Beiträge von lost_in_registration

    Hi zusammen,

    nach einer längeren Schreibpause wollte ich mich doch einmal zurück melden.

    Tinka
    Ich will gar nicht perfekt sein. Ich glaube nicht mal an Perfektionismus. Ich bin irgendwie der Meinung, dass wenn ich einen Fehler "behebe" sich ein anderer Fehler ausbildet. Deshalb frag ich mich immer "Ist das ein gravierender Fehler?" und wenn er das nicht ist, ist er für mich auch nicht verwänderungswürdig... jaja, so einfach mache ich mir das ;) :)

    ...

    Vor ein paar Tagen habe ich mich damit auseinander gesetzt, was mir wichtig ist. Und es fällt mir sehr schwer das zu sagen. Selbst die meisten Freunde sind mir nicht sonderlich wichtig. Ist irgendwie seltsam. Ich bin mir sicher, dass es da was gibt, aber noch habe ich nichts gefunden. Außer meiner Freundin. Dass es ihr mit mir gut geht ist mir unwahrscheinlich wichtig. Aber momentan läuft das Beziehungsgetriebe eh wie geschnurrt :)

    Naja, vielleicht sollte ich mich in naher Zukunft mal damit auseinander setzen, wie wichtig mir meine Freunde sind. Denn ich bin sicher, dass sie das sind, nur spüre ich das nicht, es ist mir nicht bewußt. Ich bin so sehr in der Einzelkämpferrolle verwurzelt, dass mir das einfach schwer fällt.

    ...

    Mittlerweile bin ich mir meiner Stärken wieder sehr deutlich bewußt. Das was mir mein ganzes Leben lang schon Kraft gab íst gar nicht weg. Ganz im Gegenteil. Es ist noch deutlicher vorhanden. Das einzige was mir fehlt und was ich für mich möchte ist ein bisschen mehr Selbstantrieb und vielleicht auch ein bisschen gesunden Egoismus. Ich bin mal gespannt was mich noch so für Gedanken befallen. Ich bin auf jeden Fall gewappnet, komme was möge :)

    Gruß,
    A.

    Hi Grafty,

    also ich kenne die Vorgeschichte ja nicht gut. Aber wenn Deine Mutter mal nüchtern und vielleicht etwas zugänglicher ist würde ich sie doch mal fragen, ob sie weiß, was das mit dem "vor die Wahl stellen" bedeutet und ob sie sich der Gefahr darüber klar ist, dass sie diejenige sein kann, zu deren Ungunsten Du entscheiden könntest. Vielleicht fragst Du sie auch mal, ob ihr euch nicht gemeinsam hinsetzt und eine Liste erstellt mit Pro-Mutter und Pro-Freundin... ich schätze Deine Mutter könnte ins Grübeln kommen, wenn sie für sich selbst positive Gründe finden soll. Das ist eine sehr offensive Methode, aber Deine Mutter würde zumindest drüber nachdenken. Wenn sie sich dagegen sperrt kannst ja mal sagen "Das ist mir aber wichtig"... sperrt sie sich weiter kommt das nicht grad auf die Pro-Seite und das sollte sie dann auch wissen.

    Das wirkt nicht immer und kann auch nach hinten los gehen. Aber ich habe mir im Laufe der Jahre eine sehr offensive, manchmal penetrante Art zugelegt Menschen dazu zu bringen, sich einem Thema zu stellen.

    Mit Deinem Vater könntest Du auch mal reden. Du sagtest ja, dass er das scheinbar nicht so ganz mitbekommt. Deshalb solltest Du Dich ihm öffnen und ihm mitteilen, wie Du Dich fühlst und ihm deutlich sagen, dass er die Situation für Dich mit solchen Aussagen nicht grad verbessert.

    Aber ich weiß ja nicht, wie Du so drauf bist. Ich bin da eher konfrontativ. Wenn meine Mutter mir drohen würde, mich vor die Tür zu setzen würde ich gehen. Zieh mit Deiner Schwester in eine WG oder so. Es gibt immer Lösungen. Keine ist es für meine Begriffe alles beim alten zu lassen.

    Weihnachten ist für mich auch immer eine sehr gruselige Zeit. Meist bin ich alleine zu Hause. Aber das passt schon. Der Wunsch, dass es so schön wäre, wenn es anders wäre taucht immer auf. Aber es ist halt wie es ist. Und es bestärkt mich nur umso mehr es mit meiner eigenen Familie die es hoffentlich irgendwann mal geben wird anders anzugehen.

    Ich wünsch Dir alles Gute. Finde für Dich Deine Ansätze und Lösungen. Aber verweil nicht in so einer Situation. Du kannst Deine Mutter nicht ändern, das kann nur sie selbst. Du musst für Dich wissen, ob es das ist was Du willst oder welche Alternativen sich bieten. Mein Studium bleibt ganz schön auf der Strecke, weil ich arbeiten muss, um mir die Wohnung zu finanzieren. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Situation mit Deiner Mutter Dein Studium begünstigen würde.

    Alles alles Gute für Dich. Und verbanne den Gedanken, dass es schön wäre nicht mehr aufzuwachen. Freunde Dich lieber mit dem Gedanken an, Die für Dich selbst etwas anderes zu schaffen, so dass Du gerne aufwachst.

    Ganz liebe Grüße,
    A.

    @Linde
    Ja, dass ich ein paar ordentliche Werkzeuge an der Hand habe merke ich auch zunehmend. Irgendwie habe ich ja schon ein paar Jahre damit abgeschlossen, da ich 10 Jahre nicht mehr zu Hause wohne und Mutter etliche Jahre trocken ist. Ich weiß auch nicht. Vielleicht kommt die Trauer oder auch nicht. Wir werden sehen :)

    frucht
    Auch von mir ;)

    Nadine
    Vielleicht geht es Dir ja ähnlich wie mir? Zunehmend stellt sich bei mir die Vermutung ein, dass meine eigene Unzufriedenheit sehr stark damit verbunden ist, dass ich keinen wirklichen "Lebensplan" habe. Ich befinde mich auf einem Straßennetz und so lange ich kein Ziel für mich entdecke und/oder definiere ist jeglicher Weg, den ich einschlage beliebig. Wen wundert es da, dass ich nicht genau weiß, was ich hier treibe und mich nach der Sinnhaftigkeit frage, wenn ich mir kein Ziel stecke? Mich nicht mehr. :)

    Halt den Kopf hoch. Irgendwann wirst Du schon einen Ansatz für Dich entdecken, wie zumindest schon mal Dir ein wenig geholfen ist. Die Welt wirst damit nicht retten können, aber mit Sicherheit ein Stück weit Dir selbst. :)

    ...

