butterweich und steinhart zugleich

  • Hallo zusammen,

    @ elle: ja ich liebe meine Frau und es war ein weiter Weg, dieses „in Liebe fallen lassen“ und wenn „Er“ aus seiner Flasche kriecht, dann erwacht etwas, wäre es ein anderer, könnte ich abschließen. Ich bin nicht bereit einen, wie sagte das Diandra „Zunkunftsblick“ *schmunzel* , also einen Zukunftsschmunzelblick zu riskieren. Danke für Deine Worte, ja, lass uns den Duden revidieren, aber ich kann auch kaltblütigen Klartext reden:
    .
    Ich habe keine Ausbildung wie neverfree und ich bin auch nicht so geradlinig. Ich werde oft hin- und her geworfen, von Zweifeln und Hoffnung. Meine Uhren ticken manchmal etwas anders und das ist auch gut, weil das mein Ich ist. Nur, wenn man Regeln nicht beachtet, dann heißt dass Abflug. Mein Großer hat gestern gepennt und ich sah ihn schon im Duc-Himmel. Dreht auf, überholt in einer langen, freien Linkskurve und fährt einfach geradeaus, aber er hat eine gute Ausbildung, tolle Reflexe, einen Schutzengel und konnte den fast Abflug mit einem tiefen Schrecken und viel Putzarbeit meistern.

    Deshalb frage ich beide Seiten, ob ich meine Hausaufgaben nach bald 10 Monaten richtig gemacht habe, die Regeln klar begriffen habe. Es ist für mein Leben und es geht um meine Frau.

    44J., 46-49kg, lange Jahre Alkoholiker, mit 1-2 Liter Weinbedarf pro Tag, infarktgeschädigt, starker Raucher.

    Habe ich Eure Ratschläge, Erfahrungen und Erkenntnisse für Regelfälle richtig verstanden (Ausnahmen werden in diesem Forum nicht zugelassen, da viele tausend Erfahrungen das Gegenteil belegen):

    1. die Krankheit ist nicht zu heilen, aber zu stoppen
    2. die Krankheit ist ohne massive Gegenmaßnahmen nicht zu stoppen
    3. die Krankheit führt zum Leid aller Beteiligten bis zum Tot.
    4. kein Stopp ohne es voll und ganz zu wollen, ohne Abstinenz, ohne wenn und aber
    5. kein Stopp ohne Handlung
    6. kein Stopp ohne stationären oder ambulanten Entzug
    7. kein Stopp ohne Therapie
    8. kein Stopp ohne Langzeittherapie bei meiner Frau
    9. kein Stopp ohne SHG (reden wir bitte nicht über Forum und Realgruppe, meine vollwertige SHG ist hier, seid Ihr, ich meine eine SHG)
    10. kein Stopp ohne volle Akzeptanz der Krankheit
    11. kein Stopp ohne offenen Umgang mit der Krankheit, kein Vertuschen, Verharmlosen, Übergehen, Runterspielen, Unterdrücken.
    12. kein Stopp ohne Entsorgung und genaue Beachtung aller Versuchungsmittel
    13. kein Stopp ohne Umfeldveränderung bzw. Versuchungsvorbeugung

    Ist es richtig, dass bei Nichtbeachtung der Regeln ein Rückfall sehr wahrscheinlich ist?
    Habe ich das so richtig begriffen?

    Ich bitte Euch um Beistand bei meiner geistigen Unordnung.

    Bis dann und genießt den Sonnenschein kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Kaltblut,
    du hast das alles ganz gut verstanden würde ich mal sagen. Wir sind alle zwischenzeitlich geistig verwirrt, denn die Situationen sind nicht einfach - egal, wer was wo, hier hat jeder seine eigene Geschichte und muss damit fertig werden! Du hast die Regeln begriffen, bist auf einem sehr sehr guten Weg und ich wünsche dir ganz viel Kraft, das alles durchzustehen!

  • Hallo kaltblut,

    hinter jedem Punkt würde ich ein Häkchen für ..richtig.. setzen. Diese 13 Punkte helfen uns Licht ins "Dunkle" zu bringen. Licht welches wir brauchen um nicht weiter an uns zu zweifeln.

    Wobei man bei Punkt 7. kurz anhält. Nicht jeder braucht eine Therapie - aber leider doch die meisten. Was machen die, die keine Thera brauchen anders ? Was hat sich da gravierend festgesetzt, dass sie ihren Weg gehen können - schnurstracks marschieren sie auf ihrem Weg und weichen weder nach rechts noch na links aus.

    Kaltblut, nicht alles was wir machen ist Co-Verhalten. Kommt ein Anruf, dann ist man in erster Linie Mensch ! Auch jemand anderes hätte anrufen können, man hätte auch dort geholfen.

    Deine "geistige Unordung" scheint mir wohlgeordnet.

    Und die Sonne habe ich heute ausgiebig genossen - wünsche Dir eine gute Woche

    Diandra

    Mögen alle meine Fehler sich auf ihre Plätze begeben und möglichst wenig Lärm dabei machen.

    Überwältigend was geschehen kann,
    wenn sich die Fingerspitzen zweier Menschen
    ganz leicht berühren,
    am richtigen Ort
    und zur rechten Zeit!

  • Hallo Ihr Lieben,

    ich habe verstanden, begriffen, angenommen, erledigt, ich bin ganz aufgewacht, jetzt bin ich wieder der, der ich einst war und bin, deshalb habe ich Euch um Rat gefragt, für meine schwabbel Konsequenz, keine Diskussionen mehr, Ende. Es ist alles in uns.

    Ohnmacht beendet man nicht durch aushalten, das ist KOMA, die Konsequenz ist : nur durch aufwachen und Scheidung.

    Ich danke Euch, dafür das ich so viel für mein weiteres Leben erfahren und lernen durfte, hier schreiben durfte, gelesen wurde, Antworten und Beistand erhielt, für Eure wertvolle Zeit und Erich Fried für seine Worte: es ist was es ist, sagt die Liebe – unheilbare Alkoholabhängigkeit, Dich Dich sein lassen - sein lassen.

    Alles Liebe und wir lesen voreinander kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Einspruch, Kaltblütiger! Wir werden mit all unseren Erfahrungen, die wir mit "Freund" Alkohol machten, auch wenn er nicht UNSER Freund war, nie mehr sein wie wir einst waren. Zudem denke ich, dass es fatal wäre, wenn wir so wie einst wären, denn dann wäre doch die nächste Beziehung mit einem Menschen, der einen Hang zum Alkohol hat, schon vorprogramiert. Schließlich gibt es nicht wenige COs, die nicht zum ersten Mal mit einem Abhängigen zusammen waren oder sind.

    ...meint die Ette, die schon gern mal widerspricht 8)

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Ihr Lieben,

    etwas noch: auch vielen Dank für die anregenden alkfreien Naturstoffe, die Ihr auf manchen Threads zum Kochen angeführt habt, es ist unglaublich was es alles gibt und es schmeckt tausendmal mal tausendmal besser. Die Natur, sie hält für uns vieles breit und wir brauchen uns nur umzusehen, es wächst überall was. So ganz nebenbei: 87kg, die war ich vor 15 Jahren oder 20? Ein Abfallprodukt aus 10 Monaten, aber steht mir gut und fühlt sich gut an.

    Als ich auf diese Seite kam, da habe ich zur Trockenheit angekreuzt: nicht wichtig. Es ist mir wichtig, so sieht mein zukünftiges Leben aus, ganz trocken. Danke Karsten für Dein gewaltiges Werk.

    Ich war in der Vergangenheit bei einigen Ärzten und Therapeuten, in max. 45 Minuten werden richtungsweisende Entscheidungen getroffen. Hier dauert es etwas länger, aber mit der gewaltigen Power von Euch, von vielen Stunden, Wochen, Monaten, Jahre der Erfahrung. Ich bezweifele einfach, dass man diese Erfahrung erlernen kann.

    Als ich damals hierhin kam und manchen Thread verfolgte, da dachte ich: mein Gott, was eiern die denn da rum, zack zack erledigt und es hat Monate gedauert zu begreifen.


    Wenn sich die unbeugsame Gebeugte hierin verirrt, schmeißt die Unbeugsame bitte nicht gleich raus, sie glaubt an die Dinge, die hier nicht zugelassen sind, an schwachsinnige Ironie. Sie wird lernen, wie wir alle gelernt haben – zu leben, nicht gelebt zu werden. Sie ist ein liebenswerter Mensch, der ein Leben lang gebeugt wurde, sie ist es tausendmal mal tausendmal wert, wie wir alle, um zu frei leben. Ja, Ihr Lieben, sie bleibt in meinem Herz und es war ein weiter Weg, bis zum Sein lassen, es ist wie es ist.


