Die Entwöhnung "allein" gehen

  • Da mein Gefährte und ich zu dem Schluss gekommen sind, dass es besser ist, wenn ich während der Entwöhnung separat lebe (wir suchen mir eine kleine Wohnung), stellen sich mir Fragen auf (ich werde diese Frage auch noch bei den Co's einstellen):

    Habt Ihr damit Erfahrungen gemacht? Ich fühle mich einerseits gut, weil ich mich dann einerseits ganz auf die Entwöhnung konzentrieren kann, ohne die Alltagskämpfe, Kindererziehung, Sucht, Blutdruck usw., ich fühle mich wohl bei dem Gedanken, dass mein Gefährte Kraft schöpfen kann. Auf der anderen Seite kämpfe ich dauernd mit den Tränen, weil mein Gefährte in meinem ganzen Leben der einzige Mensch ist, der mir je unter die Haut gegangen ist, dem ich alles anvertrauen darf. Er hat sogar meine Essstörungen (um die 30 Jahre) nahezu heile gemacht. Ich möchte ihn nicht eine Minute missen, weil ich das Gefühl habe, dass er der Richtige ist. Damit meine ich nicht, dass er der richtige Co ist! Er ist einfach der Richtige. Er ist klug, sexy, hat eine "normale" Familie, er hat soziale Intelligenz³, er ist für mich interessant.
    Uff, das mag jetzt in eine Art Liebeserklärung ausarten, daher speichere ich das jetzt mal fix ab.

    LG, Meni

  • Servus Meni,

    die Fragen sind doch eher: erstens, gibt es eine Alternative, und zweitens: traust Du Dir das zu (=fühlst Du Dich dabei gut)?

    Wie sich Dein Partner dabei fühlt, sorry, muss jetzt erst mal zweitrangig sein. Du musst für Dich die "Arbeit" des Trockenwerdens "leisten", und zwar nur für Dich. Ich glaube, Du hast hier schon genügend Beispiele im Forum gesehen, in denen Alkoholiker sich nicht auf sich, sondern andere Dinge konzentriert haben. Die Rückfälle waren an der Tagesordnung!

    Ich kann Dir nur aus meiner Erfahrung sagen, dass ich mich lieber in meinem gewohnten Umfeld aufgehalten habe, weil es für mich weniger Belastung bedeutete. Ich hatte aber auch den Vorteil (ich empfinde das für mich so), eine LZT von 16 Wochen "dazwischen" zu haben. Und auch aus Sicht meiner Frau war es von Vorteil, weil sie meine Veränderungen zeitnah und direkt miterlebte, und nicht aus der Distanz heraus: wir konnten (und haben es auch) sofort miteinander reden (und zwar nicht nur über's Telefon - da fehlt die Körpersprache, die Mimik etc.).

  • Wohlfühlpartner? Er ist es für mich auch nicht immer. Er hat, genau wie ich, Fehler und Einstellungen dem Leben gegenüber, die ich überprüfen muss, genau wie er. Was ich ihm hoch anrechne ist, dass er auch mir Zeit gibt, trotz des Stresses in letzter Zeit.

    Wir denken, wenn ich eine Weile lang in eine eigene kleine Wohnung schlüpfe, können wir beide vielleicht besser zu uns kommen. Wir wünschen uns das beide sehr, und wir brauchen das auch.

    Schwierig ist das gefühsmäßig trotdem, daher die Frage, ob jemand von Euch solche Lösungswege schon einmal gesucht oder sogar beschritten hat..

