Auch vernünftig streiten will ja gelernt sein.
Als ich noch gesoffen habe, habe ich meine Meinung oft unterdrückt, ganz nach dem Motto: Du hast Recht und ich meine Ruhe….Das war sicher auch vor dem Hintergrund , dass ich es immer vermieden habe, irgendwo aufzufallen oder zu streiten.
Nüchtern habe ich mich dann wieder (in kleinen Babyschritten) getraut, meinen Standpunkt überhaupt erstmal zu sagen und ihn dann auch zu vertreten. Meinen Standpunkt vertreten heißt nicht immer, ihn bis ins letzte Detail zu begründen.
Das war aber nicht nur für mich eine ziemlich große Herausforderung, sondern auch für mein Umfeld.
Erstmal die Situation verlassen, kann da sicher hilfreich sein, um ‚sich selbst wieder runter zu holen‘.
Mit 180 Puls finde ich es schwierig, sachlich zu bleiben. Das ist für mich auch der Grund, weshalb ich mich mit bestimmten Personen überhaupt nicht (mehr) unterhalten will. Nicht, weil ich nichts zu sagen hätte ….was ich zu sagen hätte, wäre tagesfüllend, aber ich habe auch einfach keine Lust, meine Energie da zu verschwenden…. Es geht doch auch da um meine Lebenszeit.
Ein Streit lohnt sich doch nur, wenn sich beide Seiten gegenseitig zuhören und die andere Meinung auch akzeptieren können (gut finden müssen sie das ja überhaupt nicht) und dann auch noch kompromissbereit sind. Streiten um des streiten willens mache ich nicht mit, das ist mir viel zu anstrengend. Entweder hört mir mein Gegenüber zu ….oder er lässt es bleiben. Gegen die Wand reden kann ich auch im Keller…. die bleibt zumindest fair.
Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass es auch sehr hilfreich für meinen eigenen Seelenfrieden sein kann, wenn ich nach dem ‚kurze Runde spazieren gehen oder den Raum verlassen und mich beruhigen‘ überhaupt nicht mehr streiten möchte …..weil es zu keinem Ergebnis führt….. dann führt mich mein Spaziergang weit weg von dieser Person, die es geschafft hat, mich dermaßen auf die Palme zu bringen. Weit weg muss da gar nicht wörtlich gemeint sein, aber eine innere Entfernung hilft mir dann schon.
Darauf möchte ich nochmal eingehen:
Ich hatte mit der Tochter meiner Frau mal wieder eine Meinungsverschiedenheit. Irgendwie passt es zwischen uns nicht mehr. Sie ist 20, ich 38. Immer wieder Verletzungen, Streit, zeitverschwendende Diskussionen. Als meine Frau sich einmischte gab es dann riesen Streit.
Meinungsverschiedenheit sind vollkommen normal. Die sollen auch so sein, denn 20jährige müssen ihre Position ja auch noch erst finden…. Aber auch 20jährige sollten in der Lage sein, dabei zumindest nicht ,den guten Ton‘ zu verlieren.
Ich glaube nicht, dass es möglich ist, Respekt einzufordern, aber es ist immer möglich, auf bestimmte Dinge hinzuweisen….Grenzen deutlich zu kennzeichnen.
Dass deine Frau sich auf die Seite ihrer Tochter stellt, finde ich auch erstmal soweit normal. Ich persönlich würde ein ‚Einmischen‘ in eine solche Situation, als sehr anmaßend empfinden. Das hat für mich was von ‚Bloßstellen’, von ‚Vorführen’ und das spielt dem ‚Kind‘ so dermaßen häßlich in die Karten, dass du gar keine Chance mehr auf ein vernünftiges Gespräch hast.
Einmischen finde ich überhaupt nicht gut. Im Ergebnis streitet ihr euch, das Kind kommt vor Lachen nicht in den Schlaf…hat alles schon längst wieder vergessen, während du noch immer frustriert durch den Regen latschst ….
Später unter 4 Augen mit dem Partner eine solche Situation ‚auswerten‘ ist was völlig anderes und absolut okay. Das fände ich zielführender.
Ich wünsche dir einen schönen Tag und eine gute Portion Gelassenheit.