Beiträge von Carl Friedrich

    Die Armeslänge ist für mich wirklich schwervorstellbar

    Der Begriff ist sinnbildlich zu verstehen und nicht in Zentimetern zu messen.


    Oder anders formuliert: Obwohl ich jetzt mehr als 8 1/2 Jahre abstinent bin, kann ich leider nicht versprechen, nie mehr zu trinken. Ich kann nur versichern, mich intensiv zu bemühen, es nicht mehr zu tun.


    Ich habe keine Angst vor dem Alkohol, nur Respekt. Damit mein Problem nicht ausser Sichtweite gerät, bin ich regelmäßig hier, um es mir wie in einem Spiegel vorzuhalten. Ich habe von so einigen Rückfällen erfahren, die darauf zurückzuführen waren, dass sich irgendwann der Gedanke einnistete, man könne ja wieder wie ein Normaler etwas trinken. man sei ja schließlich schon soooo lange clean. Meist erfolgte dies nach Vernachlässigung der sog. Trockenarbeit, ich nenne es Abstinenztraining.

    Wenn ich jedes Mal Sauf Gedanken fertig denken würde, würde ich Hof und Tor für weitere neue Gedanken öffnen.

    Nicht nur Hof und Tür für neue Gedanken, sondern diese auch gleich mal in die Tat umsetzen, weil der Betroffene ja schon so lange clean ist, dass er jetzt wieder 1-2 Gläser Wein/Bier/Schnaps genießen kann, wie es früher vor dem abhängigen Saufen mal gewesen ist.


    Dieses angebliche Zu-Ende-Denken ist für mich nichts anderes als ein Sprungbrett in den Rückfalll, dann aber gleich mit Salto und anschließendem Bauchplatscher. Diese Saufgedanken sind toxisch. Jedes weitere gedanklche Befassen mit ihnen bringt mich näher an die Flasche. Nicht die Vertiefung der Saufgedanken, sondern deren Vertreibung qua anderweitiger Beschäftigung mit Dingen, die mir etwas Positives geben, ist mein vielfach selbst ausgestetes Mittel der Wahl. Und ruck-zuck sind die Saufgedanken wie weggeblasen.

    Maeron : Aus Deinen Zeile lese und höre ich nur eins: Die Stimme der Sucht. Dein glänzendes Suchtgedächtnis möchte Dich anscheinend weich kochen und zum Saufen animieren. Wie das endet, weißt Du genau. Ein Alkoholiker wird niemals in der Lage sein, auf Dauer kontrolliert, in Maßen und Zufriedenheit wie ein Normaler was zu trinken.


    Diese Erkenntnis gewann ich im Rahmen meiner Therapie recht schnell. Geholfen haben mir die Schilderungen von Rückfälligen, die meinten, nach längerer Zeit seien sie geheilt und könnten mal wieder 1-2 Drinks (Bier, Wein, Schnaps oder Mischgetränke) konsumieren. Relativ schnell, beim Stabilsten dauerte es ca. 1/2 Jahr, waren alte Schlagzahlen und noch darüber erreicht.

    In unseren Träumen verarbeiten wir unser Leben und dazu gehörten nunmal auch die Jahre des aktiven Alkoholismus dazu.


    Mittlerweile nehme solche gelegentlichen Träume nur noch zur Kenntnis und das war es auch schon. ich habe gelernt, mit ihrem gelegentlichen Auftauchen klar zu kommen. Sie lösen bei mir am nächsten Tag kein Verlangen nach dem Alkohol aus.


    Und danke für Deinen Beitrag. Er zeigt mir, dass ich auch noch in vielen Jahren mit ihnen zu rechnen habe.

    So einen großen Suchtdruck, dass ich jegliche Impulskontrolle verliere, kann ich mir bei mir nicht vorstellen.

    Du hast doch (unbewusst) Dir selbst die Antwort gegeben:

    meine Suchtstimme meldete sich, um die Trinkabstände zu verkürzen und die Trinkmenge zu erhöhen.

