Rückfall, aber nicht ins Trinken

  • Dia und Lavendel,

    ja, es ist ein gutes Gefühl, sich keine Sorgen machen zu müssen. Es erfordert Vertrauen und Loslassen. Dann wird auch irgendwann die Angst vor der Nähe verfliegen. Jeden Tag ein wenig mehr. Und die Sicherheit, dass es gut ist, was passiert und richtig. Ein Empfinden von angekommen sein, wie nach Hause kommen.

    Zu Hause ankommen, die Wohnungstür aufschließen, von einem voll erblühten Rosenstrauß begrüßt werden und in die Ruhe eintauchen nach einem wunderschönen, harmonischen Wochenende. In den Ohren noch das Rauschen des ICEs, ein paar Minuten auf dem Balkon sitzen und in den Bäumen die Gedanken auf den Blättern wippen lassen. Mich erinnern an das Frühstück auf dem anderen Balkon, mit dem laut-melodischen Glockengeläute und einem kleinen, schwarz-weißen Vierbein-Energiebündel, das noch nicht ganz wach ist und etwas von meinem Brötchen erbetteln will.

    Ein junger Mann, den ich vor etlichen Jahren geboren habe, der mir in ruhigem Erwachsensein gegenübersitzt und mit dem ich mich unterhalten kann, ohne dass es ständig um Arbeit geht. Hat ganz von alleine seine Ruhe gefunden. Die Unruhe verändert, vor der ich ihn schon vor Monaten gewarnt hatte. Seine Entscheidung fiel später als ich es gerne gesehen hätte, aber so wie es aussieht, richtig. Ich fühle mich wohl, rundum zufrieden, in seiner Nähe, wenn ich ihn betrachte. Mein Sohn, längst erwachsen, freue ich mich über ihn und das warme Gefühl für ihn lässt sich so schwer in Worte fassen. Lächelnde Erinnerung....

    Dann die Laufschuhe schnüren und dem Phlegma, das sich bei langen Bahnfahrten im Körper manifestiert, einfach davonlaufen. Muskeln, die auch nach zwei Morgen ohne Runde kraftvoll loslaufen. Laub- und Gräserduft, ein paar vereinzelte Tropfen wie ein zärtlicher Fingerzeig der Wolke über mir, dass sie ihre Regenfracht nicht mehr allzu lange halten kann. Ehe ich mich versehe, ganz in Gedanken eingesponnen, stehe ich wieder vor meiner Haustür. Der Atem geht schneller und die Haut scheint zu dampfen.

    Prasselnd der Duschstrahl, der einige Grad kühler ist als mein erhitzter Körper und mir wie Wellen kleine Schauer über die Haut wandern lässt. Eingekuschelt in den Bademantel kommt sie dann, diese Woge wie von allumfassender Liebe, Lebendigkeit und Zufriedenheit. So mächtig, dass ich sie gerne teilen möchte, jemanden umarmen, singen, jubeln. Keiner da, macht nix! Irgendwann ist auch dafür die Zeit reif.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen ihr Lieben,

    es ist doch wie verhext. Manchmal frage ich mich wirklich, ob Leben gerecht ist. Kaum denke ich, alles ist wunderschön und stimmig, da kommt etwas vorbei und spuckt mir in die Suppe. Da habe ich meinen Schutzwall der Stärke und „ich schaff das schon“ ein wenig geöffnet, kommt doch genau durch diese Öffnung die Hammer-Faust. Trifft voll den Solarplexus, dass mir die Luft weg bleibt und mein Herz sich in einer eiskalten Faust schmerzhaft windet. Das einzige, was ich daraus lernen kann, ist, den Schutzwall wieder hochzuziehen, dicht zu machen und all die Gefühle, die sich dahinter verbergen, einfach zu ignorieren.

    Aber so ist das mit Geschenken. In noch so guter Absicht gegeben, muss der Beschenkte sie auch annehmen, sonst ist das Geschenk vertane Liebesmüh. Und wenn ich selbst denke, ein Geschenk zu erhalten, vom Himmel vielleicht oder einer höheren Macht, ist es, schwupps, wieder weg. Wahrscheinlich war die Zeit einfach noch nicht reif. Also vergrab ich das, was ich schenken möchte, einfach wieder in mir. Da wird es liegen und warten, bis jemand kommt, der es haben möchte. Denn Geschenke, die niemand haben will, sind nichts wert.

    Liebe Grüße
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • ...und so hat sich mein Motto ganz anders bewahrheitet als gedacht.....

