• Hallo Micha, Hallo Forum,

    es ist wohl tatsächlich am sinnvollsten, wenn man sich nicht mit einer allgemeinen Definition einer Normalität aufhält. Letztendlich bin ich -sowie die allermeisten anderen hier- in allererster Linie darum bemüht, mein Denken und Handeln in eine für mich wert bringende Richtung zu entwickeln. Alles, was darüber hinausgeht, ist sicher interessant für Psychologen, Mediziner und Sozialwissenschaftler, aber ob es uns auf unserem Weg hilfreich ist, steht auf einem anderen Blatt.

    Zum Suchtdruck: Ich sehe das irgendwie ähnlich. Eine wirklich objektive Definition ist bei all den unterschiedlichen Emotionen, die der Gedanke an oder die Konfrontation mit Alkohol auslösen kann, sicher unmöglich. In meinem eigenen Falle sieht die Sache eben so aus, dass ich aufgrund fehlender Tiefpunkterfahrung keine wirklich tief sitzende Angst vor dem Suchtstoff entwickelt habe. Wenn sich der Gedanke an ein Bier meldet, dann ist er im Grunde genommen daher auch häufig positiv besetzt. Da er aber einerseits meine Handlungen nicht beeinflusst und andererseits auch immer seltener und schwächer wird, mag ich dieses Wort Suchtdruck nicht so wirklich. Ich habe mich allerdings dazu entschieden, es weiter zu verwenden, wenn mich die Erinnerung mal wieder einholt, weil ich glaube, dass es mich zu weiterer Wachsamkeit ermahnt.

    Suchtdruck, also den Gedanken an Alkohol, habe ich heute überhaupt nicht, obwohl es mir ehrlich gesagt nicht so gut geht. Ich mag ein wenig ausholen, und erzählen, was gestern so passiert ist.

    Der Tag begann ganz unspektakulär mit einem recht späten Frühstück und einer entspannten Runde mit den Hunden durch den Wald. Im Anschluss daran habe ich mich an den Rechner gesetzt und an meinen Bewerbungsunterlagen gebastelt. Irgendwie verliere ich nach einigen Monaten meine Identifikation mit dem von mir erstellten Werk und gestalte die Unterlagen dann vollständig neu – was recht aufwändig ist, weil ich da schon viel Wert auf Design und Layout lege. Naja. Später bin ich dann noch zur Bank und habe ein paar Dollar-Noten, die hier noch als eine Art stille Reserve lagerten, umgetauscht. Das hat mich jetzt zwar nicht reich gemacht, aber für den Rest des Monats sollte es eigentlich genügen. Von der Bank ging es dann direkt zu der Orientierungsgruppe, die der ambulanten Therapie vorgeschaltet war. Es war mein letzter Termin in dieser Gruppe und die Runde war dieses mal sogar ganz interessant. Ich fand es fast schade, dass ich dort jetzt nicht mehr hingehen kann. Hmmm … Nach der Gruppe habe ich dann direkt einen Teil des getauschten Geldes in Nahrung verwandelt und bin wieder nach Hause, um weiter zu arbeiten. Irgendwie bin ich ziemlich tief am PC versunken und habe ganz vergessen, die Nahrung zuzubereiten und die abendliche Runde mit den Hunden zu machen. Letzteres habe ich dann mit dem Abholen meiner Partnerin verbunden, und so gegen 22:30 konnte ich dann langsam damit beginnen, ein Abendessen auf die Beine zu stellen. Den verständlichen Ärger meiner Partnerin konnte ich glücklicherweise durch die Tatsache besänftigen, dass ich meine Unterlagen jetzt auch fast druckreif fertig gestellt habe. Noch ein ¾-Stündchen, und es hätte lecker Essen gegeben…

