Coffeegirl - Should I stay or should I go

  • Ich hab meinen Weg hierher gefunden, weil ich seit 12 Jahren mit einem - mehr oder weniger - funktionierenden Alkoholiker verheiratet bin. Ja, ich hätte es schon vor der Heirat wissen können, dass ich irgendwann mal hier schreiben würde, aber trotzdem gab es für mich genug Gründe, doch vor den Altar zu treten.

    Wir haben keine eigenen gemeinsamen Kinder, aber nach all der Zeit ist unser Leben schon sehr ineinander verwoben. Er trinkt nicht nur 3 Bier am Abend, er trinkt seit Jahren wirklich Hardcore - zumeist aber nur am Abend. Ich habe einen Weg für mich gefunden, mein Leben darum zu gestalten. Ich mache meine Dinge, genieße sie, kaufe ihm keinen Alkohol, rede nicht mit ihm, wenn er betrunken ist und er geht ins Bett, wenn nichts mehr geht. Ich mache keine Entschuldigungen im Umfeld für ihn, und er steht morgens auf und geht zur Arbeit.

    Natürlich belastet mich die Situation trotzdem. Er ist mein Partner, und er sitzt abends da und schreit den Fernseher an oder bringt Stunden damit zu, verschiedene Leute oder Institutionen zu beschimpfen, oder diffuse Drohungen auszustoßen. Er baut körperlich ab - nicht so sehr, wie man nach all den Jahren erwarten würde, aber immer sichtbarer. Er hat eine Therapie hinter sich, war so ca. 6 Monate lang nüchtern, und hat daraus vor allen Dingen für sich mitgenommen, dass das Therapiesystem, wie es hier zu haben ist, nicht für ihn funktioniert.

    Und in letzter Zeit ist er jetzt auch leider an den Wochenenden während des Tages nicht mehr nüchtern. Und damit kann ich jetzt tatsächlich nicht mehr umgehen. Ich denke immer öfter darüber nach, zu gehen. Und fühle mich damit nicht gut. Ja, es hilft ihm - wahrscheinlich - nicht, wenn ich sein Leben so aufrecht erhalte, dass er "ohne Probleme" weitertrinken kann. Aber um ehrlich zu sein - ich kenne seine Familie. Tolle, witzige Leute - aber fast alle seine Tanten und Onkel haben sich zu Tode getrunken. Er kommt aus einer sehr alkoholbetonten Kultur, die es wohl noch schwieriger macht, den Alkohol für das zu sehen, was er ist.

    Und deshalb denke ich, dass er wohl einfach den Bach runter gehen wird. Ja, mit oder ohne mich. Ein bisschen langsamer, wenn ein warmes Haus und Nahrungsangebot für ihn da ist. Aber das Ende ist wahrscheinlich vorgezeichnet. Darf man dann einfach gehen wollen? Ich habe an einem Altar gestanden, und habe "in guten wie in schlechten Zeiten" gesagt, und denke, solange ich es noch ohne Schäden aushalten kann.. ich würde ihn doch auch nicht verlassen wollen, wenn er eine andere Krankheit hätte.

  • Willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe, Coffeegirl!

    Leider ist es so, dass sich viele Geschichten der Angehörigen bei uns im Forum ähneln.

    Und es ist so, dass nur der Alkoholkranke die Sucht stoppen kann. Du kannst im Grunde nichts tun, nur dafür sorgen, dass es Dir besser geht.

    Du kannst eine Suchterkrankung nicht mit einer anderen, schweren Erkrankung vergleichen. Ein Alkoholiker hat die Möglichkeit, seine Krankheit zu stoppen. Aber das ist bei Deinem Mann nicht der Fall, er will weiter trinken und nichts ändern.

    Möchtest Du Dich im offenen Bereich mit den anderen Teilnehmern austauschen?

    Dann klicke den folgenden Link an und schreibe einen kurzen Satz:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema in den Bereich "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Elly 1. Dezember 2024 um 14:39

    Hat den Titel des Themas von „Should I stay or should I go“ zu „Coffeegirl - Should I stay or should I go“ geändert.
  • Herzlich Willkommen!

    Du klingst sehr reflektiert und scheinst Dir keine falschen Illusionen zu machen. Das einzige was Dich noch in der Beziehung hält ist Dein Versprechen ‚in guten wie in schlechten Zeiten‘. Aber da frage ich mal ganz blöd: hat er dir dieses Versprechen nicht auch gegeben? Und wo genau unterstützt er Dich? Es klingt so als hättest du dir dein Leben um deinen trinkenden Ehemann drumherum gebaut. So lange er nicht stört alles gut. Jetzt stört er und du scheinst ihn schon lange nicht mehr wirklich zu brauchen. Das ist ein Geschenk meine Liebe und falls es Dein Gewissen beruhigt: es macht seinen Untergang nicht besser wenn du mit unter gehst. Ich finde nicht dass du ein schlechtes Gewissen haben musst, wenn ihr ab jetzt getrennte Wege geht. Denn du hast ein Recht auf ein gutes Leben.
    Meinen Segen hast Du!

  • hi coffeegirl.

    ich war sehr froh als ich letzten winter hierhergefunden habe, weil ich mich auch in einer unmöglichen wohnsituation mit jemandem befunden habe, der tief in der alkoholsucht steckte, und sich um sein leben soff. ich war nah genug an ihm dran um sehr viel mitzubekommen. und mir wurde irgendwann himmelangst. -um ihn, weil er woche für woche mehr abbaute, aber auch um mich, weil mich das sehr belastet hat. vieles was du beschreibst aus deinem alltag kenne ich auch. die fast irre emotionalität/agressivität gegenüber jeglichen stressfaktoren, alle sind schuld, das als weiteren anlass nehmen um noch mehr zu trinken auch tagsüber. verrückte mengen, oft hielt ich ihn für nüchtern, dabei war er immer auf pegel, wirkte nüchtern, weil er getrunken hatte. (bis zu dem punkt wo es kippte und er sich komplett abschoss, abend für abend.)

    eine therapie hat dein mann schon hinter sich? dann weiß er was er sich antut. vielleicht auch wo es endet. aber die sucht ist stark, und so lange er nicht aus tiefstem herzen genug davon hat, kannst du NICHTS machen. er wird trinken, den eigenen langsamen selbstmord aus trüben augen sehen, bedauern und trotzdem weitermachen. ich habe stundenlange gespräche geführt, um zu verstehen, was da vor sich geht, was in ihm vorgeht, verstanden habe ich es trotzdem nicht, und er sagte mir oft er auch nicht. die sucht war einfach stärker.

  • Hallo Coffeegirl,

    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    VG

    Alex

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

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