Beiträge von simsala

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Die Freischaltung für den geschützten Bereich kann nach frühstens 4 Wochen erfolgen. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.

    Liebe Cadda,

    Danke für deine Worte. Das mit deinen Eltern tut mir sehr leid. Vor allen Dingen diese Machtlosigkeit von der du schreibst. Es ist einfach ungerecht, dass Manche ihr Leben wegwerfen und Andere, die alles tun würden um sich zu retten keine Chance haben. Für mich ist nach wie vor alles unfassbar. Auch diese Endgültigkeit mit der nun alles vorbei ist kaum nachvollziehbar. Und diese Wut, ja auch wenn man weiß, dass es eine Krankheit war, aber diese Wut bleibt.

    Mir gehen nur zur Zeit selber ständig die Bilder seiner letzten Monate durch den Kopf. Er war so am Ende. Ich hatte immer das Gefühl meinen Demenzkranken Opa zu besuchen. Nur einen Demenzkranken Opa hätte man viel früher einweisen können. Einen schweren Alkoholiker nehmen sie erst mit wenn alles zu spät ist. Es ist grauenhaft diese Endphase mitanzusehen. Ich weiß wenn man ihm vor 1 Jahr Bilder von ihm aus dieser Zeit gezeigt hätte, wäre er freiwillig in den Entzug gegangen. Aber man kann es nun Mal nicht ändern. Trotzdem ist es schwer mit so einem grauenhaften Ende fertig zu werden. Ich bin froh dass die Kinder ihn so nicht mehr gesehen haben. Ich weiß noch wie ich ihn 3 Tage vor der Einweisung in die Augen sah und die waren plötzlich dunkelgelb. Da wusste ich im Grunde schon dass es vorbei ist. Aber so richtig begreifen kann ich das trotzdem alles nicht. Wie grausam diese Krankheit ist. Und wie machtlos man ihr gegenüber ist. Egal ob Angehöriger oder Erkrankter.

    Ja das mache ich auch. Ich hab jetzt einfach beschlossen, dass ich den Krieg und die ewigen Streitereien, die ich mit ihm hatte mit ihr nicht weiterführen werde. Ich fang damit nicht mehr an und wenn sie anfängt schweige ich. Es reicht einfach für dieses Leben. Ich hab im Grunde dieselbe Geschichte wie fast jeder hier und wenn ich eher davon gewusst hätte wie ähnlich die Geschichten sind, hätte ich nicht ständig an n mir zweifeln müssen. Er ist den Weg bis zum Ende gegangen, trotz uns, trotz allem was wir hatten, aber wir leben. Und ich werde den Teufel tun mir jetzt noch ein schlechtes Gewissen einzureden. Mein Psychologe nennt diese Sichtweise übrigens "Rechtfertigung" ich nenn es "Verarbeitung". Aber man muss ja nicht immer einer Meinung sein. :)

    Ich habe die Berge tatsächlich fotografiert. Und beim Ausräumen des Hauses finde ich dauernd neue Verstecke. Aber wenn ich meine Schwiegermutter darauf ansprechen wird sie wütend und behauptet ich schnüffele ihm selbst im Tod hinterher. Du hast Recht. Den Kontakt zu minimieren wäre am Gesündesten. Aber irgendwie tut sie mir dann doch wieder leid und mein Sohn hängt auch sehr an ihr.

    Jetzt ist er seit 5 Wochen tot. Und wir werden überrollt von dem Scherbenhaufen der hinterlassen wurde. Manchmal bin ich tottraurig manchmal würde ich ihn am Liebsten direkt nochmal umbringen. Seine Mutter behauptet jetzt er sei kein Alkoholiker gewesen. Er habe eine Depression gehabt und deshalb etwas mehr getrunken. Mein Psychologe meinte dazu "co abhängig bis in den Tod". Aber mich macht das wahnsinnig. Ich räume gerade das Haus aus. Bei 50 habe ich aufgehört die leeren Wodkaflaschen zu zählen. Wie kann sie allen Ernstes sowas behaupten. Und sie setzt das Spiel fort: schuld an seiner Einsamkeit und Depression bin ich gewesen, weil ich ausgezogen bin mit den Kindern. Dass wir ausgezogen sind weil er nur noch betrunken war prallt an ihr ab. Das macht mich wahnsinnig.

