Cynce - Eine sehr nahe Angehörige hat ein Problem, negiert es jedoch schon seit Jahrzehnten

  • Ich stelle mich hiermit kurz vor. Pardon, dass ich gleich mit "Tür ins Haus" falle. Eine mir sehr nahestehende Verwandte hat seit meiner Kindheit das Problem, mehr zu trinken, als notwendig wäre. Als Kind empfand dies immer als schwierig, doch aufgrund bestimmter Umstände, auf welche ich an dieser Stelle jetzt nicht näher eingehen kann, war es nicht möglich, dieses Thema offensiv anzusprechen und wenn ich damit begann, wollte sie es bislang auch nicht einsehen, dass sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen müsste. Seit einigen Jahren war zudem der Kontakt auch "eingefroren", man hat sich lediglich zu den Feierlichkeiten o. Geburtstagen kontaktiert. Seit ca. 1 Jahr schreibt man sich wieder häufiger via Messenger und es fanden auch 2-3 Treffen an "neutralen" Orten statt. Da wollte ich jedoch auch nicht dieses "heiße" Thema ansprechen, weil ich froh war, überhaupt wieder normal miteinander umgehen zu können.

    Als direkter Angehöriger fühlt man sich ziemlich machtlos, doch nun steht bei ihr eine größere Operation an, welche sie auch unbedingt durchführen lassen möchte und ich habe aufgrund der Tatsache, dass eine Vollnarkose ansteht, große Angst, dass es nun deswegen zu ernsthaften Komplikationen kommt.

    Wie kann in dem Fall am besten vorgegangen werden? Wenn ich untätig bleiben würde, würde ich mir vermutlich ein Leben lang Vorwürfe machen. Habt Ihr ggfs. eine Idee? Ich danke vorab <3-lich für die Hilfestellungen.

  • Du kannst eventuell den Ärzten sagen, dass mit Entzugssymptomen oder Narkosekomplikationen zu rechnen ist. Wenn Du Zugang zu den Ärzten hast.

    Ansonsten kannst du ihr sagen, dass Du Dir Sorgen machst, aber wenn sie trotzdem weitertrinkt, bist Du machtlos.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
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  • Ein Arzt könnte den Zustand der Leber normalerweise über entsprechende Laborwerte diagnostizieren und die OP aufgrund dessen zurückstellen, weil ihm das Risiko zu groß ist. Natürlich hat er dann den "schwarzen Peter", ihr das Ergebnis und seine Entscheidung mitzuteilen.

    Vielleicht wäre dann der Anreiz groß genug für sie, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Darf man als nahe Verwandte eigentlich den Arzt deswegen (ohne das Wissen der eigentlich Betroffenen) kontaktieren? Sicher sollte man das Gespräch auch entsprechend dokumentieren und aktenkundig machen, damit er dann später nicht abstreiten kann, dass ihm die Sachlage nicht bekannt war.

    Sie selber wird es ihm Arztgespräch wohl eher nur dann zugeben, wenn er ihr die Risiken klar und deutlich vor Augen geführt werden.

    Wie ich recherchiert habe, sollte vor einer größeren OP eigentlich einen Entzug stattgefunden haben, vor allem wenn die Alkoholabhängigkeit bereits so lange besteht.

  • Erst mal muss sie überhaupt ein nachweisbares Leberproblem haben. Ich hatte nach 26 Jahren ordentlichem Konsum noch wunderbare Werte.

    Das ist alles blanke Theorie, weil sie ein erwachsener Mensch ist und Du sie zu nichts zwingen kannst.

    Hier gibts x Angehörie, die gehofft haben, dass der Groschen fällt, wenn so was ist.

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  • Außerdem musst Du vor jeder OP sowieso unterschreiben, dass Du über Risiken informiert wurdest und weißt, worauf du Dich einlässt. Es wird niemand gegen sein Einverständnis operiert.

    Wenn sie das unterschreibt, lebt sie sowieso mit den Folgen.

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  • Noch was.
    Ich hatte vor zweieinhalb Wochen eine Vollnarkose, deswegen ist mir das präsent.

    Ich musste einen langen Fragebogen ausfüllen, und natürlich sind da Fragen zum Alkoholkonsum und Medikamenten und Allem möglichen dabei.

    Es liegt an ihr, wie sie diese Fragen beantwortet. Außer, sie hätte einen gesetzlichen Betreuer. Hat sie den?

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  • Hallo Cynce,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Darf man als nahe Verwandte eigentlich den Arzt deswegen (ohne das Wissen der eigentlich Betroffenen) kontaktieren?

    Wieso willst Du so etwas tun?

    Auch ein nasser Alkoholiker ist für sich selbst zuständig. Er ist ja nicht entmündigt, nur weil er Alkohol trinkt.

    Deine Sorge ist zwar gut gemeint, aber Du schreibst über einen erwachsenen Menschen, der seine eigenen Entscheidungen trifft.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Danke für Deine Antworten (Lebenskuenstler). Ich verstehe schon, dass dies manchmal ein "Kampf gegen Windmühlen" ist, doch bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

    Es gäbe wohl einen Laborwert (CDT), der einen Alkoholkonsum diagnostizieren würde. Kürzlich erwähnte sie etwas davon, ein Mittelchen zu nehmen (die Wirkung zur Unterstützung der Leber war mir bekannt), weil sie vermehrt zu Müdigkeit neigen würde. Müdigkeit ist das stille Leiden der Leber. Sie ist bereits seit Mitte der 1980iger Jahre betroffen, also seit ca. 40 Jahren. Dies dürfte nicht spurlos an ihr vorbeigegangen sein.

