• Hallo Micha,

    danke Dir für diesen Beitrag.

    Seit ich mich aus den Fesseln meiner Partnerschaft und des Alkohols befreien konnte, arbeite und poliere ich :lol: an meinem positiven Egoismus.
    Ein notwendiger, manchmal auch schmerzhafter, aber ich denke doch lohnender Lernprozeß.

    L.Gr. rose

  • Moin Micha,

    mit deinem Beitrag hast du es sehr gut auf den Punkt gebracht.
    Egoismus wird im allgemeinen als schlechte Charaktereigenschaft gehandelt.
    Dieser positive Egoismus allerdings hilft einem selbst und anderen, man ist eben nicht mehr das Fähnlein im Wind. That`s the way.

    Gruß, Freund.

  • Hallo Micha,

    wenn man den gleichen Begriff verwendet, meint man noch lange nicht das Gleiche! Ganz unsanft muß ich auch noch lernen, mit Begrifflichkeiten umzugehen. Die wissenschaftliche Erklärung über die Entstehung eines Begriffes und Untersuchungen über den Wortstamm bringen nichts. Jeder benutzt den Begriff umgangssprachlich und hat sein ganz persönliches Bild davon, geprägt von Erfahrungen aus seinem bisherigen Leben, die bis weit zurück in die Kindheit gehen!

    Wenn ich persönlich den Begriff Egoismus verwende, meine ich nicht im geringsten nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht zu sein, egal wie es anderen Menschen damit geht. Auch erwarte ich nicht, dass sie sich mir anzupassen haben! Das wäre egozentrisch und rücksichtslos nach meiner Auffassung und nach meinen Erfahrungen!

    Wenn ich von mir sage, ich muß endlich lernen egoistisch zu werden, so wird das ein anderer der schon aufgrund seiner Erziehung, seiner Prägung durch seine Umwelt schon immer über eine gesunde Portion Egoismus verfügte, davon ausgehen, dass ich meine, ich will rücksichtslos werden.
    Natürlich muß man jemanden der schon über einen gesunden Egoismus verfügt nicht raten, egoistisch zu werden! Genauso wenig, wie alle Alkoholiker eine Therapie machen müssen, um trocken zu werden und dauerhaft zu bleiben. Wir sind zwar hier alle (bis auf die Angehörigen natürlich) Alkoholiker, doch haben wir ganz verschiedene Ursachen für die Entstehung unserer Alkoholabhängigkeit und ganz unterschiedliche Lebensläufe! An dieser Stelle wird es gefährlich im Umgang mit Begrifflichkeiten. Pauschalisierungen darf es nicht geben, weil sie dramatische Mißtverständnisse hervorrufen können.

    Wenn ich jetzt als erwachsene trockene Alkoholikerin erst lernen muß eine gesunde Portion Egoismus mir anzueignen, ja erstmal ein Gefühl dafür zu entwickeln, da ich weder durch meine Eltern in meiner Kindheit, oder in den verschiedensten Partnerschaften und schließlich auch durch meine Alkoholabhängigkeit keine Gelegenheit hatte dies zu erlernen, werden andere Menschen gar nicht verstehen können, dass diese für sie selbstverständliche Lebensgrundlage erst erlernt werden muß. Sie gehen dann vielleicht davon aus, dass es mein Ziel ist eine durch und durch egoistische Person zu werden, die praktisch über Leichen geht und der die Gefühle anderer völlig egal sind.

    Doch ich will das auf keinen Fall! Ich würde mich nämlich dann, überhaupt nicht mehr wohl fühlen damit. Würde niemals die Zufriedenheit erlangen, die ich anstrebe. Im Umkehrschluß muß ich den gesunden Egoismus erlernen, um zufrieden zu sein.

    Das ist alles gar nicht so einfach und ziemlich kompliziert. Jeder muß sich selbst fragen, wie es aussieht mit seinem ganz persönlichen gesunden Egoismus. Für viele eben schon ganz selbstverständlich, fast natürlich, für andere überhaupt nicht und noch etwas ganz neues.

    NIMM DICH NICHT SO WICHTIG, ABER NIMM DICH ERNST!

