Suchtverlagerung - Tabletten!

  • Hallo alle zusammen,
    ich laufe gerade gefahr, meine Sucht zu Verlagern. Am Anfang war es Kaffee und Arbeit. Da ich wegen eines kaputten Rücken, Schmerzpatient bin, fange ich an Schmerzmittel in großen Mengen einzunehmen. Ohne den Tabletten, halte ich kaum 5 Stunden in der Arbeit aus oder kann kaum Sport treiben. Ich habe auch angefangen mir meinen Kick im Sportstudio zu holen.
    Nach dem Sport habe ich starke Schmerzen und habe meinen Körper wieder geschadet. Bin jetzt diese Woche in einer Schmerzklinik und will diese Probleme auch angehen. Ich habe das Gefühl ich suche immer den Gewissen Kick, ob in der Arbeit, beim Autofahren oder beim Sport. Ich bin in einen Täufelskreis und finde nicht mehr raus. Meinen Körper zerstöre ich immer mehr.
    Grüße
    Wolfgang

  • hallo wolfgang

    das hört sich ja alles andere als gut an. hast du mal überlegt wieso du diese kicks brauchst. bist du ansonsten unzufrieden? versuch doch mal konkrete rückengymnastik, hört sich jetzt vielleicht nicht nach sport an, ist aber nicht ohne wenn du es richtig und ausdauernd machst und so ganz nebenbei wirkt es auch schmerzen entgegen. probier auch mal entspannungsübungen aus, yoga oder qi gong. das läßt dich auf sanfte art deinen körper und dein leben spüren. zwing dich mal ne weile ganz bewußt zur ruhe, um so stärker merkst du dann wieder die bewegung. auch das muß man lernen und ist am anfang gar nicht so einfach.

    doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo doro,
    habe ich schon alles hinter mir, mit Krankengymnastik und sonstiges. Mache sehr viel um die Schmerzen zu lindern. nur macht es im Training einfach klick und dann geht es mit mir durch. Bin Unzufrieden mit mir, stelle Ansprüche an meine Leistungsfähigkeit, die ich nicht mehr erfülle. Ich weiss das dieses Denken falsch ist,
    bringe sie aber nicht aus meinen Kopf.
    Grüße
    Wolfgang

  • sach mal wolfgang,

    kann das sein das du dir den allgegenwärtigen jugendwahn so sehr zu herzen nimmst das du probleme mit dem älter werden hast? gibt so nen schönen spruch, was will jeder werden aber keiner sein? alt. ich seh das so, in der jugend hat man viel energie, die braucht man auch, weil man aus mangelnder lebenserfahrung vieles doppelt und dreifach beginnen muß. mit den jahren kann man alles ruhiger angehen, langsamer gehen, weil man die schleichwege kennt. altern, energie und körperliche kräfte verlieren ist ein völlig normaler prozess und dieser schwachsinn der uns in den medien so ganz subtiel immer wieder gedrückt wird trägt dazu bei das viele das altern nicht mehr genießen können. es wird immer nur auf den körperlichen abbau hingewiesen der mit allen mitteln verhindert werden muß. angefangen von haarfarbe über creme bis hin, sich nach dem tot einfrieren zu lasse um irgendwann ewig zu leben. wie hohl ist das denn??? was ist mit dem großen geistigen schatz den ein alter mensch hat, all das wissen, die erfahrungen. in unserer durchgeknallten gesellschaft nichts wert und das wird ihr das genick brechen.

    besinn dich auf andere werte, die ewige jugend wird es nie geben, der einzige sinn darin ist den menschen das geld aus der tasche zu ziehen. wissen ist macht nicht kraft. die menschheit hat sich so weit entwickelt weil sie ihren verstand und ihre erfahrung gebraucht hat, nicht weil sie sich im platzhirschgehabe die köpfe eingeschlagen haben. wenn das so wäre säßen wir nämlich noch auf den bäumen, auch wenn die ganzen kriege es anders erscheinen lasse. aber dumme wird es immer geben.

