• Hallo Aliengirl,

    so manch einer ist überzeugt, nicht mehr saufen zu wollen und das auch zu schaffen.
    Vielleicht hat Dein Freund nur eine längere Trinkpause gemacht, wer weiß das schon?
    Warum denkst Du, das DU was mit seinem Rückfall zu tun hast?
    Jeder ist für sich selbst verantwortlich, auch für die eigenen Trockenheit.
    So auch Dein Freund.

    Ich frage mal so rum, hat DICH das Gespräch evtl. getriggert? 8)
    Ein Rückfall eines engen Freundes kann einen eigenen Rückfall nach sich ziehen, wenn da zu wenig Abgrenzung ist.
    Da könnten Gedanken auftauchen wie "Wenn der es nicht schafft, schaffe ich es sicher auch nicht... dann kann ich eigentlich auch gleich wieder saufen".

    Also frage ich, wie geht es DIR?

    LG Sunshine

  • Liebe Sunshine!

    Mich hat das Gespräch schon etwas aus der Bahn geworfen. Aber ich habe kein Verlangen gehabt jetzt Alkohol zu trinken. Ich fühle mich nach wie vor mit meiner Entscheidung sehr gut, weil es mir eben körperlich sehr gut geht. Fühle mich ungelogen 10 Jahre jünger, oder ich habe mich zu meinen Saufzeiten eben unendlich alt gefühlt....
    Allerdings sollte ich meinen Freund jetzt definitiv nicht treffen, das würde definitiv eine Gefahrenquelle für mich sein. Er meine er weiss ja, dass er jederzeit aufhören kann, er weiss ja das es geht.... Genau das hat micht stutzig gemacht. Ich glaube, sein Suchtgedäxhtnis hat ihm eben eine ganz böse Falle gestellt. Ich finde es schön hier lernen zu können und hoffe selber den Fallen ausweichen zu können.... danke für die Hilfe:)

  • Ja Aliengirl, das glaube ich gern, das einen so ein Gespräch etwas umhauen kann.
    Darum fragte ich, wie es DIR geht nach dem Gespräch.

    Zitat

    Ich fühle mich nach wie vor mit meiner Entscheidung sehr gut, weil es mir eben körperlich sehr gut geht. Fühle mich ungelogen 10 Jahre jünger, oder ich habe mich zu meinen Saufzeiten eben unendlich alt gefühlt....


    Das ist doch super !
    Ich habe das auch oft verglichen, wie es mir zu Saufzeiten ging und um wie viel besser danach !
    Ich wollte dahin wirklich nicht zurück.

    Zitat

    Allerdings sollte ich meinen Freund jetzt definitiv nicht treffen, das würde definitiv eine Gefahrenquelle für mich sein.


    Das denke ich auch, so traurig es vielleicht auch ist.
    Aber Deine eigene Sicherheit geht vor. Und da musst Du halt auch selbstverantwortlich handeln.

    Zitat

    Er meine er weiss ja, dass er jederzeit aufhören kann, er weiss ja das es geht....


    So ist es. Und er weiß sicher auch, wo er Hilfe finden kann.

    Zitat

    Genau das hat micht stutzig gemacht. Ich glaube, sein Suchtgedächtnis hat ihm eben eine ganz böse Falle gestellt.


    Man weiß es nicht...

    Zitat

    Ich finde es schön hier lernen zu können und hoffe selber den Fallen ausweichen zu können.... danke für die Hilfe:)


    Gerne :)

    LG und schlaf gut !
    Sunshine

  • Aliengirl, die Fitness und das bessere Körpergefühl kommen auch davon, dass Du nicht mehr qualmst.... Ich habe bislang 3 oder 4x mit dem Rauchen aufgehört, habe das nervlich nicht geschafft, aber körperlich war es irre und der reinste Jungbrunnen... Die Raucherei ist meine nächste Baustelle, ich wollte aber nicht noch eine Front gleichzeitig haben. Klasse, dass Du dies auf einmal erledigt hast, Hut ab!

