Beiträge von Tuschii

    Hallo zusammen,
    ich bin nun gerade dabei, mich aus meiner Beziehung zu lösen...und stelle dabei fest, dass ich mich selbst gar nicht kenne. Ich bin 41 Jahre alt, und weiß in so vielen Situationen gar nicht, wie man sich 'richtig...gesund' verhält. Das macht mir Angst. Ich weiß z.B. ,durch meine Co-Abhängigkeit bin ich viel zu inkonsequent. Aber ich habe keine Ahnung, wie konsequent man sein sollte. Ich denke ganz automatisch für mein Umfeld mit, übernehme ganz automatisch Aufgaben, die nicht meine eigenen sind. Aber wo soll ich da eine Grenze ziehen? Ich weiß, ich muß mir Zeit für mich nehmen. Aber wieviel Zeit ist angebracht, was ist zuviel? so viele Dinge, bei denen ich plötzlich völlig im Dunkeln tappe...
    Ich bin einfach völlig verunsichert, weil ich das Gefühl habe, gar nicht zu wissen, was richtig und gut ist. Ich finde das ziemlich erschreckend, und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.

    LG
    Tuschii

    Hallo und herzlich Willkommen Milla,
    ich bin auch recht neu hier und in einer ähnlichen Situation wie Du.
    Du hast Dich entschieden, dass Du Dein Leben so nicht führen, dass Du Deiner Tochter ein stabiles, glückliches Umfeld bieten möchtest. Das ist toll, und meiner Meinung nach schon ein großer Schritt.
    Wie Du hänge ich auch gerade zwischen dieser Erkenntnis und der Umsetzung der daraus folgenden Konsequenz. Dieses definitve Beenden der Beziehung mit allen Konsequenzen ist für mich sehr sehr schwer.
    Aber ich halte mir immer wieder vor Augen, dass ich das schlimmste Stück Weg genau mit dieser Erkenntnis überwunden habe. Und mit jedem kleinen Schritt nach vorne wird es ein wenig besser. Langsam vielleicht, aber stetig.
    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft auf Deinem Weg!

    LG
    Tuschii

    Hallo zusammen,

    meine schwerwiegendste EKA-Eigenschaft... die Antennen für die Stimmungen anderer. Als Kind eines trinkenden Vaters war ich immer in Hab-Acht-Stellung... am Zuschlagen der Autotür konnte ich hören, ob es besser war, mich in mein Zimmer zu verkriechen usw.
    Noch heute mit 41 passe ich unbewußt immer ganz genau auf. Was ist anders als sonst am Gegenüber, was könnte mir evtl. gefährlich werden. Man beobachtet ständig, registriert jede Kleinigkeit und deutet sie.
    Wobei ich diese in der Kindheit zum Schutz angeeignete Verhaltensweise nicht ausschließlich als negativ ansehe. Mir fällt oft auf, dass es mir durch sie auch leicht fällt, zwischen den Zeilen zu lesen. Man ist einfach empfänglicher für die Signale, die andere aussenden.

    Tuschii

    Hallo Konrad,

    ich kenne dieses Wahrnehmen. Und die Reaktion, wenn man das 'Problem' anspricht. Und dass man dann an seiner Wahrnehmung zweifelt.
    Aber ich finde, die Reaktion, sauer zu werden, ist doch schon sehr eindeutig, oder!? Wenn ich nichts 'zu verbergen' habe, kann ich doch mit diesem Thema ganz entspannt umgehen, finde ich.
    Du kennst Deine Frau, ihr teilt euer Leben. Natürlich fallen die kleinsten Veränderungen auf, wenn man hinsieht und Interesse am anderen hat.
    Liebe Grüße,
    Tuschii