    Ich habe Monate gebraucht, um die Bedeutung dieses Satzes für mich zu verstehen! Ein zufriedener trockener Alkoholiker ließ ihn mal in einer SHG fallen. Das war und ist mein Antrieb, weil ich eben auch zufrieden werden wollte, heute bin und das auch bleiben will.

    lg Teufelchen

  • allso ich habe mir meine trockenheit durch richtig krassen egoismus erkämpfen müssen. meine familie alle, von mam über mann und kinder waren es gewöhnt, das ich 24 std. 365 tage im jahr für sie da war, wenns der alk halt zu ließ, ich wurde gar nicht als eigenständige person wahrgenommen. sie mußten erst lernen, das ich rechte und sie mir gegenüber pflichten haben. es hat, bildlich gesprochen, so manche ohrfeige gesetzt bis das akzeptiert wurde. heute hat sich alles normalisiert ich bin taxi mama und so weiter.

    ich bin sicher ich wäre heute nicht hier wenn ich damals nicht so egoistisch gewesen wäre

    lg doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Guten Morgen Doro,

    ich danke Dir für dieses Beispiel!

    Zitat

    durch richtig krassen egoismus erkämpfen müssen.

    Für mich ist genau das, gesunder Egoismus! Das ist überhaupt nicht krass nach meiner Auffassung.

    Krass wäre es gewesen, wenn Du Deine Familie völlig sich selbst überlassen hättest und Dich ausschließlich nur noch um Dich selbst gekümmert hättest und es Dir völlig egal gewesen wäre, wie es Deiner Familie geht.

    Dieser gesunde Egoismus war jedoch unbedingt notwendig, damit Du die eigenständige Person werden konntest, die in ihrem Leben keinen Alkohol mehr braucht.

    Es ist nur eine Mutmaßung meinerseits, doch ich könnte mir vorstellen, dass Du eben auch Alkohol getrunken hast, da Du in der Vergangenheit mit Deiner Familie völlig überfordert warst und Dich als eigenständige Person völlig aufgegeben hast. Alkohol, um dies alles auszuhalten.

    Um diese Ursache für den Alkoholkonsum auszuschließen, muß man gesunden Egoismus entwickeln. Praktisch als Selbsterhaltung.

    lg
    Teufelchen

  • Hi ich bin Ralf, Alkoholiker und Drogenabhängig.
    Warum wohl, wird Alkoholismus als Familienkrankheit bezeichnet?
    Warum wohl werden Leutchen, die sich auf ihrer Langzeittherapie pudelwohl gefühlt haben, "nie mehr" trinken wollten, nach kurzer Zeit zu Hause bei den "Lieben" rückfällig.
    Wir leben alle in Systemen (Familie, Freunde, Vereine, Arbeit etc.).
    Diese Systeme funktionieren durch Rollenverteilungen (bzw. -zuschreibungen) denen wir alle mehr oder weniger (je nach unserem Status im System) gerecht zu werden haben. Systeme sind hochgradig auf wechselseitige Verlässlichkeit angelegt. Man könnte auch sagen, ein System nimmt wenig Rücksicht auf den Einzelnen wenn es um den Erhalt des ganzen geht.
    Was bedeutet das also für den Alkoholiker der von seiner Therapie heimkommt?
    Ganz einfach: Er/Sie will seine/ihre Rolle nicht mehr erfüllen :!:
    Beispiel: Der ewig schuftende und saufende Familienvater, mit ewig schlechtem Gewissen ausgestattet ob seiner Saufexzesse, funktioniert völlig "selbstlos" immer dann, wenn er grad nicht drauf ist. Das System Familie verzeiht die Saufeskapaden, schließlich profitiert es vom schlechten Gewissen.
    Aber das völlig neue Verhalten eines plötzlich trockenen Alkis nach dem Augenöffner Therapie, kann das System nicht bewältigen.
    Also kommt es in Gefahr seine Stabilität (wie fragwürdig die auch immer sein mochte) zu verlieren. Die Folge ist oft nicht Freude über das gewonnene Leben des trockenen Angehörigen, sondern Druck und Unverständniss, offene Anfeindung, Vorwürfe (früher warst du nicht so egoistisch) etc. Da wären wir dann auch beim Thema Co-Abhängigkeit.
    Egoismus ist in so einer Situation nicht nur positiv besetzt sondern schlicht und ergreifend ÜBERLEBENSWICHTIG!
    Niemand nützt es wenn ich auf Druck meines kranken Systems hin wieder Anfang zu saufen. Und niemand ist damit gedient wenn ich vor lauter schlechtem Gewissen nicht in der Lage bin den kranken Teil dieses Systems zu Verlassen.
    Das heißt in letzter Konsequenz auch, dass ein Co-Abhängiger der unter meinem Trinken gelitten hat, wenn er/sie nicht bereit wird etwas für sich zu tun, sich seine/ihre Krankheit einzugestehen, zurückbleiben muß.

