Beiträge von Carl Friedrich

    Heute Nachmittag gönne ich mir ein großes Stück Torte, ist ja auch was und freue mich schon total drauf :mrgreen:

    Dann mal guten viel Vergnügen. Ich achte darauf, dass ich keine klassichen Alk-Torten bestelle, die zuvor in Schnaps getränkt wurden. So ein Stück Torte könnte dann mächtig triggern.

    Früher habe ich mich am Sonntag auf das nachmittägliche Weißbier gefreut, heute auf ein gutes Stück Kuchen. So ändern sich halt die Zeiten.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Die ersten Monate sind am schwierigsten. Das neue abstinente Leben sucht noch die richtige Fahrspur. Der Blick ist noch zu alkoholzentriert. Ich nehme heute nach knapp 6 Jahren den Alkohol in fremden Körben oder Wagen nur noch beiläufig wahr. Es dauerte aber seine Zeit.

    Dieser Gedanke wird durch das Suchtgedächtnis befeuert. Man sieht nur die angeblich schönen Seiten am Trinken und nicht, dass ein Alkoholiker im Gegensatz zu einem Normalo, nicht nach einem Glas einfach aufhören kann. Nennt sich Kontrollverlust.

    Es ist viel leichter für mich gar nicht zu trinken, als nach1 Glas aufzuhören.

    Mir hat mal ein cleaner Polytox erläutert: "Wenn ich jetzt nachgebe, dann fängt die ganze Schei... wieder von vorne an." Recht hat er.

    Je länger Du abstinent lebst, desto leichter fällt es dir.

    Vielleicht kannst Du damit was anfangen.


    Gruß
    Carl Friedrich


    Gerade der Hunger war und ist für mich immer besonders gefährlich.

    Hallo!

    Ja, er kann durchaus Trinkverlangen auslösen. Auch helfen regelmäßige Malzeiten dabei, das eigene Gewicht zu regulieren. Sozusagen 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. :wink:

    Zu den Malzeiten immer noch ausreichend Wasser und schon stimmt das Tagesfundament.

    Es sind so einfache Dinge, die uns weiter helfen.


    Gruß
    Rekonvaleszent

    Hallo Twizzler!

    An deinen Namen kann ich mich noch erinnern.

    Ich lebe jetzt seit knapp 6 Jahren unfallfrei abstinent. Wenn ich in der ganzen Zeit eines gelernt habe, dann dass es unterschiedliche Wege aus dem Griff des Alkohols gibt, so wie es verschiedene Gründe für ein Abgleiten in die Sucht existieren. Die Schwierigkeit besteht halt darin, den geeigneten zu finden.

    Für mich wären die AA nichts, bei dir scheint's ja zu passen. Dann hast Du für dich alles richtig gemacht.

    Vielleicht warst Du bei deinen früheren Versuchen einfach noch nicht so weit.

    Alles Gute wünscht
    Carl Friedrich

    Kleiner Nachtrag: In heutigen Corona-Zeiten haben es Neueinsteiger schon schwer. Ich konnte damals wenigstens noch die ambulante Therapie in Gruppenform nebst vorheriger Vorgruppe besuchen. Das dürfte momentan schwierig sein.

    Noch ein paar Fachbücher: "Lieber schlau als blau" von Lindenmeyer; "Alk" von Borowiak. Ich halte die beiden Werke gerade für den Anfänger als sehr geeignet. Ich würde mit dem Borowiak beginnen.

    Was hast du dann gemacht, wenn dein Sucht Gedächtnis Belohnung bzw. Betäubung durch Alkohol gefordert hat? Was war dein Ersatz?

    Anknüpfen an Dinge, die mir vor meiner Saufzeit Freude bereitet haben, um mich abzulenken. Dazu habe ich in der Anfansgzeit viel gelesen, hier im Forum, als auch in Büchern aus Therapeuten- und Patientensicht. Daneben habe ich eine ambulante Therapie besucht.