    Ich verstehe das averhalten der Dame vom Blauen Kreuz aber auch nicht. Man ist doch immer noch Mensch und erkundigt sich wenigstens wie es der Familie nach so einer Tragödie geht. Bei mir war es nicht so. Der Betreuer vom psychiatrischen Dienst rief mich mehrmals an und sprach mit mir. Er versicherte mir dass ich nichts weiter hätte tun können für meinen Mann und bot mir und den Kindern Hilfe an. Ich finde ehrlich gesagt das gehört zum Menschsein dazu. Es lässt einen doch nicht kalt wenn eine Familie solch einen Verlust hinnehmen muss. Und ja natürlich ist der Alkoholiker für seinen Untergang selbst verantwortlich aber man darf auch nicht vergessen dass es eine Krankheit ist und kein Mensch möchte freiwillig so elendig zu Grunde gehen. Alkoholismus hat leider immer noch den Stempel "selbst schuld". Aber wenn ein Alkoholiker richtig tief drin steckt in der Krankheit ist es eine Krankheit wie andere auch. Und man darf trauern dass man einen alkoholkranken Menschen verloren hat. Das hat nichts mit Coabhängigkeit zu tun an dem Punkt. Verlust ist Verlust.

    Sorry - sie saufen alle nur, weil wir so schwierig sind.

    :lol: so ist es. Das hab ich bis zu Letzt gehört. Sogar bei seinem Autounfall mit 3 Promille hat er als Grund angegeben "Stress mit der Alten". Es ist so unfassbar wie ähnlich diese Situationen sind. Wäre ich nur schon vor Jahren in diesem Forum gewesen. Geh so lang keine Kinder im Spiel sind. Dann wirds richtig böse. Es bricht dir das Herz aber es ist auch SEINE einzige Chance. Wenn du weg bist MUSS er nachdenken. Tut er das dann auch nicht würde er es wenn du bleibst sowieso nicht. So langsam Blick ich dahinter.

    Das war bei uns auch so. Er war nicht mehr derselbe. Die Veränderung kam schleichend. Seine Ausfälle wurden schlimmer. Er machte plötzlich verrückte Sachen wie meine Schlüssel verstecken oder uns zu Hause aussperren wenn wir auf den Spielplatz gingen. Aber er behauptete später immer das sei nicht so gewesen und dass ich mir das alles einbilde. Man fängt ja an, an seiner eigenen Wahrnehmung zu zweifeln. Als dann sein Autounfall mit 3 Promille kam war das wie eine Erlösung. Endlich war die Katze aus dem Sack und das Kind hatte einen Namen. Klingt verrückt. War aber so. Und dann bin ich gegangen. Ein Jahr später war er tot. Es ist wie ein Unfall der nicht mehr aufhörte. Jetzt ist alles weg. Unsere Existenz. Unsere Zukunftsvorstellungen. Unsere Familie. Niemand schaffte es ihn zum Entzug zu bewegen. Es ist unbegreiflich.

    Das hört sich alles vertraut an. Der Vater meines Mannes ist früh gestorben (exakt mit 47 genau wie mein Mann) er war 15 und anscheinend fing da auch seine Alkohol- und Drogenkarriere an. Zumindest laut Aussage seiner Freunde. Das weiß ich alles jetzt weil ich die Gespräche mit ihnen suche. Aber mir war nie bewusst wie sehr ihn das getroffen hat. Ich möchte meine Kinder vor einem ähnlichen Weg bewahren. Weiß aber nicht wie ich ihnen helfen kann. Sehen deine Kinder ihren Vater noch? Bei mir war das die letzen 4 Monate vor seinem Tod nicht mehr möglich weil er nur noch lag und trank.

