try to - Na dann stell ich mich mal vor

  • Hallo!

    Alkohol begleitet mich bereits seit meiner Kindheit (Vater hat getrunken). Das war natürlich nicht immer schön, rückblickend hat es mich aber wohl auch (natürlich nicht nur) zu dem Menschen gemacht der ich bin. Ich habe mit meinem Vater als Erwachsene meinen "Frieden" gefunden - wir haben viel gesprochen und wir hatten in den letzten Jahre seines Lebens ein gutes Miteinander. Meine Kindheit war auf keinen Fall schlecht oder schlimm - ganz im Gegenteil (es gab bei uns niemals Gewalt oder Ähnliches - meine Mutter war immer unser "Fels" und ist heute noch DAS Vorbild für einen positiven und optimistischen Menschen für mich (obwohl sie ist - logischerweise) in ihrer Ehe nicht leicht hatte.

    Ich habe jedoch nicht wg. meinem Vater dazu entschlossen, mich in diesem Forum anzumelden, sondern weil meine Beziehung (10 wirklich wundervolle Jahre) nach dem Entzug meines Partners auseinander gegangen ist (er hat sich getrennt)

    Ich zähle in Summe somit also zu den klassischen "Co-Abhängigen" (und ja - obwohl ich diesen Begriff eigentlich so überhaupt nicht ausstehen kann - er trifft halt ins Schwarze ... hilft ja nix)

    Grundsätzlich glaub ich, schon einiges zu wissen, ich hoffe dass mir dieses Forum vielleicht endlich die Augen wirklich öffnen kann (oder zumindest dabei helfen kann) um die Tatsachen endlich WIRKLICH einzusehen.

    Ich freue mich über Austausch mit Menschen, die im gleichen Boot sitzen.

    Liebe Grüße,

    try to

  • Hallo try to!

    Willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Eine entsprechende Moderatorin wird sich bald um Dich kümmern.

    So lange kannst Du Dich bei den anderen Angehörigen schon mal einlesen. Und zwar hier:

    Erste Schritte für Angehörige und Co Abhängige - Alkoholiker Forum

    Einfach anklicken und Du bist in der richtigen "Abteilung".

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • hallo try to,

    Herzlich willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.
    Es ist gut, dass du dich hier austauschen willst. Du wirst sehen, dass du nicht alleine bist. Das war für mich bei meinem Anmelden eine große Erleichterung.

    Wenn du dich hier austauschen möchtest klicke unten auf den Link.
    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    wir schalten dich dann für den Austausch frei.

    LG Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, try to.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Ich zähle in Summe somit also zu den klassischen "Co-Abhängigen"

    Herzlich willkommen, try to.

    Darf ich fragen, wie Du zu dieser Einschätzung kommst?

    Hast Du denn versucht, Vater und/oder Ex-Partner von Trinken abzuhalten und/oder diese vor den Auswirkungen ihres Konsums zu schützen, und Dich darüber selbst verloren?

  • Hallo Rennschnecke (toller Name -- by the way)

    Hm gute Frage ehrlich gesagt.

    Ich glaube, aus allem was bis bisher zum Thema "Leben mit einem Alkoholiker" gelesen und erfahren habe.

    Grundsätzlich bin ich ehrlich gesagt mit dem Begriff "Co-Abhängig" nicht ganz glücklich, aber es ist ja offensichtlich so, dass man im Laufe der Zeit in eine solche Co-Abhängigkeit rutscht und es stimmt ja auch, wenn man z.B. mit einem Trinker zusammen lebt, dann macht man gewisse Dinge (wissentlich obwohl man vielleicht gar nicht will) wie z.b. beim Wocheneinkauf die Kiste Bier zu kaufen, auch wenn man sie selber nicht braucht (was macht es denn auch für einen Unterschied, Bier kommt sowieso nachhause, sonst kauft er es eben selber)

    Ich habe mir als Kind natürlich schon gewünscht, dass mein Vater mit dem Trinken aufhört. (da war mir aber auch noch nicht bewusst, dass das für einen Alkoholiker nicht so einfach ist). Vor allem hab ich mir das lange ehrlicherweise aber glaub ich mehr für meine Mutter gewünscht. Ihr Alltag wäre dadurch deutlich einfacher gewesen. Jetzt als Erwachsene weiß ich aber auch, es war ihre Entscheidung und daher auch ihre Konsequenzen.