    Für die einen war mein Fox potthässlich, für die anderen ein ausgeflippter wunderschöner Exote. Nicht alles was hier steht gehört hier hin und nicht alles was hier nicht hingehört gehört nicht hierhin, es kommt nicht darauf an was hier steht, nur was wir daraus entnehmen, begreifen, für uns, für die einen war mein Fox………...

    Ette, es sind die Widersprüche an sich, die uns bereichern, die Zerrissenheit kitten, die denken und handeln lassen. Ich bin gefestigt und habe viel gelernt. Ja, ich habe mich gewaltig mit Eurer Hilfe verändert, aber mein Kern ist der Alte.

    Dieses Buch, das wird vielleicht nicht viel ändern, nicht bei „Ihm“, aber es wird etwas was Ihr lieben werdet, was die Schmerzen lindert, was das sein lassen fördert und wer weiß, vielleicht wird es kleine Feuer entfachen, tausendmal mal tausendmal. Wenn es 2008 einen trockenen Sommer gibt, wer weiß, es kann schnell überall brennen und dieser selbstherrlichen Tötungsmaschinerie könnte es mächtig heiß werden, dann gibt es ein großes Nussrösten.

    Tschüss, ich muss Nüsse knacken, harte Aufgabe, aber ich packe „Ihn“ da, wo „Er“ nicht mit rechnet, wo es schmerzt, an den Nüssen, weil das meine Aufgabe ist.

    Bis dann, kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo, guten Tag Ihr Lieben,

    Teufelchen hat mal geschrieben, dass es nicht nachzuvollziehen ist. Es gibt nichts zu verstehen.
    Meine Frau sagte: du kennst das Gefühl nicht, wenn du abends zur Tanke musst und etwas brauchst, vielleicht nur von deinen Kippen, wenn du abends zum Automaten gelaufen bist, aber das ist nicht das Gleiche.
    .
    Nein ich kenne das Gefühl nicht zur Tanke zu laufen, es war immer etwas vorhanden, in jeder Wohnung, an jedem Ort, in jeder Minibar, überall, es gab Vorräte, ich war nie Label gebunden. Es gibt Dinge, die ich nicht verstehe. Ich habe mich oft gefragt, was denn da wohl abging, in ihr, in mir und warum. Es gibt nichts zu verstehen, wenn ich mich nicht selbst verstehen kann, wie soll ich meine Frau verstehen – es bleibt ein unverständliches Etwas.

    Aber ich habe aufgearbeitet. Die letzten Jahre. Während dreien war es normal, nach getaner Arbeit etwas zu trinken, ein Bier zum Essen, 2-3 irgendwas zum Abschalten, es gehörte zum Tagesabschluss, auch der Zoff in meiner ersten Ehe. Wer weiß, wie es gewesen wäre, hätte es Euch schon gegeben.

    Die folgenden 2 Jahre ging es geschäftlich bergab. Es war das Abwickeln einer vorprogrammierten Situation. Ich zog aus der ehelichen Wohnung aus, in ein 20qm Rattenloch, vernaschte meinen Computer mit für die Kids gekauften PC-Spielen, qualmte wie blöde und trank mein Bier dazu. Hätte jemand gesagt, dass ich ein Problem hätte, ein Alkoholproblem, ich hätte ihn ausgelacht. Ja, ich hatte ein Spielproblem, computersüchtig, Nächte lang, Wochen lang, Monate lange Situationsverdrängung. Bis zur Auflösung, dafür benötigte ich nur Minuten und alles war klar. Ein Gedanke an Alkohol? Schwachsinn.

    Als ich mit meiner jetzigen Frau zusammen kam, hatte ich kein Problem mehr, ich trank wenig, aber mit und war qualmfrei. Wenn wir abends telefonierten, trank ich ein Bier dazu, es tat gut.. Später ein Irgendwas, dann Wein. Es war ein Genuss. Irgendetwas begreifen? Nein. 1 ½ Jahre vorher, anlässlich unseres Kennenlernabends, hat sie Wein getrunken und ich war beeindruck, was diese tolle zarte Frau verputzen konnte, beeindruckt! Sie fuhr sogar Auto, in der großen Stadt und wisst Ihr was ich damals offen dachte: die sind alle irre hier, da laufen die Uhren anders, was die alles dürfen, das gibt es bei uns nicht, einfach toll und klasse, die große Stadt, klar da wird auch ein Auge zugedrückt, bei so viel Prominenz. Ja, erschreckend, aber es war kein beunruhigender Einzelfall, alle knallten beim Essen was weg und fuhren Auto, alle.

    Wenn wir uns später trafen, war der Wein eine klasse Ergänzung zur Klassefrau und für mich auch. Als wir zusammen zogen, war der Wein dabei. Ich trank, fast 3 Jahre, jeden Tag 1 Glas, 2 Gläser, 1 Flasche, am Wochenende auch 2 und? Es gibt Abhandlungen darüber, wie gesund und vorbeugend der Kram ist. Ich wusste nichts von Euch, von Alkoholproblemen, es war ein Stück Normalität - für mich. Ob ich ein Problem hatte? Nein, nicht wirklich, sie ja, sie hatte ein Offensichtliches, eine sch… Situation, die es unlösbar zu knacken galt. Vielleicht hatte ich ein Problem, als ich mich entschloss: wenn sie nicht aufhört, dann trinke ich eben mit.

    Wenn Spezialisten, Vertrauenspersonen diesen Schwachsinn von runter trinken propagandieren, was haben wir hier für einen schweren Stand. Wie können andere uns verstehen, wenn wir uns selbst nicht verstehen?

    Ich verbringe hier in diesem Forum seit Monaten mehr Zeit als mit meiner Frau, meinen Kindern, in meinem Job und ich könnte keinen Therapeuten bezahlen, der sich so viel Zeit nimmt und es ist es tausendmal mal tausendmal mehr wert hier zu sein.

    Nein, ich gehöre nicht auf die Alkoholikerseite, ich bin nur Angehöriger, Co-Abhängiger und hätte ich damals Speichelfuß, Nachschubversorgung, Depotanlegung, Gedankengänge und Körperreaktionen zeitig gedeutet, ich hätte mich trotzdem uneinsichtig gewehrt, ich habe kein Problem. Dieser schleichende, uneinsichtige und undurchsichtige Prozess, gehört in die Aufklärungsarbeit der Grundschulhausaufgaben. Das Weingut am Rhein erhielt neulich eine Antwort auf die Werbesendung: verstorben.
    Wann es Gewissheit wurde? Als ich wieder aufhörte zu rauchen und das abendliche Weinglas schmeckte, ich rauchte da lieber wieder. Es steht in diesem Forum, kein Spezialist hat es je gesagt.


    Erst in den letzten Wochen habe ich es ganz angenommen, für meine Leben und kann laut und deutlich im Restaurant fragen: „kochen Sie ohne Alkohol, ich bin Alkoholiker.“

    Und ich kann all dem überspielenden Gelabere meiner Gesprächspartner locker gegenüber treten, mit einem Augenbrauenhochziehen und einem kurzen „Ach“ Du auch? - antworten.

    Vielleicht habe ich mich auch deshalb aus der Co-Abhängigkeit befreit, vielleicht war das der Grund, warum ich noch so lange bei der Stange war, krumm und verbogen, vielleicht war das der Grund, warum ich fort, mich trennen musste, um jeglicher Versuchung zu entgehen. Es gibt nichts zu verstehen.


    Es geht hier auch um meine Frau, um ihren Weg, um ihr Leben, es geht um: gibt es auch Positives zu berichten?

    Ja, sie ist definitiv rückfällig geworden. Hat den lebensgefährlichen kalten Entzug nicht durchgehalten, sie hätte auch einen Stein haben können. Ich warne alle eindringlich davor, sich in irgendeiner Form auf diesen tödlichen Weg einzulassen. Ich warne alle „neidisch“ zu sein, auf die, die es scheinbar erfolgreich versuchen und es ist taktlos unverschämt, in den Startlöschern zu sitzen und die mit faulen Eiern zu bewerfen, die es dann doch nicht schaffen. Gerade die, benötigen nicht den freien Fall, sondern Hilfe.