    LG, Su

  • Hallo Meni,

    toll, dass ihr den Mut und die Klarheit habt, das so durch zu ziehen. Es ist eine Chance zu sich selbst zu finden und da kann man zwar Hilfe für gebrauchen, aber den Weg selbst, muss ich für mich allein gehen. Du schreibst häufig von deinem Gefährten, ich denke weil du ihn liebst und er ein wichtiger Mensch in deinem Leben ist und dir gut tut, klar. Er kann dir deinen Weg jedoch nicht abnehmen. Ich denke auch nicht, dass er deine Essstörung nahezu heile gemacht hat, sondern das er dir "nur" die Möglichkeit eröffnet hat, das DU sie langsam in den Griff bekommst. Genau so, wie er dich nicht "trocken" machen kann. Da gibts nur eine die das kann und zwar Meni. Die oft genannte Zufriedenheit hier, heißt für mich Zufriedenheit mit mir selbst, erst dann mit meiner Situation, dem Leben etc. Ich muss mich sehr viel mit mir selbst beschäftigen, um für mich Zufriedenheit zu erlangen (bin damit aber noch lange nicht fertig :wink: ). Kein anderer Mensch kann das für mich tun. Damit ich mich in meiner Haut wohl fühle, muss ich mich fragen wie ich denke und fühle und warum das so ist und um ganz ehrlich zu sein, da lenken mich andere Menschen im Moment noch zu sehr ab. Auch mein Alltag "übernimmt mich" noch so manches mal. Ich weiß jedoch, dass das eines Tages besser wird und ich auch mit anderen Menschen zusammensein kann, ohne mich dabei selbst zu vergessen oder zu verleugnen. Ich wünsche euch beiden viel Kraft für euren Weg. Ich glaube ihr tut das richtige.

    Viele liebe Grüße,

    Timster

  • Oh Carsten, das ist ja eine meiner Sorgen! Ich rühre mich seit Anfang November und noch angestrengter seit Anfang Januar ("Therapeuten=ABs=nichtzurückrufen?") Ich werde mir aus Deiner Add am Wochenende die Therapeuten herausschreiben, die für mich erreichbar sind. Danke!! Besser wäre es sicherlich, diese schlechten Zeiten innerhalb einer Familiengemeinschaft zu schaffen. Das wird mit zunehmendem Alter vermutlich immer schwieriger...
    Das Zusetzen von jemandem, dessen Hilfe ich suche, finde ich nicht so schlimm. Ich weiß, zumindest ahne ich, was ich durch meine Flucht in die Sucht bei Menschen, die ich liebe, verursacht habe.

    Ach Astrid, Deine Nachricht hat mich ganz traurig gemacht. Warum braucht er denn Deiner Meinung nach Deine Nähe und warum schlüpfst Du zu ihm ins Bett (und gerade in der Nacht, wo wir einander nur im Unterbewusstsein wahr nehmen)? Und warum findest Du ihn unsexy? Er Dich auch? Gibt es vieleicht in diesem Bereich Wünsche und Träume, die Ihr Euch erarbeiten könntet. Darauf sollst Du hier gar nict antworten, aber ist es nicht für Euch beide eine Überlegung wert, wennn Ihr beide zumindest nachts aneinander rückt und Euch eigentlich insgeheim nacheinander sehnt?

    Hi Franki,

    das war wohl ein Datenübertragungsfehler, mein Gefährte und ich sind erst seit dreieinhalb Jahren zusammen.

    Timster, Du ahnst ja gar nicht, wie sehr Deine Worte mich gleich stärkend beim Einkaufen begleiten werden.

    Euch allen ein gutes Wochenende,

    Meni

  • Hallo Meni,

    ich kann mich hier auch nur voll und ganz carsten10 anschließen,warum machst du nicht eine LZT ?
    Du hast sehr viel aufzuarbeiten und in einer LZT hast du ja jeden Tag psychologische Gespräche und gleichzeitig hast du auch für ne gewisse Zeit Abstand zu deinem Partner und kannst dich ein bißchen sammeln.
    Allein in einer neuen Wohnung find ich auch nicht so toll,mir persönlich würde diese Situation wohl Angst machen,zumindestens jetzt noch als ein so "frisch-Trockener",
    weißt du,vielleicht bist du dann überfordert,an deiner Trockenheit arbeiten,an dir arbeiten,achtsam auf gefährliche Situationen zu sein und noch von deinem Partner getrennt,wenn auch nur räumlich,aber es ist ja doch eine schwierige Situation.Ich hätte Bammel.
    Tun mußt du natürlich das,was dir jetzt gut tut,was es auch immer sein wird.

    Ich drück dich mal ganz fest und wünsch dir viel kraft!

    Liebe Grüße
    Kiki

    mein Rückfall zeigte mir,wie kostbar ein Leben ohne Alkohol ist!

  • Hi Kiki,

    vielleicht ist mir etwas entgangen hinsichtlich LZT - hier sind die Therapeuten offenbar ausgelastet. Ich arbeite mich durch alle Listen, die mir zugeschickt werden.

    Mein Bamel - und seit mindestens heute morgen - entspricht einem Saufdruck, der sich gewaschen hat.

    LG, Meni

  • Hallo Meni!

