• Ja, irgendwie fühl ich mich schon bevormundet, wenn mir jemand schreibt, dass das was ich mache prinzipiell falsch sein soll, obwohl es ja nun seit über zwei Jahren funktioniert (endlich mal) und ich mich dabei auch noch wohl fühle. Bei mir funktionierts bis jetzt, das bedeudet ja noch lange ni, dass das auch bei anderen so sein muss. Deshalb ja meine Meinung, dass jeder seinen Weg finden muss und sich dabei für sich brauchbare Ratschläge annehmen kann, wenn er will.

    Ansonsten: Danke für Glückwünsche und Hinweise.

  • Vielleicht noch so viel:
    Um Alkoholregale in Supermärkten oder um Alkohol im Alltag mach ich keinen Bogen weil mir das viel zu stressig und mühselig ist, immer vorher auszukundschaften ob irgendwo und wenn ja, wo Alk sein könnte, das hab ich in nassen Zeiten lange genug gemacht. Und zu Grillpartys mit alten Freunden – zum Beispiel – gehe ich, weil dort auch meine Freunde sind. Einen Teufel wird ich tun und denen das Alkoholtrinken vielleicht verbieten oder vermiesen. Die haben kein Problem mit Alk – doch das kann ich aus Erfahrung beurteilen –, das Problem mit Alk habe ich wenn ich ihn trinke. Neue Freunde will ich mir auch ni krampfhaft suchen. Das is nämlich ziemlich schwer Freunde zu finden, Bekannte findeste schnell.

    Ansonsten gefällt mir das mit klar strukturierten Tagesabläufen sehr gut und auch, dass ich mit der Krankheit offensiv umgehen soll also keine „dummen“ Ausreden wenn das Thema zur Sprache kommt. Mir fällt bestimmt noch mehr ein, was mir gut gefällt.

  • Moin,

    Selbsthilfe heisst, dass sich jeder holt, was er braucht und dass jeder für sein eigenes Leben Verantwortung übernimmt.
    Manches aus meinem abstinenten Leben erzähle ich hier nicht, da hier z. Teil wenig Toleranz und Respekt darüber herrscht, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss und darf.
    Ich werde nur erzählen, wie ich mich verhalte und was bei mir schief gegangen ist und ggf. zu Rückfällen führte. Prognosen wer hier der "Trockenste" oder "Nüchternste" ist und wer zuerst wieder trinken wird, verkneife ich mir, es kann mir auch grad egal sein, wenn ich es nicht bin.
    Ich bin kein Hellseher und möchte auch keiner werden.
    Bekanntermassen gibt es "in meinem Weltbild" keine Steigerung von abstinent und Meistergürtel oder Ehrenabzeichen für lange Abstinenz.
    Ich beginne an jedem 1. Januar ein neues, hoffentlich abstinentes Kalenderjahr und werde mir hier niemals Glückwünsche zu irgendwelchen "Trockengeburtstagen" abholen - da ich nicht vorhabe "trocken" zu werden.
    Abstinent, (emotional) intelligent, neugierig, tolerant, respektvoll, bescheiden, liebevoll, zufrieden reicht mir als ständige Zielvorstellung völlig.

    Gruß Jürgen

  • Mal was zu meinem "Schreibverhalten": Als ich noch fleißig Alk in mich geschüttet habe, da habe ich zu Hause ständig vor dem Computer gesessen und gesoffen und geschrieben und gesoffen und ... Da hatte ich meine Ruhe. Jetzt sitz ich zu Hause sehr selten vor dem Computer - was mir ausgesprochen gut gefällt. Auf Arbeit sitz ich ja schon genug vor der Kiste und wenn ich auf Arbeit Zeit - so wie jetzt Mittagspause - und Lust habe, dann nehm ich mir paar Minuten um hier zu lesen und/oder zu schreiben. Deshalb ist meine Anwesenheit hier eher sehr unregelmäßig und dementsprechend eben fast nur auf Arbeitstage beschränkt.