    Den Kontakt zu Deinem Freund halte ich für hochgefährlich. Er ist für mich auf dem Level wie etwaiger Kontakt von mir zu damaligen Saufbrüdern beim Fußball, eher noch stärker, denn ihr habt ja durch vergangene Beziehungen und Erlebnisse eine ganz andere emotionale Ebene.

    Man liest hier viel von Dir, dass Dich das triggert, das auch, das auch und das.... Hinterfrage doch mal, warum gerade DAS oder DAS oder DAS die Erinnerung an den Alk hervorholt.

    Wenn Du dann die echte Ursache kennst, kannst Du dagegen angehen.

  • Guten Morgen,

    nun möchte ich mal ein bisschen ausführlicher bei Dir schreiben, ich hab immer wieder mal hier mitgelesen. Ich weiß nicht, ob Du bei mir gelesen hast, aber ich habe auch zwei Kinder, bin alleinerziehend. Naja, bis Mai letzten Jahres habe ich mit meinem Partner zusammen gelebt, als alleinerziehend betrachte ich mich trotzdem, da es immer so lief, dass ich mich ausschließlich allein um die Erziehung meiner Kinder gekümmert habe, mit Hilfe des Vaters der Kinder, der sich auch viel kümmert. Dennoch weiß ich, wie kraftraubend das sein kann, allein mit Kind oder eben Kindern.
    Es ging mir auch oft so, dass ich mir die Weinflaschen aufgerissen habe, um einfach entspannter mit dem Stress umzugehen und "lustiger" drauf zu sein. Was für ein riesiger Mist.....

    Ich weiß nicht, ob Du es bei mir gelesen hast, ich hab neulich mal kurz das Thema angerissen, was die Schuldgefühle meinen Kindern gegenüber angeht. Jedenfalls....
    Lass Dir eines gesagt sein: Sei froh, dass Dein Kind erst 3 Jahre alt ist und Du so rechtzeitig die Reißleine gezogen hast. Es gibt für Kinder doch kaum etwas schlimmeres, als eine Mutter, die ständig trinkt. Ich weiß nicht, wie es bei Dir ausgeartet ist, aber mir haben meine Kinder definitiv angemerkt, wenn "Mama wieder so komisch drauf war". Und selbst wenn Du das noch gut verstecken konntest, es wäre mit Sicherheit so gewesen, dass es sich irgendwann verschlimmert hätte und dann hätte Dein Sohn es auch mitbekommen. War doch ein Sohn? Ich glaube ja....

    Glaub mir, die Schuldgefühle, die man dann hinterher hat, die sind nicht ohne. Sei froh, dass Du Deine Entscheidung relativ rechtzeitig getroffen hast, solange Dein Kind noch nicht allzu viel davon mitbekommen hat.

    Die Sache mit Deinem Kumpel kann ich sehr gut nachvollziehen. Wenn er letztendlich ein Mit-Auslöser war, den Dreh zu bekommen, mit dem Trinken aufzuhören und er jetzt wieder zurück rudert, dann kann ich mir das auch echt schwer vorstellen. Aber gut, dass Du erkannt hast, dass er Dir nicht gut tut zur Zeit. Schade, es hätte wirklich schöner sein können, wenn er auch trocken geblieben wäre.

    Aber allein, dass er Dir erzählt, wie viel er denn WENN trinkt, zeigt, dass er gar nichts mehr im Griff zu haben scheint, schon jetzt nicht mehr, denn sonst würde er sich nicht rechtfertigen. Dass er weiß, wie es geht, wieder aufzuhören, das mag ja sein. Aber dieses Argument sollte man für sich niemals nutzen. Denn als zweiten Gedanken sollte man immer haben, dass man ja auch weiß, WIE LANGE es dauert, bis man wieder aufhört.