    Hallo ihr Lieben,
    vielen Dank für eure Antworten, ich fühle mich richtig gut beim Lesen, bestätigt darin, dass mein Verstand und mein Bauch auf dem richtigen Weg sind.
    Ich glaube, meine ersten kleinen Schritte gehe ich gerade; ich habe XY, der ja nun seit seinem Unfall vor drei Monaten nichts getrunken hat, gesagt, dass es für mich nur hopp oder topp gibt. Also mit seiner Vorstellung, ab und an ruhig mal was trinken zu können, werde ich nicht leben. Er ist sofort an die Decke gegangen, fühlte sich erpresst von mir, wird sich sein Leben nicht von mir vorschreiben lassen...etc. Ich war ganz ruhig, und selbst überrascht, wie wenig mich das getroffen hat. Ich habe ihm gesagt, dass es unter diesen Umständen besser ist, sich gleich zu trennen, ich werde nicht dasitzen und darauf warten, dass er wieder trinkt, wenn doch von vornherein schon klar ist, dass der Tag kommen wird.
    Ich bin stolz und ein Stück weit erleichtert, auch wenn weiter noch gar nichts passiert ist. Der Kampf, das weiß ich, steht mir noch bevor. Aber ich fühle mich nicht schlecht, und habe nicht das Gefühl, ihn hängenzulassen. Ich habe alles versucht, geredet, gebettelt, gejammert, geschimpft, geweint...er will sein Leben genau so. Und ich will nicht mehr Teil davon sein.
    Er sagt selbst, dass er abstürzt, wenn ich nicht mehr da. Und das tut schon ordentlich weh. Aber dann sage ich mir, dass es genauso kommen wird, wenn ich bleibe. Und ich will dieses Leben nicht mehr.

    Liebe Grüße und einen schönen Tag
    Tuschii

    Guten Morgen Aurora,
    ich weiß nicht, ich hätte ein schlechtes Gewissen, wenn ich ihn einfach vor die Tür setze...ihn hängenlasse. Irgendwie fühle ich mich zu sehr verantwortlich für ihn. Und er haut natürlich auch immer voll in diese Kerbe, von wegen, er wüßte, wenn ich mich trenne, würde er ganz abstürzen.
    Mein Verstand weiß, dass das alles nicht mein Problem sein darf, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist... aber ich würde mich dennoch als ganz schlechter Mensch fühlen.

    Liebe Grüße,
    Tuschii

    Hallo Leah,
    ich finde es immer wieder faszinierend, wie unglaublich ähnlich sich die Geschichten hier sind. Was Du schreibst, könnte auch von mir sein.
    Wie Du bin ich auch an diesem Punkt, an dem ich weiß, ich muß mich trennen, will es inzwischen auch. Auch weil ich mir eine gemeinsame Zukunft gar nicht mehr vorstellen kann. Zuviel ist passiert, passiert jeden Tag auf's Neue. Aber ich brauche meine Zeit. Ich weiß genau, wenn ich mich trenne, bevor mein richtiger Zeitpunkt gekommen ist, das gibt nichts. Und ich kenne mich, dann ist die 'Gefahr' zu groß, dass ich wieder umkehre.
    Auch wenn mein Umfeld inzwischen mit Unverständnis reagiert, niemand versteht, warum ich ihn 'nicht einfach vor die Tür setze', warum ich mir das immer noch antue. Meine Antwort ist dann, damit ich noch in den Spiegel schauen kann, damit ich mit mir im Reinen aus der Sache rausgehe.

    Schönen Feiertag und liebe Grüße,
    Tuschii

    Dankeschön, Katrienchen und Morgenrot. Es ist gut, hier zu sein. Ich lese schon eine Weile mit...es ist ein gutes Gefühl, dass da Menschen sind, die genauso schräg sind, wie man selbst. Da fühlt man sich gleich eine Ecke weniger schräg. :D

    Ist wirklich so, dieses Niedermachen. Oft Dinge, da muß ich echt nochmal nachfragen, weil ich mir denke 'Das kann er jetzt unmöglich ernst meinen'. Meint er aber. Das Erklären, mich rechtfertigen, dagegenreden, habe ich mir inzwischen abgewöhnt. An guten Tagen nicke ich und antworte freundlich 'Wie Du meinst', an weniger guten Tagen gehe ich einfach darüber hinweg.
    Ok, an miesen Tagen, wie vorgestern, fahre ich halt heulend mitten in der Nacht eine Runde mit dem Auto und sage mir immer wieder ganz laut vor, dass ich nicht das bin, als was er mich den Abend über bezeichnet hat.

