roxy0316 - Co-Abhängigkeit: Sehr verzweifelt wegen meinem Bruder :(

  • Hallo ihr Lieben,

    erstmal möchte ich sagen, wie froh ich bin, dieses Forum gefunden zu haben. Viele Beiträge haben mir schon sehr geholfen, deshalb möchte ich mich nun selbst an euch wenden.

    Ich bin 32 Jahre alt und habe einen 13 Jahre älteren Bruder. Wir wohnen in unterschiedlichen Städten – und so sehr ich mir wünsche, näher bei ihm zu sein, muss ich auch ehrlich sagen: Vielleicht ist genau das meine Rettung. Ich merke, dass mich die Situation extrem mitnimmt, und ich wäre wohl völlig co-abhängig, wenn ich in seiner Nähe leben würde.

    Der Wendepunkt

    Vor etwa 2,5 Jahren hat seine Ex-Frau uns darüber informiert, dass er ein schweres Alkoholproblem hat. Er gestand, jahrelang heimlich getrunken zu haben, und die Situation eskalierte durch einen Job, in dem er unglücklich war. Seine Beziehung litt immer mehr darunter, und er konnte für seine Kinder kaum noch da sein.

    Um seine Ehe zu retten und auch angeblich für sich selbst, entschied er sich schließlich, in eine Klinik zu gehen. Nach einer Langzeittherapie blieb er etwa ein halbes Jahr trocken. Doch dann stellte sich heraus, dass er während des Aufenthalts Kontakt zu einer Frau aus der Klinik aufgebaut hatte – was letztendlich seine Beziehung endgültig zerstörte. Er begann wieder zu trinken und zog zu dieser neuen Frau.

    Die aktuelle Lage

    Mein Bruder ist stark depressiv und immer wieder rückfällig. Er war mehrfach in der Klinik – aber nicht wegen längerer Therapien, sondern für Entzüge. Jedes Mal landet er völlig betrunken im Krankenhaus, bleibt dort für acht Tage, weil es medizinisch notwendig ist. In diesen Momenten will er selbst auch raus aus der Sucht. Doch oft entlässt er sich noch betrunken selbst und verschwindet wieder. Es ist ein einziges Katz-und-Maus-Spiel.

    Seine neue Freundin sucht ihn dann panisch, wenn er wieder „verschwunden“ ist, und in Extremsituationen ruft sie mich weinend an. Es fühlt sich an wie eine einzige Psycho-Show, und ich weiß oft nicht, ob sie ihm hilft oder ob sie ihn eher in diesem Kreislauf hält.

    Ich habe das Gefühl, dass er mittlerweile wirklich alles verloren hat. Er hat keinen Job mehr, keinen Kontakt zu seinen Kindern, kein eigenes Zuhause. Im Grunde hat er nur noch unsere Eltern, mich und seine Freundin. Selbst sein ehemals bester Freund hat sich abgewandt – er hat uns vor Kurzem weinend angerufen, weil mein Bruder betrunken vor seiner Tür stand und ihn nicht einmal erkannt hat.

    Ansonsten hat er alle Kontakte abgebrochen oder verloren. Wenn er nachts betrunken draußen unterwegs ist, redet er mit Obdachlosen und trinkt mit ihnen. Ich kann einfach nicht fassen, was passiert ist. Ich führe ein ganz anderes Leben, und wenn ich daran denke, dass er vor ein paar Jahren noch ein wunderschönes Haus, einen guten Job und zwei Kinder hatte, verstehe ich das alles überhaupt nicht. Wie konnte es so weit kommen?

    Zusätzlich belastet ihn die finanzielle Situation enorm. Nach der Trennung muss er Unterhalt für seine Kinder zahlen, aber ohne Job ist das kaum möglich. Ich weiß, dass ihn das extrem belastet und er sich dadurch wie ein völliger Versager fühlt. Er sagt zwar, dass er keine Suizidgedanken hat, aber ich sehe, wie sehr ihn all das fertig macht. Mein Bruder war immer jemand, der nach außen lustig und unbeschwert wirkte, aber in Wahrheit hat er alles in sich hineingefressen. Jetzt, wo auch noch die finanziellen Probleme dazukommen, rutscht er immer tiefer ab – und ich habe einfach nur Angst.

    Meine Fragen an euch

    Ich bin völlig ratlos und weiß nicht, wie ich als Schwester mit dieser Situation umgehen soll. Sollte ich den Kontakt abbrechen, um ihm (und mir) nicht weiter zu schaden? Oder sollte ich für ihn da sein und jeden Tag mit ihm telefonieren?

    Meine Mutter hat ihm mehrfach finanziell geholfen, aber selbst das hat die Situation nur verschlimmert. Wir haben das Gefühl, dass er gar nicht mehr selbst über sein Leben entscheiden kann.

    Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie kann ich mit ihm kommunizieren, ohne mich selbst kaputtzumachen? Ich will ihm einfach helfen, aber ich weiß nicht, wie.

    Liebe Grüße und danke, dass ihr euch die Zeit nehmt, das zu lesen. ❤️

  • Hallo roxy,

    herzlich Willkommen hier bei uns.

    Als Angehörige hat man keinerlei Einfluß, ob derjenige die Kurve nochmal kriegt. Leider ist das so. Ihn mit Geld zu unterstützen heißt unterm Strich nur, daß man seine Sucht unterstützt. Hat er eben mehr Geld zum Versaufen. So traurig wie das ist, aber die beste Hilfe ist die Nicht-Hilfe. So kommt er vielleicht wirklich an seinem Tiefpunkt an und wird von selbst aktiv und krempelt sein Leben um.

    Ich würde aus der "Psycho-Show" aussteigen. Es ist wirklich gut, daß du weiter weg wohnst. Ich habe selbst alkohokranke Angehörige und ich konnte mich nur stabilisieren, als ich ziemlich konsequent Abstand gehalten haben. Nicht um bei ihnen etwas zu bewirken, sondern um nicht selber mit kaputt zu gehen.

    Hier ist unser Bewerbungslink, bitte klicke ihn an und folge ihm. Dann schalten wir dich fürs Forum frei.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Lieber Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Liebe Linde, danke dir für deine Antwort! Eine Frage zum Verständnis: Sollte ich diesen Beitrag im "Forum" posten da ich noch im "Vorstellungsbereich" hier bin? Ich verstehe noch nicht ganz wie das funktioniert. Ganz liebe Grüße und danke dir!

  • Dein Beitrag wird automatisch in das richtige Unterforum verschoben. Du müsstest nur den Link, ,den Linde dir geschickt hat, kurz anklicken und ausfüllen. :)

    Herzlich Willkommen hier. Zu deinem Wohl (und tatsächlich auch zum Wohl deines Bruders) würde ich ebenfalls aus diesem Spiel aussteigen.

    Auch der Freundin kannst du freundlich und bestimmt sagen, dass du das nicht mehr mitmachen möchtest und sie dich darum nicht mehr kontaktieren soll. Sie selbst muss dieses Spiel auch nicht mehr mitspielen. Aber das ist letztendlich ihre Entscheidung. Du kannst ihr den Punkt lediglich aufzeigen.

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, roxy.

    Deinen Thread habe ich in den Angehörigenbereich verschoben.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

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