Beiträge von Juni2022

    Ich möchte ein Thema aufmachen bzw. eine Frage stellen, die mich sehr beschäftigt. Ich weiß nicht, ob das schon einmal diskutiert wurde...

    Bin seit fast einem halben Jahr trocken und habe insgesamt 15 Wochen Therapie hinter mir. Bin seit 4 Wochen wieder in meinem Beruf tätig (direkt nach der Therapie).

    In meinem persönlichen Umfeld (Bekannte / Freunde) geht man seither sehr unterschiedlich mit mir um. Teilweise großer Abstand und sehr wenig Vertrauen in meine Zukunft. Ganz nach dem Motto: wer einmal trinkt - säuft sowieso immer! Das schafft eh keiner. Das wird auch (hinter meinem Rücken) entsprechend artikuliert. Wenige andere haben sehr großes Vertrauen in mich und glauben mir uneingeschränkt dass ich es schaffen werde, wenn ich sage was mein Vorhaben ist. Nur sehr wenige sind einigermaßen neutral und sagen "schau mer mal, nutze Deine Chance, Du kannst es schaffen, melde Dich wenn Du Hilfe brauchst". Ich muss dazu sagen, dass ich, bevor die Bombe geplatzt ist, sehr engagiert und fast überall anerkannt war. Viele haben nach meinem Rat gefragt.

    Es kommt mir so vor, als ob man bei vielen Menschen einen Stempel aufgedrückt bekommen hat. Zumal die Meisten die Information von meiner Krankheit direkt von mir haben, vorher nichts wussten, und erst dann (nach der Information) entsprechend reagieren.

    Während der Therapie haben wir wenig darüber gesprochen...es gabe wenig Erfahrungswerte dort. Die meisten Bücher oder Filme in welchen eine Alkoholkrankheit eine Rolle spielt enden mit dem Tod des - trotz aller Bemühungen - ständig trinkenden Säufer.

    Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Ist das ein Einzelfall? Bilde ich mir das ein?

    ernsthaft, du hast zwei Flaschen Wodka am Tag getrunken und man hat es dir körperlich nicht angemerkt? Oder denkst du das vielleicht nur und dein Umfeld hat das doch bemerkt?

    Hallo Panama, ich kenne Deine Geschichte nicht...ich war in der Therapie der "Hobby-Alkoliker" genannt worden. Viele haben mehr getrunken, das soll aber kein Maßstab sein.

    Wie beschrieben, kein Schwanken, kein Lallen....Gedächtnisstörungen und Geruch ja.

    Bin nicht gestolpert oder hab mir was angehauen...war nicht aggressiv...ständig müde und ausgelaugt.

    Es zumindest nie jemand was gesagt. Nicht bemerkt oder ignoriert?

    diversen anderen Alternativen

    Suchtverlagerung?

    Wieviel hast Du getrunken?

    Und ist es so dass Du auch bestätigst entweder ganz oder gar nicht?

    Darf ich überhaupt noch mit ihm ein Glas Wein trinken?

    Für mich ja - nix mehr. In der Therapie wird das auch so kund getan.

    Ich hatte öfters mal mit meiner Frau ein Glas Wein am Abend getrunken...meist hatte ich dann vorher schon so viel intus, dass der Wein (= anderer Alkohol) mir dann den Rest gegeben hat.

    Ich war nie so, dass man es mir wirklich körperlich (schwanken oder so) angemerkt hatte. Klar, Atemalkokholgeruch, Vergesslich, innerhalb von 30 Minuten 2 x mit dem Hund raus, ....man hat es natrülich schon irgendwie gemerkt...aber nicht ganz so offensichtlich.

    Am Ende habe ich gemeinsames Trinken abgelehnt und nur noch heimlich getrunken.

    Schwierige Frage. Vlt. gemeinsam Abstinent sein? Aber: Warum sollst Du etwas aufgeben, wenn Du damit umgehen kannst? ich kann Dir hier keinen Rat geben.

    Wenn ich heute "nach Hause" komme (Kinder besuchen o.ä. => bin ja ausgezogen) steht da mehr Alkohol rum als jemals zuvor. Menge und unterschiediliche Arten.

    Yannik TU WAS - JETZT.

    Ich kenne das nicht von mir persönlich aber von so vielen Erzählungen aus der Therapie. Es wird nicht besser wenn Du abwartest...werde sofort tätig, Da bist Du kein Einzelfall, das geht sehr vielen so. Vorallem wenn Du wieder auf eigene Faust entziehst und erst dann auf einen Therapieplatz wartest ist das nicht nur gefährlich, sondern kann auch sehr lange dauern. So wie Du beschreibst könntest Du heute gleich professionelle Hilfe bekommen.

    Ganz wichtig: Suchterkrankunen sind kein Zeichen persönlichen Versagens. Sie haben nichts mit Willensschwäche oder Disziplinlosigkeit zu tun. Sie sind anderkannte Krankheiten, für die es gute Hilfsangebote und Behandlungsmöglichkeiten gibt.