    Ich habe auch einen Kumpel, seit fast 20 Jahren. Er kommt alle paar Wochen mal bei mir vorbei und wir haben grundsätzlich zusammen einen gebechert und einen ausgedröhnt. Er weiß, dass ich nichts mehr trinke. Am Anfang hat er mich nicht richtig ernst genommen. Silvester hatte ich allerdings ein Gespräch mit ihm, da hat er dann begriffen, dass es mir sehr wohl ernst ist und er hat mir gesagt, wie toll er das findet. Ich bin sicher, dass er weiß, dass er für sich genau das gleiche tun sollte. Ob er irgendwann die Kurve bekommt, das weiß ich nicht. Aber damit möchte ich mich auch nicht befassen. Die Treffen sind weniger geworden, seit dem ich nichts mehr trinke. Aber das war mir klar und stört mich auch nicht. Dennoch kommt er vorbei ab und zu, da wird dann eben nicht getrunken, sondern nur geklönt. Ist mir lieber, wenn wir uns seltener sehen bzw. es stört mich nicht. Wichtiger ist mir eben, dass er seinen Besuch bei mir nicht mehr mit Alkohol trinken verbindet. Denn die Zeiten sind vorbei....

    Mir ging es übrigens ähnlich mit dem Kochen! Ich fand das immer toll. Anfangen, irgendetwas zu schnippeln und vorzubereiten und das Glas Wein stand immer nebenbei. Das verbindet mein Suchtgedächntnis natürlich mit etwas Tollem. Gemütlich, dieses angeschwipste Gefühl.... Solange ich am Kochen war, hat das meist auch noch angehalten. Aber danach???? Ich hab danach ja nie die Flasche weggestellt und meinen Tag "normal" beendet. Das Kochen mit Wein war nur der Startschuss für einen Abend, an dem ich total besoffen irgendwann ins Bett gefallen bin, weil ich einfach kein Ende gefunden habe.

    Von daher: Nächstes Mal, wenn Du daran denkst, wie es doch beim Kochen war, dann denke es zu Ende.... Wie es denn war, als Du weiter getrunken hast und wie es Dir nächsten Tag ging. Und alles nur, um diese kurze Gemütlichkeit beim Kochen zu haben. Das ist es nicht wert.

    Wenn ich jetzt koche, dann stelle ich mir manchmal ein schönes Glas Saft nebenbei oder Kaffee und mache mir Musik an, lass die Kinder mit helfen oder was auch immer. Ich denke auch manchmnal daran, wie ich sonst gekocht habe. Aber wie gesagt: Ich denke dann den Abend immer zu Ende und dann vergeht mir die Lust auf ein Glas Wein. Denn bei einem Glas Wein ist es ja nicht geblieben.

    Ich finde, Du machst das alles sehr gut und wenn Du einmal zweifelst, ob es doch nur eine Trinkpause sein sollte, dann denk an Dein Kind und lass Dir gesagt sein, dass es zu 100 % leiden wird, wenn es nur eine Trinkpause ist. Denn wenn man einmal an dem Punkt ist, wo Du jetzt bist, dann KANN man NIE WIEDER normal trinken. Das gibt es einfach nicht. Weder bei Deinem Kumpel, noch bei Dir oder bei sonst irgendwem. Es mag sein, dass es eine Weile dauert bis zum totalen Absturz. Aber der wird kommen.

    Deine Entscheidung ist also genau richtig und ich finde es toll, dass Du die getroffen hast. Bleib dabei!!

  • Zitat

    Mir ging es übrigens ähnlich mit dem Kochen! Ich fand das immer toll. Anfangen, irgendetwas zu schnippeln und vorzubereiten und das Glas Wein stand immer nebenbei. Das verbindet mein Suchtgedächntnis natürlich mit etwas Tollem. Gemütlich, dieses angeschwipste Gefühl.... Solange ich am Kochen war, hat das meist auch noch angehalten. Aber danach???? Ich hab danach ja nie die Flasche weggestellt und meinen Tag "normal" beendet. Das Kochen mit Wein war nur der Startschuss für einen Abend, an dem ich total besoffen irgendwann ins Bett gefallen bin, weil ich einfach kein Ende gefunden habe.

    So war es auch bei mir, erkenne mich da 100% wieder.
    Beim Kochen war es ja geradezu legitim, zu trinken, denn man arbeitete ja auch dabei und dann darf man sich auch belohnen, nicht wahr?
    Bei mir war es ebenso, wenn ich beispielsweise im Garten arbeitete und ein Beet schön angelegt hatte mit Unkrautrupfen etc.
    "Natürlich" trank ich danach, das hatte ich mir doch schließlich verdient !
    So habe ich mir natürlich auch ein einwandfrei funktionierendes Suchtgedächtnis angelegt.
    Und mit dem Belohungszentrum hat es sicher auch viel zu tun.

