Cocolee19 - Meine Geschichte - wie soll sie weitergehen?

  • Hallo zusammen

    Ich bin seit 12 Jahren mit einem Mann zusammen, mittlerweile seit 5 Jahren verheiratet und haben 2 Kinder zusammen. Er hatte schon seit seiner Jugend Probleme mit Alkohol. Anfangs hat sich das "nur" durch viel Trinken im Ausgang gezeigt - da waren wir beide aber auch viel weg und es war kein Problem.

    2018 hat er in einer neuen Firma angefangen und ist dort in Kontakt mit Kokain gekommen. Das ging nicht lange gut - ich habe aber eigentlich nichts davon gemerkt bis er zusammen gebrochen ist und gesagt hat, er brauche einen Entzug. Im Entzug ist dann das Thema Alkohol auch auf den Tisch gekommen und zusätzlich die Diagnose ADHS gestellt worden.

    Danach hat er einige Monate nichts getrunken, dann aber doch wieder angefangen. Da alle Freunde wussten, das er im Entzug war, konnte er nun aber nicht mehr in Gesellschaft trinken und hat seine Sucht heimlich ausgelebt - mit Vodka. Es war stets ein Auf und Ab, mal wars besser, mal schlechter. Einige Jahre lang dachte er, er kriegt es hin mit "normalem" Alkoholumgang in Gesellschaft, aber in der Zeit wo andere 1 Bier trinken, hat er halt 4 getrunken und konnte nicht aufhören.

    Das tückische ist, dass er nüchtern ein supertoller Mensch ist und ich ihn nach wie vor liebe.

    2022 wurde ihm der Führerschein wegen betrunkenem Fahren entzogen. Danach hat er es geschafft, 6 Monate trocken zu bleiben, bis er ihn wieder hatte. Sobald das geschafft war, ging es wieder los, sodass er 2023 wieder in den Enzug ging. Dort hat er dann selbst endlich eingesehen, dass es nur mit 0.0 Promille geht und kein Zwischendrin möglich ist. Das ging dann ein Jahr gut. Im Sommer 2024 war ich zum 2. Mal schwanger und er war sehr nervös wegem dem Familienzuwachs. Er hatte einen richtigen Absturz und ich habe ihn im 9. Monat schwanger vor die Tür gesetzt , vor allem um unser grosses Kind zu schützen.

    Da ich dann aber in einer emotional und auch körperlich eingeschränkten Situation war, haben wir uns nochmals zusammengerauft und er hat mit der Einnahme von *edit* begonnen.

    Seither war es wieder 1 Jahr gut, wir haben eine gute Beziehung und funktionieren toll als Familie.

    Ihm ist Annerkennung sehr wichtig, vor allem im Job. Nun hat er einen Job, der ihm nicht wirklich gefällt, aber eine solide Basis und gut mit der Familie vereinbarbar - das war die Abmachung. Vorher hatte er immer 150% Jobs, täglich 12 und mehr Stunden gearbeitet.

    Seit Mai hatte ich das Gefühl das es wieder abwärts geht, da es ihm eben im Job nicht gefällt und das in der Vergangenheit meist zu Abstürzen mit Kündigung etc. Geführt hat.

    Wir gehen ca. 3monatlich zu einem Therapeuten um Beziehungsthemen zu besprechen und solchen "Dramen" im Voraus entgegenzuwirken. Dort waren wir zuletzt anfang Juli und ich habe das (nebst zuhause) auch angesprochen. Er hat mir gesagt, ich solle mir keine Sorgen machen, er hätte alles im Griff.

    Tja. 1. Tag nach den Sommerferien ist er betrunken nach dem Mittag arbeiten gegangen. Innert 2 Wochen 4x getrunken, der Job ist auf Ende Jahr weg. Anscheinend hat er das *edit* seit den Ferien nicht mehr genommen.

    Mein erster Gedanke war: So, das wars, ich mach das nicht nochmals durch! Ich fühle auch jetzt noch so (ist jetzt 2 Wochen her). Aber dann denke ich, es war 1 Jahr gut, die Kinder lieben Ihren Papa, jetzt nehm ich ihnen den Vater weg. Zudem rechne ich damit, dass er, wenn ich mich trenne, komplett abstürzt, keinen neuen Job findet und 2h weit weg in seine Heimat zurück geht. Ich bin dann also komplett auf mich gestellt, was schon alleine finanziell nicht geht. Ich habe schon Familie und Freunde die helfen würden, stehe aber auch nicht gerne als arme alleimerziehende Mama da.