    Sei stolz auf Dich - Du bist einen Schritt weiter als viele andere...Du hast Deine Situation erkannt und möchtest etwas dagegen tun...das ist sehr mutig von Dir.

    Ich komme damit bislang ganz gut klar - aber ich mache mir mal Gedanken ...vielen Dank für die Hinweise.

    Ich nehme meine Sucht und meine Krankheit sehr ernst und beschäftige mich sehr viel damit....vielleicht etwas anders.

    Für wen willst Du trocken werden? Für die Führerscheinstelle oder für Dich?

    So eine Runde ist für einen frisch Abstinenten hoch riskant und hat schon zu vielen Rückfällen geführt.

    Dies nur mal zum Nachdenken.

    Die Gefährlichkeit der dieser Runden sind mir bekannt - aber völlig abkapseln?

    Ich habe nicht gesagt, dass der FS mein einziger Motivator ist, aber ja, es ist einer

    Diese Worte kann ich nur unterstützen :thumbup:

    Hi achelias,

    Suchtdruck habe ich bislang überhaupt nicht...abgesehen von den ersten 4-5 Tagen während des kalten Entzugs.

    Ich hatte die letzten Monate vor dem Entzug und der Therapie tatsächlich nur noch getrunken um zu funktionieren....also damit ich überhaupt Reden, Denken, Laufen, Fahren, ... kann - das gleiche habe ich jetzt auch, nur eben ohne Alkokohol.

    Ich will damit sagen, dass ich gar keine Räusche oder Ähnliches vermisse, da diese schon sehr lange nicht mehr verspürt wurden. Der Körper hat es in den ersten Tagen vehement gefordert - heute nicht mehr. Auch der Geruch von Alkohol ist mir unangenehm.

    Ich war während der Therapie beim Einkaufen, da hatte eine Person hinter mir an der gleichen Kasse zwei Flaschen Schnaps und Limonade (zum Mischen) auf das Band gelegt. Er hat dann immer den Blick auf den Boden gesenkt und niemanden angesehen - ich habe ihn beobachtet und hatte fest vor ihn anzusprechen...denn genau so habe ich das (Einkaufen) die Zeit vor dem Entzug auch immer gemacht. Es hat mich richtig angewiedert...dieser Anblick und der Gedanke daran was gleich draußen auf dem Parkplatz passieren wird. Ein Gespräch kam nicht zu stande, da ich einen Anruf von meiner Tochter erhalten hatte.

    Natürlich ist die Wiedererlangung meines FS ein großer Motivator, aber momentan fühle ich keinen Suchtdruck...

    Vergangenes WE war ich mit Kumpels unterwegs...alle haben Bier getrunken...hat mir nix ausgemacht. Wir haben sogar Witze darüber (meine Sucht) gemacht.

    Ich hoffe das bleibt so.

    Hallo Vanessa,

    ich bin seit ca. einen halben Jahr trocken.

    Ich war über 20 Jahre verheiratet, als meine Frau im Sommer, während ich auf Therapie war, die Ehe am Telefon für Beendet erklärt hat. Ich war zunächst nicht damit einverstanden und sehr traurig. Wir hatten sehr wenig Streit, es gab keine Gewalt oder verbale Ausbrüche in der Ehe.

    Seit ich die Trennung akzeptiert habe geht es mir von Tag zu Tag besser. Es ist der richtige Weg. Manchmal denke ich, dass ich getrunken habe weil ich zu Feige war mir einzugestehen, dass die Beziehung gescheitert ist. Ich möchte damit niemandem eine Schuld zuweisen, Getrunken habe nur ich allein und keiner hat mich dazu gezwungen. Aber ein Ende mit Schrecken ist besser als Schrecken ohne Ende.

    Meine Beziehung zu den Kindern ist zwischenzeitlich so gut wie noch nie...liegt vlt. auch daran, dass sie solangsam groß werden.

    Ich wünsche Dir viel Kraft.

    Hallo Juni,

    auch ich begrüße dich herzlich hier im Forum und zu deinen Entschluss abstinent durchs Leben zu gehen. Du bist ja nun schon seit 167 Tagen trocken und das ist toll. Für mich war und ist es entscheidend zufrieden trocken zu sein und die Abstinenz nicht als Verzicht sondern als wirklichen Gewinn zu sehen. In diesem Sinne alles Gute.

    Burkhard

    Hallo Buggi,

    vielen Dank für Deine Rückmeldung. Habe noch regelmäßig Kontakt zu den Leuten aus der Therapie. Ich weiß wie wichtig es ist dran zu bleiben. Therapieende war der 31.10. - die meisten sind schon jetzt Rückfälllig oder gar ganz in alte Verhaltensmuster abgestürzt.

    Ich habe inzwischen meinen Sprachgebrauch geändert...nicht mehr: Ich darf keinen Alkohol trinken sondern: Ich möchte keinen Alkohol trinken.

    Im übrigen ist diese Entscheidung (absolute Abstinenz) auch für Menschen schwierig die nicht Krank sind und als normale Alkoholkonsumenten unterwegs sind.

    Danke.