    Tja, nun nie mehr zu kochen oder den Garten total verkommen zu lassen erschien mir auch nicht als wirkliche Alternative :lol:
    Also mußte ich mir neue Rituale und Belohnungen ausdenken.
    Und das geht auch.
    So muss man halt die Birne mit der Zeit umprogrammieren, die Festplatte immer wieder überschreiben oder wie auch immer man das nennen will.

    LG Sunshine

  • Es gab bei uns auch viel Gerichte, in die Alkohol hineinpassten - mussten. :(
    Da war die Flasche Wein doch legitim.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Also, ich musste auch beim Kochen Rotwein etc. durch andere Substanzen ersetzen. Beim Kochen habe ich nie getrunken, aber vorher und nachher....

    Es ist kein Problem, ohne Rotwein zu kochen und selbst dann ne Hammersauce hinzukriegen, ich habe einfach O-Saft genommen, hat super geklappt. Was ich gemerkt habe ist, dass ich beim Kochen allem mehr Zeit lasse, auch mir selber... Wirkt sich massiv auf die Qualität des Essens aus. So gut wie jetzt und auch so gerne habe ich nie gekocht. Als ich gesoffen habe, habe ich ja nicht mal was gegessen...

  • Dass es gute Alternativen gibt, das stimmt. Ich hab aber den Wein nicht vorwiegend in das Essen getan, sondern getrunken. Deshalb verbinde ich das Kochen leider damit. Also ganz zuerst mehr, inzwischen hab ich oft genug ohne den Wein gekocht, so dass das normal geworden ist :)

  • Liebe Cadda,
    Vielen Dank für Deine Worte hier und ich habe heute in der Tat recht viel von Dir gelesen, bin allerdings noch nicht ganz durch. Ich finde es ganz toll wie Du das ganze umsetzt und ich kann gerade die Schuldgefühle den Kindern gegenüber soooo gut verstehen. Ich war eben auch an einem Punkt, wo ich mir gedacht habe, dass ich das so nicht weitermachen kann und will, eben auch aus Verantwortung meinem Sohn gegenüber. Er hat es zwar nicht soo mitbekommen, aber ich habe ihn regelmäßig mit einer Fahne ins Bett gebracht und ihn abends oft einfach vor den Fehrnseher gesetzt, war oft ungeduldig oder wie Du auch gesagt hast, eben nur physisch anwesend....das hat gereicht!
    Vielen Dank auch für den Tip Gedanken zu Ende zu denken....
    Gartenarbeit und Kochen mit ein bis zwei bis drei Flaschen Wein, waren eben schon die Regel so ziemlich jeden zweiten bis dritten Tag oder auch öfter...
    Ich habe eben auch den Rausch genossen und zum Teil dann gar nicht mehr selber gegessen....es war nicht kochen um zu essen, sondern kochen um zu trinken...wie absurd!

    Heute stiefelt dann eine Nachbarin bei mir abends rein, mit ner Flasche Wein in der Hand. Sie weiss bescheid! Ihre Aussage: Trinkst Du immernoch nichts? Ich: nein, natürlich nicht! Sie: aber es stört dich ja nicht , wenn ich ich was trinke, ... da sitzt sie schon am Tisch und macht siche den Wein auf und fragt micht nach einem Glas. Ich kam mir total überfahren vor. Gerade nach meinem Gespräch mit meinem Kumpel gestern war ich heute eh den ganzen Tag etwas Gereizter als die bisherigen Tage meiner Nüchternheit....
    Ich habe aber nicht das Gefühle gehabt trinken zu müssen. Ich habe ihr dann gesagt evtl mal eine Kur machen zu wollen oder eben eine Therapie, die Antwortunfassbar: also Du bist doch nicht abhängig, denkst Du exht dass Du ein Problem hast. Ja, sonst hätte ich nicht aufgehört und das schon mal a allen gesagt. Dann ihr einwurf: auf keinen Fall eine Kut oder Therapie mit der Thematik, dann bist Du für immer abgestempelt...bei der Krankenkasse, beim Arbeitgeber, nehme meinen gut gemeinten Ratschlag an und mache das auf keinen Fall.....
    Ich wusste gar nicht mehr was ich sagen sollte und war echt froh wieder alleine zu sein, weil Verständnis sieht anders aus. Muss dazu sagen, dass diese Nachbarin davor mindestens 2 Mal die Woche bei mir war zum Weintrinken, jetzt seit Weihnachten war sie das erste mal da....
    What a day!!!!!

