Beiträge von Carmen

    Liebe Linde,

    vielen Dank für deine Zeilen. Diese haben mich sehr berührt und aufgebaut.
    Alles, was du schreibst, fühlt sich richtig für mich an. Es tut gut, verstanden zu werden.

    Ich werde also konsequent keinen Kontakt mehr zulassen.

    Ich habe auch von dir schon ein wenig gelesen. Ja, es ist ein langer Prozess und emotionaler Missbrauch traumatisiert.
    Ich hoffe, dir geht es gut und du genießt den schönen sonnigen Tag!

    LG
    Carmen

    Hallo zusammen,

    seit gestern Abend bombardiert mich mein Vater ( Alkoholiker) wieder mit kranken Nachrichten( zb. Mordfantasien) und Anrufen. Ich reagiere nicht und werde übelst von ihm beschimpft. Bis vor kurzem bin ich immer sofort gesprungen, wenn er um Hilfe flehte, habe alles stehen und liegen gelassen und bin sofort zu ihm gefahren. Habe ihn mehrfach in die Entgiftung gebracht auf mein Drängen. Stunden später rief er mich dann immer besoffen an und meinte, er hätte es da nicht ausgehalten. Auch den Krankenwagen habe ich schon mehrmals gerufen, weil er sich umbringen wollte. Resultat: Als der Krankenwagen bei ihm eintraf, war plötzlich wieder alles gut und die Leute waren umsonst gekommen.
    Ich kann mit ihm nicht reden. Allein wenn ich die Nachrichten von ihm aufpoppen sehe, zieht sich alles in mir zusammen und ich kriege riesigen Druck und Stress. Mich triggert es auch zu sehr mit einem Besoffenen zu reden.

    Ich möchte keinen Kontakt mehr, traue mich aber weder ihm das zu sagen noch zu schreiben. Er hat mich von klein an so manipuliert, dass ich wie erstarrt bin, sobald ich mit ihm in Kontakt trete.
    Er weiss auch, dass ich selber Alkoholikerin bin, aber das ist ihm völlig egal. Ich habe ihm schon mal vor ca 4 Wochen vorsichtig gesagt, dass wir beide erst wieder Kontakt haben können, wenn wir trocken sind. Aber um ehrlich zu sein, möchte ich auch in Zukunft keinen Kontakt zu ihm, weil er als Vater nie für mich da war.

    Ich fühle mich grad wie ein hilfloses Kind. Es macht mich auch so unfassbar wütend, dass er mich seit Jahrzehnten mit seiner Krankheit belastet und Hilfe und Unterstützung einfordert. Soll ich ihn blockieren oder mich überwinden und ihm schreiben, dass ich keinen Kontakt mehr möchte?

    Ich habe auch Angst, dass er auf die Idee kommt plötzlich vor meiner Haustür zu stehen. Er schreibt nämlich auch wirres Zeug von Mordfantasien. Er ist psychisch sehr krank und unberechenbar.

    Ich musste mir das jetzt mal von der Seele schreiben. Vielleicht hat jemand einen Rat?

    Hallo Cadda, hallo Carl Friedrich,

    mit der Tagesstruktur habt ihr vollkommen recht; diese habe ich auch, stehe früh auf, mache den Haushalt, gehe danach zwei Stunden mit meinem Hund spazieren, danach einkaufen, Mittagessen, nachmittags normalerweise Sport ( schaffe aber momentan einfach nicht mich aufzuraffen und hänge stattdessen auf dem Sofa) , gegen 18 Uhr wieder eine Stunde mit dem Hund spazieren, dann kochen und Abendessen und ab ca 20 Uhr 30 lesen, Internet, Fernsehen oder Klavierspielen.

    Mir mangelt es auch nicht an Interessen, nur ist momentan alles ziemlich mühselig und bereitet mir wenig Freude. Vielleicht eine mittelschwere Depression. Mein Dopaminhaushalt ist wahrscheinlich noch ziemlich durcheinander.

    Ich brauche dringend wieder Sozialkontakte, sobald das wieder möglich ist. Diese Isolation seit einigen Jahren tut mir nicht mehr gut.

    Cadda : Ein Tagebuch habe ich noch nicht eröffnet, werde ich aber die Tage machen.
    Werde später auch mal bei dir reinschauen.

