Beiträge von Carl Friedrich

    Carmen :

    Es hat bei mir eine Weile gedauert, bis mich der Alkoholkonsum anderer nicht berührte, sicherlich mehr als nur 1 Jahr. Wenn ich merke, das mich der Konsum anderer stört, dann gehe ich raus aus der Gefahrenzone, was aber schon lange nicht mehr vorgekommen ist. Allerdings bewege ich mich nicht mehr in Kreisen starker oder regelmäßiger Trinker.

    Im Übrigen reagieren die Menschen nun mal sehr unterschiedlich, was den einen kalt lässt, ist für den anderen brandgefährlich, z.B. Alkohol in Soßen oder der oft genannte Balsamico bzw. Weinessig. Mich triggert das Zeug nicht, andere womöglich schon. Auch habe ich auf dem Schirm, dass es für mich nicht ewig so bleiben muss, sondern plötzlich ein Essig anfängt, mein Suchtgedächtnis Kapriolen schlagen zu lassen. Jedoch bemühen wir uns stets um eine alkoholfreie Zubereitung unserer Speisen.

    Im Übrigen habe ich Bier, Schnaps und gelegentlich Wein im Übermaß gesoffen und keine Saucen oder Essigdressing. :wink: Mein Suchtgedächtnis verbindet offensichtlich ein Dressing nicht mit Alkoholkonsum wie ich ihn betrieben habe. Bei anderen, insbesondere den ehemaligen Weinfreunden womöglich schon.

    Oder vergleichen wir es mal mit dem momentanen Virus: Ca. 80% haben nach Feindkontakt keine oder nur leichte Symptome, andere verschlägt es gar auf die Intensivstation oder gleich ins Grab.

    Du siehst, unserere Reaktionen sind so verschieden wie unsere Charaktere oder Körper. Oder nenne es einfach "Zufall" oder "Laune der Natur."

    Gruß
    Carl Friedrich


    Du ja, andere nicht, deswegen ist es so schwierig die richtige Entscheidung zu treffen. Besonders bei den Kneipen sehe ich es problematisch. Saufen entfernt alle Sinne und man verhält sich eben nicht nach den Regeln.

    Danke Hartmut.

    Ja, der Alkohol, den hat ja auch der bay. MP offen als Problem für ein distanziertes Verhalten genannt, so erst letzte Woche. Und bei den Öffnungen habe ich auch nicht die Kneipen im Blick :grinning_squinting_face:

    Gruß
    Carl Friedrich


    Es muss einem aber immer bewusst sein, dass der Alkohol ständig in einem Versteck lauert und nur darauf wartet wieder zuzuschlagen.

    Hallo!

    Der Alkohol lauert nirgends. Der Alkohol ist völlig inaktiv. Damit er uns gefährlich wird, müssen wir aktiv auf ihn zugehen und ihn konsumieren. Dein Vergleich ist daher ungenau.

    Was Du meinst, ist das sog. Suchtgedächtnis, das einem vorgaukeln möchte, wie schön es doch wäre, etwas zu trinken. Bei mir hat es sich gemeldet, als ich in Situationen kam, in denen ich früher getrunken habe.

    Im Hirn gibt es bei frisch Abstinenten noch die Verknüpfung zwischen einer bestimmten räumlichen, sachlichen oder persönlichen Situation auf der einen Seite und dem Griff zum Glas auf der anderen Seite.

    Diese Verknüpfung zwischen Situation und dem Gedanken an den Stoff gilt es aufzulösen. Das Suchtgedächtnis funktioniert ähnlich einer Software, die sich nicht ganz deinstallieren, sondern nur überschreiben lässt. Ab- und an sticht es dennoch gerne mal hervor.

    Das klingt zwar etwas abstrakt, trifft die Situation jedoch genau, zumindest bei mir.

    Auf die Ratschläge von Karsten nehme ich Bezug. Ablenkung ist m.E. ein ganz wichtiger Schritt, dem Suchtgedächtnis erfolgreich zu begegnen.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Es gibt m.E. weder einen Plan A, noch einen Plan B. Wo soll der Plan herkommen? Es gibt hier eine Art grundsätzliche Anleitung der Grundbausteine, die schon vielen geholfen haben. Das ist doch schon mal eine Orientierung.

    Hast Du denn von den AA -ich war dort noch nie und kenne sie aus persönlicher Anschaung nicht- keine Telefonnummern der übrigen Teilnehmer, um mit denen zu kommunizieren? Oder aber per I-net?