  • Hallo Aliengirl,

    Zitat

    auf keinen Fall eine Kut oder Therapie mit der Thematik, dann bist Du für immer abgestempelt...bei der Krankenkasse, beim Arbeitgeber, nehme meinen gut gemeinten Ratschlag an und mache das auf keinen Fall.....

    wie kannst du auch auf die Idee kommen so etwas zu machen :?:

    Da ihr auch zusammen getrunken habt müsste sie doch dann evtl. auch eine Therapie machen.

    Getreu dem Motto, die die mit mir saufen haben doch kein Alkoholproblem,

    hört einer davon auf ist er Alkoholiker :roll:

    LG Martin

  • Lieber Martin,

    Danke für Deine Anteilnahme. Ich war eben echt etwas vor den Kopf gestossen. Genauso von meiner Mutter, die im Urlaub ist und mir schon mindestens drei Mal am Telefon erzählt, dass sie gerade gemütlich einen Wein, oder einen Sekt oder eine Sangria trinken.. . .wollen die mich alle verarschen? Haben die den Knall nicht gehört? Ich habe es meiner Familie und meinen Freunden gesagt...war ich zu undeutlich?
    Puh, heute war ich nicht im Fitness, das kommt natürlich erschwerend hinzu....

  • Aliengirl, hätte es den Satz mit dem gar nicht so viel essen können wie man jetzt kotzen möchte nicht schon vorher gegeben, wäre er wohl in der Situation mit Deiner Nachbarin erfunden worden.

    1) Säuft sie selber und rät Dir von einer Therapie o. ä. ab, weil sie dies als Verrat an der Sache ansieht. Ich hatte auch einige Leute, die dann auf einmal extrem kurz angebunden waren, als ich ihnen eröffnete, dass ich in der Entgiftung war und nie wieder trinke. Lustigerweise eben auch mein Nachbar, mit dem ich so manche Pulle gekillt habe. Abhaken, ist nur Neid, weil Du den Schritt gegangen bist und auch weitergehst, den sie auch gerne gehen würde, ihr fehlt aber die Kraft. Das Wissen um ihre Situation hat sie sicherlich... Hat jeder Alkoholiker, gesteht sich aber nicht jeder ein

    2) Abgestempelt als was? Und wo? Bei der Krankenkasse? U. a. um eben Alkoholismus zu behandeln, gibt es doch überhaupt KK, oder wofür gibbet die sonst? Beim Arbeitgeber? Die allermeisten AG sehen es positiv, wenn man eine Therapie macht, da Du im öffentlichen Dienst arbeitest (war doch so, oder?) ist die Chance unter Null, dass Dir hier irgendwas Negatives passieren kann. Mit den Kollegen kann es evtl. was anderes sein, musst Du beurteilen... In meiner Welt ist es egal, ob jemand wegen Blinddarm im KH war oder zur Entgiftung, jeder, der das anders sieht und mich deswegen diskriminiert, kann mich kreuzweise und wird abserviert

    3) Kann verstehen, dass Du perplex warst, aber es wäre eine sehr schöne Gegenfrage gewesen, ob und wenn ja wie lange her Deine Nachbarin denn schon mal einen Monat keinen Tropfen Alkohol zu sich genommen hat. Heute ist Dienstag! Ist es da normal, sich ne Flasche Wein zu ziehen (normal ist das auch Samstags nicht)...

