Angler - Hoffnung kommt hoffentlich

  • Ja klar aber sie es mal ganz "nüchtern": es ist ein Getränk und dieses Getränk macht einen kaputt.

    Man schüttet also was in sich rein was einem nicht gut tut und was Auswirkungen hat. Und das "nur" wegen einem Getränk.

  • Ne, "nur" wegen der Sucht.

    Warst Du nicht schon zu dem Schluss gekommen, dass Deine zentralen Probleme weit vor dem Alk da waren? Und dass Deine Beziehung vermutlich nicht nur am Alk gescheitert ist?

    Hätte auch ein anderes Suchtmittel, d.h. Mittel zum Zweck werden können, aber der Alk ist eben legal überall zu haben.

  • Servus Angler,

    Immer wieder interessant zu lesen, wie ausführlich du Gefühle, Beziehungen, Muster und Gedanken beschreibst. Das ist alles legitim und hat seinen Platz. Auffällig ist allerdings, dass du den eigentlichen Kern sehr konsequent umkreist. Du erklärst viel drumherum, analysierst, deutest und relativierst.

    Genau dort, wo es um die Einordnung der Alkoholkrankheit geht, wird es dagegen erstaunlich still.

    Für mich geht es nicht darum, ob ein Getränk „kaputt macht“, ob heute Verlangen da ist oder wie die Stimmung gerade aussieht. Entscheidend ist, ob du die Alkoholkrankheit für dich selbst klar und eindeutig einordnest. Solange dieser Punkt nicht steht, bleibt alles andere auf wackeligem Fundament.

    Das sehe ich hier seit vielen Jahren immer wieder. Man kann über Kindheit, Beziehungen, Verletzungen, Muster und Dynamiken sprechen. Das alles mag richtig sein Nur irgendwann kommt der Punkt, an dem die Sucht ziemlich unhöflich dazwischenfunkt und fragt: „Schön erklärt. Und jetzt?“;)

    Es reicht nicht aus, sich Alkoholiker zu nennen. Entscheidend ist, ob die Alkoholkrankheit als das anerkannt wird, was sie ist. Denn wenn dieser Punkt nicht wirklich steht, brechen viele Konstrukte irgendwann erstaunlich schnell zusammen.

    Dann wird wieder gesoffen und plötzlich interessieren die ganzen Erklärungen niemanden mehr.

    Nicht den Therapeuten, nicht die Angehörigen und vor allem nicht die Sucht. Denn die Krankheit verhandelt nicht.Und sie interessiert sich auch nicht dafür, wie schlüssig wir uns unser Verhalten erklärt haben.

    Alles Gute weiterhin

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich meine damit, es ist kein Heroin was man sich spritz sondern es ist eben ein Lebensmittel, jedenfalls fällt es in den meisten Ländern eben darunter.

    Und das macht abhängig. Und wenn man sich das mal klar wird, kann man das kam glauben.

    Hoffe jetzt wird es deutlicher.

    Sagen wir mal so: ja, die Probleme waren schon da bzw. es entwickelten sich welche. Und ja, Alkohol war ein bekanntes Mittel gegen Stress was eine gefährliche Kombination wurde. Ich habe aber nie wirklich einen Ausweg gesehen außer mit starkem Willen es wieder zu lassen. Aber wie gesagt das Hintertürchen war immer offen.

    Das was auf jedenfall durch den Alkohol kommt: dauerhaft verändere ich mein Wesen. Das ist eine grundsätzliche Depressive Stimmung. Und die unterbricht man dann wieder mit Bier. Ein Teufelskreis.

    Diese Einstellung und die Sichtweise zum Alkohol hat sich aber erst richtig gefestigt, als ich die psychologische Hilfe in Anspruch genommen habe.

    Ich werde nie einen gesunden Umgang mit Bier haben. Er wird immer alte Muster aufreißen, an Erinnerungen andocken.

    Das entscheidende ist das Bewusstsein. Ich habe seit Jahren ganz offen mit meinen Ärzten darüber gesprochen. Die kannten alles von mir. Trinkmenge, Situationen usw. Obwohl ich selber sage, ich bin Alkoholiker wurde immer nur Alkoholmissbrauch diagnostiziert, keine Abhängigkeit. Das hat mir im Januar auch eine sofortige Einweisung verhindert. Die Entzugsklinik hat mich "auf Grund der Geringfügigkeit" eiskalt abgelehnt als ich mit meiner Tasche und der Überweisung da stand.

    Das ganze Thema macht mir sehr zu schaffen. Ich höre auf meine Therapeutin und setze das um was sie sagt (Eigenverantwortlichkeit, Ausgleich, Selbstfürsorge), was mir bisher meine Stabilität brachte.

    Andererseits sehe ich auch die Gefahr, dass der bisherige "Erfolg" evtl. nur durch Stress, Panik und Traumata gekommen ist.

    Und ich weiss auch, dass ich mir immer viel zu viel Gedanken um alles mache statt es mal genieße oder zufrieden bin. Ich gehe mir täglich vor Gericht, und verklage mich.


    Fakt ist: ich habe mit Bier die Hölle erlebt. Für mich, meine Partnerschaft, für meinen Charakter. Einen Kreislauf den ich nie durchschaut habe. Heute blicke ich auf das Ganze und kann nur sagen: das will ich nie wieder erleben. Kein Bier kann so verlockend sein, das noch einmal zu erfahren. es hat mich für das Leben geprägt.

  • Schon mal darüber nachgedacht? Solange du alle anderen in deine Sucht einbeziehst Partnerin, Ärzte, Therapeuten, Diagnosen, Kliniken, statt auf dich selbst zu schauen, bleibt alles nur eine Rechtfertigung und keine wirkliche Einordnung der Krankheit.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut,


    Das ist genau das was mir alle sagen: ich gehe mit mir härter um und nehme alle Schuld und Verantwortung auf mich.

    Tag für Tag gehe ich mit mir ins Gericht. Und jeden Tag ist das Urteil klar

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