    Die jetztige Zeit der drastischen Beschränkung unserer Sozialkontakte nervt mich auch, aber sie bringt mich -hoffentlich- nicht an die Flasche zurück.

    Lenk dich doch einfach ab: Versuche es mal mit Spazieren, Joggen, Radfahren, Heimwerken, Malen ..... Hauptsache eine Tätigkeit, die dich fordert und halbwegs ausfüllt. Grab alte Englisch-Vokabeln aus und wiederhole und vertiefe sie, das mache ich seit letzten Herbst mit großer Freude.. Lies Texte auf englisch, und übersetze sie. Es darf auch eine andere Sprache sein.

    Treib etwas Sport, Dehungsübungen, Liegestütze, Hanteltraining und anschließend 2 Stunden raus an die Luft.

    Oder gehörst Du zu den Zeitgenossen, die gerne duch andere wie in einem AI-Hotel rund um die Uhr bespaßt werden müssen/wollen? Also Herrschaften, die unbedingt und permanent andere um sich herum haben müssen? Die haben es momentan in der Tat schieriger, aber zu denen gehöre ich nicht, da ich schon immer in der Lage war, mich sinnvoll zu beschäftigen.

    Daher besinne dich, was dir wirklich Freude machen kann und probier es einfach aus. Nur rumhängen bringt dich nicht weiter, sondern verschlechtert deine Gemütslage. Sei aktiv und nicht passiv. :wink:

    Gruß
    Carl Friedrich

    Danke für die Glückwünsche.

    Pellebär : Es stimmt, ich lasse mich nicht beirren und habe meinen Weg gefunden, der nicht deckungsgleich mit den hier propagierten Grundbausteinen ist. Jedoch ist er mit meinen ehemaligen Therapeuten und Suchtmediziner abgestimmt. Zwar wurden mir deswegen hier und da in diesem Forum Vorhaltungen gemacht. Aber die interessieren mich nicht. Ich weiß, wer ich bin, woher ich komme, wo ich nie wieder hin will und was ich kann. So einfach ist das :wink:

    Mittlerweile stehe ich auf dem Standpunkt, es gibt mehrere individuelle Wege aus der Sucht, die m.E. nur dann von Erfolg gekrönt sein können, wenn sie folgende Grundregeln beachten:

    a) das erste Glas stehen lassen;

    b) nicht dem Alkohol hinterher zu rennen;

    c) sich gedanklich von ihm zu lösen, dass nicht noch irgendwo im Hinterstübchen des Hirns noch klandestin der Gedanke vorhanden ist, irgendwann gehe doch noch mal was mit der Droge;

    d) sich ausreichende anderweitige Beschäftigungen zu suchen, die einen ausfüllen.

    @sunshine Ja, Familien mit schulpflichtigen Kindern haben es ungleich schwerer als ich, das stimmt schon. Eltern können die Lehrer häufig nicht ersetzen. Mir hat es mal ein ehemalige Mathe-Lehrer meines Sohnes erklärt: "Ich kann meinen Kindern keine Nachhilfe erteilen. Das geht nicht." Warum? Eltern sind emotional zu nahe an den Kindern dran. Der Lehrer ist es als Außenstehender gerade nicht.

    Und den Kontakt zu Gleichaltrigen benötigen die Kinderlein auch in ihrer Entwicklung. Den können Geschwister nur z.T. ersetzen.


    Ansonsten sehe ich mit Spannung dem 06.05. entgegen, wenn die Obrigkeit sich zu räuspern gedenkt, ob und ggf. welche Lockerungen sie uns generös einräumen. Glücklicherweise machen ihnen hier und da schon die ersten Gerichte einen Strich durch die Rechnung. Wohl gemerkt: Ich bin als erwachsener Mensch, der seine Sinne zumindest halbwegs beisammen hat, in der Lage, die Risiken einer Tröpfeninfektion intellektuell zu erfassen und mich entsprechend distanziert und hygienisch einwandfrei zu verhalten, um die Risiken auf ein für mich erträgliches Maß zu reduzieren.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Jetzt bin ich 5 Jahre dabei.

    Mein Fazit: So normal wie früher das Saufen, ist für mich jetzt, keinen Alkohol zu konsumieren. Er hat in meinem Leben einfach keine Bedeutung mehr.

    Ich bin mir bewusst, dass ich mit Alkohol nicht umgehen kann. Ja und? Das berührt mich nicht mehr.

    Gleichwohl weiß ich, dass mich sicherlich noch mal Saufdruck heimsuchen kann bzw. wird. Da bin ich auf der Hut.