    So. Gestern hat meine Therapie angefangen. War aber nur so ein Schnickschnack-Gespräch. Ich konnte dem zwar schon etwas entnehmen, aber viel ging auch erstmal darum jetzt die Formalitäten zu erledigen. Immerhin muss meine Therapeutin mich krank machen, zumindest vor der Krankenkasse :)

    Ein erstes Ergebnis ist, dass ich für mich Ziele brauche. Wenn ich orientierungslos bin muss ich mich halt in eine Richtung orientieren und "gut is". Klingt bissl simpel und banal aber ich kann mir das für mich gut vorstellen. Also gehe ich die Tage her und definiere mir ein paar.

    Ziel 1: Im Juli alle ausstehenden Klausuren abhaken. Spätestens im September, falls sich Klausurtermine überschneiden sollten.
    Teil des Ziels ist es ein paar Profs schon während der Vorlesungszeit aufzusuchen und da wo möglich mitten im Semester die Prüfung zu machen. Werden zwar nur mündliche, aber vielleicht gelingt es mir ja einige wenige bereits hinter mich zu bringen. Direkt im April werde ich mich um die erste bemühen. Der Prof hat bereits zugestimmt, fehlt nur noch das Gespräch mit jemandem aus dem Prüfungsausschuß. Welch Zufall, dass ich kommendes Semester beim Vorsitzenden des Prüfungsausschusses eine Vorlesung höre und er mich bereits aus nem anderen Fach kennt, dass ich mit sehr gutem Ergebnis abgeschlossen habe. Schätze also mal, dass er nen guten Eindruck von mir hat und vielleicht nicht ganz abgeneigt ist, der Prüfung beizusitzen.

    Ziel 2: Den Job ankurbeln. Schlicht und ergreifend mehr arbeiten und diese Arbeit gut machen. Es besteht die Möglichkeit, dass ich nach dem Studium da unter komme.

    Ziel 3: Mich auf dem Weg zu den ersten beiden Zielen im Auge behalten und besser kennen lernen.

    Ziele können sich ändern, aber das ist für den Anfang doch schon nicht verkehrt.

    Wünsch Euch schon mal ein angenehmes Wochenende. Auch wenn ich mich mit einiger Sicherheit noch blicken lassen werde ;)

    Gruß,
    A.

    Liebe Tinka,

    wie ich Deinen Zeilen entnehme, hat das Buch Dich genauso verwirrt, wie mich. Viele Dinge dringen einem ins Bewußtsein, schmerzliche Erinnerungen werden wach gerufen und wie Du schreibst fühlst Du Dich jetzt kraftlos und erschöpft.
    Glaube mir, in wenigen Tagen wird es Dir bedeutend besser gehen. Ich glaube, für manch ein EKA steckt einfach zu viel Inhalt in diesem Buch. Das stiftet erst mal ordentlich Verwirrung, ist viel zu viel. Nahezu alles, was man früher erlebt und hübsch verdrängt hat wird angerührt. Aber es wird Dir auch eine Last von den Schultern nehmen, wie z.B. die Suche nach Antworten, da wo keine sind. Und manche Dinge hat Dir das Buch sicher schon beantwortet und Dir ist aufgefallen, dass Du nur an den falschen Orten danach gesucht hast.
    Genieße das Gefühl der Leere für den Moment, leere Dich vor allem auch von dem ganzen negativen Mist. Es gibt keinen Schuldigen dafür, erst recht nicht Dich. Und dann wirst Du diese Leere nur mit Dingen füllen, die Du für Dich selbst bestimmst.

    Willkommen im Leben, Tinka, bin auch neu hier aber wird immer besser :)

    Ganz liebe Grüße,
    A.

    Das mit den Fehlern bei anderen zu entdecken, kenne ich auch von mir. Ich bin eh der Kritiker vor dem Herrn. Auch eins der Dinge, die ich für mich ändern möchte.

    Ich glaube, ich habe für mich das Verhalten übernommen, andere ändern zu wollen. Ich nehme mir manchmal Sachen zu Herzen, die mich gar nichts angehen sollten. Unterm Strich stelle ich für mich fest, dass ich andere nicht akzeptieren kann, wie sie sind. Ich nörgle oft an Kleinigkeiten herum, weil ich der Meinung bin, dass wenn Person X sich in diesem und jenem Punkt so verhielte, wie ich das für richtig empfinde, dann würde es ihm besser gehen. Was für ein haltloser Unfug. Letztlich macht es doch viel mehr Spaß, Leute so sein zu lassen, wie sie sind. Alle die mir nicht in den Kram passen finden eh keinen Platz in meiner neuen Zukunft ;) :)

    Der Weg - wie Du schon sagst - wird lang. Aber sollte uns das abschrecken, dass wir vielleicht herbeigesehnte Ergebnisse erst in mühsamer, lang andauernder Arbeit erzielen, statt schon heute? Nein. Wir werden nicht nur das Ergebnis, viel besser zu schätzen wissen, sondern Du und ich werden sogar schon viel Freude auf dem Weg dahin empfinden!

    Ganz liebe Grüße zurück,
    A.

    Hmm.... gestern habe ich eine seltsame Feststellung gemacht. Vorher war mir gar nicht klar, wie sehr mich das als Kind bedrückte.

    Viele werden das sicher kennen. Als Kind erlebt man mit einem Alkoholiker schlimme Dinge, die einen besorgen. Der trinkende Elternteil verliert den Job, den Führerschein, stürzt und muss ins Krankenhaus, man zofft sich derbe und mit Sicherheit noch etliches mehr, dass man als Kind als schlimm empfindet.

    Gestern ist mir etwas klar geworden, dass ich noch viel schlimmer fand. Nämlich die Tatsache, dass Alkoholiker viele dieser schlimmen Dinge am nächsten Tag vergessen haben. Ich weiß auf einmal wieder, wie unerträglich das Gefühl war, wenn man in einer Situation steckte, die man nur schwer ertrug. Man wünschte dies alles würde nicht passieren, man fühlte sich hilflos, verlassen und im Stich gelassen. Irgendwie hatte ich es vergessen oder es ist mir nie bewußt geworden, aber es hat mich immer ganz schwer getroffen, wenn solche Situationen den Alkoholikern am nächsten Tag entfallen waren. Das verschärfte das Gefühl noch mal. Auf einmal war es so, als hätte man die von den Alkoholikern verursachte schlimme Sache allein erlebt. Immerhin war man der einzige, der sich daran erinnern konnte. Ich glaube das hat damals mein Gefühl von Alleinsein und Hilflosigkeit zusätzlich geschürt.