    Mir wurde zum Glück schon sehr rasch vermittelt, dass solche Trigger zum Trinken nur kurz andauern.
    Folgende Punkte haben mir geholfen:

    Erst mal inne halten. Evt. sind es ganz ganz profane Dinge wie Hunger oder Durst. Gegen Hunger hilft essen und gegen den Durst Minaralwasser, am besten mit viel Kohlensäure. Haut man sich davon einen 3/4 l zügig rein, ist zumindest das unmittelbare Verlangen nach Alk erst mal gebannt.

    Das sofortige Befassen mit Beschäftigungen, die einem Spaß machen.

    Ggf. ein sofortiger Ortswechsel. Eine andere Umgebung setzt erst mal neue Reize und man verlässt die Gefahrenzone.

    Kontaktaufnahme mit Vertrauensperson: Partner; Freund; Teilnehmer einer analogen SHG, das Forum.

    Laufschuhe an und raus in die Natur, rennen, joggen, zügiges Gehen, aber nicht in Richtung der nächsten "Tränke". Alternativ auf's Fahrrad und anständig kurbeln.

    Bei mir ganz nützlich, mich selbst innerlich zur Ordnung rufen, indem ich mir sage :"Halt! Stopp! Da stimmt was nicht, denn ich will saufen!"
    Ich halte mir selbst vor: "Gebe ich jetzt nach, fängt die ganze "Sch..." wieder von vorne an."

    Suchtdruck dauerte bei mir nie stundenlang, sondern war meist binnen einer Stunde, meist in weniger als 30 Minuten verflogen.

    Nur beim allerersten Mal wurde ich einen ganzen Nachmittag lang gleich mehrfach gepiesackt. Das war bislang jedoch ein Einzelfall.

    Soweit ich informiert bin, wurde bislang fast jeder abstinente Alki irgendwann mal von Suchtdruck heimgesucht. Bei mir vornehmlich dann, wenn ich in Situationen komme, in denen ich früher getrunken habe. Aber auch das legte sich mit der Zeit. Habe ich mir vor der Situation z.B. einem Restaurantbesuch oder dem ersten abstinenten Urlaub genau ausgemalt, dass Druck sich aufbauen kann, ja dann kam er erst gar nicht vorbei.

    Schlimmer ist es in den Anfangsmonaten, als ich ein paar Male unvorbereitet überrascht wurde. Da half mir nur ein sofortiger Ortswechsel.

    Gruß
    Carl Friedrich


    Heute zum Beispiel war ich bei schönstem Wetter den ganzen Tag draußen und hab viel geschafft. Und prompt kommt der Gedanke "da hast du dir heute Abend den Wein aber wirklich verdient". Aaargh!! Dieses Sucht Gedächtnis!

    Hallo!

    Das Belohnungstrinken ist mir nur zu gut bekannt, genau so wie das Stress-Trinken. Einen Grund habe ich immer gefunden.

    Das Suchtgedächtnis verband halt schöne Situationen immer mit dem anschließenden Genuss von Alkohol. Diese Verknüpfung gilt es zu durchbrechen. Das dauert eine Weile und geht nicht von jetzt auf gleich.

    Das Suchtgedächtnis funktioniert wie ein Art Software, die in unserem Hirn aufgespielt ist. Leider ist sie in einem Teil des Hirns gespeichert, der sich mit dem Willen allein nicht immer steuern lässt. Diese Software läst sich auch nicht deinstallieren, sondern muss durch ein anderes und besseres Programm überschrieben werden. Dennoch zuckt die alte Software ab- und an und bringt das neue Programm ins Ruckeln.

    Das neue Programm beinhaltet, dass schöne oder stressige Situationen nicht zeitnah mit Alk belohnt oder betäubt werden. Durch die ruckelige Übergangsphase musste ich auch durch. Da war ich beileibe kein Einzelfall.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Herzlichen Glückwunsch!

    Leider wird das Gesamtbild für mich durch die andere gefährliche Sucht etwas getrübt. Ich bin immer wieder erstaunt, dass es Herrschaften gelingt, sich vom Alkohol zu befreien, nicht jedoch vom Nikotin.

