Selbsttäuschung und andere Fluchten

  • Seit ich beschlossen habe, nicht mehr zu trinken, tun sich immer mehr uralte, bisher betäubte Probleme wieder auf. Ich trete Menschen, die mich erstaunlicherweise lieb haben und an mich glauben, an die Kniescheiben. Bestehende Probleme anzugehen, kriege ich irgendwie gar nicht hin, da muss nur jemand agressiv werden, und schwupps, bin ich im Körbchen (ich glaube, das war Doros Vergleich). Und drei Wochen später flippe ich aus und knalle meine Agressionen freibeet Menschen an den Kopf, die sich echt die Kraft für einen Psycho wie mich nehmen. Ich finde mich selbst im Moment so widerwärtig, aber das ist wohl etwas, was ich in einer Therapie ablegen könnte.

    Habt Ihr auch so zu kämpfen gehabt mit der Ehrlichkeit Euch selbst und den Menschen gegenüber, die Euch nahe kommen (könnten)?

    Meni

  • Du hast durchaus recht, Meni, wenn du glaubst, dass wäre ein Therapiethema. All die Konflikte, Aggressionen oder sonstigen Empfindungen hattest du einfach ertränkt. Jetzt drängen sie sich ins Bewusstsein. Ich schrieb schon, es reicht nicht aus, den alten Weg nur eben trocken weiter zu gehen. Hinter jeder Sucht stecken Ursachen, & die gilt es herauszuarbeiten. Mein Angebot aus der PN steht noch, Meni. :wink:

    Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns.
    Vor uns liegen die Mühen der Ebenen. (Bert Brecht) 8)

  • Ich wollte es nicht wahrhaben.

    Ich versuchs heute erstmal im Krankenhaus, Dante. Meine Ärztin hat mir die Überweisung zum Psychologen ohne Diagnose ausgestellt. Allzu
    offensichtlich möchte ich es meinen Kollegen nicht machen. Aber ich hab Deine PN aufbewahrt, Dante.

    LG, Meni

  • morgen meni

    ich kann dich sehr gut verstehen, es ist sehr schwer eine gewisse konditionierung wieder abzulegen, die menschen um dich rum behandeln dich wie bisher, du aber veränderst dich, gib ihnen zeit das zu sehen und zu verstehen. du brauchst ja auch zeit verhaltensmuster zu ändern (körbchen), das einen das oft auf die palme jagt ist unausweichlich, man will anders kann aber nicht, der verstand sagt links rum aber man geht doch wieder nach rechts weil man´s ja jahrelang gemacht hat.
    sucht ist eben nicht rational, mit dieser tatsache muß man sich einfach abfinden, ich habe mich anfangs unendlich für diese ausbrüche geschämt und danach erst mal verkrochen, keine gute idee, dann habe ich angefangen mich bei den leuten zu entschuldigen, ihnen die situation erklärt die mich hat so blöde reagieren lassen, ihnen von meinem inneren kampf erzählt, das hat mir und den menschen denen ich wichtig war sehr geholfen. es wurde fast schlagartig besser, ich habe mich besser verstanden und mich wieder unter kontrolle gekriegt. aber es brauchte eben zeit. wütend werde ich heute nur noch sehr selten, ärgern tu ich mich eigentlich auch fast nur noch über mich selbst, die menschen sind wie sie sind, das kann ich nicht ändern, ich kann nur mein verhalten ändern und sehen wie sie darauf reagieren. das zu verstehen ist eins, es umzusetzten ein anderes, das muß man lernen, aber auch das geht. nimm dir die zeit die du brauchst, was jahrelang falsch lief kann man nicht an einem tag ändern.

    lg doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Ihr habt Recht, an der Geduld hapert es wirklich, ich hatte mir alles viel einfacher vorgestellt. Wenn ich aufhöre zu Trinken, wird sofort alles gut, dachte ich. Aber dass auch meine Mitmenschen ihre Wunden lecken, habe ich verdrängt.
    Ich hoffe sehr, dass ich mich an das Trockensein gewöhne - ich fühle mich gut, aber ich kann mir die Probleme nicht mehr zunebeln, und das sind teilweise ganz schön harte Brocken, die mir zu schaffen machen. Die Scham ist momentan so schlimm, dass ich kaum noch essen kann, ich kann mich im Moment nicht gut leiden, kann mich nicht gut annehmen. Ich hoffe, dass ich unter anderem in der Therapie lerne, meine Verhaltensweisen zu ändern. So will ich nicht sein.

    Ihr habt mich sehr getröstet, und was noch hinzukommt: Mein Gefährte unterstützt mich jetzt sehr, obwohl ich schon so sehr an seinen Kräften gezehrt habe. Am 9. Januar beginnt meine ambulante Therapie, ich hoffe so sehr, dass meinen Mitmenschen und mir weitere Ausbrüche erspart bleiben und will an mir arbeiten.

    LG, Meni

  • Hallo Meni!
    Das ist gut mit der Therapie. Am kommenden Montag will der Therapeut von der Suchtberatungsstelle sich auch mit mir darüber unterhalten, wies weiter geht. Irgendwie ist es hier nicht einfach einen Therapeuten zu finden, alle genug zu tun. Komisch, gibt scheinbar viele Leute mit "Defekt"
    LG
    paula

  • Hallo Paula,

    ich bin im Krankenhaus fündig geworden, die vier Wochen Wartezeit sind dort im Vergleich gesehen, kurz: Die Therapeuten hier sind alle wenigstens ein dreiviertel Jahr ausgebucht! :shock:

    Wieder ein Punkt, an dem ich Geduld beweisen muss, nun, wo ich endlich eine Entscheidung getroffen habe, soll's ja bitteschön auch losgehen... :P

    Mein Gefährte meinte unlängst, wir sollten mir ein großes Laufrad bauen, wenn ich rumzicke, kann ich mich dabei wenigstens mit Stromerzeugung nützlich machen. Soll ich ihn küssen oder schütteln? :lol:

    LG, Meni

  • :D:D:D

    Küss ihn! Du hast einen sehr pragmatischen Freund... :idea:

    Es ist nicht leicht, das Glück in sich selbst zu finden,
    doch es ist unmöglich, es anderswo zu finden.

    Agnes Repplier

    Abstinent seit Oktober 2006

  • Ach Pauly, ich lache hier gerade ganz alleine herzlich vor mich hin! :D Vielleicht mache ich aber doch besser beides (((harr-harr))); denn er ist zugleich unwahrscheinlich lieb und hinreißend und auf der anderen Seite sehr frech :wink:

  • Eine gute Idee, Eveline, die ich gestern zum Teil umgesetzt habe, meine Küchenkacheln blitzen, die Böden unserer großen Wohnung sind gemacht usw. ich habe drei Dosen voller Schneeflocken gebacken und gestern ganz viel an Dinge gedacht, die mir gut tun. Das hat gegen diese innere Hektik sehr geholfen.

    Es hat mir geholfen, dass ich mir hier so Vieles von der Seele schreiben durfte, aber nur vom Jammern wird es genausowenig besser wie vom Zusammenreißen. Ich bin froh, wenn auch aufgeregt wegen der Therapie.
    Dieser Selbsthass ist überhaupt nicht gesund und bringt nur Schaden, aber der hat einfach nochmal ganz böse nach mir gegriffen.

    LG und ein schönes Wochenende für Euch,

    Meni

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