CO- Abhängigkeit - Mutterrolle.

  • Hallo zusammen,

    die Frage richtet sich an jene, die sich von einem alkoholabhängigen Partner getrennt haben und nun allein für die Kinder sorgen. Über Jahre hinweg wurde der Betroffene gedeckt, umsorgt und unterstützt, sodass er seine Sucht ungestört fortsetzen konnte. Doch dann kam die bittere Erkenntnis: Man kann nicht helfen – eine Trennung war unausweichlich. Nun steht man plötzlich allein mit der Verantwortung für die Kinder.

    Kann es sein, dass die Fürsorge für die Kinder unbewusst in ein Co-Abhängigkeitsverhalten übergeht? Zum Beispiel durch übermäßige Kontrolle oder Überbehütung, wie es oft als „Helikopter-Eltern“ bezeichnet wird?

    Wie war es bei Euch?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut,

    Zwar sorge ich noch nicht allein für die Kinder, möchte aber etwas dazu sagen.
    Gedeckt und umsorgt habe ich den Vater der Kinder nie. Ich habe ihn nie geweckt wenn er verschlafen hat etc. Durch meinen Suchtkranken Vater wusste ich ja wie der Wind weht, zumindest in Ansätzen.

    Was aber sehr wohl aufgetreten ist: das übermäßige Kontrollieren des Alkoholkonsums. Denke durch die Sorge um die Kinder hat sich da sehr viel um Kontrolle gedreht. Wie viel hat er getrunken, kann er sich um die Kinder kümmern etc. Und sicherlich habe ich auch die Kinder einige Zeit „überbehütet“. Das was der Vater den Kindern nicht geben konnte/wollte, habe ich versucht auszugleichen.

    Ohne Kinder hätte ich definitiv anders gehandelt. Entweder hätte ich mich früher getrennt oder mitgesoffen.

  • Was aber sehr wohl aufgetreten ist: das übermäßige Kontrollieren des Alkoholkonsums. Denke durch die Sorge um die Kinder hat sich da sehr viel um Kontrolle gedreht. Wie viel hat er getrunken, kann er sich um die Kinder kümmern etc. Und sicherlich habe ich auch die Kinder einige Zeit „überbehütet“. Das was der Vater den Kindern nicht geben konnte/wollte, habe ich versucht auszugleichen.

    Kann ich so unterschreiben.

    Man möchte (und sollte) den Kindern ja Sicherheit geben. Eben eine, die es bei dem trinkenden Elternteil nicht gibt.

    Ein gewisses Co Verhalten in Bezug auf Kontrolle des Konsums (bei Kindesübergabe) finde ich allerdings auch wichtig.

    Würde mab dieses ausblenden/ablegen, überlässt man seine Kinder im schlimmsten Fall ja jemandem, der absolut nicht in der Lage ist Verantwortung zu übernehmen.

    Kontrolle bei Übergabe: Hat er getrunken? Dann darf er nicht mit den Kindern Auto fahren.

    Kontrolle nach Übergabe: Haben die Kinder genug zu essen und trinken bekommen, hat er sich mit ihnen beschäftigt, sie sauber gehalten? Wenn nicht, hat er sich während des Umgangs nur betrunken? Auch dann wäre es unverantwortlich.

    Je nachdem wie alt die Kinder sind, wären sie in solchen Situationen völlig hilflos. Können noch nichts sagen, begreifen... Was das auf Dauer anrichtet, kann man bei den EKA lesen...


    Ich denke in jedem Elternteil (der nicht trinkt) steckt eine unbewusste Co Abhängigkeit. Einfach und allein aus Sorge

  • Hartmut du hast was angestosen bei mir mit den Gedanken. Ich bin ja nicht getrennt, habe meinen Mann nur sehr wenig am Anfang gedeckt die kinder damals schon aus dem Haus als es eskalierte. Aber jetzt wohnt ja seit ca.2 Jahren ein Enkel im Haus , da merke ich in letzter Zeit dass ich meine erwachsenen Kinder sehr beobachte wieviel sie trinken vor allem meine Tochter und ich sehr angespannt bin. Bei meinem Enkel bin ich versucht mehr zu beobachten da sein vater mit einer neuen Liebe sehr beschäftigt ist.

    Letzten Donnerstag hatte mein Enkel (15) ein Renegationsspiel beim Fußball gewonnen, er ist der Kapitän der mannschaft. Auf einem Video sieht man die freude und es gab auf dem Platz gleich einen "Stiefel" mit Cola. Bald wird die Zeit kommen da wird Bier darin sein. Ich konnte mich gar nicht mehr freuen am Video und meine Gedanken kreisen ständig um einen eventuellen späteren Alkoholmissbrauch.

    Ich bin jetzt keine Helikopteroma aber ich merke dass ich da schon hin tendiere.

    Mariexy

  • Guten Morgen,

    ich habe eine Weile über dieses Thema nachgedacht.

    Zuerst ja, ich habe den Vater meiner Kinder gedeckt und ihm Verantwortung abgenommen, gleichzeitig versucht, den Kindern so viel Liebe zu geben wie möglich und mich im Prinzip aufgeopfert, was er mir im Übrigen kurz nach unserer Trennung vorgehalten hat. Hätte ich es nicht getan, hätten die Kinder noch mehr Schaden genommen. Fängt bei einfachen Dingen an wie ein Baby bzw. Kleinkind ins Bett zu legen, Licht aus, Tür schließen und in den Schlaf schreien lassen (er) . Das hat dazu geführt, dass ich mein eigenes Leben auf Minimum zurückgeschraubt habe, damit solche Dinge nicht passieren.

    Ich helikopter nicht, aber ich habe zur Zeit sehr im Blick, wie sich das bei den Kindern entwickelt, weil mir erst im Nachhinein bewusst geworden ist, wie schlimm die Situation bei uns zu Hause war und über wie viele Jahre das geschehen ist.

  • Noch als Ergänzung: als Co dissoziiere ich ja permanent, sonst könnte ich die Situation nicht mehr aushalten und würde daraus gehen.

    Und natürlich wirkt es dann auf andere unverständlich und befremdlich, wenn das Handeln, wenn man den Absprung geschafft hat, sich so dermaßen wandelt.

  • Hallo Hartmut,

    Ich bin mit meiner Tochter im Januar ausgezogen. In der Zeit bis jetzt kann ich sagen, dass meine Tochter und ich uns ein großes Stück los lassen konnten. Sie hat nicht mehr das Bedürfnis mich schützen zu müssen und umgedreht auch nicht. Natürlich gibt es diese Momente noch aber im Großen und Ganzen sind wir von einander freier und Unabhängiger. Dadurch haben wir auch ein offeneres aber trotzdem inniges Verhältnis. Ich würde es als eine gesündere Mutter Tochter Beziehung bezeichnen.

    Liebe Grüße

    Saltsoul

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