    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen ihr Lieben,

    ja, so schnell wechseln oftmals immer noch die Gefühle. Wobei bei mir die Achterbahn inzwischen deutlich abgeflacht ist, worüber ich sehr froh bin. Nach dem Magenkuhlenschlag habe ich mich recht schnell wieder gefangen und konnte gut nachvollziehen, was in meinem Gegenüber passiert, da ich vor einiger Zeit ganz ähnliche Gefühle hatte. Sofort kam natürlich wieder die Frage in mir hoch, ob ich wieder einmal aus meiner Co-Abhängigkeit heraus die alles Verstehende und alles Verzeihende mime. Aber es ist definitiv nicht so. Ich kann stehen lassen, was der Andere mir sagt, ohne meinen eigenen Wert daran festzumachen. Kann die positiven Gefühl für diesen Menschen trotzdem zulassen, weil sie da sind und nicht weil sie aus verletztem Stolz in Hass oder Rache verwandelt werden. Das ist für mich eine schöne Erkenntnis. Traurig bin ich zwar, aber nicht auf eine Art und Weise, dass ich den ganzen Tag nur noch in meinem Kummer bade.

    Gestern Morgen, als ich zum Büro ging, kam ich an einer Wiese vorbei und aus den Augenwinkeln nahm ich eine Bewegung wahr. Ich blieb stehen, um zu gucken, was sich da regt. Erdkrumen rutschen von einem Maulwurfshügel herab, denn Herr Grabowski war wohl schon früh morgens im Gange. Der Hügel war noch recht klein, wuchs aber mit jeden Schub Erde, der von unten herauf kam. Spontan fielen mir Gefühl ein, die auch im Untergrund arbeiten. So wie ein Maulwurf Erde ans Tageslicht schafft, graben wir oftmals in unseren untergründigsten Gefühlen und nicht immer ist es nur lockere, fruchtbare Erde, die dabei zu Tage kommt. Aber Gänge graben wir dann in unseren Untergrund. Gänge, die vielleicht ein Einfließen von neuen, schönen Gefühlen in uns möglich machen, wenn genug „Erde“ an die Oberfläche geholt wurde. Und für das Graben hat jeder seine eigene Geschwindigkeit und in die Gänge, die dadurch frei werden, muss jeder das einfließen lassen, was ihm gut tut. Die Idealvorstellung ist halt, dass zwei Maulwürfe zugleich ihre Gänge freigeschaufelt haben, damit sie gegenseitig schöne Empfindungen zulassen können.

    Mal gucken, wann ich den Maulwurf finde, dessen Grabegeschwindigkeit zu meiner passt.

    Liebe Grüße

    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo ihr alle,

    heute morgen beim Laufen musste ich das erste Mal ein Sweatshirt überziehen, denn ein richtiger Sommermorgen war das nicht mehr. Nachdem gestern den ganzen Tag Regenschauer und Windböen die Bäume gezaust hatten, lag viel Laub auf den Wegen und mir wurde ein wenig bang, weil mich all die Blätter daran erinnerten, dass bald die dunkle Zeit kommt. Auch wenn vorher natürlich noch ein Farbenfeuerwerk aus all den Ästen und Zweigen aufsteigen wird, kamen mir die grauen Tage in den Sinn.

    Und ein Tag im vergangenen Oktober fiel mir ein, als ich von meiner Kur zurückfuhr, voll von Energie, guten Vorsätzen und Werkzeugen, die helfen sollten, auch die schweren Tage zu meistern. Rechts und links der Straße jede Menge herbstgefärbter Bäume und strahlender Sonnenschein. Ich hatte den Eindruck, als wäre die Straße extra für mich in Gold gefasst, um mich zurück im Leben zu begrüßen und ich machte mich zuversichtlich auf den Weg. Meine Zuversicht hat zwischendurch immer einmal wieder einen Dämpfer bekommen, weil ich dachte, ich schaffe es nicht, jemals wieder zufrieden und entspannt zu leben.

    Inzwischen, in der Rückschau, stelle ich fest, dass meine Straße wohl mit Gold gefasst ist, schon immer, nur glänzt es nicht immer und ich nehme es nicht sofort als Gold wahr. Alles, was mir passiert ist und jeder Mensch, der mit begegnet ist, hat mich wieder einen Schritt weitergebracht. Hat mich liebevoller werden lassen, mit mir selbst, und den Menschen um mich herum. Ich wünschte, ich könnte davon abgeben - Andere an diesem Gefühl teilhaben lassen. Aber jeder hat da seine eigene Straße, die er gehen muss, um dieses Gefühl zu finden und ich kann niemandem sagen, wo es langgeht, auch wenn ich es noch so gerne wollte.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo ihr Lieben,

    Wochenende nach einer anstrengenden, aufregenden Woche. Viel zu tun, viel geschafft, Schönes und weniger Schönes, Anstrengendes und Leichtes. Trotz alle dem eine gute Woche. Mir ist klar geworden, dass ich nicht unbedingt einen anderen Menschen „brauche“, um zufrieden leben und glücklich leben zu können. Nichtsdestotrotz empfinde ich es als ein besonderes Geschenk, mit einem anderen Menschen etwas teilen zu können.

