Ich frage dies ganz bewusst - ich habe den ganzen Morgen gezögert, ob ich es hier so schreiben soll.
Fakt ist, dass ich es nicht nachvollziehen kann und mir persönlich schwer damit tue, wenn sich jemand in Kenntnis seiner Sucht für ein Leben mit Alkohol entscheidet.
Nun ist es so, dass mein direkter Nachbar Horst mit seinen 63 Jahren auch schon sehr lange alkoholabhängig ist. Er weiss von mir, dass ich trockener Alkoholiker bin, wir haben in den letzten Jahren schon öfter über das Thema gesprochen, aber er konnte sich bislang nie zu einem Versuch aufraffen, etwas gegen seine Sucht zu unternehmen.
Bis vor zwei Wochen. Am 8. Januar kam er abends zu mir, am Boden zerstört, mit beginnenden Entzugserscheinungen. Er wollte Hilfe, "aber nicht sofort", er brauche noch ca. 2 Wochen, um diverse Angelegenheiten zu regeln. Ich habe ihm für den 26.1.07 im Bezirksklinikum einen Platz zur Entgiftung organisiert, Kontakt zu einer SHG hergestellt, über den Sozialdienst alles in die Wege leiten lassen, dass er weiterführende Schritte einleiten lassen kann. Ich war mit ihm bei seinem Hausarzt, da er selbst nicht "gut zu Fuss" ist. Er kam fortan jeden zweiten Abend "auf einen Sprung" herüber, um zu reden. Nie nüchtern, aber auch nie volltrunken. Nun kam er Sonntag nicht und Montag auch nicht.
Ich habe dan gestern abend bei ihm mehrfach geklingelt, er öffnete nicht, obwohl Licht brannte. Ich habe dann über die Polizei die Wohnung öffnen lassen.
Horst ist tot. Wohl schon seit Sonntag. Laut Notarzt erstickt an seinem Blut, scheinbar sind ihm Varizen (?) geplatzt.
Und ich kann es einfach nicht nachvollziehen, warum sich jemand für ein Leben mit Alkohol entscheidet, anstatt ein wirkliches Leben ohne Alkohol sofort in Angriff zu nehmen. Ich weiss, dass ich es nicht ändern kann und akzeptieren muss, es gibt solche Fälle in unserem Krankheitsbild. Aber es ist so sinnlos!
Ich werde es heute in meiner "realen" SHG thematisieren, wir haben da auch zwei "Wackelkandidaten".