Beiträge von Stern

    Ständig bin ich am Grübeln

    Kannst du dich auf eine Sache konzentrieren oder kreisen die Gedanken wirr durcheinander?

    Mir hilft da aufschreiben.
    Für jedes Thema eine Seite.
    Und dann nehme ich mir nur ein Blatt mit nur einem Thema und schreibe alles dazu auf, was mir einfällt.
    Dabei sortieren sich ganz viele Gedanken und werden klarer.

    Ob die Schmerzen in beiden Füßen durch eine Sehnenentzündung bald mal weggehen

    Vielleicht kann da der Gang zum Orthopäden und anschließend zur Physiotherapie helfen?

    Ich hatte mal fürchterliche Schmerzen unter dem Fuß. Nichts hat geholfen, weil niemand die Ursache erkannt hat. Salben, maßgefertigte Einlagen, andere Salben, weichere Einlagen….Schonung, Belastung, dann doch lieber schonen….
    Letztendlich waren verkürzte Muskeln in der Wade und damit verbundene falsche Belastung die Ursache und konnte bei der Physiotherapie erfolgreich behandelt werden. Die Übungen mache ich heute noch regelmäßig zu Hause, damit ich solche Schmerzen möglichst nie wieder haben muss.
    Erkannt hat das nach 3 Ärzten dann der 2. Orthopäde.

    ob mein Sohn seinen Schulabschluss schafft, ob er dann zeitnah weiß wie es danach weitergehen soll

    Das ist natürlich ein Thema, was richtig Kopfzerbrechen machen kann.
    Aber ganz ehrlich: Ist es möglich, jetzt auf diese Fragen eine Antwort herbei zu denken?
    Das kommt wie es kommt und wenn es gekommen ist, wird es auch eine Antwort geben.
    Erstmal sollten das die Gedanken sein, die dein Sohn haben sollte. Du kannst nicht seine Gedanken denken.

    was die kommenden Monate bringen

    Wer weiß denn das schon?

    Und warum willst du das so genau wissen?
    Klar, so ganz planlos ist auch doof, aber ich finde, dass zu viele Gedanken um die Zukunft das ‚jetzt‘ viel zu sehr in den Hintergrund schieben.
    Wenn immer nur an morgen gedacht wird, ist das Heute morgen doch schon wieder gestern….und du hast lediglich an morgen gedacht.

    Ob ich nochmal die Arbeitsstelle wechseln sollte. Einerseits ist die Tätigkeit spannend, andererseits aber eben auch sehr zeitintensiv

    Ist Stunden reduzieren eine Option?

    Ob ich mich irgendwann mal wieder auf ein Buch konzentrieren kann und es nicht einfach aufschlage und die Seite einfach nur anstarre, ohne zu lesen.

    Ich bin sicher, dass dir das wieder gelingen wird.

    Ich gucke immer, dass ich mich nicht im Großen verliere.
    Das Große ist ja wirklich oft sehr viel. Leichter wird es, immer nur einen Teil ‚zu bearbeiten‘.

    dass ich die Stadt jetzt mit anderen Augen betrachte und nach Orten schaue, für mich oder generell nicht mit Alkohol besetzt sind. Darauf hin meinte sie, dass die Orte, die Ihr spontan einfallen würden, entweder Spielplätze oder Friedhöfe sind. :shock:

    So abwägig finde ich diese Aussage der Therapeutin gar nicht. Und wenn ich ehrlich bin, finde ich sie sogar ziemlich treffend.
    Man muss sich doch nichts vormachen: Alkohol gibt es überall. Und wahrscheinlich sogar auf Spielplätzen und auf Friedhöfen.

    Es wird nicht möglich sein, sich vor dem Alkohol zu verstecken. Einzig meine Wohnung kann ich alkoholfrei halten.
    Ich fände es auch sehr anstrengend, immer so dermaßen auf der Hut zu sein, dass der Alkohol mich nicht anspringt. Denn er springt mich nicht an. Es ist da, und gar keine Frage, dass ich nicht drauf zu renne, aber ist es nicht einfacher, sich innerlich so vom Alkohol zu distanzieren, dass es egal ist, ob da irgendwo eine Flasche Bier steht oder jemand ein Glas Wein trinkt.