  • Und jetzt noch was, das mir Gestern aufgefallen ist: Als ich so im Garten in der Sonne saß, da hätte ich mir - warum auch immer - ein Glas Cola Bacardi rein schütten können. Ich hab mir dann so gedacht, dass es ja ni bei einem Glas bleiben würde und der "Spuk" war vorbei. Und das ist mir dabei aufgefallen, dass mir das ab und zu mal so geht, dass dabei aber nie Saufdruck entsteht (es sei denn, das ist welcher) - also dran gedacht und vorbei. Ist das nun schon Saufdruck? Wenn ja, dann kann ich damit leben.

  • glück auf

    Zitat von Rattenschwanz

    Ist das nun schon Saufdruck?

    quaaaaaaaaaaaatsch - saufdruck tut weh!! (wenn du saufdruck hast erkennst du s sofort - versprochen)
    das war n gedankenblitz

    schöne zeit

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • So, nun hat der Arbeitsalltag wieder angefangen (Gestern) und die schönen drei Wochen und ein Tag Urlaub sind vorbei. War ein herrlicher Urlaub mit Garten, Reparaturen am Haus, Sport, Fußball im TV und vielen Tagen mit Sonne. Da freu ich mich - meine Faru und der Hund natürlich auch - dann immer darüber, dass ich in 'ner viertel Stunde am schönen Ostseestrand bin.

    Mit der Führerscheinstelle hab ich bissl Ärger gehabt, die bestehen - nach 14 Jahren Fahrerschein weg - unbedingt auf einem Abstinenznachweis wenn sie mir den Lappen wieder geben sollen. Na gut, mach ich das eben. Zwei mal war ich schon beim Gesundheitsamt eingeladen, kostet nur alles einen Haufen Geld.

  • Ich wollte es ni schreiben aber ich machs trotzdem:

    Im Urlaub haben meine Frau und ich zum Grillen eingeladen. 7 Freunde - eher zwei Freunde, der Rest Bekannte und Verwandte. Mit Alk im Haus, weil 6 Eingeladene Alk trinken. Hat alles funktioniert. Ohne Druck, ohne dumme Gedanken, ohne Ausfälle der Eingeladenen, ohne Ausfälle (Alk)meinerseits. Das soll nun nicht heißen, dass nun für die Zukunft alles i. O. ist, es war ein Versuch- zugegeben ein riskanter. Seit meiner Abstinenz hatten wir niemanden mehr zum Feiern/Grillen zu uns eingelden sondern sind immer Einladungen gefolgt- da konnte ich abhauen wenns zu viel wurde.

    Na ja, muss ich ni jeden Monat haben aber einmal im Jahr "gehts".

  • Hallo Rattenschwanz,
    Darf ich fragen , WARUM Du so riskante Dinge tust, wie Alk ins eigene Heim schaffen ?
    Sind Deine Freunde derart versoffen, das die es nicht mal n Abend ohne Alk aushalten (mal salopp gesagt), oder wie ist das zu sehen?
    Gehst Du lieber riskantes Verhalten ein, ist Dir Deine Trockenheit so wenig wert, anstatt zumindest in Deinem Zuhause klare neue Regeln zu sezten?
    Ich verstehe sowas einfach nicht, ist mir zu hoch, echt mal jetzt.

    LG Sunshine

  • Zitat von Sunshine_33

    Hallo Rattenschwanz,
    Darf ich fragen , WARUM Du so riskante Dinge tust, wie Alk ins eigene Heim schaffen ?
    Sind Deine Freunde derart versoffen, das die es nicht mal n Abend ohne Alk aushalten (mal salopp gesagt), oder wie ist das zu sehen?
    Gehst Du lieber riskantes Verhalten ein, ist Dir Deine Trockenheit so wenig wert, anstatt zumindest in Deinem Zuhause klare neue Regeln zu sezten?
    Ich verstehe sowas einfach nicht, ist mir zu hoch, echt mal jetzt.