    Nicht immer jedoch ist ein anderer Mensch da. Geben, von dem was ich habe, kann ich trotzdem. Liebevolle Gedanken, ein freundliches Wort, ein Lächeln. Wenn ich mit mir im Reinen bin, kann ich das, einfach so, im Alltag - oder wo immer mir Menschen begegnen. Und es kommt genau das zurück, was ich gebe. Jedoch gebe ich ohne Erwartung. Deshalb kann ich mich umso mehr über das freuen, was zurückkommt, weil es wie eine Überraschung, ein Geschenk bei mir ankommt und von daher einfach schön ist.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Manchmal sitze ich vor dem Bildschirm, lese und habe ein Gefühl als ob sich ständig alles wiederholen würde.

    Liebe, Hoffnung, Kontrolle, Anstrengung, und wieder Hoffnung und Hoffnung und Hoffnung. Verharren und zu hoffen, empfinde ich inzwischen als absolut co-abhängig! Eine Hoffnung, die darauf basiert, dass alles gut wird, wenn der Andere nur nicht mehr trinkt – so funktioniert, wie wir es uns vorstellen. Da wird überhaupt nicht mehr wahrgenommen, dass auch dann sich alles nur um den dreht, der trinkt. WIR, wir selber treten auch in der Hoffnung in den Hintergrund! Wieder ist es „er“, der Mensch, der trinkt, der unser Denken und unser Fühlen bestimmt. Nicht unser Überlebenswille kommt zum Tragen. SEINE Krankheit ist präsent und unsere? Co-Abhängigkeit ist eine Krankheit, die ein zufriedenes Leben blockiert und einschränkt. Aber es wird einfach ignoriert! Wir sind nicht schon gesund, wenn wir erkennen, dass wir das Trinken nicht beeinflussen können!

    Wir sind VIELLEICHT gesund, wenn wir für uns selber sorgen, unser Leben für uns ganz allein zufrieden hinbekommen und das ohne Gedanken daran, was ist, wenn der Andere wieder trinkt. Die Kontrolle aufzugeben, ist das Wichtigste und somit auch das Schwerste. Egal, ob der Andere trinkt oder nicht, ob er bei mir bleibt oder nicht, ob er mich liebt oder nicht, ICH, ich ganz alleine, bin dafür verantwortlich, zufrieden und ohne Abhängigkeit zu leben. Und da habe ich keinen andere Möglichkeit als jeder Alki, ich muss dafür sorgen, dass ich gesund lebe und niemand sonst. Als ich das verstanden habe, habe ich erst das System verstanden, nachdem Cos und Alkis leben. Ob ich es nun realisieren kann, was ich begriffen habe, das wird sich zeigen.

    Ich glaube, dass ich Teil eines großen Ganzen bin, egal ob Gott, Boss oder höhere Macht, ich bin es jedenfalls nicht, die das Verhalten meiner Mitmenschen unter Kontrolle hat, es beeinflussen kann. Ich kann nur einfach sein, zulassen, dass es so ist und meinem Gegenüber die Zeit lassen, sich von seinen Abhängigkeiten in seinem ganz eigenen Tempo zu lösen. Und die Hoffnung auf ein glückliches Leben auf mich selber richten und hoffen und daran arbeiten, dass ich genug Kraft und Selbstliebe entwickeln kann, für MEIN zufriedenes Leben zu sorgen. Weil ich dann auch vollkommen ohne Anspruch den Anderen annehmen UND loslassen kann, egal, was seine Abhängigkeiten sind, damit er sein Leben auf die Reihe bekommen kann.

    Sorry, aber das musste jetzt mal raus.

    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Liebe Ette,

    Du schreibst Texte, da schmelze ich immer dahin und es tut gut zu schmelzen.
    Wenn wir jetzt den Stinkefinger hochheben, egal ob als Co oder Alk oder dieser oder jener mit irgendwelchen undefinierbaren Macken und Tschüss sagen, dann haben wir genau das was nie mehr eintreffen darf: wir vergessen was wir nicht vergessen dürfen und morgen sind wir wieder da wo wir gestern schon waren. Wenn es um uns geht, dann ist es mit annehmen und loslassen nicht getan, damit beginnt es erst.

