• Hallo old Flatterhand!

    Ich weiss einfach nicht wie ich die Geschichte mit unserem Forum in Zusammenhang bringen kann....

    Ich kann darin für mich oder andere rein gar nichts sehen.

    Bitte erkläre es mir,ja?
    Yvonne

    ichbinda123

  • Hallo Uwe

    Als ich ABC Schütze wurde, lernte ich mehrere
    Monate nicht die Buchstaben. Die Fähigkeit mir
    eine Szene detailliert einprägen zu können
    half mir dabei.
    Erst als ich mal der Erste an der Tafel war,
    die Lehrerin, ich hatte mich nicht gemeldet
    sondern wurde bestimmt, wortlos einen
    Satz an die Tafel geschrieben hatte, war
    ich enttarnt.
    Erst daraufhin packte ich die "O"s und "T"s
    im gewollten Sinne an.

    In meinem Elternhaus gab es keine Bücher,
    aber bald war ich Stammkunde bei dem
    kleinen Schrank im Klassenzimmer, der
    die Bibliothek darstellte.
    Die kleine Hexe und die Rote Zora waren
    mit die ersten und sie wurden nicht nur
    gelesen sondern auch mit den Freunden
    gespielt.

    Zu den filmische Avataren, wie du sie aufzählst
    ist zu sagen das Fernsehen erst Ende der
    Sechziger (schwarzweiss) ins Haus kam.
    Ich war kurz vor der Pubertät, hatte also den
    Sandkastenspielen schon Servus gesagt.
    Die Augsburger Puppenkiste hatte schon
    ihre Magie verloren, es war eigentlich nur noch
    Unterhaltung.
    Aus heutiger Sicht würde ich sagen ich lernte
    die Zeit totschlagen.

    Die Königsgeschichte im letzten Beitrag wollte
    ich durchaus konkret angehen. Als Thüringer
    dachte ich du seist durchaus qualifiziert es zu
    wissen.
    Es ist der Text der DDR Gruppe City über den
    Weg eines Jungen mit einem Alkproblem
    aus dem Ostberliner Bezirk Prenzlauer Berg.

    Da ist die Musik. Beim Hören eigentlich immer
    mit oft starken Emotionen zu bestimmten
    Zeiten verknüpft. Sie spielen jetzt unser Lied
    im Radio, wie alte Ehepaare zum Beispiel
    sagen.
    Da ist die Kuh schon auf dem Eis. Sie weiss
    es bloss noch nicht.
    Es ist da erst mal die windschiefe Hütte ohne
    Plan erbaut wie, du weiter oben schon einen
    Hausbau beschrieben hast.

    in diesem Sinn
    Einen Guten Tag

  • Zitat

    Es ist der Text der DDR Gruppe City über den
    Weg eines Jungen mit einem Alkproblem
    aus dem Ostberliner Bezirk Prenzlauer Berg.

    Hallo Old Flatterhand,

    deine Antwort habe ich zum Anlaß genommen, den angesprochenen Text aus dem Forum zu nehmen.

    Ist das denn so schwer sich daran zu halten, daß hier im Forum keine Songtexte, Gedichte, Texte aus Büchern und ähnliches urheberrechtlich bedenkliches Material eingestellt werden darf?

    Bitte hört auf, hier die Grenzen auszutesten.

    Bitte die Forenregeln beachten.

    Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Spamijoggel

    Du hast meinen Beitrag kopiert und möchtest
    gerne eine Erklärung.
    Das erste ist die Anrede.
    Hallo Uwe.
    Das ist der Adressat an den sich der Beitrag
    richtet.
    Es hat sich über mehrere Tage so ergeben das
    Karten, die auf dem Tisch liegen umgedreht
    werden und betrachtet.
    Es sind immer Ereignisse aus Kindheit, Jugend
    und Alter.
    Und sie haben immer mit Alkohol zu tun auch
    wenn es für Einige nicht so erscheint.