    Na ja. Das nur am Rande. Momentan lese ich ein weiteres Buch über EKA's und der Part, den ich bereits gelesen habe ist zugekleistert mit grünem Textmarker und Randnotizen. Irgendwie macht es auch ein bisschen Spaß, sich der Vergangenheit zu stellen :)

    Was mich nur irgendwie wundert: noch immer habe ich nicht getrauert. Zu Beginn meiner Auseinandersetzung habe ich so was wie eine tiefe Qual gespürt und habe die aufsteigenden Tränen beständig niedergerungen. Und heute sind sie irgendwie nicht mehr da. Dabei sagt man doch immer, dass "Trauerarbeit" so wichtig ist. Komisch irgendwie.

    Hat jemand vielleicht ne Idee dazu, woran das liegen könnte?

    So. Mein Mädchen hat bald Geburtstag. Ich muss mich noch um ihr Geschenk kümmern. Und mal wieder zur Post, einen Teil meiner Sammlung an Käufer verschicken. Und ich habe später ein Gespräch mit einem Prof bezüglich meiner Bachelorarbeit. Morgen ist der Kick-Off-Termin für die Therapie. Gutes Gefühl, sein Leben in die Hand zu nehmen. :)

    Wünsch Euch was!

    Gruß,
    A.

    Liebe Tinka,

    dass es Dir zunehmend gut geht finde ich ganz furchtbar schön zu hören.
    Geht es Dir genauso wie mir? Es hat sich noch gar nicht so viel verändert, irgendwie ist alles beim Alten und dann auch wieder doch nicht? Man entdeckt sich und einfach alles um sich herum irgendwie neu? Vielleicht zum ersten Mal bewußt? Ich bin auf jeden Fall ganz ganz seltsam drauf und ich meine meiner Freundin anzusehen, dass sie die Miniveränderung begrüßt. Wir haben schon vorher eine sehr gute Kommuniktaion und ein sehr gutes Verhältnis zueinander gehabt, aber momentan scheint es schlagartig noch ein Stück besser geworden zu sein. Und dieses "ein Stück weit besser" trifft irgendwie auf den ganzen Alltag zu... seltsam, seltsam. :)

    Das mit dem Kloster ist momentan auch nichts für mich, auch wenn die Idee irgendwie faszinierend ist. Aber wurscht, soll mich nicht stören :D

    Deine Aussage "Mein Leben ist aufregend" spricht Bände und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. :)

    Weiter so!

    Gruß,
    A.

    Liebe Lost,

    ich möchte Dir wirklich nicht auf die Füsse treten, aber mir scheint es wirklich so, als steigerst Du Dich auch zu sehr da rein. Ist nicht böse gemeint, aber manche Dinge scheinen dir mehr Sorgen zu machen, als sie unterm Strich sollten. Das Ding mit dem Loslassen hat ein Stück weit auch mit "Gleichgültigkeit" zu tun. Gleichgültigkeit dem gegenüber, was Deine Mutter von Dir denkt oder erwartet. Darauf _solltest_ Du keine Rücksicht nehmen.

    z.B:

    - Was wenn ich Ihr dann über den Weg laufe?
    Sag ihr deutlich und bestimmt: Mutter, ich habe momentan weder Lust noch den Kopf mich mit Dir zu unterhalten. WIR würden uns eh wieder nur streiten. (Keine Vorwürfe, sollte Sie DIR etwas vorwerfen, halt Dir vor Augen, dass ihr beide eine unterschiedliche Wahrnehmung habt. Deine Mutter mag das so wahrnehmen. Eure gesamten Differenzen sind für meine Begriffe stark auf eine unterschiedliche Wahrnehmung der Tatsachen begründet. KEINESFALLS in ein Gespräch einsteigen, es macht den Anschein, als könne es momentan bei euch beiden keine konstruktiven Ergebnisse erzielen. Wenn Du sie FREUNDLICH aber BESTIMMT zurückweist, wirst Du Dich gut dabei fühlen. Du hast dann das Ruder in die Hand genommen und selbst bestimmt, was passiert)

    - Soll ich etwa nicht zu dem Geburstag von meinem Bruder gehen?
    Wenn Du Dich da nicht wohl fühlst, dann lass es. Ruf Deinen Bruder an, schildere ihm, warum Du nicht kommen willst. Erkläre ihm, dass es nicht mit ihm, sondern mit eurer Mutter zu tun hat. Frag ihn, ob er sich ein, zwei Tage später mit Dir treffen mag und ihr dann unter euch auf ihn anstosst. Er wird Dich verstehen und Dir das nicht übel nehmen.


    Hier ein Ansatz, wie man sich ohne Streit begegnen könnte (das wichtige sind klare, deutliche Aussagen, ohne einen Vorwurf zu machen)

    - "Mutter. Du nimmst doch bestimmt auch wahr, dass wir uns in lezter Zeit immer streiten. Vielleicht bin ich daran schuld (stimmt natürlich nicht, aber das musst Du nicht ausdrücken, damit die Situation nicht aus dem Ruder läuft), vielleicht gehören aber auch zwei dazu. Ich bin momentan sehr verwirrt und möchte ein wenig Ruhe. Ich hoffe, Du verstehst das und kannst meine Entscheidung respektieren."

    Es geht auch anders, führt mitnichten aber zu dem Ergebnis, dass bei euch beiden Ruhe einkehrt. Dir steht auch das Recht zu zu sagen "Mutter, was möchtest Du von mir? Meine Hoffnung daran steigern, dass Du wirklich vom Alk los bist, damit sie wieder enttäuscht wird? Möchtest Du meine Absolution? Soll ich Dir heute die Zustände verzeihen, unter denen ich gezwungen war aufzuwachsen? Soll ich Dir die Schuld daran nehmen, weil Du selbst sie nicht siehst oder erträgst? Nein. Du überschreitest wiederholt meine Grenzen. Du tust mir momentan nicht gut! Beweis mir erst mal, dass Du ein Jahr keinen Schluck Alkohol trinken kannst, dann kann ich auch daran glauben, dass Du es ernst meinst."