    Happy weekend kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • hallo ette,

    Zitat von Ette

    Mir ist klar geworden, dass ich nicht unbedingt einen anderen Menschen „brauche“, um zufrieden leben und glücklich leben zu können. Nichtsdestotrotz empfinde ich es als ein besonderes Geschenk, mit einem anderen Menschen etwas teilen zu können.

    ich glaube, dass das ein ganz großer knackpunkt, den man irgendwie lösen muss. mir ging das nach meiner trennung ganz genauso, ich hab mich bei all den reisen, den theater- und opernbesuchen, bei den kleinen begebenheitem am rande wie der kaninchenfamilie oder dem regenbogen beim abendlichen laufen gefragt "und wem ich erzähl ich das jetzt???".

    ich hatte auch das gefühl, dass das geniessen nur rund ist, wenn ich es (mit einem partner?!?) teilen kann. das hat sich jetzt ein bisschen gelegt. zum einen gehe ich meinen freundinnen, meinem tagebuch hier in der geschlossenen und meinen kollegen damit auf den nerv 8), und zum anderen kommt es so langsam, das dieser gedanke garnicht mehr so präsent ist. ich habe über lange zeit all diese schönen dinge rein mit dem kopf und oft gegen das wollen durchgezogen, dass ich jetzt so weit bin, auch allein im konzert zu versinken ohne den gedanken zu haben, wie schön es wäre, jemanden an der seite zu haben. ich glaube immer mehr, dass das auf sich achten auf der einen seite, aber auch die zeit auf der anderen seite einfach sein müssen, um sich irgendwann auch alleine wieder ganz und zufrieden zu fühlen. und das fühlt sich guuuuuuut an 8).

    lieben gruß

    lavendel

  • @ Kaltblut:

    Ich hebe nicht den Stinkefinger. Ganz im Gegenteil. Ich halte die Arme und mein Herz offen, aber ich beute mich nicht mehr emotional aus. Und ich vergesse sicherlich nicht, woher ich komme und genauso sicher werde ich niemanden wegen seiner Macken aus meinem Leben schmeißen. Das würde ja bedeuten, dass ich werte, verurteile. Und wer bin ich, dass ich mir dieses Recht herausnehmen dürfte? Darüber hinaus möchte ich selbst doch auch mit meinen Macken, den Ecken und Kanten, die ich habe, angenommen werden, einfach weil ich bin, wie ich bin.

    Aber du hast recht, wenn ich in der Lage bin, anzunehmen UND loszulassen, dann beginnt es erst. Dann nämlich beginnt es, gesund zu werden, mein Leben, AUCH im Dialog mit Anderen. Dann beginnt es nämlich schmelzend zu werden. Dann dürfen Grenzen auch mal fallen, weil ich weiß, dass ich mich auch wieder abgrenzen kann, wenn die Verschmelzung zu groß wird. Kaltblütiger, ja, es tut gut, wenn sie schmelzen, die Mauern, weil WIR dahinter sind. Hinter den Masken-Mauern, hinter denen das ist, was wir nicht sagen. Und was manche doch hören...

    @ Lavendel:

    Stimmt, irgendwann werden die Gedanken weniger, dass ich mir überlege, wem ich erzählen soll, dass ich mich freue, dass etwas schön ist. Ganz einfach aus dem Grund, weil wie durch einen Zauber auch immer wieder Menschen da sind, die mir zuhören, wenn ich es brauche. Nicht zu letzt auch hier.

    Und dann gibt es wieder Situationen, wo ich ganz für mich alleine eine derartige Wonne empfinde, dass ich sie mit einem Jubelschrei zum Ausdruck bringen muss. Nachts, unterm Sternenhimmel im offenen Auto durch eine Sommernacht zu fahren, die Düfte der Nacht wahrnehmen und mich vom Fahrtwind zärtlich streicheln zu lassen. Oder als Sozia auf dem Motorrad, wenn mein Körper ohne Angst der Schwerkraft folgt und ich mich so leicht und nachgiebig fühlen kann, wie es meine Seele noch nicht immer hinbekommt. Dann bleibt mir nur zu jubeln, egal, ob es jemand hört oder nicht, ganz allein für mich.

    Ihr tut mir gut.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo,

    heute morgen schien die ganze Welt in Watte gepackt zu sein. Dick und weiß stand der Nebel vor meinem Balkon und alle Geräusche schien er zu verschlucken. Als ich zum Laufen vor die Tür ging, hatte ich das Gefühl, dass ich jeden lauten Ton vermeiden müsse um diese fast andächtige Stille nicht zu stören. Unterwegs dann kaum ein Vogel, der sich hören ließ, nur das leise Knirschen meiner Schuhe auf dem Weg und mein Atem. Gedanken sind nicht zu hören, zum Glück, es waren heute morgen sehr viele, die mir durch den Kopf gingen.