    Danke für eure Antworten! :)

    Guten Morgen,

    seit einigen Tagen bemerke ich bei mir eine schlechte Entwicklung. Ich ziehe mich innerlich wieder mehr zurück, möchte die Dinge wieder nur mit mir allein ausmachen und andere nicht mit meinen Problemen ( die Mitglieder dieses Forums mit inbegriffen) belasten. Mir fällt es generell schwer nach Hilfe zu fragen und diese dann auch wirklich anzunehmen.Darum schreibe ich jetzt und erhoffe mir dadurch diesen Kreislauf zu durchbrechen.

    Es ist für mich immer noch sehr ungewohnt und teilweise beängstigend mit klarem Kopf und ohne Filter durchs Leben zu gehen.
    Beängstigend deshalb, weil ich garnicht weiß, wer ich wirklich bin. Die ausgelebte Sucht war ja auch ein Teil meiner Identität.
    Klingt vielleicht seltsam, fühlt sich aber für mich so an.

    Morgens und abends ist meine Stimmung in Ordnung, aber tagsüber weiß ich kaum was mit mir anzufangen, obwohl ich ganz viele Dinge machen könnte. Ich muss mich dann richtig zwingen etwas tun, habe aber keine Freude daran.

    Oft setzte ich mich dann einfach aufs Sofa und lese hier im Forum. Mein nüchternes Leben fühlt sich noch sehr fremd und unsicher an. Ungewissheit und Selbstzweifel plagen mich. Selbstliebe ist auch nicht vorhanden. Alles sehr negativ. Ich weiß.

    Wollte das einfach mal kurz niederschreiben.

    Lg
    Carmen

    Hallo Pellebär,

    ich bin momentan etwas überfordert mit der Gesamtsituation und meinem nüchternen Zustand. Es ist ja nicht "nur" die Alkoholkrankheit bei mir.
    Habe noch andere Süchte und Diagnosen, die ich angehen muss. Das geht aber mit Sicherheit vielen hier so.

    An erster Stelle steht aber die Abstinenz! Das habe ich in diesem Forum erkannt. Alles Schritt für Schritt.

    Auch dir wünsche ich ein schönes Wochenende!

    Lg
    Carmen

    Danke für deine Zeilen, Carl Friedrich,

    Ich bin ein Meister im sich reinsteigern und dramatisieren. :roll:
    Die ständige Selbstanalyse sollte ich vielleicht auch nicht übertreiben. Das zermürbt.

    Übrigens lese ich momentan Borowiak.
    Sehr unterhaltsam, amüsant und aufschlussreich.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

    Lg
    Carmen

    Oder ist das vielleicht eher eine Charaktersache?
    Ich kann ja jetzt auch nicht jeden schlechten Zug, den ich an mir habe, auf meine Alkoholkrankheit schieben.

    Das wäre zu einfach. Mir hat es auf jeden Fall im Nachhinein sehr leid getan. Das war nicht fair.

    Hallo Carl Friedrich,


    Du hattest Streit und wolltest dem Gegenüber wohl eins auswischen

    Das kann natürlich auch sein; dann ist es aber unterbewusst abgelaufen, denn der Satz " Wenn du nicht ...., dann muss ich trinken" kam einfach ohne zu überlegen oder irgendeineine Absicht aus mir rausgeschossen.
    Darum schrieb ich auch " nasses" Verhalten.
    Ob das auch einem Langzeittrockenen passiert? Ich weiß es nicht.

    Dieser Vorfall hat mir aber wieder gezeigt, wie zerbrechlich meine noch frische Abstinenz ist.

    Lg
    Carmen

    Hallo Cadda,

    danke der Nachfrage. Ein wenig holprig heute. Hatte einen dummen unnötigen Streit mit meinem Partner
    und dann im Affekt damit gedroht, dass ich, wenn er jetzt nicht aufhört mit der Diskussion, gleich wegen ihm trinken muss. :roll:
    Ich war selbst ganz erschrocken, dass mir das rausgerutscht ist. Das nennt man wohl " nasses" Verhalten.

    Und da wären wir wieder bei meinem ThreadTitel "Noch lange nicht trocken".
    Ich habe natürlich keinen Alkohol angerührt, sondern bin mit meinem Hund spazieren gegangen und habe mich dann schnell wieder gefangen.

    Ich hoffe, du hattest einen schönen Tag!

    LG
    Carmen

    Hallo sunshine,

    vielen Dank für deinen Beitrag und den kleinen Einblick in deine bewegende Geschichte.
    Ich habe auch schon einige Beiträge von dir gelesen und konnte vieles für mich mitnehmen.