    Als ich mich verabschiedete erhielt sie noch die Nachricht, dass sie kaltblut alk suchen soll, da findet sie Antworten, von einem unwissenden, dummen, entsorgten Ehemann. Ja, ich habe mich geoutet, sie hat mich gefunden und hier erschrocken gelesen. Wäre ich der Einzige gewesen, ich wäre als guter Schauspieler abgestempelt worden, aber wir sind viele, sehr viele die alle in der schwankenden Nussschale sitzen. Sie ist aus dem Koma erwacht und ihr habt es möglich gemacht, Eure Erfahrungen, Eure Worte, Eure unbezahlbare Zeit. Ja, es gibt hier harte Töne, disziplinierte Kommissanweisungen, Regeln, die ich einst auch nicht verstand und manches „ja und aber“ musste ich abgelegen, es gibt nur ein Ja oder Tod. Draußen, da gibt es zartes Hauptstreicheln, von „Ihm“ empfohlene Therapeuten, die nach 2 Monaten mitteilen: wissen sie, eigentlich bin ich ja keine Suchtherapeutin, aber bringen wir das noch zu Ende, Unbewusste, wie wir einst, Hand in Hand mit „Ihm“ arbeitend und Hilflose, die verlassen frei fallen, platsch, tot.

    Scheidung, ex und hopp? Mein Leben leben, frei von jeglicher Belastung, 24 Stunden glücklich strahlen? Laut rufen: Leute, ich habe es geschafft, ich bin frei, seht her, es hat 10 Monate gedauert, so geht es, positiv in die Welt schauen? Ja, bin ich, mach ich, will ich, ich bin aufgewacht aus dem Koma, aber nicht alleine und es ist kein neuer Platz frei in meinem Herzen.

    Ich wäre nicht Kaltblut, ich wäre ein gezügeltes, schlachtreifes Brauereipferd, ein Stück kölsche Pferdekochwurst, die es immer noch am Schlachthof zu kaufen gibt, wenn ich nicht verstanden hätte warum Diandra u. a. einen langen Weg gehen. Ich würde nicht weiter schreiben, wenn nicht etwas kaltblütiges Verrückendes in mir wäre.


    Wir haben uns getroffen, auf ein Dinner, es war mehr als ein Abschiedsessen gedacht, vielleicht unser letztes gemeinsames Dinner, deshalb habe ich ein Sternerestaurant ausgesucht, von dem ich schon 3 Jahre träumte. Sie sah einfach klasse aus, eine Klasse für sich.

    Ich habe die Wirtin bei der Reservierung gefragt, ob sie auch alkoholfreie Sterne zaubern kann, weil ich ein Alkoholproblem habe. Sie konnte und ich habe selten ein so vorbildliches, einfühlsames Verhalten erlebt. Man muss es nur klar und deutlich aussprechen lernen. Der Tisch war etwas geschützt, das Essen, unglaubliche – bleibt sitzen - 9 Gänge+, 5 Stunden Gaumenexplosionen, Speichelfluss und pappsatt. Nein, das ist nicht mein Alltag, aber es ist es manchmal in Leben wert, dafür koche ich die kommenden Wochen gerne auf Sparflamme. Nicht nur das Essen war verzaubernd. Ich vermisse es, ihren Bewegungen, ihrer Gestik zu folgen, ihren Worten zu lauschen, sie bewundernd anzusehen, ihre Anwesenheit, ihre Gefühle zu spüren. Es war ein wunderschönes Gefühl und „Er“ mein Nebenbuhler war erstmals seit langem nicht anwesend, kam nicht rein, stand draußen vor der Türe, im kalten Regen und drückte sich schüttelnd die Nase am Fester platt, dieser überflüssige Idiot.

    Sie wollte mir die ganze Zeit etwas sagen und bat mich später noch hoch in ihre Wohnung. Ich wäre kein kaltblütiges Kaltblut, wenn ich dem Hengst in mir eine Chance gelassen hätte und die Chance beim Schopfe gepackt hätte. Ich bin ein Mann, ihr Mann, sie eine Frau, meine Frau, das macht zusammen mehr als einige wilde Minuten. Wir haben über zwei Stunden geredet, über sie, über Euch, über die Klinikunterlagen, über das Leben. Sie lernt von Euch, für ihr Leben.

    So ein Abend, das ist einer, von dem man im hohen Alter noch den Enkelkindern erzählt, die dann lachend rufen: Opa, das hast du schon hundertmal erzählt.


    Was immer auch in Zukunft sein wird, die Entgiftung mit Langzeittherapie hat sie voll und ganz für sich, nur für sich und ihr Leben, angenommen, die Papiere sind eingereicht, alles andere war gestern, sie wird leben und vielleicht, nur vielleicht, werden wir unsere restlichen Jahre gemeinsam verbringen dürfen. Ich glaube daran, es wird eine schöne Zeit und wenn es anders wird, wie Ihr so oft geschrieben habt, dann habt Ihr mir genug Kraft gegeben, auch meinen Weg alleine zu gehen

    Ich denke, sie wird eines Tages ihre Nase in den Wind halten, hier schreiben, ihre Geschichte, ihre Sicht, sich frei machen und ihren weiteren Weg Mut machend vortragen. Das sind ihre Worte, bevor wir ein Paar wurden und vielleicht, hat schon jemand ähnliches gedacht:

    Liebe vergiss es. Aber nur S** zu haben und anschließend schweigend im Bett zu liegen weil man sich nichts zu sagen hat ist ziemlich ernüchternd. Ich habe keine Ahnung von Liebe. Vielleicht bin ich einfach immer zu misstrauisch, verstecke mich hinter irgendwelchem Geschwätz. Die Starke, die niemanden braucht, alles allein durchsteht, na kennst das ja - da kann "Mann" ja vielleicht auch nicht hinter die Kulissen schauen.

    Liebe hat für mich was mit Angst zu tun. Hingabe, Gefühle das macht mich ja auch sehr verletzlich, angreifbar und ich möchte doch immer auf alles gefasst sein, immer als erste das Messer aus der Tasche ziehen ...

    Ich liebe dich - die meisten Leute gehen für meine Begriffe ziemlich inflationär mit diesem Satz um, gemeint ist doch meist, ich fühle mich gerade wohl bei/mit dir oder ich bin verliebt, Kribbeln im Bauch und
    Schwitzehändchen etc. Aber Liebe ?? Vielleicht hänge ich die Latte ja auch zu hoch. Alle reden ständig über Liebe - Lieder, Filme, Bücher, Werbung, Freunde, Bekannte. Irgendwie fühlt man sich doch als Versager wenn man da nicht mitreden kann.

    So Karl, jetzt hole ich meine große Liebe von der Schule ab.


    @Spedi, Beikircher erklärt auf schöne Art den Unterschied zwischen einem Bayer und einem Rheinländer. Ich verstehe Dich und respektiere Deine Texte und Du hast es für isa vorbildlich formuliert, meine Frau hat etwas begriffen:

    1.) ihre Krankheit akzeptiert
    2.) sie will alles gegen ihre Krankheit unternehmen
    3.) beides vorbehaltlos tut
    und
    4.) „alleine die Erfahrung lehrt, dass es in den seltensten Fällen dann noch eine gemeinsame Zukunft gibt – „
    Ja, es gehört zum Sein lassen, nur das Leben zählt und wenn es so sein sollte, dann ist es so, nur durch los lassen kann etwas zusammen wachsen, wir werden wachsen.

    Kathrin schrieb anfangs auf meine Frage, warum soll jemand das Trinken aufgeben, wenn die Lebenszeit begrenzt ist:

    „ich würde ganz spontan antworten: um die zeit bis zum nächsten infarkt wenigstens 100% zu erLEBEN und noch genießen zu können...“

    Sie wird leben.

    Es gibt diese positiven Augenblicke, lasst uns einfach euphorische Luftsprünge machen und dabei nicht vergessen, dass es zum freien Fall nur weniger cm bedarf, ein Leben lang.

    Manch einer wird wieder denken: hat der verrückte Kerl es immer noch nicht begriffen? Dann will ich Euch einmal sagen, was vor meinem Fenster für ein Naturschauspiel los ist. Da steht ein mächtiger Baum. So eine graue Kacktaube, das sind die, die für die beschi….. Flecken im Lack verantwortlich sind, hat da ihr Nest und schon Eier gelegt. Zwei Elstern machten einen lauten Krach, wollten an die Eier und die Taube hat sie mutig in die Flucht geschlagen. Beeindruckend. Zwei blauschwarze riesige Krähen kamen, die Federn flogen, die Taube hat mutig gekämpft, aber sie hatte keine Chance und machte einen Abflug. Die Eier wurden genüsslich verputzt. Heute sitzt sie wieder in ihrem Nest und legt neue Eier, diese Kacktaube und die Krähen krächzen laut vom Dach. Die Natur ist hart, wir auch, wir können trotzen.


