Dia und Lavendel,
ja, es ist ein gutes Gefühl, sich keine Sorgen machen zu müssen. Es erfordert Vertrauen und Loslassen. Dann wird auch irgendwann die Angst vor der Nähe verfliegen. Jeden Tag ein wenig mehr. Und die Sicherheit, dass es gut ist, was passiert und richtig. Ein Empfinden von angekommen sein, wie nach Hause kommen.
Zu Hause ankommen, die Wohnungstür aufschließen, von einem voll erblühten Rosenstrauß begrüßt werden und in die Ruhe eintauchen nach einem wunderschönen, harmonischen Wochenende. In den Ohren noch das Rauschen des ICEs, ein paar Minuten auf dem Balkon sitzen und in den Bäumen die Gedanken auf den Blättern wippen lassen. Mich erinnern an das Frühstück auf dem anderen Balkon, mit dem laut-melodischen Glockengeläute und einem kleinen, schwarz-weißen Vierbein-Energiebündel, das noch nicht ganz wach ist und etwas von meinem Brötchen erbetteln will.
Ein junger Mann, den ich vor etlichen Jahren geboren habe, der mir in ruhigem Erwachsensein gegenübersitzt und mit dem ich mich unterhalten kann, ohne dass es ständig um Arbeit geht. Hat ganz von alleine seine Ruhe gefunden. Die Unruhe verändert, vor der ich ihn schon vor Monaten gewarnt hatte. Seine Entscheidung fiel später als ich es gerne gesehen hätte, aber so wie es aussieht, richtig. Ich fühle mich wohl, rundum zufrieden, in seiner Nähe, wenn ich ihn betrachte. Mein Sohn, längst erwachsen, freue ich mich über ihn und das warme Gefühl für ihn lässt sich so schwer in Worte fassen. Lächelnde Erinnerung....
Dann die Laufschuhe schnüren und dem Phlegma, das sich bei langen Bahnfahrten im Körper manifestiert, einfach davonlaufen. Muskeln, die auch nach zwei Morgen ohne Runde kraftvoll loslaufen. Laub- und Gräserduft, ein paar vereinzelte Tropfen wie ein zärtlicher Fingerzeig der Wolke über mir, dass sie ihre Regenfracht nicht mehr allzu lange halten kann. Ehe ich mich versehe, ganz in Gedanken eingesponnen, stehe ich wieder vor meiner Haustür. Der Atem geht schneller und die Haut scheint zu dampfen.
Prasselnd der Duschstrahl, der einige Grad kühler ist als mein erhitzter Körper und mir wie Wellen kleine Schauer über die Haut wandern lässt. Eingekuschelt in den Bademantel kommt sie dann, diese Woge wie von allumfassender Liebe, Lebendigkeit und Zufriedenheit. So mächtig, dass ich sie gerne teilen möchte, jemanden umarmen, singen, jubeln. Keiner da, macht nix! Irgendwann ist auch dafür die Zeit reif.
LG
Ette