    Irgendwann später wollte unser ‚Senior’ aufstehen, um etwas zu trinken. Mit 15 Jahren hat er für seine Größe ein durchaus beachtliches Alter erreicht und natürlich sind seine flotten Tage auch schon ein wenig vergangen. Wenn er sich also erhebt, dann kann das schon mal ein durchaus schwieriges Unterfangen werden und so manches Mal belässt er es dann auch bei dem Versuch und bleibt noch ein Weilchen liegen. In jenem Moment erschien im die Stillung seines Durstes aber Lohn genug, um sich der mühsamen Prozedur vollständig zu unterziehen. Einmal aufrecht stehend kann er sich noch gut bewegen, doch diesmal versuchte er etwas flink um einen Stuhl herum zu laufen und stürzte auf den Boden. Das ist zwar selten, aber auch noch nicht sonderlich ungewöhnlich. In einem solchen Fall bleibt er dann einen Augenblick liegen, sortiert sich neu und rappelt sich wieder auf. Gestern blieb er aber länger liegen und der folgende Versuch, sich wieder zu erheben, schlug erneut fehl. Wenn man ein Tier hat, dann kennt man natürlich auch all seine Schwächen, und natürlich hilft man in einem solchen Fall. Grundsätzlich sind meine Partnerin und ich auch sehr erfahren, was Hunde betrifft, und in der Regel behandeln wir die meisten Wehwehchen selbst. Aber nachdem wir einen intensiveren Blick auf das Tier geworfen haben, sind wir doch zur Klinik aufgebrochen. Auf der Fahrt haben wir auch nicht viel miteinander gesprochen. Dort angekommen hat die Tierärztin die von uns bereits gestellte Diagnose bestätigt und die Behandlungsalternativen kurz beschrieben. Es gab im Prinzip nur eine Entscheidung und wir haben dann auch sofort die Behandlung eingeleitet. Nach einem schweren Schlaganfall mit vollständig halbseitiger Lähmung hat das Herz unseres Seniors um 23:15 aufgehört zu schlagen.

    Bin traurig.

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Mein aufrichtiges Beileid :( . Ich hatte einen Wellensittich, der genauso alt geworden ist wie dein Senior; auch wenn ich jeden Tag damit gerechnet habe, dass er entgültig von der Stange fällt, war ich trotzdem untröstlich, als es dann tatsächlich passiert ist. Ich kann deine Trauer sehr gut verstehen.

    Liebe Grüße
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    Danke für Dein Mitgefühl.

    Auch wenn es doch 'nur' ein Hund war, so ein Tier wächst einem über die Jahre doch ans Herz. Zumal wir auch sehr viel mit unseren Hunden machen. Das eines Tages dann auch die Zeit des Abschieds kommt, das merkt man doch eigentlich immer erst, wenn es wirklich so weit ist. Was dabei so bitter ist, ist das die Wenigsten sanft im Schlaf gehen. Dieser letzte Gang zum Tierarzt mit der Gewissheit, allein wieder zurück zu fahren, ist nicht besonders schön. Aber auch dafür hat man am Ende die Verantwortung übernommen.

    Es ist mir kein wirklicher Trost, aber mir ist schon bewusst, dass ich noch vor einigen Monaten zu dieser Zeit bereits 4 oder 5 Flaschen Bier getrunken hätte. Es war nüchtern sicher nicht schöner, aber ich konnte diese Verantwortung mit wachen Sinnen und in Würde tragen. Das tröstet nicht, aber ist trotzdem ein gutes Gefühl.

    Liebe (immer noch traurige) Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    das Wochenende liegt erfolgreich hinter mir und die Ereignisse der letzten Woche habe ich mittlerweile auch recht gut verarbeitet. Wirklich positiv sehe ich dabei immer mehr die eigene Nüchternheit. Immerhin konnte ich so eine klare Entscheidung treffen und auch entsprechend handeln. Dazu gesellt sich natürlich auch der Eindruck, den die Umwelt von einem selbst bekommt: Wäre ich da nach 2,5 Litern Bier aufgeschlagen, hätte ich sicher ein besch#### Bild meiner selbst abgegeben. Ganz zu schweigen vom Eindruck, den meine Partnerin von mir in diesem Moment behalten hätte.

    Mir fällt in dem Zusammenhang auf, dass ich tatsächlich häufig Gesellschaft gemieden habe, wenn ich unter der Woche damit begonnen habe, mir meinen Pegel anzutrinken: Auch wenn es ja ‚nur’ Bier war und auch ‚nur’ abends: Nach der 3 dritten Flasche wollte ich eigentlich keine unerwarteten Überraschungen mehr haben und habe dann auch häufig die Tür nicht geöffnet, wenn es klingelte und bin auch nicht immer ans Telefon gegangen.