    Ich habe bald ein wichtiges Gespräch und überlege immer wieder, wie es laufen kann, wie ich es strukturieren möchte, was ich vermitteln will. Und ich muss mich mit dem Gedanken vertraut machen, dass es unter Umständen nicht so laufen wird, wie ich es mir wünsche. Die Bewegung tut mir gut bei all dem Gedankenkreisen. Vorwärts gehen scheint das Grübeln zu verhindern und das Denken effektiver zu machen.

    Vorbei an Wiesen, auf denen letztes Heu dichte Duftschwaden zu mir herüberschickt und unter Bäumen dahin, von denen der Wasser gewordene Nebel tropft. Einige Passanten begegnen mir, die freundlich und launig grüßen, weil wir uns kennen. Ein Gefühl von Heimat durchströmt mich angenehm. Kurz danach begegnet mir ein Mann mit einem Fahrrad, der nicht so aussieht, als ob er irgendwo zu hause wäre. Seine ganzen Habseligkeiten führt er in etlichen Plastiktüten mit sich und er sieht müde und resigniert aus. Als ich wieder ins Dorf zurückkomme, tritt eine Frau vor eine Haustür und atmet genüsslich die milde watteweiche Morgenluft ein. Ihr Kopf scheint kahl zu sein unter dem Tuch, das sie fantasievoll darum geschlungen hat.

    Ganz dankbar und demütig fühle ich mich plötzlich. Rundum glücklich und zufrieden, mit dem was ich habe und bin. Keine Gedanke daran, dass etwas fehlt zu meinem Glück, dass erst noch dies oder jenes passieren müsse, um diesen Tag perfekt zu machen. Er ist es, einfach weil er angebrochen ist und ich ihn erleben kann.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo ihr Lieben,

    Sonntags ist in der Regel mein Ette-Tag. Da gibt es wenige Termine, die mich davon abhalten, dafür zu sorgen, dass es Klein-Ettchen gut geht. Der Himmel hatte auch ein Einsehen und hat mir wunderschönes Spätsommerwetter geschickt, sodass ich mich in der Sonne aalen konnte und mich mit einem dicken Eis für das morgendliche Laufen belohnen konnte.

    Viele Hundebesitzer waren mir morgens begegnet und still in mich hineinschmunzelnd, dachte ich, dass ich auch mein Hündchen mit dabei habe. Meinen inneren Schweinehund nämlich, Waldi heißt er übrigens, den ich in letzter Zeit jedoch ganz gut im Griff habe, wenn es ums Laufen geht. Derjenige, der für die Hausarbeit zuständig ist, na gut, an dem erziehe ich noch rum, jedoch tendiere ich dazu, das Erziehen sein zu lassen und einfach zu gucken, was passiert.

    Am späten Nachmittag dann ein wenig Sonne tanken auf dem Balkon mit dem Blick auf die großen Bäume, deren Blätterrauschen ganz entspannend an meine Ohren dringt und mich die Augen schließen lässt. Die Hände ganz entspannt geöffnet auf den Oberschenkeln, liege ich also so da und habe das Gefühl, einfach nur zu sein, zu fließen in dieser friedlichen Sonntagnachmittagsstimmung. Irgendwo hatte ich kürzlich gelesen, wenn man alles losließe und dann mit leeren Händen dasäße, würde alles von alleine gut und rund. Seltsam, dass mir das ausgerechnet in diesem Moment in den Kopf kam.

    In meinen Haaren spielte zärtlich der Wind und in meinen Hände hatte ich nur die flüchtige Wärme der Sonne, die sich davon macht, sobald die Sonne hinter einer Wolke verschwindet. Und doch hatte ich das Empfinden, eins zu sein mit dem Blätterrauschen, dem Wehen des Windes und den Sonnenstrahlen auf der Haut. Mit leeren Händen, die nichts halten wollen, ist es gar nicht so schlecht leben, denke ich. Zumal dann die Hände Platz haben, das zu Empfangen, was von ganz alleine kommt. Wie die Wärme der Sonne, zum Beispiel.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen ihr Lieben,

    heute kommt es so kalt durch die geöffnete Balkontür, dass ich, da ich gestern ziemlich weit gegangen bin, die heiße Dusche auch ganz ohne Laufen genießen werde.