    LG
    tuschii

    Hallo Leah,
    ich bin wohl gerade in einer ähnlichen Situation wie Du, und ich kann Dich gut verstehen, wenn Du sagst, dass das Loslassen, das Abschließen, nicht einfach ist.
    Mit geht es ähnlich, und ich verharre viel zu lange schon in diesem Zustand...zwischen Verzweiflung und dem letzten Funken Hoffnung, dass die Dinge sich zum besseren wenden. Mich macht das kaputt, ich schaue nur nicht so wirklich hin. Wohl weil ich nicht sehen will, wie mies es mir eigentlich geht.
    Hast Du schon mal darüber nachgedacht, dass wir mit diesem Stillhalten (auch wenn wir nicht aktiv das Saufen unterstützen) die Sauferei einfach weiter möglich machen!? Warum sollte sich etwas ändern...läuft doch alles. Und wenn etwas nicht läuft, bekommt halt eben der andere die Schuld. So einfach ist das.

    Hallo Hull, na ja, XY war auch schwer verletzt...aber im Grunde tut das nichts zur Sache. Eine 'Aussprache' hat, aufgrund der Schwere der Verletzungen, noch nicht stattgefunden.
    Dass noch einiges auf ihn zukommt...Gerichtsverfahren etc, das ist klar...aber auch davon sollte ich mich abgrenzen, finde ich.
    Wichtig für mich, es hat keinerlei Einsicht oder Umdenken gebracht, das zeigt sich jeden Tag auf's Neue. Und das sollte für mich genug Erkenntnis sein.

    Ich habe kein Vertrauen mehr in meinen XY. Er ist seit fast drei Monaten trocken (gezwungenermaßen durch einen Unfall), und auch in dieser Zeit hat er wenn es um Alkohol, bzw die Zukunft ohne Alkohol geht, mein Vertrauen mehrfach missbraucht.
    Schlimm, wenn ich ihn davon reden höre, dass in Zukunft alles besser wird, sitzt ein kleines Teufelchen auf meiner Schulter und grinst ironisch. Ich kann das alles längst nicht mehr ernstnehmen. Wenn Worten Taten folgen würden, vielleicht würde dann auch Vertrauen zurückkommen.

    Hallo zusammen,

    seit gestern abend grüble ich darüber, warum ich mir und meinem Verstand so wenig über den Weg traue. Bzw warum ich mich so leicht verunsichern lasse.
    Ein Beispiel...mein XY erzählt mir ständig, dass ich mein Leben nicht im Griff habe. Nix würde ich geregelt kriegen, dauernd irgendwas vergessen, wenn man ihn so reden hört, bin ich eigentlich gar nicht alleine lebensfähig. Die Fakten dazu: Jep, ich bin ein Schussel. Manchmal schleppe ich ein Rezept drei Tage lang in meiner Handtasche rum, bevor mir einfällt, Du wolltest doch in die Apotheke.
    Ich bin Vollzeit berufstätige Mutter von zwei Kindern. Und ich habe, verdammt nochmal, alles im Griff.
    Trotzdem, immer wieder zweifle ich an mir, weil XY dauernd an mir rummäkelt. Ich bin faul, chaotisch, zu dumm zu allem...und immer schlecht gelaunt. Und ich hinterfrage mich...stets und ständig. Vielleicht hat er ja recht!?
    Und dann denke ich mir...Moment mal... was ist mit ihm!? Was kriegt er denn geregelt!? Selbst seine Krankmeldungen muß ich abschicken, weil er sich nicht in der Lage fühlt, einen Breifumschlag zu beschriften. Und dieser Mensch hält mir vor, ich hätte mein Leben nicht im Griff!?!?!? Mich macht das unglaublich wütend!!!
    Warum also, nagen ständig diese Selbstzweifel an mir...nicht gut genug zu sein, viel zu viele Fehler zu haben...