    3) Sie war vorher 2x die Woche bei Dir zum Saufen, dann hast Du ihr gesagt, dass DU nicht mehr trinkst, und auf einmal kommt sie dann 1 1/2 Monate nicht mehr zu Dir... Zeigt doch, dass für sie der Sinn Eures Kontaktes nur im gemeinsamen Saufen bestand. Kein Verlust...

    Sieh die Sache mal positiv: Du bist standhaft geblieben und hattest eine absolut direkte Konfrontation mit Alkohol, nicht am Telefon (Bekannter) oder indirekt, weil jemand auf der Terrasse geraucht hat oder oder oder weil... Schlimmer und direkter als heute geht nicht, aber Du hattest nicht das Gefühl, trinken zu müssen.

    Dies wird Dich weiter festigen!

  • Lieber Thomas,

    danke für Deine Worte, kann ich heute wirklich gebrauchen.
    Ja, meine Nachbarin ist schon recht trinkfreudig, allerdings habe ich meistens weitergetrunken, wenn sie nach ihrer ersten Flasche nach hause ging und sich hingelegt hat. Muss dazu sagen, dass sie so das Alter meiner Mutter hat, also über 20 Jahre älter ist als ich, es aber letztes Jahr persönlich nicht gerade leicht hatte. Zu meiner nassen Zeit, hatten wir die Thematik ja schon auf dem Tisch und sie selber was der Meinung, dass unser Alkoholkonsum grenzwertig sei und uns mancheiner durchaus als Alkoholiker bezeichnen könnte....deswegen wundert mich die heutlige Aussage. Als ich gesagt habe, dass ich in fünf Jahren eben nicht mit einer durchlöcherten Leber dasitzen, liegen oder gar nicht mehr sein will, fragte sie, ob es denn wirklich so schlimm sei....Ja, wenn man alle 2Wochen einen Wäschekorb mit Weinflaschen wegbringt...schon!
    ber ich weiss selber, dass man manche Dinge einfach versucht auszublenden, oder sich schönzureden. Wie Du so schön sagtest, man muss eben hundertprozentig ehrlich zu sich selbst sein.... um zu verstehen um zu lernen.
    Gerade für mich und andere, die das Leben drumherum in der nassen Zeit noch irgendwie gewuppt haben und noch nicht einen totalen Absturz hatten, also den maximalen Tiefpunkt nicht erlebt sondern nur erahnt haben, ist diese Reflexion von größter Bedeutung.
    Liebe Grüße von Aliengirl

  • Guten Morgen,

    weißt Du Aliengirl, das war ja mal echt eine beknackte Situation. Also gut, dass Du da standhaft geblieben bist.
    Wenn sich so eine Situation noch einmal ergibt, würde ich vielleicht noch einmal deutlicher sagen, dass Du definitiv nichts mehr trinken möchtest und auch die Worte NIE WIEDER benutzen. Sonst steht sie alle paar Wochen auf der Matte und hofft, dass Du es Dir überlegt hast bzw. Deine "Trinkpause" (sie wird hoffen, dass es nur eine ist) beendet hast.

    Dass sie Dir einredet, dass alles nicht so schlimm ist, das ist doch klar. Wenn Du ihr das glaubst und wieder trinken würdest, wäre es doch schöner für sie. Aus ihrer Sicht sogar verständlich. Wenn ich zu Zeiten, wo ich noch gesoffen habe, eine Freundin oder Kumpel gehabt hätte, mit dem/der ich regelmäßig schön einen bechern konnte, der/die mir dann sagt, dass er oder sie nichts mehr trinkt, hätte ich das vermutlich auch schade gefunden. Und wenn ich dann noch weiß, dass ich selbst ein Problem habe und der andere erkennt für sich ein Problem und handelt sogar, dann hätte ich auch das Bedürfnis, der Person das schön zu reden und mir somit gleich mit.

  • Zu den Situationen am Telefon mit Deiner Mutter wollte ich auch noch kurz was sagen:
    Ich denke, auch sie wird es vielleicht schade finden, ich weiß es nicht. Habt ihr manchmal zusammen Wein oder ähnliches getrunken, was jetzt wegfällt? Also wo aus ihren Augen die "gemütlichen Gespräche mit ihrer Tochter bei einem Glas Wein" wegfallen?