    Ich weiss nicht, was ich machen soll, wie das Ganze anpacken?

    Gibt mir eine Trennung die Chance auf eine Zukunft ohni diese Sucht, die Lügen und Enttäuschungen? Nimmt mir aber gleichzeitig jede Freiheit fpr meine Hobbys, unseren Lebensstandard?

    Jetzt ist vordergründlich wieder normaler Alltag und es läuft alles "gut". Aber ich weiss, der nächste Absturz wird kommen und in der Akutsituation muss ich auch alles alleine managen und habe dazu die emotionale Achterbahn, was sehr anstrengend ist.

    2 Scheiss Wochen pro Jahr oder ein unabhängigeres, dafür eingeschränktes Leben alleine?

    Was meint ihr? Ich befürchte, ich bin schon so tief drin, dass ich die Situation nicht mehr neutral beurteilen kann?(

    Einmal editiert, zuletzt von Marie04 (25. August 2025 um 14:23) aus folgendem Grund: Bitte keine Medikamente nennen

  • Hallo Cocolee19!

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Wenn der Partner alkoholkrank ist leidet oft die ganze Familie darunter.

    Leider ist es so, dass sich viele Geschichten der Angehörigen bei uns im Forum ähneln.

    Und es ist so, dass nur der Alkoholkranke die Sucht stoppen kann. Du kannst im Grunde nichts tun, nur dafür sorgen, dass es Dir besser geht. Du kannst ihm nicht helfen wenn er nicht einsieht daß er zuviel Alkohol konsumiert.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern klicke den folgenden Link an:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Anklicken und kurz etwas dazu schreiben.

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema in "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Liebe Cocoolee19,

    Ich kann dir lediglich meine Gedanken und Erfahrung sagen.
    Die Situation mit dem Alkoholproblem ist nicht statisch, wenn nicht im Stillstand gebracht. Metaphorisch ausgedrückt: morgen ist schlimmer als heute, übermorgen schlimmer als morgen. D.h. - du stehst dann nur vor der Frage, wann du dein Lebensstandard verlierst, nicht ob das passiert. Es klingt eventuell sehr hart formulier, aber wer gibt dir die Garantie, dass es bei nur 2 Wochen im Jahr bleiben wird?
    Heute hast du vielleicht mehr Kraft und Energie die Situation in Griff alleine zu bekommen, als später wenn du ausgelaugter bist und vor einem Berg Problemen stehst, im Vergleich zu dem heutigen Tag.

    Liebe Grüße Ino

  • Marie04 25. August 2025 um 20:34

    Hat den Titel des Themas von „Meine Geschichte - wie soll sie weitergehen?“ zu „Cocolee19 - Meine Geschichte - wie soll sie weitergehen?“ geändert.
  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Cocolee19.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo Cocolee,

    hier gibt es im Großen und Ganzen ähnliche Probleme - außer dass es keine gemeinsamen Kinder gibt - deshalb schreibe ich Dir. Mit Wodka und - zeitweise? - Kokain hat Dein Partner ja leider ein ganz miese Kombi gewählt- ist das K denn zzt noch Thema, oder erzählt er nur einfach nicht mehr davon? Leider stoppt man das ja auch - oder erst recht - nicht einfach mal so von selbst. Du schreibst mehrfach von Entzug, war er auch mal länger in Reha? Ohne Entgiftung und längere Entwöhnung, zu der er sich selbst entscheiden müsste, geht da vermutlich wenig. Und wenn er nur entzieht oder entgiftet, um den Führerschein wieder zu bekommen, was ja offensichtlich schon so war, fehlt ihm vermutlich noch die nötige Krankheitseinsicht.

