guten morgen!
nachdem mein letzter lebenspartner an den folgen seiner alkoholabhängigkeit verstarb, wollte ich erst einmal keinen freund haben.
der tod von u. sass mir noch zu sehr in den knochen. ich verstand, dass ich mich um mich selbst kümmern musste, dass ich meine position in dieser verhängnisvollen geschichte be-greifen musste, bevor überhaupt platz für einen anderen menschen in meinem herzen frei werden konnte.
glücklicherweise hatte ich bereits im vergangenen herbst eine reha beantragt, die passenderweise zum 15.5. dieses jahres begann. in der reha hatte ich den notwendigen räumlichen abstand zu den ereignissen hier und lernte eine ganze menge.
beispielsweise, dass mein gefühl, irgendetwas lief nicht richtig in der beziehung mit meinem verstorbenen freund nicht falsch war.
dass mein denken und fühlen vollkommen richtig war.
ich lediglich verunsichert war, da mir mein bauch sagte: nexie, mach dich vom acker, du gehst in dieser beziehung ebenso drauf wie U., wenn es so weiter geht...
mein verstand hingegen sagte:
du kannst ihn doch nicht fallen lassen, das wäre unterlassene hilfeleistung und strafbar und so weiter...
also lernte ich, mehr auf meinen bauch als auf meinen verstand zu hören, was manchmal durchaus angebracht ist. ![]()
wer kennt es nicht, dieses "mulmige gefühl im bauch", in manchen situationen?
beispielsweise ist eine situation vom verstand her völlig "normal", aber der bauch spinnt herum und gibt warnzeichen von sich, die wir als westliche verstandesmenschen gern überhören.
manchmal sollte man wirklich mehr auf den bauch als auf den kopf hören...
nun zu meiner betreff-zeile.
ich habe vor knapp zwei monaten einen lieben, netten menschen getroffen, und es kam, wie es kommen kann: wir haben uns verliebt.
wir verstehen uns recht gut (von super kann keine rede sein, dazu kennen wir uns nicht lange genug), wäre da nicht..., hm, ja, genau:
"bruder alk".
mein freund trinkt nicht jeden tag, auch nicht jeden zweiten oder dritten tag, aber doch mehr oder weniger regelmässig.
zwar nicht viel- manchmal eine flasche bier, manchmal zwei.
er arbeitet, hat jede menge interessen und hobbies, ist also "voll normal".
ich bin sicherlich die letzte, die jemandem vorschreibt, ob und wieviel er zu trinken beziehungsweise nicht zu trinken hat.
durch die vorgeschichte, also meinen verstorbenen lebenspartner, bin ich allerdings sehr skeptisch geworden, wenn jemand mehr oder weniger regelmässig alkohol konsumiert.
am vergangenen freitag ist etwas passiert, was sämtliche alarmglocken in mir zu gaaaanz lautem schrillen brachte.
er hatte am freitag abend 6 flaschen bier getrunken. zum ersten mal fiel mir bewusst die veränderung auf, die alkohol mit menschen anstellt. sein denken schaltete irgendwie "um".
ok, ich hatte ihn zuvor auch noch nie angetrunken erlebt.
kann aber auch sein, dass ich in den letzten monaten eine erhöhte wachsamkeit den ersten anzeichen gegenüber entwickelt habe.
jedenfalls sagte er ein paar dinge, die mir sofort den berühmten knoten im bauch verursachten.
mit betrunkenen ist nicht zu diskutieren. also wartete ich bis zum frühstück und sprach ihn dann drauf an. es kam, wie es kommen musste:
knall-peng, wech.
???
huch!
rutsche ich etwa wieder in die "er meint es nicht so"-schiene?
der meinte sicherlich genau das, was er auch sagte!
am samstag abend telefonierten wir miteinander.
ich sagte ihm, dass es mich verletzte, dass ich traurig und auch sauer war über das, was er von sich gegeben hatte.
alles sehr nett, sehr sachlich und ehrlich.
er entschuldigte sich, rief aber in der nacht noch mehrmals an und hinterliess nachrichten auf dem ab.
als ich die nachrichten gestern morgen abhörte, bemerkte ich, dass er sturzbetrunken war.
sorry, meine alarmglocken gehen seither nicht mehr aus ![]()
vielleicht bin ich übervorsichtig geworden, vielleicht höre ich gras wachsen wo keines ist.
trotzdem ist dieses flaue gefühl im bauch da.
da ich erst vor kurzem lernte, auf dieses ebenso wie auf den verstand zu hören, bin ich mir nicht sicher.
war das trinken ein ausrutscher, oder steckt da mehr hinter?
noch kann ich mich aus der beziehung ohne grösseren schaden zurück ziehen...
nachdenkliche grüsse von nexie