    Mir fiel das Aufgeben der Qualmerei um ein Vielfaches leichter, als die Finger vom Alk zu lassen. Eines Abends habe ich mir, nachdem auch der letzte Glimmstängel aufgequalmt war, beschlossen, es ab sofort sein zu lassen. Bin da nur einmal an einem Abend rückfällig geworden und das war es dann. Ist jetzt schon ungefähr 9-10 Jahre her.

    Hast Du denn vor, noch mal einen Angriff zu starten?

    Gruß
    Carl Friedrich


    Ich esse definitiv zu viel Zucker. Früher übrigens nicht, als ich noch getrunken habe. Ist wohl eine Art Suchtverlagerung.

    Hallo!

    Dein Körper ist von dir voll auf Zucker programmiert worden. In der Saufzeit hat er die Mengen Alkohol erst mal in Zucker verstoffwechselt. Und genau nach dem verlangt jetzt dein Körper. :wink:

    Du bist beileibe kein Einzelfall. Das geht und ging mir genau so. Auch habe ich es von vielen Mitstreitern gehört und gelesen.

    Was mache ich jetzt dagegen: Ich habe ihn reduziert. Kuchen und Süßigkeiten gibt's nur noch als Ausnahme, also eine Art Kontrolliertes Schlemmen. Bei Süßigkeiten gelingt es mir, beim Alkohol gelang es mir nie.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Thena!

    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.

    Ich habe in deinem Alter noch keinen Gedanken über meinen zu hohen Alkoholkonsum verschwendet und noch jahrelang weiter gesoffen. Von daher bist Du heute viel weiter als ich damals war.

    Gruß
    Carl Friedrich


    Ich habe große Angst, wieder in dieses "Hamsterrad" aus Überforderung und Stress zu geraten, denn dann wird der Drang, Alkohol zu trinken, stärker werden. Und ich will nicht mehr trinken ... nie wieder. Ich brauche Strategien, damit es nie wieder so weit kommt.

    Hallo Mari!

    Eine für alle gültige Strategie, nicht mehr zu trinken, kenne ich nicht. Es dürfte sie auch nicht geben, da wir alle nun mal unterschiedlich sind. Wer bei Stress gerne zur Flasche griff, um sich zu beruhigen, der sollte andere Rituale zum Runterkommen finden, z.B sich mal besinnen, was einem wirklich Freude bereitet und Ablenkung und Zerstreuung bietet.

    Mir hat es bei Stress immer geholfen, die Natur aufzusuchen. Da gibt es kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. :wink: Zu Beginn meiner Abstinenz habe ich mir gerne meine Fahrrad geschnappt und bin 'ne Stunde kräftig gestrampelt. Oder aber regelmäßig zum Training gehen. Ein paar Übungen lassen sich auch daheim erledigen und dann 'ne große Runde durch die Gegend drehen (nur nicht in Richtung der nächsten Tränke, an der man sich früher eingedeckt hat). Mich bringt das immer runter.

    Ein kluger Kopf hat mal zutreffend formuliert: "Sorgen Sie dafür, dass es Ihnen gut geht." Da steckt alles drin, auch für dich Mari.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Ein wirklich offener und ehrlicher Brief, den ich bisher nicht kannte. Er wurde ja auch zu einer Zeit verfasst, als ich noch 9 Jahre Saufen vor mir hatte. 2006, damals war ja das Sommermärchen, hätte ich im Traum nicht daran gedacht, die Finger vom Stoff zu lassen.

    Das Verfassen eines Abschiedsbrief an den Alkohol wurde in meiner ambulanten Therapie nahegelgt, ich habe es nie in die Tat umgesetzt, hätte es aber niemals so schön wie Micha formulieren können.

