Bin ich tatsächlich aufgrund einer Therapie trocken ?

  • Hallo Leute,

    diese Gedanken gehen mir durch den Kopf seitdem wir in dem Thread von Karsten über die therapeutischen Maßnahmen uns austauschen.

    In mir ist die Frage aufgekommen bin ich und natürlich dann auch andere Alkoholiker tatsächlich wegen der LZT zum Beispiel trocken ?

    Oder liegt es nicht viel eher daran so wie es auch bei mir war, dass man während der Alkoholabhängigkeit an einem Punkt kam an dem man sich entscheiden musste sterben mit dem Alkohol oder leben ohne Alkohol.
    Ich bin hier im Forum auf viele Menschen getroffen die zur Aussage brachten dass sie fast am Ende waren, der Tot im Grunde in greifbarer Nähe.

    Ist es nicht eigentlich eher so, dass diese wenigen Menschen es sozusagen allein geschafft haben aus der Motivation heraus Leben zu wollen oder ums nackte überleben gekämpft haben ?


    Ich frage mich wie wirkungsvoll ist diese Therapie überhaupt wenn man bedenkt, dass der tatsächliche reale Wert in etwa bei 5% liegt die es wirklich schaffen trocken zu bleiben.

    In Deutschland gibt es in etwa 1,3 Millionen Menschen die es nicht schaffen und 74.000 Menschen die an den Folgen des Alkohols jedes Jahr sterben.

    7,4 Milliarden Euro werden direkt im Gesundheitssystem jedes Jahr für Alkoholiker ausgegeben und wenn ich mich so umsehe frage ich mich mit welchem Erfolg ?

    Ist es nicht eher so wie ich in dem Beitrag von Karsten schrieb das mit dieser Therapie einfach nur Geld verdient wird und der Nutzen eher sekundär ist ?

    Ich freue mich auf eure Meinungen


    Gruß Olli

  • Hallo Olli,

    ich habe keine Therapie gehabt.

    Als ich vor 10 Jahren in die Entgiftung bin dachte ich nicht daran dass ich sie fast nicht überlebe.

    Ich war, incl. neurol. Reha, ca. 6 Monate von zu Hause weg, das war evtl. Therapie genug :D

    Ich denke dass es sicherlich Patienten gibt die durch eine LZT ihre Abstinenz festigen können.

    Aber jeden nach der Entgiftung gleich in eine Therapie zu "stecken" halte ich für falsch.

    So lange sie aber "verschenkt" wird ohne die Erfolgsaussichten zu prüfen wird sich nix ändern.

    LG Martin

  • Hallo Olli,

    meine kurze Meinung nach einem guten halben Jahr ist momentan dazu:

    Trocken werden kann ich nur, wenn ich ein trockenes Leben führen will. Mit allen Maßnahmen und Konsequenzen dazu.

    Hilfe kann wichtig sein, wenn ich Sie annehme und für mich nutze und umsetze.

    Für alles weiter führende, fehlt mir die Erfahrung.

    Allerdings kann ich für mich def. sagen, daß solange ich experimentierte war ich noch nicht dafür bereit gewesen. Ob nun mit Therapie , SHG oder sonstigen Maßnahmen wäre ich wohl gescheitert wenn ich es selbst nicht will.

    Gruß
    Andi

  • Hallo Martin,

    darf ich dich fragen ob du körperlich schon sehr angeschlagen warst und der Leidensdruck schon recht hoch war ?

    Ich kann es sehr schwer in Worte fassen was ich meine, um das nackte Überleben kämpfen ist vielleicht auch übertrieben.
    Es ist ja so, dass es nicht wirklich viele schaffen dauerhaft trocken zu bleiben. Es ist auch nur eine Vermutung von mir, dass bei denen die es wirklich schaffen eine art Extramotivation oder sowas in der Art besteht. Die meisten die ich kennen gelernt haben waren schon sehr weit unten, darum sehe ich da einen gewissen Zusammenhang.