    Es sind Menschen wie Claus, die hilflos das durchlebten, was vielen bevorsteht. Lest die Wahrheit tausendmal, rotzt die Taschentücher bis oben hin voll und vergesst diese traurige Geschichte nicht mehr, druckt sie aus und steckt sie zur Erinnerung in Eure Geldbörse, damit sie immer an Eurer Seite ist. Jede Seuche wird gnadenlos ausgerottet, nur diese hier, unsere, die wird von allen Gesellschaftsschichten freudestrahlend forciert, bis in den Tod. Grundnahrungsmittel, was für abgrundtiefe Lügengeschichten seit Generationen in unseren Köpfen verankert sind. Ihr habt es in Eurer Hand, diese Anker zu kappen und wenn dabei einigen Köpfe rollen werden, dann rollen sie eben, tretet nach und lasst sie bis weit in den Elfer fliegen.

    Zugelassener, forcierter Tod auf Raten, eigenverantwortliches aufgeklärtes Töten und kein Schutzmann rührt einen Finger. Doch, vielleicht der Schutzmann Schnäuzerkowski, im Henneschen, da befinden wir uns nähmlich – mit „h“.

    Alkoholiker, eingestuft als Menschen unterster Brückenpennerklasse und doch angesehene Looser, auch in obersten Etagen, Brücken bauend. Bei solchen Worten da kommt es mir, dieser altbekannte Speichelfluss, dieses Kribbeln in den Beinen, dieses Verlangen nach etwas, nach meinem riesigen Nussknacker.

    Ja, Karsten, "In Liebe loslassen" bedeutet, dass man auf sein eigenes Glück verzichten muss, wenn man damit erreichen kann, dass jemand anders glücklich wird, Danke, danke an Euch alle. Hier gibt es viele Unglückliche die glücklich sein wollen, zählt auf mich. Ich werde Himmel und Erde in Bewegung setzen und Ihr werdet das Knacken harter Nüsse bis in das tiefste Loch hören können.

    Mein Thread endet hier nicht, er beginnt erst.

    LG kaltblut

    PS:

    Wer da alles seine Finger im Spiel hat und von „Ihm“ gesteuert wird? Ich habe lange Jahre dafür gebraucht es zu begreifen, obwohl ich „Ihn“ lange ergriffen in meinen Händen hielt:

    - der Kranke, der ist ein Abfallprodukt, blauer Punkt, braune Tonne, Deckel zu, recycelbar
    - der Angehörige, der hat ja nun wirklich keinen Schaden durch „Ihn“, außer einem Schaden, dann ist er auch nur ein Abfallprodukt, blauer Punkt, braune Tonne, Deckel zu, recycelbar.
    - der Reparaturservice mit der Couch und der mit dem weißen Kittel, die wären halt mit neuen Bürotätigkeiten, Ablage „P“ zu versorgen.
    - die Industrie, die hunderte von Gegenstöffchen nach alten Braugesetzen erschafft, die Maschinen, Computer und überlebenswichtigen Geräte erzeugt, ab in die Umweltforschung
    - leider auch alle Kabolmäuschen, die aufopferungsvoll ihre schlecht bezahlten Stunden abrackern und sich auf Gartenarbeit und Männe umstellen müssten
    - die Flasche leer Produzenten mit ihren Schlossbildchendruckern, Maurer und Maler werden immer gebraucht
    - die Werbeindustrie, die plötzlich riesige Werbeblöcke mit richtigen Filmen füllen müssten
    - die Winzer, Brenner und Stoffproduzenten, die sich Finger verbrennen
    - die Kneipiers und Gastronomen, die richtige Haushaltslöcher bekämen
    - die Lebensmittelindustrie, die schon unsere Kinderpausen mit Ihm bestückt
    - die Stores, die könnten auch Lese- und Chaträume auf den neuen Freiflächen einrichten
    - die grünen Beaufsichtiger, die endlich mit ihren Kids richtigeres Kasperletheater spielen könnten
    - unsere Oberbosse, die Macher und Verwalter unserer Steuern, die dann sinken, aber eigentlich nicht mehr zweckgebunden gebraucht würden, damit könnten neue Löcher gestopft werden
    - unsere Entscheider über Justitia, die lägen dann wie die Bosse und Macher in Diäten, würden aber schlank, nicht mehr gebraucht.
    - und seine Angestellten, die lochpräservativgesteuerten, prohibitionierten Präventionisten, aber die hätten geknackte Nüsse, wie er, ein Abfallprodukt, blauer Punkt, braune Tonne, Deckel zu, recycelbar

    Ich verstehe es ja auch nicht, alle haben was davon, so oder so, bis in den Ofen.

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Kaltblut,

    mal wieder ein sehr starker Beitrag von Dir. Irgendwo fand sich das Wort "Situationsverdrängung". Ja.

    Aber Du hast auch den Beikircher erwähnt, den hier möglicherweise kaum jemand kennt, aber der ähnlich wie Du in geschliffener Form Kommentare von sich gibt, die zum Nachdenken anregen.

    Es gibt noch ein paar im WDR, aber Du solltest eigentlich auch dort sein. Skurill zwar, aber nicht ohne Logik.

    gruss von schreck

  • Kaltblütiger, deine Texte packen mich an! Es ist die Liebe, die uns ein Bein stellt! Und die es uns schwer macht, loszulassen - loszulassen, das, oder die/den, wir lieben, weil es uns sonst beide umbringen würde. Das Festhalten macht uns krank und das Loslassen schmerzt wie die Hölle. Und doch habe ich erfahren, dass das Loslassen und das Erleben, wie "er" alleine klarkommt nd genauso ist, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe, wenn "er" nicht trinkt, ein wunderschönes Erleben ist - auch wenn er nun nicht mehr mit mir leben mag. Er kann scheinbar nur ohne mich und wenn ich will, dass er lebt, gesund lebt, dann muss ICH ohne "ihn" leben. Eine bittersüße Freude....

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hi kaltblut,

    Zitat

    Was immer auch in Zukunft sein wird, die Entgiftung mit Langzeittherapie hat sie voll und ganz für sich, nur für sich und ihr Leben, angenommen, die Papiere sind eingereicht, alles andere war gestern, sie wird leben und vielleicht, nur vielleicht, werden wir unsere restlichen Jahre gemeinsam verbringen dürfen. Ich glaube daran, es wird eine schöne Zeit und wenn es anders wird, wie Ihr so oft geschrieben habt, dann habt Ihr mir genug Kraft gegeben, auch meinen Weg alleine zu gehen

    Nie wieder werden wir in die tiefe Verzweiflung sinken in der wir hier irgendwann mal aufgetaucht sind. Das ist es, was wir gelernt haben. Selbstständig zu sein, zu bleiben und dementsprechend jederzeit zu handeln. Wir wissen, es geht auch anders, jederzeit - wir sind "frei" und können entscheiden - was immer wir wollen !

    Ich wünsche Dir eine gute Zeit - so lang sie dauern wird und darüber hinaus !

    Diandra

    Mögen alle meine Fehler sich auf ihre Plätze begeben und möglichst wenig Lärm dabei machen.

    Überwältigend was geschehen kann,
    wenn sich die Fingerspitzen zweier Menschen
    ganz leicht berühren,
    am richtigen Ort
    und zur rechten Zeit!

  • Hallo zusammen,

    danke, dass Ihr die Mammutzeilen lest, ich weiß, es war etwas viel, aber es musste einfach raus.
    Lest und druckt Euch die Zeilen von Claus aus, tragt sie bei Euch, damit sie nicht aus dem Hirn verschwinden, Euch immer wachsam halten. Ich werde sie immer verteilen, wenn mein "Ach, Du auch" unbeachtet bleibt.

    @Schreck: Ja, der ist ein toller Redner, italienischer ex fast Österreicher aus hier. Nicht zu den Medien, die machen cut, ganz unten, beim Nachschub, weit vor einer greifbaren Gesetzesänderung, diesem Quatsch, Debatten über Alk Ü18. Das ist nichts anderes als Sylvester. Kaum einer Ü18 ballert 3 Tage vorher, es sind die Kleinen, die es eigentlich nicht dürfen, aus dem Nimmerland, aber die werden es schon frühzeitig lernen, dieses Nüsse knacken oder wie der Reduktionsfaktor mit Resorptionsdefizit gesundes Theater spielt.

    Lasst Euch das hier mal auf der Zunge zergehen:

    Bundesamt für Statistik: Todesursachen in Deutschland. Gestorbene in Deutschland an ausgewählten Todesursachen 2005. Fachserie 12 Reihe 4, Tabelle 2.3.2 „14.940“ Tote - auf Alkoholabhängigkeit und Lebererkrankungen zurückzuführende Todesursachen.
    Das ist der offizielle Reduktionsfaktor mit Resorptionsdefizit:
    „Anzumerken ist, dass sich wegen der sozialen Erwartungshaltung der Angehörigen auch Ärzte scheuen, eine Todesursache mit Alkoholbezug auf die Todesbescheinigung zu schreiben. Daher muss damit gerechnet werden, dass eher zu wenig als zu viel Alkoholtote amtlich erfasst werden“.