    Denn wie heißt es so schön: "Es ist keine Schande krank zu sein, aber es ist eine Schande nichts dagegen zu tun"

    Gute 24h,
    Ralf

  • Wenn es den Egoismus nicht gäbe, würden wir nicht überleben, er ist angeboren. Altruismus ist erlernt und eine Abart des Egoismus, wir tun etwas für andere damit es uns gut geht ( Zuviel--wir brennen aus ). Egoismus ist also keinesfalls negativ sondern normal. Als Egoisten werden wir dann (negativ) bezeichnet wenn wir etwas für uns tun, und anderen dabei in die Quere kommen (Mir das meiste, den anderen der Rest). Selbst wenn wir den für uns richtigen positiven Egoismus erlernen und ausführen , wird es immer Missgönner und Neider geben die es als negativ bewerten. Ein heisses Eisen......Gruss an alle Egos und die die es noch werden wollen und müssen White

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • Hallo ralf


    Zitat

    Warum wohl, wird Alkoholismus als Familienkrankheit bezeichnet?
    Warum wohl werden Leutchen, die sich auf ihrer Langzeittherapie pudelwohl gefühlt haben, "nie mehr" trinken wollten, nach kurzer Zeit zu Hause bei den "Lieben" rückfällig.

    Weil alle unter der Alkoholsucht leiden - nicht nur der Alkoholiker?
    Weil sie sich unter Therapeuten und Gleichgesinnten sicherer fühlen ? Weil sie evtl. nicht genügend darauf vorbereitet werden, dass es ein Leben nach der Therapie gibt ?


    Zitat

    Diese Systeme funktionieren durch Rollenverteilungen (bzw. -zuschreibungen) denen wir alle mehr oder weniger (je nach unserem Status im System) gerecht zu werden haben. Systeme sind hochgradig auf wechselseitige Verlässlichkeit angelegt. Man könnte auch sagen, ein System nimmt wenig Rücksicht auf den Einzelnen wenn es um den Erhalt des ganzen geht.

    Das ist das Leben - das trifft oder betrifft jeden unabhängig von dem was wir sind, was wir darstellen, was wir erleben usw.

    Zitat

    Was bedeutet das also für den Alkoholiker der von seiner Therapie heimkommt?
    Ganz einfach: Er/Sie will seine/ihre Rolle nicht mehr erfüllen :!:
    Beispiel: Der ewig schuftende und saufende Familienvater, mit ewig schlechtem Gewissen ausgestattet ob seiner Saufexzesse, funktioniert völlig "selbstlos" immer dann, wenn er grad nicht drauf ist. Das System Familie verzeiht die Saufeskapaden, schließlich profitiert es vom schlechten Gewissen.

    Man profitiert vom schlechten Gewissen :shock: Die Lücke muss man dann aber erst mal finden, wo das "schlechte Gewissen" sich dann irgendwann nochmal regt und sogar durchblitzt. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann klappt das mit dem "schuften" auch nur eine gewisse Zeit - mag sein, dass man sich "schuftend" fühlt, aber der volle Einsatz wird dann schon lange nicht mehr gegeben.
    Unsereins wird immer unterstellt, dass wir "aufopferungsvoll" langsam alle Aufgaben liebend gerne übernehmen. Ganz ehrlich, es macht gar keinen Spaß den ganzen Mist untergejubelt zu bekommen, nur weil der Part. nicht mehr Herr der Lage ist. Zusammenfassend ist also zu sehen, dass man wegen eines sehr "geringen" Vorteils den volltrunkenen Part. aus den unmöglichsten Situationen (oder besser gesagt ekeligsten) herausholt ? Ist schon erstaunlich, was für fiese Übermenschen wir sein sollen :roll:

    Zitat

    Aber das völlig neue Verhalten eines plötzlich trockenen Alkis nach dem Augenöffner Therapie, kann das System nicht bewältigen.
    Also kommt es in Gefahr seine Stabilität (wie fragwürdig die auch immer sein mochte) zu verlieren. Die Folge ist oft nicht Freude über das gewonnene Leben des trockenen Angehörigen, sondern Druck und Unverständniss, offene Anfeindung, Vorwürfe (früher warst du nicht so egoistisch) etc. Da wären wir dann auch beim Thema Co-Abhängigkeit.
    Egoismus ist in so einer Situation nicht nur positiv besetzt sondern schlicht und ergreifend ÜBERLEBENSWICHTIG!