    Bei meinem Ex-Partner war es einfach die Tatsache, dass die Menge und das tägliche Trinken für mich das größte Problem war. Ich hätte mir - für mich, für ihn und für uns als Paar - gewünscht, dass er den Punkt, in dem er feststellt, dass er sein Alkoholproblem lösen will, früher erreicht.

    Direkt abgehalten hab ich ihn grundsätzlich nicht. Ich wusste ja, dass das nichts bringt.

    Auch habe ich nicht das Gefühl, mich selber verloren zu haben - Hatte ich auch nie. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich was machen "muss" oder so. Schlussendlich waren es meine Entscheidungen (vielleicht nicht immer bewusst, aber gezwungen hat mich keiner)

    Habe grade festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, die Gedanken dazu in Worte zu fassen (obwohl ich definitiv nicht in die Kategorie wortkarg einzuordnen bin :lol: )

    Hoffe, ich konnte es halbwegs verständlich beschreiben.

    Liebe Grüße, try to

  • Danke, try to.

    D.h. Du hättest auch so weiterleben können, wenn er nicht entzogen und sich nicht getrennt hätte? Denn Du schreibst ja von "zehn wundervollen Jahren".

    Ich frage deshalb nach, weil "klassische Co-Abhängige" in der Regel einen sehr großen Leidensdruck haben, wenn sie hier ankommen.

    Ist es bei Dir eher der Trennungsschmerz, der Dich herführt?

  • Der Trennungsschmerz kommt sicher auch dazu, ist aber jedoch nicht der einzige, und vor allem nicht der Hauptgrund.

    Aber erstmal die erste Frage beantworten: Nein auf Dauer hätte ich das nicht. Vor allem, weil es vor allem im letzten Jahr vor seinem Entzug immer ärger geworden ist mit dem Trinken

    Wir haben, eigentlich schon seit Beginn unserer Beziehung gewusst, dass der Alkoholkonsum langfristig ein Problem werden kann (das mit dem Wahrhaben wollen ist dann ja immer eine andere Sache)

    Ich bin sicher eher eine der "Glücklichen", die, die einen trinkenden Partner hatten, der weder aggressiv, laut oder gar gewalttägig waren. Ganz im Gegenteil. Er war immer aufmerksam und liebevoll.

    Selbstverständlich gab es immer wieder Momente, wo ich die Sauferei verflucht habe, und gemerkt und auch offen angesprochen habe, dass ich das so auf Dauer nicht will. Auch ich kenne das Gefühl des Ekels und der Wut, wenn man den Partner besoffen, herumwankend, usw. sieht und schauen darf, wie man ihn unbeschadet nachhause bringt.

    Ich möchte vor allem aber VERSTEHEN. Aktuell treibt mich vor allem um, weil sich mein Ex von mir getrennt hat, nach dem Entzug. Die emotionale Kälte vom nun trockenen Partner, die sicherlich viele Co`s kennen und alles, was seit dieser Zeit passiert ist.

    Erfahrungen von Co-Abhängigen, die einen Partner im und nach dem Entzug begleitet haben. Das ist momentan das größte Thema bei mir. Und welchen Weg sie für sich damit gefunden haben. Erkenntnisse usw.

    Ich habe den Verdacht, dass ich mir momentan noch viele Dinge nicht eingestehen will. Andererseits möchte ich auch nicht glauben, dass die Gefühle eines Alkoholikers nicht echt und ehrlich sein können. Er dreht sich natürlich vieles um das Trinken, aber den Menschen dahinter macht ja mehr aus. Ändert sich der trockene Alkoholiker in seinem ganzen Wesen, seinen Charakter?

    Ich glaubs eigentlich nicht (wäre auch sicher bei vielen Menschen äußerst schade)

  • Ok, ich bin zwar in erster Linie als Alkoholikerin hier, habe aber auch eigene Co-Erfahrung.

    Du schreibst, er sei nach dem Entzug trocken. Da ist er gerade mal entgiftet, aber noch lange nicht trocken, wenn er überhaupt noch abstinent ist.

    Dazu gehört nämlich Trockenarbeit, durch aktive und regelmäßige Teilnahme an einer SHG wie dieser, evtl. auch mithilfe einer Entwöhnungstherapie nach dem Entzug.