    Ich hatte ein sehr schönes und langes Gespräch mit meiner Partnerin darüber und sie sagte auch dass es schon so in diese Richtung geht.
    Ich muss dazu sagen, dass meine Partnerin auch mal in dem Suchtbereich tätig war.
    Wenn ich mir den Verlauf meiner Alkoholabhängigkeit ansehe kann ich sagen, dass ich die Therapiemaßnahmen zu früh in Anspruch genommen habe und einige auch abgebrochen.
    Ich hätte erst eine Therapie machen sollen als ich so weit war und auch wirklich trocken leben wollte. Dann hätte ich sicher mehr für mich mitnehmen können.

    Ich halte es auch für falsch Jemanden sofort nach der Entgiftung in die Therapie zu stecken. Ich will auch nicht ewig darauf rumreiten aber wenn man sieht wieviel Geld in diesem Bereich verdient wird wundert es mich nicht.


    Lieben Gruß Olli

  • Hallo Andi,

    darf ich auch bei dir nachfragen wie hoch der Leidensdruck und der körperliche Verfall war ?

    Da gebe ich dir vollkommen recht, der Wille trocken leben zu wollen muss natürlich vorhanden sein.

    Es gibt aber auch viele die es wirklich wollen, auch entsprechende Hilfe annehmen es aber leider trotzdem nicht schaffen.

    Darum ist bei mir der Gedanke entstanden ob bei denen die es schaffen noch irgendwie etwas mehr ausgelöst wurde, irgendwas besonderes sozusagen.

    Das trockene Leben führen sie dann natürlich wie nach den Grundbausteinen, sonst klappt das ja nicht.

    Verstehst du was ich meine ?


    Lieben Gruß Olli

  • Hi Olli,

    das mit dem Verfall,Tiefpunkt und Leidensdruck kann ich Dir gern, wenn Du magst im geschl. Bereich schreiben. Ist mir bisserl zu persönlich im offenen WWW.

    Ob ich's denn tatsächlich einmal "schaffe" erzähl ich Dir dann in der Hölle bzw. schick Dir, guten Seele eine Brief nach oben in den Himmel ;) (Spaß)

    Vorher kann ichs Dir leider noch net sagen.....

    Gruß
    Andi

  • Hallo Olli,

    im Vergleich zu manch anderen Menschen ging es mir noch "gut".

    Ich hatte ein Dach über dem Kopf, genug zu essen und genug Geld.

    Ich hatte aber keine Arbeit und musste auch Nachts trinken um weite schlafen zu können.

    Ich wollte nicht mehr trinken müssen, also unternahm ich was.

    Bei den Lebensgeschichten habe ich ja meine Entgiftung beschrieben, hier der Link

    LG Martin

  • hallo

    ich habe ja eine thera gemacht, und im nachhinein kann ich sagen das sie mir schon geholfen hat. in den gesprächen habe ich gelernt die dinge anders zu sehen und mit ihnen anders umzugehen. vor allem probleme die mich sehr drückten eben nicht mehr zu ersäufen versuchen, sondern nach lösungswegen zu suchen. auch hab ich da gelernt zu mir selbst zu stehen, mein ich und sein nicht von der meinung anderer abhängig zu machen. meine entscheidungen nicht ständig in frage zu stellen. kurz, einfach ich sein wie ich es bin. da habe ich begriffen das es wurscht ist was andere denken solange ich mich mit allem wohl fühle. selbstwertgefühl und gesunden egoismus habe ich da gelernt. für mich ganz wichtige dinge auf dem weg in zufriedene trockenheit. und ich denke das das auch nachhaltig ist, wenn ich bedenke was bei mir privat eben alles passiert und schief läuft, vor 13 jahren wäre ich dauerbreit gewesen. heute kann ich auch diese schweren prüfungen in klarem kopf durchleben.

    das therapiene oft nicht helfen liegt in meinen augen sehr oft daran das sich der hilfesuchende nicht darauf ein läßt und nicht bereit ist fehlverhalten einzusehen und veränderungen herbei zu führen. das erleben wir ja hier im vorstellungsbereich beinahe täglich, so nach dem motto "wasch mir den pelz aber mach mich nicht nass". und dann taugen natürlich die shg oder therapeuten nichts. klar, schuld sind immer die anderen. damit sage ich nicht das es nicht auch therapeuten gibt die schlecht sind, bzw. wo die wellenlänge zwischen therapeut und patient nicht stimmt. letztendlich liegt es aber immer in der bereitschaft des betroffenen einzusehen das der bisherige weg falsch war und das gravierende veränderungen her müssen. wenn das nicht da ist, dann kann eben niemand helfen, das wissen wir hier ja nu auch zur genüge.

    doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo Andi,

    das ist völlig ok, jeder öffnet sich nur so weit wie er möchte :)

    Ich habe meinen Thread bewusst in den offenen Bereich eingestellt damit wirklich alle Mitglieder auch antworten können.