    Aus dem Bundesministerium für Gesundheit:
    Jährlich sterben ca. 42 000 Personen direkt (durch Alkoholmissbrauch) oder indirekt (u.a. durch alkoholbedingte Unfälle) an den Folgen des Alkoholkonsums (also 5% der Bevölkerung, ex und hop).

    Ups, da ist wohl irgendein offizieller Reduktionsfaktor mit Resorptionsdefizit statistisch geschrumpft.

    1,7 Millionen Abhängige oder 2,5 oder 3,0 oder 4,2 Millionen oder noch mehr offiziell Abhängige? Das macht dann zwischen 2-5% der Bevölkerung aus oder 3% die einfach weg sind, die Einwohner Berlins im offiziellen Reduktionsfaktor mit Resorptionsdefizit verschwunden, weg, gibt’s nicht mehr.

    Verstehe ich nicht, die wissen doch auch, ob sie 10km Autobahn, 100km oder 1000km überwachen, wissen auf Knopfdruck ganz genau wann ich mit wem wo war, aber eine ganze Hauptstadt, weg, einfach weg, dazu nochmals die gefährdeten Grenzgänger, macht dann nochmals München, Hamburg, Köln, Stuttgart, gut Düsseldorf nehmen wir dazu, einfach alles weg, dass wird mir zu kompliziert, ich glaube ich habe wieder diese braune klebrige Masse am Schuh. Wer sagte noch was von Männern, Gummiband und Laufen? Hier werde ich gerade geflitscht.


    Ette : bittersüße Freude… ganz lieben, ohne Messer in der Tasche und dabei wachsam frei bleiben.
    Die Liebe stellt uns ein Bein, die Abhängigkeiten, so oder so, es sind unsere Beine. Die brauchen wir zum schnellen Laufen oder zum Trotzen. Darüber sitzt unser Bauch und wenn ich ihn frage, ob die Erkenntnisse hier, die Erfahrungen, das Bauchweh noch schmerzen, dann sagt er nein, weil es ein Stück von uns war und ist, unser Leben, Vergangenheit und die Zukunft, die kann nur gut aussehen, so oder so, es liegt in unserer Hand. Ette, meine Frau meinte, hier sind sehr viele Frauen, dass Frauen mehr leiden als Männer, meist die sind, die traurig zurück bleiben. Es ist leider so, dass Frauen in der Evolution mit anderen Gefühlen ausgestattet wurden. Ich habe meine Mutter als Kind dafür gehasst, das sie so liebevoll und butterweich war, dass sie mich nicht zu einem harten Kerl gemacht hat und ich bin ihr heute dankbar, dass ich mit diesem Butterweichen in mir umgehen lernte. Wir lernen unsere Beine zu sortieren und dann ist es klasse zu stehen, zu gehen, zu laufen, zu leben und wenn es sein muss auch alleine.

    @ Diandra: Ja, wir wussten es nicht, jetzt haben wir begriffen, leben, nicht gelebt werden, wir wollten und konnten nicht und es ist wunderschön, egal was wann wo kommt, ein Stück erfahren und wenn ich zurück blicke, es waren die wichtigsten Erfahrungen meiner 48 Jahre. Aber davon mal abgesehen, wir haben beide immer noch eine Hantelbank und die kann auch sonst mal herhalten, soll ja vorkommen, dass in normalen Beziehungen irgendwann auch mal wieder andere Federn fliegen und ich werde es genießen.

    @ Elle: ja, es hat sich viel getan, bei ihr, bei mir, für die Zukunft, wie die sein wird, das werden wir sehen, aber eines weiß ich, es wird Zahnrädchen in Zahnrädchen greifen, es macht mir Spaß und meine Frau wird an dieser Aufgabe, am Leben, auch ihren Spaß haben, für sich. Dieses „in Liebe fallen lassen“ war ein langer Knast, aber wenn die Tore sich öffnen und man da raus geht, dann will man nicht mehr zurück, es tut auch kein bisschen weh daran zurück zu denken, wir haben unsere Erfahrung und wissen jetzt wie man Fahrrad fährt, unverlernbar und die Gänsehaut, die lassen wir ab jetzt mal für die, deren Nüsse wir später knacken hören.

    Lieben Gruß kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hey kaltblut,
    wie kommst du voran mit deinem Buch? Und wie geht es dir ansonsten so? Würde mich mal freuen, wieder was von dir zu lesen *g*

  • Hallo zusammen,

    Ayki, es gibt einige Seiten, aber viel fiel der Taste del zum Opfer. Es gibt hier so viel zu lesen und:

    1. eine Frau, die an den Dingen arbeitet, durch die Bürokratie stolpert und so weit ist die LZT anzutreten, wir werden sehen wie schnell das jetzt alles geht. Da machen sich ganz neue Muster breit, purer Stoff für neue Gedanken und der Stoff ist konzentrierter. Wir haben einige der Therapiehäuser besucht und es gibt tatsächlich Unterschiede. Häuser für Menschen ohne intaktes soziales Umfeld, wo nichts mehr passt und welche für mit intaktem Umfeld, wo Job oder Familie noch vorhanden sind, wo es konzentrierter zur Sache geht. Während eines Absturzes meinte sie, ob ich sie denn wirklich bei Erstgenannten sehe. Da konnte ich nur sagen „ja“. 4-6 Monate kochen, abwaschen, putzen, Blumen pflegen und sozialen Umgang mit fremden Menschen haben, warum nicht, es geht um dein Leben, nicht um etepete. Sie hat tolle Wünsche und Vorstellungen, ich nicht. Ich denke erst wieder an ein gemeinsames Morgen, wenn es Sinn macht und da ist heute noch nichts Richtiges greifbar.

    2. einen Mann, der sich fragt ob der Kurs passt, kommt noch ein Tschüss, wie bei vielen von Euch, kommt es wie bei Stoffel? Lavendels, tolle Anmerkung, ich erinnere mich an Mai06, sie Herzreha,
    gemeinsames Wochenende, düse zurück, sage bin gut angekommen, sie einen im Tee in lustiger Gesellschaft. Bin ich da ausgerastet und beinahe zurückgedüst, wollte alle anscheißen und wäre wohl als Witzfigur ins Wochenblatt gekommen. Auf jeden Fall ist es einfacher, für beide gelassen, mit einem gewissen Abstand Nähe zuzulassen. Wir haben uns was zu sagen, eine Basis für eine gemeinsame Zukunft, aber die nächsten Monate müssen erst einmal rum sein, dann werden wir sehen und Gelassenheit, kann da nur gut tun. Ich liebe meine Frau, aber ich bin und bleibe ein eigenständiges Individium. Außerdem bin ich so zugeknallt, ihre Wohnung ausräumen, einlagern, Job, viel unterwegs, bis Juni habe ich keinen Kopf zum Jammern. Ostern werde ich mich hinsetzen und für mich formulieren, was ich eigentlich greifen will, in Zukunft.

    3. dazwischen gibt es viel aus meiner Sicht, schreibe es auf, lege es fort, ich bin wachsam, vor meinen evtl. Rückfällen, ihre lassen mich kalt, ihr Ding. Whitewolfs, Lillys u. a. Berichte, Spedis knappe treffende Kracher oder auch von Hans Fallade, der Trinker, können ganz schön erschrecken, wach halten.

    Am 1. April war ein Trickkistentag und wäre nicht der 1. April gewesen, also ein Scherztag, wäre ich nicht durch Euch stark geworden, ich hätte das Handtuch geschmissen, aber das mache ich nicht, genauso wenig wie an unserem ersten Chaotentag mit Dr. Wumme Beam Michelinman. Ein Trickkistentag das ist einer, an dem „Er“, mein Nebenbuhler, einfach den Hammer zieht und loshämmert und fast wäre ich behämmert stiften gegangen. Wisst Ihr, das war „sein“ letztes Pulver, er hat es verschossen. Da waren zwar einige schmerzende Granaten, aber ich kann damit umgehen, mich tief einbuddeln, sie verpuffen über meinem Kopf. Spedi hat bei Isa geschrieben: „Dein Partner verarscht Dich von vorne bis hinten und Du fällst brav darauf rein“. Nein, keine verarschende Blindheit, nur wachsam bleiben, hier stehen zu viele „Hallo Wach Hinweise“ und viel lesen schadet nicht. Wir werden es erleben, ob sie ihren Weg als Chance für sich, für ihr Leben sieht oder nur als Mittel zum Zweck, die Uhr tickt weiter.

