Beiträge von Alex_aufdemweg

    Ich möchte auch kurz etwas dazu schreiben.

    Ich war in einer ähnlichen Situation wie du. In meinem ersten Faden hier könntest du nachlesen.

    Es war so, dass mir genauso klar war, dass die Beziehung am Ende war.

    Bei mir war sie schon über 10 Jahre am Ende.

    Ich hatte es hier angesprochen und ähnliches Feedback erhalten, dass auch in mir gearbeitet hat.

    Habe dann anderes geschrieben, weil es reifen musste.

    Denn eines ist sicher. Wenn du es ausgesprochen hast, bist du gesprungen und auf dem Weg (einer hier heißt so) in dein neues Leben. Das am Ende besser sein wird, garantiert. Denn das hier wird sonst der viel gerühmte "Schrecken ohne Ende".

    Aber dann musst du stark sein. Dafür ist es wichtig zu 100 % dahinter zu stehen.

    Du wirst an den Punkt kommen. Aber er muss da sein. Halbherzig geht das sonst nach hinten los.

    oder ein Festival besuchen,

    Ich bin jetzt schon einige Jahre trocken. Aber auf ein Festival würde ich dennoch nicht gehen.

    Vielleicht gibt es da Unterschiede. Aber so wie ich das kenne stürzen da gerne mal besoffene Leute durch die Gegend und in der Nacht wird überall nass gefeiert.

    Gar nicht mal so sehr wegen Trigger gehe ich da nicht hin. Es würde mich total abstoßen.

    Jedenfalls ist ein Festival meiner Meinung nach der Zünder für das hier:

    dass ich schon manchmal an "Aufhören" dachte, mir ein Bier aufmache und alle Sorgen vergesse.

    Übrigens waren meine Sorgen wenn ich gesoffen habe dennoch da. Ich habe mir nur noch mehr leid getan und kam nicht ins Handeln.

    Das Du überall Alkohol siehst war bei mir am Anfang genauso. Ich war noch total darauf fixiert. Die Suchtstimme ist noch laut.

    Sie wird leiser werden. Wichtig ist nicht mit ihr diskutieren.

    Und bis dahin. Wie Thalia schon schrieb:

    Kannst du deine „Ecken“ vielleicht mal überprüfen?

    Sicher. An der Haltestelle musst Du stehen. Dann halt nicht die ganze Zeit auf das Plakat starren. ;) Ich habe auch bei Werbung im Fernsehen anfangs umgeschaltet, oder zumindest den Ton aus. Oder mal aufgestanden. Bewegung ist ja auch gesund.

    Diese Aufmerksamkeit dem Alkohol gegenüber lässt dann bald nach. Es wird uninteressant, weil es mich nicht mehr betrifft.

    Eine Alkoholwerbung nehme ich inzwischen in etwa so war wie eine Bindenwerbung.

    Aber am Anfang. Alles meiden was geht. Sonst zieht sich das nur unnötig und ist gefährlich.

    Ich kenne einen trockenen Alkoholiker der alkoholfreies Bier trinkt-

    Ich auch. Er sagt aber auch, dass die Abstinenz im schwer fällt und ein Kampf ist. Und, dass er selbst nicht glaubt, dass er mal trocken in die Kiste geht.

    Das geht bei ihm schon viele Jahre so. Ein ständiger Kampf. Auch das mit dem alkoholfreien Bier hält ihn im Kopf immer weiter nass.

    Ich meide jetzt alle ‚saufkumpels‘

    Das hat sich bei mir von selbst ergeben. Das oberflächliche Gelaber war bald nicht mehr auszuhalten. Wenn ich einen zufällig treffe, habe wir uns nichts zu erzählen. Weil das Bindeglied Alkohol weg gefallen ist.
    Nicht einen von ihnen interessiert es, wie mein Leben weiter gelaufen ist.

    Und mir ist auch klar wieso. Sie sehen ja wie ich ausgesehen habe und wie ich jetzt aussehe. Das hält ihnen, ob ich will oder nicht, einen Spiegel vor. Und was sie da sehen gefällt ihnen sicher nicht.

    Aus dem Grund ist der Kontakt vollständig abgebrochen. Aber "Freunde" habe ich keine verloren.

    Übrigens kann ich selbst auch nicht nachvollziehen wieso ich DA dazugehören würde wollen. Es ist mir eher rückwirkend peinlich.

    Er möchte es einfach nicht hören…

    Ja natürlich. Als Du noch am trinken warst, hättest du das auch nicht hören wollen. Ich hätte es jedenfalls ganz sicher nicht hören wollen.

    er wird nicht mit mir rechnen wenn es ums ‚Anstoßen ‚ etc. geht.

    Das ist jetzt aber sehr gnädig von ihm. X/ Es fällt schon schwer das so zu lesen.

    Es liest sich noch immer so, als würdest du denken, du müsstest dich dafür entschuldigen, dass du dir kein Gift mehr rein ziehst. Denn das ist es.

    Total die verdrehte Welt.

    Alkohol trinken ist schlecht. Es ist ein Zellgift. Und wenn man trinken muss ist das schlecht. War da nicht auch etwas mit seiner Gesundheit?

