Wenn Du länger trocken bist, wirst Du nüchtern sowieso ein wenig anders denken, vieles erst merken und das kommt dann von ganz alleine, wenn es kommen will.
Genau so ist es.
Da habe ich im Leben gelernt, dass ich mir Ziele setzen soll. Dann darauf hin arbeiten.
Plötzlich soll ich warten und Geduld haben? Aber als die verteilt wurde saß ich doch hupend im Auto.
Habe aber auf die Erfahrungen der länger trockenen hier und meiner realen SHG vertraut. Also eben nicht versucht, wie früher, mit dabei zu sitzen und halt einfach nichts zu trinken, usw. Das hat mich gerettet. Oder es hat mir zumindest viel Kampf und Willensanstrengung erspart.
Den Zustand, wenn ich keinen Alkohol mehr im Blut habe, nennt man nüchtern sein. Das ist man recht schnell. Und ich dachte das wäre es dann. Jetzt bin ich nüchtern. Aber sowas von. Habe ja schon drei Wochen nichts getrunken. Nüchterner kann ich ja nicht mehr werden.
Es gibt aber einen weiteren, neuen Zustand. Aus dem Grund unterscheide ich zwischen nüchtern und trocken.
Oft lese ich, dass jemand drei Monate trocken war und dann rückfällig. Am besten das noch öfters.
Nein, dann war er niemals trocken. Es waren nur Trinkpausen. Das Denken war weiterhin nass.
Ich musste mal so grinsen. Hier schrieb jemand - ich glaube es war nach dem ersten Jahr - dass er aber noch "Restfeuchte" spürt.
Das zeigt es aber gut auf. Es heißt, dass das erste Jahr das wichtigste ist. Klar, ist dann alles einmal durch. Geburtstag, Weihnachten, Neujahr, usw. Wenn das nicht die Gründe zum Bechern waren.
Ich denke, es ist aber auch eher so die allgemeine Mitte auf dem Weg zur Trockenheit. Bei manchen geht es schneller. Bei anderen dauert es länger. Und ich kenne auch jemanden, der ist meiner Meinung nach jetzt weit über 10 Jahre "nur" nüchtern. Er muss ein wahrer Kämpfer sein. Er hat meinen Respekt und er tut mir aber auch leid. Was für eine Anstrengung. Und nie richtig zufrieden.
So, um nochmal auf das obige Zitat zurück zu kommen.
Ich dachte auch, dass ich hoffentlich bald wieder mit meinen Kumpels zusammen sitzen könnte und blöd "schwätzen" wie in den alten Zeiten.
Mit der fortschreitenden Trockenheit habe ich immer klarer gesehen. Und das dauert sehr viel länger als das Nüchternwerden. Fast alle meine "Kumpels" wollen nur saufen und ich war nur Beiwerk. Anders herum war es ebenso. Wir haben uns nichts sinnvolles zu erzählen. Weil es uns nie interessiert hat.
Ich bin nicht mehr mit und habe sehr schnell auch gar nichts mehr vermisst. Als ich sie zufällig getroffen habe und mit ihnen am Tisch saß (in einer Sauna) war mir das hirnlose Gelaber ganz schnell zu doof. Außerdem hat es sie auch nicht die Bohne interessiert wie es mir geht.
Nun sind sie weg und das ist gut so.
Geblieben sind die paar wenigen Menschen, die wirklich an mir als Mensch interessiert sind. Und die brauchen nichts trinken, wenn sie sich mit mir treffen. Denn das ist für Nicht-Alkoholiker gar kein großes Ding. Die trinken oft Tage und Wochen nichts, weil sie es nicht brauchen.
Konnte ich am Anfang meiner Nüchternheit schwer verstehen. Und das lese ich aus dem
heraus. Meine Freunde wissen über mich Bescheid. Und wenn sie dann vor meiner Nase Alkohol in vollen Zügen genießen würden... Dann wären es nicht meine Freunde.
Tatsächlich ist es gerade nicht so wichtig wie sich das jetzt für Dich anfühlt. Halte Dich fern, wenn getrunken wird und habe Geduld. Habe Vertrauen in die, die den Weg in die Trockenheit schon gegangen sind.
Wenn Du ein Ziel brauchst. Dann ist es das erste Jahr mit größtmöglicher Sicherheit zu leben. Und dann schau mal, was du möchtest und wie deine Prioritäten dann sind.
Du wirst dann gelernt haben wo Deine Trigger sind und wie Du damit umgehen kannst. Und Dir werden andere Dinge wichtiger sein, als noch am Anfang.