Beiträge von Carl Friedrich

    ich will aber den Suchtdruck vermeiden

    Da bin ich gespannt, wie Du das bewerkstelligen willst. Gelegentlicher Suchtdruck gehört für viele Aussteiger aus dem Alk einfach dazu, nur die Abstände werden immer größer. Bei mir ist es schon mehr als 2 Jahre her, eher 3.

    setzen auf Zeit und den Suchtdruck unterdrücken

    Und ich muss gar nichts unterdrücken. Wenn er denn mal wieder um die Ecke kommt, bin ich gewappnet und weiß, was zu tun ist, damit er ins Leere läuft.

    Ins Leere laufen lassen, das ist meine Devise. Suchtdruck entspringt dem Suchtgedächtnis, ausgelöst durch äußere oder innere Schlüsselreize. Das Suchtgedächtnis lässt sich leider nicht komplett dem eigenen Willen unterordnen, so sehr wir es uns auch wünschen mögen.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Die klare Erkenntnis, quasi zum anfassen, dass es ohne Lebenslange Abstinenz nicht funktioniert.

    Das ist genau der Punkt, den ich schon seit Jahren als wichtig heraus streiche: "So lange irgendwo im Hirnkasten noch der Gedanke herumgeistert, irgendwann gehe doch noch mal was mit dem Alkohol, so lange wird das nichts mit der zufriedenen Abstinenz." Dieser Gedanke führt letztlich dazu, dass die eigene Abstinenz unter Vorbehalt steht.

    Und wenn ein Rückfall diesen dummen Gedanken vertrieben haben sollte, dann war der Rückfall durchaus nützlich.

    Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer es sein kann, diesen dämlichen Gedanken aus dem Kopf zu verbannen. Anfangs habe ich auch geglaubt, nach 1 Jahr ohne Alk sei ich so gesundet, dass ich wieder ein Normaler etwas trinken kann. Geholfen haben mir die Kontakte zu Rückfälligen in meiner ambulanten Therapie, das Studium von Fachliteratur und dieses Forum hier.

    Kopf hoch Hanseat, es geht weiter. Du stehst nicht bei null wie ein Neuling, Du kannst schon auf die Erfahrungen des ersten Jahres zurückgreifen. Der Rest ist Feinarbeit.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Nicht aus Angst sondern weil es mir nicht guttut bei einer trinkenden Gesellschaft dabeizusitzen und mitzubekommen wie im Laufe der Zeit das normale Niveau immer tiefer sinkt.Irgendwann wäre ich dann sowieso verschwunden.

    Du machst es für Dich genau richtig, nennt sich Risikominimierung.

    In meinem ersten Jahr der Abstinenz, ich bin mittlerweile im achten angelangt, wäre ich nicht zu dem Treffen gegangen.

    Mit zunehmender Dauer der Abstinenz wurde ich routinierter und weiß mittlerweile, wie weit ich gehen kann. Andererseits bin ich sofort weg, falls ich anfange mich unwohl zu fühlen.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Das schrieb ich heute im Grünen Bereich des Forums, bin aber der Meinung, es passt irgendwie besser hier hinein:

    Gestern gab es ein kleines Treffen der Nachbarschaft. In der einen Ecke saßen die Trinkfreudigen, in der anderen die Nicht- oder "Moderattrinker". Wie selbstverständlich, ohne nur eine Sekunde nachzudenken oder gar zu zögern, begab ich mich zu Letzteren. Als die Trinkerfraktion dank des angestiegenen Alkoholpegels immer lauter und ihre Gespräche sichtlich niveauärmer wurden, zog ich mich zurück und ging nach Hause.

    Ich bin schon weit voran gekommen. Früher hätte ich bei den Zechern gehockt und mich voll laufen lassen. Heute schreckt mich schon die Vorstellung, jedoch nicht aus Angst vor einem Rückfall, sondern wegen der Szenerie als solche. Das ist nicht mehr meine Welt, da gehöre ich defintiv nicht zu.

    Die Gäste, bei denen ich saß, fragten mich nicht, ob und warum ich nicht mittrinke, sie boten mir nichts an, für sie war der Nichtkonsum etwas völlig Normales. Sie hatten es nicht nötig, andere zum Trinken zu animieren, um ggf. ihr eigenes Saufen zu kaschieren.