    Ich glaub ich komme dir dann eher in der Hölle gesellschaft leisten :wink::D

    Ob wir für immer trocken bleiben wissen wir ja alle nicht aber ich wünsche es Jedem hier.


    Ja Martin, die Beschreibung deiner Entgiftung habe ich gelesen. Das war schon ganz schön heftig und passt auch eher zu dem was ich meine finde ich.


    Lieben Gruß Olli

  • hallo olli

    ich habe auch keine therapie gemacht, wichtig ist für mich einfach hauptsache trocken, egal ob mit oder ohne therapie.

    manche brauchen sie, manche nicht, kommt wohl immer drauf an ob jemand seine vergangenheit aufarbeiten möchte oder nicht.
    grüße
    NNGNeo

  • Hallo Doro,

    du hattest also deinen persönlichen Tiefpunkt erreicht und hattest auch eingesehen Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen ?

    Bist du direkt nacht der Therapie trocken geblieben ?

    Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass trifft es sehr gut und das hatten wir ja erst.

    Insgesamt sind wir uns einig dass es keinen Sinn hat eine Therapie zu machen wenn die entsprechende Person dazu nicht die Einsicht hat.

    Wir hatten heute auch in dem anderem Thread die Aussage, dass vor einer Therapie eigentlich grundlegende und intensive Gespräche geführt werden sollten.

    Aber wer führt solche Gespräche schon ?

    Am Ende ging mir so durch den Kopf eigentlich führen wir diese Gespräche nur hier in der Selbsthilfegruppe.


    Lieben Gruß Olli

  • Hallo NNGNeo,

    was sagst du zu meiner Vermutung dass bei den Leute die es schaffen in irgendeiner Form ein gewisses Extra besteht ?


    Lieben Gruß Olli

  • hallo olli

    ja ich bin ohne rückfall trocken geblieben, wie gesagt, mir haben diese intensieven gespräche sehr geholfen. mir war klar das das, was ich bis dahin gemacht habe einfach falsch sein mußte, sonst hätte ich nicht gesoffen. ich wollte einen anderen weg lernen. und das hab ich auch. das größte problem der meisten menschen ist es ja fehler einzusehen, und sie dann auch noch zuzugeben. das ist nicht nur im bezug auf alkohol so, da stolpert man im leben fast täglich drüber. da wird vertuscht, verleugnet, beschönigt, nur nicht dazu stehen das man nen bock geschossen hat, diese mentalität macht es einfach so schwer veränderungen einzuleiten. denn man müßte zugeben das eigentlich das ganze bisherige leben ein riesen bock war. einfach ist anders.

    doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo Olli,

    nun kann ich nicht sagen ob oder wie eine Therapie mir geholfen hätte, da ich durch mich Trocken geworden bin . Durch mich heißt, das ich mich um das gekümmert hatte was notwendig war um nicht wieder Saufen zu müssen. Nach dem Arzt war das Forum meine Therapie und ich mein Therapeut.

    Ich kenne Alkoholiker die nach der Therapie sich zeitnah wieder mit Alkoholika eingedeckt haben aber auch (im sehr nahe Bekanntenkreis) jemanden, der bis zu seinem Tod über 10 Jahre trocken war.

    Was der Alkoholiker trocken werden lässt ist er selbst. Der Therapeut, der Arzt oder Partner kann nur begleitend hilfreich sein
    Therapie ist ja auch eine allgemein empfohlene Maßnahme von Ärzten . Ob sie nun Ahnung davon haben oder nicht. Es steht nun mal so in Ihrem Behandlungsbuch oder Vorgehensweise für Alkoholiker . Antrag stellen und fertig

    Zitat

    7,4 Milliarden Euro werden direkt im Gesundheitssystem jedes Jahr für Alkoholiker ausgegeben und wenn ich mich so umsehe frage ich mich mit welchem Erfolg ?

