Beiträge von kamarasow

    Hallo Forum und Fadenleser,

    wollte nur ein paar Grüße hinterlassen. Ich trinke keinen Alkohol. Ob es mir gut geht? Hm, die Probleme des Lebens sind noch da. Aber ich kann mich ihnen stehts nüchtern stellen. Das Belohnungssystem läuft, soweit ich das einschätzen kann, wieder normal. So ein Blick in die Natur, die Zufriedenheit nach dem Sport, ein schönes Buch, die Familie,... Das ergibt wieder Sinn und macht zufrieden. Auf langweilige normale Art und Weise.

    Beim Klicken des Fadens war ich erstaunt, wie viele Aufrufe es mittlerweile gab. Ich hoffe, es hat einigen geholfen da raus zu kommen. Wenn ich ehrlich bin, traue ich mich kaum den Krams in der harten Zeit vom Anfang nochmal zu lesen. Wer weiß wieviel alkoholvernebelter Unsinn, Schwafeleien und eigener Horror da niedergeschrieben wurde.

    Ich hoffe, diejenigen die mich noch kennen geht es soweit ganz gut. Man wird ja nicht jünger :S

    Carl Friedrich Sorry, ich werde wohl schreibfaul bleiben. Sei nicht böse.

    Thalia1913 Die Bücherliste wird immer größer. Zuletzt war Marquez dran. Kannst du was klassisches, vielleicht als Geheimtip, empfehlen?

    Grüße

    Karamasow

    Hallo Hartmut,

    hm, ich könnte es nicht zweifelsfrei beantworten. Vielleicht von beidem etwas.

    Hallo Carl Friedrich,

    der Rückfall war nicht der Grund. Eher kein Interesse an dem Thema. Im Grunde wie du schreibst: Vernachlässigung und dann Risikosituation.

    Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, da gibt es keine Gedanken dazu. Davon befreit würde ich mich auch nicht bezeichnen. Ist man von diesen Gedanken als Alkoholiker überhaupt jemals befreit?

    Ich mache nichts anderes. Habe noch den gleichen fordernden Job.

    Gruß

    Hallo zusammen,

    mich gibts noch und ich trinke nichts. Es sind fast 7 Jahre. Der Saufdruck ist nicht komplett weg, nur sehr in den Hintergrund gerückt und meldet sich sporadisch in den typisch arbeitsbedingten Stresssituationen, die man zum Anlass nahm, um früher zu trinken. Etwas rennen zu gehen hilft mir. Nur für mich selbst, ohne Wettkampf und kleine Strecken. Das beruhigt Körper und Geist.

    Letztes Jahr im Frühjahr habe ich ein Glas Gintonic getrunken, was in allgemein guter Stimmung auf dem Betriebsausflug angeboten wurde. Das war ein Fehler. Ich hätte einfach nein sagen können. Betriebsausflüge sind grundsätzlich sehr gefährlich. Gruppendynamik, Gesellschaftsdruck, Stimmungslage. Die besten Lösungen sind wohl eine Krankschreibung, 'Terminüberschneidungen' oder ein zeitiges Verschwinden von der Feier, wenn es absehbar ist, dass es nur in eine Richtung gehen wird (wie fast immer eigentlich). Letzteres war bisher meine Wahl. Aufmerksam bleiben. Das Suchtgedächtnis schläft nicht.

    Beste Grüße

    Karamasow

    Wie weit siehst du dich schon beim Saufen?

    Hm. Die "was wäre wenn"-Szenarios spielt man ab und an durch. Und ich stimme dir zu: Es beginnt im Kopf. Dort entscheidet man sich.

    Topema : Ich bleib dran. Heute, ausgeruht und ausgeschlafen, nach einem guten Kaffee am Morgen, im Sonnenschein auf der Terrasse sitzend und nun zum PC gehend, ist der Saufdruck bei Null. Die Gedanken von Freitag quasi nicht nachvollziehbar. Diese Schwankungen kennt ihr sicher. Bei mir ist das auf die mentale Belastung des Arbeits- und Familienalltags zurückzuführen. Im Grunde weiß ich was zu tun ist. Muss auf mich acht geben, es nicht zu übertreiben. Ruhephasen einbauen. Nicht zu viel von mir zu verlangen. Wenn man etwas nicht schafft, dann ist das eben so. Ist euch mal auf dem Arbeitsweg aufgefallen, dass fast >90% mit dem Fahrrad wie auf der Jagd sind. Alle sind von einer uunsichtbaren Kraft getrieben schnell von A nach B zu kommen. So eine blöde gesellschaftliche Angewohnheit.