    Ähnelt sich übrigens Deinen Erlebnissen aber diese Erlebnisse ähneln sich ja grundsätzlich bei uns.
    Die Krankheit geht eben mit gewissen Symptomen einher, und Kontrollverlust bis hin zu Blackouts gehören dazu.

    Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr sich die Geschichten und Gedankengänge von Alkoholikern oder generell suchtkranken Menschen ähneln.

    .


    Und meine Willensstärke war auch wieder da, die hatte ich mir während meiner nassen Zeit regelrecht weggesoffen.

    Das geht mir genauso.


    Man soll ja auch nicht in der Vergangenheit leben und nicht zu weit in die Zukunft schauen wollen, so raten ja auch Fachleute fürs Glücklichsein

    Ich hoffe, dass mir das in der Zukunft wieder besser gelingen wird. Im Hier und Jetzt leben. Machen Kinder und Tiere automatisch. Darum sind sie auch glücklich und unbeschwert. :D
    Aber es reicht ja auch schon, wenn man das Jetzt erst mal wieder zeitweise genießen kann.


    Ein Bekannter hat das mal als "Alkoholtrauma" beschrieben, an dem wir alle litten oder auch akut noch leiden.

    Davon habe ich noch nie gehört. Danke für den Hinweis. Das erklärt so einiges.


    Ich bin zwar nie körperlich aggressiv zu irgendwem gewesen, aber sicher verbal.
    Eigentlich hauptsächlich nur meinem Partner gegenüber.

    Genauso war es auch bei mir. Mein Partner hat am meisten unter meiner Sauferei und den fiesen verbalen Attacken gelitten.


    Ich bin allerdings auch ein Mensch, der selbst aus den blödesten Situationen noch gern was lehrreiches ziehen möchte

    Ich versuche immer aus jeder noch so negativen Situation auch etwas Positives rauszuziehen. Interessanterweise finde ich auch immer etwas. Das hilft mir dann auch, besser damit klarzukommen.


    aber die Alkoholkrankheit ist keine Schwäche, sondern nun mal eine Krankheit !

    Diesen Punkt muss ich noch verinnerlichen. Ich weiß, dass ich eine Krankheit habe und mache mir trotzdem immer noch täglich Vorwürfe. Das ist nicht richtig. Aber ich denke, dass alles seine Zeit braucht.

    Die Tippfehler habe ich garnicht bemerkt. :D

    Lg
    Carmen

    Hallo Rattenschwanz,


    Mir war das immer viel zu weit weg und zu endgültig dieses "Nie mehr Alkohol".

    Dieses " Nie mehr Alkohol" macht mir Stress und setzt mich unter starken Druck. Diese Endlichkeit macht auch Angst.
    Angst, es nicht zu schaffen. Angst doch wieder irgendwann zu trinken und daran zu Grunde zu gehen.


    Wenn irgendwelche Gedanken daran aufkommen - und das passiert selten aber manchmal -, dass ich ja später mal wieder probieren oder so könnte, dann sag ich mir: Ja ja, später. Jetzt ist aber eben nicht später, also kannst du auch später mal dran denken aber jetzt nicht. So in der Art und dann ist der Gedanke auch schon wieder weg.



    Dieser Gedanke " Heute trinke ich nicht" hat mich in den letzten Wochen schon einige Male gerettet.
    Ich denke, dass auch ich zu denjenigen gehöre, die mit der 24 Stundenformel besser zurecht kommen.

    Danke für deinen Beitrag.

    Lg
    Carmen

    Hallo Carl Friedrich,

    danke für deinen Beitrag. Eure Erfahrungen sind ungemein hilfreich.

    Ihr seid den Weg gegangen, ich habe ihn noch vor mir. Das ihr auch diese Gedanken hattet, nimmt
    mir schon einige meiner Selbstzweifel und Unsicherheiten.


    Ich weiß genau, dass so eine Nummer nur ganz kurze Zeit bei mir gut ginge und ich ruckzuck wieder in den Strudel nach unten geriete.


    So ist es. Ich weiß auch ganz genau, dass ich niemals kontrolliert trinken kann. Es geht bei mir mit viel Glück und Anstrengung vielleicht einen Tag gut, wenn überhaupt. Und dann bin ich auch schon wieder da wo ich aufgehört habe.

    Morgen kommen die Bücher. Danke nochmal für die Empfehlungen.