    Und genau hier kommt es darauf an, wie man es umsetzt. Ob mit dem Kopf durch die Wand (weil der Theralpeut weiss ja was er sagt) oder mit Überlegung, indem man sich auch mal in den anderen Part. hineinversetzt. Hier fehlt der Ansatz der Kliniken Angehörige einzubeziehen - vorausgesetzt es wird gewollt bzw. es würde endlich mal als wichtiger "Bestandteil" der Aufarbeitungsphase gesehen. Immerhin wird ja immer noch die berühmte "Kindheit" aufs Tablett gepackt - wieso eigentlich nicht die Partnerschaft ? In dem Punkt existieren wir nämlich so gut wie gar nicht - höchstens am Rande - falls der "Kranke" von sich aus diesen Einwand einbringt.

    Zitat

    Niemand nützt es wenn ich auf Druck meines kranken Systems hin wieder Anfang zu saufen. Und niemand ist damit gedient wenn ich vor lauter schlechtem Gewissen nicht in der Lage bin den kranken Teil dieses Systems zu Verlassen.
    Das heißt in letzter Konsequenz auch, dass ein Co-Abhängiger der unter meinem Trinken gelitten hat, wenn er/sie nicht bereit wird etwas für sich zu tun, sich seine/ihre Krankheit einzugestehen, zurückbleiben muß.

    Ich wüsste bitte gern was ich für mich tun soll ? Vielleicht auch meinen eigenen "gesunden" Egoismus entgegensetzen? Mich auf die Couch packen oder in der Sonne rumflätzen und meinen Part. machen lassen - immerhin soll ich ja vieles lassen.

    Zitat

    Denn wie heißt es so schön: "Es ist keine Schande krank zu sein, aber es ist eine Schande nichts dagegen zu tun"

    Stimmt - trifft dann ja wohl auf beide Seiten zu !
    Und es ist verdammt einfacher, einen Neuanfang zu starten, als "Erinnerungen" vor Augen zu haben und gemeinsam an einem neuen Anfang zu arbeiten - richtig ?

    Grüßle
    Diandra

    Mögen alle meine Fehler sich auf ihre Plätze begeben und möglichst wenig Lärm dabei machen.

    Überwältigend was geschehen kann,
    wenn sich die Fingerspitzen zweier Menschen
    ganz leicht berühren,
    am richtigen Ort
    und zur rechten Zeit!

  • Hi Zusammen.
    Hat das wohl etwas Angehörigenfeindlich geklungen Diandra?
    War nicht so gemeint.
    Natürlich schreibe ich (in erster Linie) aus der Sicht eines trockenen Alkoholikers und nicht aus der Sicht eines Angehörigen, obwohl meine Brüder beide Alkoholiker sind, einer davon lebt trocken.
    Ich möchte zunächst mal vorausschicken, dass ich an keiner stationären Therapie teilgenommen habe, sondern den Weg der Selbsthilfe beschritten habe um trocken zu werden und trocken zu bleiben. Genau genommen habe ich mir 1996 exakt acht Tage Bad Herrenalb angetan, bin dann aber schreiend in`s Leben geflüchtet.

    Zitat

    Weil alle unter der Alkoholsucht leiden - nicht nur der Alkoholiker?
    Weil sie sich unter Therapeuten und Gleichgesinnten sicherer fühlen ? Weil sie evtl. nicht genügend darauf vorbereitet werden, dass es ein Leben nach der Therapie gibt ?


    Dito!

    Zitat

    Man profitiert vom schlechten Gewissen Die Lücke muss man dann aber erst mal finden, wo das "schlechte Gewissen" sich dann irgendwann nochmal regt und sogar durchblitzt. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann klappt das mit dem "schuften" auch nur eine gewisse Zeit - mag sein, dass man sich "schuftend" fühlt, aber der volle Einsatz wird dann schon lange nicht mehr gegeben.


    Völlig richtig :!: Ich hatte auch nicht behauptet, dass dieses schlechte Gewissen auf etwas anderem als auf purem kranken Egoismus beruhen würde. Natürlich ist der Alkoholiker selbst völlig darauf bedacht den Status quo aus Eigennutz zu wahren und natürlich macht das keinen Spaß, außerdem stimme ich dir auch darin zu, dass die "Leistungsfähigkeit" in zunehmenden Maße eher eine Fragwürdige ist.