    LG Sunshine

    Ich find's eben ni riskant - ni mehr riskant triffts eher und bis jetzt hatt es mir nicht geschadet. Meine Freunde würden das auch ohne Alk aushalten aber warum sollen sich plötzlich alle auf mich einstellen, warum sollen alle anderen was ändern, nur weil ich ein Problem habe? Und meine Trockenheit ist mir so viel wert, dass ich sie auch in - für mich vielleicht - schwierigen Situationen durchhalten will und nicht nur in Watte verpackt. Ich weiß, was in mir vorgeht - oder auch ni vorgeht - wenn ich in schwierige Situationen komme und das ist mir lieber, als plötzlich vor so einer Situation zu stehen und ni zu wissen wie es weiter geht. Deshalb "hasse" ich das auch, wenn gefragt wird ob jemand in Beziehung Alk auf mich Rücksicht nehmen soll, nein soll er nicht.

    Und ich werd auch durch die Abstinenz kein besserer Mensch ein anderer bestimmt.

  • Huiii, Du steckst ja schwer die Prügel ein weil Du nicht nachplappern willst und Dir selber Denken Spass macht :D

    Macht nix, hab ich auch durch und aus gleichen von Dir genannten Gründen mich aus SHG verabschiedet und setz mich dem Forum nur noch bedingt aus.

    Nun verstehe ich durchaus, den Einen- oder Anderen und vielleicht auch viele, denen das was Dir auffällt nun gerade hilft trocken zu bleiben.

    Bei mir war's umgekehrt, hätte ich mich dem dauernd ausgesetzt, hätte ich aufgrund der Selbstzweifel wieder gesoffen. Irgendwann.

    Als ich gemerkt habe, ich gehe fröhlich und lustig und ohne jeden Gedanken an Alkohol in die Gruppe und komm mies gelaunt und mit Saufdruck raus habe ich gemerkt - nööö, das mag andere trocken halten, ich fang so das Saufen wieder an.

    Viel zu riskant.

    Selbst heute muss ich gut auf mich aufpassen wie oft und wie lange ich mich dem aussetzen kann.

    Nun ist nicht grundsätzliches alles falsch an den Grundbausteinen oder so. Ein Spiel mit dem Feuer sich Alkohol nach Hause zu holen ist es allemal, das hast ja gemerkt.

    Und eins stimmt ebenso, wer sich aufgrund des strikten Einhaltens der Grundbausteine sicher fühlt, naja, muss halt was unvorhergesehenes passieren und es knallt dann eben doch.

    Einen Garantieschein gibt's weder mit noch ohne praktische Prüfung. Letztere hört nie auf.

    Solang Du auf Dich aufpassen kannst, kannst auf Dich aufpassen und dann pass einfach auf Dich auf und dazu gehört nun mal auch, darauf aufzupassen wenn zu viel Prügel einem nicht gut tun - dann schnell zu verschwinden.

    Du bist trocken! Fertig.

  • Und pass auch auf wenn Du den Lappen wieder hast, ob sich "Mmmh, ich könnt ja wieder..." Gedanken einnisten wollen.

    Ich kenne einige Fälle wo das Ziel - Führerschein - lange, lange trocken gehalten hat und als dieses Ziel erreicht war, naja...muss ich nicht erklären, oder?

    Sollte sich dann Dein Denken ein bisschen verändern, geh besser irgendwohin drüber quatschen als zu saufen oder zu versuchen das auszusitzen.

    Fühlst Dich in SHG und/oder Forum nicht wohl, schau mal ob Du irgendwo 'ne Suchtberatung hast. Viele grössere Städte bieten das für Umme an. Ich geh bis heute gern mal, da kann ich im geschlossenen Rahmen reden und ich hab das große Glück eine Beraterin zu haben, die zuhört und nicht an mir rumdoktern will.

    So kann ich immer mal was aufarbeiten und selbst entscheiden wann's mal wieder Zeit dafür ist, ohne Druck oder Zwang.

    Ich empfinde das als sehr lohnenswert.

  • Das ist ja ni so, dass ich mir hier ni wohl fühle, ich lasse mich ungern kontrollieren.