    Hallo Thalia,

    schön dich zu lesen. Zugegeben, hier habe ich seit einem Jahr gar nicht mehr reingeschaut. Was vielleicht ein Fehler ist. Zu deiner Frage, ob ich meinen Strang nochmal von Anfang an gelesen habe: Nicht aktuell. Vor einem Jahr glaube. Es las sich fast so, als ob es ein anderer Mensch geschrieben hätte. Teilweise aber genau das Gegenteil: Sehr tiefe und schwierige emotionale Momente des eigenen Lebens. Es ist schwer, das häufig zu lesen.

    5ter Teil? Ich habe mal kurz das Buch zur Hand genommen. Das wäre bei mir im Buch der Epilog. Das schaffste :mrgreen:. Du schreibst "schaffen", weil es dich gelangweilt hat? In der Art eines Durchhaltens?

    Im Moment lese ich diverse Bücher von Hawkings. Da gehen bei mir alle Lämpchen im Gehirn an. Vielleicht hätte ich Astrophysik studieren sollen. Wahrscheinlich bin ich dafür aber nicht intelligent genug.

    Einige Bücher seit der Trockenheit:

    - Dostojewski habe ich nahezu alle Romane und Erzählungen gelesen

    - Tolstoi "Meine Beichte", "Der Tod des Iwan Illitsch" ("Krieg und Frieden" hatte ich schon vor dem Alkohol als Student durch)

    - Stanisic "Der Fallensteller", "Wie der Soldat das Grammofon repariert", "Herkunft" (Das fand ich besonders gut), "Vor dem Fest"

    - Kafka "Der Prozess", "Die Verwandlung" --> Zu beklemmend, zu düster, um mehr von ihm zu lesen.

    - Juli Zeh "Über Menschen", "Corpus delicti - Ein Prozess"

    - Balsac "von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken". --> Balsac las sich zu abgehoben. Quasi ein einziges gefrustetes Schubladendenken. Wollte von ihm und seiner "menschlichen Komödie" eigentlich mehr lesen. Das hat mir erstmal die Laune verdorben.

    - Kleineres: Kleist "Der zerbrochene Krug", Büchner "Dantons Tod"

    - geplant sind: Juli Zeh "Unter Menschen", Tolstoi mehr (z.B. "Anna Karenina"), weitere Literaturklassiker

    Gruß

    Karamasow

    Hallo Forum,

    5 Jahre. Die Zeit vergeht. Trocken. Trocken? In wenigen Momenten ist der Gedanke zu trinken präsent. Insbesondere, wenn die innere Anspannung nach Ausklinken ruft. Ich bin mir nicht sicher, ob ich bis an mein Lebensende trocken bleiben werde. Der süße Leim, der den Gedanken nicht wegfliegen lässt, ist: "Na, wenn ich die 5 Jahre geschafft habe, werde ich, nachdem ich getrunken habe, es wieder schaffen.". Verdammtes Suchtgedächtnis. Viel Erfolg euch allen bei euren Zielen und Wünschen.

    Grüße

    Karamasow

    Danke euch.
    @Carl: Die Themen, die mich interessieren und über die ich schreiben würde, haben nichts mit Alkohol zu tun. Alkohol ist sehr in den Hintergrund gerückt. Ok, vielleicht ist doch etwas zu erzählen: Auf irgendeine indirekte Weise konnte ich im letzten Jahr ein näheres Familienmitglied inspirieren, nichts mehr zu trinken. Das schaffte es auch ein paar Monate. Mittlerweile trinkt es wieder, jedoch augenscheinlich in geringerem Umfang als vorher. Begründung war seinerseits Corona, wobei ich denke, dass das Suchtzentrum diesen Einfall vorgaukelte. Gesprochen haben wir nicht darüber. Wenn bei Geburtstagen nach Bier gefragt wird, bekommt es welches. Ich bin nicht derjenige, der das schlechte Gewissen spielt. Jeder muss es selbst wissen. Der Nachbar trinkt auch noch jeden Tag. Gestern schaute mich beim abendlichen Grüßen der unverfälschte gläserne Blick an. Ich empfand etwas Mitleid. Im Grunde hat man im Laufe der Wochen und Monate eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der Thematik aufgebaut, manchmal auch Groll. Ich lerne Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.
    Cadda : Aufhören mit Trinken ist nicht gleichbedeutend mit glücklich zu sein. Es ermöglicht einem jedoch, wie Correns es schreibt, daran zu arbeiten überhaupt glücklich zu werden. Da man sich ständig etwas verändert, ist dies wohl eine lebenslange Aufgabe. Eine schöne Aufgabe.

