechte erfahrungen dabei machst, wie ich.

    Liebe Grüße
    Elke

  • Liebe Elke,

    ich weiß glaube ich was du meinst. Und ein bisschen kann ich es auch schon sehen. Mein freund trinkt zwar meines wissens wirklich nicht mehr - so viel - gestern ein kleines bier und silvester einen sekt, aber wir haben mit den Nachwirkungen des Alkohols beide zu kämpfen. Ich würde mir wünschen, dass wir wieder zusammen als Paar in einer Wohnung leben und meine Familie hinter uns stehen könnte. Wie auch all meine Freunde, aber so einfach ist das nicht. Durch die ständigen Trennungen ist es für mich nicht möglich, jetzt schon diesen Schritt einer gemeinsamen Wohnung zu machen. Aber obwohl er ständig hier ist, fühlt er sich natürlich nicht "zuhause". Aus Trotz macht er gar nichts und das gibt mir das Gefühl, mir würde es besser gehen ohne ihn. Diese Gefühl möchte ich aber gerade nicht haben!

    Das habe ich ihm gestern gesagt. Offenheit habe ich mir auch vorgenommen. Trotzdem ist es komisch wenn er hier ist. Wir leben schon nebeneinander her, wahrscheinlich weil jeder Angst davor hat wieder so starke Nähe zuzulassen so dass man wieder verletzt werden kann. So ist es jedenfalls bei mir. Ich will, dass wir wieder ein "Wir" sind und nicht "Er" und "iCH".

    Wie ging es denn bei dir weiter, Elke? Was hast du gemacht, nachdem er dich betrogen hatte?

    Danke, dass du mich teilhaben läßt an deinen erfahrungen.

    Gruß,

    Dein Blaubaerchen

  • Liebes Blaubärchen,
    wir hatten es eine Zeit versucht- bis sich wieder das alte Muster einschlich, weil er weiter trank und ich weiter unzufrieden war. Eines Tages kam der Zeitpunkt seines Entzuges.
    In meinem Thread: nach LZT Schluß oder so ähnlich, kannst du es detailiert nachlesen.
    Auf jeden Fall merkte er währenddessen, dass er mich nicht mehr liebt. Wir sind dabei, uns zu trennen, wohnen aber noch zusammen.
    Und das, wo er jetzt trocken ist! Er hatte sich verändert, ihm sind Dinge bewußt geworden und ich / mir nicht.
    Seine Ziele sind nun andere als meine.

    Also , du siehst, selbst mit einem Entzug und einer Therapie ist nicht wieder automatisch alles gut.
    Deshalb ist es so wichtig, schon währenddessen für sich Hilfe zu suchen.

    LG
    Elke

  • Liebe Elke,

    ich habe die letzten zwei Stunden deinen Thread gelesen und habe in der Person und der Diagnose deines Ex meinen Freund entdeckt. Meine Erkenntnis wurde durch die zweiwöchige Therapie, die er gemacht hat und seine Diagnose der Ärzte nicht bestätigt, aber ich bin mir sicher. Er hat einfach ein unglaubliches Talent, sich gut zu verkaufen. Ich habe den Pathologischen Narzissmus mal gegoogelt:

    1. grandioses Gefühl eigener Wichtigkeit,
    2. Fantasien über grenzenlosen Erfolg und Macht,
    3. Glaube an eigene Besonderheit,
    4. Verlangen nach übermäßiger Bewunderung,
    5. übertriebenes Anspruchdenken,
    6. ausbeuterische Beziehungen,
    7. Empathiemangel,
    8. Neid,
    9. und Arroganz

    Alles passt auf meinen Freund. Alles sind Eigenschaften, die ich selbst verachte und an ihm nicht mag. Und trotzdem halte ich an ihm fest. Ich weiß nicht genau wieso. Wahrscheinlich weil ich einfach das Gefühl habe, dass es nur Liebe sein kann, die mich diese letzten drei Jahre bei ihm gehalten werden. Mir waren Momente schon bekannt, in denen wir keinen Gesprächsstoff hatten. Anfangs hat er es positiv bewertet. Es sei ja gut, wenn man auch schweigen kann. Aber doch waren diese Momente immer unangenehm. Ich hatte gehofft, das ändert sich mit dem Verschwinden des Alkohols. Dass er dann vielleicht auch Interesse an meinem Alltag zeigen würde. Leider gibt es diese Momente immer noch und sie werden immer unangenehmer. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass wir uns immer alles übelnehmen. Ein falsches Wort, ein falscher Tonfall, da denken wir beide schon wieder, was ist mit dem anderen los? Hat er schon wieder schlechte Laune. Wenn ich ihn beobachte, wie er mit seinem besten Freund telefoniert, dann sehe ich nicht den Mann vor mir, den ich noch vor dem Telefonat gesehen habe. Er ist fröhlich, macht dumme Witze und lacht. Genauso geht es mir aber auch. Ich weiß einfach nicht, wieso wir nicht auch uns gegenüber so sein können?!

