vorweg: Hera , Dass du im Angehörigenbereich liest und dein erster Abstinenzversuch bis heute stabil geblieben ist, macht dich für mich zu einer Ausnahme. Ebenso scheint dein Umfeld deinen hohen Alkoholkonsum nicht in seinem tatsächlichen Ausmaß wahrgenommen zu haben – und hat deshalb wohl auch nicht so darunter gelitten, wie es viele Angehörige im entsprechenden Bereich schildern.
Hab nochmal nachgedacht. Ich hab tatsächlich keine Fragen. Weil ich nach drei Jahren hier alle Antworten kenne. Nicht alle individuelle Erfahrungen aus der Kindheit der einzelnen Cos, aber es läuft immer auf das Gleiche hinaus: wegen der Kinder, wegen dem Haus (für die Kinder), wegen Geld. Wenn keine Kinder da sind: wegen der Liebe, wegen ihm/ihr als nüchternen Menschen, weil man Angst um sein/ihr Leben hat.
Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege!
Es gibt doch nur die Frage, warum bleibst du bzw. warum verlässt du ihn nicht?
Alkoholiker, die den Angehörigen-Bereich nicht kennen, könnten nach den Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen der Angehörigen fragen, um die Auswirkungen ihrer Sucht besser zu verstehen.
Die Rückschau auf eine dysfunktionale Beziehung aufgrund von Alkohol ist für einen Co wichtig. Sie kann dem/der Betroffenen etwas für die Zukunft bringen.
Aber mal ehrlich, welchen Alkoholiker hat es in seiner Saufzeit gejuckt, wie sich sein Partner fühlt? Mich nicht. Die Sucht galt es zu befriedigen und danach hab ich vielleicht mal nach den Belangen des Partners geschaut- im Suff, also auch nicht sonderlich produktiv. Eher dafür sorgen, dass er beschwichtigt ist, damit ich in Ruhe weiter saufen kann.
Das ist wohl so. Auch ich hoffte nach Entzug, SHG und Langzeittherapie vergeblich auf ein Zeichen meines Mannes, dass ihm die Folgen seiner Sucht für mich und die Kinder wirklich bewusst sind und ihm leidtun.
Auch bei EKAs gibt es vermutlich ähnliche, oft vergebliche Hoffnungen: dass ihre alkoholkranken Eltern sich rückblickend für ihre damaligen Gefühle interessieren und Verantwortung für das übernehmen, worunter sie bis heute leiden.
In manchen Forenbeiträgen geht es um Schuldumkehr:
Gäbe es einen Thread ‚Fragen an EKAs‘, in welchem Umfang würde es dort um die Co-Abhängigen gehen?
Also um deren "krankhaftes Verhalten" mit dem sie "den Alkoholiker in seiner Sucht hielten", und weshalb sie wegen sinnlosen Hoffnungen, oder aus Bequemlichkeit oder materiellen Gründen in diesem belastenden Umfeld verblieben, was letztlich zulasten der Kinder ging?
Hartmut zur Selbsthilfe:
Durch das Lesen im Forum konnte ich sehr schnell die Entscheidung treffen, mich räumlich von meinem alkoholkranken Partner zu trennen. Die Beziehung ist jedoch noch nicht beendet – und das fällt mir schwer, denn ohne Alkohol ist er genau der Mann, der zu mir passt. Ich habe auch kein Interesse daran, mir einen anderen Partner als ‚bessere‘ Alternative zu suchen. Im Moment ist die aktuelle Situation – seine trockenen Phasen zu nutzen und räumlich Abstand zu halten – für mich die bessere Lösung.
Wenn ich verallgemeinere, dann deshalb, weil ich hier lese, dass Sucht oft sehr ähnliche Muster zeigt. Das ist kein Co-Verhalten, sondern ein natürliches Gefühl von Verbundenheit, das entsteht, wenn ich mich in den Erfahrungen anderer Angehöriger wiederfinde.
Lebenskuenstler Mir ging es darum, dass Angehörigen – wie mir und vielen anderen – nicht vermittelt wird, dass es zum Lebensstil und zu den Prioritäten des Betroffenen gehört, Alkoholiker zu sein, mit allen Folgen für die eigene Gesundheit und die Lebensumstände der Familie.
Mir gegenüber wurde meist von einem ‚Feierabendbier‘ gesprochen, und die Wahrnehmung, dass der tatsächliche Konsum sich deutlich vom normalen unbedenklichen Trinkverhalten unterscheidet, wurde oft heruntergespielt oder infrage gestellt.