    Dem Unerwarteten mit wachem Geist begegnen zu können. Das empfinde ich als einen ganz großen Vorteil meiner Abstinenz.

    In diesem Sinne.

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • So, nun habe ich leider eine Absage wegen des Jobs bekommen, für den ich mich (auch mit Unterstützung von Vitamin B) beworben habe.

    Irgendwie schade, aber irgendwie auch OK. Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr habe ich tatsächlich auch das Gefühl bekommen, mich mit diesem Job zu überfordern. Ich kann es zwar nicht mit Gewissheit sagen, aber ich glaube, Stress in dieser Form ist sicher nicht trockenheitsfördernd.

    Wie auch immer, sehe trotzdem optimistisch in die Zukunft :D !

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    habe gerade mal einen kleinen Blick auf unsere aktuelle Finanzlage und die in den nächsten Wochen anstehenden Kosten geworfen und irgendwie wird mir dabei schwindelig :cry: . Die Lichtmaschine und der Tierarzt haben doch ganz schön rein gehauen und die laufenden Ein- und Ausgaben sind zurzeit auch nicht so, wie sie sein sollten. Irgendwie schafft das eine depressive Stimmung bei mir … Hmmm … Eigentlich habe ich mich in den letzten fünf Jahren auch bei fast allen Firmen hier beworben, die einen Arbeitsplatz anzubieten hätten, der in etwa auf mein Ausbildungsprofil passt, aber was soll man sagen: der studentische Jahrespraktikant ist halt viel, viel günstiger in Anschaffung und Pflege :cry: . Würde gerne hier weg! Aber auch ein Umzug kostet Geld. Mist!

    Auch wenn ich im Alltag wenig mit Gedanken an Alkohol zu kämpfen habe, so denke ich, dass sich diese Perspektivlosigkeit auf Dauer als gefährlich erweisen könnte.

    Tja, gestern noch optimistisch, heute wieder ein wenig Trübsal blasend: Bin ein wenig schwankend in meinem Stimmungsbild.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo Joe,
    laß den Kopp nicht so runter hängen und lächle, Du lebst :lol: .
    Kannst Du nicht was eigenes machen ? Gibst bei Euch in Köln schon so viele alkoholfreie Saftbars oder Cafes, dass da nicht noch eine dazu passt ? Ich denke viel Geld brauchst Du für so ne Saftbar am Anfang nicht und das gibts bestimmt auch gefördert (allgeinnützig) und Existenzgründerförderung gibts auch.
    Laden anmieten, ein paar Saftpressen, Mixer und Kaffeemaschine, paar Gläser und Tassen, eine kleine Theke und ein paar Tische und Stühle und etwas Deko am Anfang (vielleicht auch als Internet/WLAN Point). Und wenn das Ding angelaufen ist kannst Du ja auf Eis und Speisen erweitern.
    Wär das nicht ne Idee ? Ich scheck das jetzt für Leipzig mal ab, weil hier gibts sowas auch nicht, wie ich heute festgestellt habe.
    LG, Andy

  • Hallo Andy,

    Dank Dir für die kleine Aufmunterung.

    Zu Deiner Idee: Ahhhh, ich glaube, das ist nichts für mich. Neben meinem Alkoholproblem kämpfe ich auch an einer weiteren Front, und die hat etwas mit überdurchschnittlich ausgeprägter Zurückhaltung bei sozialen Kontakten zu tun. Hochgradig lästig und im Zusammenhang mit Deiner Idee auch nicht unterzubewerten. Zudem hätte ich Angst, mit einem solchen Laden auf die Fre### zu fallen und am Ende ein noch größeres Loch in meinen Finanzen vorzufinden. Ich weiß: Wer nichts wagt … :wink: .

    Ganz ehrlich: Zurzeit würde ich lieber in einem Angestelltenverhältnis arbeiten. Da lastet die Verantwortung nicht so exorbitant auf meinen Schultern und vorausgesetzt ich würde auch in einem soliden Unternehmen landen, hätte ich auch ein regelmäßiges und mittelfristig sicheres Einkommen.