    Gegenargument . Weit aus mehr wurde für Krebserkrankungen oder Herzkreislauferkrankungen ausgegeben . Mit welchen Erfolg? :wink:


    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut,

    das ist es ja was ich eigentlich meine, du bist durch dich selbst trocken geworden. Du bist einer der wenigen trockenen Alkoholiker die zu den 5% gehören, irgendetwas muss doch vorhanden sein um dich von den 95% zu unterscheiden.
    Ich hatte die Vermutung angestellt dass eine Verbindung zu einem hohen körperlichen Verfall und Leidensdruck besteht.
    Wie ich bis jetzt mitbekommen habe kann man das daran auch nicht unbedingt fest machen.

    Zu deinem Gegenargument könnte ich nur spekulieren, da ich die Erfolgsaussichten bei Krebs- und Herzkreislauferkrankungen nicht kenne.
    Aus dem hohlen Bauch herraus würde ich sagen die sind bestimmt höher als bei uns Alkoholiker.

    Mein Bestreben ist auch nicht den Alkoholikern die Hilfe zu verweigern weil es rausgeworfenes Geld ist, Gott bewahre.

    Wie du sicher schon bemerkt hast bin ich eher ein Idealist und mich stört an der ganzen Tatsache dass sich große Institutionen gebildet haben die sich auf die Fahnen schreiben uns Alkoholikern zu helfen. Unterm Strich denen die Hilfe aber völlig egal ist weil sie sich eigentlich nur gebildet haben um ordentlich Kohle zu verdienen.
    Dafür könnte ich einige Beispiele anführen die ich persönlich schon kenne aber wir dürfen ja keine Namen nennen.

    Ich bin ja bloß ein ganz "normaler" Mensch und Alkoholiker in dem diese Frage aufgekommen ist und wahrscheinlich wird es für mich nicht zielführend sein diese Frage zu ergründen.

    Ich möchte noch ein Beispiel aus dem normalen Leben anführen.
    Ich kaufe mir jedes Jahr bestimmte Pflanzen für meinen Garten. Nach dem ersten Jahr gehen 95% dieser Pflanzen ein.
    Nach dem ersten Jahr sage ich mir, ok pech gehabt, ich habe eine schlechte Lieferung abgegriffen. Im zweiten Jahr kaufe ich mir wieder diese Pflanzen und auch davon gehen 95% ein.
    Bevor ich nun im dritten Jahr 95% von meinem Geld aus dem Fenster werfe mache ich mir doch Gedanken woran es liegt. Ich überlege ob es an mir liegt, ich die Pflanzen falsch gepflegt habe. Ob es an den Grundlagen liegt, ich zum Beispiel einen falschen Boden im Garten habe usw.

    Ich persönlich kann bei keiner Einrichtung in Deutschland erkennen dass sie sich darüber Gedanken machen warum es tatsächlich nur so wenige Alkoholiker gibt die trocken bleiben.
    Viel mehr kann ich erkennen, dass grundsätzlich die Statistiken geschönt werden und sie sich noch mehr schlaue Sachen einfallen lassen womit sie noch mehr Geld verdienen können.
    Ich habe letztens eine Klinik gesehen bei der man sich online anmelden kann und du kannst von denen wie soll ich sagen eine virtuelle Grundversorgung bekommen die natürlich Geld kostet, was sonst :roll:


    Lieben Gruß Olli

  • Hallo Olli

    meinst Du damit, daß evtl. garkein Interesse besteht (von Seiten des Gesundheits-Systems) eine nachhaltigere
    Behandlung von Alkoholikern zu finden? .... es gingen damit ja auch viele ständig wiederkehrende Patienten verloren?