    Mir ist ziemlich viel wurst, ich dulde keinen Nebenbuhler und langsam bekommt „Er“ zu recht mächtig schiss, dass seine Nüsse knacken oder besser behämmert werden.

    Dann gibt es noch ein Buch, Kap. 2 und da geht es gerade um diese latent lattierten Liebegedanken, aber es soll ja kein Drehbuch für nächtliche Pausenfüller zwischen den Ruf-Mich-An-Hotline-Werbespots werden, also hänge ich da bei Seite 18 was fest. Das Drumherum zu Pkt. 1 kommt in Kap. 7, Wir leben vom Töten, und ein neues Kap. 8 hat auch einen Platz in meinen Ordnern „Prävention, von unten, da wo es richtig weh tut“. Es wächst, was durcheinander, aber das wird schon.

    Richtig geärgert habe ich mich die letzten Tage eigentlich nur über was ganz Dummes: ein schöner Pullover hat Zwergengröße in der Waschmaschine bekommen, wo der ganze Staubkrams immer her kommt und das ich gestern keinen Fernseher hatte, aber verpasst habe ich ja wohl nichts. Der Alltag hat wieder einen großen Stellenwert. Irgendwie ist aus Euphorie und Enthusiasmus am Schreiben verinnerlichte Gewohnheit geworden.

    Das Nüsse knacken ist auch etwas ganz Selbstständiges geworden, 1000 Nummern zu groß für mich, aber jeder Berg ist hoch, wenn man oben ist, dann ist unten alles ganz klein, winzig, aber es macht Spaß im Misst zu wühlen und ich hole mir Elle´s Ameisen, die, die Berge versetzen, meine .ppt steht. Bald geht es los, da werden ganz dicke Fische ins Boot gezogen – und wenn´s schief geht, dann weiß ich zumindest, das ich wieder in diese braune schleimige Masse gepackt hab, das ist es wert, Hände waschen und - wieder und wieder und wieder, bis ich auf diesem Berg bin.

    Übrigens, von unseren Vorturnern haben wir ja gerade die offizielle Genehmigung bekommen unseren Ruhestand etwas hinauszuschieben. Da darf ich dann 2 Jahre länger an diesem Projekt arbeiten, also 18 Jahre, das ist doch was Greifbares, wenn ich mir überlege, was in den Monaten seid ich Euch gefunden habe alles passiert ist.

    Ich wünsche Euch schöne sonnige Ostertage

    kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo zusammen,

    Ostern war für mich zum Grübeln da, feststellen, was ich eigentlich will, was sie will, was sich aus meiner Sicht ändern soll und ob das alles noch passen kann.

    Was ich will: mit meiner Frau leben, ohne ihre Krankheit, ohne Nebenbuhler, ohne Co-Abhängigkeit, ohne weitere Einbußen. Was sie will: ihre Krankheit stoppen, mit Ihrem Mann leben, auf eigenen Beinen stehen, ohne weitere Einbußen.

    Sie bekommt die Krankheit gestoppt, ich ziehe voll mit, unterstütze und mache, bin kein Flaschenträger, meine empfindlichen Sensoren werden zeitig ausschlagen, hab sie halt, gehen nie mehr weg und ich schätze sie heute auch sehr.

    Meine Frau hilft sich, lässt sich helfen, es macht jetzt keinen Sinn über Rückfälle vor zu denken und der Vergangenheit nach zu karten, das wäre sonst wie Ostereier suchen, da wir nicht wissen wo sie versteckt sind, finden wir manche, andere nicht.

    Wir kommen dann irgendwann wieder an einem Punkt, wo sich zwei Menschen etwas geben, sich ergänzen – ohne offene Krankheit, also in eine gesunde Partnerschaft. Alles was jetzt kracht, ohne Krankheit, ist normale unkranke Beziehungsproblematik, die man löst oder nicht, es passt oder passt nicht, man geht auseinander oder bleibt zusammen. Grundvoraussetzung für eine gesunde Beziehung ist Kommunikation und das permanente Arbeiten an ihr, der Beziehung. Hört man auf, ist es wie im Job: eines Tages weg, stempeln und da nützt der beste Vertrag nichts mehr, Abstellgleis, erledigt.

    Wenn ich mich voll auf die Beziehung einlasse, konsequent in meiner Partnerschaft bin, daran arbeite, bin ich auch abhängig, vom Partner und sie genauso von mir. Bei einer etwas oder vielleicht Beziehung bin ich nicht bereit dazu, erspare ich mir das, für die Kiste brauche ich es nicht. Die Konsequenz ist dann die Beziehung, nicht ich, nicht sie, kein Egoismus, keine Machtkämpfe, wäre es so, Dauerstress, irgendwann erledigt, tschüss.

    Etwas haben wir in dem vergangenen Brodeljahr nicht verloren: die Achtung, den Respekt und das Vertrauen in uns – unabhängig wer auf welcher Seite steht, es ist da.

    Wir leben nicht gestern, aber alte Werte haben Bestand, so wie Gesetze, ohne sie nützt die größte Freiheit nichts.

    Mein Nebenbuhler, der ist noch da, manchmal fange ich mir aus heiterem Himmel noch heftig was Unverständliches ein, aber bald ändert sich ja was, für ihn bleibt bei mir kein Platz. Sie glaubt immer noch, dass ich nicht mitziehe. Die Firma bleibt hier, meine Bude bleibt hier, aber umziehen in die große Stadt, klar werde ich das. Manchmal hält sie mir mein dummes Gequatsche über die Stadt und die Leute vor, kann ich mit leben, Düsseldorfer quatschen dumm über Kölner und umgekehrt, ist aber nicht böse gemeint, sonst müsste wir ja auch auf jeden Bayer böse sein, der uns einen Fisch andichtet. Meine Sensoren sagen aber auch: Trockenheit für ihr Leben, mit mir oder ohne mich, was die Zukunft auch immer bringen wird, nicht als Mittel zum Zweck.

    Was hat mir die Ostergrübelei jetzt gebracht: gefundene und nicht gefundene Ostereier.
    Wie es sein wird, das weiß keiner. Was ich will, das weiß ich und wenn ich es nicht ausprobieren würde, was wüsste ich dann, nichts. Was sie will, das werden wir teilweise erfüllen können, was nach ihrer Therapie sein wird, weiß keiner. Also lasse ich mich darauf ein und sehe mal was so passiert, in meinem Leben, das liegt in meiner Hand, nur das, alles andere nicht, also hätte ich mir die Sucherei auch sparen können, zu viel Grübeln bringt nichts.

    Aber eins habe ich drin: Abstand und Konsequenz sind gut für den Wiederaufbau und was mir vorher so weh tat, schmerzt nicht mehr. Wenn ich mir überlege, wie schnell die Monate des Auszugs mit allem Drum herum vergangen sind, ich hätte mir nie träumen lassen, das all das Aufgewühlte, die Zerrissenheit , die schäumenden Vulkane, einmal so aufgeräumt, still und gelassen im Schrank stehen würden. Das liegt bestimmt nicht am Frühling, Ihr habt einen tollen Job gemacht, danke.


    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Servus Kaltblut,

    gesunder Pragmatismus ist halt doch was wert, gell?
    Schön, wenn Du es so annehmen kannst.

    Ich wünsch Euch weiterhin viel Kraft auf diesem Weg!

    LG
    Spedi

  • *lach* Spedi, manchmal könnt ich dich echt knutschen. Furztrockener Humor, klasse!!!

    Kaltblut, es macht keinen Sinn, jetzt über eintretende Eventualitäten nachzudenken, da haste schon Recht!
    Solange du mir dir im Reinen bist, kannst du nur gewinnen und ich schätze das weißt du auch!

    Deine Sensoren werden auf jeden Fall bestehen bleiben und das ist auch gut so, weil sie als eine Art Sebstschutz funktionieren. Meine sind auch hochfein ausgebildet und ich höre am Telefon am ersten Satz, ob mein Mann getrunken hat oder nicht. Ich muss ihn nicht mal sehen.....
    Für mich ist dieses Warnsystem ein echt guter Freund geworden, weil sich bei mir dann sofort absolute Gefühlskälte einschaltet und ich rational nachdenke.
    Seinen Verstand über die Gefühle zu stellen hilft manchmal mehr als tausend Worte!

    Schönes Wochenende!