    Ich arbeite im Moment mit einem Bewerbungs-/Vermittlungscoach an meinen Unterlagen und wir suchen Stellen/Unternehmen, die mir bisher noch nicht aufgefallen sind. Nächste Woche habe ich da wieder einen Termin. Mal sehen, was der gute Mann mit seinen Kontakten so herausgefunden hat.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • "Ich arbeite im Moment mit einem Bewerbungs-/Vermittlungscoach an meinen Unterlagen und wir suchen Stellen/Unternehmen, die mir bisher noch nicht aufgefallen sind."

    Na das tönt doch schon anders. Ich war übrigens vor ein paar Jahren in einer ähnlichen Situation wie du: Alles abgegrast und nix bei rumgekommen. Letztendlich habe ich dann einen Job in einem anderen Gebiet gefunden und bin so wieder ins Berufsleben gekommen.

    Ich denke, es würde dir auch ganz gut tun erstmal in etwas Stabiles reinzukommen. Dann könntest du die Chance nutzen und weiter an dir arbeiten, um in Zukunft dann vielleicht doch für verantwortungsvollere Aufgaben gewappnet zu sein.

    So, mehr sinnvollen Text bringe ich heute abend nicht mehr zustande. Ich wünsche einen schönen Abend ;) .

  • Hallo miteinander!

    Plejaden :

    Zitat

    Na das tönt doch schon anders.


    Tja, das ist gerade so mein Dilemma: Mal finde ich meine Bemühungen sehr positiv und in die Zukunft orientiert, und an anderer Stelle denke ich, dass ich viel zu wenig mache, um mich beruflich wieder zu rehabilitieren. Schon komisch irgendwie …

    Zitat

    um in Zukunft dann vielleicht doch für verantwortungsvollere Aufgaben gewappnet zu sein.


    Kleine Schritte sind wohl der Weg! Ich kann im Augenblick gar nicht richtig abschätzen, wie viel Verantwortung ich zurzeit tragen kann. Bei meinem letzten Job war es sogar recht viel und ich habe auch 99% meiner Aufgaben erledigen können … aber damals habe ich auch diverse Male den Stress des Tages mit einigen Flaschen Bier besänftigt :? . Und das ist ja nun keine Lösung für Belastungskompensation. Naja, wird schon! Gut Ding will Weile haben :D .

    Werde mich jetzt mal losschwingen und das Abschlussgespräch mit meiner Suchtberaterin führen. In der guten Hoffnung, dass es das letzte Mal ist, dass wir auf dieser Ebene miteinander sprechen :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    gestern hatte ich nun das finale Gespräch mit meiner Suchtberaterin. Wir haben noch einmal sehr intensiv auf die letzten Monate zurückgeblickt und natürlich auch einen Blick auf meine Pläne für die Zukunft geworfen. Es hat mich natürlich erfreut, dass sie mich auf einem guten Weg wähnt :D . Ich mag mich auf einer solchen Einschätzung jetzt nicht ausruhen, aber es tut trotzdem gut, wenn man von einem Menschen, der tagtäglich mit Suchterkrankten zu tun hat, gesagt bekommt, dass man sich grundsätzlich in eine richtige Richtung bewegt.

    Ein kleiner Gedanke noch zu dem Thema ‚Therapie – Ja oder Nein?’ aus dem Nachbarthread von liebehexe, denn mein erster Beitrag in diesem Thread hatte ja genau diese Frage als zentrales Thema:

    Ich habe sowohl das ambulante, als auch die stationäre Therapieangebot nicht wahrgenommen. Die Entscheidung habe ich jeweils für mich allein getroffen, wobei mein persönliches Befinden und meine momentane Lebenssituation natürlich auch eine Rolle gespielt haben. Dabei ist mir selbstverständlich bewusst, dass ich unter Umständen einige wertvolle Erfahrungen und Tipps verpasst habe, und dass sich mein Weg in eine wirklich zufriedene Trockenheit auch nicht verkürzt. Aber dennoch war und bin ich der Meinung, dass ich für mich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich fand es teils doch etwas erschreckend, wie sehr sich im Nachbarthread die Gemüter über dieses Thema erhitzt haben. Hätte ich diesen Thread im August als Frischabstinenter gelesen, wäre ich sicher etwas verunsichert worden.