    Man weiß nicht genau, wie ausführlich über die möglichen OP-Risiken aufgeklärt wird. Wenn der Arzt selbst die OP durchführt, die mit ca. 10T€ abgerechnet wird ... schwierig einzuschätzen.

    Manche Patienten lesen die Aufklärungsbögen nur bedingt durch oder haben nicht das notwendige Verständnis. Meist setzt auch die notwendige Vernunft aus, weil in die OP Hoffnungen auf Besserung gesetzt werden, welche die Schmerzen "plötzlich wegblasen". Jahrelang vorher hat man jedoch nichts in die Prävention investiert :rolleyes: und glaubt Ärzten blindlings. Kann heutzutage ein gefährliches Unterfangen sein.

  • Du brauchst nicht glauben, dass ich mich mit dem Medizinbetrieb nicht auskenne mit 93-Jährigen in der Familie und einem Vater, der am Alkohol gestorben ist und den ich betreut habe. Und dass ich weiß, was Hoffnung mit Leuten vor OPs macht.
    .
    Und außerdem habe ich selbst getrunken und weiß daher sehr genau, dass es beliebig viele Tricks gibt, Kontrollversuche von Angehörigen zu umgehen.

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  • Hallo Cynce,

    herzlich Willkommen.

    Wir können hier keine Rechtsberatung machen.

    Geht es um deine Mutter? Bist du EKA? Meine Mutter hat Jahrzehntelang getrunken. Bei OPs habe ich - weil ich ziemlich oft Taxi war - den Arzthelferinnen bzw. Schwestern gesagt, daß meine Mutter "zu viel" trinkt und sie das dem Arzt sagen sollen, damit er sie danach fragen kann. Das Wort Alkoholikerin habe ich nicht erwähnt, das steht mir nicht zu und letztlich weiß es nur der Betroffene Mensch selbst, ob er Alkoholiker ist oder nicht.

    Wenn es dich umtreibt, rede mit ihr oder lass in der Praxis ein Wort fallen. Ansonsten ist es ihre Entscheidung.

    Viele Grüße, Linde


    P.S. Inzwischen habe ich für meine Eltern die Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten, Entbindung von der Schweigepflicht usw., da bin eh direkt involviert.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Inwieweit diejenige die möglichen "Tricks" kennt, kann ich schwer einschätzen. Das Thema ist innerhalb der Familie ein totgeschwiegenes Thema, obwohl sich die nahen Angehörigen dessen durchaus bewusst sind. Ich wurde gar vor ca. 25 Jahren direkt von anderen Familienmitgliedern angesprochen, dass sie versucht, die konsumierten Weinflaschen zu verstecken.

    Ihr 2. Ehemann steht der Problematik offenbar machtlos gegenüber oder ist nicht in der Lage, positiv auf sie einzuwirken. Ab einem gewissen Zeitpunkt leben manche nur noch nebeneinander her und das gegenseitige Interesse lässt nach, also eher eine Zweck-/Wohngemeinschaft als Partnerschaft.

    Darf ich fragen, was ein EKA ist :/?

  • Ihr 2. Ehemann steht der Problematik offenbar machtlos gegenüber oder ist nicht in der Lage, positiv auf sie einzuwirken.

    Kein Angehöriger kann einen Alkoholiker trockenlegen oder trockenlieben.

    Ab einem gewissen Zeitpunkt leben manche nur noch nebeneinander her und das gegenseitige Interesse lässt nach, also eher eine Zweck-/Wohngemeinschaft als Partnerschaft.

    Ist das bei dir so?

    Bei Suchtkrankheiten ist es egal ob Zweckgemeinschaft oder große Liebe. Wenn der Süchtige nicht von sich aus aufhören möchte und dafür aktiv wird, dann können sich die Verwandten verhalten wie sie wollen: Es hat null Einfluß.

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    - Nightbirde

  • Sorry für die Schnell-Antwort, doch es ist schon spät :sleeping:.

    Nein, ich habe eine intakte Beziehung mit gegenseitig großem Verständnis.

    Ja, ich bin nach der Definition ein EKA.

  • Linde66 31. Juli 2026 um 10:48

    Hat den Titel des Themas von „Eine sehr nahe Angehörige hat ein Problem, negiert es jedoch schon seit Jahrzehnten“ zu „Cynce - Eine sehr nahe Angehörige hat ein Problem, negiert es jedoch schon seit Jahrzehnten“ geändert.
  • Hallo Cynce,

    du bist jetzt fürs Forum freigeschaltet und kannst dich überall austauschen, nur bitte in den ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Teilnehmern mit den orangeroten Namen.

    Ich bin selbst auch EKA und mir kommt manches was du schreibst aus eigener Erfahrung bekannt vor.

    Bei mir gab es jaaaahrelang keinen Kontakt, sonst wäre ich kaputtgegangen. Inzwischen sind die Eltern ü80 und pflegebedürftig. Da standen einige wichtige Entscheidungen an. Auch vorher schon gab es Arztbesuche, auch Operationen. Teils hat mich das über alle Maßen getriggert. Daher ist mir mein innerer Abstand das Allerwichtigste. Nur so bin ich handlungsfähig.

    Ich kann mir gut vorstellen, wie schwierig das gerade für dich ist. Prio 1 bist du.

    Viele Grüße, Linde

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    - Nightbirde

  • Wenn du magst, stöbere gern in dem hier oben angepinnten Thread ‚Merkmale für ein EKA‘.
    Du bist nicht allein mit den zerrissenen Gefühlen.

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    - Nightbirde

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