    Heike

  • HI Pott, servus Spedi, allo zusammen,

    es hat zwar fast ein Jahr gedauert, aber ein unbezahlbares Jahr, hier im Forum, Eure unbezahlbare Arbeit. Früher war da Hoffnung, ein Bauch voller Liebeszirkus, ein stetes gegen die Wand laufen, ein ausgeknipstes Hirn und ein Jahr war unvorstellbar.

    Heute gehen viele Lampen an, bei Freunden, Bekannten, Kunden, in Filmen, bei Fernsehwerbungen, in Büchern, in Zeitungen, täglich und vieles erscheint in einem anderen Licht. Es gab eine Zeit, da hat mich das bekloppt gemacht, da habe ich jedes Prozent gehasst, jetzt ist es einfach und ich sehe das als eine wertvolle Bereicherung, Dinge zu sehen, die vorher nicht da waren und damit umzugehen.

    Hier waren Menschen, die sagten sich irgendwann, es bringt mir nichts mehr und fort. Ich habe erlebt, wie sich mir oft der Magen umdrehte, dass ich erschreckte und dass ich einfach raus aus diesem Forum musste, dass mehr Zeit drauf ging, als ich mir erlauben durfte und vieles vernachlässigt wurde, das war es wert. Es gibt hier Menschen die bekommen einen leichten Klatsch und sind weg, andere einen Schubser und hängen dran, an all Euren unbezahlbaren Erkenntnissen und Erfahrungen. Wofür das alles? Es geht um „Leben“.

    „Wir schaffen das“ hat in diesen Monaten viele Bedeutungen bekommen: den Sch.. bei ihr wegzubekommen, das lag nicht in meiner Hand, musste ich widerspenstig begreifen lernen, aus der Co-Abhängigkeit raus zu kommen, aus dem Koma bin ich erwacht mit Seinlassen, die eigene Sucht zu akzeptieren, habe ich nie drüber nachgedacht, sie hatte ein Problem, nicht ich, etwas zu ändern, da bin auf dem Weg, mit Nüsse knacken. Ich sehe heute auch diesen riesigen Apparat, der dahinter steht, der davon lebt und sich die Hände reibt, Gänsehaut.

    Wir suchen, machen, tun, strampeln, drehen und sehen dabei nicht, dass schon alles in uns ist, einfach so und den Schlüssel dazu, den können wir hier finden, in diesem riesigen Hilfetool, durch Eure wertvolle Arbeit und die kann ein Minisatz wie „das sehe ich nicht so“ sein oder ein langer Erfahrungsbericht. Wichtig bleibt, was in unserer weichen Masse passiert.

    Übrigens, im Mai 06 habe ich dieses Forum gefunden, mich am 20.6. angemeldet und am 29.06 erstmals „getraut“ was zu schreiben:

    Also, wenn unserer Ehe, unsere Liebe gerettet werden soll, dann muss ich meine Frau fallen lassen, sie Konsequenzen spüren lassen, mich von ihr trennen, sie muss freiwillig in den Entzug wollen, man kann ihr nicht helfen, sie muss sich selbst helfen wollen und das macht ein Alkoholkranker nicht. Habe ich das so richtig verstanden? Nur so kann ihr geholfen werden? Verstehe ich nicht – hätte sie das Leben gefährdende Krankheiten, Unheilbares, wäre sie voll zugedröhnt mit Medikamenten, launisch und streitsüchtig, unbeweglich, ein Pflegefall oder würde sie so irre schnarchen wie ich, vielleicht wäre das noch viel anstrengender, zermürbender, Kraft raubender und da würde ich doch auch nicht sagen: und Tschüss…Auf jeden Fall komme ich nicht damit klar, meiner Frau nur dann zu helfen, wenn ich sie fallen lasse und alternativ alles weiterlaufen zu lassen und mit anzusehen, wie sie in die Kiste wandert. Auch komme ich nicht damit klar, dass ich ihr Vorhaltungen machen soll, für irgendwelche Verfehlungen. Da sind doch keine, außer, dass sie Ihren Bedarf eindeckt, etwas länger schläft als andere, vielleicht bald nicht mehr da ist.
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    Ich hatte nie einen Gedanken daran, dass sie unter der Erde besser aufgehoben ist, aber meine Ex-Vermieterin ängstlich fragte, was sie denn nur machen soll, wenn einige Tage die Rollläden nicht hochgezogen werden und etwas passiert sein könnte? Und, würde es was ändern? Wenn wir gebraucht werden, sind wir eh nicht da, kommt der Wagen sie eben was später abholen.
    ---------
    Wenn sie es braucht, dann kann ich sie zerlegen und neu aufbauen, aber meine Ehe nicht, dafür gibt es keine Ersatzteile, keine Garantie, nur Verschrottung, das ist Werksbeschi... erster Klasse.

    Ohnmacht beendet man nicht durch aushalten, das ist KOMA, die Konsequenz ist : nur durch aufwachen und Scheidung.
    --------------
    Etwas haben wir in dem vergangenen Brodeljahr nicht verloren: die Achtung, den Respekt und das Vertrauen in uns – unabhängig wer auf welcher Seite steht, es ist da.
    --------------
    Ich wünsche deshalb allen die neu hierhin finden – nehmt Euch viel Zeit, es geht um Leben und was irgendwann sein wird, das wissen wir nicht. Hier sind immer einige Hundert Menschen, den ganzen Tag, niemand ist hier alleine.

    LG kaltblut

    PS: bin jetzt paar Tage Ausland unterwegs, Nussknacker besorgen

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo zusammen,

    Statement: wir warten, LZT, vorangehende Entgiftung soll dann passend schnell eingetütet werden, Termine halt und ich versuche ein geduldiger Mensch und Ehemann zu sein. Ihre Wohnungsauflösung mit Einlagerung des Krams geht dem Ende zu, Samstag ist sie bei mir für die Übergangszeit eingezogen. 3 Wochen bin ich davon eh unterwegs, Freitag wieder ins Ausland und dann 2 Reifensätze verblasen, passt schon, wir überstehen die Zeit in meiner kleinen Jugebu mit Singlebett.


    Kapitel 2, fast fertig, aber es kommt was hinzu „es ist die Liebe, die Hand in Hand mit „Ihm“ zusammenarbeitet“. Seiten wie wir verliebt blind vom Dach springen, nicht auf die ganz wild, rot aufblinkenden Anzeige schauen: Co Co Co, platsch. Nächste Woche kann es an Kap. 3 gehen, da knallt es erstmals. Das Buch muss jetzt schneller rund werden, mir graut vor meinen Germanistik- und Legasthenikfehlern.

    Projekt 1 geht seinen Weg, wird eine heiße Kiste. Die ersten Großen stehen dahinter, fahren drauf ab, weitere kommen nächste Woche. Auch Widerstand erster Klasse, ich war was zu optimistisch.

    Kollege aus F, gerade 50 geworden und ich sitzen wartend an der Bar. Er knallt paar Bier weg und ich denke, das sind schlechte Anzeichen. Erklärt mir noch ausführlich, wen man hier alles trifft und was man hier alles für tolle Geschäfte anbahnt, ja ich weiß, bin ja nicht seit gestern dabei und der O-Saft ist frisch gepresst. Da kam mir erstmals ins Bewusstsein, was da alles so abläuft, wie klasse es ist, alles mit klarem Verstand zu verfolgen. Später Dinner, klar gemacht: no alcohol, Wein, Anstoßglas, paar Mal pro forma das Glas hochgehalten, trinke natürlich nur meinen Tee. In einem unbedachten Augenblick kippt das Glas, fange es ab, führe es zum Mund und denke auf halber Strecke: hallo, was geht denn da bei Dir ab, Idiot. Übrigens: die Teesammlung wächst.

    Am Folgetag haben wir die Projektumsetzung für Frankreich diskutiert. Keine Chance, ich lief gegen seine Pumpe. Meine erste Vollbremsung. Er hat mir auf charmante Weise zu Ausdruck gebracht: Idiot, ohne Wein, Idiot. Es wird ein langer Weg, kein Verbissener, es macht mir mit jedem Pumpenschlag mehr Spaß, ich bin mit leib und Seele am Ball. Es wird ein Krimi, wie man im Land der besten Weine einen Abhängigen auf seine Seite zieht, nicht trocken, das liegt nicht in meiner Hand. Da sind wir wieder beim durchgeknallten Verrücker, aber ich hole ihn mir und fahre bald mal nach Paris.