    Gestern eskalierte die Situation schon wieder mal. Ich stand in der Küche und war fast fertig mit kochen als er kam und "Hallo" sagte. Aber ich empfand den Tonfall so ... blöd, das sagte ich ihm und da war der neue Streit. Fast soweit, dass wir wieder einmal vor der Frage standen, ob eine Trennung nicht besser wäre.

    Heute abend ist er gar nicht erst gekommen. Er schiebt zwar einen anderen Grund vor, aber ich weiß es liegt an der Atmosphäre hier bei mir. Ich weiß einfach nicht mehr weiter!

    Ich will diese ewige Streiterei nicht mehr. Ich hatte gehofft, das habe nun endlich ein Ende. Aber statt glücklich leben zu können erscheinen immer mehr Abgründe. Irgendwie habe ich auch nicht das Gefühl, dass es besser wird wenn er einen Job hat. Dann sind zwar die finanziellen Belastungen nicht mehr da, aber wir sind voneinander mehr getrennt - vielleicht gut? Und ich kenne mich! Ich werde ihn wieder im stillen verurteilen, wenn er sich etwas anschafft ohne daran einen Gedanken zu verschwenden, wieviel Schulden er bei mir hat. Geld sollte nie eine große Rolle in der Beziehung spielen, aber irgendwie tut es das doch.

    Elke, ich habe gelesen wie schlecht es dir geht und da sehen meine Probleme warhscheinlich lächerlich dazu aus. Ich wünsche dir auch ganz viel Kraft und Glück! Was deine finanzielle Lage und Wohnungssituation angeht wie natürlich auch die Suche nach einem vernünftigen Therapeuten. Ich bin immer mehr bestärkt darin, selbst zu einer Gruppe zu gehen. Ich hoffe, dass ich da nicht nur zu hören bekomme, dass ich selbst an meiner Situation schuld bin, weil ich die Trennungen ja nie durchgezogen habe. Ich hoffe ich treffe auf ähnliche Meinungen und Ansichten wie hier in diesem Forum!

    Euch allen einen wunderschönen und ruhigen Abend!

    LG Blaubärchen :wink:

  • Blaubärchen,

    du bist auf dem richtigen Weg, weiter so.
    Sinnesrausch hat recht, blend mal die gEfühle aus, was bleibt übrig?
    Wenn du dir vorstellst, es wäre Schluß und du ehrlich zu dir wärst, was würdest du vermissen? Ihn als Menschen, als tollen Partner, der an deiner Seite steht? Oder vielleicht würdest du einfach die BEZIEHUNG vermissen? Dasist nämlich ein großer Unterschied finde ich!!!!

    HAst du angst vor dem Alleinsein und haltest deswegen so an ihm fest? Ist es dein Traum von Familie etc? Aber kannst und vor allen Dingen WILLST du deinen Traum mit IHM leben?

    Hör aufdein Instinkt, deine Intuition, vertrau darauf, was sie dir sagen und du wirst den richtigen Weg finden.

    Ich umarme dich u wünsche dir vielKraft
    Fliegender Stern

  • Ach Blaubärchen,
    haben wir denselben Mann?
    Auch verhalten wir uns ähnlich!

    Du schreibst:
    " Ein falsches Wort, ein falscher Tonfall, da denken wir beide schon wieder, was ist mit dem anderen los? Hat er schon wieder schlechte Laune."

    Wie besch.. sind wir eigendlich, dass wir das mitmachen?
    Auch ich denke, dass ich ihn liebe.
    Aber wenn ich lese, was Fliegender Stern so schreibt, muss ich tatsächlich nachdenken.

