Hallo allerseits,
ein paar von euch kennen meinen ersten Thread mit Sicherheit :https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…ftopic3880.html, aber jetzt möchte ich doch mal auf ein paar andere Dinge hinaus.
Ich bin seit meiner Trennung im Oktober 2006 von meinem alkoholabhängigen Mann dabei, mich sehr mit mir selbst auseinanderzusetzen. Lese viele Bücher, mache mir viele Gedanken. Genieße mein Leben mit meinen 2 Kindern (3 und 5 ) und habe auch vor ein paar Wochen einen sehr netten, zuvorkommenden und liebevollen Mann kennengelernt. Kann aber mit der Situation irgendwie (mit dieser Nähe) total nicht umgehen...
Bin halt geprägt von Ärschen *g* und nichts anderes gewohnt. Ich bin dabei, mich weiterzuentwickeln, hart zu arbeiten, damit es nicht so weitergeht wie bisher... aber das entwickelt sich alles erst mit der Zeit. Im letzten halben Jahr hab ich echt einen Sprung gemacht - dass ich mich überhaupt getrennt habe hätte ich niemals gedacht. Aber dass es mir auch gut dabei geht, das schon mal gar nicht. Ich bin dabei, die Verhaltensweisen abzulegen, die ich in den letzten Jahren "angewandt" habe, wie zB. das alles über sich ergehen lassen oder dieses ewige Aufopfern für nichts und wieder nichts oder eher gesagt für einen Arschtritt, den man dann hinterher noch immer bekam.
Die Aufregung, der vertraute "Knoten im Bauch" - all das ist nicht da bei dem Mann, den ich kennengelernt habe, und weil es früher zu meinem Gefühl von Liebe einfach dazugehörte, hab ich Angst, dass dieser Beziehung (oder wie man das auch immer nennen soll) etwas Entscheidendes fehlt. Was fehlt ist die Verrücktheit, der Schmerz, die Angst, das Warten und Hoffen. Er hat diese ganzen "Qualitäten" schon, die ich bei den Männern eigentlich schon ewig gesucht habe. Ich hab lediglich erfahren, wie es war, als ich es nicht hatte und meinte, mich mächtig anstrengen zu müssen, um es doch noch zu bekommen... Nun weiß ich überhaupt nicht, wie ich damit umgehen soll, wenn ich das habe, was ich haben will! Ich bin an Sehnsucht und Ungewissheit gewöhnt. Das bewirkt eine Menge Aufregung und das bewirkte Herzklopfen. Will er, will er nicht... Wird er, wird er nicht...Nicht zu haben was man will ist viel stimulierender, als es zu bekommen... Auf jeden Fall war das bisher immer so - und das auch nicht bewusst... Durch die vielen Bücher ist mir das alles erst nach und nach bewusst geworden.
Angst spielt dabei natürlich eine sehr große Rolle, aber auch, weil man sonst (und das war bei mir wirklich immer so) in jeder Beziehung kämpfen musste, um Liebe, um Anerkennung, um Beachtung, um was auch immer... Und das hat die Beziehung dann lebendig gemacht (ich weiß, ist krank, ist aber so). Weiß nicht, wie ich das anders beschreiben soll... Mit „Arschlöchern“ kommt nie Langeweile auf, weil man ständig streitet, diskutiert, macht, tut (ist zwar nichts Tolles, aber irgendwie Bewegung), und man in der Beziehung ständig unter Strom steht. In einem Buch stand mal: "Ein liebevoller, zärtlicher Mann wird Ihren Adrenalinpegel nie so hoch treiben, wie..." Und das ist bei mir - wenn ich an ihn denke - genauso. Ich stelle diese "Beziehung" (oder wie man das auch immer zwichen uns nennen soll) immer wieder in Frage, weil ich es irgendwie schon als selbstverständlich betrachte, denn ich weiß, wie viel ihm an allem liegt. Ich weiß, dass er für mich da bist. Es gibt keinen Grund dafür, "besessen" zu sein und ihm zB. krankhaft hinterher rennen zu müssen (so wie sonst)... All diese starken Gefühle früher (Aufregung, Vorahnung, auch Furcht) ergeben zusammen eine explosive Mischung, die dann Liebe genannt wird, obwohl es alles andere war als das! Wenn uns dann etwas widerfährt, das nicht so "verrückt" ist, dann können wir nicht damit umgehen, wir "Frauen, die zu sehr lieben"
Dieser Begriff kommt im Buch sehr oft vor. Und das stimmt wirklich alles! Kann das echt auf mich übertragen!
Bei ihm fühle ich mich sicher! Wir können stundenlang reden, und er gibt mir Halt! Das kenne ich so in dieser Art und Weise nicht. Und damit komme ich irgendwie nicht zurecht. Das heißt nicht, dass ich es nicht schön finde - im Gegenteil! Aber diese Nähe, die fühlt sich irgendwie auch bedrohlich an... Ich versuche nicht mehr, irgend etwas Besonderes zu machen, damit er mich "toll" findet. Er hat auch so Interesse an mir. Und alles andere ist auch so einfach. Manchmal denke ich, es ist alles viel zu einfach
Kaum beginnt man, sich zu entspannen, fürchtet man sich auch schon wieder, dass das gar keine Liebe ist, weil man nicht besessen ist und weil es einem - ja - einfach zu angenehm vorkommt... und das bin ich überhaupt nicht gewohnt. (Wenn ich das hier so schreibe, dann denke ich wirklich, ich bin verrückt.) Und natürlich hab ich auch Angst davor, meinen "Panzer" zu verlieren, mein Schutzschuld gegen tiefe Verletzungen. Er ist jemand, dem alles daran liegt, diese Nähe zu mir aufzubauen, und in mir bricht Panik aus... Und ich fühle mich irgendwie unwohl. Das ist die Angst vor dem Unbekannten. Alles komplex und irrational, ich weiß.
Er steht so zu seinen Gefühlen und diesen ganzen Dinge... das finde ich einfach super! Aber ich kann damit nicht umgehen. Seitdem ich ungefähr 20 Bücher über Alkoholismus gelesen habe, bei der Suchtberatung im Oktober war, und klipp und klar meinen Standpunkt dargestellt habe über die ganze Situation usw und auch als ich mit meinem Ehemann bei der Eheberatung war (1x)..., seitdem entwickel ich mich weiter. Da hat es bei mir irgendwie klick gemacht. Wie so einen Hebel, den man umschaltet. Und man weiß, was zu tun ist, muss das Ganze aber auch umsetzen! Dann hab ich ja auch noch dieses Forum, ohne das ich mich NIEMALS getrennt hätte (glaube ich) usw. Naja, ich beschäftige mich auf jeden Fall sehr damit und möchte auch immer die Ursachen für alles verstehen.
Ja, und das habe ich mir ja auch im ernst schon mal überlegt. So was tut sich doch keiner freiwillig an. Eine alleinerziehende Mutter mit einem durchgeknallten, alkoholabhängigen Mann, der sie ständig nervt... und man nie mal ein paar Stunden für sich hat, weil ständig die Kinder dazwischenhängen. Das kann ich wirklich nicht ganz nachvollziehen...
So, ich denke, das reicht fürs Erste ![]()
Habt ihr auch so komische Gedanken und so Probleme, eine neue Partnerschaft einzugehen?
PS: Manche erinnern viele Sätze dieses Threads mit Sicherheit an ein Buch, das sie schon einmal gelesen haben. Habe einiges davon übernommen. Aber es sind alles die Gefühle, die sich zur Zeit in mir abspielen...