    Trotzdem schade, denn man sollte doch eigentlich wissen, gerade wenn es die Tochter ist: So eine Entscheidung von Dir, die trifft man ja nicht ohne Grund. Selbst wenn man dann selbst nicht so von dem Ausmaß wusste, müsste einem doch spätestens, wenn diese Entscheidung getroffen wurde, bewusst werden, dass es schon ganz schön weit fortgeschritten zu sein scheint. Man trifft so eine Entscheidung, nichts mehr trinken zu wollen, ja nicht ohne Grund.

    Ich würde Dir den Rat geben, noch einmal klar und deutlich Deinen Standpunkt mitzuteilen. Gar nicht große Reden schwingen. Einfach nur, dass Du bitte ernst genommen werden möchtest, mit Deinem Vorhaben, nichts mehr zu trinken und dass Du Dich über Unterstützung freuen würdest und die sieht halt anders aus, als bisher....

    Toll finde ich von Dir, wie empört Du über das Verhalten bist und reagierst. So nach dem Motto "Haben die einen Knall?!". Das zeigt, dass Du nicht ins Zweifeln kommst und solche Gedanken hast, wie "Mmmmh, haben die vielleicht doch Recht, dass es nicht so schlimm ist?" (dann hätten sowohl Deine Bekannte, als auch Deine Mutter, ihr Ziel nämlich erreicht).

    Man merkt Dir an, dass Du Dich in den Gedanken nicht aus der Bahn werfen lässt und nach wie vor überzeugt davon bist, was Du tun möchtest. Bleib dabei und finde kurze, klare Worte für Deine Entscheidung. Dann werden es auch die Letzten kapieren, dass es Dir ernst ist :)

    Dass Du nicht im Fitnessstudio warst, ist nicht soooooo schlimm :)
    Ich finde da übrigens auch eine Parallelen zwischen uns. Ich bin auch auf einmal völlig sportlich geworden, seit dem ich nichts mehr trinke :D
    Kennt man gar nicht von mir :)
    Allerdings hat die Anfangseuphorie ein wenig nachgelassen, zumindest was das Fitnesstudio angeht. Ich hab es irgendwie für mich entdeckt, zu Hause Sport zu machen bzw. einfach draussen zu joggen, walken oder einfach nur lange spazieren zu gehen. Aber ich denke, das ist auch ok, Hauptsache irgendetwas machen. Einfach weil es oftmals ablenkt und eben auch der Seele gut tut! Da will ich unbedingt bei bleiben. Dass man dann nebenher noch etwas an Gewicht verliert, finde ich auch nicht gerade schlimm :D

  • Hallo Aliengirl,

    ich hoffe mal, bei Dir ist alles im Lot und die Verwirrung und Irritationen, vor allem aber auch der Ärger, haben sich gelegt.

    Ich erlebe gerade in diesen Sekunden, wie fremd in puncto Alkohol doch die Restwelt ist. Ich trinke meinen Morgenkaffee, nebenbei läuft Moma und hier wird dann gezeigt, wie die Narren heute Weiberfastnacht feiern. Es gibt gute praktische Tipps, wenn man (sorry für die brachiale Sprache) sich schon morgens um 10 den Arsch komplett zugesoffen hat und dennoch den Tag und die Karnevalseröffnung in Köln erleben will.

    Alk ist selbstverständlich und ich kann mich nur wiederholen: Wieso wird nicht mal jemand gezeigt, der sich verkleidet ne Bahn Koks zieht, nen Joint raucht oder ganz ohne Kostüm aussieht wie ein Crastal-Junkie? Wäre doch ehrlicher, oder?

    Was ich damit sagen will: Wir müssen nun mal damit leben, dass die Gesellschaft das für uns überlebenswichtige Thema Alkohol bagatellisiert. Dies passiert nicht nur im Fernsehen, sondern auch im ganz engen Umfeld. Die einzigen beiden Lösungen sind meiner Meinung nach, einen Haken dran zu machen und eben damit zu leben und sich auf seine eigene Trockenheit zu fokussieren (ich bin heute um 11:11 Uhr definitiv nüchtern und muss morgen früh auch nicht den heutigen Tag verfluchen, weil ich einen dicken Kopf habe) oder aber z. B. mit Deiner Mutter offen darüber zu reden, dass das Thema Alkohol durch ist und dass es alles andere als hilfreich ist, wenn sie das Thema Dir gegenüber bagatellisiert.

