Farfalla - Wut auf alkholkranke und depressive Mutter

  • Hallo zusammen,

    meine Mutter (ca. 60) ist seit circa 8 Jahren in Behandlung wegen Depressionen (damals Klinikaufenthalt, jetzt nur noch ambulant) und seit circa 6-7 Jahren auch alkoholabhängig.
    Mein Bruder und ich sind mittlerweile beide erwachsen und ausgezogen, ich weiter weg, er in der Nähe. Mein Vater ist mir ihr lange verheiratet und sie leben zusammen. Er leidet am aller Meisten und das tut mir sehr weh. Er ist der liebste Mensch, den ich kenne.

    Wie so oft, hat sich ihr Alkoholkonsum schleichend entwickelt und später dann enorm verstärkt. Problematisch sehe ich vor allem, dass durch ihren behandelnden Psychologen ihr Alkoholkonsum damals fast entschuldigt worden ist damit, dass Depressive den Alkohol oft benutzen, um mir ihrer Depression besser umzugehen. Was anderes ist dann nicht mehr zum Alkohol passiert in der Therapie. Auch vor kurzem hat sie mich einen Brief der noch behandelnden Psychiaterin lesen lassen, der von ihr zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung geschrieben worden ist. Mit einem Satz wurde auch der Alkohol erwähnt: "ein episodischer Alkoholmißbrauch im Sinne einer dysfunktionalen Emotionsregulation". Von episodisch kann aber keinesfalls die Rede sein. Sie trinkt mit einer großen Regelmäßigkeit 1-2 Flaschen Sekt/ Wein oft schon mittags und geht auch gerne mal an den hochprozentigen Schnaps. Sie hat regelmäßig Filmrisse, wird sehr aggressiv und schreibt dann auch gerne Hassnachrichten an Familie/ Freunde/ Bekannte (inkl. mir). Ich habe auch eine psychologische Ausbildung und kann mit Sicherheit sagen, dass sie die Diagnosekriterien einer Alkoholsucht erfüllt.

    Mein Vater ist total hilflos, leidet unter Schlafproblemen und unter ihren verbalen sowie körperlichen Aggressivität. Er ist ein Mal für zwei Wochen ausgezogen in das Haus meiner damals gerade verstorbenen Oma. Nachdem sie versprochen hat, sie geht zu AA Treffen und ändert was, ist er dann wieder zurück gekommen. Nach zwei Wochen war alles wieder beim Alten und sie hat weiter getrunken. Angeblich hat sie von ihrer Psychiaterin eine Überweisung zur Suchtberatung bekommen. Gesehen hat die niemand, sie ist auch nie hingegangen.

    Ich habe überlegt, ob ich ihrer Psychiaterin mal einen Brief schreiben soll, indem ich ihr das Ausmaß schildere. Darf man sowas aber überhaupt? Bringt das was? Außerdem will ich zur Angehörigenberatung mit meinem Vater gehen, mein Bruder will auch mitkommen. Damit kann ich vielleicht wenigstens meinem Papa helfen.

    Ich sehe aktuell wenig Potenzial für einen Tiefpunkt bei ihr, bei dem es dann Klick macht. Sie arbeitet nicht und hat dementsprechend keine sozialen Verpflichtungen, bei denen irgendwas Extremes passieren kann. Wie es um ihre Gesundheit steht weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich bin mir sicher, dass mein Vater es nicht schaffen würde sich scheiden zu lassen. Außerdem sind an ihren Depressionen sowie an allem anderen eh immer alle anderen Schuld. Der ihrer Meinung nach unproblematische Alkoholkonsum wurde durch das Verhalten der Therapeuten weiterhin verstärkt.

    Mir ist gerade tatsächlich am Wichtigsten meinen Papa an die Hand zu nehmen, dass er aus der Co-Abhängigkeit raus kommt. Nachdem ich hier einige Beiträge gelesen habe, ist mir klar geworden, dass wir eh sehr wenig Einfluss auf das Trockenwerden meiner Mutter haben. Ich habe sie sehr lieb, aber bin auch extrem wütend auf sie - mein Bruder noch mehr und die Beziehung leidet extrem.

    Ich freue ich über Ratschläge oder auch einfach über Erfahrungsberichte! Danke auf jeden Fall im Voraus.