    Hallo Forum,
    jetzt hab ich glatt den Tag verpasst. Und zugegeben musste ich auch umblättern, um zu sehen, das wievielte Jahr es ist. Das vierte also. Nun denn.
    Den trockenen Alkoholikern wünsche ich eine weiterhin alkoholfreie und zufriedene Zeit. Es ist wohl beides eng verkoppelt. Den noch unschlüssigen Leuten wünsche ich: Macht es, hört auf. Aber nur, wenn ihr überzeugt davon seid.
    Die Corona-Zeit ist schon eine Belastung, die manchmal die Gedanken hochkommen lassen. Ich denke, rückfällig zu werden ist dann genauso eine Entscheidung, wie aufzuhören zu trinken. Die Aktion findet zuerst im Kopf statt.

    Nunja. Viel schreibe ich nicht. Ich habe hier auch nicht viel zu sagen. Ein Spruch klingt mir im Kopf etwas nach: "Es gibt zwei Arten von Menschen. Glückliche und unglückliche Menschen. Ich habe mich dafür entschieden glücklich zu sein.". Danach versuche ich gerade zu leben, auch wenn die äußeren Umstände manchmal schwierig sind. Im Allgemeinen funktioniert das aber.

    Vielleicht helfen die Worte. Lasst es euch gut gehen.
    Karamasow

    Guten Morgen,
    mich gibts noch und ich trinke keinen Alkohol. Das finde ich cool. Zwar setzen hier und da andere körperliche Gebrechen ein - aber es wäre ja schlimm, wenn es nichts mehr zu tun gäbe. Die Kinder sind fast alle in der Schule. Die Arbeit nervt nachwievor, aber vielleicht klappts mit einer projektbezogenen Dissertation. Das motiviert wieder etwas.
    Ein paar Sachen klappen auch nicht, aber das wirft mich nicht um (- naja für ein paar Tage vielleicht). Aber das gehört zum Leben dazu. Scheitern und Erfolge.
    Grüße
    Karamasow

    Guten Morgen Carl Friedrich,
    du hast Recht. Was schert es mich, was in 25 Jahren sein wird. Man muss auch nicht zu verkopft an die Sache rangehen und tausende "was wäre wenn"-Szenarios durchspielen. Heute und Morgen werde ich nichts trinken. Das reicht, wenn man es jeden Tag aufs Neue umsetzt.

    Gasthörer an der Uni wäre eine Idee. Bleibt nur zu hoffen, ich werde nicht einer dieser peinlichen erste-Reihe-Rentner, die allen Studenten etwas von ihrer allumfassenden Lebensweisheit schwadronieren werden. :D. Die fand ich damals schon nervig.

    Nuja, kommt Zeit kommt Rat.

    Grüße
    Karamasow

    Hallo Forum,
    bevor ich begann, diesen Beitrag zu schreiben,überlegte ich, wie lange ich nun abstinent sei. Ich stellte fest, dass ich nichteinmal die Monate mehr zähle. 977 Tage sagt ein Online-Rechner. Hm. Bedeutet das etwas? Für mich ja, denn ich trinke 977 Tage kein gehirnzerstörendes Nervengift. Neulich beim Griechen rückte sich beim Anblick und Geruch eines Ouzos das Suchtgedächtnis derart in den Vordergrund, als ob ich nie abstinent gewesen wäre. Und es war nur ein ganz kleiner mechanischer Unterschied, den Ouzo wegzuschieben oder an den Mund zu führen. Leute, passt auf euch auf. Geht dem euch triggernden Zeug aus dem Weg.

