Kazik - Back to life

  • Wenn du aus deiner Ich-Sicht schreibst, ist das etwas anderes, als wenn versucht wird, Diagnosen zu stellen oder anzudeuten, dass andere betroffen sein könnten. Solche Dinge gehören in die Hände von Fachleuten.

    Depressionen treten oft zusammen mit Alkoholkrankheit auf, aber das betrifft nicht jeden. Deshalb empfehlen wir immer, bei sich zu bleiben und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn man an einer ernsthaften Krankheit wie Depression leidet.

    So vermeiden wir, dass jeder mit einer depressiven Verstimmung glaubt, depressiv zu sein, was denjenigen nicht gerecht wird, die wirklich unter Depressionen leiden. Wir nehmen das Thema hier sehr ernst und verhindern damit, dass aus einer Krankheit ein Trash wird.

    Hallo Hartmut,

    ich wollte Dir für diesen Beitrag und auch für andere Beiträge zu diesem Thema an mich danken. Ich verstehe was Du mir sagen willst und auch warum Du mir das gesagt hast, Und ich bemühe mich daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

    Und ich möchte Dir auch als Depressionsbetroffener danken das Du das Thema Depressionen so ernst nimmst.

    Mir wurde die Diagnose schwere Depression von Ärzt*innen und Therapeut*innen während eines Klinikaufenthaltes im Jahr 1995 mitgeteilt. Und ich habe zu diesem Zeitpunkt und noch eine ganze Zeit danach nicht verstanden was das eigentlich für mich heißt. Hätte ich es verstanden wäre vieles während meiner Depressionen leichter gewesen. Glücklicherweise bin ich dort und auch später trotzdem behandelt worden. Ich hatte in Phasen keine Krankheitseinsicht. Und ich kann auch jetzt nicht sicher sagen ob ich diese in Zukunft haben werde. Deshalb ist Teil meines persönlichen Depressionsnotfallkoffers wenn ich mich zu instabil fühle das ich in eine Klinik gehe. Denn dort werde ich behandelt auch wenn ich keine Krankheitseinsicht habe.

    Ich habe während meiner Depressionen keine Selbstmordgedanken und - absichten. Wenn ich diese hatte dann wurde entweder meine Medikation geändert oder angepasst. Und zu diesem Zeitpunkten befand ich mich entweder in einer Klinik oder unter engmaschiger ambulanter ärztlicher Kontrolle.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • wenn ich mich zu instabil fühle das ich in eine Klinik gehe. Denn dort werde ich behandelt auch wenn ich keine Krankheitseinsicht habe.

    Ich habe da mal eine Frage.
    Vor ein paar Jahren hatte ich aufgrund extremen Schlafmangels infolge meiner körperlichen Erkrankungen ein Problem, wegen dem ich mich selbst eingewiesen habe. Dieses hypomanische, die zweite Hälfte des Bipolaren.

    Ich hatte keinen Realitätsverlust, das habe ich schriftlich, aber ich denke auch, vielleicht merke ich den Wahnsinn ja gar nicht selbst und ich lasse mich deswegen einfach regelmässig angucken. Ziemlich locker das Ganze, aber für den Fall der Fälle eine Rückversicherung. Ich bin mir drüber einig, ich werde dann ausnahmsweise mal machen, was man mir sagt.

    Wie machst Du das, wenn Du keine Krankheitseinsicht hast? Gehst Du dann trotzdem in die Klinik? Heute hast Du geschrieben, dass Du nicht therapeutisch betreut wirst.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Das ist ganz sicher richtig. Der berühmte Spruch, sag mal zu einem Depressiven, lach mal.

    Ich weiss übrigens auch, dass ich meinen Gefühlen nicht immer glauben darf.

    Depressive können sich oft nicht selbst motivieren.

    Ansonsten auch mit meiner Schreibe nicht zu streng sein.

    Dann habe ich meinem Hausartzt genau das gesagt, ich kann mich nicht motivieren.
    Er gab mir dann irgendwas, wollte mir aber nicht verraten, was das ist, weil er der Meinung war, seine Worte an mich, gut informierte Patienen gehen sich manchmal selbst im Weg um und gefährden vor lauter Wissen den Therapieerfolg.