    ich möchte nicht mehr 20 sein, ich war körperlich deutlich besser drauf, aber durch mangelndes wissen habe ich eben viel energie vergeudet. mir geht es gut und was mir an energie fehlt kompensiere ich eben mit dem kopf. ich geh nu mal auf die 50 zu und meine kräfte lassen nach, na und. ich finde meine grauen haare schön und wenn alles grau sind kommt ne pink farbene strähne rein, so.

    doro

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    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo Wolfgang,

    Sucht hat ja viele Facetten und “nur” das weglassen des Suchtmittels alleine, ....darum ja auch immer wieder "nur nicht trinken reicht nicht"...., heilt die Suchtstrukturen ja nicht, von daher können wir die Alkohol-Krankheit auch immer nur zum stoppen bringen.

    Die Problematik ist nun, wie fülle ich die Zeit (sinnvoll) die ich vorher mit dem Trinken verbracht habe, und da besteht durchaus wieder die Gefahr einer Suchtverlagerung wenn ich weiterhin nach irgendeinem Kick- oder/und einer Betäubung suche.

    Hast Du dich mal gefragt/hinterfragt warum du diesen Kick unbedingst so brauchst, und warum du dir und deinem Körper augenscheinlich SCHMERZEN zufügst und ihn damit noch mehr und schon wieder, (nur anders) weiter zerstörst ?
    Was nagt da an DIR und deinem Selbst-WERT-Gefühl, oder- und Selbst-BEWUßT-sein ?
    Wem- oder was willst du etwas beweisen, oder meinst etwas beweisen zu müssen,....und bestrafst damit unbewußt deinen Körper ?

    Mein Selbstwert hatte auch ganz schön gelitten und es war ein sehr schmerzhafter Prozeß hinzuschauen was ich mir all die Jahre angetan hatte,…..und nicht nur mir !
    Von Schuldgefühlen über Versagensängsten und Ablehnung meiner selbst, war alles dabei.
    Ich denke ich kann heute wieder sagen, das ich zu alter “Stärke” wieder zurückgefunden habe, das ging aber nur über Selbstliebe, Verzeihen u. Akzeptanz meiner Selbst so wie ICH bin.
    In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist, sagt man so schön, ….dafür muß ich ihn lieben,…aber ihm keine Schmerzen zufügen.

    Nur am Rande,…ich bin auch Schmerzpatientin, bin aber “gut eingestellt” ,….OHNE “Kick”,…aber schmerzfrei !
    Disziplin gehört allerdings dazu….

    Alles Gute, und Paß auf Dich auf !

    Gruß, Rose

  • Hallo,
    ich habe keinen jugendwahn. Ich bestraffe mich und meinen Körper, dass er nicht mehr richtig Funktioniert.
    War die Woche in der Schmerzklinik, hatte sehr viele Gespräche mit Arzt und Psychologin. Arzt und Psychologin suchen ein Gespräch mit meinen Therapeuten zuhause. Am Montag rede ich mit meinen Arzt über eine erneute Einweisung in eine Klinik.
    Ich weis mein Weg ist noch weit, aber ab jetzt kämpfe ich richtig.
    Grüße
    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,

    schön, dass du zurück bist. Außerdem freue ich mich unheimlich, dass dir die Woche offensichtlich neuen Mut gemacht hat und neue Aspekte eröffnet hat. Ich drück dir die Daumen !

    Liebe Grüße
    Bettina

    Ganz liebe Grüße
    Spes

  • Lieber Wolfgang,
    zum ersten finde ich es klasse, dass Du selber in der Lage bist Dich klar zu beleuchten. Ich befürchte auch ein bischen, dass das was Du "betreibst" einfach auch ein Ding wie Erfolgszwang und Ehrgeiz ist, was die Gesellschaft uns von Kindesbeinen an aufdoktriert hat. Besser, schneller, perfekter.

    Ich hatte diesen Touch lange Jahre, dass alles was ich tat in einer sehr extremen Form verfolgt wurde. Ob das mein Kampfsport,mein Musikmanagement oder meine Jobs waren. Auch in Beziehungen - deshalb wohl Co - gab es wohl nur ein alles-oder-nichts-Prinzip.