    Ich habe mir meine alkoholfreie Zone in meinem Kopf geschaffen. Meinen Kopf nehme ich ja überall mit hin, und solange der alkoholfrei denkt, ist doch das ,drumherum‘ gar nicht mehr so entscheidend.
    Reine Saufveranstaltungen meine ich jetzt gar nicht, denn das ist ganz klar, dass ein Alkoholiker da nix zu suchen hat.
    Ich rede vom ganz normalen Alltag, vom ganz normalen Stadtbummel, vom ganz normalen Straßencafé, vom ganz normalen Wochenendeinkauf….. überall werde ich immer wieder auf Alkohol treffen. Das ist nun mal so.
    Die Welt um mich herum wird ja nicht trockener, nur, weil ich nicht mehr saufe.

    Die Akzeptanz, dass ich Alkoholiker geworden bin und dass ich das auch für immer bleiben werde, machte es mir möglich, einzusehen und zu verstehen, dass es für mich keinen Alkohol mehr geben kann….wenn ich leben will. Und ich will leben.
    Es ist völlig Wurscht, was andere machen oder nicht machen, was andere trinken oder nicht trinken….ich kann keinen Alkohol mehr trinken.
    Kein Alkoholiker, der leben will, kann jemals wieder Alkohol trinken. Das ist einfach so. Braucht man nicht drüber zu diskutieren, braucht man sich nix schön oder schlecht reden. Ich brauchte das ‚nur‘ als Fakt akzeptieren.

    Damit kann man mich echt komplett aus der Fassung bringen, so dass ich dann kleinlaut wieder alles mit mir machen lasse. Irgendwie habe ich den inneren Zwang, wieder was gutmachen zu müssen.

    Mich hat niemand abwertend behandelt, (allerdings wissen auch nur ganz wenige von meiner Sucht), dennoch hatte ich auch lange das Gefühl, ich müsse was gutmachen. Noch nicht mal, weil ich gesoffen habe, vielmehr, weil ich alle angelogen und getäuscht habe, weil auf mich immer weniger Verlass war, obwohl ich oft mehr gemacht und gegeben hatte als ich das eigentlich wollte. Einfach, um nicht auszufallen.

    Es dauerte eine ganze Weile, bis im Kopf angekommen ist: Das war das Ausmaß der Sucht. Klar war das alles schon ich, aber nüchtern bin ich ganz anders. Das weiß ich heute.
    Ich konnte es nicht anders und ich konnte es nicht besser. Weil die Sucht all meine Gedanken in Beschlag genommen hat.

    Ich bin noch immer alkoholsüchtig, das werde ich auch immer bleiben, aber heute bin ich nüchtern. Und ich muss bei niemandem irgendwas gut machen. Weil ich nur mir selbst gegenüber Rechenschaft ablegen muss.
    Ich konnte mir verzeihen.

    Es gab einige ganz wenige Menschen, bei denen ich mich entschuldigt habe. Nicht für das Saufen….sondern für mein Verhalten (obwohl mein Verhalten gar nicht so mies ankam, wie es sich für mich angefühlt hat).
    Weil mir das wichtig war und weil es aus tiefstem Herzen kam. Ansonsten fühle ich mich zu gar nix verpflichtet.

    Ich habe mir, als ich schon einige Zeit nüchtern war, einen Brief geschrieben, so wie ich einer guten Freundin einen Brief schreiben würde. So ‚von außen‘ betrachtet war das alles noch immer ganz schlimm, aber es fühlte sich nicht mehr ,verächtlich‘ an. Der Brief räumte mich innerlich auf, machte mich versöhnlich mit mir und meiner Sucht und machte mich noch ein Stückchen stolzer, dass ich den Ausgang aus der Suchtspirale gefunden habe.
    Ab jetzt mache ich mein Leben besser, die Vergangenheit kann ich doch gar nicht ändern. Wer ist denn bitteschön in der Position, mir irgendwas vorwerfen zu können?

    Er meinte gerade neulich erst wieder, dass ich doch für einen Erwachsenen ein völlig akzeptables Trinkverhalten gehabt hätte.

    Mir würde da draußen jeder bescheinigen, dass ich überhaupt gar keinen Alkohol getrunken habe. Das ist das Empfinden der Leute.
    Ich weiß es besser: Ich habe mich in die Alkoholsucht gesoffen. Und das ist die wichtigste Erkenntnis für mein nüchternes Leben.