    Sollte der Adressat (und das ist für mich
    in dem Fall die höchste Autorität) das anders
    sehen,werde ich dm Uwe sagen okay das
    Tischtuch ist zerschnitten, kein weiteres Ringen
    (nicht Kampf) um Wahrheit.
    Keinerlei Fragen mehr wenn niemand mehr hier ist, der
    antworten könnte.
    Meine Defination der Alkoholkrankheit geht dahin
    das ich das Ganze schon mit der Muttermilch
    aufgesogen habe, schlimmer meine Mutter ging
    mit mir schwanger und sie muss über neun
    Monate nur gestresst, genervt und über-
    fordert gewesen sein.
    Das hat sich sicher übertragen.

    Es ist meine Herangehensweise mir bewusst zu
    machen, wo rühren die Knoten, Verletzungen
    und Verdrängungen her um wie alle hier das zu
    finden um mit der Krankheit so zu leben ohne
    das Gefühl zu haben ich hätte es nicht versucht
    dem Alk dem Stellenwert zu geben der im Grunde
    für ihn angemessen ist.

    So. Jetzt gebe ich dem Uwe seinen Thread zurück.
    Er wird sich eh schon wundern was da alles Holz in
    der Hütte ist seit er sich letzte Nacht um zwei
    schlafen legte.

  • Hallo Old Flatterhand, hei Yvonne und Linde
    Nun wer hat uns denn am nachhaltigsten geprägt? Die Eltern – Bezugspersonen externer Erziehungseinrichtungen oder auch zum Teil die imaginären Helden unserer Kindheit?
    Ich stell mal die Behauptung auf, dass ein nicht unerheblicher Teil der länger trockenen Alkoholiker, das Motiv des „abgelehnten Kindes“ in ausgebildeter Form in sich trägt und auslebt. Durch zu viel oder zu wenig Liebe abgenabelt von denen, die unsere Lebensentscheidungen begleiten sollten.
    Wer waren also die, die übrig blieben, meine Werte zu modellieren, die mich retten konnten, wenn das Außen zu bedrohlich wurde.
    Mein Vater hat mir sehr wohl (und eindringlich) vermittelt wie ich mich zu verhalten habe. Doch das „Einer für alle – Alle für einen…“ der Vier Musketiere trage ich heute noch mit mir. (Das ist kein Zitat, sondern ein „geflügeltes“ Wort – hat somit in den normalen Sprachgebrauch Einzug gehalten).
    Ich denke, es kann für mich sehr hilfreich sein, beim „Was will ich denn?“ auch nachzuschauen „Was habe ich mal gewollt und wer hat das so gewollt und ist das jetzt noch für mich bindend?“ Die Antworten darauf sind meist schmerzlich. Die Drachen von damals hinterlassen nämlich immer noch Spuren, aber die Ritter der persönlichen Tafelrunde sind größtenteils gescheitert.
    Damit es nicht so weh tut - damit ich es überhaupt zulasse, nähere ich mich dem - mit dem was ich kenne. Meiner eigenen Poesie, meiner eigenen Melodie. Das Erkennen des Verlustes macht dann zwar noch unendlich Traurig, ist aber keine Lebensbedrohliche Situation mehr.
    Ich kann meinen kindlichen Lebensentwurf erst endrinnen, wenn ich ihn zu Grabe getragen und betrauert habe und ihm nicht ewig Nachtrauer. Scheitern will gelernt sein. Erst dann bietet es eine Chance für ein weiteres Drehbuch.
    Hat das was in dem Forum zu suchen? – Ja
    Ist das für alle Nachvollziehbar? – Kaum.
    Ich glaube nicht das es einen Sinn gemacht hätte, mir diese Gedanken vierzehn Tage nach der Entgiftung zu machen – auch ein Jahr danach wäre es ehr müßig gewesen. Die Zeit für mich ist jetzt. Die Literatur die dafür nötig ist, führt mich zurück in meine Kindheit. Da steht zwar nichts von Alkohol drauf – doch der ist auch derzeit nicht mein Problem. Es sind die alten Verhaltensweisen.
    Übrigens, Selbsthilfe wertet und bewertet nicht, sondern lässt den Raum für Kreativität und das individuelle Tempo.
    Ach so, OF, viel Holz in der Hütte, beruhigt vor kalten Tagen.
    Gruß Uwe.

  • Hallo Uwe

    Aus deinen Beiträgen leuchtet immer wieder durch
    wie gründlich du die anderen Threadbeiträge gelesen
    und über ihren Kern nachgedacht hast bevor du
    antwortest. Dies ist vielleicht nicht allgemein üblich.
    Deshalb hier von dieser Stelle ein simples und einfaches
    Dankeschön!