    Zitat

    Und genau hier kommt es darauf an, wie man es umsetzt. Ob mit dem Kopf durch die Wand (weil der Theralpeut weiss ja was er sagt) oder mit Überlegung, indem man sich auch mal in den anderen Part. hineinversetzt.


    Nun ja, ohne irgend etwas entschuldigen zu wollen: Ein gerade trocken gewordener Mensch hat (leider) kaum Ressourcen frei um sich auch noch in jemand anderen hineinzuversetzen, es ist ja schon der reinste Horror sich selbst nackt und ohne Nebel sehen zu müssen. Ich war damals ja nicht mal in den geringsten Kleinigkeiten fähig MICH einzuschätzen, geschweige denn zu verstehen was bei irgend jemand sonst abgeht.

    Zitat

    Ich wüsste bitte gern was ich für mich tun soll ? Vielleicht auch meinen eigenen "gesunden" Egoismus entgegensetzen?


    Wenn er gesund ist dein Egoismus: Was für eine Frage? Na klar!
    Ganz nebenbei: Es geht ja nicht um einen Wettbewerb: Wer ist das kränkere A... von uns beiden.
    Es geht um Genesung, es geht um`s Leben!
    Nach einer Saufkarriere wissen sowohl der Alkoholiker als auch der Partner was nicht geht.
    Was geht, das muß herausgefunden werden. Das was geht ist Genesung. Das was geht steht nicht fest. Das entwickelt sich.
    Und: Ich bin nicht der Meinung, dass ein Alkoholiker Mitleid und/oder Geduld von einem leidenden Co-Abhängigen der selbst genesen möchte zu erwarten hat. Nix!
    Es geht nicht drum den Alkoholiker zu schonen, es geht darum gesunde Verhältnisse zu schaffen.
    Wer die nicht verkraftet (egal ob Angehöriger oder Alkoholiker) geht keinen Weg der Genesung.
    Kein Mitleid!!!!!

    Zitat

    Und es ist verdammt einfacher, einen Neuanfang zu starten, als "Erinnerungen" vor Augen zu haben und gemeinsam an einem neuen Anfang zu arbeiten - richtig ?


    Klar ist das so. Deshalb stellt sich für viele auch nach dem Trockenwerden die Frage ob eine bestehende Beziehung die Mühe wert ist.
    Die Frage ist legitim. Trocken werden bedeutet auch sehend werden.
    Wenn`s nicht stimmt, dann ist es ja wohl kaum eine gute Idee festzuhalten.
    Das soll jetzt, um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen, nicht heißen, dass ich der Meinung wäre Mann/Frau sollte immer einfach den leichteren Weg gehen.
    Sich alleine um sich selbst zu kümmern ist erst mal leichter, dann mit der Zeit wird alleine sein aber zur Belastung.
    Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich möchte nicht mit einem Co-Abhängigen tauschen. Ich kann meine Stoff weglassen und hab damit schon mal 51% meines Tages geschafft. Ich bleibe lebensfähig.
    Die Co`s werden dagegen meist vor vollendete Tatsachen gestellt und finden sich wieder in der Rolle dessen der reagieren muß, wenn der Alki plötzlich nüchtern wird.
    Sch...job.

    Gute 24h
    Ralf

  • Hi,

    Zitat

    Hat das wohl etwas Angehörigenfeindlich geklungen Diandra?
    War nicht so gemeint.

    Ja hat es Ralf - für mich. Aber wahrscheinlich deswegen, weil ich in dem Punkt wohl ein bisserl empfindlich reagiere.

    Zitat

    Ich möchte zunächst mal vorausschicken, dass ich an keiner stationären Therapie teilgenommen habe, sondern den Weg der Selbsthilfe beschritten habe um trocken zu werden und trocken zu bleiben. Genau genommen habe ich mir 1996 exakt acht Tage Bad Herrenalb angetan, bin dann aber schreiend in`s Leben geflüchtet.

    Es macht Mut zu lesen, dass es gar nicht so selten ist, dass es jemand schafft, sich mit seiner Krankheit auseinanderzusetzt und schon Jahre der Trockenheit hinter sich gebracht hat. Dafür gratuliere ich Dir von ganzem Herzen.