    Mittlerweile ist das anders geworden, durch harte Arbeit an mir selbst, die Du ja auch bereit bist Dir für Dich zu "gestatten".

    Ich kenne das, was Du schreibst: mein Körper muss funktionieren, muss wach sein, sollte 24 Stunden am Tag aufnahmefähig sein und und und

    Ich denke mit dem Wissen um diesen "utopischen" Wunsch sind wir in der Lage ein normales, gesundes Level für uns zu erarbeiten und zu leben.

    Mir hat beispielsweise geholfen nach meinem Arbeitstag eine Stunde zu schlafen, manchmal auch länger. So gibt mir der Schlaf das abschalten vom Job und etwas Frische zurück. Ich wache quasi auf und bin zuhause. Früher habe ich mein Programm ohne Pause durchgezogen und bin eigentlich nie runter gekommen vom eigenen Erfolgsdruck, was noch alles gemacht werden muss, ich noch schaffen muss und und und...

    .... allerdings muss ich da noch viel lernen .....

    toi toi toi von Dagmar

  • hallo wolfgang

    ich habe dir auch keinen jugendwahn unterstellt, ich meine das dieser jugendwahn in den medien in uns so ganz subtiel seine spuren hinterläßt. und das scheint ja dann doch der fall zu sein, denn du sagst du "bestrafst" dich weil du nicht mehr funktionierst wie früher, also in der jugend. das ist doch aber eben normal das sich mit den jahren defizite in körperlicher hinsicht einschleichen. und das geht sogar noch schneller wenn man exessiv sport treibt. das ist kontraproduktiv. unser körper ist für sowas nicht ausgelegt und reagiert auf ständige extreme belastung mit vorzeitigem verschleiß. man muß hier klar zwischen sport der ein "einrosten" verhindert und sport der belastet unterscheiden. das gleiche gilt für den kopf. ein zu viel bringt einem ein burn out ein. das richtige maß ist einfach wichtig, die ballance zwischen einrosten und auspowern. es gibt vieles was sich mit den jahren verändert, und das muß man einfach akzeptieren. ich sehe zb immer schlechter, meine brillengläser werden immer dicker, sicher nervt das irgendwo, aber es ist wie es ist, nicht zu ändern. was, außer schlechte laune, würde es bringen mich darüber aufzuregen?

    schau das du dem ganzen eine andere wertigkeit gibst, du räumst der körperlichen fittness zu viel platz ein. setz die meßlatte auf eine höhe die du erreichen kannst, sonst wird der frust immer größer und auch der druck den du dir ganz alleine machst. und daraus resultiert letztendlich auch der suchtdruck.

    doro

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    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo,
    danke für Deine aufbauenden Worte, Dagmar.
    Doro, ich habe verstanden, was Du mir sagen willst.
    Ich habe Funktioniert, 30 Jahre lang und jetzt wehrt sich mein Körper. Damit komme ich nicht klar. Bin seit 2,5 Jahren trocken und je länger ich trocken bin, um so mehr taucht meine Vergangenheit auf. Meine Kindheit, alles was ich mit Alkohol verdrängt oder weggesperrt habe. Es ist so viel auf einmal und meine Gedanken mich wegzumachen, sind sehr stark. Aber ich will Leben für meine Familie und mich selbst. Darum gehe ich mit diesen Thema so offen um.
    Den Sport mache ich so Intensiev um mich, den Körper zu Bestrafen.Aber nun bringe ich meinen Arsch in die Höhe und mache was und jammere nicht nur noch rum.
    Grüße
    Wolfgang