    OF

  • Hallo Uwe

    Eine langtrockene Bekannte berichtete
    mir von ihrem Besuch bei ihrer Mutter.
    Sie hatte sich zuvor beim
    Stadtbummel ein bisschen was
    gegönnt.Frisur und Kleidung.
    Mutti ging dann ganz subtil vor.
    Es war ein eingefleischtes und
    unbewusstes Muster.
    X die Frisur und die Kleidung sind
    doch nichts für dich,die Saloons
    und Boutiquen sind doch alle nur hinter
    deinem Geld her.
    X erzählte mir das Sie am Abend
    wieder "grau in grau" Zuhause ankam,
    sich in den Hintern hätte
    beissen können.
    Haarschnitt und Klamotten,alles
    etwas farbig und ein bisschen
    schrill, hatten ihr sehr gut gefallen.

    Das nenn ich fremdbestimmt sein
    und in alten Verhaltensmustern
    feststecken.

    Nebenbei als X mir das erzählte
    dachte ich wirklich, woher kennt
    sie eigentlich meine Mutter.

    Grüsse

  • Hallo Uwe

    Das ist erst mal mein letzter Beitrag
    für länger. Meine Stärke ist das ich
    mich wahnsinnig auf eine Sache
    konzentrieren kann, die Nebenwirkungen
    bleiben da jedoch nicht aus.
    Ich habe die letzten, nicht ganz,
    drei Wochen mehr geschrieben als
    das ganze Jahr zuvor und das geht über.
    Wenn ich dann merke das ich bei
    Tätigkeiten wie radfahren, fotografieren
    oder einkaufen am formulieren von
    Beiträgen bin - Bremse rein.
    Leser deines Threads weiterhin - ja klar.

    Dachte nicht an der Reihe zu sein.
    Doch ein Feedback ist ja
    bisher ausgeblieben.
    Das Ganze erinnert mich stark
    an die Geschichte vom grossen
    Bruder oder die glorreichen Sieben
    reiten wieder.

    Hab in der Zwischenzeit einen
    älteren Beitrag überarbeitet und
    stark ergänzt.
    Bleibt hinzuzufügen als dieser
    Prozess für mich verfügbar war,
    ich nicht von Sentimentalitäten gegenüber
    der Gruppe infiziert war und mich so auf
    die Hauptmerkmale der angebotenen
    Unterstützung konzentrieren konnte.
    Dein abgelehntes Kind hat einen Platz
    erhalten.
    Ebenso habe ich bisher verwendete Begriffe
    wie Masken, Fassaden und Verdrängungen
    weggelassen und durch Verletzlichkeit ersetzt.

    Die Auseinandersetzung mit Alk
    erfolgte im strikten Kontext von... Ich bin...
    Jegliche Abweichung wurde von
    der Leitung strikt unterbunden.
    Sie wäre als respektlos und absurd
    abgetan worden.

    Am Anfang fand ich das ziemlich hart,
    da es vom lauten Getöse meines
    bisherigen Lebens stark abwich doch
    lernte ich ziemlich schnell die Vorteile
    kennen.
    So konnten wir den Anderen sprechen
    lassen und das Gesagte so stehen lassen
    wie es war mit all seinen Ecken und Kanten.
    Zugleich entwickelte sich ein Gespür für das
    eigene Selbst.
    Einfach nur zuhören ohne
    sich latent einzumischen sowie ein erkennen
    wann der Zeitpunkt gekommen war sich zu melden
    und vom Eigenen zu erzählen.

    Es ist das abgelehnte Kind, das sich da erstmals
    aus der Deckung wagte.
    Es hat sehr viel damit zu tun Nähe überhaupt
    zulassen zu können und sie auch auszuhalten.
    Wesentlich dabei war das die eigene
    Verletzlichkeit akzeptiert und sich mit ihr
    auseinandergesetzt werden konnte.
    Ein sicherer Rahmen war es aber allemal.

    Es unterschied sich gravierend vom
    Stimmengewirr der Stammkneipen
    wo alles durcheinanderkrakelte und
    im Grunde alles überflüssige
    Konversation war.
    Nur Spaghettis ohne deren Ende
    überhaupt zu erahnen.