    Paar Gedanken, die ich mir grad gemacht habe:

    Und dieses ganze irgendwelchen hausgemachten ‘‘gefährlichen‘‘ Situationen aus dem Weg zu gehen, zeigt doch nur eins: Der Alkohol bestimmt weiterhin mein Leben. Der Alkohol bestimmt welche Freunde ich haben darf und welche nicht. Zu welchen Feiern ich gehen darf und zu welchen nicht. Wo ich einkaufen darf und wo nicht … Das ganze weitere Leben – jede Sekunde – bestimmt der Alkohol wenn ich mir ständig Gedanken machen soll, wo ich Alkohol aus dem Weg gehen muss. Was entsteht? Wieder irgendein Zwang dem ich unterliegen soll/muss. Was passiert im schlimmsten Fall? Ich bin der Sache nicht mehr gewachsen, bin enttäuscht über mich und …gehe zur Selbsthilfegruppe. Nee eben nicht, ich hol mir irgendwo ne Pulle weil ich der Selbsthilfegruppe nämlich auch nicht mehr erzählen will, dass ich schon wieder von mir enttäuscht bin oder mir die perfekten Selbsthilfegruppenmitglieder sagen, dass das alles ni so schlimm ist und schon wieder wird. Oder so ähnlich. Und nun schreibe mir bitte kein Mensch, dass er mit einem Leben das ständig vom Alk fremdbestimmt wird (immer in ‘‘Hab acht Stellung‘‘) zufrieden ist.

    Aber das wird uns ja so eingeredet, dass wir unser Leben total auf Vorsicht ausrich-ten und völlig umkrempeln müssen. Aus meiner Sicht absoluter Unsinn. Zu dem Kraftakt der Erkenntnis ohne Alk leben zu müssen wenn das Leben weiter gehen soll – das ist nun erst mal so ehe das ohne Alk leben gewollt wird – kommt nun noch die Aufforderung alles in seinem Leben zu ändern. Da isses doch kein Wunder, wenn der Alki rumrennt wie ein Griesgram. Kopf runter und ‘ne Fresse ziehen, hinter jeder Ecke lauert ein anderer Feind. Das geht doch während der Therapie schon los, dass der Alkoholiker wie ein kleines Kind behandelt wird – Leipzig war‘s jedenfalls so. Das hat mir ja noch ganz gut gefallen, damals hab ich nicht darüber nachgedacht. Das war schön, weg vom Alk und 4 Monate von vorn bis hinten „bemuttelt“ ohne irgendwelchen Schwierigkeiten ausgesetzt zu sein. Aber wir wollen doch auch alleine überlebensfähig sein – ich jedenfalls. Das ist doch mit der Ehrlichkeit auch so ein Ding, da hauste den Leuten/Freunden irgendwelche – deiner Meinung nach – ehrlichen Dinge an den Kopp, dann gucken die dich/mich erst blöd- und dann nicht mehr an. Und darauf soll ich stolz sein? Gut, such ich mir andere Freunde. Solche, die mir sagen wie toll ich doch in meinem abstinenten Lebensverbesserungswahn bin. Solche, die immer und überall Rücksicht auf mich nehmen, mir immer nach dem Mund reden, weil ich ja keine Probleme haben soll wegen Alk – aha, da isser wieder der Feind – und so. Nee, das gefällt mir ni.

    Dass was geändert werden muss, ist klar nur was wirklich wichtig ist, das weiß ich noch ni – ja, das weiß ich immer noch ni. Für mich war wichtig, dass ich nach zig Jahren endlich mal meine private Situation mit meiner Ex-Frau geklärt habe, dass finanziell alles wieder in geordneten Bahnen läuft und dass ich meine Arbeit habe. Und da waren schon drei Sachen im Lot, bei denen ich vor Verzweiflung immer zur Flasche gegriffen habe. Klar, um das zu ändern musste ich schon mal länger nüch-tern sein um auch ernst genommen zu werden. Mein Freizeitverhalten hat sich da-hingehend nicht geändert, als dass ich immer noch mache, wozu ich Lust habe. Das waren vor drei Jahren noch andere Dinge – na ja so viel anders auch nicht – als jetzt aber nichts Erzwungenes, was für Alkoholiker ‘‘schick‘‘ ist. So wie: Ich lese ab jetzt in der Bibel zum Beispiel (wer das brauch solls machen). Ich lebe viel stressfreier ohne diese alten Probleme und da schaffe ich mir doch keine neuen mit aufgezwängten Feinden.