    Ich danke euch für eure lieben Worte.

    Ich werde auch weiter hier von meinen Erfahrungen schreiben, weiter meine Meinung äußern, wenn die Erfahrung (noch) nicht ausreicht und auch weiter meinen kleinen Beitrag leisten, um Hilfe zur Selbsthilfe geben zu können. Ich kann nur geben, nehmen muss sich schon jeder selbst.
    Ich weiß, dass nicht immer alles für jeden gleichermaßen passt. Um so wichtiger finde es, hier auch ‚anders‘ sein zu dürfen.

    Ich bin mit diesem Forum nüchtern geworden und darf mein nüchternes Leben nun bald schon 3 Jahre und 10 Monate zufrieden leben.
    Ihr alle seid ein Teil von meinem Leben geworden und darum möchte ich sagen: Danke, dass ihr euch die Zeit nehmt, mich zu lesen und mich auf meinem Weg zu überstürzen und danke, dass ich auch mit meinem ‚grünen Kleidchen‘ so herzlich willkommen bin.

    Ich kann, ich darf und ich will (mittlerweile).

    👍

    Ohne professionelle Hilfe geht es so nicht weiter. Ich hab s oft verdrängt. Alkoholiker reicht doch schon.

    Super, dass du Hilfe annehmen kannst.

    Verdrängen ist ja nie förderlich. Gut, dass du das jetzt erkannt hast.
    Du hast deine Alkoholsucht zum Stillstand bringen können und mit ihr leben gelernt. Du wirst das auch mit der Depression hinkriegen. Weil du nüchtern klar denken kannst, dich auf Hilfe einlassen kannst und weil du leben willst.

    Pass gut auf dich auf.

    Manchmal finde ich, es passt vielleicht nicht ganz hier rein. Aktuell geht es bei mir eher um Depression. Wobei das ja auch Grund für s Saufen war. Wenn s nicht passt, wird sich schon jemand melden.

    Es passt.
    Weil es dich beschäftigt und weil du einen Zusammengang zum Saufen sieht.

    Hier wird oft von Saufen und Depression und von Depression und Saufen geschrieben.
    Es ist gut, dass du jetzt nüchtern bist, denn so kannst du mit professioneller Hilfe auch die Depression ‚bearbeiten‘.
    Ich finde es wirklich ganz stark von dir, dass du dir da Hilfe nimmst. Niemand muss irgendwas alleine schaffen.

    Ich muss in absehbarer Zeit in eine Einrichtung.

    Empfindest du das ‚müssen‘?

    Ist es nicht vielmehr ganz super toll, dass diese Möglichkeit für dich in greifbarer Nähe ist?

    Mich in die Sonne setzen und wie "Alle Anderen" gemütlich einen Aperitiv trinken.

    Ist das wirklich gemütlich?
    Was genau beweinst du gerade?

    Ich weiss, ich muss mir vor Augen halten wohin das bei mir führen würde.. aber die Gedanken kann ich grad nicht abschalten - so nach: würd ja keiner mitbekommen..

    Müssen tust du gar nüscht.

    Vor Augen halten, wohin der Alkohol dich führt, finde ich schon eine echte Herausforderung.
    Ich denke zwar auch manchmal: Da will ich nie wieder hin….aber viel entspannter finde ich, dass ‚jetzt‘ zu genießen, mich in meinem nüchternen Leben zurechtzufinden und dafür zu sorgen, dass das auch so bleibt.

    Die Vernunftstimme sagt natürlich das Gegenteil: Beweg dich lieber und zerstör dich nicht..


    Wenn die Vernunftsstimme zu dir spricht, frage doch mal die Notwendigkeitsstimme.

    Für einen Alkoholiker kann es keinen Alkohol geben. Nicht hin und wieder, nicht eine Ausnahme, kein gemütlich in der Sonne dem Aperitif zulächeln…..wenn der Alkoholiker denn leben will.
    Leben ist für einen Alkoholiker nun mal nur absolut nüchtern möglich, eine Alternative gibt es nicht.

    Der erste Schritt ist die Erkenntnis, Alkoholiker zu sein, davon wird aber niemand zufrieden nüchtern. Ich wusste schon sehr viele Jahre, dass ich Alkoholiker geworden bin.
    Ich konnte erst zufrieden nüchtern werden, als ich das auch akzeptiert habe.