    Persönliches das sich aus der
    Vertraulichkeit der Atmosphäre
    zwangsläufig ergab hatte seinen
    Platz davor und danach.
    Letzteres fand zumeist in nahegelegenen
    Cafes oder beim Asiaten statt,
    Orten also wo nicht eine ganze Wand mit
    Hochprozentigen geschmückt oder
    der silberne Zapfhahn das Zentrum
    kultischer Handlung war!

    Wie schmeckt das Goreng?
    Beim Thai in Eastend ist es besser!
    Was Kochen ist dein Hobby?
    Erzähl mehr.
    Es war nicht mehr der Fragezyklus von Kindern,
    die mit dem Daumen im Mund nach
    Aufmerksamkeit heischen,
    sondern Menschen, die die Verantwortung für das
    eigene Erwachsensein übernommen
    hatten.

    Im Kreis von mehreren Jahrzehnten
    Nüchternheit konnten wir so auch gleich
    die neugewonnene Lebenslust und Freiheit,
    die sich erstmals auf das Eigene stützte,
    in die Praxis umsetzen.

    Bis Irgendwann

  • Bis Demnächst Old Flatterhand – Danke für deine Einmischung und Danke fürs Dankeschön. Ich habe es bewusst einfach mal vierundzwanzig Stunden unkommentiert stehen lassen, weil es eben gut tut. Und Gutgehen lassen, ist auch etwas, dass geübt sein will.
    Ich verbeuge mich derweil (mach ich jetzt wirklich) und wünsche eine Gute Zeit.

  • Kleines Resümee
    Da bin ich nun doch schon ein Stück weit gekommen. Vom „Was ich wollen will“ zum Inneren Kind.
    Was ich als Kind haben wollte, wird sich nicht von anderen unterscheiden. Es war Aufmerksamkeit und Wohlwollen. Aufmerksamkeit wurde mir dann Zuteil, wenn ich mich aber gerade nicht „kindisch“ verhalten habe, sondern mich um die Bedürfnisse anderer gekümmert habe. Ich habe nicht das erlebt, was im Allgemeinen als eine „schwere“ Kindheit bezeichnet wird, ganz im Gegenteil. Es sind meine kindlichen Interpretationen gewesen, die mich dazu bewogen haben.
    Eine gute Leistung abzuliefern, hatte eine gewisse Zuwendung zur Folge. Ein Scheitern einzugestehen, war in diesen Plan nicht vorgesehen – war schon früh mit Scham verbunden. Sehr wahrscheinlich, dass meine Eltern es mir zugestanden hätten, aber ich habe es nicht zugelassen. Die Angst vor Ablehnung war einfach zu groß.
    Das ist jetzt natürlich auch wieder nur eine Auslegung aus heutiger Sicht. Wenn ich früher so gedacht hätte, wäre ich wirklich kein Kind gewesen.
    Die Leistungsorientiertheit hat sich dann verfestigt. Das ist an sich nicht bedenklich, ist gesellschaftsfähig und angepasst, doch die Furcht vor dem Versagen, habe ich mit in das Erwachsenenleben hinübergerettet. Die Helden in den Büchern, die ich las, sind auch nicht gescheitert. (Ich habe es tatsächlich fertiggebracht, die Dramaturgie der Autoren manchmal zu ignorieren. Wenn der Protagonist auf offensichtlichen Irrwegen war, habe ich das einfach überblättert – weil nicht sein kann, was nicht sein darf.)
    Jetzt ist es aber normal und zweifelsfrei lehrreich ab und an bei einer Aufgabe nicht der Beste zu sein, ich hatte aber nicht gelernt damit umzugehen. Das Missverständnis das sich dadurch bei mir eingestellt hat, ist die Tatsache, dass ich bei Kritik nicht die momentane Situation sehe, sondern mich als Ganzes als ungeliebt verstanden wahrnehme. Was mich natürlich in meiner Selbsteinschätzung bestätigt hat, nichts wert zu sein. Mein Musiklehrer hat mal zu mir gesagt: „Summe bitte die Melodie des Liedes und sage den Text auf, aber verschone uns mit singen!“ Ich habe seit dem nicht mehr gesungen, das Gelächter noch in den Ohren.
    Mich dem zu öffnen, was ich Jahrzehnte verdrängt oder verleugnet habe, ist die Aufgabe, der mich jetzt langsam stelle. Ein Scheitern in manchen Punkten ist dabei erlaubt, da ich ja auch dabei bin vom absoluten Abstand zu nehmen.
    Aus den vermeintlichen Aussagen meiner Vergangenheit wie: „Ich habe kein kindliches Verlangen in mir und wenn macht es mir nur Kummer, versagt mir die Kontrolle über mein Leben und wird mir nur Verachtung einbringen.“, kann nur die Einsicht für mich erwachsen: Ich war kein abgelehntes Kind, sonder Ich habe das Kind in mir abgelehnt.
    Heute ist ein Arbeitsfreier Tag für mich – ich geh mal in die Badewanne und singe.
    Gruß Uwe