    So, das reicht jetzt erst mal. Nen schönen Tag wünsch ich euch noch.

  • Zitat von Kaleu


    Fühlst Dich in SHG und/oder Forum nicht wohl, schau mal ob Du irgendwo 'ne Suchtberatung hast. Viele grössere Städte bieten das für Umme an. Ich geh bis heute gern mal, da kann ich im geschlossenen Rahmen reden und ich hab das große Glück eine Beraterin zu haben, die zuhört und nicht an mir rumdoktern will.

    So kann ich immer mal was aufarbeiten und selbst entscheiden wann's mal wieder Zeit dafür ist, ohne Druck oder Zwang.

    Ich empfinde das als sehr lohnenswert.

    Bei der Suchtberatung (Diakonie) bin ich gewesen, das war in Ordnung, da konnte ich Termine machen wenn mir so war und die dort natürlich Zeit hatte, da iss niemand gesprungen weil dem ''Rattenschwanz'' grad mal so war also keine falsche Rücksichtnahme. Die gute Frau hat mir nicht ständig irgendwelche Vorschriften gemacht. Leider ist sie verzogen und mit den anderen dort konnte ich ni, na ja.

    Was den Führerschein angeht, zieh ich jetzt erst mal den Abstinenznachweis durch und dann gehts weiter. Ich hätte das Ding gelassen wo es ist, wenn ich ni plötzlich Bock auf Motorrad bekommen hätte.

  • Vorhin hab ich gelesen: Es genügt ja schon ein kleiner Anlass, um mit dem Trinken wieder anzufangen (oder so ähnlich jedenfalls).

    Da bin ich anderer Meinung, wie soll‘s auch anders sein.

    Meine Meinung dazu ist, dass sich der Wiedereinstieg aus vielen kleinen Anlässen zusam-mensetzt. Ein kleiner Anlass genügt vielleicht um in der letzten Ecke im Kopf eine kleine Er-innerung zu wecken – so in der Art wie: Früher hätte ich mir einen eingegossen wenn mir das und das gelungen- oder auch nicht gelungen/passiert wäre, mach ich aber nicht mehr. Der Anlass, der kleine, der war da um daran zu denken und ist auch schon wieder weg und niemand redet darüber. Später – vielleicht viel später – wieder so ein kleiner Anlass der was auslöst, über den aber wieder nicht geredet wird – weil: Ist eh egal, mach ich nicht mehr. Anlass kommt zu Anlass, Gedanke zu Gedanke, nicht reden (oder schreiben zum Beispiel) zu nicht reden. Da entsteht vielleicht mit den Jahren ein regelrechter „Anlassstau“- vielleicht. Über die Zeit rede ich („ich“ jetzt mal als Beispiel) mir den „Anlassstau“ vielleicht auch noch schön aber nicht darüber. Ich bin nämlich – wieder vielleicht – auch noch stolz darauf, dass der „Anlasstau“ schon so lange da ist und ich nicht darüber gejammert habe, über den Stau. Ich glaube nicht, dass wenn beim kleinsten Anlass Alk zur Hand gewesen wäre – in der Nähe ist immer irgendwo Alk, ob ich will oder nicht – auch der Rückfall unbedingt da gewesen wäre. Nein, wahrscheinlich ist das Gegenteil der Fall, weil ich mit dem Nichttrinken doch wieder mal bewiesen hätte, dass ich doch im Grunde stark bin. Was ich damit ausdrücken will ist, dass – meiner Meinung nach - nicht der vielleicht im Keller stehende Alk oder ein kleiner Anlass der Anfang ist sondern vielleicht ein Sammelsurium an Unsinn im Kopf, das dort versteckt bleibt weil‘s entweder nicht raus gelassen wird – also nicht geredet. Oder weil’s jede Woche (irgendwie muss ich ja die Kurve kriegen :D ) gefüttert wird, in ‘ner Selbsthilfegruppe zum Beispiel. Wenn ich jede Woche eingeredet bekomme, wie gefährlich ich mit meinem kleinen Anlass im Kopf lebe, dann lass ich den irgendwann dort und sperre den ein, weil ich nicht will, dass mir was gefährlich werden könnte. Und dann hab ich Stress weil ich mich um jeden Tag und um den Mist im Kopf kümmern muss, der mir dort rein geredet wurde und nun dort Blödsinn macht.