    Ansonsten nerven mich gelegentlich die momentanen äußeren Begleitumstände, auf die ich jedoch keinen Einfluß habe. Es dauert halt ein paar Minuten, bis das Oberstübchen gegensteuert und die Emotionen in die Schranken verweist.

    So lange es keinen Impfstoff oder ein Medikament gegen die Seuche gibt, werde ich mit vielen Einschränkungen vorlieb nehmen müssen. Ob es mir gefällt oder nicht. Auf die Erfahrungen aus meiner Abstinenz kann ich jetzt besonders bauen. So wie ich es gelernt habe, meine Erkrankung zu akzeptieren, so muss ich jetzt meinen Frieden mit der momentanen Situation machen, sonst erhalte ich keinen.

    So, genug gejammert auf hohem Niveau, der Blick geht nach vorn.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Und ich glaube auch nicht an die immer wieder angesprochene Individualität auf abstinenten Wegen.
    So individuell war das Saufen nicht, und so individuell sind die Wege aus der Sucht ebenso nicht.
    Ich denke, die individuellen Wege können erst später wieder begangen werden, wenn man erstmal ein stabile Trockenheit aufgebaut hat und weiß, wo die eigenen Trigger liegen etc.

    Hallo!

    Die ersten beiden Sätze passen nicht zu Satz 3. Das beinhaltet für mich einen gedanklichen Widerspruch.

    Die Gründe für ein Abrutschen in den Alkoholismus sind durchaus unterschiedlich. Es handelt sich m.E. um ein multikausales Geschehen, wobei einzelne Ursachen bei uns allen durchaus vergleichbar sind.

    Und es gibt durchaus unterschiedliche Wege und Vorgehensweisen, um sich aus dem aktiven Teil des Alkoholismus zu verabschieden.

    Jedoch gilt bei allen Wegen der oberste Grundsatz, das erste Glas stehen zu lassen.

    Das Austesten eigener Wege, gemeint dürfte sein, sich in Situationen zu begeben, in denen andere -und man selbst früher auch- Alk konsumieren, sollte tatsächlich erst erfolgen, wenn man eine gewisse Grundfestigkeit aufgebaut hat, was sicherlich nicht in wenigen Tagen möglich ist.

    Dringend abzuraten ist von der Verwirklichung des Wunsches, schon nach kurzer Zeit an alkoholträchtigen Veranstaltungen teilzunehmen und dem Alk sozusagen noch hinterher zu laufen.

    Aber das muss ein jeder selber wissen, ich kann nur meinen Weg aufzeigen, was andere dasmit machen, bleibt ihnen überlassen.

    Ich habe meinen Weg gefunden, auch wenn er nicht 1:1 mit den hier häufig genannten Grundbausteinen übereinstimmt. Er hat mich bislang clean gehalten.


    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Ja, marianee, es sind so Kleinigkeiten, die schon etwas bewirken können wie der Platzwechsel. Deine Tochter wäre oder ist doch sicherlich von deinem Entschluss, dein Problem zu beheben, angetan. So was ist doch sicherlich Motivation pur.

    Auch finde ich es gut, dass deine Frau zum Essen auf den Wein verzichtet hat, um dich nicht zu reizen.

    Dein Beitrag hat mir gut gefallen, weiter so. Du bist auf dem richtigen Weg.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Danke Cadda, so ist es.

    Und jetzt schau ich mal nach vorne. Mich hat momentan der Spargelhunger gepackt. Da werde ich mal morgen zuschlagen.

    Früher bestand beim Spargel für mich im Vordergrund, welchen Wein ich dazu nehme, heute ist mir das so was von wurscht. Ich denke da eher an ein gutes Stück Fleisch und einen leckeren Nachtisch.

    Ach so, zu trinken gibt es auch was: Wasser mit etwas Zitrone, Ingwer und ein paar Blättern marokk. Minze.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Liebe Leute,

    Ich habe nichts gegen die App. Wir leben in Deutschland in einem, in manchen Teilen sogar überregulierten, Rechtsstaat. Eine Überwachung à la China oder DDR lassen hier weder unsere unabhängigen Gerichte, die Datenschutzbeauftragten und gewisse Parteien, die sich dem Datenschutz besonders verpflichtet fühlen und daher klagen werden, zu.

    Ich kann mit eurer Schwarzmalerei nichts anfangen und das ist noch sehr höflich formuliert :wink:

    Gruß
    Carl Friedrich


    aber man hört schon oft, dass viele über alkoholfreies Bier im Rückfall gelandet sind.