    Lg
    Carmen

    Hallo Pellebär,

    danke für deinen Beitrag.


    es gibt Dinge, die muss man nicht begreifen. Da hilft mir einfach dumm dran glauben. Ich habe auch nie gedacht oder von mir erwartet, dass ich nie mehr trinke. Das ist mir viel zu abstrakt. Ich trinke nicht, fertig.

    Das fühlt sich direkt viel leichter an und bestärkt mich.


    Übernimm die Verantwortung für dein Leben, überlass sie nicht wieder dem Alkohol.

    Ja! Verantwortung für mein Leben übernehmen. Das muss ich ( wieder ) lernen.
    Das braucht Zeit und Geduld.

    Lg
    Carmen

    Hallo zusammen,

    die starken Suchtdruckanfälle sind weniger und schwächer geworden. Allerdings bemerke ich bei mir süchtige Gedanken, die ganz schön aufdringlich sind und in mir großes Unbehagen und ein Gefühl der Unsicherheit auslösen.
    Wie zum Beispiel: Irgendwann, in ein oder zwei Jahren, wenn du dich wieder stabilisiert und dein Leben wieder in den Griff bekommen hast, kannst du wieder trinken.

    Jetzt gerade beim Aufschreiben merke ich wie absurd und trügerisch das ist. Nein! Ich kann keinen Alkohol trinken.
    Ich begreife einfach nicht, was da im Hirn verstellt ist. Ich kann es mit dem Verstand nicht greifen.

    Ich muss aufhören alles verstehen zu wollen. Das ist einfach nicht möglich.

    Wer hatte oder hat diese Gedanken auch und wie kann man dagegensteuern?
    Sich ablenken und sie verdrängen oder annehmen, zulassen und aushalten?

    Ich möchte nicht mehr trinken. Habe große Angst davor, schwach zu werden.
    Vielleicht mag jemand etwas dazu schreiben.

    Lg
    Carmen

    Hallo Cadda,

    deine Zeilen machen mir Mut und geben mir Zuversicht, dass es sich lohnt, den Weg in die Trockenheit zu gehen.
    Veränderungen machen ja auch irgendwie immer Angst.

    Es hilft sehr, dass ich mich hier nicht erklären muss und meine Krankheit verstanden wird und es dir und auch vielen anderen hier zu Beginn genauso oder ähnlich erging wie mir.

    2 1/2 Jahre trocken.Toll! Das ist schon eine ganze Zeit.
    Es ist schön zu lesen, dass sich dein Leben so zum Positiven gewandelt hat.

    Heute bin ich sehr nachdenklich, da mir durch die Auseinandersetzung mit meiner Krankheit jetzt erst richtig bewusst wird, wie oft ich mit meinem Leben gespielt habe; viele schlimme Erinnerungen kommen hoch. Das ist nicht angenehm und hat hier bestimmt schon jeder durchlebt. Ich muss wieder lernen unangenehme Gefühle auszuhalten und diese nicht zu betäuben. Das braucht Zeit.

    Ich wünsche dir einen schönen Abend!

    LG
    Carmen

    Hallo Carl Friedrich,

    es ist wirklich unglaublich und beim jedem Versuch die Sucht zu verstehen, komme ich an meine Grenzen und drehe mich im Kreis. Darum ist es völlig verständlich, dass nicht süchtige Menschen unser Verhalten nicht wirklich nachvollziehen können.

    Lg
    Carmen

    Hallo Cadda,

    gut, dass du es geschafft hast, dich von deinem Expartner zu trennen und nicht mit ihm rückfällig geworden bist.
    Das war mit Sicherheit hart. Auch ich hatte schon Beziehungen mit Suchtkranken und es war die reinste Hölle.

    Ich versuche es auch positiv zu sehen, dass ich keine Kontakte mehr habe, auch wenn es nicht einfach ist.
    Ich habe mich in den letzten Jahren so verschlossen, dass es mir schwerfällt auf Menschen zuzugehen.
    Mein Selbstbewusstsein ist halt auch kaum noch vorhanden und nüchtern fühle ich mich oft sehr unsicher unter Leuten.

    Ich kann mich zwar gut alleine beschäftigen, aber die sozialen Kontakte fehlen mir sehr. Im Fitnessstudio bin ich angemeldet und möchte da auch wieder regelmäßig hingehen sobald die Coronakrise vorbei ist.
    Auch möchte ich noch zusätzlich in eine reale SHG gehen und erhoffe mir da neue Kontakte.