    Es war dann noch drei Monate zäh und plötzlich von einem Tag auf den Anderen war ich durch. So deutlich, dass ich mich noch an den Moment erinnern kann, irgendwas fiel von mir ab.

    Bis dahin bin ich trotzdem meinerArbeit und meinem Leben nachgegangen und habe nach dem Motto gehandelt "wozu brauche ich Lust, wenn ich muss?"

    Hallo Lk,

    ich habe die oben genannten Zitate in der Reihenfolge wie Du sie geschrieben hast einem anderen Faden entnommen. Ich verstehe was Du schreibst. Und ich bin mir sehr sicher Du verstehst auch was Du schreibst. Und ich glaube Dir auch alles was Du über Dich schreibst. Und ich freue mich das Du Deine Depression überwunden hast.

    Hätte ich jetzt selbst eine Depression dann bin ich mir sehr sicher würde ich mich zurecht fragen ob Du wirklich verstehst was das Du schreibst. Würdest Du das zitierte und vieles was Du sonst noch in diesen Beiträgen schreibst in meinen Faden schreiben würdest Du mir ziemlich auf den Sack gehen. Denn am Ende schreibst Du das Du Deine Depression letztendlich mit der richtigen Medikation überwunden hast. Und das deckt sich auch mit meiner Erfahrung und ist der Grund warum ich meine Medikation penibel einehme. Auch während ich gesoffen habe. Das ist aber auch der Grund warum das meiste was Du in den zitierten Beiträgen schreibst in meinem Faden völlig überflüssig ist. Du leistest damit was meine Depressionen angeht keine Hilfe zur Selbsthilfe.

    Ich bin im Jahr 2013 auf zwei wirklich brilliante Ideen gekommen. Zum einen habe ich von jetzt auf gleich meine Medikamente nicht mehr genommen. Der Grund war das ich es satt hatte sie zu nehmen, ich das Gefühl hatte das sie nicht mehr wirken und ich außerdem dachte das ich jetzt genug über meine Depressionen weiß und alles im Griff hätte. Das Ergebnis waren starke Absetzsymptome weil solche Medikamente eben nicht von jetzt auf gleich abgesetzt werden sollen. Diese Medikamente machen nicht abhängig aber verursachen Absetzsymptome. Übrigens eigentlich ein Grund mehr warum ich selbst heute keinen kalten Alkoholentzug mehr machen würde. Ein Absetzsympton war das meine Depression schlimmer wurden. Eigentlich ein Grund warum ich das Absetzen wirklich besser absetzen sollte. Aber nein. Denn ich hatte meine wirklich brilliante zweite Idee und begann ernsthaft zu saufen. Das Ergebnis war das ich 2015 in meiner mit Abstand in jeglicher Hinsicht schwersten und längsten Depression zweimal über Monate in einer Klinik gelandet bin. Einer Depression bei der ich mehrmals das Gefühl hatte, denken konnte ich zu der Zeit nicht, das ich dort nicht wieder rauskomme. Aber ich bin wieder wieder rausgekommen und es ging mir in meiner Welt ganz okay und ich war weitestgehend alkoholabstinent hatte bei Gelegenheiten allerdings einen riskanten Alkoholkonsum. Bis ich dann Ende 2016 meine dritte brilliante Idee hatte und wieder ernsthaft anfing zu saufen. Der Rest der Geschichte ist bekannt.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Denn am Ende schreibst Du das Du Deine Depression letztendlich mit der richtigen Medikation überwunden hast.

    nun ja, er gab mir ein einziges homöopathisches Kügelchen und ich glaube nicht an Homöopathie. Vielleicht war es eine Mikrodosis von etwas Anderem, ich hab einen Verdacht. Es werden ja heute diverse Experimente von wegen Traumabewältigung etc. gemacht und ihm wäre das zuzutrauen gewesen. Vielleicht war es aber auch nur Zucker.
    Nur zur Erläuterung. Ich glaube nicht, dass das etwas damit zu tun hatte, was Du unter Medikation verstehst. Wenn ich mich irre, sags mir.