    Zitat

    Nun ja, ohne irgend etwas entschuldigen zu wollen: Ein gerade trocken gewordener Mensch hat (leider) kaum Ressourcen frei um sich auch noch in jemand anderen hineinzuversetzen, es ist ja schon der reinste Horror sich selbst nackt und ohne Nebel sehen zu müssen. Ich war damals ja nicht mal in den geringsten Kleinigkeiten fähig MICH einzuschätzen, geschweige denn zu verstehen was bei irgend jemand sonst abgeht.

    Genau dies ist z. B. ein Punkt wo Therapeuten das Paargespräch fördern sollten. Woher soll ich das wissen ? Ich habe keine Ahnung, inwieweit man sich total entblöst vorkommt. Wenn niemand mit einem spricht, kann man das gar nicht erfassen und verstehen.

    Ich weiss nicht wann der Egoismus gesund ist, wann er verletztend wird, wo die Grenzen sind - da kann ich nur rein instinktiv von mir aus handeln.
    Ich denke auch, man wird es im Laufe der Zeit rausfinden und somit auf einer neuen Basis etwas aufbauen können.

    Da ich aus eigener Erfahrung weiß, was Mitleid bedeuten kann, bin ich weit davon entfernt Mitleid zu empfinden. Wozu auch - ich sehe ja einen Menschen vor mir, der dabei ist, eine neue Lebensstrategie zu entwickeln, der viel Kraft aufgewandt hat um seinem alten Leben zu entfliehen - da bedarf es nun wirklich keines Mitleides.

    Fakt ist aber auch, dass es zuviele "Unbekannte" in dem "Spiel" gibt. Sie zeigen neue Wege auf, führen Änderungen und Veränderungen herbei, prägen neues Denkverhalten, formen prakt. eine neue Masse, damit sie sich wieder in einer richtigen Richtung entwickeln kann.
    Und an diesem wirklich wichtigen Punkt steht der Angehörige draussen, er wird nicht in vernünftigem Maße mit einbezogen.

    Klar gibt es fam. Konstellation wo dringend angeraten werden muss, sich aus dem Dunstkreis zu entfernen um überhaupt eine Chance zu haben ein anderes Leben zu führen. Aber hier werden m. E. alle Angehörigen mehr oder weniger über einen Kamm geschert. Es ist wohl zu kostenintensiv sich da auch noch zu engagieren. Es steht ja nur die Sucht im Vordergrund, nicht das ganze drumherum, welches einen Menschen ausmacht.

    Zitat

    Sich alleine um sich selbst zu kümmern ist erst mal leichter, dann mit der Zeit wird alleine sein aber zur Belastung.

    Ist verständlich, aber man selber ist auch nur ein Mensch und nicht unbegrenzt belastbar und benutzbar.

    Zitat

    Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich möchte nicht mit einem Co-Abhängigen tauschen. Ich kann meine Stoff weglassen und hab damit schon mal 51% meines Tages geschafft. Ich bleibe lebensfähig.
    Die Co`s werden dagegen meist vor vollendete Tatsachen gestellt und finden sich wieder in der Rolle dessen der reagieren muß, wenn der Alki plötzlich nüchtern wird.
    Sch...job.

    Aber nur, weil wenn Gemeinsamkeiten vorhanden sind, diese nicht gefördert sondern erstickt werden !
    Und ich habe schon einen Job - einen zweiten brumm ich mir definitiv nicht auf :wink:

    Ich danke Dir für Deine Antwort ralf :D

    Grüßle
    Diandra

    Mögen alle meine Fehler sich auf ihre Plätze begeben und möglichst wenig Lärm dabei machen.

    Überwältigend was geschehen kann,
    wenn sich die Fingerspitzen zweier Menschen
    ganz leicht berühren,
    am richtigen Ort
    und zur rechten Zeit!

  • Egoismus in Formm von Lebenserhaltung und neuem Denken, ja! Aber egoistisches manipulatives Verhalten seiner Umwelt gegenüber mit dem Druck "nur so bleibe ich trocknen" ist widerlcih und genauso schwach und Verlogen wie mit dem Saufen sich eine "wichtige" eigene Persönlichkeit zu schaffen.

    Co-Abhängige sind meistens arm dran und mein Mann hat mir alles abgenommen, meinen Job gelassen, mich ernst genommen aus Liebe.
    Und in diee Psychiatrie gebracht! Was für ihn das Allerschlimmste war.

    Fides

    nordisch by nature

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