  • Hallo Farfalla,

    herzlich Willkommen hier bei uns.

    Keine Ahnung, ob ein Brief etwas bringen würde oder nicht. Denn auch die behandelnden Ärzten und Therapeuten können bei einem Alkoholiker nichts ausrichten, wenn derjenige nicht von sich aus sein Leben umkrempelt und die Trockenheit an erste Stelle stellt. Das scheint bei deiner Mutter so zu sein. Da bringen keine Maßnamen von außen etwas, weder von euch als Familie, noch von den Behandlern.

    Die Geschichten hier im Forum ähneln sich leider oftmals und es ist sehr 'ernüchternd' zu lesen, wie hilflos Angehörige gegenüber der Suchterkrankung der Betroffenen sind.

    Damit du dich im Forum austauschen kannst, klicke bitte als nächsten Schritt auf diesen Link und schreibe einen Satz, das reicht auch schon. Dann wirst du freigeschaltet.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Viele Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Linde66 4. April 2026 um 23:59

    Hat den Titel des Themas von „Meine Mutter ist Depressiv und Alkoholsüchtig“ zu „Farfalla - Meine Mutter ist Depressiv und Alkoholsüchtig“ geändert.
  • Hallo Farfalla,

    ich habe dich freigeschaltet und dein Thema in den EKA-Bereich verschoben. EKA = Erwachsene Kinder von Alkoholikern.

    Du kannst aber überall schreiben, nur bitte die ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich bei den Teilnehmern mit den orangeroten Namen.

    Bitte schau mal oben im EKA-Bereich, dort gibt es ein Thema 'Merkmale für ein EKA'. Vielleicht hilft dir das schon mal etwas weiter mit deiner Situation.

    Möchte dein Vater denn Hilfe und wenn ja, welche?

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Danke für die Freischaltung Linde!

    Ich bin mir sicher, dass mein Vater sehr gerne Hilfe in Anspruch nehmen würde. Er hat sehr dankbar und positiv auf meine Initiative reagiert, einen Termin in der Angehörigenberatung auszumachen.

    Ich glaube er hat oft das Gefühl, dass ihm nicht schlecht gehen darf, weil ja meine Mutter die ist, der es schlecht geht.
    Dazu kommt wahrscheinlich, dass es vielen Männern schwerfällt, aktiv um Hilfe zu fragen.

    Mir fällt es auch immer schwerer mit meiner Wut der Situation und meiner Mutter gegenüber umzugehen.
    Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, dass ich hier meine Gedanken mit anderen teilen kann, die ähnliche Situationen (von beiden Seiten) erlebt haben.

  • Ich bin Angehörige einer Alkoholikerin und beobachte, dass sich immer mehr Wut in mir anstaut.
    … dass sie alle behandelt wie Dreck, wenn sie vollgesoffen ist und sogar körperlich angreift. Dass sie keinerlei Scham oder Reue zeigt, wenn sie wieder nüchtern ist und dann noch die Nerven hat ständig schlecht über andere zu reden, die sie im Suff regelmäßig verbal (und teils körperlich) misshandelt.

    Ich verliere den Respekt und verachte sie, wenn sie betrunken ist, teils auch noch danach.

    Viele schreiben hier, dass sich die Wut bei Alkoholismus eigentlich die Wut auf einen selbst ist. Dem kann ich so pauschal nicht zustimmen. Ich bin wütend darüber, dass sie dem Rest meiner Familie so weh tut.


    Wie kann man mit dieser Wut und Verachtung umgehen? Unsere Familie ist sehr eng miteinander vernetzt, einen Kontaktabbruch will ich nicht

  • Hallo Farfalla,

    Wie kann man mit dieser Wut und Verachtung umgehen? Unsere Familie ist sehr eng miteinander vernetzt, einen Kontaktabbruch will ich nicht

    Ich glaube nicht, dass hier jemand darauf eine zufriedenstellende Antwort geben kann. Du musst einen Katalysator finden, der dir hilft diese Gefühle zu reduzieren, umzuwandeln oder verschwinden zu lassen. Und meiner Meinung nach, bleibt dann nur der Kontaktabbruch, um nicht weiter solche Gefühle aufkommen zu lassen. Sonst drehst du dich ständig im Kreis.