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  • Und noch was. Ich hatte schon in den achtziger Jahren mehrere Jahre lang täglich Selbstmordgedanken. Ich war aber äusserst bemüht, mir das nicht anmerken zu lassen. Ohne weiteres Detail. Deswegen war ich damit auch nirgendwo.

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  • Wie machst Du das, wenn Du keine Krankheitseinsicht hast? Gehst Du dann trotzdem in die Klinik? Heute hast Du geschrieben, dass Du nicht therapeutisch betreut wirst.

    Du fragst ich antworte,

    Ich halte was meine Depressionen und auch was den Alkohol angeht meinen "Notfallkoffer" so einfach wie möglich und nur so kompliziert wie nötig. Auf diese Weise stelle ich sicher das selbst die einfachste Massnahme mir auch wirklich hilft. Für mich reicht es eigentlich aus das ich weiß das ich einen Notfallkoffer habe.

    Wenn ich in einer Depression merke das ich instabil werde, das heißt wenn ich merke das das mir irgendetwas so massiv Schwierigkeiten bereitet und ich mir selbst nicht helfen kann und ich mir das nicht erklären kann dann gehe ich in eine Klinik. Und dort stellte sich dann bis jetzt immer raus das ich eine Depression habe.

    Ich habe geschrieben das ich nicht in einer depressionsspezifischen Therapie bin. Und das ist im Moment auch nicht notwendig weil ich im Moment stabil bin. Ich bin bei meiner Hausärztin die mir nachdem meine Neurologin vor Jahren in Rente gegangen ist meine Medikamente verschreibt. Und sie ist kompetent genug das ich mit Ihr auch Änderungen meiner Medikamente bespreche. Und ich bin von Ihr hervorragend beraten worden. Und wir werfen bei jedem Termin bei Ihr speziell jetzt nach meinen Entzug immer einen Blick auf meine Depressionen.

    Und wir haben von Beginn an vereinbart das wenn ich mich instabil fühle das ich mich sofort bei Ihr melde oder sofort in ein Krankenhaus gehe. Und das vereinbaren wir auch immer mal wieder erneut. Damit rückversichern wir uns Beide das diese Vereinbarung Bestand hat.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hört sich für mich ganz ähnlich an, wie ich das heute mache.
    Und dass wir auf unterschiedlichen Wegen da hin gekommen sind, ist so.
    Wir machen hier Erfahrungsaustausch und Selbsthilfe, habe ich mir sagen lassen, und das finde ich richtig, auch bereits bestätigt.

    LG LK

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  • Es werden ja heute diverse Experimente von wegen Traumabewältigung etc. gemacht und ihm wäre das zuzutrauen gewesen.

    Auch in diesem Fall keine Hilfe zur Selbsthilfe was meine Traumata angeht. Ich will nicht das eine Ärzt*in an mir Experimente zur Traumbewältigung durchführt. Schon gar nicht ohne mein Wissen. Dazu sind die Folgen dieser Traumata für mich zu schwerwiegend und der Preis den bis jetzt schon bezahlt habe zu hoch.

    Das heißt nicht das ich mich nicht darauf einlassen würde wenn eine Ärztin mir genau erklären würde warum sie genau dieses Experiment machen will und sichergestellt ist das ich behandelt werde wenn das ganze nach hinten losgeht. Diesen Preis würde ich möglicherweise dann bezahlen wenn ich soweit überzeugt bin das das Experiment auch klappen könnte.

    Wenn ich mich irre, sags mir.

    Wie sollte ich sagen das Du Dich irrst. Erstens weißt Du selbst nicht was Du da eingenommen hast. Zweitens bin ich nicht DEIN Arzt. Und drittens bin überhaupt kein Arzt noch ein Homöopath.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Auch in diesem Fall keine Hilfe zur Selbsthilfe was meine Traumata angeht.

    muss es auch nicht.
    Du hast selbst Zitate von mir aus einem anderen Thema hier in Dein Thema geholt, um mir zu sagen, dass Du sie nicht in deinem Thema haben willst.
    Jetzt hast Du sie halt da.

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  • Kazik

    Gestern abend war ich müde.

    Du bist nicht mein Arzt. Absolut richtig.
    Ich bin aber auch nicht Dein Arzt, Traumatherapeut, Depressionsbehandler.

