Klänge in Dur und Moll

  • Ich trinke nicht. Und ich lebe mein Leben zunehmend, ohne dass Alkohol dessen Bezugspunkt ist.

    Liest sich als gute und wünschenswerte Entwicklung. :thumbup:

    Du bist ja schon sehr lange trocken. Wie hat sich dieses Gefühl der Freiheit im Zeitverlauf der Abstinenz entwickelt?
    Siehst du (grob) Phasen oder Sprünge?

  • Dabei fällt mir immer wieder auf, dass dieses Leben nicht nur ohne Alkoholkonsum stattfindet. Es dreht sich auch immer weniger um dessen Verhinderung. Ich erlebe meinen Alltag nicht mehr als ständiges Widerstehen, Ablenken oder gedankliches Kreisen um Alkohol. Nicht zu trinken ist für mich selbstverständlich geworden.

    Das beobachte ich seit ner Weile bei mir auch. Nicht konstant, eher phasenweise. Das fühlt sich toll und wie befreit an, bin mir aber nicht sicher ob das gut ist und ich evtl. leichtsinnig werden könnte. Ich habe sogar mal ne kurze Zeit tatsächlich auch das Forum vergessen.

    Ich lasse es immer mehr zu, dass sich mein Leben nicht mehr um Alkohol dreht und zwinge mich nicht dazu, extra dran zu denken. Ich habe nicht mehr das Gefühl dem Alk widerstehen zu müssen und / oder mich von Alk Gedanken ablenken zu müssen. Auch kreisen meine Gedanken nicht mehr um Alk. Wenn ich irgendwo Alk sehe, registriere ich ihn höchstens, aber er erzeugt keine weitere Regung.

    Aber hier habe ich auch gelernt, dass selbst lange Jahre Trockene immer noch im Forum sind und deshalb mache ich das auch. Sicher ist sicher.

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    🦋 Heute trinke ich nicht 🦋 Heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Wenn ich irgendwo Alk sehe, registriere ich ihn höchstens, aber er erzeugt keine weitere Regung.

    Das ist ein gutes Zeichen Deiner Entwicklung. Ich kenne das von mir. Dennoch können ab- und an mal Trinkgedanken, nicht zu verwechseln mit Suchtdruck, aufkommen. Auch da musste ich durch und ich komme klar damit. Sie sind einfach Grüße von meinem Suchtgedächtnis. Und genau das wird für immer bleiben.

  • Du bist ja schon sehr lange trocken. Wie hat sich dieses Gefühl der Freiheit im Zeitverlauf der Abstinenz entwickelt?
    Siehst du (grob) Phasen oder Sprünge?

    Salü Oskar und guten Morgen an Euch alle

    Irgendwie beides.

    Eines vorneweg: Ich bin seit 2018 (oder so) Mitglied dieses Forums - mit Unterbrüchen. Meine Zeit vor dem 14. Dezember 2019 war ein "Herum-eiern", Wechsel zwischen nassen Zeiten, Abstinenz-Zeiten, Rückfällen. Erst nach diesem (für mich denkwürdigen) Datum kam die "Wende".

    Nach dieser Wende hatten sich die Spielregeln für mich stark geändert. Ich wurde viel positiver, zielgerichteter, und die Klarheit, dass ich nur rauchfrei sowie trocken überleben würde, hatte sich in mein Gehirn gebrannt. Und so war es relativ einfach, das Ding durchzuziehen. Insofern war dies der Zeitpunkt, in dem sich alles auf einen Schlag veränderte.

    Jedoch reifte dieses Gefühl der Freiheit heran. Als zarter Gedanke, beinahe etwas "konstruiert" wuchs er heran zu einem irre starken, warmen und breiten Gefühl der Freiheit, gepaart mit dem Gefühl eines "leichten Herzens". Ich weiss noch genau wie ich dieses Gefühl zum ersten Mal verspürte - das war nach ca. 3 oder 4 Monaten, im Aldi. Eines der schönsten Gefühle, die ich je erlebt habe.

    Insofern ist die Antwort: beides. Teilweise ruckartig aber grösstenteils heranreifend. Also Sprünge und Phasen zugleich.

    Ich wünsche Dir einen gelassenen, freudigen Tag.

  • Das beobachte ich seit ner Weile bei mir auch. Nicht konstant, eher phasenweise. Das fühlt sich toll und wie befreit an, bin mir aber nicht sicher ob das gut ist und ich evtl. leichtsinnig werden könnte. Ich habe sogar mal ne kurze Zeit tatsächlich auch das Forum vergessen.

    Ich lasse es immer mehr zu, dass sich mein Leben nicht mehr um Alkohol dreht und zwinge mich nicht dazu, extra dran zu denken. Ich habe nicht mehr das Gefühl dem Alk widerstehen zu müssen und / oder mich von Alk Gedanken ablenken zu müssen. Auch kreisen meine Gedanken nicht mehr um Alk. Wenn ich irgendwo Alk sehe, registriere ich ihn höchstens, aber er erzeugt keine weitere Regung.

