Hallo anima,
wer ist denn der/die Vertraute deiner Mutter? Freundin, Nachbarin, Schwester, Pfarrer, Hausarzt...? Hat sie gleichaltrige oder ältere Ansprechpartner? Du mußt nichts kompensieren, was sie nicht selber von sich aus an Kontakten pflegt.
Es ist doch in Ordnung, wenn du deine Grenzen spürst. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als mein Großvater gerade ein paar Minuten zuvor gestorben war und der Rest der Familie schweigend im Wohnzimmer saß oder stand und niemand, wirklich niemand der Erwachsenen brachte es fertig, die Großmutter zu umarmen oder ihre Hand zu halten. Ich nahm das wahr - und konnte es auch nicht. Mir war bewußt, daß hier etwas gerade ziemlich schief läuft und es in nicht dysfunktionalen Familien wahrscheinlich anders verlaufen würde. Ich war 10 oder 12, ich weiß es nicht mehr. Manchmal ist es so, daß Menschen die vermeintlich einfachsten Dinge nicht hinbekommen.
Wenn dein Vater oder du sie hätten umarmen können, dann hättet ihr es ja getan. Jeder ist in seinem eigenen Film und wenn das Nicht-Umarmen von außen gleich aussah, so hatte jeder von euch seine ganz eigene Geschichte, die dahinter steckt.
Wie ist das denn mit deiner eigenen Trauer und deinem eigenen Bedürfnis nach Trost und Zuwendung? Du wirst deine Oma verlieren. Deine Oma. Sooo viele Gedanken, andere zu helfen und zu trösten, da bist du ganz weit weg von dir? Und wonach ist dir? Möchtest du bei deiner Oma sein?
Du könntest deiner Mutter vielleicht einfach sagen, wie es dir selber geht. Nicht bewerten, einfach nur sagen, daß du in dem Moment sie nicht umarmen konntest. Vielleicht könnt ihr gemeinsam ein paar Minuten in den Garten oder spazieren gehen oder eine Tasse Kaffee trinken. Man muß auch nicht immer reden, gemeinsam schweigen kann sehr tröstlich sein. Oder sie fragen, was ihr jetzt im Kopf herum geht. Man muß manchmal gar nichts tun, es reicht, daß es dich gibt.
Grüße, Linde