    Ansonsten geht's mir gut.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo!

    Herzlich willkommen und Glückwunsch zu deinen richtigen Schritten.

    dass ihr auf Widerstand gestoßen seid ? Weil die Veränderung nur bei einem selbst statt gefunden hat ?

    Ich nenne es nicht Widerstand. Bei vielen Beziehungen zu Trinkzeiten war doch in Wirklichkeit der Alkohol das Bindeglied. Fällt der weg, endet häufig, nicht immer, die jeweilige Beziehung. Denn weiter so wie früher, nur ohne Alk, das funktioniert meistens nicht.

    Ich führe nach mehr als 7 Jahren Abstinenz ein völlig anderes Leben wie früher. Zu alten Saufkumpanen ist der Kontakt eingeschlafen und das schon im ersten Jahr.

    Ich habe nur noch Kontakt zu Leuten, die gar nicht oder nur gelegentlich und moderat etwas trinken und zwar so wie ich es in den letzten Jahren meiner Trinkperiode nie konnte. Und es geht mir richtig gut damit. Ich will nie mehr zurück an den Punkt, von dem ich hergekommen bin.

    Du erlebst den typischen "Schock" nach einer stationären Therapie, die ja unter einer abgeriegelten Dunstglocke erfolgte. Jetzt begegnet Dir das reale Leben, das Du nicht mehr durch den Boden einer leer getrunkenen Flasche betrachten darfst (ist nicht vorn mir, sondern aus Alk von Borowiak).

    Lies Dich hier ein, geh regelmäßig zur Nachsorge und such Dir ggf. auch eine "analoge" SHG.

    Weiter alles Gute

    wünscht Carl Friedrich

    Mundspülungen, die alkoholfrei sein müssen

    Ich habe keine Mundspülungen missbräuchlich getrunken :wink:

    Ich weiß noch nicht mal, ob in meiner überhaupt Alkohol enthalten ist, da ich sie nur zum Spülen benutze. Und wenn Alk darin ist, steht noch gar nicht fest, ob es sich um den einwertigen (uns betreffenden) oder den mehrwertigen Alk handelt, der uns kalt lässt.

    Ich wüsste auch keinen Grund, warum meine behandelnden Ärzte nichts von meiner Alkoholkrankheit wissen dürfen

    Es ist die alte Leier hier im Forum. Es gibt Herrschaften, die sehr offen damit umgehen und andere, zu denen ich zähle, die exakt die einweihen, die es im konkreten Einzelfall auch was angeht. Und die suche ich mir immer noch selbst aus. ;)

    Was geht's den HNO an, der meine Gehörgänge säubern darf oder den Hautarzt, der mal eben z.B. 'ne Warze weg schnibbelt? Exakt gar nichts, da die konkrete Behandlung davon nicht mal ansatzweise tangiert ist.

    Ich bin mit meinem restriktiven Kurs zufrieden und unfallfrei unterwegs. Ergo habe ich für mich wohl alles richtig gemacht.

    Da hier vornehmlich Neuankömmlinge aktiv sind, habe ich diese Zeilen zum Zweck des Nachdenkens geschrieben, damit sie ihren eigene Vorgehensweise finden, zu der sie dann auch stehen können und vor allem mit ihr auch zufrieden sind. Und das lässt sich sicherlich unterschiedlich handhaben.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Da ich zumeist im Grünen Bereich unterwegs bin, ziehe ich meinen allgemeinen thread mal nach oben.

    Bei mir läuft auch im 8. Jahr alles nach Plan. Nur ganz gelegentlich kommen mal dezente Trinkgedanken auf, die rasch verworfen werden können.

    denke bitte daran, dass Alkoholiker ein schnelleres Abklingen von Schmerzmittel haben

    Das las ich heute woanders im Hinblick auf zahnärztliche Behandlungen. Meine Zahnärztin habe ich nicht eingeweiht. Ihre Betäubungen wirken lange, da musste noch nie was nachgespritzt werden.

    Bei mir weiß es nur mein Hausarzt, der mir ja auch die Therapienotwendigkeit attestiert hatte. Gehe ich zu einem Orthopäden, Hautarzt oder HNO Doc falle ich dort nicht mit dem Bemerken zur Türe rein: "Gestatten, trockener Alkoholiker." Warum auch? Nur wenn sich mir die Notwendigkeit einer Einweihung im konkreten Einzelfall im Hinblick auf eine bestimmte Behandlung erschließt, schreite ich zur entsprechenden Tat.