    Gestern Abend habe ich mich an ein Gespräch mit meinem Ex erinnert, das wir kürzlich hatten. Dabei war mir aufgefallen, dass er seinen Standpunkt vertritt, ohne Rücksicht darauf, ob dies etwas ist, was ich hören wollte oder nicht. Früher, als wir noch zusammen waren, hatte ich oft das Gefühl, dass er mir genau das sagte, was ich gerne hören wollte. Und nicht nur gesagt. Als er aus seiner letzten LZT kam, hat er mir etwas geschrieben, etwas was ich mir immer gewünscht hatte. Er hat es wunderschön geschrieben, gestaltet und mir geschenkt.

    Manchmal hole ich es noch hervor, sehe es mir an und nehme wahr, dass es zu diesem Zeitpunkt genau der richtige Schlüssel war, der in dieses Schloss aus nicht enden wollender Hoffnung und ewigem Verzeihen passte. Er hatte mich nie gefragt, ob er wieder bei mir wohnen könne, er hat einfach aufgeschlossen, war wieder da und ich hab es mit Freuden zugelassen. Solange, bis er eine andere, eine eigene Unterkunft hatte und ich saß da mit einem wertlosen Schlüssel und verstand die Welt nicht mehr.

    Inzwischen habe ich das Schloss ausgewechselt, es mit etwas mehr Realitätssinn versehen und betrachte mir die Schlüssel, die jetzt aufschließen könnten, sehr genau.

    LH
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen ihr Lieben,

    heut hab ich doch glatt verschlafen! Folglich muss ich heute Abend durch die Botanik, weil ich mir die nachdenklichen Minuten am Morgen nicht nehmen lassen will. Warnmelder gingen mir heute morgen durch den Kopf, die ja wichtig sind, wenn es um Gefahren geht.

    Und doch sind Warnmelder nicht nur solche Teile, die heulend rote oder blaue Lichtzeichen in die Dunkelheit schicken. Manchmal sind sie plötzlich auftauchende Zorngefühle, Unsicherheiten und das Gefühl, eigene Grenzen zu überschreiten, die eigentlich schon lange als gesichert angesehen wurden.

    Der Gegensatz zu früher ist jedoch, dass ich die Warnsignale wahrnehmen, benennen und damit umgehen kann. Es ist ein gutes Gefühl, diese Signale zu bemerken. Sie halten mich nicht davon ab, mit anderen Menschen umzugehen, mitfühlend und liebevoll umzugehen. Vielleicht weil ich weiß, wie elend es sich anfühlt, in dieser Achterbahn zu sitzen, die einen Tag himmelhochjauchzend sicher scheint und am anderen alles wieder in Frage stellt. 180 Grad-Drehungen, die sowohl alles neu und schön machen als auch einfach wieder alles von vorne anfangen lassen können.

    Zwar nicht täglich, aber in doch recht regelmäßigen Abständen, hat bei mir das Murmeltier früher gegrüßt. Das Murmeltier, das mir in Aussicht stellte, dass alles gut würde. Inzwischen grüßen mich täglich Spinnen, Schnecken, Eichhörnchen, Weberknechte und was da sonst noch so kreucht und fleucht. Und die versprechen gar nix, nur das es eine Freude ist, zu leben. Und das ist es, auch wenn es nicht nur immer himmelhochjauchzend ist. Im Gegenteil, je weniger Achterbahn, desto besser. Zufriedenheit ist keine Frage der Höhe der Gefühlsauschläge, sondern eher der lange, ruhige Fluss.....

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Elle, danke dir für deine lieben Worte. Wobei – ich glaube, manchmal müssen wir uns durch einen Wirbel einfach hindurch tragen lassen. Nachgiebig sein, bis es von alleine wieder in ruhiges Gewässer geht. Aber es dauerte seine Zeit, bis das halbwegs bei mir funktionierte. 5 oder 6 Jahre, Rückfälle eingeschlossen, bin ich bestimmt schon im Gange und jedes wird besser als das vorherige. Das ist der Vorteil von gelebtem Leben, denke ich.

    Und es gibt auch so schöne Tage – wie heute zum Beispiel. Obwohl nicht alles rosarot war, kommt doch heute Nachmittag, ganz unverhofft, einer unserer Herren aus der oberen Etage bei mir im Büro vorbei. „Frau Ette, WO waren Sie im Urlaub?“ Verständnislos erkläre ich ihm, dass ich schon vor Wochen Urlaub hatte. „Das kann nicht sein, so strahlend und entspannt, wie Sie aussehen, können Sie nur direkt aus dem Urlaub kommen.“ Hmmmm.... dabei hatte ich DEN noch nie als Charmeur empfunden, also muss es wohl gestimmt haben. Und es zeigt wohl, dass Gefühle auch die Ausstrahlung beeinflussen. Schön!