    Ich habe hier anfangs ganz viel gelesen und ganz viel geschrieben, der Gedanke, gemütlich mit einem Aperitif in der Sonne zu sitzen, kam mir noch kein einziges Mal.

    Auch das schämen ist so gross geworden. Schämen dafür dass ich so lange soff.

    Wenn das wieder weg geht, zumindest sich minimiert, dass ist super.

    Das ist, so habe ich es hier ganz oft gelesen, ein ganz großes Thema, bei Frauen noch viel mehr als bei Männern.

    Ich habe mich so geschämt, als ich noch gesoffen habe, dass ich mich nicht mal getraut habe, das irgendwo auszusprechen. Ich habe nix schön geredet, ich habe komplett geschwiegen und immer heimlich gesoffen. Das war ganz ganz schlimm.

    Auch heute, obwohl ich für mich meinen Frieden mit meiner Alkoholsucht gefunden habe, denke ich, dass ich diese Scham noch nicht ganz ablegen konnte. Sie belastet mich nicht mehr im Alltag. Und für mich reicht es, dass ich mir gegenüber absolut ehrlich bin und so mit der Vergangenheit meinen Frieden geschlossen habe. Ich will nix verdrängen, aber ich muss auch nicht alles bis ins kleinste Detail ‚aufarbeiten‘. Mich irgendwo erklären muss ich schon mal gar nicht. Vermutlich hat das auch mit der Stigmatisierung der Alkoholsucht zu tun. Die Menschheit wird aber offener, das merke ich schon auch außerhalb dieses Forums. Und vielleicht werde ich es auch irgendwann.

    Die Vergangenheit kann ich nicht ändern, das Jetzt kann ich gestalten und auf das Morgen kann ich mich nüchtern freuen.

    .

    Ich habe das Tief ohne zu trinken verlassen können.

    Zu dem Satz wurde schon einiges geschrieben.Mir ist der auch direkt ins Auge gestochen.

    Ich habe mir ganz klar gemacht, dass ich für den Rest meines nüchtern sein werde. Klar, dass ist jetzt mal irgendwie wie Wunschdenken und dennoch ist das seit meinem 1. nüchternes Tag meine absolute Überzeugung. Weil ich Alkoholiker bin und mich der nächste Schluck Alkohol direkt wieder in die Suchtspirale zieht. Kein ‚es könnte mein Untergang sein‘… Der nächste Schluck Alkohol ist mein Untergang.

    Die ‚Option‘ zu trinken, stellt sich mir gar nicht. Es gibt keinen Alkohol mehr für mich. Weil ich leben will. Fertig.
    Und auch, wenn nicht jeder Tag immer nur schön ist, es ist mein Tag und es ist ein gelebter Tag …von mir gelebt.

    Ich finde es klasse, dass du dich mit unseren Beiträgen auseinandersetzt. Das hier zu lassen, ist mir gerade sehr wichtig.

    Hallo Dennis,

    schön, dass du nach 3 Jahren hier mitlesen nun endlich deinen nüchternen Weg gehen willst.
    Das wichtigste für mich ist es gewesen, dass ich akzeptiert habe, dass ich Alkoholiker bin …und dass ich das auch für immer bleiben werde. Die Alkoholsucht ist nicht heilbar, sie geht lediglich zu stoppen. Eine dauerhafte Abstinenz macht das möglich. Und dauerhaft ist immer. Ohne Ausnahme.

    Vor einer Woche hast du den Ausgang aus der Suchtspirale gefunden. Das ist so viel wert und das Eis, auf dem du deinen nüchternen Weg gehst, ist noch so dünn….so zerbrechlich.

    Urlaube sind für mich der größte Trigger.

    Wenn ich mich schon im Vorfeld unsicher fühle, bleibe ich zu Hause.

    Maximale Risikominimierung….so steht es in unseren Grundbausteinen.
    Und wenn du irgendwo schon im Vorfeld ein Risiko für deine Nüchterheit siehst, ist die Minimierung dessen die größte Chance, die du haben kannst.
    Du wirst dann 3 Wochen nüchtern sein, das Eis noch nicht wesentlich dicker.