  • Hallo
    Nachdem ich nun zum Wollen schon einiges geschrieben habe, ist es an der Zeit, auch etwas vom Tun zu erzählen. Wenn der Vorsatz das Fundament für das Handeln ist (dem Hoffen darauf, hatte ich ja schon vorher abgesagt), - was kann ich konkret anpacken? Da ich immer noch auf der Suche nach dem Kind in mir bin – was habe ich schon versucht, und wie schauen die nächsten Experimente aus?
    Als erstes bleibt festzuhalten, dass ich „kindliches“ Verhalten in erster Linie mit Spontanität verbinde. Also Dinge zu tun, denen ich keine großartigen Überlegungen vorausgehen lasse. Ein echt schwieriges Unterfangen für mich. Kopfgesteuert, wie ich durch Leben gehetzt bin, eher ein Verhalten, dass ich oft mit dem Worten „UNMÖGLICH“ untermalt habe. Demzufolge habe ich während und nach der Therapie mir gerne für ein x-beliebiges Datum einen Zettel an die Wohnungstür geheftet: „Heute spontan sein!“ Das führte dann zumindest mal zu Kino- oder Konzertbesuchen. War natürlich noch nicht der Hit. Also habe ich mir Hilfe für spontanes Handeln gesucht. Wie für fast alles gibt es auch dafür auch einen Ratgeber, den keiner braucht: „Fünf Minuten Ewigkeit – 101 philosophische Alltagsexperimente“ von Roger–Pol Droit. Aus eigenem Antrieb sieht anders aus, aber die zum Teil aberwitzigen und sinnlos erscheinenden Handlungen haben mir gezeigt: wenn ich etwas tue, dann sollte ich es wenigstens bewusst tun, und nachschauen, was es mit mir macht (das Lachen über mich selbst, das „Mich nicht ganz so ernst nehmen“ habe ich damit sehr gut üben und lernen können).
    Letzte Woche hat jemand zu mir gesagt: „Uwe, dein Leben ist kein Projekt, was in Angriff genommen und vollendet werden kann!“ Da hat er recht. Ich habe mir daraufhin über das Internet Karten für den „Satiregipfel“ am 12.09. besorgt, Flugtickets nach Berlin gekauft, eine Übernachtung gebucht und dann meinen Chef gesagt, dass ich an den Montag nicht zu erreichen bin. Die ersten intuitiv gemachten Schritte seit sehr langer Zeit. Und weil es so ungewohnt ist, fühlt es sich auch noch nicht „Richtig“ an.
    Schönes Wochenende Uwe

  • Natürlich war es richtig, und es hat sich spätestens gestern Mittag, beim sitzen an der Spree unweit der Regierungsgebäude, auch danach angefühlt. Es hat aber auch bis dahin gedauert, bis ich den Kopf so frei hatte, es genießen zu können. Wie erwartet war schon in der vergangenen Woche, der „rationale Uwe“ immer lauter geworden. Er forderte vehement die Unternehmung aufzugeben, weil unvernünftig, sinnlos und (eben aus der Laune heraus) nicht würdig. Es war die bewusste Entscheidung von mir, alles im Voraus bezahlt zu haben, die den Erfolg gesichert hat (Knausrigkeit, wenn auch verpönt, hat in diesem Fall seine Berechtigung). Ich weiß nicht ob jemand dies so nachempfinden kann - ich komme mir dabei selbst recht befremdlich vor.
    Sicherlich war der heutige Tag durch den frühen Rückflug und der Arbeit (der Schulanfang wird nunmehr fast größer gefeiert als eine Konfirmation/Kommunion), etwas hektisch und ich bin auch ziemlich geschafft – doch glücklich.
    LG Uwe