    Es ist alles Deine Entscheidung. Viele Fragen, die Du so hast sind aber erst dann zu beantworten, wenn Du für Dich entdeckt hast, was Du willst und brauchst! Es gibt immer so viele Antworten auf alles, aber die für Dich richtige findest Du auch nur, wenn Du Dir überlegst, was für Dich das beste ist und eine Entscheidung fällst. Und verdräng Deine Mutter bei diesen Entscheidungen. Es gibt KEINERLEI Grund, für sie da zu sein, denn sie war diejenige, die Dich im Stich gelassen hat (nicht bewußt, nicht absichtlich, sondern durch den Alk, aber dennoch)

    Lost ich will Dir wirklich wirklich nicht zu Nahe treten, aber Du machst auf mich den Eindruck als sperrst Du Dich noch zu sehr. Ich kenne das von mir selbst. Wir sind in solchen Strukturen aufgewachsen und empfinden sie gar manchmal für normal. Tief verwurzelt, fühlen wir uns für unsere eigenen Eltern schuldig und verantwortlich, aber das ist falsch! Du hast das Recht einfach jeden Menschen fallen zu lassen, wenn Du Dich von ihm bedrängt fühlst, wenn Du spürst, dass er Dir nicht gut tut. Ich hatte damals ANGST auszuziehen. Alle Sorgen drehten sich nur um meine Mutter. Ich dachte, ich kann sie doch nicht allein lassen, die säuft sich doch zu Tode! Ich trage keinerlei Verantwortung für diese miese Kindheit, die meine Mutter mir hat zuteil werden lassen. ebensowenig wie Du. Aber Menschen ändern sich nicht einfach so. Und wenn, dann braucht es viel Zeit.

    Ich erkenne mich ganz ganz stark in Dir wieder. Meine Lösungsansätze mögen für Dich nicht greifen. Du fühlst Dich sicher grad erschlagen, weil Du denkst, dass alles Dich überrumpelt. Nimm Dir Deine Ruhe. Setzt Dich vielleicht hin, schreib Dir alle Deine Fragen auf und nimm Dir eine nach der anderen und schau, welche Antworten für Dich wünschenswert sind.

    Die Frage sollte also nicht lauten "Warum hört meine Mutter nicht auf zu trinken und macht mir so viele Sorgen?", sondern eher "Wenn meine Mutter nicht aufhört zu trinken, ich ihr nicht glauben kann, dass sie trocken ist, was mache ich dann?" Das wird Deine Mutter in den Hintergrundrücken und Dich nach vorne bringen.

    Ich wünsche Dir wirklich von ganzem Herzen alles erdenklich Gute. Auf dass Du möglichst bald Antworten für Dich findest, die es Dir erlauben zu Dir zu finden.

    Ganze liebe Grüße,
    A.

    Hi Tinka,

    derlei gibt es viele Dinge. Ich kenne das selbst auch, dieses sich beschäftigen müssen oder sich berieseln zu lassen. Vielleicht sind einige von uns so drauf, weil wir eben nichts mit uns selbst anfangen können? Vielleicht spiegelt sich auch darin wieder, dass wir unsere Bedürfnisse gar nicht kennen und uns dann immer irgendwie mit was anderem beschäftigen müssen, ohne zu erkennnen, dass es irgendwie so nur die Zeit tot schlägt.

    Hier ein paar andere Ansätze, die ich zum Teil selbst schon probiert habe, zum Teil mal irgendwo las. Allen ist folgendes gemeinsam: sie können stark beruhigen

    - Autogenes Training
    - Atemtechniken (ich kann meinen Puls nachweisbar senken, durch wenige Atemzüge)
    - sich jeden Tag einige Minuten selbst im Spiegel ansehen (bewußt, nicht das Waschen, Haare machen und so)
    - Meditation (echte Meditation ist furchtbar schwer und braucht jahrelanges Training, soll aber das Nonplusultra sein :-))

    Ein alter Bekannter (seines Zeichens Philosophiestudent) war auch mal über das Wochenende in einem buddhistischen Kloster bei einem Meditationsseminar. Ich meine das kostete ihn 75,- Euro mit Verpflegung und zwei Übernachtungen. Das für mich "unvorstellbare" an dem Seminar war das Gebot diese drei Tage KEIN einziges Wort zu sprechen. Wann spricht Mensch schon mal 72 Stunden lang nicht ein einziges Wort? Was bleibt mir denn dann sonst als die Auseinandersetzung mit mir selbst? Laut ihm eine ganz ganz krasse Erfahrung. Man kann sich nur mit sich selbst beschäftigen. Alles bleibt in Dir, nichts dringt in diesen drei Tagen nach außen.

    Wünsche Dir weiterhin alles gute Tinka! :)

    Gruß,
    A.

    So...
    die letzten paar Tage sind ziemlich ernüchternd für mich gewesen. Ich weiß selbst nicht so recht, warum. Aber irgendwie bin ich schon eher so da, wo ich vor dem "EKA sein" war und doch irgendwie auch ein kleines bisschen woanders.

    Zunehmend beschleicht mich das Gefühl, dass ich mich gar nicht so sehr mit meiner Kindheit auseinandersetzen muss. Zumindest nicht so mit meiner eigenen Rolle in dieser vermeintlichen Kindheit. Ich beschäftige mich ziemlich intensiv damit, betrachte vieles aber auch eher aus einer "erhöhten" Position. Es ist mir gar nicht so wichtig, festzustellen, was in meiner Kindheit schief lief, will mich definitiv nicht bemitleiden und erst recht niemanden beschuldigen. Die Auseinandersetzung mit der Thematik hilft mir eher, ein paar Dinge nachzuholen, die ich verpasst habe. Ich weiß mich irgendwie deutlicher einzuschätzen, bekomme langsam und allmählich ein besseres Gefühl für mich selbst. Aber mir ist die "Ursachenforschung" weniger wichtig. Die Vergangeheit werde ich ja eh nicht ändern können. Aber ich kann feststellen, wo ich mich in der Gegenwart befinde, um ab jetzt die Zukunft in einem deutlich stärkeren Maße selbst zu beeinflussen.

    Manchmal schwanke ich so hin und her. Frage mich, ob ich versehentlich zurück bin im "alten Trott". Aber irgendwie muss das auch sein. Kein Mensch ändert sich oder jahrelang antrainierte Verhaltensmuster über Nacht. Es ist "normal" ich zu sein, auch mit den ganzen durch die Kindheit verursachten Mustern, die mir jetzt erst auf- und missfallen. Aber die Tatsache an sich muss vorerst reichen. Die Akzeptanz, dass es jetzt erst mal ist, wie es ist, ich mich lediglich bemühen kann im Auge zu behalten, was ich für mich ändern möchte und daran zu arbeiten.