    So, wie ich mir wünsche, dass meine Entscheidung dazu respektiert und geachtet wird, so achte und respektiere ich auch jeden, der seinen Weg mithilfe eines therapeutischen Programms bestreitet. Am Ende kann ich mir nicht vorstellen, dass das persönliche ‚Rüstzeug’ ausschließlich von diplomierten Psychologen ausgehändigt werden kann oder darf (oder gibt es dazu ein Gesetz in Deutschland :wink: ).

    Nun ja, werde mich jetzt mal ans Tagwerk machen (neben Polizei, Feuerwehr und Rettungssanitätern bin ich hier und heute wohl einer der ganz, ganz wenigen, die versuchen, den Tag mit sinnvoller Tätigkeit zu füllen :wink: ).

    Liebe Grüße

    J. (dem heute freudig aufgefallen ist, dass die Tage langsam länger werden :D )

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Kleiner Nachtrag:

    Ich habe gerade 4 Briefe aus dem Kasten gefischt, in denen man mir viel Glück und alles Gute auf meinem weiteren Weg gewünscht hat! … Leider aber immer erst nach dem Satz, der da mit den Worten endet: ‚… haben wir uns für einen anderen Bewerber entschieden.’ :cry:.

    Naja …

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    heute ist irgendwie kein schöner Tag :cry: . Das Wetter ist mies, meine Stimmung ist es irgendwie auch und rundherum wird Karneval gefeiert (was mich zwar nicht wirklich tangiert, aber dennoch die Differenz im Wohlfühlfaktor zwischen mir und dem Rest der Welt zum Ausdruck bringt). Weiter versüßt hat mir meine Partnerin den Tag, die heute auch mit dem falschen Fuß dem Bett entstiegen zu sein scheint, indem sie wegen jeder Kleinigkeit eine endlose Diskussion von Zaune brechen wollte. Das ist mir dann aber irgendwann zu blöd geworden und ich hab mich für ein paar Stunden mit meinem Hund im Wald verzogen. Nu sitze ich wieder allein zu Haus und weiß grad nix mit mir anzufangen. Nicht, das es nichts zu tun gäbe, nur die Motivation fehlt gerade ein wenig.

    Hmmm, das war früher ein klarer Fall für ein Bier. Wirklichen Suchtdruck habe ich keinen, nur diese Option tauchte kurz in meinem Hirn auf, erschien aber im gleichen Augenblick so vollständig sinnfrei und wurde direkt mit einer mittlerweile immer stärker werdenden Natürlichkeit zur Seite geschoben.

    Was früher schon mal einen leichten, aktiven Widerstand erforderte, wird bei mir inzwischen schon selbstverständlich und automatisch abgelehnt. Fast schon so, als hätte ich nie ein Alkoholproblem entwickelt. Das ist auf der einen Seite zwar schön, aber offenbart auf der anderen Seite die Gefahr des Vergessens. Achtsamkeit beim Thema sollte mich also auf meinem Lebensweg stets begleiten.

    Mal sehen, ob ich heut noch bessere Laune bekomme :roll: :?:

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • ... so, die Sonne hat mich ein wenig besänftigt und während ihres täglichen Unterganges ein durchaus respktables Abendrot an den Himmel gezaubert. Da ich einen ganz netten Blick aus meinem Dachfenster habe, habe ich die Szene dann mal 'abgeschossen'. Dämmerungsblider ... schön kitschig :wink: . Leider ist es nur eine kleine Aufmunterung gewesen, denn schon wird es dunkel!

    Naja, werde mal losziehen und Glühbirnen besorgen (gestern sind zwei vergangen), damit ich hier nicht im Finsteren sitzen muss.

    LG
    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo JoeDoe, solche Tage muss es irgendwie auch geben... Hatte ich ja diese Woche Montag. Kein Bock auf gar nix, alles grau in grau. Hatte ja überhaupt keine Lust auf Uni, aber daheim hätte ich garantiert auch nix mit mir anzufangen gewusst :roll: . Abgehakt. Solange solche Tage die Ausnahme bleiben, mache ich mir keine Sorgen ;) .

    Bei meinem Freund und mir ist es zum Glück irgendwie immer ausgeglichen - hat er Depris und schlechte Laune, geht es mir gut und umgekehrt. So halten wir die meiste Zeit über ein durchschnittlich fröhliches Mittel ;) .

    Morgen sieht die Welt bestimmt wieder anders aus!