    Insgesamt habe ich mit vielen Dingen meinen Frieden machen können. Früher regte es mich innerlich auf, wenn die Gesellschaft den Alkohol glorifizierte. Fragen wie: "Zählst du Alkohol zu Drogen?" ernsthaft gestellt werden. Oder Aussagen wie "Ich nehme keine Drogen, trinke aber regelmäßig Alkohol" medial verbreitet werden und allgemein akzeptiert sind. Mittlerweile habe ich dafür ein inneres Schulterzucken übrig. Meine einzige Aufgabe zum Thema Alkohol ist, meinen Kindern den Alkohol zu entglorifizieren und darauf zu hoffen, dass sie nicht den gleichen Fehler wie ich machen. Die Anderen können saufen und tun was sie wollen, solange sie mich in Frieden lassen. Ich werde nicht den Moral- und Gesundheitsapostel spielen.

    Traurig anzusehen ist, wie sich die Rentner-Eltern beim Thema Alkohol gehen lassen. Es wird nicht übermäßig gesoffen, man hat alles im Griff, jedoch ist der Konsum zu viel. Man muss nicht mehr auf Arbeit, die Kinder stehen mit beiden Beinen im Leben und die Rente ist so, dass man 2x in den Urlaub fahren kann. Manche würden sagen, sie genießen eben ihr Restleben, das sie noch haben. Ich stellte mir die Frage hier schonmal im Thread: Werde ich im Alter trinken? Das kann ich nachwievor nicht beantworten. Bin ich neidisch? Fragt sich das mein Suchtzentrum? Hm.

    Vielleicht helfen dem einen oder anderen meine Beiträge, seine Gedanken einzuordnen.

    Kamarasow

    Hallo Forum,
    bei mir gibt es nichts neues. Der Alkohol rückt fast vollständig in den Hintergrund. Die Themen des Alltags bestimmen meinen Tag. Und die sind äußerst umfänglich.

    Am Anfang der Abstinenz konnte ich nichts mit dem Begriff der Kapitulation anfangen. Ich verstand es nicht, weil aus meiner Sicht das Nichttrinken doch ein Auflehnen gegen die Sucht war. Also eher ein Kampf. Weshalb daher kapitulieren? Später irgendwann, vestand ich, dass mit Kapitulation eine Einsicht gemeint ist, dass der Alkohol immer gegen dich siegen wird. In etwa: "Jaja, du - Alkohol - bist stärker und ich schwach. Ich werde keine Kontrolle über dich haben.". Jetzt nach vielen Monaten, glaube ich, den Begriff der Kapitulation erst richtig zu fühlen. Bildlich gesprochen ist es ein vorbeigehen an einer Statue. Man nickt sich zu, hat aber kein Interesse die Statue zu verrücken oder gar auf ihr zu reiten. Denn egal wie man es anstellt, man würde verlieren. Die Statue hingegen ist da und wird da immer stehen. Soll sie doch. Ich werde an ihr vorbeilaufen.

    Worauf ich mit dem vorherigen Absatz hinaus wollte ist, dass das Verständnis über eine Sache am Anfang unlogisch erscheint, später aber logisch verstanden werden kann und am Ende sogar verstanden und als "richtig" gefühlt werden kann. Im Nachhinein betracht erstreckt sich diese Feststellung nicht nur auf den Begriff der Kapitulation. Ich finde, dass es gut unsere psychische Erkrankung widerspiegelt.

    Viele Grüße
    Karamasow

    Hallo Blacki,

    Zitat von Blacki

    Ist es bei Anderen echt so leicht??? So wie ich ab und zu hier lese, Leute schreiben, sie sind erst 10 Tage trocken, aber ihnen geht so gut sie wollen gar nix trinken.


    wenn es dich tröstet: Die Anfangszeit empfand ich als die schlimmste Phase zur Abstinenz/Trockenheit. Aller 10 Minuten überkam mich der Drang zum Alkohol zu greifen. Insbesondere in den Zeiten am Tag, in denen ich normalerweise trank. Das musste jedesmal weggeatmet werden. Ablenkung und viel Wasser waren da hilfreich sowie der Gedanke, dass der Druck in 5-10 Minuten vorbei ist. Ich denke, diejenigen die Schreiben, dass es ihnen nichts ausmacht nichts zu trinken, sind nicht ehrlich zu sich selbst bzw. Suchtzentrumvernebelt.

    Viele Grüße
    Karamasow

    Guten Morgen,
    herzlich willkommen. Ich wünsche Dir viel Erfolg bei deinem Weg zur Trockenheit. So wie du es beschreibst, ist dein Weg ein sehr schwerer. Ich weiß nicht, ob es schon jemand geschafft hat, dauerhaft neben einem Alkoholiker trocken zu werden. Alkohol sollte kurz- und langfristig aus deinem näheren Sicht und Geruchsfeld verschwinden.