  • Hallo Uwe,
    im letzten Jahr in der ersten Euphorie reiste ich von heute auf morgen nach Spanien.
    Richtig bewusst wurde mir wegen der Eile der Vorbereitungen und der Realisierung erst, was ich tat, als ich mit meinem Rucksack in Barcelona auf dem Flughafen stand und mir eine Fahrgelegenheit in die Stadt suchte. :?
    Einen Reiseführer hatte ich mir noch schnell auf dem Abflughafen gekauft.
    Es waren seit Jahrhunderten die schönsten drei Tage, die ich erlebt habe. Ich war ganz allein mit mir und habe so viel gesehen und gespürt. Noch heute zehre ich von dieser Reise.
    Manchmal ist für mich weniger mehr.
    Weniger Menschen, weniger Zeit, weniger Organisation = mehr Freiheit, mehr Genuss, mehr Ich. Oder so.
    Meine Reise war vollkommen sinnlos und unvernünftig und vielleicht gerade deshalb die schönste seit langem.
    Seither bin ich fast ständig unterwegs. Ich weiß, dass mir das guttut. Zwar nicht immer so weit weg, aber meistens ohne große Organisation und Planung.
    Ganz in meiner Nähe gibt es Urwald und ganz viel Natur, die ich so noch nie gesehen habe, obwohl ich sicher schon mal dort war...

    Gruß Penta

  • Hallo Penta
    Nun ich übe noch. Spontanität macht mich immer noch etwas unruhig. Es hat wenig mit meinen Erfahrungen zu tun. In Situationen, die ich nicht kenne, brauche ich Helfer, ergo Vertrauen und ich könnte Scheitern. Alles keine Selbstverständlichkeiten für mich, genau dies zuzulassen. Auch die Ergebnisse, welche mir ja recht geben, haben die alten Verhaltensweisen nicht getilgt.
    Ich brauche da eher mehr Menschen um mich, mehr Zeit (Geduld), für mehr Freude am Genuss – und weniger Ich in den Gedanken.
    Verschiedene Menschen – unterschiedliche Herangehensweisen – gleiche Erfolgsbilanz für mehr Freiheit im Handeln.
    LG Uwe.

  • „Es ist so, wie es ist“ kann als Lebensmotto meiner Mutter betrachtet werden. Vor Jahren noch hatte ich ein immenses Unbehagen bei den Gedanken, auch einmal eine solche „Gleichgültigkeit“ an den Tag zu legen. Heute, um einige Lebenserfahrungen reicher, beneide ich sie manchmal um ihre Einstellung. Denn es hat am allerwenigsten etwas mit Gefühllosigkeit, Apathie oder Desinteresse zu tun, sondern mit Annehmen, Gelassenheit und Akzeptanz. Es scheint auch keine „Weisheit des Alters“ zu sein, denn sie lebt es schon sehr lange.
    Wo ich mir in der Form von „Das darfst/sollst/kannst du nicht fühlen/denken oder tun“ Gedanken mache, geht sie wesentlich sympathischer mit sich um.
    „Es ist, wie es ist!“ beschreibt nicht ihre Befindlichkeit, sondern lässt genau diese Befindlichkeiten zu. Sodass sie traurig ist oder eben glücklich, hungrig oder satt, aufgeregt oder eben gefasst und dies auch mit breiter Palette benennen kann.
    Als ich mich das erste Mal damit beschäftigt habe, fingen die Schwierigkeiten für mich beim Benennen schon an. Wie heißt das genau, was gerade mit mir geschieht – bin ich missgestimmt, traurig, bekümmert oder nur lustlos; habe ich gerade einfach Spaß oder ist genau das Freude, Zufriedenheit oder doch bloß heiteres Erleben.
    Ich gebe mir seit dem etwas mehr Mühe, differenzierte Namen für das zu finden, was mich bewegt. Mit mehr Worten für die gefühlsbetonten Begebenheiten, werden diese auch reicher.
    Heute bin ich gerade etwas besinnlich und abwesend – gut zu wissen.