    Es ist zwar nicht die Angst vor dem Alleinesein, das war ich die ganze Zeit mit ihm, es ist der Traum, der zerstört ist. Es ist die Beziehung, die ich vermissen werde- jemanden an meiner Seite, der auch mal stark ist. Aber den hatte ich doch nie.

    Als wir in Sri Lanka waren, ist meine Mutter gestorben. Es kam nur ein kurzes in den Arm nehmen und als ich im Bett mir die Augen ausheulte, stand er an der Bar!
    Damals hatte ich schon gemerkt, dass das nicht richtig ist. So einen Partner brauche ich nicht. Ich habe es auf meine Trauer geschoben.

    Wann waren unsere Männer jemals für uns wirklich konsequent da? Ohne an sich dabei zu denken?

    Niemals!

    ich wünsche dir eine Gute Nacht.
    Bleib stark

    Herzlichst

    Elke

  • Lieber fliegende Stern und liebe Elke,

    es ist leider für mich nicht so einfach auf meine Intuition zu hören. Ich habe auch schon darüber nachgedacht, dass ich vielleicht Angst vor dem Alleinsein habe. Aber ich war zwischen den Beziehungen bestimmt schon zwei einhalb Monate durchgehend mal allein und ich gestehe, es ging mir gut. Erst seine Versprechen und seine "vernünftige" Art, seine lieben Worte und seine Überzeugung wir würden einfach zusammen gehören, was meine Gefühle und meine Träume für ihn wieder aufleben lassen hat, haben mich zum Zusammensein überredet.

    Ich klammere mich an Situationen, in denen ich seine Liebe spüren konnte. Meine Oma ist zwischen Weihnachten und Neujahr gestorben. Er wußte, was sie mir bedeutet hat und war dabei als ich die Nachricht bekommen habe. Er nahm mich lange in den Arm und tröstete mich. Da war er einfühlsam, doch. Und sein Weihnachtsgeschenk an mich war ein wunderschöner Brief, in dem er Gott dankte, dass es mich gab und ich zu seinem Leben gehörte.

    In den letzten drei Jahren gab es ständig solche Liebeserklärungen, wunderschöne Briefe und seine wunderschönen Worte. Um so schlechter konnte ich es immer verstehen, warum er die Beziehung mit seinen Alkoholexzessen aufs Spiel setzte, obwohl er doch wußte, ich würde gehen. Aber wußte er es wirklich? Im Endeffekt bin ich doch immer wieder gekommen. HAbe mich immer wieder überzeugen lassen, dass er sich ändern kann. Ich weiß, dass ist auch die Co-abhängigkeit.

    Ich wünsche mir genau wie Elke einen starken Mann an meiner Seite, so dass ich nicht mehr alles alleine machen muss. Ich weiß immer noch nicht bestimmt, dass er mir das nicht geben kann, weil er sagt sein Verhalten was den Haushalt oder andere Arbeit angeht liege an der Wohnsituation. Aber ich bin nicht bereit, diese zu ändern. Habe ich damit vielleicht unsere Beziehung schon aufgegeben, weil ich den Mut und das Vertrauen verloren habe, mich wieder ganz fallen zu lassen und wieder alles gleich auf eine Karte zu setzen? Ich will diesen "Puffer" zwischen uns. Und warum soll es so schwierig sein, in zwei Wohnungen zu wohnen? Andere schaffen das auch.

    Ich würde mir nur wünschen, dass wir die Zeit, die wir zusammen verbringen ausnutzen und glücklich mit einander sind. Aber irgendwie klappt das nicht!Ist es wirklich sinnlos?

    Ich habe im Thread von Speedy gelesen, dass man es schaffen kann, dass die Liebe und das Vertrauen wieder aufgebaut wird. Das gibt mir einerseits Hoffnung, andererseits glaube ich muss er dafür verstehen, was mit mir los ist und was mit mir geschehen ist. Das etwas kaputt gegangen ist, was repariert werden muss. Davon will er aber nichts wissen. Er will keine Verantwortung tragen für die Schäden, die der Alkohol in mir verursacht hat.

    Als ich mal angedeutet habe, dass ich zu einer Selbsthilfegruppe gehen möchte, sagte er sofort, wir trennen uns. Ich war verzweifelt über diese Reaktion und habe es nie wieder angesprochen. Habe auch nicht mehr weiter darüber nachgedacht.

    Aber vielleicht sollte ich das noch einmal tun.