    Keinen Trinken ist gut und könnte jeden Tag aufs neue gefeiert werden.
    So wird ein Schuh draus.

    Und er will es nicht hören, weil im dann seine Trinkerei peinlich ist. Übrigens zu Recht.

    Ich weiß nicht wie ich Dir diese verdrehte Wahrnehmung nehmen könnte.

    ichhabdochauchbiergetrunkendaswardannimmersoschönkühlundwillichjetzteigentlichauchbiertrinkendarficheineinzelnesneinichdarfnichtundirgendwiewillichjaauchgarnicht-ätschgehirn

    Sehr cool. Zumindest mein Hirn rattert auch in dieser Geschwindigkeit.

    Zu Beginn habe ich aus diesem Grund nach ca. 5 cm Text "STOPP" gebrüllt. Also innerlich. Keine Diskussion. Und wenn mir danach war, habe ich meinen Suchttroll noch eine bisschen "rund" gemacht.

    Für mich hat das super geklappt. Es wurde sehr schnell weniger. Trigger kommt, Suchthirn macht den imaginären Mund auf. Direkt die imaginäre Pfanne drüber.

    Über die Jahre habe ich hier gut sehen können, dass die Phase, in der das Suchthirn sich noch meldet, sehr unterschiedlich lang sein kann.

    Ich bin sehr dankbar, dass ich mich nicht lang habe rumschlagen müssen.

    Zu Alkohol habe ich eine Null-Tolereanz-Einstellung. Rotweinsoße ist für mich nicht Null-Toleranz. Deswegen brauche ich da auch nicht überlegen.

    Hier habe ich aber auch gut gelernt. Verstehen, ohne selbst einverstanden zu sein. :) Ich verstehe wie du das meinst und wie es für dich funktioniert.

    Möchte auch noch sagen (oder schreiben), dass ich mit allem - außer der Rotweinsoße - einverstanden bin.

    Finde das Thema hier sehr interessant. Danke dafür.

    Die Message entsteht beim Empfänger. Darüber hab ich keine Kontrolle

    Wenn die Message ist „ich nehme Lebensmittel mit Alkohol zu mir“, dann hängt es aber schon ganz schön mit der Message zusammen, wie das ankommen könnte.

    Weiter vorne hast du aber geschrieben, dass du verstanden hast, dass hier ja nicht nur langjährig Abstinente mitlesen.

    Damit ist das jetzt okay für mich.

    Bei mir in der Kantine gab es heute Braten, Knödel mit Rotkraut in Rotweinsauce. Das ist eins meiner Lieblingsessen gewesen. Soll ich mich jetzt fragen, ob ich das dann doch besser gegessen hätte? Wo das doch bei dir so gut funktioniert?
    Und das frage ich mich jetzt. Schließlich bin ich ja jetzt bald fünf Jahre trocken.
    ;)

    überfällt mich hinterlistig und spontan wieder aus einem ganz anderem Rückhalt.

    Das Saufhirn ist genauso schlau wie du. Schließlich gehört der Teil zu deinem Hirn. Aus dem Grund diskutiere ich nicht mit ihm. Will ja eh nur saufen. Da ist ihm jede Begründung recht.

    und will mir im Nachhinein suggerieren, dass ich aus der oder der Emotion heraus trank.

    Das ist ein ganz wichtiger Ansatz.

    Mir ist aufgefallen (auch an mir), dass viele gerade am Anfang alle möglichen Gründe nennen. Wieso sie getrunken haben, oder noch trinken. Oder trinken wollen, bzw. Suchtdruck haben.

    Es gibt aber keinen Grund um sich ein Gift rein zu schütten. Schlauer hat es mich definitiv nicht gemacht.

    Bei mir war es auch mehr die Belohnungsecke. Wenn es gut läuft ist das doch ein super Grund sich weiter zu vergiften. ;)

    Da fällt mir ein Satz von mir ein. Habe versucht die schräge Denkweise der Sucht darzustellen. Sucht ist nicht logisch. Sonst würde man ja einfach aufhören.

    Der Satz geht so. Eine ehrliche Aussage des Suchthirns wäre:

    "Heute ist ein so schöner Tag, tu dir was Gutes und spring aus dem Fenster."

    Ergo. Egal was es mir erzählen will. Es will, dass ich saufe. Sonst nix. Hm, eigentlich gar nicht so schwer. Noch einfacher nicht hin zu hören, bzw. den "Mund" zu verbieten. Ich weiß ja schon was es will. Am Ende immer das Gleiche.

    Da es nicht mehr durchkam, hat es aufgegeben. Und wenn ich vorsichtig bleibe, passt das. Dann wurde die Trockenheit ein normaler Teil meines Lebens. Ein Selbstläufer sozusagen. Wie atmen. Ein guter Vergleich. Denn auch wenn es nebenher läuft ist beides unabdingbar für mich.

    das Gefühl der Überforderung

    Das ist doch schon sehr gut, dass Du den Auslöser kennst. Denn nur so kann er in Zukunft vermieden werden. Das am Anfang ganz besonders wichtig.