    Nach wie vor bin ich sehr zuversichtlich. Aber auch ernüchtert. Unterm Strich ist es gut. Bücher, das Forum und die diese Woche startende Therapie werden mich am Thema halten, so dass ich nicht vergesse, warum ich an dem jetzigen Punkt bin. Andere Sorgen, wie das mit dem Studium und der Arbeit brauchen eh auch ein bisschen Zeit. Das kommende Semester soll mein vorletztes werden. Alle Klausuren will ich wahrnehmen, einige schon vor dem Prüfungszeitraum hinter mich bringen, wenn Professoren und Prüfungsamt mitspielen.

    Außerdem werde ich mein Leben ganzheitlich in eine "Generalüberholung" schicken. Mir Mühe geben, jeden kleinen Ansatz, jeden noch so kleinen Automatismus in mir zu erkennen, das für und wieder abzuwiegen und eine neue Definition für mich treffen. Sowohl und zuvorderst, was mein eigenes Selbst betrifft, aber auch meine Freunde und Bekannten, meine Wohnung, Kleidung, Hobbies, was da auch komme. Ich muss nicht herausfinden "Bin ich das oder war das meine Kindheit". Ich muss nur jetzt hergehen und neu entscheiden, wie und woher ich in der Vergangenheit dazu kam, die Ding so anzugehen, wie ich es praktiziere kann mir dabei egal sein. Die Auseinandersetzung mit dem Thema deckt lediglich schneller die Defizite auf. Alles versuche ich jetzt nach dem Motto "Defizit erkannt - akzeptiert - Für und Wieder durchdachte - bemühen um Veränderung" anzugehen. Meine Kindheit war wie sie war und das wird immer so bleiben. Es zählt nur der Augenblick und die Konsequenz daraus.

    Mal sehen was kommt. Bin schon sehr gespannt und hoffe, dass ich in Kürze sehr viel stolzer auf mich sein kann und ich mein Leben ein großes Stück selbstbestimmter empfinde. Ich bin freudig gespannt. :)

    Wünsch euch allen eine angenehme Woche. Gönnt euch was!

    Gruß,
    A.

    Liebe Jessy,

    das sehe ich wirklich anders. Aber das auch nur, weil ich vielleicht zu schnell von mir auf andere schließe. Aber wenn ich mich dann so hernehme muss ich folgendes innerhalb meiner Suchtstrukturen festellen:

    - kann ich das Zigaretten rauchen sofort einstellen? Nein.
    - ist meine Sammelleidenschaft auch eine Sucht? Ja, denn ich habe "Angst" bei ebay was zu verpassen. "Angst", dass ich ein Teil, das mir in der Sammlung fehlt nicht mitzubekommen und noch mehr "Angst", dass ein anderer das auch noch möglichst billig ersteigert
    - konnte ich damals die negativen Gefühle, wenn ich nichts zu kiffen bekam einfach abstellen? Nein. Fühlte ich mich "gezwungen" sogar unangenehme Telefonate zu führen, weil die Sucht größer war, als das unangenehme Gefühl Person X anrufen zu müssen? Ja.
    - Konnte ich das Computerspielen von jetzt auf gleich einstellen? Bedingt. Ich konnte es nur gegen was anderes ersetzen. Die Sucht war nicht die Sucht nach dem Computerspielen, sondern die Sucht beschäftigt zu sein. Computerspielen war lediglich die "Droge" meiner Wahl

    Wie findest Du die Idee für Dich selbst, dass Du vielleicht mal Bücher über Sucht im Allgemeinen oder Alkoholismus im Speziellen liest? Vielleicht kann Dir das ein wenig Trost schenken, wenn Du die Elemente dahinter erkennst, gegen die Mensch sich dann nicht imstande fühlt anzukämpfen?

    Wünsche Dir echt alles alles erdenklich Gute!!! Auf dass es Dir sehr sehr bald ein ganzes Stück besser geht!

    Liebe Grüße,
    A.

    Jessy,

    Klar ist das völlig in Ordnung ;) Melden werde ich mich auch weiterhin. Liegt vielleicht am Wochenende. Mit Sicherheit aber auch daran, dass ich selbst noch am Anfang von irgendwas stehe. Irgendwas, dass ich ja noch gar nicht so recht zu interpretieren weiß. Momentan fühlt sich das alles gut an und so. Aber ich will für mich auch sicher gehen, dass ich nicht "abdrifte". Der Ansatz, mich um mich selbst zu kümmern ist gut und ich werde ihn zunehmend und konsequent verfolgen. Ich will für mich aber auch schauen, dass ich die schädigenden Muster, die ich neuerdings so viel bewußter in mir entdecke, nicht versehentlich gegen Muster ersetzte, die mir auch nicht wünschenswert erscheinen. Wie z.B. zu sehr egoistisch zu werden oder so. Das Sich-Zurücknehmen-Können will ich ja nicht gänzlich abstreifen können. Freunde und Familie, die Arbeit in einem Team im Beruf etc. erfordern so was ja, ich muss nur das Auge auf mich behalten, um zu einem gesunderen Maßstab zu finden.

    Aber wie gesagt: Auch meine "Zweifel" besorgen mich nicht im Geringsten. Es im Auge zu behalten reicht mir im Moment gänzlich :)

    Schönen Sonntag noch!

    A.

    Hi LostSoul,

    bitte nimmer Dir meine Ansicht der Dinge nicht so zu Herzen, vielleicht hilft es Dir ja ein klein wenig. Genrell macht es auf mich den Eindruck, dass ein Dialog zwischen euch beiden noch nicht möglich ist. Dafür nimmst Du Deiner Mutter das noch zu übel. Versteh mich nicht falsch. Wahrscheinlich _sollst_ Du Deiner Mutter das auch übel nehmen, aber für mein Verstädnis hast Du selbst Dir gegenüber noch nicht die nötige Distanz und Nüchternheit zu dem Thema gefunden, es nimmt dich VERSTÄNDLICHERWEISE (!!!) emotional noch zu sehr mit.

    Zitat von LostSoul85


    Ich habe mein Leben endlich wieder im Griff und mir geht es
    sehr gut. Meine Arbeit macht mir Spaß!


    Wie ich in alten Threads von Dir gelesen habe, hatte Deine Mutter vor kurzem einen Rückfall. Ob sie ihr Leben wirklich im Griff hat bleibt für meine Begriffe noch abzuwarten. Viele trockene Alkoholiker, die ihre Sucht allmählich begreifen sagen auch nach 2 Jahren Trockenheit noch, dass der Kampf ständig weitergeht. Alkoholiker bringen einem unterbewußt bei, dass man ihnen nicht trauen kann. Solch ein Vertrauen baut sich keinesfalls nach wenigen Wochen wieder auf. "Trockene Zeiten" bauen immer wieder neue Hoffnung und Zuversicht auf und werden leider nur allzu oft enttäuscht.