    Diese Plörre habe ich früher schon mal in meinen Saufpausen getrunken. Nach einer gewissen Zeit war ich von Aussehen, Farbe, Geruch und Begleitumständen so angetörnt, dass ich zur Tanke rannte, und mir was Richtiges holte. Und ich bin beileibe kein Einzelfall, auch wenn ich jemanden kenne, der sich damit unfallfrei seit Jahren behilft. Aber das dürfte eher die viel zitierte Ausnahme von der Regel sein.

    Mein Tipp: Hände weg von dem Zeug!

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Besonders gerne meldete sich mein Suchtgedächtnis in den ersten Monaten, als ich in Situationen kam, an die sich früher der Konsum anschloss, z.B. erst Sport, dann ein paar Weißbiere. Fußball im TV und schon erfolgte der Griff zur Bierflasche. Nachmittags auf einem gemütlichen Platz in der Sonne sitzend, schon wurde Weißbier geordert. Stressiger Tag im Büro, Kühlschranktür auf und her mit der Pulle.

    Diese Autumatismen galt es zu durchbrechen. Das dauerte zwar eine Weile, aber heute verbinde ich mit den genannten Ereignissen gerade keinen Alk-Konsum mehr.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Das hier als Unterbewusstsein bezeichnet wird, ist das sog. Suchtgedächtbnis, das immer noch glänzend funktioniert.

    Ich konnte mich erst befreien, als ich bereit war, meiner Abstinenz absoluten Vorrang im Leben einzuräumen und ihr nahezu alles unterzuordnen.

    Dazu gehörte insbesondere, in den ersten Monaten riskanten Situationen bewusst aus dem Weg zu gehen.

    Parallel dazu habe ich viel gelesen und zwar in Werken aus Patienten-, als auch aus Therapeutensicht.

    Die besten Anstrengungen nützen jedoch nicht allzu viel, solange irgendwo im Oberstübchen im Verborgenen noch der Gedanke herumgeistert, irgendwann gehe doch noch mal was mit dem Alkohol. Diesen Gedanken konnte ich erst während meiner ambulanten Therapie vertreiben, nachdem ich Kontakt mit mehreren Rückfälligen hatte, die ebenfalls dem Trugschluss erlegen waren und es nur eine Frage der Zeit war, bis sie wieder bei alten Schlagzahlen oder darüber angelangt waren.

    Auch das Thema Trockenarbeit ist m.E. sehr wichtig. Nach meiner Therapie gab mir ein erfahrener Suchtmediziner mit auf den Weg: "Den ersten Schritt in Richtung Rückfall macht man dann, wenn man sich nicht mehr regelmäßig mit der Krankheit befasst." Das muss nicht täglich sein, auch die Art und Weise ist jedem selbst überlassen, z.B. übers Internet, durch den Besuch einer analogen SHG, durch dieses Forum .....

    Gruß
    Carl Friedrich

    Ich werde mir das nicht auf die Stirn schreiben und jedem mein Schicksal erzählen.
    Ich habe mir allerdings geschworen, dass ich mir meine Krankheit vor Augen halten muss.

    Das sehe ich genau so. Ich habe nur diejenigen in Kenntnis gesetzt, die es was angeht und denen ich auch andere schwere Erkrankungen mitteilen würde. Der Kreis wurde bewusst sehr überschaubar gehalten.

    Ich weiß, dass es hier im Forum Herrschaft gibt, die den Kreis der Eingeweihten sehr weit gezogen haben. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen.

    Zu dem Schwur: Mir wurde nach Ende meiner ambulanten Therapie mit auf den Weg gegeben: "Den ersten Schritt in Richtung Rückfall macht man, wenn man sich nicht mehr regelmäßig mit der Krankheit auseinandersetzt."

    In welcher Form diese Auseinandersetzung erfolgt, ist jedem selbst überlassen z.B. Besuch einer analogen SHG, dieses oder andere Foren....

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Mir sind die Ausführungen zur App zu apokalyptisch und zur politischen Situation zu abwegig.

    Ich bin nicht der Meinung, dass Deutschland neben Niederlande, Finnland und Österreich für alle Probleme in und um Europa herum allzuständig ist. Aber das ist eine rein politische Frage, die m.E. nichts mit dem Anliegen dieses Forums zu tun hat, die Abstinenz zu erhalten. Und nur um letzteres sollte es hier gehen.

    Ich bitte darum, dies zu respektieren. :smiling_face:

    Gruß
    Carl Friedrich