    Ich wünsche euch beiden ebenfalls ganz viel Kraft für euren Weg und werde auch weiter bei euch lesen. (Hab ich gestern den ganzen Abend gemacht :) )

    Ich bin so froh, dass ich hier auf Gleichgesinnte gestoßen bin und werde versuchen meinen Weg weiter zu gehen!

    Einen wunderschönen winterlichen Tag für Euch!

    Ich drück euch beide ganz doll!

    Euer Blaubärchen

  • Liebe Blaubärchen,

    ja, die Illusion mit zwei Wohnungen und nur noch die guten Momente miteinander genießen hatte ich auch. Ich stelle für mich fest, dass es nicht geht. Es sind einfach zu viele Verletzungen da, die immer wieder bei mir hochkommen.

    Ich merke auch, dass ich mir Partnerschft ganz anders vorstelle. Wenn ich einen Partner habe, möchte ich mit ihm leben können. Ich brauche nicht unbedingt einen starken Mann an meiner Seite, aber ich brauche einen Partner, der präsent ist und der mich sieht.
    Dieses Leben in zwei Wohnungen stellt sich daher für mich im Grunde als fauler Kompromiss dar.

    Und noch etwas: Gehe, wenn, dann für dich in diese SGH. Ich finde nicht, dass du deinem Partner darüber Rechenschaft ablegen musst. Ich finde noch nicht mal, dass du ihm etwas davon sagen musst. Du brauchst keine Absolution dafür.
    Du tust nichts Unehrenwertes, du tust nichts gegen ihn, und deshalb brauchst du auch nicht seine Erlaubnis, finde ich.
    Du darfst das.

    Und Schuld trägst du nur für dich. Du kannst dich fragen, wie viel Schuld du daran trägst, dass dein Leben momentan so ist, wie es ist.
    Du musst keine Schuld dafür übernehmen, wie sein Leben gerade verläuft. Das ist seine Baustelle.

    Viele liebe Grüße
    Zimt

  • Hallo an alle die mich hören können! Ihr lieben und herzlichen Menschen!

    Ich komme gerade nach Hause und es geht mir schlecht. Heute abend war sehr seltsam. Ich habe versucht fröhlich zu sein, gut, war nicht unbedingt sehr anschmiegsam aber auch nicht wirklich distanziert zu meinem freund. Das hat er anders empfunden und hat es mir auch gesagt. Darauf hin hat er vier Hefeweizen getrunken - vielleicht hab ich das durch meinen eigenen Alkoholkosum auch provoziert, aber schließlich hab ICH kein Alkoholproblem - und man hat es natürlich gemerkt. Er machte einen blöden Spruch, von wegen er hätte Ko.. klar gemacht und stupste mich an. Ich konterte. Dann wollte er eigentlich mit in die Disco, schwenkte dann aber plötzlich um und stieg in ein Taxi um nach Hause zu fahren. Nun wieder mal meine Gedanken und Ängste. Ich finde vier Weizen schon viel für jemanden, der eigentlich nicht mehr trinken wollte. Und dann befürchte ich, dass er doch nicht nach Hause gefahren ist, sondern sich was beschafft hat... Aber wissen werde ich es wohl nie. Diese Ahnungen machen mich nur total fertig.

    Und nun wieder zu meinem alten Problem. Wenn ich daran denke, mich zu trennen, bricht es mir das Herz. Ich kann nicht genau sagen wieso... manchmal denke ich, weil es nicht nach meiner Nase geht. Weil es nicht in meiner Macht steht, etwas dagegen zu tun... oder dafür zu tun. Hilflosigkeit! Das ist ein furchtbares Gefühl! Ja, es macht mich klein und schwach...

    In solchen Momenten fallen mir die schlechten Dinge nicht mehr ein. Nur noch die guten und ich bin traurig über die Dinge, die nie mehr kommen würden. Was wir nicht verwirklichen konnten. Ja, ich muss mir klar darüber werden, ob ich das überhauot mit ihm möchte. diese Träume verwirklichen... Ansonsten verpasse ich das Glück noch!

    Ich versuche jetzt mal etwas zu schlafen und mir um ihn nicht einen solchen Kopf zu machen. Vielleicht klärt sich morgen alles...

    Ich hab euch lieb und schlaft gut!