    Nur nach einer Darmspiegelung fiel mir auf, dass ich sogleich nach Abklingen der Betäubung topfit war, während andere dann schon mal "in den Seilen hängen". Das dürfte mit meiner früheren Sauferei zusammen hängen.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Trotzdem an alle eine kleine Warnung, so eine Reise ist nicht zu unterschätzen, die kann einiges von einem selbst abverlangen.

    Hallo Nika!

    Ja, das unterschreibe ich sofort. Leider macht so manch ein Neuling bei diesem Thema schnell dicht, weil er sich selbst massiv überschätzt.

    Ich bin nach ca. 1/2 Jahr das erste Mal gefahren, allerdings in eine Ferienwohnung, deren Kühlschrank nicht mit Alkohol voll gestopft war. Da hatte ich auch ein paar Situationen zu überstehen, aber insgesamt war es bei weitem nicht so heftig wie von Dir beschrieben.

    Deine Erkenntnisse und Erfahrungen machen Dich für die Zukunft reicher und Du weißt beim nächsten Mal, worauf besonders zu achten ist.

    Die Abstinenz ist auch ein Prozess der persönlichen Reifung mit Höhen, Tiefen, Rückschlägen, Herausforderungen, Belastungen, jedoch auch mit wunderschönen Momenten, die einem im Suff nie begegnet wären, da sie wirklichkeitsnah und nicht alkoholisch kontaminiert genossen werden können.

    Alles Gute

    wünscht

    Carl Friedrich

    Das eben ist das Fazit, daß man Alkoholismus eben nicht an Äußerlichkeiten festmachen kann.

    Meistens nicht, aber in einzelnen schweren Fällen schon.

    Wichtig erscheint mir, mal genau bei der betreffenden Person hinzuhören, irgendwie wird von ihr bei privaten Gesprächen gerne das Thema Alkohol und dessen Konsum angesprochen. Bei so was werde ich schnell hellhörig. Das sind für mich Zeichen zumindest für einen riskanten Konsum, der ja häufig in die Krankheit einmündete.

    „zufriedene Abstinenz“ verwirrte mich anfangs auch!

    Bis ich begriff, daß NUR die Abstinenz gemeint ist, mit der ich zufrieden bin, ungeachtet meiner anderen Lebensumstände.

    So ist es. Mittelbar wirkt sich die Abstinenz jedoch auch aus, nur so bin ich in der Lage, meine Probleme zu erkennen und sie zu lösen., was dem Alkohol niemals gelingen wird.

    Unter Alkohol werden sie nur vernebelt, temporär betäubt, um dann im "verkaterten" Zustand umso heftiger zu drücken.

    Gruß vom zufrieden abstinenten

    Carl Friedrich

    Hallo Bolle!

    Jeder sollte seinen persönlichen Kurs finden.

    Wenn Du mit Deinen Begriffen klar kommst, ist für Dich alles im Lot.

    Ich pflege mittlerweile zu sagen, dass ich schon seit Jahren keinen Alkohol mehr konsumiere/trinke. Nähere Ausführungen gibt es dazu nicht. Es fragt jedoch auch niemand nach, zumal mein Auftreten und meine Ausstrahlung klar signalisieren dürften, dass ich mich nicht ausfragen lasse. 8)

    Falls doch mal jemand nachhaken sollte, ich weiß schon gar nicht mehr, wann es das letzte Mal war, gibt's den Hinweis, dass es mir ohne Alk bedeutend besser geht, ich ihn nicht mehr vertrage und das Thema damit für mich erledigt ist, weil der Alkohol für mich absolut uninteressant ist.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Und zum Thema Alkoholiker sag ich,wenns denn jemand wissen will:ich bin trockener Alkoholiker.

    hört sich für mich besser an....

    Wenn Du damit klar kommst, ist das genau Dein Weg und Du machst für Dich alles richtig.


    und ist nicht so sehr mit der Denke vieler Zeigenossen verbunden

    Das verstehe ich nicht. Welche Zeitgenossen sollen was denken und warum passt eine bestimmte Denkweise nicht zu Deinem Kurs?

    Gruß

    Carl Friedrich

    Glückwunsch zum ersten Jahrestag.

