Hallo MeaCulpa,
ich habe deine Vorstellung gelesen und sie hat mich irgendwie angesprochen, deshalb möchte ich dir ein paar Gedanken dalassen.
Ich wünsche dir sehr, dass sich bei dir der Schalter endgültig umgelegt hat und du dauerhaft von dieser Sucht und anderen Süchten wegkommst.
Was du von dir schreibst, klingt danach, als ob du ein recht gutes Gespür für dich entwickelt hast. Wenn das so ist, würde mich das für dich freuen.
Mir ging’s übrigens ähnlich wie Linde, als ich gelesen habe, in welche Gefahr du dich da mehr oder minder unbewusst gebracht hast. Die Erfahrung zeigt, dass solche Begebenheiten u.U. erst im Nachhinein ihr ganzes Triggerpotential entfalten können. Es wäre daher gut und wichtig für dich, wenn du in dieser und nächster Zeit ganz besonders auf dich Acht gibst. Vielleicht magst du uns ja schreiben, welche Gedanken dir diesbezüglich so durch den Kopf gehen.
Was Alkohol trinkende Freunde und Bekannte betrifft, so habe ich im Laufe der letzten Monate - ich bin inzwischen 11 Monate trocken - bemerkt, was das mit mir macht und dabei so manchen Rat, der mir hier und anderswo gegeben worden ist, befolgt. Nach und nach wurde mir immer bewusster, warum es immens wichtig für mich ist, meine Trockenheit zur Priorität Nummer 1 zu machen und mich von bestimmten Menschen und Situation erstmal fern zu halten, und auch, warum es wichtig für mich ist und mich letztlich unterstützt, dass mein Umfeld weiß, warum ich keinen Alkohol mehr trinke.
Ich hab’s nicht jedem auf die Nase gebunden und, wenn ich‘s erzählt hab, keinen Film davon gemacht, aber die Menschen, die mir wichtig sind und ein paar Ärzte wissen Bescheid. Ärzte übrigens u.a. auch deswegen, weil es für manche Medikation wichtig ist, das zu wissen.
Ich darf mich schon seit einer Weile zufrieden abstinent nennen und bin sehr dankbar, dass ich das so fühlen darf. Es fühlt sich einfach gut an.
Solche Runden, wie du sie da beschreibst, würde ich auch jetzt noch eher meiden. Zum einen, weil ich auf diese Alkohol-Seligkeit und die Selbstverständlichkeit des Alkoholkonsums überhaupt keine Lust mehr habe, sondern eher angenervt davon bin. - Durch Alkoholmissbrauch ist bei mir und bei anderen so viel kaputt gegangen. -
Wozu sollte ich mich etwas aussetzen wollen, was mich nervt und womöglich sogar traurig und bedrückt macht?
Lust habe ich, mit Menschen zusammen zu sein, die nüchtern sind und ganz selbstverständlich wie ich einfach nur eine Apfelsaft-Schorle, eine Cola, ein Bitter-Lemon, ein Wasser, einen Kaffee, Tee usw. trinken, mit denen ich mich einfach so gerne unterhalten mag, ohne Gespräche über das Thema Alkohol führen zu müssen oder beobachten zu müssen, wie andere sich unter Alkoholeinfluss verändern.
Ich hab mich nun nicht ins Gegenteil von früher gekehrt und bin auch keine Missionarin für die Abstinenz geworden, aber meine Trockenheit und mein Wohlbefinden sind mir wichtig geworden und ich empfinde es als einfach nur schön und angenehm, mit Menschen zusammen zu sein, die ebenso wie ich alkoholfreie Getränke konsumieren und für die das auch irgendwie ganz selbstverständlich ist.
Viele Grüße
AufderSuche