    Euer Blaubärchen

  • Um mich und in mir ist es ruhiger geworden. Ich habe angefangen ein Buch über Co-abhängigkeit zu lesen und fange an, mich mit dieser meiner Eigenschaft auseinander zu setzen.

    Mit dem Begriff Coabhängigkeit habe ich vor dem Beginn des Lesens nur das Zusammenleben mit einem Abhängigen und die Auswirkungen auf mein Gefühlsleben, meine Verhalten und mein ICH verbunden. Nun sehe ich, dass da noch viel mehr hinter steckt. Verhaltensweisen, die schon vorher aufgetreten sind, dessen Ergebnisse ich aber nie auf mich bezogen habe oder aber die mir im tiefsten Inneren bewußt waren, aber die ich nie wahr haben wollte.

    Warum bin ich so wie ich bin und warum sieht mein Leben aus wie es ist?

    Es gibt gesunde innere Grenzen. Mir ist schon vorher aufgefallen, dass es mir schwer fällt, diese zu "verteidigen" und laut zu sagen "Nein, faß mich nicht an!" oder überhaupt dieses Wort "Nein" zu sagen, viel mir schon immer schwer. Früher habe ich gern geflirtet, habe aber mir nicht viele Gedanken über die Konsequenzen gemacht. Als ich merkte, der Gegenüber geht viel zu weit, war es eigentlich schon zu spät. Ich fand nicht die Kraft zu sagen "Hör hier auf! Das will ich nicht!" Zum Glück habe ich immer einen Gegenüber gehabt, der meine innere Anspannung dann gemerkt hat und nicht mehr weiter gegangen ist, sonst hätte noch viel mehr passieren können. Ich habe mich dann immer gefragt, steht auf meiner Stirn geschrieben "Ich bin leicht zu haben!"? Aber eigentlich konnte ich mir die Antwort da schon geben. Das mit den inneren Grenzen veranschaulicht es aber deutlich.

    Ähnliches kann ich in meiner Beziehung wieder erkennen. Wenn man mein Partner mit mir schlafen wollte, dann habe ich mich ihm hingegeben, ob ich nun Lust hatte oder nicht. In einer Beziehung war es so, dass ich fast über mich ergehen lassen habe... ich konnte es nie genießen, hatte keinen Spaß daran, weil ich ihm nie gesagt habe, wie ich es mag.
    Ich war immer bemüht, ihm ein gutes Gefühl zu geben.

    Ich war immer ein Kind, das viele Freunde hatte, viel Spaß, viel gelacht. Jetzt bin ich still geworden, rede sehr leise und werde wütend, wenn mich die anderen beim wiederholten Male nicht verstehen. Ich will nicht sagen, dass ich ein schlechtes Elternhaus hatte, aber wenn ich einige Sachen in diesem Buch lese, über ein "intaktes Familienleben" und wie man sich Kindern gegenüber richtig verhält, dann wird mir einiges bewußt. Ich habe einen großen Bruder, der sich oft einen Spaß daraus gemacht hat, mir weh zu tun. Ich habe geweint und geschrien, und meine Eltern kamen genervt ins Zimmer und haben mir befohlen leise zu sein. Ich habe das schon immer als ungerecht empfunden, aber erst als meine Tante vor fünf Jahren mal zu mir meinte, dass sie meine Eltern nicht verstehen konnte, wie sie erlauben konnten, dass mein Bruder mit mir so umgeht, wurde es mir bewußt.

    Eine andere Situation: Wenn ich mit meinen Freundinnen gespielt habe, öffnete sich die Tür und ein Elternteil sagte, ich wäre wieder die lauteste. Ich weiß, das hat mich beeinflußt. Ich habe kein gutes Verhältnis zu meinem Bruder, hege eine Art "Groll" schon mein Leben lang gegen ihn. Auch eine Eigenschaft von Co-abhängigen, dass sie Menschen gegenüber, die sie verletzt haben, rachegelüste hegen. Ich bin nun so erwachsen, dass ich ihm nicht schlechtes wünsche, aber ich werde mich auch nie gut mit ihm verstehen können.