    Ja, das kenne ich mit dem Arzt. Ich habe mich gleich zu Beginn, ok nach ein paar Wochen, komplett durchchecken lassen incl. einer Darmspiegelung.

    Ich bin diese Woche gleich zweimal zum Grillen eingeladen

    Da hoffe ich mal, Du hast bis dahin genügend Biss. :wink:

    Zum Thema Grillen an sich: Mach Dir im Vorhinein klar, dass sich ggf. Suchtdruck einstellen kann und was Du dann machen willst. Gute Vorbereitung ist die halbe Miete, so war es bei mir. Immer, wenn ich mir die Möglichkeit sich einstellenden Suchtdrucks in bestimmten Situationen durchgespielt habe, blieb er anschließend aus.

    Dann mal alles Gute und viel Spaß beim Grillen.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Die Verzichts-Gedanken kommen inzwischen nur noch selten, aber sie kommen noch vor

    Hallo!

    Was sollen denn Verzichtsgedanken sein?

    Ich verzichte seit Jahren auf Alkohol und bin zufrieden abstinent.

    Auch denke ich darüber nach, auf den weiteren Konsum von Süßkram zu verzichten, auch das beuruhigt mich in keinster Weise.

    Ferner verzichte ich auf den Erwerb eines teuren Autos oder einer Kreuzfahrt oder einer Luxusuhr. Ja und? Das berührt mich nicht.

    Könnte es sein, dass Du Dich gelegentlich selbst bedauerst, keinen "Stoff" mehr zu Dir zu nehmen?

    Der Weg in die zufreidene Abstinez verläuft häufig in 3 Phasen:

    1.) ich darf nicht trinken.

    2.) Ich will nicht trinken.

    3.) Ich brauche nicht zu trinken.

    Ich bin in Nr. 3 angekommen und ich befürchte, wer noch den Nichtkonsum betrauert, ist noch in Phase 1 stecken geblieben.

    Allerdings dauerte es bei mir schon ein paar Jährchen bis ich in Stufe 3 angelangt bin.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Die Lösung heißt für mich dann, mich mehr und mehr früheren Situation aussetzen nur eben ohne Alkohol

    Solche "Übungen" sollten erst erfolgen, wenn die eigene Abstinenz gefestigt ist, sonst ist das Risiko der persönlichen Überforderung und letztlich des Rückfalls zu groß.

    Ich kann nur davon abraten, auf Gedeih und Verderb das eigene Suchtgedächtnis zu provozieren. Weiter leben wie früher, nur ohne Alk wird leider bei vielen nicht funktionieren. Ich habe da schon einige Rückfälle beobachten können, wenn die Probanden die nötige Distanz zum Suchtmittel nicht einhielten. Abstinenz ist ein langer Prozeß, der funktioniert nicht von jetzt auf gleich. Wir haben jahrelang gesoffen, da sollten wir die nötige Geduld aufbringen, den Alk erst mal auf Distanz zu halten.

    Ich bin anfangs gefährlichen Situationen so gut es eben ging, aus dem Weg gegangen.

    Gruß

    >Carl Friedrich

    Hallo!

    In der Anfangszeit springt das Suchtgedächtis schnell an, wenn man in Situationen kommt, der früher mit dem Konsum von Alk verbunden waren. Wenn der Sommer länger dauert und Du noch ein paar Male dort anstehst, wirst Du irgendwann gar nicht mehr an den Alkohol denken. Der entsprechende Automatismus wurde dann überschrieben. Das Suchtgedächtnis ist halt wie eine Software, die sich nicht deinstallieren, sondern nur überschreiben lässt, dennoch zuckt es dann und wann noch mal und kann einen irritieren oder gar durchschütteln. So erging es zumindest mir.

    Wenn Du das auf dem Schirm hast, fällt es Dir zukünftig leichter.

    Beispiel aus meiner Vergangenheit: Früher habe ich zwischen Saunagängen gerne meine 2-3 Weißbiere getrunken, heute sind die mir in der Sauna so was von egal. Mein Hirn hat kapiert, dass eine Sauna nicht mehr mit Weißbier verknüpft ist. Jedoch kann es durchaus sein, dass sich der Gedanke an ein solches Bier irgendwann mal wieder in der Sauna einstellt.

    Gruß

    Carl Friedrich