    Klein-Ettchen wollte trotzdem nach der Arbeit noch ein wenig lachen und folglich habe ich mir jemanden gesucht, von dem ich weiß, dass ich gut mit ihm lachen und quatschen kann, tiefschürfend und auf keinen Fall platt. Aber nach einem Stündchen wars genug, denn schließlich musste ich auch noch meine Morgenrunde nachholen.

    Also nach hause, ab in die Laufklamotten und losgedüst. Und irgendwie scheint mir dieser Tag, trotzdem er lang war, ungeahnte Energie geschenkt zu haben. Fast die ganze Runde konnte ich heute joggen, anstatt mich mit meinem „Ältere-Damen-Walking“ über die Runde zu quälen. Vorbei an einem Garten, aus dem es herrlich nach frischer Pfefferminze roch, trabte ich durch die Dämmerung, die sich wie eine dicke, blaugraue Katze in den Straßen breit machte und die Straßenlaternen immer heller scheinen ließ.

    Ein wunderschönes Gefühl ist es, wenn die von der abendlichen Kühle klammen Finger prickelnd erwärmt werden vom Blut, das lebendig durch den ganzen Körper pulsiert. Einen Nachteil hat es aber, das abendliche Laufen – ich habe im Moment das Gefühl, die ganze Nacht aufbleiben zu können.

    Und schmunzeln musste ich vorhin, als ich mir Bücher ansah in einem Online-shop. Obwohl ich gar nicht danach suchte, hatte ich plötzlich ein Buch auf dem Bildschirm mit dem Titel „Wer loslässt, hat die Hände frei. Ein Buch, für Frauen, die noch viel vorhaben.“ Na, konnte ich da widerstehen?

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
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  • Guten Morgen Ihr Lieben,

    da hatte ich doch gestern so einen vollen Tag, dass ich noch nicht einmal Zeit zum Schreiben hatte. Habe gearbeitet, Spaß gehabt, bin laut gröhlend (Honkydonk woman von Jaggers Michel) mit dem Auto durch die Gegend gefahren und habe mir Gedanken darüber gemacht, wie ein neues Projekt aussehen könnte. Pläne für das Wochenende geschmiedet und Dates ausgemacht und natürlich meditiert in Form von Bewegung, d. h. – gelaufen! Plötzlich war es spät Abends und mir fielen fast die Augen zu.

    Vorher habe ich noch was gelesen – über „Glücksängste“ und über Selbstvertrauen. Das Vertrauen in unsere Fähigkeit zu denken und das Vertrauen mit den grundlegenden Herausforderungen des Lebens fertig zu werden. Es tut gut, sich mit Möglichkeiten auseinander zu setzen, zu wachsen und zu sehen, welche Schritte ich schon gemacht habe und welche ich zur Zeit gehe. Ganz ohne Kritik mich daran zu freuen, was ich auf die Reihe bekommen habe und mir sagen, dass ich das gut gemacht habe. Nicht den Fokus darauf zu richten, was nicht perfekt ist.

    Heute morgen, als ich aufwachte, hatte ich Angst. Ich wusste aber, dass es ist nicht Angst um mich ist, sondern um einen anderen Menschen. Ich sah ganz deutlich etwas vor mir und jetzt, wenn ich darüber nachdenke, ist es nicht mehr vor meine inneres Auge zu bekommen. Weiß vielleicht von euch jemand, wie man es anstellt, dass man sich an seine Träume erinnern kann?

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • moin ette

    kannst mal folgendes versuchen, mach dir entspannungsmusik an, räucherstäbchen, etwas das dir gefällt, richtig gut sind goloka nagchampa agarbathi, setz dich ganz entspannt vor den spiegel und schau deiem spiegelbild in die augen, versuch dich völlig zu entspannen und dann fang an dich an etwas aus deinem traum zu erinnern, wenn erinnerungen kommen lass sie ganz langsam fließen nicht mit gewalt versuchen sie ans licht zu zerren, versuch so lange es geht ganz ruhig und entspannt zu bleiben, so müßtest du es eigentlich schaffen.

    wenn nicht, quäl dich nicht, sag dir vor dem einschlafen immer wieder das du dich an deien träume erinnern willst wenn du aufwachst, leg dir was zu schreiben nebens bett und dann gleich loslegen zur not nur stichpukte. das solltest du aber nicht jede nacht machen. so übt man sich nach und nach seine träume bewußt zu träumen.

    die räucherstäbchen die ich meine kannst du dir hier angucken https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…onell/3792.html die gibt es in vielen geschäften die esotherik sachen führen oder sonstigen räucher und kerzenkram.

    doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo Doro,

    danke für die Tipps. Leider funktioniert der Link nicht. Auch über Google ist die Site nicht mehr erreichbar. Aber ich werde mir den Namen der Räucherstäbchen mal notieren und das nächste Mal, wenn ich in der Stadt bin, in einem Esotherik-Laden gucken, ob es die dort gibt. Die Geschichte, es sich vorzunehmen, sich an die Träume erinnern zu können, habe ich schon mal gehört, allerdings immer nicht so recht die Veranlassung gesehen, mich unbedingt erinnern zu wollen.