    Ich bin ein lange trockener Alkoholiker, der wegen sich selbst hier ist und sich am Austausch beteiligt. Ich schreibe nicht nur unter dem Gesichtspunkt, ob das Anderen hilft.
    Wenn es hilft, ist es ok, wenn es nicht hilft, kann mir jeder sagen, dass ich mich woanders vergnügen soll.
    In dem Thread, um den es ging, hat mich aber niemand rausgeschmissen.

    Keine Ahnung, was Du in mir siehst. Vielleicht bin ich gar nicht Dein Partner in Crime.

    Und jetzt wartet mein Tag auf ich.

    LG LK

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  • Hi LK,

    auch ich war gestern müde, ich war genervt hauptsächlich von mir selbst und ich war dünnhäutig. Ich habe das gestern dann an Dir ausgelassen und das tut mir leid. Ich lese Dich gern.

    Ich will mich zur Zeit eigentlich nicht mit meinen Depressionen beschäftigen. Aber da ich sie schon oft hatte un das immer schwere Zeiten für mich waren triggert es mich wenn ich mich hier wieder erkenne. Und dann komme ich manchmal nicht so schnell wieder aus dem Thema raus.

    Ich will mich eigentlich nicht mit meiner Vergangenheit beschäftigen. Aber auch hier bin ich irgendwie dort gelandet, weil es immer ein sehr präsentes Thema bei mir ist. Und auch dort komme ich dann oft nicht so schnell wieder raus.

    Du hast in Deinem Faden das Du Dich von mir Deinem partner in crime verabschiedest. Das ist für mich okay. Und auch ich verabschiede mich von Dir partner in crime. Du warst eigentlich auch nie mein partner in crime. Es gibt in meinen Leben nur sehr wenige partner in crime. Und nur noch Eine mit der ich weiterhin in engen Kontakt bin. Mit einigen bin ich losen Kontakt. Aber es sind Menschen auf die ich mich in Zeiten tausend Prozent verlassen konnte. Und die Qualität dieser Menschen für mich war das wir alle unabhängig waren und wir uns manchmal zusammengespannt haben und so gemeinsam etwas erreicht haben was mir alleine unmöglich gewesen wäre. Und wir haben auch schwere Zeiten zusammen erlebt. Und alle vermisse ich hin und wieder sehr.

    Ich habe sonst alle crimes auch wenn ich in Gesellschaft war alleine gemacht, weil ich das am allerbesten kann.

    Aber die allermeisten Dinge in meinem Leben habe ich zusammen mit Menschen gemacht und erreicht. Den ich mag Menschen. Und das waren auch keine crimes. Den obwohl ich Dinge alleine am Besten kann, mache ich sie am liebsten zusammen.

    Liebe Grüße LK und Ihr

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hi Kazik,

    Respekt vor Deiner Reaktion.

    Manches unterscheidet uns ganz gewaltig. Eins davon, was mich wiederum mit meiner Frau verbindet, sind Nahtoderlebnisse, die meine Frau und ich wiederum völlig unabhängig und in unterschiedlichen Situationen hatten, die für uns beide aber zum Geilsten gehören, was wir je erlebt haben. Und da waren wir beide absolut alleine, aber so was von. Meine Frau machte mich neulich im Gespräch darauf aufmerksam, dass sie sich mit mir darüber unterhalten konnte, während es sonst niemand verstanden hat. Und Du willst den Weg da hin ganz sicher nicht gehen. Der Preis ist zu hoch.

    Ansonsten ist es gemischt, ich hatte gute Erlebnisse mit Anderen und alleine.

    Auch der Umgang mit der Vergangenheit unterscheidet uns. Für mich ist das oft nur unterhaltsam, denn ich bin da ziemlich unbeschadet rausgekommen, wenn ich den Stand Heute betrachte. Mich belastet das nicht, oft belustigt es mich eher.
    Und auch meine Behinderung....heute morgen war ich im Wald, da spricht mich einer auf mein Gehen an, es entwickelte sich eine nette Unterhaltung. Passiert mir oft. Also ich, alles halb so wild. Hat so viele Vorteile wie Nachteile, oder ich bin nur sehr gut darin, das Beste daraus zu machen. Ist mir eigentlich egal, warum das so ist, ich nehme es wie es kommt.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall, und das meine ich wirklich ernst, das Allerbeste, und dass Du Dich aus Deinen Belastungen lösen kannst. Und da kann ich Dir wiederum sagen, bleib bloss trocken. Das ist das A und O. Dann siehst Du nämlich klar.