    Also ich hatte definitiv in den vergangenen Jahren mehr als zwei Scheiß-Wochen pro Jahr. Wie Ino schon schreibt, kannst Du Dich auf keinerlei Rhythmus oder planbare schlechte Phasen verlassen, und es geht tendenziell immer weiter bergab, wenn er nicht ernsthaft was ändern möchte. Am wichtigsten bei allen Überlegungen, wie Du weitermachen kannst, finde ich die Kinder. Wie kommen sie mit einem saufenden und evtl heimlich weiterkoksenden Vater im Haus zurecht? Hier solltest Du auch bedenken, dass das zu Problemen mit dem Jugendamt führen und auch für Dich schwierig werden könnte, auch wenn Du gar nichts mit seinem Konsum zu tun hast.

    Das tückische ist, dass er nüchtern ein supertoller Mensch ist und ich ihn nach wie vor liebe.

    Das kennen hier ganz Viele. Das Problem ist halt, dass man nicht nur den nüchternen Menschen bei sich hat. Die Sucht lässt sich leider nicht wegdiskutieren und prägt die Beziehung.

    Liebe Grüße

  • Hallo EllaDrei

    Danke für deine Nachricht.

    ist das K denn zzt noch Thema, oder erzählt er nur einfach nicht mehr davon?

    Nein, das ist zum Glück seit 2018 wirklich kein Thema mehr. Das weiss ich, da ich seine Finanzen komplett mitbetreue, weil er absolut nicht mit Geld umgehen kann. Das wär für mich ein absolutes NoGo! Klare Grenze.

    Du schreibst mehrfach von Entzug, war er auch mal länger in Reha?

    Ja war er und auch immer von sich aus. Er möchte klar etwas dagegen unternehmen, das ist ja schon mal die Grundvoraussetzung. Aber jedes Mal wenn ein grösseres Problem auftaucht, fällt er wieder in sein Muster zurück statt vor einem Rückfall zu merken, was gerade passiert.

    Sein Therapeut sagt, er müsse akzeptieren, dass er halt so sei, dass sowas immer passieren könne und so ein geregeltes Leben halt einfach nicht zu ihm passt. KA wie ich diesen Ratschlag eines Therapeuten finde.

    Ist es so? Gibts keine Chance diese Sucht zu überwinden und ein Leben ohne Sucht im Mittelpunkt zu führen, wenn man stets wachsam ist?

    Wie kommen sie mit einem saufenden und evtl heimlich weiterkoksenden Vater im Haus zurecht?

    Wir haben die klare Regel das er nicht angetrunken heimkommt solange die Kids wach sind. Danach geht er direkt ins Gästezimmer und bleibt dort bis er ausgenüchtert hat. Ich rede resp. diskutiere nicht mit ihm wenn er getrunken hat. So kann ich mich emotional wenigstens etwas raus halten - ich werd oft wahnsinnig wütend wenn ich ihn so "erbärmlich besoffen" dahertorkeln sehe.

    Ich versuche jetzt, ihm mehr Verantwortung für sich selbst zu übertragen und schaue, das ich mein Leben mit den Kids von ihn unanhängiger mache und er sich selbst kümmern muss, was jetzt mit Job / Sucht / Aufarbeitung ist.

    Liebe Grüsse Cocolee19

  • Ich merke, dass meine Motivation, die Beziehung aufrecht zu erhalten, extrem davon abhängt, dass ich merke, dass er etwas ändern will und die Dinge selbst in die Hand nimmt. Dann denk ich, er ist es doch wert, ihn zu unterstützen. Er hat eine Suchterkrankung und Mühe, sein Leben alleine zu meistern, ich nicht. Ist es nicht auch ein Teil des Lebens, andere zu unterstützen? Natürlich solange es einem selbst nicht zu viel Kraft kostet. Nur wo ist die Grenze? Wann ist es Zeit, zu kapitulieren? Gibts das "Happy End" überhaupt?

  • Ist es nicht auch ein Teil des Lebens, andere zu unterstützen?

    ja, das ist auch immer Teil meines Lebens gewesen. Ich helfe gerne, wenn ich kann.

    Jetzt kommt das ABER:

    Bei Suchterkrankungen ist es nicht hilfreich, denn die Hilfe hält den nassen Alkoholiker in der Sucht. Er weiß genau, da ist ja jemand, der erledigt es schon. Er muß auch Verantwortung übernehmen, du kannst und solltest ihm nicht alles abnehmen. Glaube mir, ich weiß wie schwer mir das alles gefallen ist, aber es geht nicht anders.