    Es ist ein und dieselbe Stimme, die Dich zum Saufen animieren will.


    Steter Tropfen höhlt den Stein, heißt es so schön im Volksmund.


    Unterschätz nicht Dein nach wie vor glänzendes Suchtgedächtnis. Bei mir meldet es sich immer wieder, die Abstände wurden immer größer, auf unterschiedliche Art und Weise. Mal sanft umschmeichelnd, aber auch rabiat und brutal.

    Mein nächstes Ziel ist es Alkoholgeschenke gar nicht mehr anzunehmen, weil es nicht mehr zu mir passt.


    Dann lass Dir schon im Vorhinein die passende Antwort einfallen. Oder mach den möglichen Gebern vorher klar, dass Du keinen Alk mehr trinkst und auch keine Alk-Geschenke wünschst.


    Dann könnte die Frage aufkommen nach dem "Warum"? Dann kanst Du Dir besser jetzt schon überlegen, ob und wen Du einweihst.

    Meine Gefährdung ist, dass ich eines Tages meine Trinkerei klein rede und meiner Stimme Gehör schenke, das doch alles gar nicht so schlimm war und das Aufhören so einfach war, dass ich es jeder Zeit wieder kann.

    Das ist für so manch einen der Rückfallgrund, getoppt noch von dem Gedanken, man sei jetzt so lange trocken, jetzt könne man doch wieder wie ein Normaler etwas trinken. Gerade letzteres habe ich mehrfach von Leuten gehört oder gelesen, die nach mehrjähriger Abstinenz einen Rückfall hatten.


    Erst lässt man die Trockenarbeit schleifen, dann verblassen die Erinnerungen an die Spätphase der Sauferei, im Hirn hat sich später der Gedanke eingenistet, irgendwann ginge doch noch mal was mit dem Stoff, so dass die eigene Abstinenz unter einem späteren Trinkvorbehalt steht.

    Was ich dagegen tue? Mich regelmäßig mit meinem Problem befassen, damit es nicht vor meinem geistigen Auge mehr und mehr in den Hintergrud gedrängt wird. Alein schon durch das Aufrufen dieser Seite halte ich mir selbst einen Spiegel vor und reflektiere es. So wie ich regelmäßig ins Fitnesstudio gehe, so "trainiere" ich hier an meinem Problembereich.

    Kenne mich da super aus. Als ich reduzieren wollte, habe ich mal mein Bier in den Keller gestellt. Du glaubst ja gar nicht, wie flott man fünfmal am Abend in den Keller wetzen kann. War so schlau, gleich im Keller eins auf ex zu ziehen, bevor ich das nächste mit hoch habe. Sonst hätte ich noch öfter rennen müssen.

    Das kenne ich auch von mir. Unten aber gleich 2 Pullen rein, hatte ja schließlich Durst.

    Aber ich will zumindest schauen, warum ich mal in diese Sucht reingerutscht bin.

    Meinem Therapeuten ist dies bei mir nicht gelungen, da es die einzelne und dominante Ursache nicht gab. Mein Abgleiten in die Flasche war das Ergebnis eines multikausalen Geschehens. Mehrere Umstände haben in ihrer Summe zu dem Ergebnis geführt.


    Oder wie es Moderator Hartmut für sich so schön formuliert: "Einfach zu viel getrunken und dann den Absprung nicht geschafft." Das nehme ich auch für mich in Anspruch.

    Ich persönlich denke, dass man aus diesem ganzen Sumpf aus Sucht, anschließender Depression und dem Lebenswandel nur mit sehr viel Wille, Veränderung und gutem Support System (Freunde, Familie, Therapie etc.) rauskommt. Dafür muss man eben was tun, Sei es Sport, Meditation oder "gesunde" Hobbies. In dem Sinne, immer dran bleiben

    Das unterschreibe ich sofort.