    Zitat von LostSoul85


    Ich denke, du hast DEIN Leben nicht im Griff, deshalb greifst du mich
    so an!!!


    Und selbst wenn? Vielleicht hast Du Dein Leben nicht im Griff, aber wie MrHardcore bereits sagte, genau darum solltest Du Dich kümmern. Dein Leben allein. Dass Du Deiner Mutter Vorwürfe machst ist absolut verständlich. Allerdings glaube ich nicht, dass Dich oder euch das weiter bringt. Abstand wäre für meine Begriffe viel viel besser für Dein Seelenheil.

    Zitat von LostSoul85


    Du bist und bleibst meine Tochter und ich liebe dich
    nach wie vor. Das geht aber nun zu weit.


    In der Regel lieben Eltern und Kinder sich auch. Würdest Du Deine Mutter nicht lieben, würdest Du Dir das nicht so zu Herzen nehmen. Aber Du scheinst Dein Glück zu sehr von ihr abhängig zu machen. Nichts was Du sagst oder tust wird einen Alkoholiker von seiner Krankheit heilen. So ist meine Einstellung dazu. Je nachdem, was Deine Eltern Dir über die Zeit mit dem Alkohol "angetan" haben, _kannst_ Du gar nicht zu weit gehen! Aber ich sehe das so, dass Du - indem Du den Kontakt und diese scheinbar unlösbaren Differenzen zwischen Euch beiden nicht unterbindest - auch ein großes Stück Unzufriedenheit in und mit Dir selbst aufrecht erhälst. Ob Deiner Mutter das zu weit geht, sollte Dir egal sein, denn Du bist ein eigenständiger Mensch. Frag Dich doch lieber, ob es DIR nicht zu weit geht. Ob es DICH nicht zu sehr mitnimmt, dass ihr das Thema momentan und aus welchen Gründen auch immer nicht vom Tisch kriegt und Abstand ratsamer wäre, damit Ruhe einkehren kann.

    Zitat von LostSoul85


    Ich kann dir nur einen Rat geben: Geh mal zu einem
    gescheiten Psychologen und rede über DICH! Nicht ICH
    bin dein Problem, du stehst dir selbst im Weg!


    EKA's stehen sich oftmals selbst im Weg. Implizit hat Deine Mutter aber recht. Denk an DICH! Deine Mutter stellt für Dich ein großes Problem dar, wie MrHardcore sagte: lös Dich davon! Du liebst sie, aber indem sie einfach nur in Deinem Leben ist, bleibt das Problem bestehen. Klingt ganz leicht und irgendwie doof, aber wenn ein Freund oder Bekannter Dich verletzt oder Deine Grenzen überschreitet, was machst Du dann? Lässt Du ihm das durchgehen oder weist Du ihm die Grenzen auf und sagst: "Bis hierhin und nicht weiter!"? Durch das Mutter-Tochter-Verhältnis gibt es natürlich ganz andere Grenzen. Letztlich aber gibt es diese auch und wenn Du für DICH fühlst, dass Deine Mutter diese Grenzen überschreitet, musst Du Dich lösen. Darauf zu warten, dass ein Mensch sich derart ändert so wie Du es möchtest ist in jeglichem sozialen Netzen eine für einen selbst oftmals Unzufriedenheit erzeugende Erwartungshaltung. Natürlich WÜNSCHST Du Dir, es wäre anders, aber wie sind die Tatsachen?


    Deine Mutter entdeckt sich grad neu, scheint neuen Lebenswillen zu entwickeln. Wer weiß, vielleicht wird ja alles gut? Du brauchst auch ganz dringend mehr Dinge in Deinem Leben, die DIR Spaß machen, die DICH aufbauen. Wenn euer Verhältnis das momentan noch nicht zulässt wieder der gleiche Ansatz: lösen!


    Wie siehst Du das für DICH? Kann es so weiter gehen? Und: Was denkst Du würde passieren, wenn ihr beiden Euch zusammensetzt? Könntet ihr nüchtern reden, ohne euch Vorwürfe zu machen, ohne dass es "eskaliert"? Natürlich wäre das wünschenswert, aber wie denkst DU darüber: Ist das augenblicklich auch ein wahrscheinlicher Ausgang eines solchen Gesprächs?

    Zitat von LostSoul85


    ich weiss nicht mehr was ich noch tun soll!!!
    soll ich ihr antworten?
    bitte um dringende hilfe


    Für meine Begriffe nicht. Nein. Sicherlich ganz ganz schwer, aber für Dich sollte momentan nur eins zählen: Du selbst.

    Entdecke, was für Dich das richtige ist. Wenn Du entdeckst, dass Du Abstand BRAUCHST, antworte ihr nach dem Motto: "ICH habe für MICH entdeckt ich brauche Abstand. Bitte melde mich nicht bei mir. ICH melde mich, wenn ich BEREIT bin und tatsächlich konstruktive Ergebnisse in einem solchen Gespräch erwarte".

    Ein solches Gespräch KANN euer Verhältnis "zurechtrücken". Oben geschriebene Einschätzungen deuten für mich aber wie Du siehst darauf hin, dass die zu erwartenden Ergebnisse Dir nur wieder schaden würden.

    Ich habe mich damals gelöst. Ich bin mit 22 ausgezogen und habe nur ganz ganz wenig Kontakt mit meiner Mutter gehabt. Fand ich sie betrunken vor (an Geburtstagen, am Telefon, wo auch immer), bin ich gegangen. Unsere heutige Beziehung ist zugleich innig, da wir um die gegenseitige Liebe wissen, aber auch distanziert, weil ich sie nur sehr wenig an meinem eigenen (Gefühls-)Leben teilhaben lasse. Das war sehr sehr gut für mich. Wußte ich vorher nicht, stellt sich im Nachhinein aber so heraus.

    Wünsche Dir allzeit gutes Gelingen, dass Du entdeckst, wonach ALLEIN DIR der Sinn steht und Du diesen Weg dann für Dich einschlägst.

    Liebe Grüße,
    A.