  • ... nun bin ich denn wieder erleuchtet :idea: . So rein lichttechnisch betrachtet jedenfalls. Im Supermarkt habe ich bei dem Biersortiment dann mal auf meine Gefühlslage zu den dargebotetenen Produkten geachtet: Nichts! Trotz mieser Stimmung keinerlei Angebote aus meinem Gehirn, mich doch jetzt mit 'Stoff' zu versorgen. Finde ich irgendwie positiv, auch wenn ich den Tag jetzt abhake. Morgen früh bin ich den ganzen Tag unterwegs und da kann's nur besser werden.

    Plejaden :
    Jupp, bislang sind diese Tage eher selten. Daher mache ich mir auch keine großen Gedanken ... doof ist es dennoch irgendwie. Tja, und mit meiner Partnerin und mir ist es leider eher so, dass wir uns launemäßig ziemlich gleichen. Wenn dann also die Stimmung in den Keller fällt, dann kann uns nur noch ein Hund helfen :wink: .

    Aber morgen geht's wieder aufwärts!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • So, da bin ich wieder!

    Karneval ist überstanden und das sogar ohne Netzanschluss! Das zweite Modem innerhalb eines halben Jahres gehimmelt (wobei ich diesmal nicht selbst schuld war :wink:). Aber es gibt ja noch so etwas wie Kundenservice. Ist zwar selten, aber manchmal gibt's den tatsächlich.

    Whatever!

    So, und nun bin auch schon wieder weg. Hab noch einiges zu tun, aber musste das neue Modem ja kurz testen :wink:.

    Wünsch Euch allen trockene 24.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    wollte noch einen kleinen Nachtrag zum Karneval machen, weil ich gestern ja nur kurz hineingeschaut habe:

    Also, in letzter Zeit habe ich mir ja einige Gedanken zum Thema Suchtdruck / Rauscherinnerung / Trinkverlangen gemacht. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich seit meinem Abstinenzbeginn keinen wirklichen Saufdruck empfunden habe, oder anders formuliert: Die Beschreibungen von anderen Personen zu diesem Thema klangen für mich immer um ein Vielfaches dramatischer.

    Nun hatte ich am Rosenmontag dann tatsächlich das ‚Vergnügen’, auch mal von dieser Dramatik gepackt zu werden. Wie ich ja schon mal erwähnt habe, kann ich mit Karneval per se nichts anfangen. Von daher kann es also nicht gekommen sein. Aber trotzdem überkam mich beim Einkaufen der Drang, mir ein paar Flaschen Bier mitzunehmen :cry: . Nun habe ich das zwar nicht getan, aber es kostete doch ein wenig Überwindung, mich ‚ohne’ aus dem Laden zu entfernen und den Heimweg anzutreten. Hmmm, und anders, als bei anderen Gelegenheiten hatte ich diesmal auch überhaupt keinen Grund, also weder als Belohnung, noch zur Frustbekämpfung. Es war einfach nur ein dumpfes Gefühl von Gier. Habe mich dann daheim eingeigelt und einige Computerspiele rausgekramt. Bin bei Starcraft hängengeblieben und nach einer Stunde war das Gefühl dann auch rückstandsfrei vergangen.

    Tja, so etwas gibt’s dann wohl auch bei mir, aber wenn es erst nach gut 7 Monaten erstmalig und in Zukunft auch nicht wieder auftritt, dann bin ich ja weiter guter Dinge …. Unangenehm war es dennoch!

    Nun ja …

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo Joe,

    das mit dem Suchtdruck ist offensichtlich bei jedem etwas anders. Ich hatte - seit ich trocken bin auch noch bis heute (10 Monate und ein paar zerquetschte) keinen Suchtdruck. Aber trotzdem kenne ich das Gefühl ganz gut - und zwar aus meiner nassen Zeit, wenn ich sehnsüchtig dem ersten Bier am Abend entgegenfieberte. Die Gier wahr da immer unwahrscheinlich groß - und das fing schon in der Jugend an.

    Vorletzte Nacht hatte ich einen Traum und in diesem Traum ebenfalls den Suchtdruck. Bei vollem Bewusstsein hatte ich also in meiner trockenen Zeit noch nie Suchtdruck - aber mein Unterbewusstsein (das im Schlaf die Oberhand hat) kennt das Gefühl anscheinend noch sehr gut.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

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