    Ich glaube (oder hoffe!?) ich bin gerade mitten drin in meinem Tiefpunkt.
    Nachdem es über ein Jahr immer schlimmer geworden ist, immer mehr Nächte ohne Schlaf...Anrufe aus der Notaufnahme, XY hat sich mal wieder aus dem Leben geholt...immer häufiger besoffenes Geheule, er will ja nicht mehr trinken, er kann nicht mehr, und tags darauf war alles vergessen...kam mein Tiefpunkt vor ein paar Wochen nachts um zwei mit einem Anruf von der Intensivstation. XY hatte einen schweren Autounfall. Meine erste Frage war, ob er getrunken hatte. Ich kannte die Antwort, natürlich. Ich war ganz ruhig, legte auf... und brach zusammen.
    Vier Tage brauchte ich zum Sortieren, erst dann konnte ich gehen um ihn zu besuchen. Auf seine Frage, ob ich ihn verlasse antwortete ich, dass es für uns nur eine Chance gibt, wenn er sich helfen läßt, eine Therapie macht. Er versprach es...was hätte er auch tun sollen.
    Natürlich ist Therapie nicht wirklich sein Plan. Er ist der Meinung, er schafft es auch so. Und Stück für Stück schleicht sich der Alkohol zurück in sein Denken... er hat angekündigt, so ganz verzichten will er auf Dauer nicht.
    Für meine Reaktion, dass das nächste Bier für mich das Ende unserer Beziehung bedeutet, wurde ich übel beschimpft.
    Inzwischen kämpfe ich mich Stückchen für Stückchen frei, mein Kopf sagt 'Lauf', mein Herz läßt mich nicht, zu tief sitzt das Gefühl, ihn nicht im Stich lassen zu können. Ich hoffe, ich schaffe es endlich...ohne wieder Einzuknicken.

    Danke Sunshine! Das schlimme ist, ich WEISS das alles. Das ist nicht die erste Beziehung mit einem Alki. Angefangen mit meinem Vater hatten irgendwie alle Männer in meinem Leben das Problem Alkohol.
    Aber wissen und wissen...ich hasse mich selbst dafür, dass ich bisher den Absprung nicht geschafft habe. Nach meiner letzten Beziehung mit einem Alkoholiker ging es mir so dreckig, ich habe mir geschworen, nie nie wieder. Und zack, kaum ging es mir besser... :roll:
    Aber ich weiß, dass ich jetzt die Kraft finden muß, zu dem zu stehen, was ich sage. Egal, wie schlecht er versucht, mich dastehen zu lassen.
    Deine Antwort hat mich auf jeden Fall bestärkt, nicht an mir zu zweifeln.

    Hallo Emilene,
    zum Thema 'seiner Wahrnehmung nicht trauen'... da erkenne ich mich sehr wieder. Man hat das Gefühl, man wird verrückt.
    Aber in klaren Momenten muss ich sagen, an unserer Wahrnehmung ist nichts falsch. Auch nicht an unserem Bauchgefühl. Falsch ist wohl nur dieses ständige sich-infrage-stellen.

    Hallo, ich bin Tuschii. Ich stecke fest in einer Beziehung zu einem Alkoholiker. Auch wenn er abstreitet das zu sein.
    Vor knapp drei Monaten kam es nach monatelangem Drama zum SuperGau, er fuhr sich und seinen besten Freund gegen einen Baum. Ohne Führerschein, dafür aber mit 2,7 Promille. Beide schwer verletzt, sein Freund lag wochenlang im Koma, bis heute ist nicht sicher, welche Schäden er davonträgt.
    Noch im Krankenhaus versprach er, eine Therapie zu machen. Weil ich ihm gesagt habe, dass es für uns sonst keine Chance gibt. Und noch im Krankenhaus widerrief er sein Versprechen...er schafft es auch ohne Terapie. Ich sagte ihm, wir können es versuchen. Ohne den Glauben, dass er es schaffen würde.
    Bisher hat er nicht getrunken. Aber gestern hat er mir eröffnet, ich könne mich eigentlich gleich trennen, er hat nämlich nicht vor, sein Leben lang keinen Tropfen mehr zu trinken. Ein, zwei Bier ab und an, das wäre jawohl völlig ok. Gut, habe ich gesagt. Deine Entscheidung. Und jetzt bin ich der A... weil er meint, ich entscheide über sein Leben. Tu' ich das? Ich habe doch nur für mich entschieden, dass Alkohol in meinem Leben keinen Platz hat. Warum fange ich schon wieder an, darüber nachzudenken, ob ich ungerecht bin!?
    Ich will mein Leben zurück. Und nicht mehr ständig für alles die Schuld kriegen.