    Holst Du Dir alle Hilfe, die du kriegen kannst? Oder steht Dir falscher Stolz im Wege?

    - Ruf notfalls Deinen Freund an...
    - Ruf Freunde an, wenn es die gibt (weiß aus eigener Erfahrung, dass das schwierig sein kann.) Aber ich hab gestern, nach längerem Überlegen, Freunde gefunden, die nicht bzw. sehr wenig trinken und Verständnis für mich hatten.


    Was machst Du, um Dich vom Alleinsein und vom Alk abzulenken?

    - Chatten?
    - Musik hören?
    - Etwas, bei dem Du das Gefühl hast, Du ergreifst eine neue Chance, kommst zu Dir...
    - Oder auch nur eine Kleinigkeit, die Dir im Moment weiterhilft...
    - Kleine Schritte sind ja genug...

    Was machst Du gegen den Saufdruck? Bist Du es Dir wert, dem Saufdruck vorzubeugen?

    - Denkst Du daran, für Deinen Körper viel Wasser und Kräuter- oder Früchtetee und Limonade zu trinken? Damit der Druck erst gar nicht aufkommt?
    - Geht ein bisschen Sport? Eine Gymnastik-Sendung aus dem Fernsehen?
    - Spazieren-gehen, wo keine Einkaufsmöglichkeit in der Nähe ist? Park?
    - Luft schnappen am offenen Fenster?
    - Ein heißes Bad?
    - Entspannungsmusik-CD und die Landschaft weit träumen - mit geschlossenen Augen.
    - Der Augenblick des Drucks geht vorbei; der nächste Augenblick schon kann besser sein.

    Viele gute Augenblicke in der Krise wünscht Dir

    Jean

    Wenn ich mir selbst nicht erlaube, dass es mir ohne Alkohol gut geht - wer soll es dann für mich tun?

    Trocken seit November 2006

  • Hallo Meni, habe gerade Deine Anfrage gelesen, mir geht es ähnlich, möchte von meinem Mann der mich auch liebt gerade in diesem Moment alleine sein, weil alles sich nur darauf konzentriet, schnellstmöglich gesund zu werden und auch zu wollen. Andererseits muss ich Carsten Recht geben, Du kannst Dir auch einen geschützen Raum suchen über eine stationäre Aufnahme, die ich auch anstrebe nach der Entgiftung, weil ich mich da sicherer aufgehoben fühle und nicht nur vor die Wänden schauen muss und auch Kommuniktation habe.

    Alles liebe für Dich

    Teichlinchen

    Wenn ich mir überlege, als welches Tier ich gerne wiedergeboren werden würde, dann als Bär. Sie sind nachdenkliche, liebevolle Geschöpfe.
    Jean-Charles de Castelbajac)

  • Hallo Carsten,

    eigentlich bin ich ein sehr offener Mensch, nur wenn es um Gefühle geht, ersticke ich daran.
    Dass ich Hilfe brauche, ist mir vollkommen klar, deshalb habe ich mich trotz meines anfänglichen Zögern angemeldet.

    Ich hatte am 15.01. meine erste Therapiestunde und habe mich für die ambulante LZ zusätzlich bei mehreren Therapeuten auf die Warteliste setzen lassen, die Wartezeiten dort sind sehr lang, daher gehe ich vorerst in die ambulante Psychotherapie. Stationär geht gar nicht, dann wäre ich beruflich weg vom Fenster, die Aussicht auf Übernahme in den öffentlichen Dienst könnte ich vergessen. Ich bin 45, die Arbeitslosenquote liegt hier bei 19%.

    So oft hatte ich noch gar nicht Saufdruck, aber da hat dann tatsächlich verblüffenderweise viel Wasser geholfen.

    Ich glaube, es ist eher der innere Druck, wie Du schon sagtest, das Auf und Ab der Gefühle. Ich hoffe sehr, dass ich in der Therapie andere Verhaltensweisen erlenen kann.

    LG, Meni

  • Hallo Lilly,

    auf dem Arbeitsplatz habe ich meines Wissens nach noch nie jemanden angeschrieen, auch meine Tochter wundert sich sehr und kann kaum glauben, dass ich schreie und mit den Türen (kaputtmachend) knalle, das kennt auch langfristig niemand innerhalb meiner Familie.