    Seit einigen Jahren arbeite ich nicht mehr; auch das möchte ich wieder ändern. Aber das geht nur Schritt für Schritt. Ich darf diese Mal nicht wieder den Fehler machen, alles sofort auf einmal gelöst haben zu wollen. Das funktioniert nicht. Meine Ungeduld ist eine meiner größten Schwächen und hat mich oft wieder in den Konsum getrieben.

    Vor genau vier Wochen bin ich morgens noch halb betrunken mit Erdresten und Schrammen an Händen und Füßen aufgewacht.
    Konnte mir nicht erklären, was passiert war. Als ich dann einige Zeit später auf die Terasse ging, sah ich im Garten in einem der Blumenbeete meine Hausschuhe liegen. Da kamen die Erinnerungsfetzen langsam hoch. Ich war in der Nacht sturzbetrunken rückwärts ins Beet gefallen und wahrscheinlich nur haarscharf mit dem Kopf an den Steinmauern vorbei. Nicht auszumalen, wie schlimm es hätte ausgehen können. An diesem Tag habe ich das letzte Mal getrunken. Es war schrecklich.

    So viele solcher Dinge sind passiert. Ich darf das niemals vergessen. Wie ambivalent ist diese Krankheit. Warum kann man etwas nicht lassen, was früher oder später in den Tod führt? Das ist mit Verstand nicht zu erklären.

    Das ich noch nicht freigeschaltet bin, war mein Fehler. Ich habe zu spät überwiesen.

    Heute scheint wieder die Sonne. Da habe ich direkt bessere Laune.

    Lg
    Carmen

    Hallo Cadda,

    schön von dir zu lesen und einen kleinen Einblick in deine Geschichte zu bekommen.

    Ich kenne diese toxischen und destruktiven Beziehungen. Bin von einer in die nächste geschliddert.
    Das lag vorallem an dem fehlenden Selbstwertgefühl, was man sich wie du es sehr gut beschreibst, " klein gesoffen" hat.

    Ja, es ist sehr gut, dass mein Partner nicht trinkt, allerdings führen wir keine gesunde und zufriedene Beziehung, denn er ist schwer Co-Abhängig und ich habe die gesamte Verantwortung für mich und mein Leben an ihn abgegeben. Da liegt sehr viel Arbeit vor uns und viele Wunden müssen heilen. Darüber möchte ich dann aber lieber im geschlossenen Bereich schreiben.

    Du schreibst:

    "Dieses Forum hilft. Man hilft sich sogar, wenn man einfach nur helfen will, indem man schreibt. Gerade jetzt schreibe ich zum Beispiel Dir, um aufzubauen und zu helfen und hab mir unbewusst selbst geholfen, weil ich mir durch das eben Geschriebene wieder einmal selbst vor Augen geführt habe, wie schrecklich es war."

    Das empfinde ich genauso. Das hast du perfekt beschrieben.

    Ich erkenne generell sehr viele Parallelen in deinen Texten. Auch ich habe viele Jahre " nur" in Gesellschaft gesoffen und garnicht eingesehen, dass ich ein Alkoholproblem habe. Obwohl es auch da schon immer peinlich ausartete und ich öfters auf meinen bedenklichen Konsum angesprochen wurde. Das Trinken zu hause und irgendwann dann auch heimlich, kam sehr viel später.

    Es freut mich, dass du jetzt einen nicht trinkenden Mann an deiner Seite hast. Ich könnte mir garnicht vorstellen mit jemandem zusammen zu sein, der regelmäßig Alkohol trinkt. Allein der Gedanke daran macht mir Angst, denn ich würde früher oder später wieder zur Flasche greifen. In meinem aktuellen Zustand, der noch sehr fragil ist, wahrscheinlich noch am selben Tag.
    Ich muss mich unbedingt von Alkohol trinkenden Menschen fernhalten. Ich wäre mit dieser Situation noch absolut überfordert und könnte höchstwahrscheinlich nicht standhalten.

    Du fragst, ob die Entschuldigungen nötig sind.
    Ich weiß es nicht. Es sind nur zwei Personen bei denen ich das irgendwann machen möchte und die wissen, dass ich alkoholkrank bin. Noch kann ich das nicht; bin noch viel zu instabil und zu stark gefährdet bei emotionalen Ausbrüchen wieder zur Flasche zu greifen.