    Liebe Grüße
    Lebenskünstler

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    Aber das Gras wächst.
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    Einmal editiert, zuletzt von Lebenskuenstler (19. Februar 2025 um 16:18)

  • Hi Ihr,

    in meinen Depressionen bin ich weder agiert heißt ich renne nicht die ganze Zeit auf der Station rum. Noch bin ich erstarrt und sitze oder liege die ganze Zeit herum. Bei mir ist es eher so das ich meistens das Gefühl habe ich könnte etwas machen aber nicht weiß was. Weil mir alles sinnlos erschien. Meistens habe ich mir dann irgendetwas gesucht. Ich bin dann beispielsweise stundenlang wie ein Roboter spazieren "gegangen". In vielen anderen Therapieangeboten besonders in denen ich die ganze Zeit rumsitzen musste war ich unruhig und ungeduldig. Besonders wenn es selbstbildendende waren die ich schon mehrmals gemacht hatte. Ich habe dann meistens abgesprochen das ich zu bestimmten Angeboten nicht mehr gegangen bin. Das war im System Krankenhaus nicht vorgesehen aber ich habe mich eigentlich fast immer verständlich machen können.

    Wie geschrieben hatte ich 2015 meine schwerste und längste Depression. Während dieser Zeit hatte ich zwei mehrmonatige Klinikaufenthalte. Das was diese Depression so schwer machte war das ich über Monate die Depression überhaupt nicht gespürt habe. Ich habe körperlich und seelisch nichts gespürt. Zero. Und ich war im Kopf "völlig" klar. Das hat mir zu Anfang echt Angst gemacht. Weil ich mir das ja noch weniger erklären konnte als die Symptome die ich sonst hatte. Dazu kam das ich von Zeit zu Zeit das Gefühl hatte innerlich auseinander zu fallen. Das machte auch Angst. Mir wurde dann zu Anfang erklärt das dies alles ein Sympton meiner Depression war. Mein Unterbewusstsein hatte alles nicht notwendige einfach abgeschaltet. In gewisser Weise war diese Depression die "angenehmste" meiner Depressionen.

    Als ich das erste Mal auf Station kam begann dort das übliche Programm, welches ich auch zu Anfang abgerissen habe. Aber so nach und nach wurde alles abgesetzt. Und die Ärzte waren so langsam ratlos was sie mit anfangen sollten. Raus lassen konnten sie mich nicht da wäre ich nicht zurecht gekommen. Im Keller der Klinik gab es eine Holzwerkstatt der Ergotherapie. Aus irgendeinem Grund war Ergotherapie auf meiner Depressionsstation nicht vorgesehen, vielleicht weil die Patient*innen dafür nicht genug motiviert werden konnten. Ich habe dann einen jungen Mitpatienten kennen gelernt der mir irgendwann die Holzwerkstatt gezeigt. Und da ich gelernter Tischler bin habe ich dann die Ergotherapeut*innen gefragt ob ich dort teilnehmen kann. Die waren es zwar nicht gewohnt das Patient*innen zu Ihnen kommen machten aber alles klar das ich teilnehmen konnte. Am Anfang zwei Stunden Vormittags. Sie hatten ein paar einfache Projekte, die auch in der Klinik verkauft wurden. Also ratterte ich die Projekte durch. Irgendwann konnte ich dann auch Nachmittags zwei Stunden kommen. Ich musste allerdings meinen Therapeuten davon überzeugen das alles gut bei mir war. Bei meinem zweiten Aufenthalt fing ich erst mit Vormittags wieder an und dann auch bald wieder Nachmittags. Mit den Ergotherapeut*innen hatte ich ein gutes Verhältnis. Aber sie hatten was mich anging auch nichts zu tun, außer Material heran zu schaffen. Ich setzte mich ab und zu in Ihr Büro und dann tranken wir Kaffee und ich erzählte ein wenig was bei mir los ist. Einer der Ergotherapeut*innen war auch Tischler. Und er hatte einige Projekte liegen die für die Klinik bestimmt waren und die er eigentlich selbst mit Patient*innen bauen wollte. Von denen gab er mir dann nach und nach welche und ich ratterte diese durch. Nach der Klinik war ich dann noch ambulant dort bis ich mich gesundschreiben liess.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hi Kazik,

    Ich habe gerade etwas wichtiges erledigt und jetzt habe ich ein paar Minuten Zeit.