    Zum Thema Suchtverlangen: Mir erklärte mal jemand, der als Polytox mehrere Jahre clean war, das er bei Suchtverlangen, das sich bei ihm nur bezüglich Cannabis und nicht bei Alk einstellte, obwohl er auch kräftig gesoffen hatte, sich stets in Erinnerung zu rufen: "Wenn ich jetzt nachgebe, fängt die ganze Schei... wieder von vorne an."

    Das hielt ihn clean. Mich hat der Satz beeindruckt.

    Gruß
    Carl Friedrich


    Wie fies diese Krankheit ist. Unfassbar. Da wird so ein schöner Moment im Nullkommanichts zunichte gemacht. Das hat mich echt für paar Stunden total aus der Fassung gebracht. Ich hatte keinen Saufdruck deswegen, ich war nur so unglaublich wütend auf diesen Gedanke...
    Aber letztendlich zeigen mir genau solche Gedanken und Situationen wie ernst es ist. Wie weit diese Krankheit schon fortgeschritten ist. Und letzten Endes bin ich froh, dass ich mich eben nicht gebeugt habe.

    Hallo!

    Das war ein "netter" Gruß vom Suchtgedächtnis, das auch nach Jahren der Abstinenz prima funktioniert. Stell dich darauf ein, dass es sich noch öfter meldet, gerade in den ersten Jahren. Die Abstände werden zum Glück immer länger, mich lässt es seit der Weihnachtszeit 2019 in Frieden. Das heißt aber nicht, dass es sich bei irgendeiner sich bietenden Gelegenheit doch wieder in Erinnerung ruft. :wink:

    Warum hat es sich bei dir gemeldet? Hast Du früher erfreuliche Nachrichten z.B. von einem Doc stets mit einem Glas begossen? Dann hast Du wahrscheinlich schon die Lösung. Erfolg verbindet das Suchtgedächtnis dann mit Alkohol und schon fing es an, Kapriolen zu schlagen.

    Das Suchtgedächtnis funktioniert -etwas verallgemeinert und einfach formuliert- wie eine Software auf dem Computer, die sich nicht löschen, sondern nur überschreiben lässt. Dennoch ist sie weiterhin vorhanden. Mit der Zeit lernt dein Hirn, dass bestimmte Ereignisse wie Erfolge bzw. Misserfolge nicht wie früher zeitnah zum Alk-Konsum führen. So erging es mir. Ich bin jetzt knapp 6 Jahre unfallfrei dabei.

    Bei mir meldete es sich immer dann, wenn ich früher in vergleichbaren Situationen getrunken habe. Diese unmittelbare Verknüpfung muss erst mal im Kopf gelöst werden. Aber das dauert und klappt nicht in wenigen Wochen.

    Der Vorteil für dich liegt darin, dass Du wieder was gelernt hast und einen Trigger erfolgreich abgewehrt hast. Das macht dich für die Zukunft stärker und besser.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo sunshine!

    Bis August ist noch ein halbes Jahr hin. Da fließt noch viel Wasser den Rhein runter, wie man in unseren Breiten so schön zu sagen pflegt.
    Da das nun mal die Hauptreisezeit in ganz Europa ist, haben wir uns für eine frühzeitige Buchung entschieden, aber mit Reiserücktrittkostenversicherung. Und wir nehmen das Auto und bleiben auf dem Festland. Ich halte es für ein kalkulierbares Risiko.

    In die Region eurer Zweitwohnung traute ich mich in dieser Zeit und ohne vorherige Impfung auch nicht.


    Ich glaube, wir brauchen nun wirklich noch einen sehr langen Atem...und viele weitere unverschuldete Pleiten werden damit einher gehen. Auch wegen der versemmelten Impferei...

    Ja, das stimmt, obwohl Pannen meistens doch einen Schuldigen/Verantwortlichen haben, der diese natürlich von sich weist und schön zu reden versucht. :wink:

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Sunshine!

    Danke für deine Ausführungen, ja uns geht es noch verhältnismäßig gut. Ich halte es mir täglich vor Augen, nur so komme ich halbwegs durch den Lockdown.