    Gib doch mal nen Laut von Dir, wie es Dir geht...

  • Liebe Cadda,

    Ja ich glaube es ist wirklich wichtig noch einmal vor den besagten Personen klar zu stellen, dass ich NIE WIEDER Alkohol trinken möchte und werde. Vielleicht war es wirklich zu undeutlich, gerade am Anfang, weil es ja auch eher als Pause bzw. Aufhören ohne genau zu wissen was passiert, also unvorbereitetes Aufhören begann. Da muss ich jetzt definitiv nochmal nachbasteln um die Wichtigkeit meines Lebensprojekts zu untermauern:)
    Vielen Dank für den Gedanken, bringt wahrscheinlich mehr als sich ständig über sowas aufregen zu müssen oder sich vielleicht noch in Gefahr zu bringen. Vielen Dank dafür.
    Ja Fitness ist super, vor allem macht es echt Spass wenn sich so schnell Erfolge einstellen und man einfach sein Körpergefühl zurüch gewinnt. Haben Deine Kinder sich schon irgendwie geäussert, dass sie bei Dir eine Veränderung festgestellt haben? Wenn ja was haben Sie gesagt, oder hast Du bei Ihnen auch schon festgestellt, dass sich für sie etwas verändert hat. Ich glaube mein Kleiner hat es noch nicht so mitbekommen, aber zur Zeit sagt er mir ständig, wie lieb er mich hat und er die beste Mama der Welt hat. Das gibt soviel....ich liebe ihn dafür:)

  • Lieber Thomas,

    Mir geht es sehr gut. Danke der Nachfrage. Mich haben die Situationen (Nachbarin und Mutter) jetzt im nachhinein eher gestärkt und habe wie oben erwähnt den Plan nochmal klar das NIE WIEDER und warum nie wieder diesen Personen zu erläutern. Ich konnte das Karnevalsgedöns nie leiden und sehe es eher als Trauerspiel unserer Gesellschaft, werde allerding mit meinem Kleinen dieses Jahr zur Kinderfasnacht gehen. Er ist Feuerwehrmann. Hatte heute richtig Elan und habe sogar bei meinem Nebenjob eine krasse Gehaltsneuverhandlung geführt. Das war längst fällig, jetzt wird nicht mehr länger aufgeschoben, das Leben beginnt gerade neu......

  • Hallo Aliengirl,

    es ist vollkommen egal, wenn Du evtl. warum auch immer die nötige Deutlichkeit bei der Erklärung Deiner Mutter, Nachbarin oder wem auch immer hast vermissen lassen. Es ist super und es wird Dich irre nach vorne bringen, wenn Du, wie Du nun vorhast, ganz klar sagst, was Phase ist: Du willst und wirst keinen Alkohol mehr trinken, weil Du Alkoholikerin bist und dies nicht mehr sein willst! Und es geht nicht um schockierte Gesichter oder oder oder, sondern um Dein Leben und auch um die Zukunft Deines Sohnes.

    Ich kann Dir sagen, dass meine Mutter bis zu ihrem Tode gesoffen hat, war für uns Kinder super.... Klingt vielleicht doof, mein Vater hat auch gesoffen, fand ich aber nie so schlimm wie bei meiner Mutter...

    Du hast erkannt, was Du Deinem Sohn antust und dass Du Dein Leben komplett zerstören wirst, wenn Du weitersäufst. Nichts auf der Welt ist schlimmer! Was ist der dumme Spruch Deiner Nachbarin oder das evtl. Unverständnis Deiner Mutter (wobei ja noch gar nicht klar ist, ob sie Unverständnis zeigen wird) gegen Deinen Untergang und das Leid Deines Sohnes?
    Absolut nichts!

    Dies hast Du nunmehr erkannt und nun wirst Du Deinen trockenen Weg gehen!

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