    Erst vor drei Jahren fing ich (mal von der Selbstfindungsphase in der Pubertät) an, mit meinen Eltern vernünftig zu diskutieren, mich zu trauen auch mal eine andere Meinung zu haben und sie zu äußern. Wenn ich mal von Fehlern sprach, die meine Eltern meiner Ansicht nach gemacht haben früher in der Erziehung, kam nur "Oh, sind wir so schlechte Eltern gewesen?" Und welches Kind will seinen Eltern direkt ins Gesicht sagen "Ja, das seid ihr!" Das waren immer die Momente, wo ich zurück gesteckt und nicht gesagt habe, was ich denke. Das gleiche passiert mir in meiner Beziehung. Ich sage nicht immer was ich denke, um den anderen nicht zu verletzen, um ihn in Sicherheit zu wiegen, dass ich hinter ihm stehe. Aber ganz oft bin ich anderer Ansicht. Wenn ich jetzt mal anfange, meine Meinung dazu zu äußern und etwas in Frage zu stellen, dann ist das neu für ihn und es endet im Streit.

    Ich glaube wir Co-abhängige haben das Talent uns für den Partner zu verbiegen. Am Anfang einer Beziehung geht das vielleicht noch gut, weil wir es auf das Verliebtsein schieben und denken, das macht doch jede Frau für ihren Mann. Aber irgendwann hat man eigentlich keine Lust mehr alles zu machen, merkt, dass man sich verändert hat und will es wieder rückgängig machen. Wir können das aber nicht, weil der Partner uns nur so kennt und wenn er die Wirklichkeit sieht, geht er vielleicht. Was ist der Ausweg aus dieser Misere?

    Ich glaube aber, durch das neue Bewußsein dieser Eigenschaften öffnet sich für mich die Tür, etwas zu ändern.

    Ich werde fleißig weiter lesen!

    Ganz liebe Grüße,

    Euer Blaubärchen

  • Das größte Problem, das ich habe in der Zwischenmenschlichen Beziehung ist aber wahrscheinlich, dass ich von anderen dasselbe Verhalten erwarte, das ich an den Tag legen würde. Das betrifft sowohl die Arbeit als auch die Beziehung.

    Es macht mich wütend und verletzt mich, wenn mein Partner nicht so handelt wie ich es gern hätte. Und ich kann mir noch sooft sagen, du mußt es akzeptieren und kannst ihn nicht verändern. :shock:

    Ich stelle mir wirklich die Frage, ob ich jemals glücklich werden kann!?!

    Denke ich über mein Verhalten nach, die Gefühle, die in mir hoch kommen, wenn ich an das Vergangene denke und das ich nie vergessen kann, verzweifel ich an den Aussichten. Ich sehe keinen Weg hinaus! Egal wie ich mich verhalte, verständnisvoll und großzügig oder fordernd und überzeugt, ich laufe gegen eine Wand. Ich komm einfach nicht weiter, weil alles falsch ist! Er versteht alles falsch, reagiert entgegengesetzt von dem, was ich möchte. Auf einen ruhigen Abend, an dem ich mich mal mit ihm wohl fühle und Hoffnung schöpfe folgt ein distanziertes Telefongespräch, nach dem ich mich am liebsten in mein Schneckenhaus vergraben würde. Spreche ich meine Wahrnehmung an, dann ist Streit vorprogrammiert. Lass ich es und spiel meine Rolle beim nächsten Mal wieder gut - die Rolle einer leicht zufrieden stellenden Frau, dann merke ich Frustration und Unzufriedenheit in mir aufkeimen.

    Liegt es nur an mir und wenn ja, was kann ich dagegen tun? Mit meinem Partner kann ich nicht über diese Gedanken reden, denn er will davon nichts wissen. Naja, vielleicht will ich ihn damit nicht auch noch belasten, er hat zu viel mit sich selbst und seinem Leben zu tun. Er hätte auch kein Verständnis. Würde nur denken, ich will ihm auch noch meinen seelischen Schaden aufs Auge drücken und ihm die Schuld geben.

    Ich bin so verwirrt!

  • liebes Blaubärchen...habe gesehen, dass du ganz viel geschrieben hast bei dir.
    Aber bitte entschuldige, konnte noch nicht lesen, bin selber so zu im Moment.
    Aber ich werde es noch tun versprochen! Sollst nur wissen, dass du nicht alleine bist....
    GAnz liebe grüße
    Fliegender Stern

  • Lieber fliegende Stern,

    danke für Deine Nachricht! Schön, dass es noch jemand ließt und ich nicht alleine bin. :)

    ICh weiß ihr seid da!

    Ganz liebe Grüße und viel Kraft an dich!

    Deine Blaubärchen

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