    Jessy,

    ich glaube nicht, dass diese Menschen sich das ausgesucht haben. Ich glaube auch nicht, dass ein x-beliebiger Alkoholiker, wenn er sich nicht immer wieder davor verschließen würde, Alkoholismus in seinem Leben begrüßt. Alkoholismus ist eine sogenannte "schleichende" Krankheit. Die psychische und physische Abhängigkeit tritt nicht schnell nach der Einnahme ein, wie es z.B. bei Heroin der Fall ist, sondern erst über einen langen Zeitraum hinweg. Die meisten Menschen reden sich ein, dass sie keine Gefahr laufen von einem Genußmittel abhängig zu werden. So wie ich z.B., denn für mich halte ich es unmöglich einmal zu einem Alkoholiker zu werden. Ich rede mir das auch ein. Tatsächlich kann ich aber nicht in die Zukunft sehen und kann das gar nicht mit solch einer Bestimmtheit sagen, wie ich es mir aber vergaukle. Und oftmals bermerken Alkoholiker nicht, wenn die Grenze zum Suchtverhalten überschritten wurde.
    Wenn Du Alkoholismus nicht als Krankheit akzeptieren kannst, wie ist es dann mit Sucht? Ich bin z.B. zigarettensüchtig. In meiner Jugend war ich Computerspielsüchtig. Und ich hatte mal so etwa 3 Jahre, da war ich süchtig nach dem Konsum von Kannabis. Ich geriet förmlich in Unruhe, wenn ich nicht kiffen konnte. Ich redete mir ein, dass ich kiffen _muss_, hab die halbe Welt abtelefoniert, um was zu kiffen aufzutreiben und wenn ich nichts bekam war ich unglücklich. Sucht geht immer einher mit dem Kontrollverlust über die Sache selbst. Ich _konnte_ in dieser Zeit nicht aktiv bestimmen aufzuhören. Das impliziert Sucht an sich. Keine Sucht, kann kontolliert und von heute auf morgen eingestellt werden. Dass ich heute kein Kiffer mehr bin ist reiner Zufall. Das Bedürfnis verlor sich wodurch auch immer. Es war einfach weg. Nicht, was ich aktiv verursacht hätte und wofür ich mir heute auf die Schulter klopfe nach dem Motto: "Na das haste aber toll gemacht." ... denn ich war das nicht und das einzige was ich heute denke ist: "Gott sei Dank ist das <weggegangen>"

    Will sagen: Wie Du es formulierst funktioniert es für meine Begriffe nicht. Alkoholiker machen nicht weiter, weil sie es wollen (auch wenn es oft so erscheint!), sondern weil sie schlicht und ergreifend nicht anders können. Die Sucht ist (akut) einfach stärker als sie.

    Vielleicht hast Du Lust Dir mal ein Buch darüber durchzulesen? Etwas, dass Dir den Mensch Alkoholiker "näher" bringt, die Sucht/Krankheit an sich. Für mich war es ein sehr sehr großer Schritt, für den ich ewig lang gebraucht habe. Ich habe das nämlich ganz genau so gesehen wie Du, aber die Einsicht war enorm wichtig für mich.

    Weiterhin alles erdenklich Gute für Dich un Dein Weiterkommen!

    Liebe Grüße,
    A.

    Jessy:
    Danke, danke :)

    Frucht:
    Auch Dir danke schön, aber geben wir es doch zu. Die meisten der Antworten hab ich mir doch selbst geschrieben ;)

    Jetzt im Augenblick fühle ich mich nicht so sehr nach Schreiben. Zumindest öffentlichem Schreiben. Ich hab da so was im Hinterkopf, dass muss ich erst mal hin und her werfen und schauen, wo es landet. Mache mir aber keine Sorge darum, es steht lediglich eine Entscheidung aus, die ich nur nicht überstürzen möchte :)

    Liebe Jessy,

    Ich für meinen Teil, habe mir nahezu _alles_ vergeben. Nachdem ich begann zu begreifen, dass es einfach so kommen _musste_, dass ich mich nun nicht mehr darüber wundere, dass ich werden musste, wie ich bin, _kann_ ich gar nicht mehr sauer auf mich selbst sein. Ich habe mir das doch gar nicht ausgesucht. Ich fange jetzt an, mir die Dinge selbst auszusuchen und für diese werde ich auch die Verantwortung übernehmen. Aber nicht mehr für Dinge, die ein anderer aus mir machte. Ich nehme das diesem anderen (meiner Mom) nicht mal mehr übel. Es ist einfach, wie es ist. Meine Mutter war krank, sie _konnte_ nicht anders, denn sonst hätte sie es anders gemacht. Die Krankheit an sich trägt für mein Verständnis die Verantwortung. Mir ist ja mal sowas von verziehen ;) :)

    Wünsche Dir weiterhin alles Gute. Wenn Du denkst, Du bist für Dich auf dem/einem richtigen Weg, dann bleib am Ball. Verzeih Dir kommende Fehltritte und mach für Dich das Beste draus.

    Liebe Grüße,
    A.

    Liebe Schneekugel,

    ich für meinen Teil halte mich stark genug, das mit mir selbst "auszuknuspern". Aber jegliches Hilfsmittel - Bücher, Foren, Gespräche und auch ein Therapeut - erscheinen mir als Unterstützung. Warum sollte ich es mir schwerer machen als nötig? Letzen Endes glaube ich, dass meine Thaerapie mich wie lang - rund 1 Jahr? - begleiten wird. Freunde werden mich länger begleiten, ich selbst werde immer da sein. Alle Hilfsmittel können mir dabei helfen, mich störende Dinge in mir aufzudecken, manch ein Therapeut ist sicherlich sogar Profi in so was. Das was Du schreibst, macht auf mich nicht so den Eindruck als fühltest Du Dich momentan, als benötigtest Du eine Therapie. Aber letztlich ist sie mehr oder minder umsonst und so lange Du Dir das nicht angeguckt hast, wirst Du für Dich ja auch nur ein weniger kompetentes Urteil fällen können. Ich finde es gar nicht schlimm, ab kommender Woche eine Therapie zu beginnen. Ich freue mich sogar drauf. Das soll nicht bedeuten, dass ich Dir zu einer Therapie "rate", aber sie könnte es Dir leichter machen und den Prozess (welchen auch immer) beschleunigen.

    Was Deine Familiensituation angeht. Den kleinen Einblick, den Du mir verschaffst macht auf mich folgenden Eindruck:
    - Dein Vater entschuldigt das Trinken für sich selbst. "Nur" 3 Bier bedeutet immerhin nicht, dass sich sein Verhalten gegenüber "Kein" Bier nicht verändern würde.
    - Die aggressive Reaktion Deiner Mutter auf das Ansprechen der Thematik lässt mich eher stutzen. Als könne sie das momentan vor sich selbst noch nicht zugeben, aber als wisse sie darüber tief drinnen deutlich Bescheid. Als betrachte sie die Situation viel reeller, blockt sie "lediglich" ab, weil sie villeicht hilflos ist? Viel eher dazu geneigt sich ein eventuell vorhandenes Problem zu erkennen und vielleicht mal eine (Sucht-)Therapie für sich zu beginnen oder was auch immer die Hilfsmittel ihrer Wahl wären. Hast Du Deine Mama schon mal nach ihren Sorgen und Ängsten gefragt?