    Sein Therapeut sagt, er müsse akzeptieren, dass er halt so sei, dass sowas immer passieren könne und so ein geregeltes Leben halt einfach nicht zu ihm passt. KA wie ich diesen Ratschlag eines Therapeuten finde.

    In meinen Augen ist diese Aussage purer Nonsens. Hast du diese Aussage selbst gehört, oder hat er sie dir erzählt? Ich wäre da eher skeptisch, ob diese Aussage so getätigt wurde. Kann auch als "Ruhigstellung " für dich gedacht sein.

    Sicher ist nur eins, er kann seine Sucht nur stoppen, süchtig bleibt er trotzdem. Für dieses stoppen ist er alleine zuständig, er muß anfangen etwas zu tun, denn ich empfinde seine Bemühungen die du beschreibst als halbherzig und eben zu deiner Beruhigung. Ein nasser Alkoholiker findet immer einen Grund zu trinken und sich dafür zu rechtfertigen.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Guten Morgen Cocolee,

    Er hat eine Suchterkrankung und Mühe, sein Leben alleine zu meistern, ich nicht. Ist es nicht auch ein Teil des Lebens, andere zu unterstützen?

    solche Gedanken hatte ich auch viele Jahre und bin auch noch nicht völlig frei davon. Aber genau damit nimmt man den Suchtkranken aus der Verantwortung, von der Du ja selbst sagst, dass Du sie ihm stärker übertragen willst. Du hast seine Finanzen im Blick und hilfst ihm, sein Leben zu meistern, er muss Regeln befolgen,wenn er betrunken heimkommt - Du managst viel um ihn. Dabei ist er erwachsen und der Vater Deiner Kinder,

    Ich kenne das in anderer Form gut, glaub mir. Mein Partner rutscht immer wieder in alle möglichen Notlagen - suchtbedingt. Lange Zeit dachte ich in meiner coabhängigen Denke, er schafft das alles nicht allein, braucht doch Hilfe, ich kann die bieten, ich springe ein - bis ich selbst vollkommen erschöpft war. Das hat ihn, wie er mittlerweile selbst sagt, zumindest zeitweise noch tiefer da reingedrückt. Jetzt versuche ich, den Hilfsreflex direkt zu unterdrücken und siehe da, er kann sich ganz gut kümmern - wenn er nicht trinkt und sonstiges konsumiert. Und das ist ja eh alleine seine Baustelle.

    Er ist zzt in Langzeitreha, und ich kann noch nicht absehen, wie es danach weitergeht. Für mich allerdings nur, wenn er trocken und clean wird/bleibt, weil der Co-Teufelskreis für mich sonst nicht zu stoppen ist.

  • Ich würde es so sehen, dass du ihnen das Aufwachsen mit einem Suchtkranken als Vorbild ersparst

    Ob wir getrennt oder zusammen sind, der Vater bleibt er ja trotzdem.

    Das mit dem Besuchsrecht wird aber auch nicht einfach wenn ich nie sicher bin ob er es schafft, ein Wochenende mit den Kids nüchtern zu bleiben. Wie habt ihr das geregelt?

    Ich weiss nicht wirklich wie ich die Trennung anfangen soll. Wann ichs ihm sagen soll. Einerseits möchte ich, dass er sich einen neuen Job sucht, auch um die Alimentsituation wenigstens auf dem Papier zu sichern. Zudem muss ich die Kinderbetreuung erst anders regeln, damit ich normal weiterarbeiten kann. Also wiege ich ihn erst einmal in "Sicherheit", damit er nicht durchdreht und eifach abhaut.

    Gemäss Auskunft hat man als Angehörige die Verantwortung, einzugreifen, wenn die Gefahr besteht, dass jemand sich etwas antun möchte. Wenn ich ihm also sage dass ich mich trenne, dann muss ich im schlimmsten Fall die Polizei einschalten. Dafür bin ich noch nicht ready.

    Ich bin jetzt dran, eine Trennungsvereinbarung aufzusetzen, die dann gerichtlich bestätigt werden müsste. So bräuchte ich hoffentlich keinen Anwalt. Falls wir uns dabei nicht einig würden, müsste ich ein Eheschutzverfahren einleiten. Hat jemand Erfahrung damit?

    Es sind echt viele Fragen gerade... und die hohen Kosten von einer professionellen Begleitung (Anwalt/ Mediator) schrecken mich ab.

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