    KaDett   KaDett Ich glaube nicht, dass der Leichtsinn darin besteht, dass du dich gut und frei fühlst oder auch mal das Forum vergisst. Für mich ist genau das ein Ziel: ein Leben, das sich nicht mehr um Alkohol dreht – auch nicht ständig um das Nichttrinken.

    Ich lasse immer mehr zu, dass Alkohol in meinem Alltag keine Rolle mehr spielt. Ich zwinge mich nicht, extra an ihn zu denken. Ich habe nicht mehr das Gefühl, ihm widerstehen oder mich von Alkoholgedanken ablenken zu müssen. Wenn ich irgendwo Alkohol sehe, registriere ich ihn meistens einfach, ohne dass das etwas Weiteres in mir auslöst.

    Für mich ist allerdings wichtig, zwei Dinge auseinanderzuhalten: Freiheit vom Alkohol vs. die Vorstellung, wieder problemlos trinken zu können. Dass es mir ohne Alkohol gut geht, ist für mich kein Beweis dafür, dass es irgendwann auch wieder mit ihm funktionieren würde.

    Leichtsinnig würde ich also nicht dadurch, dass ich mein Leben geniesse. Kritisch wäre für mich vielmehr, wenn ich anfinge, meine Entscheidung infrage zu stellen: «Vielleicht war es doch nicht so schlimm», «Vielleicht habe ich es inzwischen im Griff» oder «Einmal könnte ich doch …». Das wären für mich keine Zeichen von Freiheit, sondern ein Anlass, genauer hinzuschauen.

    Deshalb gilt für mich eine klare Regel: Ich trinke keinen Alkohol mehr. Nicht als tägliche Mutprobe, sondern als grundsätzliche Entscheidung, die ich nicht immer wieder neu verhandle. Innerhalb dieses Rahmens darf mein Leben so frei und unbeschwert sein wie möglich.

    Das heisst nicht, dass ich mich für unverwundbar halte oder mögliche Warnzeichen ignorieren möchte. Meine Geschichte gehört zu mir. Aber ich muss sie mir nicht ständig vor Augen halten, damit sie weiterhin zählt. Und falls wieder Suchtdruck oder solche Gedanken auftauchen, möchte ich sie ernst nehmen und mir Unterstützung holen – statt sie als harmlos wegzuerklären.

    Auch die gesellschaftliche Selbstverständlichkeit, mit der Alkohol zu Feiern und Geselligkeit dazugehört, muss ich für mich nicht mehr übernehmen. Was andere daran mögen, muss ich weder teilen noch abwerten. Für mich gibt es da nichts zurückzugewinnen, das ich vermisse.

    Für mich reicht diese klare Grenze, solange ich ehrlich mit mir bleibe. Der Rest darf Leben sein – und nicht dauernde Beschäftigung mit Alkohol. Genau darin liegt für mich die Freiheit.

  • Freiheit vom Alkohol vs. die Vorstellung, wieder problemlos trinken zu können. Dass es mir ohne Alkohol gut geht, ist für mich kein Beweis dafür, dass es irgendwann auch wieder mit ihm funktionieren würde.

    ich wundere mich immer drüber, dass bei Vielen eine Gefahr besteht, sich ein Glas zu gönnen, wenn es zu einfach läuft.

    Bei mir ist es so, gerade, weil ich die Abstinenz von selbst läuft, und das schon lange (mehr als mich da irgendwie dran zu erinnern mache ich ja nicht) komme ich doch erst recht nicht auf die Idee, irgendwas Alkoholisches zu trinken.

    Wenn mir was nicht schmeckt, esse ich es doch auch nicht.

    Ich fühle mich, was den Alkoholismus angeht, gesund. Gesund heißt für mich nicht, dass ich trinken will. Gesund heißt für mich, dass ich kein spürbares Problem mit meiner Trockenheit habe. Mein Leben ist genau so wie das von jemandem, der noch nie Alkohol getrunken hat.

    Klar würde sich das ändern, wenn ich wieder anfangen würde. Der Alkoholismus ist latent da. Aber warum sollte ich das tun?

    Ich wurde schon mal gefragt, ob ich Antialkoholiker bin. Ja, im Prinzip bin ich das heute.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ja, das unterschreib' ich. Ich wundere mich auch darüber. Aber es scheint - so berichten Leute hier - anscheinend eine reale Gefahr zu sein, und deswegen hab ich das jetzt erwähnt.

    Dabei ist es doch völlig klar dass ein erneuter Griff zum Glas jenes Suchtverhalten wieder "weckt", und dass wir das eben NICHT im Griff hatten, ist Fact. Warum sollte das jetzt urplötzlich klappen. Weil man "geläutert" ist? Was für'n Blech. Geht nicht. Wissen wir.

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