    LG ☀️

  • Hallo Farfalla ,

    ich kenne diese Gefühle von Wut nur zu gut. Die haben mir zeitweise richtig die Luft abgeschnürt und mich bitter und zynisch werden lassen. Bei mir ging es um meinen Ex-Partner - ist natürlich ein anders gelagerter Fall, weil das Distanzieren weniger mühsam ist. Mir half da nur stetig zunehmender Abstand, der Gedanke, dass mein Ex es nicht persönlich meint, aus seiner Sucht heraus handelt usw. Aber ich weiß auch, dass das eine Gratwanderung ist.

    Deinen Impuls, vor allem Deinen Vater stärken zu wollen, finde ich sehr verständlich und richtig- aber bedenke, Dein Vater ist ein erwachsener Mann, der auch für sich selbst einstehen und für Selbstschutz sorgen sollte und das bestimmt auch kann. Offenbar hat er das ja mit seinem Auszug schon mal für einige Zeit versucht, was vermutlich die richtige Entscheidung war, bei der er hätte bleiben sollen.

    Deine Situation klingt so, als versuchst Du, alle Bälle in der Luft, sprich: den Laden zusammen zu halten. Psychiater/Therapeuten über das wahre Ausmaß ihrer Sucht aufklären wollen, den Vater unterstützen, die eigene Wut managen, und auch den Kontakt zu Eurer Mutter trotz ihrer Anfeindungen im betrunkenen Zustand halten - das klingt extrem anstrengend. Die Angehörigenberatung ist sicher ein guter erster Schritt. Ich fände es generell ratsam, Verantwortung abzugeben, auch wenn das gerade bestimmt schwer fällt, möglichst viel externe Hilfe in Anspruch zu nehmen, zB über einen sozialpsychiatrischen Dienst, Dir Auszeit nur für Dich zu schaffen, um nicht immer weiter in diesen Strudel zu geraten.

    Wenn Du Wut und Verachtung für Deine Mutter aufgrund ihres Verhaltens empfindest, ist fraglich, wie ein konstruktiver Kontakt derzeit überhaupt aussehen könnte - das meine ich überhaupt nicht vorwurfsvoll, im Gegenteil, wie gesagt, diese Gefühle kenne ich auch. Genau deshalb ist vielleicht ein Kontaktabbruch momentan die einzige Option. Das heißt ja nicht, dass Du Deine Mutter nicht gern hast. Aber da sie keine Krankheitseinsicht hat, kannst Du momentan leider ohnehin nix für sie tun, wie Du selbst schon geschrieben hast. Vielleicht gäbe es Deiner Mutter zumindest einen kleinen Denkanstoß, dass sie etwas ändern und sich helfen lassen sollte, wenn sie wieder mit ihrer Familie zurechtkommen möchte. Eine Garantie dafür gibt es leider nicht. ..

    Mir fiel übrigens jetzt erst auf, dass Dein Faden im EKA-Bereich ist - gab es da möglicherweise noch eine Verschiebung? Sorry jedenfalls, falls meine Erfahrungen mit Ex nicht ganz hierher passen sollten.

    Liebe Grüße

    Einmal editiert, zuletzt von EllaDrei (8. April 2026 um 11:23)

  • Hallo Farfalla,

    Wie kann man mit dieser Wut und Verachtung umgehen? Unsere Familie ist sehr eng miteinander vernetzt, einen Kontaktabbruch will ich nicht

    Ich sehe es so, dass Wut mir zeigt, wo eine Grenze von mir überschritten wurde und mich dann ermuntern aktiv zu werden, diese Grenze zu meinem eigenen Schutz und Wohlergehen wieder zu ziehen. In mir sträubt sich daher viel, Anregungen zu geben, wie du deine Wut runterkochen und wegmachen könntest (wonach du ja auch nicht explizit gefragt hast).

    Du hast ja weiter oben schon von der Einsicht geschrieben, dass du/ihr deine Mutter nicht ändern könnt. Was kannst du machen, damit es dir etwas besser geht? Mir fällt da ehrlich auch grade nicht viel anderes ein, außer Distanz. Distanz kann natürlich auch "nur" innerlich stattfinden. Für mich war es damals sehr wichtig eine Zeit lang keinen Kontakt zu meinem trinkenden Vater zu haben.

    Herzliche Grüße,
    Seepandarine

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!