    Meine Frau hat sich etwas umgestellt. Es gibt Sachen die sind schwer, nehmen Platz weg, fallen auf. Sachen die man früher mit „so was trinke ich nicht“ bezeichnete. Sachen, die in jede Tasche passen oder genussvoll mit Fruchtsäften verzehrt werden. Die Sucht macht vor nichts halt, ade die einstigen Worte von gesund, Genuss und kontrolliert. Sie hat binnen 3 Wochen mächtig zugenommen. Mächtig heißt von 47 auf 52kg, lachhaft auf meinen Rippen, auffallend bei 47kg. Konzentrierter Stoff erster Sahne halt, mit viel Naivität, merkt ja keiner, Irrsinn. Ja, diesen Irrsinn hatten wir auch schon mal vor 3 Jahren, da kannte ich die Anzeichen nicht, das Forum nicht, während einer Spielphase: verstecken, suchen und finden.

    Irrsinn war auch unsere nächtliche Diskussion über ihre Vorstellungen, z. B. mal mit mir zu bummeln, durch Läden zu ziehen, einzukaufen, hätten wir seit letztem Jahr nicht mehr gemacht, habe es auch geglaubt, bis mir Sonntags einfiel: häh, was war das für eine gequirlte Kacke, waren wir nicht am 1.4. im Köln shoppen und danach nochmals Schuhe kaufen? Na ja, war halt auch am 1. April. Respekt vor dieser sensationellen einnehmenden Schauspielkunst, dem Garn, aus mit dem ein Co gesponnen wird. Es tat gut zu erleben, wie sie sich von all den Gebrauchsutensilien trennte, den teuren Gläsern oder Kochzugaben, auch ihren Wunsch zu spüren, „Ihn“ endlich los zu werden.

    Co-abhängig? Mein Leben ist nicht mehr nach ihrer Sucht ausgelegt, ihr Ding, es gibt Fußangeln, aber ich gehe meinen Weg und passe auf. Sie vergisst , dass sie angezogen vollkommen nackt vor mir steht, wenn „Er“ da ist. Es lässt mich nicht immer kalt, aber es erhitzt mich auch nicht mehr. Es gibt Anregungen, was sich alles bei mir ändern soll, was ich tun muss, Dinge die sie vermisst, aus ihrer Sicht, wenn „Er“ da ist. Co-Dinge, die einige Zeit von Herzen kamen und nicht mehr sind und eigentlich wenig mit realem Alltag zu tun haben, Wunschträume, wie wir sie alle haben. Ich habe mal angeklingelt: und ich? Unbedeutend, da sich ja eh alles nur um mich dreht Firma, Job, Kids, Projekte, Bike etc. stimmt, bei mir alles unter einem Hut, dazu all ihr Krams, ups haben wir vergessen. Ja, ich stehe in dieser Welt, auf dieser Erde, mit beiden Beinen, bisschen bekloppt, aber normal, wie fast alle, sie noch nicht, es muss noch in ihren Hut. Ich freue mich immer noch darauf nach Berlin zu ziehen, mit einer gesundenden Frau. Die Weichen sind gestellt, auf jeden Fall keinen kalten Entzug mehr, es ist jetzt wie es ist, die kommenden Wochen der Warteschleife gehen schnell vorbei.

    So lange unser Respekt, unsere Achtung, unser Vertrauen und unsere Kommunikation nicht auf der Strecke bleiben, glaube ich fest an den Bestand unserer Ehe und was sein wird, das wissen wir nicht. Vertrauen halte ich für sehr wichtig und bin manchmal verwundert, warum es uneingeschränkt da ist, trotz gelegentlicher schmerzender Hiebe, trotz einnehmender Schauspielkunst. Vielleicht liegt es daran, dass ich durch Euch gelernt habe meinem Nebenbuhler zu trotzen, ihn einfach von der Bettkante schuppse, wie lästige Fliegen die auf den Tellerrand wollen, mit einer Handbewegung.

    Wisst Ihr eigentlich was sich zwischen diesen Zeilen und meine ersten Zeilen geändert hat? Es fehlt die Liebe, sie ist nicht mehr am früheren Platz. Die Liebe hat eine ganz andere Bedeutung bekommen. Eine tiefere, wertvollere Bedeutung, sie ist uneingeschränkt da, nur, sie lässt mich nicht mehr blind vom Dach springen, es platscht nicht mehr, wir wollen leben.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • hallo kaltblut,

    Zitat

    Eine tiefere, wertvollere Bedeutung, sie ist uneingeschränkt da, nur, sie lässt mich nicht mehr blind vom Dach springen, es platscht nicht mehr, wir wollen leben

    Wünsche Dir viel Neues "erleben" dabei.

    Danke

    ***Drückdich***

    stoffel :wink:

    "Schmetterlinge fliegen hoch, aber auch die müssen ersteinmal laufen lernen"

  • @ elle: ja, ich habe Geduld, nenn es unbändige Geduld, mit klaren Dingen vor Augen, es ist schön daran zu denken und es tut nicht mehr weh nicht daran zu denken. Wir müssen erst verarbeiten und begreifen., fortlaufen bringt uns nicht weiter. Wie geht denn Dein Leben in Bonn weiter, tanzt Du schon auf den Rheinwellen?

    @ Stoffel: der Grad auf dem wir wandern, ist immer sehr schmal und oft vergessen wir dabei noch die Latschen gegen richtiges Schuhwerk zu tauschen. Aber Du weißt ja, dass hier überall Warnschilder hängen.

    @ Albina, schreibe Dir mal hier, bis Du Deinen Thread aufgemacht hast:
    dann bleib jetzt mal ganz ruhig: ich kam verzweifelt aufgelöst hierhin, wie alle, wie Du. Meine erste Reaktion, mein erster Schritt, war ein „ich trage keine Flaschen“. Lachhaft für die einen, für mich ein großer Schritt. Nach Monaten wollte ich im September die Wohnung kündigen, im Oktober habe ich eine Klatsche vom RA abgeschickt und das Trennungsjahr begann, im Januar gekündigt, im Februar ausgezogen, im März lag die Scheidungseinreichung auf meinem Tisch. Schlussstrich, endgültig erledigt, aufgewacht aus der Ohnmacht, Monate vergangen. Nicht nur so dahergesagt, innerlich abgeschlossen und dadurch einen neuen Weg gefunden. Anders Albina haben wir keine Chance, sie nicht zu leben, ich nicht, nicht gelebt zu werden. Keine Liebe, kein Glaube richtet diesen Krampf, aber Du kannst hier was für Dich tun. So wie Dein Partner alle für behämmert hält, die das Thema ansprechen, so waren wir auch alle einmal ziemlich daneben.

    In Liebe fallen lassen, das Liebste hergeben, dafür noch eine Mitten ins Gesicht zu bekommen, einfach so, ohne irgendwas und zuzusehen, wie sie zerfällt, was für eine Ironie. Vielleicht noch vorspringen oder hinterher springen? Dafür haben wir einst keinen auf den Po bekommen, geschrieen, die Augen aufgeschlagen und sind erwachsen geworden.

    Manche können knallharte Entscheidungen treffen, durchladen, abdrücken und abschießen. Es schmerzt unendlich, immer wieder, es wächst kein ausgerissener Arm nach, aber die Wunden heilen. Ich habe viele Monate dafür gebraucht. Was sein wird, das wissen wir nicht, aber vieles könntest Du viel besser deuten als ich, ich wage nicht einmal daran zu denken. Vielleicht steht in diesem Thread morgen verstorben, erledigt und meine Geduld hat sich im Nimmerland aufgelöst, wir wissen es nicht.

    Mut machen kann ich Dir nicht, nicht ihn nicht fallen zu lassen, nicht ihn nicht auf zu geben, nicht für eine gemeinsame Zukunft, nur das Gegenteil. Du bist ihm wertlos, Deine Liebe ist wertlos, sein Leben nichts wert, Deine Dankbarkeit die Abhängigkeit einer willenlos Gezähmten. Willst Du das in Deinem Leben bleiben?

    Kein Mensch möchte das und kein Mensch ist so wenig wert, weniger als Müllsäcke.

    Da Du hierhin gefunden hast beginnst Du arbeiten, an Dir, an Deinem Wert, hier geht es um Dich, um Dein Leben und Du bist alles Wert. Ein Lieber Freund hatte damals geschrieben:

    „Drum stehet fest und lasset euch nicht wieder unter das Joch der Knechtschaft bringen“. Es gibt Dinge die haben Bestand, tausende Jahre, wir haben sie alle in uns, nur sehen wir sie oft nicht mehr.

    Für das Gift sind wir alle gleich, egal welcher Glaube, Farbe, Herkunft, Stellung oder Sprache. Du wirst Dich wundern, wie viele Menschen Dich verstehen, wenn Du den Mund aufmachst.

    Es liegt alles in Deiner Hand, hau in die Tasten und eröffne Deinen Thread, für Dich, für Dein Leben, hier bist Du etwas wert, Du bist es wert, für Dich.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

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