Jana, Mein Mann ist Alkoholiker

  • bei mir genau das gleiche Thema Jana. Ich weiß nicht, ob du dich noch an mich erinnern kannst. Ich hatte Anfang des Jahres hier geschrieben. Nun bin ich nur noch stille mit Leserin. Unsere Geschichten haben sich so gedeckt.


    mein Mann ist seit Februar verschwunden. Wir wissen immer noch nicht, wo er wohnt. Nach wie vor, keine Gespräch, zu keinem Gespräch bereit, antwortet nur das notwendigste auf Anwaltschreiben, sogar mein Sohn muss ihn aktuell verklagen. Da er erwachsen ist. da fehlen mir die Worte. Es ist nicht mehr der Mann, den ich geheiratet habe. Nicht einmal mehr im Ansatz.
    die Kinder wollen keinen Kontakt mehr. Ihnen geht es sehr gut. Sie blühen jede Woche mehr auf.
    Ich habe Abstand. Mir macht es nicht mehr aus, dass er nicht erreichbar ist und mich ghosted. Ich kann aktuell sehr gut damit umgehen. Habe ab Januar eine Wohnung für mich und die Kinder und werde einfach unausgesprochen aus dem Haus ausziehen. Keine Ahnung, ob er das dann merkt oder oder nicht. Ich kümmere mich da nicht mehr.

    Unterhalt wird nun gerichtlich eingeklagt. Da kommt er nicht mehr darum, dann wird gepfändet.Ohne Unterhalt können wir nicht überleben.

    so kann ich dann erst mal leben. Wenn er die Scheidung einreicht, wird das Haus geteilt. Wenn er die Scheidung nicht einreicht, bleibt alles so wie es ist. Ich kümmere mich da nicht mehr darum. Ich habe mich bis jetzt um alles gekümmert.
    keine Ahnung, ob er noch trinkt oder nicht…

  • Liebe Lolli,

    selbstverständlich erinnere ich mich. Es scheint jetzt zumindest so bei dir, dass du einen Weg gefunden hast, mit dem du leben kannst, das freut mich für dich, auch wenns insgesamt eine unerfreuliche Situation ist.

    Ich war eine Weile überhaupt nicht mehr hier, weil ich mich ein bisschen verliebt hab und mir das so gut getan hat, einfach mal Abstand zu bekommen und was anderes zu fühlen als Wut und Ärger und Hilflosigkeit. Was draus wird, man wird sehen... interessanterweise war die Ex-Frau dieses Mannes auch Alkoholikerin, sodass wir da beide ziemlich verletzt sind und somit auch etwas vorsichtig.

    Mein Noch Mann ist nicht mehr wirklich Thema für mich, da hat mir dieses neue Gefühl von verliebtsein sehr geholfen. Ich frage mich jetzt, im Nachhinein immer klüger, warum ich ihn nicht schon vor einem Jahr vor die Tür gesetzt habe. Mit etwas Abstand unfassbar, was ich mir hab bieten lassen, angeblich um der Liebe willen, aber mit Liebe hatte das nicht mehr viel zu tun... das merke ich jetzt, wo jemand in meinem Leben ist, der nicht herumschreit, keine Türen knallt, keine grundlose Eifersucht an den Tag legt....

    Mein Anwalt hat ihm diese Woche einen Brief geschrieben mit meinen Forderungen, sehe da wenig Chancen, dass er da drauf einsteigt oder das auch nur verhandelt. Mir bliebe dann die Klage oder einfach alles so weiter laufen zu lassen, wie es ist und am Papier halt verheiratet zu bleiben. Hab mich da letztlich noch nicht entschieden.