    Aus dem Grund ist ja Geduld so wichtig. Vor allem mit sich selbst.

    Einen Cut zu machen und einfach los zu malen, war dann genau das Richtige. :thumbup:

    Die Idee mit der Liste finde ich dennoch gut. Mach einen Punkt und dann schau wie es mit dem Nächsten aussieht. Ohne Dir vorher eine Zeitvorgabe zu machen. Dann kannst du ggf. auch flexibler sein und Dir die "Rosinen"-Punkte raus picken. ;)

    Nervös bin ich aber deshalb jetzt schon.

    Phu, ich hatte ordentlich Bammel. Dann saß ich davor und ein anderer Mann saß auf einer anderen Bank. Habe mich gefragt, ob der auch Alkoholiker ist. Er sah aber ganz "normal" aus. ;)

    Und ja, er ist es auch. Er war bald 30 Jahre trocken. D.h. inzwischen ist er es dann auch.

    Ich wusste man muss es gar nicht sagen. Aber es war mir sehr wichtig mich gleich richtig vorzustellen. Mit Namen und "ich bin Alkloholiker".

    War ein ganz großes Ding für mich. So etwas vor anderen Menschen (und dann noch so vielen) zu sagen.
    Für die anderen war das gar nichts großes und mich hat auch nicht der Blitz getroffen.
    Die ersten Male kamen mir öfters die Tränen. Hatte sich doch recht viel angehäuft. So als EKA und Alkoholiker.

    Immer wenn ich dort raus bin habe ich viel Energie und Zuversicht gespürt.

    Inzwischen ist mein neues Leben nicht mehr neu und ich gehe nur noch selten hin. Hier bin ich jeden Tag.

    erstmal laute Beschwerden … Verteidigung von ihm und unpassende Vergleiche…

    Wenn er mit seinem ersten Impuls durch ist, kannst du ihm auch genau das mitteilen. Erstens, dass es auch leiser geht und dann ggf. auch noch, dass die Vergleiche unpassend sind.

    Ich sagte ich unterstütze das nicht!

    Ein "nein", das Bestand hat, sorgt auch dafür, dass du ernster genommen wirst.

    Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel (innerlich wie äußerlich) verändert, wenn man keinen Alkohol trinkt!

    Das ging mir auch so.

    Ich dachte ich trinke einfach nicht mehr und dann hat sich einfach alles Verändert. Weil ich mich verändert habe.

    Übrigens hatte ich auch einen Brief vor. Habe tagelang im Kopf formuliert. Ihn aber nicht geschrieben, weil ich nicht wusste wie ich anfangen soll.

    Und dann kam das Telefongespräch. Das Thema entwickelte sich sozusagen in meinen Brief im Kopf hinein. Dann ist praktisch der Inhalt des Briefes in einem Kopf, in das Gespräch geflossen.
    Als ich auflegt, wusste ich, dass ich jetzt "geprungen" bin. Köpfer vom Dreier. Es gibt kein Zurück.

    Und so war es dann auch.

    Hallo Herzblatt,

    schön, dass du in ein abstinentes Leben gestartet bist. Bei mir hat es sich sehr gelohnt.

    Anfangs dauerte es eine Weile bis ich mich neu gefunden habe.

    Es hilft sehr einige Dinge im Leben zu ändern.

    Hier unsere Grundbausteine. Die haben mir schon sehr geholfen.

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Hast du, außer nicht zu trinken, schon Dinge in deinem Leben verändert?

    Was machst du denn so, wenn du frei hast?

    Ich bin aufs Dampfen gewechselt und habe schrittweise das Nikotin bis auf 0 runterdosiert

    Ich war bis auf 3 mg runter. Das war mir dann aber zu wenig und ich bin wieder auf 6 rauf. Zum Schluss hat dann nur ein richtiger Cut geholfen. Wie beim Alkohol eben.
    Ich hatte kein neues Liquid mehr gekauft und als es dann leer war, war es das dann auch. Das ganze Equipment direkt in den Müll.
    Das ist jetzt über 2 Jahr her. Hab mir das genaue Datum nicht so gemerkt.

    Aber ich habe das erst nach zwei Jahren Trockenheit durchgezogen. Und das war auch gut so. Denn die ersten zwei Wochen bin ich von Trigger zu Trigger gehüpft, bis es schlagartig weg war.

    dass die Gefühle der Grund dafür waren, wieder zu saufen.

    mein Grund zu saufen war die Weigerung und das Unvermögen, mich mit meinen Gefühlen auseinanderzusetzen

    Also eben doch Gefühle.

    Gefühle haben oder nicht haben wollen.

    Ich habe jetzt darüber nachgedacht. Im Endeffekt habe ich getrunken um meine Gefühlswelt zu verändern.
    Etwas nicht fühlen. Anderes stärker fühlen, "dumpf" werden, usw.

    Also ist Sucht eigentlich die Sucht nach Veränderung meiner Gefühle. Am Ende habe ich nur noch gesoffen um mich "normal" zu fühlen. Was aber auch eine Veränderung war, da ich mich ja ohne zu trinken nicht so gefühlt habe.