    Und die Kinder brauchen auch öfters Hilfe bei den Aufgaben, Eltern und Großeltern sind aber keine Pädagogen, und das merke ich selbst auch stark.

    Mir erklärte es mal eine Mathepauker von meinem Nachwuchs: Er könne seine eigenen Kinder nicht unterrichten und hat einen Kollegen für Mathe-Nachhilfe angeheuert. Warum? Er ist emotional zu nahe dran, es fehlt ihm die nötige sachliche Distanz und das merken die lieben Kleinen sofort und reagieren entsprechend. Oder wie heißt es bei den Juristen: "In eigener Sache ist man der schlechteste Anwalt."

    Zur Politik und der Verantwortung für das Impfdesaster: Da möchte ich eigentlich gar nichts mehr schreiben, außer: Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte. Da steht die wichtigste Entscheidung der letzten Jahrzehnte für unser Land an und man verzettelt sich im kleinen Karo in der EU. Man sieht es schon in einer Eigentümergemeinschaft einer Wohnungsanlage. 27 Eigentümer ( 27 Staaten) unter einen Hut zu kriegen, das ist 'ne aufwendige, zeitintensive und kniffelige Angelegenheit.

    Und jetzt wird gejault, aber Engländer, Israel und Amerikaner haben schon im Juli ihre Hausaufgaben erledigt, die EU bestellte erst im November. Man kann es mit einem Restaurant vergleichen. Die EU kam als Letztes in das gut gefüllte Restaurant, ergatterte den letzten freien Tisch und bestellte nach ausgiebiger und langatmiger Diskussion. Dann wird lautstark reklamiert, dass der Kellner zunächst die Gäste bedient, die früher gekommen sind.

    Ich schaue schon abends keine Politiksendungen mehr, weil mir das nicht gut tut. Ich habe auch meine Frau gebeten, mich abends nicht mehr mit Politik zu belästigen.

    Ich mache das jetzt wie zu Beginn meiner Abstinenz nach der 1-Tagesmethode: Ich halte mir morgens vor Augen, das es mir im Vergleich zu vielen anderen noch gut geht.Ich schaue auf mich, ich habe Arbeit, mein Geld kommt pünktlich und mit dieser Einstellung komme ich einigermaßen durch diese schwere Zeit

    Ja, das Reisen. Es fehlt mir auch, ich kann nicht mal den studierenden Nachwuchs besuchen fahren. Andererseits war ich einfach mal "mutig" und habe für den August ein Häuschen am Meer reserviert. Ich mache mir jetzt noch keine Gedanken, ob das auch klappt. Falls nicht, dann ist es halt so.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Mein heutiges positves Erlebnis: Ich führte ein Gespräch mit einer jungen Mutter von 2 Söhnen ( 4 und 6 J.). Kindergarten und Schule beide zu.

    Der große Bruder ist bei der Oma, die ihm als Rentnerin (die hat es wenigstens mal gelernt) jetzt das Schreiben und das 1x1 beibringen darf. Der Kleine ist bei der anderen Omi, da er den Großen nicht in Ruhe lernen lässt, sondern permanent zu ihm will.

    Das tägliche Logistikpensum ist herausfordernd. Dann steht noch die Endkontrolle des Lernpensums durch die Eltern an und gleichzeitig werden online die nächsten Aufgaben besorgt.

    Beide Kinder sind erkennbar nicht ausgelastet: Es fehlen die Spielkameraden im Kindergarten und der Klassenverbund der Grundschule. Sie können sich auch nicht im Kreis Gleichaltriger in Pausen und in der Sporthalle austoben, das holen sie dann nachmittags und vor allem daheim lautstark nach.

    Ich spüre zwar auch eine lockdown bedingte Einschränkung meiner Lebensqualität, insbesondere im Freizeitbereich. Aber mir geht's im Vergleich zu der o.a. jungen Dame verdammt gut. Ich höre von Gleichaltrigen oder noch Älteren viel Gejammer über Corona, bemerke jedoch sofort, es handelt sich zumeist um reine Luxusprobleme.