  • glück auf uwe

    fast wollte ich schreiben: "ich beneide deine mutter", aber das trifft es nich.

    Zitat von uwe.rothaemel

    Annehmen, Gelassenheit und Akzeptanz.

    richtig ist ich strebe an so zu sein. leider gelingt es mir manchmal nur schlecht. s könnte daran liegen, dass ich mir mit dem genauen "benennen" meiner gefühle und befindlichkeiten keine mühe mach?

    schöne zeit

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Hallo Matthias
    Möglicherweise habe ich auch zu viel bei Wittgenstein gelesen, der davon überzeugt war, dass Sprache und Lebensqualität in engen Zusammenhang stehen. Wobei es für mich nachvollziehbar ist. Worte beeinflussen mein Denken und dies wieder mein Erleben. Wenige oder keine Worte, beschränken auch meine Wahrnehmung.
    Ein wenig Philosophie zur Nacht – Gruß Uwe.

  • glück auf uwe

    Zitat von uwe.rothaemel

    Worte beeinflussen mein Denken und dies wieder mein Erleben. Wenige oder keine Worte, beschränken auch meine Wahrnehmung.

    jetzt, wo ich drüber nachdenke ...
    ich hab z.b. ganz viele abstufende bezeichnungen für schmerz: leicht ... nörgelnd ... wehtuend ... richtig heftig ... nich mehr auszuhalten ... . die "..." stehn hier mal für weitere zwischenstufen. und es is richtig - ich hab auch für anderes sehr differenzierte bezeichnungen, benutze sie aber fast "automatisch".
    wittgenstein - werd ich mal nachlesen.


    schöne zeit

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Hallo Matthias
    Es fällt mir manchmal schwer zu glauben, dass es Menschen gibt, die fast „automatisch“ das tun, was ich mir mühsam erarbeiten muss (weiß aber das dies zur Genüge geschieht). Zum anderen, größerem Maße, freue ich mich aber darüber – so erfahre ich, dass es möglich ist.
    Bei der Suche nach meinen „inneren Kind“ (suchen ist wohl eher ein unvorteilhaftes Wort, ich brauch ja nur hinhören), werde ich aufmerksamer.
    Heute war ich beim Ehemaligentreffen meiner einstigen Entwöhnungsklinik und habe wieder eine Menge Menschen getroffen, die schon „unvorstellbar“ lange trocken sind. Was mir bei den Erzählungen aufgefallen ist, ist die Strenge, mit der ich teilweise mit mir umgehe. Wie viel kinderleichter alles scheint, wenn ich mir etwas liebevoller begegne, habe ich erst wieder ab dem Mittagessen begriffen. Einfach ungezwungen den Tag zu genießen, weil es ein guter Tag ist. Das hat was.
    Erholte Grüße für die Nacht- Uwe.

  • Genau !!!!, die Befindlichkeiten zulassen, und darauf vertrauen, dass sollten sie nicht schön sein sie auch wieder anders werden.
    ...meist ziemlich schnell bei mir :)......

    ..... und daran glauben, dass auch die schlechten Gefühle ihren Sinn haben.....UND das Glück zu haben so tolle Menschen zu kennen, die alle Gefühle mit mir teilen.....das tut so gut !!!!

    Mein Opa schien mir auch immer so ein glücklicher Mensch, der alles nimmt wie es halt ist.....eine stoische Ruhe ausstrahlend.....und sehr humorvoll dazu.
    Tja, allerdings hat er jeden Abend eine Flasche Wein getrunken bis in seine 90-iger Jahre und er hatte auch psychosomatische Probleme.....

    Ist halt nicht alles so wie es scheint.

    Er hätte nie von sich gesagt, daß er ein Alkoholiker ist, ich habe das nie so gesehen..........

    Ich habe das immer als normal angesehen, daß da eine Flasche Wein auf dem Tisch steht.

    Zum Schluss war ich genau so weit wie er, eine Flasche Wein, fast jeden Abend.
    Das wird mir jetzt gerade sehr dolle bewusst.

    Er ruhe in Frieden mit seinem Lieblingsspruch......proschd proschd auf dass
    d`Gurgel ned verroschd..... ;o)

    ...mein lieber Opa der Alkoholiker. :o(

    Marion

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