    Machen wir es doch so, mir geht wieder etwas im Kopf um und Du nimmst Dir, was Du brauchen kannst, den Rest lässt Du liegen. Ich bin nicht Gott und ich weiss nicht, was Du brauchst, trotzdem weiss ich eine ganze Menge. Ansonsten bin ich keineswegs fehlerfrei, nimms mir nicht zu übel.

    Als ich mich selbst eingeliefert hatte, begegnete ich einigen Menschen, die schon sehr lange in der Psychiatrie waren. Und einige von denen mochten mich bald gerne, wahrscheinlich, weil ich sie auch mochte. Also ich habe etwas von ihnen und ihren Sorgen und Nöten mitgekriegt. Weiter ins Detail muss ich da nicht gehen. Es war übrigens auch da, wo ich den Alkoholikern beim Einkaufen mitgegeben wurde, ich weiss nicht, ob du das gelesen hast.
    Es war auf jeden Fall eine Abteilung aus der manche - so auch ich - jederzeit raus durften, andere hatten keinen Ausgang. Ich habe auch alles mögliche an Angeboten angenommen, ich bin ausserdem nicht nur verkopft, sondern habe auch eine handwerkliche Ausbildung genossen, Holzarbeiten aus der Ergo habe ich noch hier. Bogenschiessen fand ich auch gut. Ich habs mir da so eingerichtet, es war fast wie Urlaub.

    Soweit, radikale Akzeptanz dass es bei Dir so ist wie es ist. Ich weiss ja gar nicht, was Du machen kannst.

    Ich selbst habe für mich ein Buch mit ca. 1000 Seiten geschrieben, um alles mal zu entwirren, was mir im Kopf umging. Ich müsste es überarbeiten, hatte dazu aber nie Lust. Das wesentliche geschah vemutlich während des Schreibens. Du bist ein Wortnerd, hast du mal geschrieben, und ich bin auch sehr genau, wenn ich will. Ich habe recherchiert, gesammelt, geschrieben, überarbeitet und so gingen vielleicht 3 Jahre ins Land. Während dieses Prozesses habe ich wohl meine Vergangenheit verarbeitet, rein durch die Zeit, die verging, und dadurch, dass ich es mir selbst im Detail erzählt habe. Ich habe eine Geschichte daraus gemacht samt meinen eigenen fachlichen Kommentaren, was das jeweils gewesen sein könnte und wie es auf mich gewirkt hat.
    Hört sich jetzt vielleicht ein bisschen wirr an.
    Ein wichtiger Punkt für mich ist, es hat einmal weh getan, und ich habe zum Selbstschutz vielleicht Reaktionen erlernt, die zu meinem heutigen Leben nicht mehr passen. Wenn ich das ganze aufschreibe, heute, wo mir nichts davon aktuell weh tut (ich muss ja nur um mich schauen, meine heutige Realität ist eine Andere), dann wird das zu etwas, was einmal war, aber nicht mehr ist.

    Ausserdem sind wir mal in Italien im Hinterland mit einem alten Mann, fast 90, ins Gespräch gekommen, und der führte uns durch seinen Gewölbekeller. Eine Schreinerei. Die Späne lagen mehr als Knie-hoch, da konnte man Ausgrabungen machen. Er hatte den Pariser Louvre nachgebaut, den Petersdom, Musikinstrumente, Ausgrabungen aus der Römerzeit nachgebaut, es war einfach absolut irre. Der Mailänder Dom guckte nur mit seinen Türmen aus den Spänen. Er meinte, das hätte er nie jemandem gezeigt, aber inzwischen habe ich gesehen, dass seine Gemeinde nach seinem Tod ein Museum daraus gemacht hat. Ohne die Späne. Und ohne die Späne fehlt irgendwie was.
    Der hat mit Sicherheit auch etwas verarbeitet.