    Da steht in jedem Fall - wie auch bei COs, das Thema Selbstfürsorge im Mittelpunkt: genau hinschauen, in allen Lebensbereichen, was guttut und was nicht, und das innere Gleichgewicht (wieder)finden.

    Die meisten abstinent gewordenen Alkoholiker freuen sich wohl, wenn ihr Partner noch an ihrer Seite ist und sich wegen der Belastung in der nassen Zeit nicht schon längst von ihnen getrennt hat.

    Manchmal kommt es laut den Berichten hier vor, dass sich einer der Partner nach dem Abstinentwerden des Alkoholikers eingesteht, dass die Partnerschaft für ihn oder sie am Ende ist.

    Woran das im Einzelfall liegt, können nur die Betroffenen selbst wissen und sagen. Trennungen aus scheinbar heiterem Himmel kommen ja auch bei Nicht-Alkoholikern vor.

    Hat er denn was dazu gesagt? Und wohnt Ihr (noch) zusammen?

  • Zuerstmal danke - hast natürlich recht, trocken und abstinent sind 2 Paar verschiedene Schuhe. Sorry, dass hatte ich nicht so am Schirm

    Vielleicht hab ich nicht ausführlich genug berichtet

    Hier also einmal so kompakt wie möglich zusammengefasst:

    Letztes Jahr: 1. Entwöhnung inkl. darauffolgenden mehrwöchiger Langzeittherapie (stationär). Nach der Rückkehr - abstinent. Ende des Jahres heftiger Rückfall inkl. betrunkenem Anruf, dass er die Beziehung beendet. Haben wir Tage später drüber gesprochen. Beschlossen, dass wir weiter gemeinsam kämpfen möchten (haben ja auch zuvor immer alles gemeinsam gemeistert) Danach wieder ein paar Wochen ohne Alkohol. Anfangs des heurigen Jahres wieder heftiger Rückfall. Diesmal mit dem endgültigen Entschluss seinerseits, die Beziehung zu beenden (weil ich was besseres verdient hab und er mir das nicht mehr zumuten möchte, mich nicht mehr enttäuschen will - lass ich jetzt mal so im Raum stehen)

    Auszug kurz danach. Viele Gespräche (viele gute, wie auch immer während unserer Beziehung - miteinander über alles sprechen war immer einer unserer Grundsäulen)

    Weiterhin Kontakt. Auch mit weiter Unterstützung meinerseits (Co halt) jedoch muss ich hier schon auch erwähnen, dass er auch für mich da war. war also nicht nur einseitig ...

    Seitdem hat er mehr getrunken als zuvor. Jedoch diesmal zumindest mit der eigenen Einsicht für sich selber, endlich gesund zu werden und nicht mehr trinken zu wollen. Die Bereitschaft war beim 1. Mal auch da, aber die Beweggründe vielleicht nicht die richtigen??) (hat sich auch um eine erneute Entwöhnung etc. gekümmert)

    Aktuell 2. Entwöhnung hinter sich und wieder in Langzeittherapie

    Zumindest gehe ich davon aus, dass er noch dabei ist (wir haben uns vor 2 Wochen heftig gestritten und seither keinen Kontakt)

    Ich weiß auch, dass es das Richtige ist - vor allem für mich - dass im Moment Stillschweigen herrscht. Fällt aber schwer, sich der Wahrheit zu stellen.

    Ich fühl mich manchmal einfach nur naiv und dumm.

    Warum wendet sich ein Alkoholiker wenn er abstinent und/oder trocken ist, plötzlich von Menschen ab, die ihm bis dahin äußerst wichtig waren?

    Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan - er kann jetzt gehen?

  • Vielleicht hat er das Gefühl, dass er sich erst mal auf seine Abstinenz konzentrieren muss - gerade, weil es ihm bisher nicht lange gelungen ist, abstinent zu bleiben?

    Mit "Kampf" geht das sowieso nicht, nur mit der Einsicht, dass ich nur aufhören, aber nie mehr "normal"/"kontrolliert" trinken kann.

    Es könnte aber auch ganz anders sein, z. B., dass er nur noch freundschaftliche Gefühle für Dich hat - das kann nur er wissen und Dir sagen.

  • Danke Rennschnecke, Du hast vollkommen recht

    Von Tag zu Tag kommt ein bisschen mehr die Einsicht, dass er sich um sich, und ich mich um mich kümmern muss.

    Ich bin da leider immer eine von der seeehr langsamen Seite.

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