    Liebe Grüße
    Karamasow

    Guten Morgen,
    ok. Das meintest du. Ich sehe es als unangenehme, risikobehaftete Zwickmühle. Gut möglich, dass mich das Suchtgedächtnis deshalb mit den Suchtgedanken bestraft.
    Zum Thema "sich selbst eine Grenze setzen": Ich denke, ich verstehe was du sagen willst, bin aber nicht sicher, ob das hier passt. Es gibt Menschen die trinken regelmäßig, Menschen die trinken ab und zu und Menschen die trinken selten oder gar nicht. Das sind Tatsachen in der Gesellschaft. Betreibt man Mannschaftssport in einem Verein, dann trifft man genau diese Kategorien. Wo setze ich mir da selbst Grenzen? Hattest du vor Augen, dass man beispielsweise mit dem Mannschaftssport auch aufhören könnte? Ja, das wäre eine Lösung. Aber nicht meine. Nur durch den Sport bin ich dort wo ich bin.

    Kamarasow

    Hallo Ihr,
    Festigkeit und Erfahrung schön und gut. Ich trau dem Frieden aber nicht.

    Hartmut, ich renne dem Alkohol nicht hinterher. Er ist leider in der Gesellschaft fest verankert. Du schreibst ja auch, dass bei dir ein "weitestgehend" trockenes Umfeld aufgebaut wurde. Ich behaupte, richtig asketisch alkoholfrei schafft man nur, wenn man nicht vor die Haustür tritt.
    Den Hinweis auf den Widerspruch versteh ich noch nicht. Wo siehst du einen?

    Kamarasow

    Hallo Forum,
    hier mal ein paar offene Zeilen von mir. Seit ca. 2,5 Jahren trinke ich keinen Alkohol. Bin ich stabil? Hm, um ehrlich zu sein, nein. Ich glaube, ernsthaft 100% stabil ist man erst, wenn man tot ist. Bis dahin sitzt die Sucht immer im Nacken. Manchmal spielt sich bei mir noch der Sehnsuchtsgedanke des Berauschtseins in den Vordergrund. Manchmal läuft mir bei visuellen oder gedanklichen Bildern die Spucke in den Mund. Das setze ich dann aus oder gehe dem aus den Weg. Manchmal kreiselt der Gedanke noch etwas, aber die Zeit ist stets mein Freund.
    Im Sportverein gehe ich nicht jedem Alkohol aus dem Weg. Das gesellschaftliche Zusammensein nach dem Sport benötige ich für die innere Zufriedenheit. Es ist ein Risiko, dass ich eingehen muss, um innerlich nicht zu verkümmern. So auch bei Pokerabenden. Wenn ca. 50% der Anwesenden Bier trinken (was mich nicht so sehr triggert wie Wein), dann ist es so. Ich schlürfe gut gekühlte Cola. Falls jetzt bei einigen Lesern, die reflexartigen Gefahrenzonen im Gehirn anspringen, dann sage ich: Ja, ich weiß. Ohne Gesellschaft ist aber auch keine Option. Das Risiko trage ich.

    Vor einigen Monaten war eines meiner Hauptthemen Gelassenheit zu erreichen. Das funktioniert mittlerweile meistens. Ich muss aber aufpassen, dass es nicht in Gleichgültigkeit abdriftet. Aber vielleicht ist es genau der Preis den man zahlen muss.

    Die Werke von Dostojewski habe ich nun fast alle durch. Kennt ihr das, wenn man ein Buch gekauft hat und es sich voller Vorfreude, wie einen kleinen Schatz, neben das Bett legt? Das Lesen erfüllt mich. Überhaupt, Freude am Leben ist irgendwie ein Hauptthema geworden. Menschen, die ständig über etwas lamentieren - über ihre Situation, über zu wenig Geld, zu wenig dies und das -, werden im Inneren selbst zu einem Miesepeter. Alt werden ist keine Schande. Aber alt und griesgrämig zu sein, das ist Scheiße. Das sage ich als 39jähriger. Da muss meine lebensfrohe Mitte-50er Kollegin immer grinsen. Wie vermutlich so mancher Leser.

    Soweit erstmal von mir.

    Sonnige Grüße