    Abgesehen davon, dass für einen Herrn im fortgeschrittenen Alter ein Gespräch mit einer jungen Dame eine erfreuliche Abwechselung ist :wink: , hat sie mich mit wenigen Worten auf den Boden der Tasachen zurückgeholt.

    Am Ende des Gesprächs habe ich mich bei ihr ausdrücklich bedankt und ihr mitgeteilt, wie gut mir Ihre Ausführungen getan haben, und wie klein im Vergleich zu ihr, die Einschränkung meiner Freizeitqualität ist.

    Es schadet sicher nicht, sich das einfach mal vor Augen zu halten.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Roselia!

    Erst mal Glückwunsch zu der raschen Einsicht und dem positiven Beitrag. Das ist ein anständiger Schritt nach vorne.


    Da hat er geschluckt und ENDLICH begriffen, dass es für mich NICHT funktioniert weniger oder nur am Wochenende zu trinken.

    Wichtig erscheint mir, ihn darauf hinzuweisen, dass Alkoholismus eine Einbahnstraße ist (Begriff stammt aus dem Film Der Trocken Doc). Es gibt kein zurück in ein früheres Stadium, als Du noch moderat und gelegentlich was trinken konntest. Das wird dir nie mehr möglich sein. Es wäre sehr förderlich, deinen Mann auf diesen Umstand zu sensibilisieren. Das betrifft dann förmliche Anlässe wie Geburtstage, Jubiläen, Feiern -wenn wir mal wieder dürfen- Feiertage, Urlaub.. sprich alle Anlässe, an denen gerne mal einer getrunken wird. Er, aber auch Du selbst, sollte nicht auf die Idee kommen, dir was anzubieten, weil man womöglich der Auffassung ist, Du seist wieder bei null und könntest jetzt wie ein Normalo mal was trinken.

    Aufgrund solcher Anlässe ist schon so manch ein Rückfall entzündet worden.

    Wie sieht es mit dem Alk Konsum deines Mannes aus? Trinkt er in deiner Gegenwart daheim? Auch das wäre erst mal kontraproduktiv, ebenso das Horten von Alkohol im Haushalt.

    In den Grundbausteinen wird ein alkoholfreier Haushalt befürwortet, und das nicht ohne Grund. Hattest Du einen schlechten Tag oder bist einfach mal nicht gut drauf und Schmacht auf einen Drink kommt auf, dann ist der Weg zur Flasche nicht weit. Müsstest Du dich dann erst mal auf den Weg zu einem Alk-Dealer machen, hättest Du in der Zwischenzeit reichlich Zeit, deine Gedanken kritisch zu hinterfragen, um ggf. umzukehren und dem Trinkverlangen Einhalt zu gewähren.

    Gruß
    Carl Friedrich

    @Sunshine: Den Ausdruck mit dem Hausieren habe ich mal vor mehreren Jahren ( 2015 oder 2016) gebraucht und er war unsachlich und überzogen. Das Du das immer noch auf dem Schirm hast :wink:

    Heute führe ich richtigerweise -ich bin ja lern- und entwicklungsfähig- aus: Wen mal alles einweiht, das entscheidet der Proband ganz alleine, die einen ziehen den Kreis sehr weit, andere -wie ich- halten sehr überschaubar. Und das muss ein jeder für sich austesten, was ihm am besten hilft. Da gibt es keine allgemein gültige Regel.