    Und noch eine Frage:
    Der Grund weshalb Du trocken wurdest, war Dein Überlebenswille. Der muß aber dauerhaft bleiben. Macht es nicht einen Unterschied, erstmal nicht sterben zu wollen - dann aber auch einen triftigen Grund zum Weiterleben und zur Neugestaltung des Lebens zu haben? ... einen Grund, der nicht mit den nächsten Schwierigkeiten wieder zwischen den Fingern zerrinnt?

    Ist dazu nicht eine gewisse Neu-Aufstellung, eine gewisse Sinn-Findung notwendig, damit das Bestand hat? Vielleicht unterscheiden sich eben die Gründe für das Aufhören stark (drohende Scheidung, Verlust von Führerschein und Ansehen, Verlust des Lebens)... aber nicht die Gründe fürs Trocken-Bleiben = Gewinn einer neuen Lebenseinstellung.

    Fragende Grüße einer nicht suchtkranken, aber
    durchaus schon oft lebensmüde gewesenen
    Nys

  • Hallo Nys,

    das zu unterstellen wäre ja schon böswilligkeit, soweit möchte ich nicht gehen.
    Ich würde es eher so ausdrücken, dass der Profit im Vordergrund steht der zu verdienen ist als diesem Menschen zu helfen der seine Therapie absolviert.
    Diese Einrichtungen arbeiten eher nach dem Moto 95% von denen saufen am Ende eh wieder also was solls, da muss ich mir kein Bein ausreissen.

    Auch da darf man nicht pauschalisieren, es gibt durchaus Kliniken die sich sehr viel Mühe geben. Mir ist aber aufgefallen, dass sich in diesem Bereich sehr viele schwarze Schafe tummeln.

    Aus meiner Sicht ist der triftige Grund das "Überleben wollen". Ich kann das ja auch hier im offenen Bereich mal schreiben. Bei mir war es damals so, dass ich in meiner Wohnung mit einem Krampfanfall am Boden lag. Durch Zufall kam zu diesem Zeitpunkt meine Partnerin mich besuchen und ich wurde mit der Feuerwehr ins Krankenhaus gebracht. Das war ein großes Glück für mich, ohne dem würde ich heute vielleicht nicht mehr leben.

    Das gab mir damals die entsprechende Motivation, ich habe mich dafür entschieden leben zu wollen und ich hatte diesen ewigen Kreislauf und die Quälerei so satt.
    Aus dieser Motivation heraus stellt man natürlich sein Leben um, sonst ist es ja zum scheitern verurteilt. Ich persönlich denke der Überlebenswille war bei mir der ausschlaggebende Grund der auch bis heute erhalten geblieben ist.
    Ich weiß bei welchem Punkt ich wieder landen werde wenn ich jetzt wieder anfangen würde zu trinken und dieser Weg würde nicht mehr sehr weit führen.

    Ich habe mich damals sozusagen über ein Jahr selbst weggesperrt, ich habe mir jegliche Möglichkeit genommen trinken zu können und habe erst mal wieder gelernt das Leben zu leben ohne Alkohol. Aber selbst nach dieser Zeit und der Entscheidung leben zu wollen hatte ich zwei Situationen in meinem Leben die mich aus der Bahn geworfen haben und ich hatte jeweils einen Rückfall. Allerdings muss ich sagen, dass diese Rückfälle bei weitem nicht mehr so ausgesehen haben wie vorher. Als mir beim trinken klar wurde was ich da eigentlich mache habe ich es sofort abgebrochen und mich nicht wieder bis zur Besinnungslosigkeit zugeschüttet.

    Habe ich damit deine Frage einigermaßen beantwortet ?


    Lieben Gruß Olli

  • Zitat von Nys


    Und noch eine Frage:
    Der Grund weshalb Du trocken wurdest, war Dein Überlebenswille. Der muß aber dauerhaft bleiben. Macht es nicht einen Unterschied, erstmal nicht sterben zu wollen - dann aber auch einen triftigen Grund zum Weiterleben und zur Neugestaltung des Lebens zu haben? ... einen Grund, der nicht mit den nächsten Schwierigkeiten wieder zwischen den Fingern zerrinnt?