    Meine Wutanfälle, die ich seit etwa zwei Jahren habe, habe ich eigentlich dem Alkohol zugeschrieben, aber auch nüchtern passieren sie leider weiterhin, deshalb habe ich mich im Dezember (also einen Monat nach meinem Entschluss, nüchtern zu werden) doch zur Psychotherapie entschlossen und bin zu meiner Hausärztin gegangen und habe mich in die PIA überweisen lassen. Ich habe übrigens als Kind zu Jähzorn geneigt. Ich habe mir dann im Laufe der Zeit angewöhnt, meine Gefühle zu unterdrücken, nichts mehr wirklich an mich rangelassen, das klappte gut, ich schluckte alles herunter und war immer und überall anpassungsfähig.

    Mein Gefährte ist der erste Mensch, der mir unter die Haut gegangen ist, und ausgerechnet ihn schreie ich an... Vielleicht gerade deswegen, weil ich anfing mich zu öffnen, da kam dann nicht nur das Gute dabei heraus, sondern gleich der ganze Rest. Das kann ein weiterer Grund sein, ihn zu lieben, aber davor tummeln sich ganz viele weitere, das kann sowohl ein Grund sein, dass entweder er oder ich derzeit total überlastet sind. Vielleicht ist da ein glatter Schnitt einfach besser als sich gegenseitig solange weh zu tun, bis alle guten Gefühle weg sind... So haben wir zumindest unser letztes Gespräch beendet...

    Nun ist es so, dass eben auch mir Dinge auffallen, die ich betäubt habe, Dinge, gegen die ich mich mittlerweile wehre. Ich fühle mich ganz schlecht, wenn ich bevormundet oder gegängelt werde. Ich fühle mich nicht ernst genommen, wenn mir der Mund verboten wird oder sich quasi jemand die Finger in die Ohren steckt oder man mich nicht ausreden lässt. Wenn jemand die gleichen Fehler macht wie ich und mich dafür verurteilt, empfinde ich das als ungerecht. Ich rege mich dann furchtbar auf. Aber leider erstmal nur innerlich, und der blöde Kessel platzt dann meistens nicht mehr verhältnisgemäß... Ich meine, es gibt Dinge, die ich in meinem Leben nicht hinbekommen habe, und wo ich auch Rat annehme (oder es zumindest tun sollte), aber ganz vieles habe ich auch alllein bewältigt. Dennoch kann ich immer noch allein über die Straße gehen oder meine Schuhe putzen.

    Möglich ist es selbstverständlich, dass mein Gefährte und ich nicht zusammenpassen, wir behalten uns diesen Gedanken auf jeden Fall vor. Es hatte anfangs den Anschein, als wären wir füreinander geschaffen.

    Eine räumliche Trennung wäre zunächst vermutlich die beste Lösung, meine Gedanken kreiseln allerdings derzeit eher darum, ob das evtl. (vor allem für ihn) mit möglichst wenig Kosten sein könnte (z.B. vorübergehende Appartmentmietung oder bei Freunden unterschlüpfen- wobei mir hier in meiner neuen Heimat leider noch ein bisschen das soziale Netzwerk fehlt).

    Also, das Anti-Stress-Programm bei meiner Krankenkasse ist ehrlich, aber ich habe (nach einer Woche) davon noch nicht profitiert, weil ich wohl ein echter Klappskalli bin). Eigentlich wurde mir alles bestätigt, wass ich selbst schon wusste: dass ich ein unvollkommener Mensch bin. Ich denke, dass das nur für Menschen mit ganz normalem Stress geeignet ist.Die Beurteilung durch den Pschologen war erstaunlich klar, aber aber die Wege sind ohne LZT nicht zu schaffen. Für Leute, die vorbeugen oder sich sortieren wollen, in meinen Augen ausreichend. Für mich eher nicht.

    LG, Meni

    P.S.: Danke lieber Carsten, ich gehe jetzt erstmal die Wege, für die ich die Kraft habe und die ich mir leisten kann. Der finanzielle Spielraum ist wohl bei den den meisten Menschen heute eher eingeschränkt...

    LG, Meni

  • Guten Morgen Carsten,

    Du hast schon Recht, ich bräuchte wirklich möglichst schnell Hilfe, aber was irgendwie machbar ist, habe ich angekurbelt. Jemanden ohne Zulassung zu nehmen, ist in der Tat nicht ganz billig (und soviel habe ich nicht versoffen, dass ich es nutzbringend anlegen könnte).

    LG, Meni

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!