    Viel Glück auf Deinem Weg, insbesondere an den Tagen, an denen die eigene Motivation mal nicht so toll ist. Dann findest Du hier rasch Ansprechpartner.

    Kennt das jemand, dass Nüchternheit nicht nur per se Glückseeligkeit verspricht, sondern immer wieder mit (lohnenswertem) Kampf und Zwang verbunden ist?

    Kampf? Nee, wer kämpfen muss, hat noch viel vor sich. Zwang? Meinst Du Saufdruck? Ja, den kenne ich zur Genüge, gerade in den ersten beiden Jahren hatte ich häufig welchen. Die Abstände wurden gottlob immer größer. Wer die ersten Drucksituationen gemeistert hat, merkt schnell, dass so ein Druck nie lange andauert und was dagegen zu tun ist.

    Ist halt keine Grippe und selbst Syphillis dürfte gesellschaftlich akzeptierter sein.

    So ähnliche Gedanken hatte ich in der Anfangszeit auch, wenn auch nicht in Verbindung einer Geschlechtskrankheit. Da spricht die Scham über Dich selbst. Auch das legte sich mit der Zeit. Heute bin ich mit mir und meiner nicht spürbaren Krankheit im Reinen. Es ist halt so wie es ist.

    Aber wann tritt das Gefühl "Trocken seit …" umfänglich ein?

    Was meinst Du? Wann Du das Stadium der zufriedenen Abstinenz erreicht haben wirst? Letzteres ist mehrdeutig. Zufrieden, da trocken oder ein zufriedenes Leben?


    Du hast jahrelang getrunken, der Körper ist relativ schnell entgiftet, sofern Du Dir keine schweren Schäden an den inneren Organen und Nerven angesoffen hast. Aber bis das Hirn wieder normal tickt, das dauerte bei mir auch eine Weile, mehr als eine Handvoll Tage.


    Ich behaupte mal so als Richtschnur pi mal Daumen. Das erste Jahr ist das schwerste, später wird es leichter, auch mental.

    Nimm es geduldig hin, Abstinenz ist eher ein Ultra-Marathonlauf als ein Kurzstreckensprint, um einen kleinen Ausflug in die Welt der leichtathletik zu unternehmen.

    Ich habe zu Hause am Fenstern Bank , Schlumbergera

    Da habe ich doch glatt den Namen einer österreichischen Sektmarke gelesen und verstanden und dachte, seit wann sind die im Blumengeschäft. Ist ja halt ein Alkoholiker- und kein Botanikerforum.


    Nach googlen habe ich es dann geschnallt. Kannte den Namen der Pflanze bislang nicht. An mir ist allerdings auch kein Gärtner verloren gegangen.

    An reinem Heroin stirbst Du nicht. An Kokain ebenfalls nicht. Und auch nicht an reinen anderen harten Drogen.

    Ich habe das mal hierher gezogen. Diese Ansicht teile ich nicht.

    Alles nur eine Frage der Dosis, Stichwort "Goldener Schuss".:wink:

    Aber das ist letztlich hier im Forum nicht entscheident, hier geht's um Alkohol.

    Es gibt für mich keinen einzigen Grund mehr zu trinken. Ich habe ausgetrunken.

    "Ausgetrunken" ist wirklich schön formuliert. Das werde ich mal bei Gelegenheit für mich übernehmen.

    Ich hoffe, das Dein Entschluss auch noch in ein paar Monaten und Jahren Bestand hat und sich nicht irgendwann mal der Gedanke breit macht, es gehe doch nach so langer Zeit noch mal was mit dem Alkohol. Vor diesem Gedanken habe ich Respekt.

    Hallo!


    8 Monate sind schon etwas, worauf Du stolz sein kannst. Verbesserungsmöglichkeiten gibt's immer.

    Da ich Dir insweit keinen "klugen Rat" erteilen kann, möchte ich lediglich auf meine Vorgehensweise hinweisen.