    Und zu den sonderbaren Ausdrücken, ich habe noch ein paar auf Lager :smiling_face: werde ich mal zu gegebener Zeit in meinem thread was schreiben. Das ist halt eher eine Art Wortspiel, da ich nun mal ein Zeitgenosse bin, der gerne mal hinter die Kulissen schaut und Dinge kritisch hinterfragt. Und nicht jeder Ausdruck im Zusammenhang mit unserem Thema ist so gewählt, dass er mich überzeugt. Aber das ist eher was für Leute, die schon ein paar Jahre am Ball sind.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Das war mal wieder ein herrlich erfrischender Beitrag von Sunshine, die ich im Übrigen seit Jahren sehr schätze, auch wenn wir nicht in allen Punkten auf einer Wellenlänge liegen. Übrigens: Das schaffe ich ja nicht mal mit meiner Frau :wink:

    Roselia, Du steckst noch in der Startphase in dein abstinentes Leben. Mach dir jetzt in den ersten Monaten nicht zu viele Gedanken über Begrifflichkeiten und akzeptiere sie erst mal so wie sie sind, um deinen Weg aus der aktiven Phase der Sucht zu finden.

    Du hast die ersten Bücher gelesen, das ist schon mal 'ne prima Sache. Ich kann noch empfehlen: "Lieber schlau als blau" von Lindenmeyer.

    Ich bin anfangs gut mit der 1-Tages-Methode gefahren: Morgens nach dem Wachwerden habe ich mir autosuggestiv geschworen: "Heute trinke ich nichts." So kommt dann ein Schritt zum nächsten. Der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt, den Du bereits gemacht hast.

    Über Sinn, Zweck und Richtigkeit von gewissen, ich sag mal "sonderbaren" Ausdrücken, mit denen Alkoholkranke gerne belegt werden, kannst Du dir Gedanken machen und sie mal kritisch hinterfragen und beleuchten, wenn Du stabil abstinent bist. Das dauert aber eine ganze Weile, bei mir mehr als 1 Jahr. Aus heutiger Sicht meine ich sogar, dass meine Stabilität so richtig erst nach 2-3 Jahren einsetzte.

    Deine ganze Denke im Oberstübchen wird sich verändern, ebenso der Blickwinkel auf dich selbst, deine Fehler, deine positiven Eigenschaften, deinen Job, dein Umfeld..... Gib dir die Zeit, zu dir selbst zu finden, um wie Pellebär es absolut richtig herausgestellt hat, dich selbst zu akzeptieren und zwar so wie Du bist.

    Wenn Du diese Stabilität erreicht hast, ich nehme sie für mich in Anspruch, hast Du immer noch genug Zeit und Muße, mal über gewisse Begriffe zu sinnieren.

    Von daher waren meine Ausführungen von gestern, zu denen ich inhaltlich stehe, für dich momentan zu früh. Damit solltest Du deinen Kopf in dieser Anfangsphase der Abstinenz nicht belasten. Du bist alkoholkrank. Daran gibt es nichts zu rütteln. Und allein Du trägst die Verantwortung, ob Du so weiter lebst wie zuvor oder dich, wie es hier schon viele geschafft haben, aus dem Klammergriff des Alkohols lösen kannst. Gute und wirklich brauchbare Ratschläge findest Du hier in Hülle und Fülle.

    Für mich war es sehr wichtig zu erkennen, dass es kein zurück in eine frühere Phase vor dem Abgleiten in die Sucht geben kann. Sehr hilfreich waren mir in diesem Zusammenhang die Ausführungen von Rückfälligen in meiner ambulanten Therapie, die mir eindrucksvoll schilderten, ich habe ihre Gesichter auch heute noch nach mehr als 5 Jahren vor meinen Augen, wie schnell sie wieder bei alten Schlagzahlen oder darüber landeten.

    Auch kann ich dir den Mehrteiler "Der Trocken Doc" ans Herz legen." Google mal, in irgendeiner mediathek wird sie sicherlich noch von zu finden sein.

    In den ersten Wochen meiner Abstinenz hatte ich noch irgendwo im Hirn den Gedanken rumspuken, irgendwann geht doch noch mal was mit dem Alkohol. So lange der Gedanke noch vorhanden ist, wird es schwer mit einer dauerhaften Abstinenz. Ich musste lernen, dass dieser Gedanke, der ja nur Ausdruck eines diffusen Gefühls ist, letztlich ein Trugschluss ist. Anschließend lief es bei mir leichter und besser.

    Alles Gute
    wünscht Carl Friedrich