    Werde jetzt mal versuchen meinen Lese-Rückstand hier aufzuholen ;)

    Alles Liebe

    jana

  • Hallo Jana,
    das ist ja toll, dass du dich verliebt hast. Manchmal denke ich das wäre mir eine große Hilfe aber ich bin dazu nicht bereit momentan und ich glaub das ist auch nicht so gut. Sonst geht man von einer emotionalen Abhängigkeit in die nächste. So war mein Gedanke. Beziehungsweise ich denke das wäre bei mir so.
    aber ich freu mich natürlich, dass es dir dadurch besser geht und du Abstand gewinnst.
    spannend zu lesen, wie wir früher gedacht haben und wie wir jetzt denken. Auch du wolltest es ohne Anwalt im guten regeln und wir wurden eines Besseren belehrt…..

    Drück dir alle Daumen für die Zukunft

  • Liebe Lolli,

    mit der Abhängigkeit hast du natürlich nicht ganz unrecht - verliebt sein regt ja auch im Gehirn die gleichen Areale an wie es die Sucht macht. Und das merke ich schon, und manchmal erschreckt es mich auch. Und möglicherweise ist es wirklich zu früh, aber es tut mir grade einfach gut nach der schlimmen Zeit mit meinem Mann. Einfach wieder Aufmerksamkeit zu bekommen, respektvoll und liebevoll behandelt zu werden und diese Ruhe zu verspüren, die er mir neben der aufregenden Verliebtheit auch gibt. Aber durch die ähnliche Vergangenheit wissen wir um die Verletzlichkeit des anderen... wir sind vorsichtig, aber vor Verletzung kann man sich nie ganz schützen... ich versuche einfach den Moment zu genießen und nicht zu viel an morgen zu denken...

    Als mein Mann merkte, dass es ihm "an den Kragen geht" und ich einen Anwalt eingeschalten hab, da wollte er einlenken und es plötzlich im Guten lösen. Aber das kommt für mich nicht mehr in Frage, verarschen kann er jemand anderen und ich habe mir viel zu lange viel zu viel bieten lassen. Im Nachhinein schüttelt man den Kopf und frage mich wie man da reinrutschen konnte, aber man sollte niemals nie sagen und viel Verständnis haben für jeden, dem das passiert... und achtsam sein, dass es einem selbst nicht wieder passiert...

    Durch unser beider Vergangenheit mit alkoholkranken Partnern trinken wir beide nicht und das ist sehr schön. Wir sind auch beide sehr zuverlässig, was uns beiden gut tut. Aber ja, sich auf die Liebe einzulassen ist ein Risiko... aber es nicht zu tun auch...

    Ich wünsche dir sehr, liebe Lolli, dass bei dir alles gut wird und du bald wieder mit mehr Vertrauen in die Zukunft blicken kannst :)

    Alles Liebe

    Jana

  • ... ich versuche einfach den Moment zu genießen und nicht zu viel an morgen zu denken...

    Aber ja, sich auf die Liebe einzulassen ist ein Risiko... aber es nicht zu tun auch...

    Liebe Jana, ich finde deine Einstellung super. Die Momente genießen, die da sind. Darum geht es im Leben. Und Risiken gehören dazu. Sich anderen Menschen zu öffnen, sie in das eigene Leben zu lasse auch. Und unsere Erfahrungen machen uns reicher. Situationen zu erkennen, wo man "Stopp" sagen muss. Das muss nicht immer die Sucht des Partners sein.

    Sich die Offenheit nicht nehmen zu lassen, darum geht es. <3

  • Hallo Jana,

    damals nach der Trennung von meinem ersten Mann hatte ich echt keine Lust auf einen neuen. Erstmal. Ich hatte am Anfang noch genug mit mir selbst zu tun und hing auch noch immer mit einem Zipfel am ersten Mann fest.

    Nach ein paar Monaten fragte mich einer der damals noch recht frisch trockenen Alkoholiker hier ob ich Lust hätte, mit ihm in der Oper zu gehen. Wir wohnen in der gleichen Stadt. Ja, ich hatte Lust und wir gingen immer mal wieder zusammen in die Oper. Es entwickelte sich eine gute Freundschaft.