    Bei mir gibt es sonst keine Kontakte, die ich aussortieren müsste, da ich mich in den letzten Jahren so isoliert habe, dass ich sogar die zwei letzten Freundinnen, die mir noch geblieben waren, weggestoßen habe. Saufkumpanen gibt es auch keine mehr, da ich in den letzten Jahren fast nur noch allein getrunken habe.

    Einen schönen Restsonntag wünsche ich Dir! :)

    LG
    Carmen

    Guten Morgen Carl Friedrich, guten Morgen Dante,

    eure Beiträge geben mir viele neue Denkanstöße. Danke dafür!


    Ersetze dden Begriff der Schuld doch einfach durch den der "Verantwortung"

    Das möchte ich jetzt zum ersten Mal richtig angehen. Denn ich habe in der Vergangenheit noch nie wirklich Verantwortung für meine Krankheit übernommen, wenn dann immer nur halbherzig und kurzfristig. Bin dann ganz schnell wieder in die alten Verhaltensmuster ( oder hatte sie garnicht erst abgelegt) gefallen und habe wieder getrunken.
    Ich habe hier oft den Satz gelesen " Nur nicht trinken, reicht nicht" . Wie wahr.


    Später kannst Du dich dann immer noch bei denen entschuldigen, denen Du weh getan hast. Das klappt m.E. besser, wenn Du schon eine Weile clean bist, damit diese Personen sehen, dass Du es wirklich ernst meinst.

    So möchte ich es machen. Es fühlt sich jetzt noch nicht richtig an, sich zu entschuldigen. Zu oft habe ich viel zu früh voller Euphorie und Überzeugung große Versprechungen gemacht. Im Grunde war ich nicht ehrlich zu mir selbst, habe es aber garnicht bemerkt. Erschreckend, wie gut man sich selbst belügen kann.


    & du tust gut daran, dem Frieden nicht zu trauen. Aus Erfahrung weiß ich, dass innerhalb kürzester Zeit die Stimmung von euphorisch auf extrem missmutig kippen kann, erst recht, wenn man mit seiner Trockenheit ganz am Anfang steht. Der Hormonhaushalt ist eben krumm gesoffen.

    Es ist so erleichternd für mich, dass diese ganzen extremen Schwankungen nicht einfach nur an meiner Person oder einer Charakterschwäche, sondern an meiner Krankheit liegen. Das muss ich verinnerlichen. Diese ganzen Selbstvorwürfe bringen mich nicht weiter.

    Die Bücher sind bestellt; ich beginne dann mit Borowiak.

    Wünsche allen einen schönen Sonntag!

    LG
    Carmen

    Hall Carl Friedrich,

    vielen Dank für dein hilfreiches Feedback!

    Du schreibst:


    Mich stört das Wort "versagt". Es beinhaltet einen schweren persönlichen Schuldvorwurf. Und der ist fehl am Platze.

    Das stimmt! Ich mache mir unglaublich viele Vorwürfe und mich plagen große Schuldgefühle, die mich sehr belasten. Ich habe geliebten Menschen durch meine Krankheit so viel angetan, sie zutiefst verletzt und verstört.

    Ich muss diese schlimmen Gefühle momentan so gut wie es geht verdrängen, denn sie haben in der Vergangenheit oft zu einem Rückfall geführt. Ich darf das dieses Mal nicht zulassen. Ich weiß, dass man bei einer Krankheit nicht von Schuld reden sollte, aber soweit bin ich noch nicht. Es tut mir alles so unendlich leid.

    Ich hoffe, dass dieser teilweise unerträgliche Schmerz mit der Zeit vergeht. Eins ist dabei sicher: Das wird mir nur trocken gelingen.
    Sonst wird dieser unendliche Teufelskreis kein Ende nehmen:
    Schuldgefühle = Trinken ..... Trinken = Schuldgefühle .......Eine Endlosschleife.


    Du bist jetzt eine Weile standhaft geblieben, warum sollte es dir nicht in Zukunft auch gelingen?

    Du hast Recht! Ein sehr guter Gedanke, der mir etwas mehr Sicherheit gibt.

    Mir schrieb hier der gute Dante vor 4 3/4 Jahren, als ich von heftigem Suchtdruck durchgeschüttelt wurde, dass mich jede Triggerabwehr für die Zukunft stärker macht. Recht hatte und hat er.



    Das motiviert mich standhaft zu bleiben.

    Danke für die Buchempfehlungen; werde mir die Bücher bestellen.

    Lg
    Carmen