    Mein persönliches Fazit: Wenn irgendwas im Kopf klick macht – und das macht’s offensicht-lich, sonst wär’s keine Krankheit sondern eine Willenssache – und sich der Hebel auf Saufen legt, dann kann ich‘s erst mal nicht ändern und brauch mich weder bei mir noch bei anderen darüber beschweren, da hilft mir keine Selbsthilfegruppe, Therapeut und kein Gott zu dem ich bete. Dann kann ich das nicht ändern! Brutal oder? Und dann ist es mir – und wahrscheinlich allen anderen Alkoholikern auch – egal, ob Alk im Haus, auf dem Jahrmarkt im Supermarkt oder sonst wo zu finden ist, ich besorg mir welchen. So ist das, traurig aber wahr.

    Bei mir – und nur von mir kann ich hier schreiben – ist der Auslöser dieses Sammelsurium im Kopf über das ich früher entweder nicht geredet habe oder ständig. Die „gesunde“ Balance hat gefehlt. Da wurde nicht gesoffen, weil der kleine Anlass da war sondern weil alle Anlässe plötzlich zusammen spielten. Da wurde gesoffen, weil ich mir irgendwelche Ziele einreden ließ und mir eingeredet habe, von denen ich wusste, dass das nicht meine Ziele sein können. Und dann (u. a.) war der große Katzenjammer da, wenn’s nicht funktioniert hat. Auch des-wegen: Kein anderer Mensch will ich werden, nur bissl anders denken vielleicht und reden wann und mit wem ich will und mir anhören/durchlesen was und vom wem ich das will. Und für mich ganz wichtig: Nicht andere müssen nur Rücksicht auf mich nehmen, ich auch auf andere. Und das alles für meine innere Zufriedenheit, ohne irgendwas nach außen darstellen zu wollen/müssen, was ich nicht bin und bissl Rücksicht auch für die Zufriedenheit der ande-ren.

    Und deswegen ist mir das egal, ob Alk im Haus ist oder ob meine Freunde bei ‘ner Party Alk trinken, ich muss ja nicht mittrinken oder im Supermarkt ‘ne Flasche aus dem Regal reißen. Wenn ich das mache, dann liegt‘s garantiert nicht an dem Vorhandensein von Alk.

    Ob das alles nun jetzt einigermaßen verständlich war, das weiß ich nicht aber ihr könnt mich ja fragen. Vielen Dank für‘s lesen.

  • Was ich Gestern ausdrücken wollte ist, dass der Rückfall – meiner Meinung nach – nicht plötzlich und unerwartet („der kleinste Anlass“) kommt, sondern im Kopf „von langer Hand“ vorbereitet wird. Bis dann endlich der Moment da ist, an dem es wieder losgehen kann. Endlich deshalb, weil die „Qualen“ im Kopf endlich aufhören – erstmal, bis die neuen anfangen – weil irgendwie ein Ziel erreicht ist, auf das der Kopf lange und schwer hin arbeiten musste. Dass das erreichte Ziel nicht gerade das erstrebenwerteste ist, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren.