  • hallo wolfgang

    es ist auch völlig legetim mal zu jammern wenn einem alles zu viel wird. auch hier wird uns ja in den medien immer wieder suggeriert wie der perfekte mann, die perfekte frau zu sein hat. objektiv gesehen ein völlig illusorisches bild. und doch versucht man dem ganzen irgendwie zumindest nah zu kommen. du hast dich damit genau so übernommen wie ich auch. ich mußte erst langsam kapieren das ich da einer illusion nachjage die ich nie erreichen werde. ich habe lernen müssen meine prioritäten völlig neu zu setzen. damit habe ich dann auch eine deutliche entlastung verspürt, es kam wieder zufriedenheit auf die ich sooo lange nicht hatte. versuch das mal umzusetzen, nicht die prioritäten anderer sind wichtig, sondern nur deine. sicher geht das nicht von heute auf morgen, aber jeden tag ein kleines stück. das hat auch was mit dem selbstwertgefühl zu tun, wenn man sich selbst nicht wert schätzt ist auch die eigene meinung nicht so wichtig und man stellt sie schnell anderer leute meinung hinten an. ich kenn das so gut von mir selbst. erst als ich mir gesagt habe, warum soll deren meinung wichtiger sein als meine, warum denke ich das die besser sind als ich. als ich genau hinsah, was bei anderen läuft, als ich begriff das nirgends immer alles rosa ist, da konnte ich auch meine meinung als für mich richtig stehen lassen. niemand geht in meinen schuhen, niemand lebt mein leben, niemand spürt meine gefühle, wie können dann andere entscheiden wie ich mein leben zu führen habe.

    gönn dir auszeiten, wo du was unternimmst was dir wirklich gut tut. sei es, dich irgendwo in wald zu setzen um nachzudenken, oder im baumarkt stöbern zu gehen, es ist völlig wurscht. sag deiner familie wenn dir was zuviel wird, wenn dir einer was abnehmen soll, auch das ist völlig ok. niemand kann alles, und schon gar nicht auf ein mal.

    doro

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    trocken seit 18.10.2001

  • Danke Doro, für Deine Worte.
    Am Mittwoch gehe ich nach Atharied, in die Psychatrie.
    Es fällt mir sehr schwer, meine Frau alleine zu lassen.
    Aber ich brauche jetzt die Klinik um mich vor mich selbst zu schützen. Ich hoffe das ich in der Klinik wieder auf die Beine komme. Wenn ich jetzt nichts unternehme, komme ich in die nächste Abhängigkeit, von Medikamenten.
    Grüße
    Wolfgang

  • nabend wolfgang

    dann wünsch ich dir mal einen erkenntnissreichen und vor allem erholsamen aufenthalt in der klinik. sieh es so bischen wie urlaub, dir wird das frühstück gebracht, das bett gemacht und ansonsten kannst du dich um dich kümmern. mach dir wegen deiner frau nicht zu viele sorgen, ich bin sicher sie wird das die paar tage schon ohne dich schaffen. weißt du ich habe mit meinen 4 kindern im grunde genommen über viele jahre allein gelebt, denn mein ex war ja eigentlich nur körperlich anwesend. wie es ist eine von gegenseitiger rücksicht, respekt und hilfe getragene partnerschaft zu haben weiß ich erst seit ich meinen lebensgefährten kennen gelernt habe. davor war ich in allem allein. daher kann ich sagen das es zu schaffen ist, wenn auch nicht so einfach. bei dir ist es aber auch nur eine relativ kurze zeit die deine frau auf sich gestellt ist, danach wirst du ihr ja wieder zur seite stehen und wahrscheinlich deutlich besser als jetzt. mach dich also nicht so verrückt, auch wenn das leichter gesagt als getan ist.

    doro

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    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo Wolfgang,

    ich möchte dir einfach einen lieben Gruß hier lassen, vielleicht kannst du ja bei Gelegenheit wieder ins Forum kommen.

    Weiterhin einen guten hilfreichen Aufenthalt.

    LG, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo,
    bin kurz zu Hause, muß aber gleich wieder in die Klinik.
    Ihr habt alle recht gehabt, es war das Beste was ich machen konnte. Es ist zwar hart weil ich schon wieder 5 Wochen von zu Hause weg bin. Wird noch eine weile dauern, denn im Anschluß soll ich in eine Psychosomatische Klinik. Nochmal 8 Wochen aber ich bin auf einen guten Weg. Danke für eure guten Ratschläge, sie haben mir sehr geholfen.
    Grüße, Wolfgang!

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