    Mir gehts drum, dass man manches auch ausagieren kann, aktiv verarbeiten. Verdrängung ist, glaube ich, oft ein Problem. Und bei Dir funktioniert die Verdrängung ja gar nicht richtig, es will ja raus. Jetzt nüchtern ist verstärkt damit zu rechnen. Saufen willst Du aber nicht. Und als Schreiner weisst Du möglichweise auch, dass beim Arbeiten die Gedanken manchmal fließen können.

    War nur so ne Idee.

    Was ist mit den Schreinerarbeiten aus Deiner Reha, die Du ambulant noch fortgesetzt hast, da warst Du ja fast abstinent und es endete mit Deiner Gesundschreibung. Also da hast Du ja möglicherweise eine Kraftquelle. Könntest Du vollständig abstinent daran anknüpfen?

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Hi LK,

    auch ich war gestern müde, ich war genervt hauptsächlich von mir selbst und ich war dünnhäutig. Ich habe das gestern dann an Dir ausgelassen und das tut mir leid. Ich lese Dich gern.


    Hi LK und Ihr,

    Dein Vorschlag wie Du es machen willst ist für mich völlig okay. Mir ist es auch wichtig das Du und auch alle anderen Wissen das sie alles (na fast alles;)) in meinem Faden schreiben können was Ihnen zu meinen Themen einfällt. Ich bin schon lange Groß und nehme für mich dann wie Du schreibst mit was ich gebrauchen kann.;)

    Kurz zu meinen Klinikaufenthalten, ich war immer auf offenen Stationen. Ich war nur im Jahre 2005 zweimal ganz kurz zu Beginn auf einer geschlossenen weil auf der Station noch kein Bett frei war. Ansonsten konnte ich die Stationen bis auf Nachts jederzeit verlassen (und auch dafür gab es meistens Wege;)). Ansonsten konnte ich mich in und ausserhalb des Klinikgeländes frei bewegen und habe das auch gemacht. Am Anfang eines Aufenthaltes musste ich mich an und abmelden. Das hatte aber eigentlich den Hintergrund das die Klinik im Zweifelsfall nachweisen konnte das ich das freiwillig gemacht habe. Einige empfanden das als Überwachung ich hatte damit kein Problem. Auf den Stationen wo ich war wurden nur Patient*innen stärker eingeschränkt und überwacht die beispielsweise gerade am Anfang stark agiert waren und völlig ziel und planlos waren. Oder Patient*innen die eine wahnhafte Symptomatik hatten und auch agiert waren. Die Patient*innen die in Ihrer Depression erstarrt sind sind "freiwillig" auf Station oder der unmittelbaren Umgebung geblieben, weil sie eben einen sehr eingeschränkten Radius hatten. Ich hätte mich auch jederzeit selbst entlassen können. Ich war freiwillig gekommen und konnte freiwillig jederzeit gehen. Ich schreibe das so explizit weil ich nicht möchte das ein falscher Eindruck von Psychiatrien entsteht.

    Ich habe mich auf Stationen auch immer eingerichtet. Es war für mich kein Urlaub aber mir ging es dort gut.

    Ich werde mich jetzt mal wieder ein paar Tage hier rarer Machen und mein Leben leben.

    Bis dann Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Ich habe mich auf Stationen auch immer eingerichtet. Es war für mich kein Urlaub aber mir ging es dort gut.

    Hi Kazik

    Ähnlich wie bei mir, doch lach jetzt nicht, für mich war es fast wie Urlaub. Ich fühlte mich in der Klinik verstanden, man hörte mir zu und verurteilte mich nicht.

  • Wenn mein xy zum Entzug in der Psychiatrischen Klinik war, war das für mich fast wie Urlaub. Die Klinik lag in einem großen parkähnlichen Gelände und wir machten täglich schöne Spaziergänge. Dann gab es ein nettes Café, wo wir gerne gesessen haben. Ich wusste ihn aufgehoben und er regenerierte sich unglaublich. Und da war sie wieder, die Hoffnung. Wieder zuhause hielt es leider nicht an.