    Ich grübele zur Zeit viel über das letzte Jahrzehnt. Wie bei meiner Vorstellung erzählt ist mein Mann vor knapp 3 Wochen an den Folgen seiner Alkoholsucht verstorben. Er wurde mit sage und schreibe 4,6 Promille zwangseingewiesen. Demnach muss er ja nicht erst vor wenigen Monaten mit dem Trinken begonnen haben. Ich selbst habe aber erst etwa 12 Monate vor dem Totalausfall das Problem wirklich bemerkt oder verstanden und zog mit den Kindern aus. Alkohol war immer Thema der letzten 13 Jahre. Ich habe es aber nie als so dramatisch empfunden, obwohl ich auch vor Jahren schon versteckte Flaschen gefunden hatte. Wir haben uns viel gestritten. Er bekam oft Wutausbrüche ohne mich jetzt physisch anzugreifen. Aber seine Ausbrüche waren stets unter der Gürtellinie und nagten an mir. Ich würde mich nicht genug um ihn sondern nur um mich und die Kinder kümmern war immer im Hintergrund Thema. Ich sei faul und er müsste die ganze Arbeit machen. Manchmal flippte er schon aus wenn ich den Kindern ein Butterbrot schmierte und ich ihn nicht explizit vorher fragte ob er auch eines wolle. So Lapalien spielten sich immer hoch. Und er wurde dabei immer verletzender in seinen Ausdrücken. Ich frage mich immer was war davon vielleicht schon der Alkohol. Was seine/meine Art. Ich denke so ganz herausfinden kann man es nicht mehr aber wenn jemand hier ähnliche Erfahrungen mit einem Alkoholiker gemacht hat würde es mir helfen besser zu verstehen was Krankheit und was nicht war. Danke schon Mal!

    Ihr seid wirklich alle super. Ich hab mich erst gesträubt mich in einem Forum anzumelden aber jetzt bin ich froh. Eure Worte bauen mich total auf.

    Es war schön heute. Schön und schrecklich. Meine Tochter hat nur geweint und das war gut so, da sie endlich Mal alles rausgelassen hat und der Kleine hat mit seinen 4 Jahren meine Tränen immer wieder weggewischt und gesagt: schon gut Mama. Heute war ein furchtbarer Tag aber für uns 3 war es einmal mehr ein Erlebnis was uns noch näher zusammenbringt. Und die lieben Freunde die von allen Orten des Landes kamen um bei uns zu sein. Jetzt sind wir alle völlig fertig und müde. Aber wir haben es geschafft. Gut fand ich auch dass der Pfarrer das Thema Sucht offen angesprochen hat. Und auch die Wut und Verzweiflung, die es für alle mit sich bringt. So war alles irgendwie echt. Ohne abwertend zu wirken.

    Danke euch allen.

    Ich Frage mich halt ständig ob er überlebt hätte wenn ich nicht ausgezogen wäre. Aber es war unerträglich für uns. Und anfangs hatte ich ihm auch gesagt wenn er einen Entzug macht können wir darüber reden dass wir zurückkommen. Ich mein wenn auch das nicht gezogen hat was hätte da noch helfen können. Sicher hätte er noch länger gelebt aber das ändert wäre irgendwann auch gekommen. Nur hätte ihn dann vielleicht unsere Tochter tot aufgefunden. Ich hab ihn zwangseinweisen lassen am Ende. Er fiel im Delirium ins Koma. Bekam eine Lungenentzündung und dann noch Corona. Es war grauenhaft. Die letzten 4 Monate davor besuchte ich ihn jeden Tag. Er hat 4 Monate das Haus nicht mehr verlassen nicht geduscht nur noch getrunken. Er war Inkontinenz und in der Klinik würde auch Verdacht auf Korsakow geäußert. Zu den kognitiven Tests kam man dann nicht mehr. Es ist schwierig mit so einer Mischung aus Trauer Wut und Verzweiflung auf eine Beerdigung zu gehen. Warum hab ich nicht schon vor Jahren begriffen dass er Alkoholiker war? Ich fand immer wieder Flaschen. Eingeliefert wurde er mit 4,6 Promille. Das schafft man nicht in 2 Jahren. Er muss jahrzehntelang getrunken haben und ich hab es ausgeblendet. Das werde ich nie verstehen.

    Hallo Lananana,

    Ich hab schon die Kinder beschützt, indem ich vor 11 Monaten mit Ihnen ausgezogen bin. Das macht es mir aber nicht leichter gerade. Trotzdem bin ich froh, dass sie die schlimme Endphase nicht mitansehen mussten.

    Die Beerdigung ist morgen und ich Erträge es kaum. Wie soll ich meinem 4 jährigen Sohn auf diesem Weg begleiten. Auch meine 9jahrige Tochter ist wie verändert.sie spricht kaum und weint gar nicht. Reden will sie nicht. Zudem hat er uns einen riesigen Scherbenhaufen an Schulden hinterlassen um die ich mich auch dringend kümmern muss. Warum konnte ich ihn nicht retten?