    Seitdem jedoch mein Sohn weiter weg wohnt und ich nicht einfach mal so nach dem Rechten sehen kann, denke ich ganz oft an ihn. Das kann sich dann ja durchaus bis in die Träume ziehen. Ihn habe ich heute morgen auch gleich angemailt, ob alles in Ordnung ist und die Bestätigung bekommen. Na, dann muss ich es eben hinnehmen, dass ich nicht weiß, um wen ich Angst hatte. Vielleicht fällt es mir ja auch beim Laufen ein, weil ich da immer recht entspannt bin und mir viele Gedanken aufsteigen.

    Auf jeden Fall nochmals Danke und einen schönen Tag für dich.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • hallo ette

    das versteh ich nicht bei mir funktioniert der link einwandfrei, versuch mal nur https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.alteras.de dann such dir die räucher stäbchen, es sind die zweiten von oben, gelbe packung und außer der name ist alles andere in indischen schriftzeichen geschrieben, in rot. hoffe du hast in deiner gegend glück, nur soo teuer ist das zeug in dem versand auch nicht und wenn man da zwei drei teile nimmt hat man auch die versandkosten schnell wieder raus. hoffe das klappt.

    doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Moin, moin!

    @ Doro: Gestern Abend hat es dann auch funktioniert. Vielleicht war einfach der Server von denen am Mittag in den Knien. So etwas passiert schon mal. Ich habe ein wenig auf der Site gestöbert und sie erst mal auf Favoriten gelegt. Bestimmt werde ich sie noch einmal nutzen.

    Ansonsten fühle ich mich im Moment so etwas von wohl, dass es mir schon fast wieder unheimlich wird. Alles um mich herum scheint mir wohlgesonnen. Ein schönes Gefühl.

    Heute morgen habe ich etwas über Verdrängung gelesen. Dass sie oftmals die Funktion einer weichen, warmen Decke hat, weil wir die Realität womöglich nicht aushalten würden. Und dass es eine Art Gratwanderung ist, zwischen gesunder Verdrängung, das heißt loslassen, und einer Verdrängung, die uns in einer Illusion leben lässt, zu unterscheiden.

    Ich glaube, dass es jeden Tag ein Angehen ist, zu gucken, ist das, was um mich herum passiert, jetzt „echt“ oder ist es etwas, das ich sehen möchte, quasi eine Wunschvorstellung von mir, sodass ich die Realität nach meinen Wünschen modifiziere - nur das wahrnehme, was ich sehen möchte und den Rest verdränge, weil er mir nicht gefällt. Im Kontext mit anderen Menschen fällt mir oft auf, dass ich eine vollkommen andere Sicht der Dinge habe, weil ich gefühlsmäßig nicht so involviert bin. Da kann ich ganz realistisch Fakten erkennen, die mir vielleicht für meine eigenen Belange manchmal fehlen und die auch dem Anderen fehlen, weil es womöglich für ihn zu schmerzhaft wäre, die Realität wahrzunehmen oder auch zu unbequem.

    Gestern, ganz real, ist mir so etwas begegnet. Aber es ist nicht meine Aufgabe, dem Anderen seine „Kuscheldecke“ der Verdrängung wegzuzerren. Womöglich ist er dann schutzlos dem ausgeliefert, von dem er noch nicht in der Lage ist, es zu ertragen. Ich kann nur Signal geben, dass ich meinem Gegenüber weder mit noch ohne „Kuscheldecke“ verurteile und verstehen kann, dass sie nur ganz, ganz langsam gelüftet werden kann. So langsam, wie wir in die Lage kommen, die Realität zu ertragen. Denn die Realität sind auch unsere eigenen Fehler und Schwächen, die wir oft verdrängen, weil wir allzu gern ein bestimmtes Bild von uns zeigen möchten und uns so sehen, wie wir gerne wären.

    Da werde ich wohl heute einfach mal meine Aufmerksamkeit ganz explizit auf meine eigenen Verdrängungsmechanismen richten, um zu gucken, wo ich was verdränge.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

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