Hallo Jessie,
du bist nicht mehr die die du früher mal warst - wer immer du warst, es liegen ja Jahre des Trinkens dazwischen; wenn du nun trocken wirst kannst du natürlich nicht einfach wieder da anfangen wo du mal aufgehört hast, vor allem da das Hineinrutschen in die Sucht etwas ist das Jahre dauert und schleichend ist.
Du schreibst ja selbst:" ...war ich viel zu sehr damit beschäftigt der Mensch zu werden der ich früher mal war. Letzteres ist mir nach wie vor nicht gelungen ". Natürlich geht das nicht. Du bist ja die Jessie von heute und nicht von früher. Zwischendurch gabs keine Jessie, nur eine Alk-Jessie.
So besehen ist es ja ganz klar daß du empfindest was du so beschreibst: " Es ist schwer zu beschreiben aber manchmal wenn ich hier sitze und über alles nachdenke kommt mir alles so unwirklich vor... Fast so als sei ich Beobachter des Lebens von jemand anderem. Ich weiss nicht es ist schwer zu beschreiben. "
Dein Leben ist nicht das Leben eines anderen, es ist deines: aber der Alkohol entfremdet den Trinker von dem was er ist, war, sein könnte... wenn du dasitzt und über die nasse Zeit nachdenkst findest du dich wie du trocken bist nicht mehr recht wieder. Es sind zwar deine Erinnerungen, aber als habe sie jemand anderer erlebt. Denn Teile dessen was DU bist waren weggesoffen. Das ist ganz normal, ich erlebe das auch heute immer wieder einmal...
Mein Tip (klingt erstmal ein bißchen oberflächlich aber es dauert au h eine Zeit bis das geht und dann gehts in die Tiefe): guck mal wer du HEUTE bist. Da gibt es viel zu entdecken/wiederzufinden... zu entwickeln/ zu tun... für Jessie jenseits der Alkjessie, sozusagen.
Das fühlt sich alles verwirrend an aber ist ein Zeichen der Gesundung finde ich.
Was tust du für deine Trockenheit? Was gestaltest du neu in deinem Leben? Kennst du die "Grundbausteine", die hier sehr wichtig sind und die sehr hilfreich sind?
Ich möchte dich ganz herzlich willkommen heißen und wünsche dir einen anregenden und hilfreichen Austausch hier.
LG Frank