    Ich konnte erst aussteigen, als ich bereit war, meine Abstinenz und somit meine Gesundheit an erste Stelle zu setzten und ihr alles andere unterzuordnen. Und dazu gehört es für mich, nicht als Fahrer für feier- und trinkfreudige Personen zu fungieren. Wenn ich zu einer Veranstaltung gehe, dann bin ich ausschließlich für mich und ggf. meine Frau verantwortlich und nicht für Dritte. Ich komme und gehe, wann ich es für richtig halte. Andere sind für sich verantwortlich. Diese Last kann, will und werde ich nicht für sie übernehmen.


    Das hat den großen Vorteil, dass ich, wenn ich merke, ich fühle mich unwohl, und sei es, weil andere einfach zu viel in sich hineinschütten, mich jederzeit und ohne Rücksicht auf Dritte entfernen kann.

    Das klingt erst mal wenig emphatisch, ist jedoch für mich und meine Abstinenz wesentlich.


    Auch gehe ich nach mehr als 8 1/2 Jahren immer noch nicht zu Veranstaltungen, auf denen der heftige Konsum von Alk im Vordergrund steht. Das halte ich im Kopf nicht aus und da gehöre ich einfach nicht mehr hin. Und wenn die Veranstaltung immer alkohollastiger wird, bin ich eh weg.


    Ach so, die Wasserglasnummer ist gut, ich wende sie auch an. Ich sehe nur zu, dass mir niemand noch etwas in die womöglich freie andere Hand drückt, z.B. ein Sektglas. Letzteres kann schnell passieren.


    Also weiterhin Augen auf, alles andere ist eine Frage der Übung und der Gewöhnung. Viel Glück dabei.

    Das Suchtgedächtnis verwendete bei mit unterschiedliche Taktiken. Mal sanft umschmeichelnd im zuletzt geschilderten Sinne, mal rabiat und forsch. Bislang konnte es noch kein Unheil bei mir anrichten.

    Wichtig war für mich, mir diese unterschiedlichen taktischen Manöver bewusst zu machen, um gewappnet zu sein.

    Auch ich habe in den ersten Jahren mein Suchtgedächtnis direkt angesprochen, wenn es mal wieder erschien. Mir hat es damals geholfen.

    Diese "Grüße" vom Suchtgedächtnis wurden mit der Zeit immer seltener und die Abstände deutlich größer. Nach 2-3 Jahren lagen dann mehrere Monate dazwischen, mittlerweile sind es eher Jahre. Aber auch das zeigt mir, dass ich nie "über den Berg" sein werde.

    Weiterhin gutes Gelingen.

    Die Beraterin fragte, ob es ggf. für mich gut wäre, einen Abschied vom Alkohol zu zelebrieren, also nochmal letztmalig mit dem Bewusstsein des Abschieds vom Alkohol, etwas zu trinken.

    Als ich den Entschluss fasste aufzuhören, trank ich mich über mehrere Tage langsam herunter. Am letzten Abend bin ich dann bei 4 Flaschen Bier und einem halben Wasserglas Obstler gelandet. Was ich damit ausdrückem möchte: Die Methode wäre wohl nur etwas für Ausstiegswillige, die noch trinken.

    Für alle anderen verstehe ich den Sinn nicht. Warum soll der frisch Abstinente noch mal neu mit dem Saufen beginnen? Aufgabe der Therapeutin wäre es, den Neuling zu unterstützen, den neu eingeschlagenen Weg fortzusetzen und die beginnende Abstinenz zu festigen. Dafür bedarf es keines bewusst geplanten Rückfalls, denn etwas anderes wäre der Abschiedssuff ja gerade nicht.

    Ich kenne nur den Brief an den Alkohol, mit dem sich der bereits Entgiftete im Rahmen einer Therapie von seinem Gift mental verabschiedet. Aber das ist etwas ganz anderes, als so ein Rückfall-Abschiedssuff.