  • Hi Ihr,

    nun bin ich doch hier weil das Wetter hier heute ungemütlich ist und obwohl ich frei habe ist es mir in meiner Bude heute am liebsten.

    Noch einmal auf Klinik und Urlaub. Ich glaube es hat sich in der Medizin inzwischen rumgesprochen das Krankheiten besser heilen wenn die Kranken in einer angenehmen Umgebung sind und oder Ihnen soweit das möglich ist erlaubt ist eine angenehme Umgebung auf zu suchen. Die Umsetzung dieser Erkenntnis scheitert dann oft an den Kosten, aber es hat sich etwas getan.

    Für mich waren die Klinikaufenthalte keine Urlaube nicht weil es mir dort nicht "gut" ging, sondern weil es mir in meinem Leben und in der Klinik nicht gut sondern schlecht ging. Und da meine Depressionen dazu führen könnten das sie schwerwiegend meine Gesundheit oder sogar mein Leben gefährden, habe ich mich in "Sicherheit" gebracht. Meine Ärztin hat mich zu Anfang gefragt was ich mit in "Sicherheit" meine und dann habe ich es ihr so erklärt. Und seitdem stellt sie eben nichts mehr Infrage, was sie sowieso nie getan hat, wenn ich mich bezüglich meiner Depressionen an Sie wende. Sondern sie berät mich so gut sie kann, was sie vorher auch getan hat.

    Meine Depressionen waren "anlassbezogen". Aber die "Anlässe" lagen bis auf einen Fall weit zurück. Und ich befand bis auf einen Fall auch nicht in einer besonders belastenden oder extremen Lebenssituation. Mir wurde die Diagnose PTSB nie "offiziell" gestellt. War aber für mich bis jetzt auch nicht notwendig weil ich die offizelle Diagnose nirgends gebraucht habe. Für mich war notwendig das meine Angsterkrankung behandelt wurde bis ich sie überwinden konnte. Und das meine Depressionen behandelt wurden bis ich sie "bewältigen" konnte oder sie auf ein Mass abgeklungen waren das ich weiterleben konnte.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    Einmal editiert, zuletzt von Kazik (21. Februar 2025 um 13:24)

  • Hi LK,

    danke für Deine Ideen wie ich mit meiner Vergangenheit abschliessen könnte oder an was ich jetzt nüchtern anschliessen könnte damit es mir gut geht.

    Ich habe mir in der Zeit seitdem ich nüchtern bin Luft verschafft. Und mein "Plan" ist diese Luft nicht gleich wieder zu verplanen. Sondern das ich etwas nachsichtiger mit mir bin. Den im planen bin ich sehr gut und da wo es drauf ankommt setze ich die Pläne auch um oder sorge dafür das sie umgesetzt werden. Und da ich im planen gut bin habe ich auch viele Pläne (in den Grundzügen) im Kopf oder anderweitig liegen. Und dann kommt es regelmässig vor das ich mit der Abarbeitung der notwendigen Pläne/Aufgaben so beschäftigt oder angestrengt bin, das die ganzen anderen Pläne (auch die die nur für mich ganz persönlich gut sind) zu einer Belastung und Anstrengung werden. Und das möchte ich ändern in dem ich lockerer und entspannter mit Plänen und deren Umsetzung umgehe und mich nicht so sehr unter Druck setze.

    Die Geschichte mit dem alten Mann, seinen Bauten und vor allem mit den ganzen Spänen fand ich schön. Ich würde mir wünschen das der Alte Mann auch seinen Frieden mit den Spänen gemacht hat. Den damit bin ich als Tischler sehr eigen. Deine Frau und Du scheinen eine besondere Art zu haben auf Menschen zu zu gehen. Den das der alte Mann Euch als einzige seine Tischlerei gezeigt hat sagt etwas aus. Und ich finde es auch schön das diese jetzt ein Museum ist. Denn dadurch wird ja nicht nur sein "Werk" erhalten sondern dient ja auch als Inspiration. Dich hat es ja schon mal inspiriert mir davon zu erzählen.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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