    Insgesamt scheinst Du Dir mehr Sorgen um Deine Eltern - insbesondere Deine Mutter? - zu machen, als um Dich selbst. Ich glaube, der Auszug könnte Dir sehr gut tun. Sich dem Thema zu stellen, in welcher Form auch immer, erscheint mir nur wenig verkehrt.

    Liebe Grüße,
    A.

    Zitat von GaJa

    Das Buch ist bestellt...
    Die Kinder gehen mit der Situation ganz gut um - im Rahmen natürlich - sie äussern Verlustängste (deutlich in der Kita, wenn ich gehen will) Betonen immer, dass Sie ihren Vater vermissen...und sie ihn lieb haben.


    Ich denke, Verlustängste sind "normal" für Kinder wenn Mama und Papa sich trennen. Gut sicherlich nicht, aber - so hart das jetzt auch klingen mag - was ist das kleinere Übel? Eventuelle Schädigungen durch eine Trennung oder durch ein permanentes Zusammenleben mit einem Alkoholiker? Ich habe nicht den blassesten Schimmer. Halte es für das Beste, Dich da schlau zu machen, eventuell von professioneller Seite. Kinder- und Jugendtherapeutin?

    Zitat von GaJa


    Ob ich ihn noch lieb habe - kann ich im Moment nicht definieren.
    Ich weiss, dass wir durch seine Krankheit nicht auf "gleicher Augenhöhe sind"
    -soll nicht so herablassend gemeint sein, wie es sich liest...


    Empfinde ich persönlich keinesfalls als "herablassend". Für mein Empfinden ist das ein blosser Fakt. Wenn meine Mutter getrunken hat (und auch heute noch mal nen Abend "ein Bierchen zischt"), benimmt sie sich wie eine 3-jährige. Schon mit 10, 11, 12, fühlte ich mich ihr deutlich überlegen. Schmerzliche Erfahrung, war und ist aber so. Und ist auch für meien Begriffe "natürlich". Denn wenn ich mir einen hinter die Binde gieße, was so ein paar Mal im Jahr zu Parties vorkommen kann, merke ich ja an mir selbst meine durch den Konsum eingeschränkten Fähigkeiten. Weniger logisch denken, Sprachvermögen ist beeinträchtigt, etc.

    Zitat von GaJa

    Er hat das bis heute nicht verwunden ist gerade 4Wochen her -versucht, wie üblich - schnell ein "Beruhigungsprogramm" zu starten (schnell was bewegen, dann kriegt sie sich bald ein.


    Meiner Erfahrung nach ist der Alkoholiker nie der Schuldige, sondern immer das Opfer. Er versteht gar nicht, was er sich und seiner Umwelt antut und zumutet. Versinkt in Selbstmitleid, bringt kein Verständnis dafür auf, dass Du es Dir so sehr anders wünschen würdest, kann den Gedanken nicht ertragen mit schuldig zu sein, projiziert die Verantwortung auf andere. Dann wieder Momente in denen NUR er Schuld ist, aber auch die helfen irgendwie nicht weiter, weil sie leider nicht produktiv und schnell vergessen sind. :(

    Zitat von GaJa


    Ich versuche immer bei der Warheit zu bleiben, (ihn nicht schlecht zu reden) und meinen Kindern das zu erklären.
    Ich ermuntere Sie auch, mit den Grosseltern darüber zu reden und mit den Erziehern im Kindergarten.Natürlich auch mit mir und mit unseren Freunden, wenn sie das Bedürfnis haben.


    Für mein Verständnis ein ganz ganz großer Ansatz. Deine Kinder sollen darüber reden, sich äußern dürfen, Papa soll kein Bösewicht sein. Eventuell aber auch hier ein kleines Auge drauf haben, ohne Kontrollzwänge zu entwickeln, da Du ja nicht weißt, was die anderen Deinen Kindern so erzählen. Vielleicht solltest Du zuerst das Gespräch mit den Erwachsenen suchen, mit denen Du Deinen Kindern zu reden ermutigst, damit Du sicher sein kannst, dass sie Deinen Kindern die gleichen Ansichten vermitteln, die Du als wünschenswert erachtest?

    Zitat von GaJa


    Meine Ältere versucht gerade, wie in "Was ist ein EKA" ganz viel zu helfen.
    sie reisst sich geradezu darum. Ich versuche sie in den normalen Tages- Ablauf zu integrieren (beide Kinder) und bremnse sie aber auch aus, wenn ich das Gefühl habe, dass sie sich übernimmt.Sie sollen noch Kinder bleiben dürfen.


    Auch darauf geht das Buch ein und stellt es als guten Ansatz dar. Die Gefahr ist die, dass Du darauf achten solltest (laut buch, aber ja auch laut Dir), sie nicht zu überfordern. Dennoch lieben es Kinder Dich zu unterstützen. Es vermittelt ihnen auch ein Gefühl von Dir respektiert zu werden. "Danke, mein Schatz, das hast Du aber wirklich gut gemacht. Sollen wir jetzt was spielen, das haben wir uns doch verdient, oder nicht?" Dein Kind wird Dir dann mitteilen, ob es Dir lieber noch beim Ausräumen der Spülmaschine helfen will, oder wird Dir vielleicht vorschlagen, was es lieber täte. Aber es wird das Gefühl haben, es sich selbst ausgesucht zu haben. So wie Du es rhetorisch formuliert hast, achtest Du darauf, ob Du den Eindruck hast, dass sie überfordert sind. Frag sie doch, Kinder sind ganz ganz, manchmal gar schockierend ehrliche Menschen :) :) :)


    Zwar wiederholt aber für mich enorm wichtig: Ich bin kein Profi oder so und hab vielleicht nicht den geringsten Schimmer. Nimm Dir nichts an, was Dir erscheint, als wäre es unsinnig. Falls Dich meine Kommentare stören, bitte ich Dich, mir das offen und ehrlich zu sagen. Manchmal - so sagt meine Erfahrung - komme ich so Oberlehrermäßig rüber, hab noch nicht den Blick dafür entwickelt, wann das der Fall ist. Also weis mich bitte darauf hin, wenn ich Dir das vermittle.

    Du steckst in einer ganz ganz komplizierten Lage, aber ich bin mehr als zuversichtlich, dass Du das wirklich gut bewältigen wirst. Weil Du Dich für mein Verständnis früh genug der Thematik stellst, statt sie zu tabuisieren.

    Ganz Liebe Grüße,
    A.