Handlung schlägt Suchtdruck?

  • Meine eigenen Erfahrungen damit – und der Austausch mit anderen, auch wenn ich selbst davon weitgehend verschont geblieben bin, bis auf ein einziges Mal – zeigen mir. Suchtdruck kommt und geht. Er verschwindet eventuell nicht sofort und kann wieder auftauchen, verliert aber Macht, wenn ich ihn einordne statt ihn zu bekämpfen.

    Nicht dramatisieren, nicht diskutieren, nur registrieren. „Ah, da bist du wieder.“ Mehr nicht. Er ist temporär, kein Notfall und ganz sicher kein Chef mehr! ;) Denken ja, aber handeln ist wichtiger. Grübeln füttert die Sucht, Handlung nimmt ihr den Sauerstoff.

    Ob Notfallkoffer oder eigene Strategien ist egal . Hauptsache tun.

    Wie seht ihr das, wie habt ihr das erlebt?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich wusste lange nicht, wie sich Suchtdruck anfühlt.
    Das erste Mal Suchtdruck, nicht Suchtgedanken, hatte ich nach mehr als 8 Monaten.

    Da war es wieder, diese sich steigernde Unruhe, Nervosität, erhöhter Puls und aufkommende leichte Panik, so wie zu nasser Zeit, als der Pegel am absinken war.

    Es war während eines Liederabends, bei dem auch Alkohol konsumiert wurde.
    Erst wusste ich nicht, was los ist, bis mir der Gedanke kam, das muss Suchtdruck sein.
    Ich bin aufgestanden und 15 Minuten an die frische Luft und rumgelaufen, dann war es vorbei.

    Wie konnte es nach 8 Monaten dazu kommen? Es war das erste Mal, dass ich in einer fremden Umgebung, mit vielen Menschen,
    die ich gar nicht kannte, an einem Tisch zusammensaß und dort wurde getrunken, natürlich ohne Rücksicht auf mich, woher auch.
    Bis dato kannte ich nur einen Restaurantbesuch mit meiner Frau.
    Im Vorfeld war mir der nahende Event eher unangenehm und ich bin schon mit gemischten Gefühlen dort hin.

    Das Ganze hat sich dann hochgeschaukelt und endete mit Suchtdruck. Es war eine psychsomatische Reaktion, ausgelöst durch die Unsicherheit und den damit verbundenen Stress. Dabei habe ich keinen Zwang verspürt, alkohol zu trinken.

    Als ich das begriffen hatte, konnte ich dem auch entgegentreten, z.B. bin ich dann in der Zeit danach ertmal nicht auf Veranstaltungen oder Events gegangen, die mich schon im Vorfeld nervös gemacht haben. Mit der Zeit habe ich mich vorgewagt, denn ich wusste, was auf mich zukommen kann und wie ich reagieren muss.

    Suchtdruck in der Form oder anders ist bis heute nie wieder aufgetreten.
    Suchtdruck hat ganz unterschiedliche und individuelle Erscheinungsformen. Für mich war wichtig, so schnell wie möglich raus aus der Situation, und nicht aussitzen und hoffen, dass es vorbei geht. Dazu gehört auch, dass ich mich im Vorfeld frei von irgendwelchen Zwängen oder Verpflichtungen mache, damit ich uneingeschränkt handeln kann, wenn es darauf ankommt.

    Dieses bisher einzige Suchtdruckerlebnis war zunächst erschreckend, hat mich aber im Nachhinein gestärkt, da ich nun wusste, was auf mich zukommen kann und wie ich damit umgehen kann. Vlt. erlebe ich Suchtdruck nochmal in anderer Form. Die Reaktion wird die gleiche sein. Raus aus der Situation und handeln.



    Damit hat Suchtdruck seinen Schrecken verloren, er ist kein wirksames Mittel, um mich zum Trinken zu bringen, unangenehm ist er in jedem Fall.
    Vlt. ist das, der Grund, warum er nie wieder auftrat.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Genau so wie Du es Hartmut in der Einleitung des Threads beschreibst gehe ich mit dem Suchtdruck um. Ich hätte wieder keine passenden Wörter für mein Empfinden gefunden. Aber genauso ist es. Ablenken, keine große Bedeutung beimessen und weitermachen. Ich wusste und weiß, es geht vorüber und dann ist wieder alles im grünen Bereich und ruhig.

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Zum Glück nur ein einziges Mal, ziemlich am Anfang meiner Abstinenz. Ich hab ihn nicht mal direkt als solchen erkannt. Ähnlich wie bei Nayouk, innere Unruhe, Nervosität und komisches Bauchgefühl.

    Hab dann sofort hier geschrieben, parallel verschiedenes Essen gekocht (auch seltsam im Nachhinein) und danach recht lange mit einem damaligen Shg-Mitglied (reale Gruppe) telefoniert.

    Ich konnte ihn dann auch einordnen, wusste, warum ich ihn hatte - anstehendes Gespräch, auf das ich keinen Bock hatte - und die Erkenntnis hat mir dann schon mal was gebracht: Sowas in Zukunft zu lassen. Vor solchen Gesprächen hab ich mir jahrelang nämlich immer Mut angetrunken.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

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