    Und kurz nach meinem 50ten Geburtstag hatte ich Schmetterlinge im Bauch. Wie ein Teenie. Krass, und wieder ein Alkoholiker, allerdings ernsthaft trocken und zu der Zeit seit 2 Jahren stabil. Ich ging da Wagnis ein. Und wusste, ich würde mir nie im Leben nochmal diese Dinge antun, die ich mit dem ersten Mann durchhatte. Ich genoss den Moment. Und war mir meiner sicher. Völlig. Ich wusste, dass ich es durchziehen könnte, sollte er wieder trinken. Dann wäre ich weg.

    Heute sind wir seit 16 Jahren als Paar zusammen, seit 13 Jahren glücklich verheiratet. Und führen ein schönes, abstinentes Leben. Ich bin seit 2008 auch abstinent, er hatte anfang August seinen 18ten Trockengeburtstag.

    Es ist meine erste wirklich richtig gute Beziehung mit einem Mann. Wir sind auf Augenhöhe, wissen über die Dinge "Sucht und Coabhängigkeit " Bescheid und gehen wertschätzend miteinander um.

    Weil wir unsere Verletzungen kennen, uns gegenseitig achten und unterstützen.

    Nur mal so, es gibt sie, die Happy Ends. Mit Menschen, die es ernst meinen und die sich und ihre Erkrankung " Alkohlsucht" ernstnehmen. Bzw ich nehme das mit meiner Co-Persönlichkeit ernst. Mit meinem ersten Mann war das nicht möglich. Er nahm das nicht wirklich ernst mit der Sucht und es war auch zu viel kaputt gegangen.

    Wir haben eine gemeinsame Basis, das ist bei dir und deinem Partner auch so. Also genieße die Zeit, das Chaos hattest du lange genug.

    Huch, jetzt hab ich dir ja ein Ohr abgequatscht. Oder ein Auge... hören kannst du mich ja nicht, nur lesen. Ich hoffe, es ist okay.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Liebe Aurora.

    danke fürs Ohr abquatschen oder das Auge ;-), bitte immer wieder. Ich habe ja deinen ganzen Faden damals verschlungen und mich so für dich gefreut, dass du deinen Dante gefunden hast! Ja, im Moment ist es sehr schön und es kommt mir auch nicht wie Zufall vor, dass wir ein ähnliches Schicksal mit einer alkoholkranken Person hinter uns haben, bei ihm noch viel krasser als bei mir. Ich weiß, dass es eigentlich zu früh ist und dass ich mich noch viel mehr mit mir selbst beschäftigen müsste, aber wie du sagst, das Chaos hatte ich lange genug und Garantien, dass es hält kriegt man keine und muss dann damit umgehen, wenn es so weit ist. Trotz dieser schönen Gefühle, glaube/hoffe ich sehr, dass ich mich auch ausreichend mit mir auseinandersetze und damit wie mir sowas passieren konnte.

    Also, ihr Lieben, haltet mir die Daumen, dass es weiter gut geht - ich halte sie auch allen da draußen, die das lesen und sich noch in einer schwierigen Situation befinden. Denn selbst wenn die neue Liebe nicht hält, das mit meinem Noch-Mann ist erledigt. Ich bin froh, dass er von selbst gegangen ist, ich fürchte ich hätte noch sehr viel Leid gebraucht um selbst diesen Schritt zu setzen!

    Alles Liebe

    Jana

  • Liebe Jana, ich finde deine Einstellung super. Die Momente genießen, die da sind.

    Ja, ich bemühe mich da im Moment sehr drum. Auch keine Angst zu haben, dass es doch nciht halten könnte und wehtun könnte. Ich will es jetzt genießen. Das Leben ist kurz, keiner von uns weiß wie lange er hat. Diesen Mann musste ich in mein Leben lassen. Es ist alles noch super frisch, also mal schauen...

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