    Ich weiß noch genau, wie das 2001/02 bei meiner ersten Langzeittherapie war. Schon in der Mitte – so ungefähr jedenfalls – ging das wieder los. Die Gedanken fingen langsam an um den Alk zu kreisen. Und das hat sich in den restlichen 2 Monaten hochgeschaukelt ohne Alk zu trinken, obwohl fast täglich – Ausgang - die Gelegenheit dazu da war. Und dort hab ich‘s verpasst darüber zu reden, obwohl wir ja jeden Tag darüber geredet haben. Wieder zu Hause kam der Knall (obwohl kein Alk im Haushalt war aber um die Ecke 3 Supermärkte und ‘ne „Tanke“) und ich hab gleich wieder „voll zugeschlagen“, endlich. Allein in der Wohnung, ge-schieden, finanziell ging‘s so, den Termin für den Beginn der Umschulung in der Tasche, niemandem Rechenschaft schuldig und Zeit und Alk. Also kein plötzlicher kleiner Anlass sondern der langsame, systematische Aufbau einer tiefen Freundschaft. Dass das am Ende nicht gut ging, das ist klar. Im Moment aber, da war‘s schön. Das Unangenehme war weg, für die erste Zeit jedenfalls, der Mensch ist eben auch Verdrängungskünstler.

    Ich weiß nun nicht, ob Erinnerungen an irgendwas besonders Besch.issenes im Leben ir-gendwann verblassen oder vergehen können oder das vielleicht auch ohne eigenen Willen einfach so passiert (Zurzeit ist alles noch sehr deutlich da.). Wenn ja, wären ja alle Wege für einen Rückfall offen...

  • Hallo rattenschwanz

    Zitat

    Was ich Gestern ausdrücken wollte ist, dass der Rückfall – meiner Meinung nach – nicht plötzlich und unerwartet („der kleinste Anlass“) kommt, sondern im Kopf „von langer Hand“ vorbereitet wird.

    Du hattest doch schon Rückfälle, wieso meinst du das und sprichst nicht aus Erfahrung?

    Rückfälle fangen im Kopf an. Heißt aber nicht das es nur bewusst anfängt sondern, das weit aus unübersichtlicher, unbewusst . So wie ich dich lese und du das gar nicht wahrhaben möchtest und immer wieder dagegen strampelst :) ist ein absolutes alkoholfreies Umfeld, in den Anfangszeiten, mit am wichtigsten .

    Wenn da nichts passiert oder "man" macht sich etwas vor, das es nichts ausmacht, ist dieses immer nur eine Handbreit vom Alkohol weg .

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Zitat von Hartmut

    Du hattest doch schon Rückfälle, wieso meinst du das und sprichst nicht aus Erfahrung?

    Rückfälle fangen im Kopf an. Heißt aber nicht das es nur bewusst anfängt sondern, das weit aus unübersichtlicher, unbewusst . So wie ich dich lese und du das gar nicht wahrhaben möchtest und immer wieder dagegen strampelst :) ist ein absolutes alkoholfreies Umfeld, in den Anfangszeiten, mit am wichtigsten .

    Wenn da nichts passiert oder "man" macht sich etwas vor, das es nichts ausmacht, ist dieses immer nur eine Handbreit vom Alkohol weg .

    Gruß Hartmut

    "Meine Meinung" deshalb, weil's ja hier auch andere Meinungen gibt und natürlich habe ich mir meine Meinung anhand meiner Erfahrungen gebildet.

    Dass Rückfälle im Kopf anfangen - meine jedenfalls -, das habe ich ja geschrieben.

    Zum alkoholfreien Umfeld: Wo gibts das oder in welchem Umkreis? Mitten in der Taiga vielleicht aber doch nicht hier, wo mir der Alk an jeder Ecke hinterher geschmissen wird. Jetzt mal ehrlich, in D z. B. dem Alk immer und überall aus dem Weg zu gehen, das artet doch in Stress aus oder in Selbstvera.rschung. Ja gut, ich - ich ja nun nicht aber andere - kann ja auch zu Hause bleiben.

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