    Ist dazu nicht eine gewisse Neu-Aufstellung, eine gewisse Sinn-Findung notwendig, damit das Bestand hat? Vielleicht unterscheiden sich eben die Gründe für das Aufhören stark (drohende Scheidung, Verlust von Führerschein und Ansehen, Verlust des Lebens)... aber nicht die Gründe fürs Trocken-Bleiben = Gewinn einer neuen Lebenseinstellung.
    Nys

    Hallo Nys,
    ich finde Deine " Fragen" sind für mich persönlich schon ein Teil guter Antworten.

    Gruß
    Andi

  • Hallo Karsten,

    da kann ich Parallelen ziehen, ich war auch ein solches Paradebeispiel bei den unzähligen Entgiftungen die ich hatte.

    Auch ich hatte eine gute Kindheit, ich bin unbeschwert aufgewachsen und hatte ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Ja, dann hatte ich eine ambulante Psychotherapie und der Diplom Psychologe war völlig verzweifelt dass er nicht im Urschleim meiner Kindheit anfangen konnte. Das bringt diese Menschen völlig aus dem Konzept aber das hat einen anderen Hintergrund den ich hier nicht anführen möchte, das würde den Rahmen des Themas sprengen.
    Vielleicht machen wir zu diesem Thema später mal einen eigenen Thread auf.


    Durch diese Gespräche hier und unter dem Hintergrund dass ich manchen Institutionen unterstelle nur Geld zu verdienen ging mir eben durch den Kopf wie würde ich eine Therapie gestalten.
    Vorweg möchte ich sagen es ist nur meine Sichtweise wie ich es machen würde nach meinen Erfahrungswerten.

    Ich würde eine Stadt gestallten in der alles vorhanden ist wie jetzt auch im normalen Leben aber in dieser Stadt gibt es keinen Alkohol. Ich werde als Alkoholiker nirgendwo mit dem Alkohol konfrontiert, nicht im Geschäft, nicht in der Werbung, eben absolut gar nicht. In dieser Stadt lerne ich wieder normal Leben zu können, ich würde einen Zeitrahmen in etwa von zwei Jahren vorgeben. In dieser Zeit mache ich was ich sonst normaler Weise auch machen würde, arbeiten gehen, sport machen, ins Kino gehen usw.
    Für mich wäre die Grundlage wirklich einfach erst mal wieder ein normales Leben führen zu können ohne einer Versuchung ausgesetzt zu werden.
    Natürlich mit einer entsprechenden Unterstüzung wenn diese erforderlich ist und natürlich mit Gesprächen in Selbsthilfegruppen.

    Wenn ich es dann gelernt habe wieder ein normales Leben führen zu können würde ich vorsichtig zum nächsten Schritt übergehen. Die Erarbeitung der Rückfallprohylaxe, was hat bei mir früher Suchtdruck ausgelöst, welche Risikominimierung muss ich betreiben usw.
    Das Ganze aber wirklich kleinschrittig damit ich den Menschen nicht gleich wieder überfordern werde. Im Grunde wie bei einem kleinen Kind, ich lerne Schritt für Schritt wieder das Laufen.
    Dafür würde ich keine Zeitvorgabe machen, jeder sollte in Ruhe lernen können wie entziehe ich mich erfolgreich entsprechenden Risikosituationen.
    Aus meiner Sicht ist das Trockenwerden ein langer Lernprozess, um eine einigermaßen gute Stabilität zu erreichen braucht es einfach viel Zeit.

    Das ganze würde sich mehr oder weniger selbst tragen, da ja die meisten ihrer normalen beruflichen Tätikeit nachgehen.

    So in etwa würde ich es mir vorstellen, natürlich könnte man bestimmt hier und dort einen gewissen Feinschliff vornehmen.


    Lieben Gruß Olli

  • Hallo Karsten,

    das ist ein was wäre wenn, da hast du vollkommen recht.

    Wir müssen uns mit den Begebenheiten abfinden und diese sind dass 95% es nicht schaffen nach dem jetzigen Angebot dauerhaft trocken zu leben.
    Leider machen sich die entsprechenden Menschen die diese Tatsache vielleicht verändern könnten keine Gedanken darüber es zu verändern.

    Darum war dies mein Vorschlag wie man es eventuell verändern könnte.


    Lieben Gruß Olli

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